Chronische Krankheiten bei amerikanischen Erwachsenen

Chronische Krankheiten bei amerikanischen Erwachsenen

Drei von vier erwachsenen Menschen in den USA haben mindestens eine chronische Krankheit, so die Centers for Disease Control and Prevention im Mai 2026. Über die Hälfte lebt mit zwei oder mehr solcher Leiden. Die ältere Formel «die Hälfte der Erwachsenen» stammte aus einer engeren Diagnoseliste und gilt für diese schmalere Zählung weiter, beschreibt aber nicht mehr die Zahl, die die CDC selbst auf ihrer Übersichtsseite nennt.

Als chronisch zählt dort eine Erkrankung, die mindestens ein Jahr dauert und entweder laufende medizinische Betreuung verlangt oder den Alltag einschränkt oder beides. Herzleiden, Krebs und Diabetes stehen in den USA weiter an der Spitze von Krankheit, Behinderung und Tod. Dieselben Gruppen treiben laut CDC einen großen Teil der nationalen Gesundheitsausgaben. Die Behörde beziffert diese Ausgaben mit 5,3 Billionen US-Dollar im Jahr. Viele dieser Leiden hängen mit wenigen beeinflussbaren Faktoren zusammen. Tabak, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel und zu viel Alkohol bleiben die vier Verhaltensweisen, die die CDC zuerst nennt. Alter, Wohnort, Einkommen und Zugang zur Versorgung entscheiden mit, wer überhaupt eine Diagnose erhält und wer sie behandeln lassen kann.

Wie häufig chronische Krankheiten bei US-Erwachsenen sind

Die aktuelle CDC-Übersicht sagt klar: drei von vier Erwachsenen haben wenigstens eine Langzeiterkrankung, mehr als die Hälfte hat mehrere. Unter Menschen ab 65 Jahren liegt der Anteil mit mindestens einem Leiden über 90 Prozent, im mittleren Alter (35 bis 64) über 75 Prozent, bei 18- bis 34-Jährigen bei etwa 60 Prozent. Diese Staffelung stammt aus derselben Seite vom 14. Mai 2026 und stützt sich auf die BRFSS-Auswertung von Watson und Kollegen.

In Preventing Chronic Disease wertete das Team ungerade BRFSS-Jahre 2013 bis 2023 aus. 2023 gaben 76,4 Prozent der Erwachsenen mindestens eine von zwölf ausgewählten Erkrankungen an, umgerechnet etwa 194 Millionen Menschen. 51,4 Prozent, rund 131 Millionen, berichteten zwei oder mehr. Bei jungen Erwachsenen lagen die Werte bei 59,5 und 27,1 Prozent, in der Lebensmitte bei 78,4 und 52,7 Prozent, im Alter bei 93,0 und 78,8 Prozent. Zwischen 2013 und 2023 stieg der Anteil junger Erwachsener mit wenigstens einem Leiden von 52,5 auf 59,5 Prozent, der mit mehreren Leiden von 21,8 auf 27,1 Prozent. Das entspricht rechnerisch 5,2 Millionen zusätzlich Betroffenen in dieser Altersgruppe und 3,8 Millionen mit Multimorbidität.

Eine ältere, schmalere Zählung erklärt, warum viele Texte weiter von der Hälfte sprechen. Boersma, Black und Ward nutzten 2018 die National Health Interview Survey und zehn Diagnosen ohne Adipositas, Depression und erhöhtes Cholesterin. Damals hatten 51,8 Prozent wenigstens eine dieser Diagnosen, 27,2 Prozent zwei oder mehr. Die Größenordnung «halb / etwas mehr als ein Viertel» bleibt für diese Liste gültig. Sie misst aber nicht dasselbe wie die zwölf BRFSS-Punkte, die die CDC 2026 nach vorn stellt. Wer beide Zahlen kennt, kann Schlagzeilen einordnen, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Stethoskop, das auf einer Tabelle reflektiert das Sternenbanner liegt

Welche Leiden die Statistiken zählen

Die Prozentzahl hängt fast immer davon ab, welche Diagnosen die Forschenden in den Korb legen. Watson und Kollegen zählten Asthma (aktuell), Arthritis, Krebs ohne Hautkrebs, chronische Nierenkrankheit, COPD, Depression, Diabetes ohne Schwangerschaftsdiabetes, Herzkrankheit (Herzinfarkt, Angina oder koronare Herzkrankheit), Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Adipositas (Body-Mass-Index mindestens 30) und Schlaganfall. Boersma und Kollegen zählten Arthritis, Krebs, COPD, koronare Herzkrankheit, aktuelles Asthma, Diabetes, Hepatitis, Bluthochdruck, Schlaganfall und schwache oder versagende Nieren. Fehlten Adipositas, Depression und Cholesterin, sank die Quote Richtung Hälfte.

Welche Einzeldiagnosen vorn liegen, wechselt mit dem Alter. Bei 18- bis 34-Jährigen führten 2023 Adipositas (27,3 Prozent), Depression (25,0 Prozent) und hohes Cholesterin (16,3 Prozent). In der Lebensmitte lagen Adipositas (37,1 Prozent), hohes Cholesterin (36,9 Prozent) und Bluthochdruck (35,0 Prozent) vorn. Ab 65 Jahren bestimmten Bluthochdruck (61,4 Prozent), hohes Cholesterin (55,1 Prozent) und Arthritis (51,3 Prozent) das Bild. Watson merkt an, dass der Anstieg bei jungen Erwachsenen in einer Sensitivitätsanalyse verschwand, sobald Adipositas und Depression aus der Summe fielen. Die «neue» Last sitzt also nicht vor allem bei seltenen Organdiagnosen, sondern bei Stoffwechsel und Psyche.

Eine NCHS-Kurzauswertung der NHIS 2024 (Wang und Black, Data Brief 557, April 2026) schaut auf vier Todesursachen bei Menschen ab 45 Jahren, unabhängig von der Zwölferliste. 11,3 Prozent hatten jemals eine Herzkrankheit, 17,3 Prozent Krebs, 7,0 Prozent COPD, 5,0 Prozent einen Schlaganfall. Auf dem Land lagen Herzkrankheit, COPD und Schlaganfall höher als in großen Kernstädten. Herzkrankheit betraf 15,2 Prozent der nichtmetropolitanen Bevölkerung ab 45 gegenüber 9,8 Prozent in großen zentralen Metropolregionen. COPD lag auf dem Land bei 10,6 Prozent in dieser Altersgruppe.

Quelle und Jahr Was in der Liste steht Mindestens eine Erkrankung Zwei oder mehr
BRFSS, Watson 2023 (CDC-Seite 2026) 12 Punkte inkl. Adipositas, Depression, Cholesterin 76,4 % (rund 194 Mio.) 51,4 % (rund 131 Mio.)
NHIS, Boersma 2018 10 Diagnosen, ohne Adipositas, Depression, Cholesterin 51,8 % 27,2 %
NHIS, Wang/Black 2024, nur ab 45 Jahren vier Einzeldiagnosen, keine Gesamtrate Herz 11,3 %, Krebs 17,3 %, COPD 7,0 %, Schlaganfall 5,0 % nicht als Summe berichtet
Cleveland Clinic, Stand Oktober 2025 ältere Faustformel der CDC etwa 6 von 10 etwa 4 von 10

Die Cleveland Clinic nutzte im Oktober 2025 noch die ältere Faustformel «sechs von zehn / vier von zehn». Die CDC-Übersicht vom Mai 2026 hat diese Formel durch «drei von vier / über die Hälfte» ersetzt. Bei Widerspruch gilt die frische Behördenzahl, nicht der ältere Kliniktext.

Welche Risikofaktoren sich beeinflussen lassen

Die CDC nennt weiter eine kurze Liste von Verhaltensweisen, die einen großen Teil vermeidbarer chronischer Krankheiten mitverursachen können: Tabak (einschließlich Passivrauch), unausgewogene Ernährung, zu wenig Bewegung und übermäßiger Alkoholkonsum. Diese vier können Bluthochdruck, Adipositas und erhöhte Blutzuckerwerte bahnen. Aus diesen Stoffwechselveränderungen entstehen häufig Herzinfarkt, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und mehrere Krebsarten. Die Behörde schreibt nicht, dass jede einzelne Erkrankung so entsteht. Sie schreibt, dass ein großer Teil der vermeidbaren Last an dieser Liste hängt.

Zigarettenrauchen verursacht in den USA nach CDC-Angaben mehr als 480 000 Todesfälle im Jahr. Über 16 Millionen Menschen leben mit einer Krankheit, die das Rauchen mitverursacht hat. Dazu zählen Krebs, Herzleiden, Schlaganfall, Lungenerkrankungen, Diabetes und COPD. Wer aufhört, kann das Risiko für schwere Folgen und vorzeitigen Tod senken, auch nach langen Raucherjahren. Die Präventionsseite der CDC verweist auf die kostenfreie Telefonhilfe 1-800-QUIT-NOW.

Ernährung und Bewegungsmangel hängen eng mit Adipositas zusammen und erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzleiden, Schlaganfall, bestimmte Krebserkrankungen und Depression. Als Muster nennt die CDC Gemüse, Obst, Eiweiß, Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker, günstige Fette und Vollkorn, bei wenig hochverarbeiteten Produkten, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Natrium. Für Bewegung gilt die aktuelle US-Empfehlung: mindestens 150 Minuten mäßige Intensität pro Woche, etwa zügiges Gehen, plus an zwei Tagen Kraft für die großen Muskelgruppen. 75 Minuten hohe Intensität können die Ausdauerzeit ersetzen. Etwas Bewegung ist nach derselben Logik besser als keine.

Übermäßiger Alkohol kann Bluthochdruck, Herzleiden, Schlaganfall, Leberkrankheit und mehrere Krebsarten bahnen. Die Cleveland Clinic nennt als grobe Schwelle mehr als zwei Standardgetränke täglich bei Männern und mehr als eines bei Frauen; die CDC spricht allgemeiner von «zu viel». Schlaf unter sieben Stunden täglich verknüpft die Präventionsseite mit schlechterer Kontrolle von Diabetes, Herzleiden, Adipositas und Depression. Familiengeschichte ändert die Ausgangslage, ersetzt aber keine Messung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.

Warum junge Erwachsene seit 2013 kränker werden

Der auffälligste Trend seit der alten Seitenfassung sitzt nicht bei den über 65-Jährigen, sondern bei den 18- bis 34-Jährigen. Dort stiegen sowohl die Quote mit mindestens einem Leiden als auch die Multimorbidität in zehn BRFSS-Jahren merklich. Watson und Kollegen rechnen das vor allem Adipositas und Depression zu. COPD und Krebs ohne Hautkrebs wurden in dieser Altersgruppe sogar seltener. In der Lebensmitte nahmen Diabetes, Nierenkrankheit und Schlaganfall leicht zu. Bei Älteren stieg die Nierenkrankheit, während die gemeldete Herzkrankheit etwas zurückging.

Junge Erwachsene sind häufiger ohne durchgehende Krankenversicherung als Ältere. Wer seltener zur Untersuchung geht, erhält Diagnosen später oder gar nicht. Boersma fand 2018 bei 18- bis 64-Jährigen ohne Versicherung eine niedrigere Quote bekannter Mehrfacherkrankungen (11,6 Prozent) als bei privat Versicherten (15,7 Prozent) und deutlich niedriger als bei öffentlich Versicherten (27,6 Prozent). Das spricht eher für unterbliebene Diagnosen als für echte Gesundheit. Watson ergänzt, dass Armut in der Gruppe 18 bis 44 häufiger vorkommt und mit schlechterem Zugang zu Bewegungsmöglichkeiten und frischen Lebensmitteln einhergeht.

Die Autorinnen und Autoren raten deshalb, Vorsorge und Behandlung an Lebensphasen zu koppeln statt nur an das Rentenalter. Ein Mensch Mitte zwanzig mit Adipositas und Depression trägt bereits zwei Punkte der Zwölferliste. Ohne Änderung der Lebensweise und ohne Behandlung der Stimmungslage können Bluthochdruck, Diabetes und Gelenkleiden in der Lebensmitte folgen. Das ist keine Zwangsläufigkeit. Es ist der Pfad, den die Trendzahlen nahelegen, wenn nichts geschieht.

Wer die Last trägt nach Alter, Ort und Versicherung

Alter bleibt der stärkste nicht beeinflussbare Faktor. Fast alle Menschen ab 65 Jahren in der BRFSS-Zählung haben wenigstens eine der zwölf Erkrankungen, vier von fünf haben mehrere. Das allein erklärt die Ausgaben im Medicare-Programm nicht vollständig, macht sie aber plausibel. Die CMS-Fact-Sheet zu den National Health Expenditures nennt für 2024 Medicare-Ausgaben von 1,118 Billionen US-Dollar, 21 Prozent der gesamten nationalen Gesundheitsausgaben von 5,3 Billionen. Pro Kopf lagen die Gesundheitsausgaben 2024 bei 15 474 US-Dollar, der Anteil am Bruttoinlandsprodukt bei 18,0 Prozent. Für das Jahr 2020, das die CMS nach Alter aufschlüsselt, lagen die persönlichen Gesundheitsausgaben der ab 65-Jährigen bei 22 356 US-Dollar pro Person, mehr als das Zweieinhalbfache der Erwerbsfähigen.

Wohnort verschiebt das Risiko. Wang und Black zeigen 2024 höhere Raten von Herzkrankheit, COPD und Schlaganfall außerhalb der Metropolen. Boersma fand 2018 Multimorbidität bei 34,8 Prozent der ländlichen gegenüber 26,1 Prozent der städtischen Erwachsenen. Die CDC erklärt das mit Arztmangel, Klinikschließungen und langen Wegen, die Früherkennung und Spezialtermine erschweren. Fehlende Parks und fehlende Läden mit frischem Obst und Gemüse nennt dieselbe Seite als Beispiele sozialer Determinanten.

Geschlecht, Herkunft und Versicherungsstatus verschieben die Diagnoseraten weiter. In der NHIS 2018 lag Multimorbidität bei Frauen etwas höher als bei Männern (28,4 gegen 25,9 Prozent). Nicht-hispanische weiße Erwachsene lagen bei 30,6 Prozent, hispanische bei 17,7 Prozent, nicht-hispanische asiatische bei 16,4 Prozent. Niedrigere Quoten können echte Unterschiede oder weniger Diagnosen bedeuten. Bei ab 65-Jährigen mit Medicare und Medicaid gleichzeitig (doppelt Anspruchsberechtigte) erreichte Multimorbidität 76,9 Prozent. Das markiert eine Gruppe mit besonders hoher Krankheitslast und oft geringerem Einkommen.

Was weltweit nach WHO-Zahlen gilt

Nichtübertragbare Krankheiten töten nicht nur in den USA. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert für 2021 mindestens 43 Millionen solcher Todesfälle, das entspricht 75 Prozent der Todesfälle ohne Pandemiebezug. Ältere Texte nannten oft «fast zwei Drittel aller Todesfälle weltweit». Die aktuelle Factsheet-Zahl liegt höher, weil sie den Pandemieanteil herausrechnet und neuere Sterbedaten nutzt. 18 Millionen Menschen starben 2021 vor dem 70. Lebensjahr an einer nichtübertragbaren Krankheit. 82 Prozent dieser frühen Tode betrafen Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

Herz-Kreislauf-Krankheiten führten 2021 mit mindestens 19 Millionen Toten, gefolgt von Krebserkrankungen (10 Millionen), chronischen Atemwegskrankheiten (4 Millionen) und Diabetes einschließlich diabetesbedingter Nierentode (über 2 Millionen). Diese vier Gruppen tragen 80 Prozent der frühen NCD-Tode. Zu den bekannten Verhaltensfaktoren fügt die WHO die Luftverschmutzung hinzu: 6,7 Millionen Tote weltweit, davon etwa 5,6 Millionen durch nichtübertragbare Krankheiten, darunter Schlaganfall, ischämische Herzkrankheit, COPD und Lungenkrebs. Erhöhter Blutdruck bleibt der führende Stoffwechselfaktor und wird mit 25 Prozent der globalen NCD-Tode in Verbindung gebracht.

Das Nachhaltigkeitsziel 3.4 verlangt, die Wahrscheinlichkeit eines Todes an einer der vier Haupt-NCD zwischen 30 und 70 Jahren bis 2030 um ein Drittel zu senken. Die WHO schreibt, dass die Welt dieses Ziel im derzeitigen Tempo verfehlt. Der globale Aktionsplan 2013–2020 wurde 2019 bis 2030 verlängert, ergänzt um eine Umsetzungs-Roadmap 2023–2030. Für Leserinnen und Leser in Europa ändert das die US-Statistik nicht. Es zeigt, dass die vier Verhaltensfaktoren und der Blutdruck überall denselben Kern bilden.

Welche Vorsorge und Messwerte jetzt zählen

Vorsorge heißt hier: beeinflussbare Faktoren angehen und stille Werte messen, bevor Organe Schaden nehmen. Die CDC-Präventionsseite nennt neben Rauchstopp, Ernährung, Bewegung und Alkoholgrenze regelmäßige Arzt- und Zahnarztbesuche, Schlaf von mindestens sieben Stunden und das Gespräch über die Familiengeschichte. Bluthochdruck bleibt dabei der stille Wert. Die CDC schreibt im Januar 2026, dass dauerhaft 130/80 mmHg oder mehr als Hypertonie gilt, gestützt auf die Leitlinie von AHA und ACC aus dem Jahr 2025. Normal ist unter 120/80, erhöht 120–129 und diastolisch unter 80. Viele Menschen merken nichts. Messen ist der einzige Weg, den Wert zu kennen.

Ältere Schwellen von 140/90 mmHg tauchen in manchen Texten weiter auf. Die CDC-Verbraucherseite hat die niedrigere US-Schwelle übernommen. Wer zwischen 130 und 139 systolisch oder 80 und 89 diastolisch liegt, gilt in diesem Rahmen bereits als behandlungsbedürftig, oft zuerst mit Lebensweise, häufig zusätzlich mit Medikamenten. Die CDC rät, bei Verdacht oder bei bekannter, aber unkontrollierter Hypertonie zeitnah das Behandlungsteam zu sprechen. Teambasierte Versorgung mit Ärztin oder Arzt, Pflege und Apotheke bleibt ein Kern der CDC-Systemarbeit, ebenso Blutdruckmessen zu Hause mit einem geprüften Gerät.

Blutzucker und Blutfette gehören in dieselbe stille Gruppe. Die CDC verweist auf Tests zu Prädiabetes und Diabetes und auf das Nationale Diabetes-Präventionsprogramm als nachweislich nützliches Gruppenangebot. Einen festen Abstand für alle Gesunden nennt die Präventionsseite nicht. Sinnvoll ist, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt festzulegen, ab welchem Alter und bei welchem Gewicht gemessen wird, besonders bei familiärem Diabetes oder bei Body-Mass-Index ab 25. Zahnvorsorge mindestens einmal jährlich nennt die CDC ausdrücklich, auch bei Vollprothese. Mundkrankheiten verursachen Schmerzen und Behinderung und hängen mit Entzündung und Ernährung zusammen.

Wann zur Praxis, wann in die Notaufnahme

Ein jährlicher Termin in der Hausarztpraxis kann stille Werte und Impflücken finden, ersetzt aber keine Notfallentscheidung. Die Cleveland Clinic rät, bei Sorge um eine chronische Erkrankung zuerst die hausärztliche Praxis zu fragen und bei Unsicherheit eine Zweitmeinung einzuholen. Zur Praxis gehören neue oder steigende Blutdruckwerte, ungewollter Gewichtsverlust oder -zunahme, anhaltende Erschöpfung, Durst mit häufigem Wasserlassen, Brustenge bei Belastung, zunehmende Luftnot, geschwollene Beine, Stimmungseinbruch über Wochen und jede neue neurologische Auffälligkeit, die nicht in Sekunden vergeht.

In die Notaufnahme oder den Rettungsdienst gehören plötzliche Brustschmerzen oder Enge, die in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen kann; plötzliche Schwäche, Sprach- oder Sehstörung als möglicher Schlaganfall; stärkste Luftnot in Ruhe; Bewusstseinsstörung; stärkste, so noch nie gekannte Kopfschmerzen. Bluthochdruck selbst verursacht selten Symptome. Die CDC listet aber Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall, Nierenkrankheit, Sehverlust und Demenzrisiko als mögliche Folgen unbehandelter Hypertonie. Wer Blutdruckwerte weit über dem üblichen Bereich misst und zugleich Brustschmerz, Luftnot oder neurologische Ausfälle hat, wartet nicht auf den nächsten Routine-slot.

Menschen mit bereits bekannter chronischer Erkrankung sollten die Praxis aufsuchen, wenn vereinbarte Zielwerte dauerhaft verfehlt werden, Medikamente Nebenwirkungen machen oder die Zahl der Mittel und Termine den Alltag erdrückt. NICE sieht genau darin den Anlass für einen Plan, der mehrere Leiden gemeinsam betrachtet, nicht jedes einzeln. Wer 15 oder mehr Dauermedikamente nimmt, soll nach NG56 ohnehin so versorgt werden. Bei 10 bis 14 Mitteln oder bei Stürzen, Gebrechlichkeit und häufigen Notaufnahmen gilt dasselbe als erwägenswert.

Mehrere Krankheiten gleichzeitig versorgen

Multimorbidität bedeutet mindestens zwei Langzeitleiden in einer Person. NICE NG56 zählt dazu körperliche und psychische Diagnosen, Lernbehinderung, Gebrechlichkeit, chronischen Schmerz, Sinnesverlust sowie Alkohol- und Substanzprobleme. Die Leitlinie warnt, dass Studien zu einzelnen Krankheiten oft Menschen ohne Multimorbidität und mit wenigen Medikamenten einschließen. Wer fünf Leitlinien parallel abarbeitet, kann mehr Schaden als Nutzen haben: Termine, Wechselwirkungen, Unterzucker, Stürze.

Der von NICE empfohlene Weg beginnt mit dem, was der betroffenen Person wichtig ist: Selbstständigkeit, Arbeit, Familie, weniger Stürze, weniger Tabletten, längeres Leben. Dann folgt eine Bestandsaufnahme der Krankheits- und der Behandlungslast, einschließlich Psyche und Schmerz. Medikamente werden daraufhin geprüft, was noch nützt und was vor allem belastet. Werkzeuge wie STOPP/START können Lücken und Risiken markieren. Ziel ist ein individueller Plan mit klarer Koordination, nicht ein weiterer Stapel Einzelrezepte. Bei begrenzter Lebenserwartung oder Gebrechlichkeit sollen prognostische Dauertherapien offen gegen Alltagsziele gehalten werden.

Die Cochrane-Übersicht von Smith, Wallace, O’Dowd und Fortin (Aktualisierung, Suche bis 2015, Review 2021) dämpft übertriebene Erwartungen an pauschale Programme. Siebzehn randomisierte Studien prüften vor allem Fallmanagement, verstärkte Teams oder schulende Angebote. Klinische Messwerte änderten sich kaum (mittlere Sicherheit). Psychische Werte besserten sich, wenn Depression gezielt mitbehandelt wurde (hohe Sicherheit, standardisierte Mittelwertdifferenz −0,41). Alltagsberichte der Patientinnen und Patienten verbesserten sich eher gering. Nutzung des Gesundheitssystems blieb unklar. Die Autoren folgern, dass gezielte Arbeit an Risikofaktoren wie Depression eher wirkt als ein generisches «Selbstmanagement für alle Mehrfacherkrankten».

Die CDC beschreibt auf der Seite des National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion vier Arbeitsfelder, die an die ältere Strategie aus den 2010er-Jahren anschließen: Überwachung und Epidemiologie; Umgebungen, die gesunde Wahl erleichtern (rauchfreie Räume, bewegungsfreundliche Städte, Märkte mit Obst und Gemüse); Versorgungssysteme mit Teams, Gemeindeschwestern und digitaler Unterstützung; Brücken zwischen Praxis und Gemeindeprogrammen, etwa Überweisung ins Diabetes-Präventionsprogramm oder Blutdruckmessen zu Hause. Heilung verspricht keines dieser Felder. Sie können Entstehung verzögern, Früherkennung verbessern und Komplikationen seltener machen.

Häufige Fragen

Haben wirklich schon drei Viertel der US-Erwachsenen eine chronische Krankheit?

Ja, wenn man die zwölf BRFSS-Punkte von 2023 nimmt, die die CDC 2026 zitiert, einschließlich Adipositas, Depression und hohem Cholesterin. Nimmt man die zehn NHIS-Diagnosen von 2018 ohne diese drei Punkte, liegt der Anteil bei etwa der Hälfte. Beide Sätze können stimmen, weil sie Verschiedenes zählen. Für die aktuelle Behördenbotschaft gilt die höhere Zahl.

Zählt starkes Übergewicht als chronische Krankheit?

In der BRFSS-Auswertung von Watson ja, sobald der Body-Mass-Index mindestens 30 beträgt. In der engeren NHIS-Liste von Boersma 2018 nicht. Die CDC behandelt Adipositas als Zustand, der Typ-2-Diabetes, Herzleiden, Schlaganfall, bestimmte Krebserkrankungen und Depression bahnen kann. Gewicht allein ersetzt keine übrige Diagnostik.

Kann ich das Risiko noch senken, wenn schon eine Diagnose steht?

Ja. Die CDC schreibt, dass Rauchstopp, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und weniger Alkohol Entstehung, Zeitpunkt und Verlauf vieler Leiden beeinflussen können. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette lassen sich oft senken, manchmal ohne, oft mit Medikamenten. Heilung der häufigsten chronischen Krankheiten verspricht keine der genannten Quellen.

Ab welchem Blutdruck gilt in den USA Hypertonie?

Die CDC nennt im Januar 2026 dauerhaft 130/80 mmHg oder mehr, nach der Leitlinie von AHA und ACC 2025. Unter 120/80 gilt als normal. Viele Menschen haben keine Beschwerden. Deshalb bleibt Messen der einzige Weg, den Wert zu kennen. Bei sehr hohen Werten plus Brustschmerz, Luftnot oder plötzlichen neurologischen Ausfällen gehört der Weg in die Notaufnahme, nicht das Warten auf den nächsten Routinewert.

Wann lohnt ein Plan für mehrere Krankheiten statt einzelner Leitlinien?

NICE NG56 rät dazu, wenn Behandlungen oder der Alltag schwer zu schaffen sind, viele Dienste parallel laufen, Körper und Psyche gleichzeitig betroffen sind, Gebrechlichkeit oder Stürze vorliegen, Notaufnahmen sich häufen oder viele Dauermedikamente nötig sind. Ab 15 regelmäßigen Mitteln soll dieser Weg die Regel sein. Cochrane sieht den klarsten Nutzen, wenn Depression gezielt mitbehandelt wird.

Gilt die hohe US-Last nur für ältere Menschen?

Nein. 2023 hatten sechs von zehn 18- bis 34-Jährigen wenigstens eine der zwölf BRFSS-Erkrankungen, vor allem Adipositas und Depression. Der Anstieg seit 2013 sitzt in dieser Gruppe. Alter bleibt der stärkste Einzelfaktor, aber die Last beginnt messbar früher als in älteren Berichten.

Was hat sich an der weltweiten Zahl geändert?

Die WHO nennt für 2021 mindestens 43 Millionen Tote durch nichtübertragbare Krankheiten, 75 Prozent der Tode ohne Pandemiebezug. Ältere Formulierungen mit «fast zwei Dritteln aller Todesfälle» sind damit überholt. Neu ausdrücklich genannt wird Luftverschmutzung als großer Umweltfaktor.

Fazit

Die Formel «die Hälfte der amerikanischen Erwachsenen hat eine chronische Krankheit» beschreibt eine enge Diagnoseliste, nicht mehr die Zahl auf der CDC-Seite von 2026. Dort stehen drei von vier Erwachsenen mit wenigstens einem Leiden und mehr als die Hälfte mit mehreren. Der Zuwachs bei jungen Erwachsenen durch Adipositas und Depression ist der Trend, den ältere Texte so nicht kannten. Weltweit tragen nichtübertragbare Krankheiten drei Viertel der Tode ohne Pandemie, nicht mehr nur zwei Drittel.

Praktisch zählt, stille Werte zu kennen und die kurze Risikoliste ernst zu nehmen. Blutdruck ab dauerhaft 130/80, Blutzucker, Blutfette, Gewicht, Schlaf, Tabak und Alkohol gehören auf den Tisch der Hausarztpraxis, nicht erst nach dem ersten Infarkt. Bei Brustschmerz, plötzlicher Schwäche oder stärkster Luftnot zählt Minuten, nicht der nächste Vorsorgetermin.

Wer bereits mehrere Diagnosen und viele Medikamente hat, braucht eher einen gemeinsamen Plan als eine weitere Einzelleitlinie. NICE und Cochrane raten zu Zielen der betroffenen Person, Prüfung der Mittel und gezielter Behandlung von Depression. Die vier CDC-Felder Überwachung, Umfeld, Versorgungsteam und Gemeindeprogramme können Entstehung und Verlauf beeinflussen. Sie ersetzen weder individuelle Entscheidungen noch heilen sie die häufigsten chronischen Krankheiten.

Quellen

  1. CDC: About Chronic Diseases. Centers for Disease Control and Prevention, 14. Mai 2026.
  2. Watson KB, Wiltz JL et al.: Trends in Multiple Chronic Conditions Among US Adults, By Life Stage, Behavioral Risk Factor Surveillance System, 2013–2023. Preventing Chronic Disease, 17. April 2025.
  3. Boersma P, Black LI, Ward BW: Prevalence of Multiple Chronic Conditions Among US Adults, 2018. Preventing Chronic Disease, 17. September 2020.
  4. WHO: Noncommunicable diseases. World Health Organization, Stand: 2025.
  5. Wang X, Black LI: Prevalence of Selected Chronic Conditions Among Adults Age 45 and Older, by Age and Urbanization Level: United States, 2024. NCHS Data Brief, April 2026.
  6. Smith SM, Wallace E et al.: Interventions for improving outcomes in patients with multimorbidity in primary care and community settings. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021.
  7. NICE: Multimorbidity: clinical assessment and management. National Institute for Health and Care Excellence, 21. September 2016.
  8. CDC: Preventing Chronic Diseases: What You Can Do Now. Centers for Disease Control and Prevention, 14. Mai 2026.
  9. CDC: About High Blood Pressure. Centers for Disease Control and Prevention, 28. Januar 2026.
  10. Cleveland Clinic: Chronic Illness. Cleveland Clinic, 27. Oktober 2025.
  11. CMS: National Health Expenditure (NHE) Fact Sheet. Centers for Medicare & Medicaid Services, 24. Juni 2026.
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