Männliche Menopause: Symptome und wann zum Arzt

Männliche Menopause: Symptome und wann zum Arzt

Eine männliche Menopause im Sinne eines plötzlichen, universellen Hormonabfalls gibt es nicht. Was Medien Andropause oder Männer-Wechseljahre nennen, ist meist ein Bündel aus schleichendem Testosteronverlust, Stoffwechselkrankheiten, Schlafmangel und seelischer Belastung, seltener ein später Hypogonadismus mit nachgewiesenem Mangel.

Der britische Gesundheitsdienst nennt die Bezeichnung unhilfreich, weil sie einen steilen Sturz wie bei der Frau vortäuscht. Testosteron sinkt laut NHS vom Alter um 30 bis 40 etwa um ein Prozent pro Jahr; dieser langsame Gang allein erklärt Beschwerden selten. Die Mayo Clinic (Stand März 2025) spricht von spät einsetzendem oder altersassoziiertem Hypogonadismus und schätzt, dass nur etwa 10 bis 25 Prozent älterer Männer Werte im niedrigen Bereich haben. Ob eine Therapie sinnvoll ist, hängt von Symptomen, wiederholten Morgenwerten und behandelbaren Ursachen ab, nicht vom Kalenderalter.

Ist die männliche Menopause ein echtes Krankheitsbild?

Als eigene Diagnose mit festem Beginn und Ende existiert die männliche Menopause nicht. Fachgesellschaften beschreiben stattdessen einen Testosteronmangel, wenn typische Beschwerden und wiederholt niedrige Spiegel zusammenkommen.

Der NHS grenzt das klar. Viele Männer zwischen Ende 40 und Anfang 50 berichten über nachlassende Libido, Erektionsprobleme, Reizbarkeit, Schlafstörung oder einen wachsenden Bauch. Das heißt noch nicht, dass die Hoden plötzlich die Arbeit einstellen. Häufiger stecken Stress, Depression, Alkohol, Bewegungsmangel oder Gefäßveränderungen dahinter. Ein später Hypogonadismus, bei dem die Hoden zu wenig Androgen bilden, kommt vor allem bei Adipositas und Typ-2-Diabetes vor und gilt dort als spezielle, nicht alltägliche Lage.

Die Endocrine Society betont 2026, Begriffe wie altersbedingt, spät einsetzend oder funktionell seien schwer scharf zu fassen. Sie verwischen die Grenze zwischen behandelbarer Krankheit und normalem Altern. Die Diagnose selbst bleibt alterunabhängig und verlangt Symptome plus zuverlässig niedrige Blutwerte. Ein Reihen-Screening symptomfreier Männer wird nicht empfohlen. Wer sich müde, unlustig oder „in den Wechseljahren“ fühlt, braucht zuerst eine Ursachenliste, keinen Werbeslogan.

Die European Male Aging Study (EMAS) von Wu und Kollegen (2010) zeigte, wie selten ein enges Syndrom ist. Unter gemeindenah lebenden Männern von 40 bis 79 Jahren erfüllten 2,1 Prozent die Kombination aus mindestens drei sexuellen Symptomen und einem Gesamt-Testosteron unter 11 Nanomol pro Liter plus niedrigem freien Hormon. Der Anteil stieg von 0,1 Prozent in den Vierzigerjahren auf 5,1 Prozent in den Siebzigern. Biochemisch niedrige Werte ohne das Symptomcluster waren deutlich häufiger. Genau deshalb warnt die Studie vor Überdiagnose, wenn nur die Laborzahl zählt.

[gesunder älterer Mann im Wald]

Wie unterscheidet sich der Hormonabfall vom weiblichen Wechsel?

Bei Frauen endet der Eisprung, Östrogen und Progesteron fallen in Monaten bis wenigen Jahren, die Regel bleibt aus. Beim Mann bleibt die Hodenfunktion in der Regel erhalten, die Fruchtbarkeit nimmt allmählich ab, und der Androgenspiegel rutscht langsam.

Die Mayo Clinic stellt diesen Unterschied in den Mittelpunkt. Männer produzieren Testosteron über viele Jahre weiter, nur eben weniger. Die meisten älteren Männer bleiben im laborüblichen Korridor. Ein Wert, der mit 35 noch üppig war, kann mit 70 knapp werden, ohne dass daraus automatisch Krankheit folgt. Gleichzeitig können Krankheiten den Spiegel stärker drücken als das bloße Lebensalter. Wer mit 52 neu Libidoverlust und Erektionsstörung bemerkt, hat damit nicht denselben Einschnitt wie eine Frau nach der letzten Blutung.

Ein zweiter Unterschied betrifft die Umkehrbarkeit. Funktioneller Mangel bei Übergewicht, schlecht eingestelltem Diabetes, Opioiden oder schwerer Krankheit kann sich bessern, wenn die Ursache weicht. Die weibliche Menopause kehrt nicht um. Merck Manual (Stand 2025) trennt deshalb primären Hypogonadismus (Hodenversagen, hohes luteinisierendes Hormon) von sekundärem (Hypothalamus oder Hypophyse, niedriges oder unpassend normales LH). Viele Männer mittleren Alters liegen im sekundären, oft funktionellen Muster. Das ist Mechanik, kein Schicksal.

Fruchtbarkeit bleibt ein praktischer Trennstrich. Exogenes Testosteron drosselt die körpereigene Steuerung und kann die Samenbildung stark hemmen, schreibt Merck. Wer noch Kinder will, braucht eine andere Strategie als jemand, der nur den Spiegel anheben möchte. Der weibliche Wechsel beendet die eigene Eizellreifung dauerhaft; beim Mann ist das nicht der Normalfall des Alterns.

Welche Symptome sprechen für einen Testosteronmangel?

Sexuelle Zeichen sind die spezifischsten Hinweise. Dazu gehören nachlassendes Verlangen, seltener morgendliche oder spontane Erektionen und Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder zu halten. Andere Klagen wie Müdigkeit oder schlechte Stimmung sind häufig, aber unspezifisch.

Die Cleveland Clinic (Stand Februar 2026) nennt zusätzlich Haarverlust in Achsel und Scham, kleiner wirkende Hoden, Hitzewallungen bei sehr niedrigem Spiegel und eine stark verminderte oder fehlende Spermienzahl. Weniger eindeutig, aber oft mitgenannt, sind gedrückte Stimmung, Konzentrationslücken, mehr Körperfett, Gynäkomastie, weniger Muskelkraft und geringere Ausdauer. Die Mayo Clinic ergänzt unerklärte leichte Anämie, Knochendichteverlust, Körpergrößenverlust oder Brüche nach geringem Trauma.

EMAS hat die Zuordnung empirisch sortiert. Schlechte Morgenerektion, wenig Lust und erektile Dysfunktion hingen gemeinsam mit dem Spiegel zusammen. Depressive Verstimmung, Erschöpfung und nachlassende Kraft bei anstrengender Tätigkeit waren ebenfalls mit niedrigeren Werten verknüpft, bildeten aber allein kein Syndrom. Angst, Nervosität oder isolierte Schlafstörung reichten in dieser Kohorte nicht, um einen späten Hypogonadismus zu definieren. Wer nur schlecht schläft und gereizt ist, hat deshalb noch keinen Laborbefund vorweggenommen.

Viele Beschwerden überlappen mit Depression, Schlafapnoe, Herzkrankheit oder einem Body-Mass-Index von 30 oder mehr. Die AUA (2018, Gültigkeit 2024 bestätigt) warnt ausdrücklich davor, Fragebögen allein die Diagnose tragen oder den Therapieerfolg messen zu lassen. Nützlich ist eine ehrliche Liste, die zeitlichen Verlauf, Medikamente, Alkohol, Schmerzmittel und Beziehungskonflikte festhält. Dann kann die Praxis entscheiden, ob ein Testosteronwert überhaupt der nächste Schritt ist.

Typische Konstellationen, die einen Bluttest rechtfertigen können, sind:

  • Libido, Morgenerektion und Steifigkeit lassen über Monate nach, ohne dass eine neue Partnerschaft oder ein akuter Konflikt das erklärt.
  • Unerklärte Anämie, nachlassende Knochendichte oder ein Bruch nach geringem Anstoß kommen zu sexuellen Klagen hinzu.
  • Typ-2-Diabetes, ausgeprägtes Übergewicht oder eine behandelte Schlafapnoe bestehen, und der Alltag fühlt sich hormonell „leerer“ an.
  • Opioide, hochdosierte Cortisonpräparate oder eine frühere Chemotherapie gehören zur Vorgeschichte, und sekundäre Geschlechtsmerkmale wirken blasser.

Warum sinkt Testosteron im mittleren Alter?

Ab dem vierten Lebensjahrzehnt fällt der Spiegel im Mittel langsam, weil Hoden und Steuerzentrale im Gehirn weniger effizient arbeiten. Krankheit, Fettgewebe und Medikamente können denselben Abfall deutlich beschleunigen.

NHS und Mayo Clinic nennen übereinstimmend etwa ein Prozent pro Jahr, einmal ab 30 bis 40, einmal ab 40. Die Zahlen sind Mittelwerte, keine persönliche Prognose. SHBG, das Sexualhormon-bindende Globulin, steigt mit dem Alter oft an. Dadurch kann das Gesamt-Testosteron noch „normal“ wirken, während der siebbare freie Anteil knapper ist. Merck empfiehlt deshalb bei Männern über 50, den freien Wert zu berechnen oder per Gleichgewichtsdialyse zu messen, wenn der Gesamtwert grenzwertig ist oder SHBG durch Diabetes, Adipositas oder Schilddrüsenlage verzerrt sein könnte.

Primärer Mangel entsteht, wenn die Hoden selbst versagen, etwa durch Klinefelter-Syndrom, Infektion, Verletzung, Bestrahlung, Chemotherapie oder Eisenüberladung. Sekundärer Mangel entsteht, wenn Hypothalamus oder Hypophyse zu wenig luteinisierendes Hormon senden. Dazu zählen Hypophysentumoren, hohes Prolaktin, Opioide, Anabolika-Entzug, schwere Systemerkrankung und sehr häufig Adipositas. Die Cleveland Clinic hält fest, dass die meisten Männer mit Beschwerden eines niedrigen Spiegels weder kaputte Hoden noch eine kranke Hypophyse haben, sondern Übergewicht oder Diabetes.

Ältere populäre Texte taten so, als reiche das Lebensalter als Ursache. Aktuelle Leitlinien sehen das enger. Die AUA zählt Situationen, in denen auch ohne klassische Wechseljahresklage gemessen werden soll. Dazu gehören unerklärte Anämie, Knochenschwund, Diabetes, Chemotherapie oder Hodenbestrahlung, HIV, chronische Opioid- oder Cortisoneinnahme, männliche Unfruchtbarkeit und bekannte Hypophysenstörung. Fehlt jede dieser Spuren und bleibt der Spiegel im Referenzkorridor, erklärt „männliche Menopause“ die Müdigkeit nicht.

Welche Rolle spielen Übergewicht, Diabetes und Schlaf?

Viszerales Fett, Insulinresistenz und gestörter Schlaf können die Hirn-Hoden-Achse drosseln. Dieser funktionelle Mangel ist oft teilweise umkehrbar, wenn Gewicht, Zuckerstoffwechsel und Atmung nachts besser werden.

Die Endocrine Society nennt 2026 Gewichtsverlust als erste Linie, wenn der Body-Mass-Index über 27 liegt und keine organische Ursache gefunden wird. Die Cleveland Clinic setzt Ernährung und Bewegung an den Anfang und denkt erst nach sechs bis zwölf Monaten ohne Besserung oder bei schweren Zeichen an Medikamente. Längsschnittdaten der EMAS, zusammengefasst in Arbeiten zum adipositasbedingten sekundären Hypogonadismus, zeigten einen klaren Gradienten. Ein Gewichtsverlust unter 15 Prozent hob vor allem das Gesamt-Testosteron (rund 2 Nanomol pro Liter), während mehr als 15 Prozent Verlust sowohl Gesamt- als auch freien Spiegel deutlicher ansteigen ließ (rund 5,7 Nanomol pro Liter bzw. 52 Pikomol pro Liter frei). Gewichtszunahme wirkte spiegelbildlich.

Schlafapnoe und Testosteronmangel verstärken sich gegenseitig. Unbehandelte schwere obstruktive Apnoe gilt bei Mayo und Cleveland als Grund, eine Ersatztherapie nicht zu starten, bis die Atmung behandelt ist. Sieben Stunden Schlaf nennt die Cleveland Clinic als alltagsnahe Zielmarke, zusammen mit Therapie einer bekannten Apnoe. Wer nachts schnarcht, am Tag einnickt und zugleich Libido verliert, braucht zuerst eine Schlafabklärung, nicht nur ein Rezept.

Diabetes und Bluthochdruck gehören in dieselbe Schleife. Schlecht geführter Typ-2-Diabetes senkt den Spiegel häufiger, und niedriger Androgenstatus hängt mit Stoffwechselrisiko zusammen, ohne dass daraus automatisch eine Hormonpflicht folgt. Die AUA hält die Evidenz für eine Verbesserung von Blutzucker, Blutfetten, Energie und Lebensqualität durch Testosteron für unzureichend. Wer den HbA1c senkt, Alkohol reduziert und rauchen aufgibt, behandelt oft denselben Symptomhaufen, den Werbetexte den Wechseljahren zuschreiben.

Wie wird ein später Hypogonadismus festgestellt?

Die Diagnose verlangt passende Symptome oder Zeichen und mindestens zwei niedrige Gesamt-Testosteronwerte, nüchtern am frühen Morgen an verschiedenen Tagen. Ein einzelner Nachmittagswert reicht nicht.

Testosteron schwankt im Tagesverlauf und fällt nach Mahlzeiten. Die Endocrine Society und die AUA verlangen deshalb Wiederholung zwischen etwa 7 und 10 Uhr, idealerweise mit einem standardisierten, möglichst CDC-harmonisierten Test. Als praxisnahe Schwelle nennen AUA und viele Labore 300 Nanogramm pro Deziliter (10,4 Nanomol pro Liter). Die Endocrine Society spricht 2026 von einem gängigen klinischen Schwellenwert nahe 300 Nanogramm; die CDC-harmonisierten Referenzarbeiten, auf die sie verweist, liegen oft bei 264 Nanogramm. EMAS setzte für das Syndrom 11 Nanomol (3,2 Nanogramm pro Milliliter) plus freien Wert unter 220 Pikomol.

Leitlinie oder Studie Jahr Grenze Gesamt-Testosteron Zusätzliche Bedingung
Endocrine Society 2018, Stellungnahme 2026 häufig nahe 300 ng/dl; CDC-harmonisiert oft 264 ng/dl Symptome plus zwei nüchterne Morgenwerte
American Urological Association 2018, bestätigt 2024 unter 300 ng/dl (10,4 nmol/l) zwei Morgenwerte plus Symptome oder Zeichen
European Male Aging Study 2010 unter 11 nmol/l (3,2 ng/ml) und frei unter 220 pmol/l mindestens drei sexuelle Symptome

Nach bestätigtem niedrigen Spiegel folgt die Ursachensuche. Die AUA fordert LH, um primären von sekundärem Mangel zu trennen. Bei niedrigem oder niedrig-normalem LH soll Prolaktin gemessen werden; anhaltend hohes Prolaktin gehört in endokrinologische Abklärung. Estradiol ist sinnvoll bei Brustspannen oder Gynäkomastie. Vor einer Therapie sollen Hämoglobin bzw. Hämatokrit bestimmt werden, bei Männern über 40 außerdem PSA, um ein sichtbares Prostatakarzinom nicht zu übersehen. Merck ergänzt Transferrinsättigung (Hämochromatose) und Bildgebung der Sella bei sehr niedrigem Spiegel unter 200 Nanogramm, Kopfschmerz, Sehstörung oder Alter unter 60 ohne andere Erklärung.

Ein akuter Infekt, eine Operation oder ein Klinikaufenthalt kann den Wert vorübergehend drücken. Merck rät, sekundären Mangel erst Wochen nach Abklingen einer Systemkrankheit zu bestätigen. Wer fiebernd oder frisch operiert getestet wird, riskiert eine Scheindiagnose.

[älterer Mann spricht mit dem Arzt]

Wann zum Arzt und welche Warnzeichen zählen?

Wer über Wochen Libido, Erektion oder Antrieb verliert und darunter leidet, sollte die Hausarztpraxis aufsuchen, statt Hormone auf eigene Faust zu bestellen. Manche Zeichen brauchen raschere Klärung als ein Routine-Labor.

Der NHS rät, zuerst Lebenslage, Arbeit, Beziehung und mögliche Depression zu besprechen. Das ist kein Abwimmeln. Sexuelle Symptome können Vorboten einer Gefäßkrankheit sein, und gedrückte Stimmung ist behandelbar, auch wenn der Spiegel normal ist. Gleichzeitig sollen rote Flaggen nicht in der Schublade „Wechseljahre“ verschwinden.

Sofort ärztliche Hilfe ist sinnvoll, wenn Brustschmerz, plötzliche Luftnot, einseitig geschwollenes Bein oder Herzrasen mit Schwäche auftreten, besonders unter laufender Testosterontherapie, weil TRAVERSE Lungenembolien und Vorhofflimmern häufiger sah. Neurologische Ausfälle, stärkster Kopfschmerz oder Sehfeldausfall können auf ein Hypophysenereignis deuten. Ein schmerzhafter Hodentumor, Blut im Urin oder ein rasch steigendes PSA gehören zum Urologen, nicht in ein Anti-Aging-Studio.

Geplante, aber nicht aufschiebbare Termine sind:

  • Körpergröße nimmt spürbar ab, oder ein Knochen bricht nach geringem Anstoß, was auf Knochenschwund hinweisen kann.
  • Brustdrüsen schwellen oder sondern Flüssigkeit ab, sodass Prolaktin und Estradiol geprüft werden sollten.
  • Kinderwunsch besteht noch, bevor irgendjemand eine Gel- oder Spritzentherapie startet.
  • Ein Jugendlicher zeigt mit 14 Jahren keine Pubertätszeichen; das ist ein pädiatrisch-endokrinologisches Problem, keine Andropause.

Wer bereits Testosteron nimmt, braucht laut AUA Kontrollen des Spiegels nach Dosisfindung und danach alle 6 bis 12 Monate, plus Blutbild und PSA-Verlauf. Steigt der Hämatokrit auf 54 Prozent oder darüber, muss die Dosis fallen oder die Therapie pausieren; Merck erwähnt in dem Fall auch einen Aderlass.

Was helfen Lebensstil und Behandlung der Begleiterkrankungen?

Gewicht reduzieren, Kraft und Ausdauer trainieren, Schlaf behandeln und schädliche Medikamente prüfen kann den eigenen Spiegel heben und die Beschwerden lindern, auch wenn das Labor sich nur mäßig bewegt. Die AUA empfiehlt Lebensstiländerungen allen Männern mit nachgewiesenem Mangel, nicht nur den Übergewichtigen.

Konkret heißt das kalorienbewusste Ernährung statt Wunderpräparat, wiederholte Kraftreize statt einmaliger Sportwoche, weniger Alkohol und kein Nikotin. Die Cleveland Clinic warnt vor rezeptfreien „Booster“-Mitteln; Nutzen und Reinheit sind ungesichert, Wechselwirkungen möglich. Wer Opioide gegen Dauerschmerz braucht, sollte mit der verschreibenden Praxis über Alternativen sprechen, weil diese Stoffe die Achse dämpfen. Gleiches gilt für anabole Steroide aus dem Freizeitgebrauch. Nach dem Absetzen kann die eigene Produktion lange flach bleiben.

Psychotherapie oder Antidepressiva ersetzen kein Labor, können aber den Alltag tragen, den der NHS als Midlife-Krise beschreibt. Erektile Dysfunktion hat oft eine Gefäßursache. Dann helfen Phosphodiesterase-5-Hemmer, Blutdruck- und Blutzuckereinstellung und Rauchstopp mehr als ein Hormon, das den Spiegel nur kosmetisch anhebt. Wer Diabetes neu einstellt oder nach bariatrischem Eingriff deutlich abnimmt, sollte den Testosteronwert später erneut messen, bevor eine Dauertherapie festgezurrt wird.

Bewegung wirkt doppelt, weil sie viszerales Fett senkt und Muskel erhält, den Androgenmangel sonst schneller frisst. Ein Plan, der dreimal wöchentlich Kraft und an den übrigen Tagen zügiges Gehen mischt, ist alltagstauglicher als ein achtwöchiges Extremprogramm, das nach dem Urlaub zerfällt. Schlafhygiene und, falls indiziert, Überdrucktherapie bei Apnoe gehören dazu, weil fragmentierter Schlaf Lust und morgendliche Erektionen unabhängig vom Hormon kürzt.

Wann kommt eine Testosterontherapie infrage?

Eine Therapie kommt infrage, wenn Symptome und wiederholt niedrige Morgenwerte zusammenpassen, umkehrbare Ursachen angegangen sind und der Mann Nutzen und Risiken verstanden hat. Sie ist kein Wellnessprodukt für jedes müde Lebensjahrzehnt.

Die Endocrine Society sieht den klarsten Nutzen bei organischem Mangel der Hoden, Hypophyse oder des Hypothalamus. Bei rein gewichtsbedingtem Muster bleibt Abnehmen vorrangig. Die Mayo Clinic verweist auf die Leitlinie des American College of Physicians von 2020. Bei altersassoziiert niedrigem Spiegel soll Testosteron vor allem dann erwogen werden, wenn sexuelle Funktion das Ziel ist. Für Energie, Vitalität oder körperliche Leistungsfähigkeit allein reicht die Evidenz nicht. Die AUA listet mögliche Verbesserungen bei Erektion, Sextrieb, Anämie, Knochendichte, magere Masse und depressiven Symptomen; Kognition, Diabetesmaße, Erschöpfung, Lipide und globale Lebensqualität bleiben unklar.

Die US-Arzneimittelbehörde hat im Februar 2025 die Kennzeichnung geändert, die Zulassung aber nicht auf reines Altern ausgeweitet. Testosteron bleibt für Männer mit nachgewiesenem Mangel plus zugehöriger Erkrankung zugelassen. Die „Limitation of Use“ für rein altersbedingten Hypogonadismus bleibt stehen. Wer also nur „älter und müder“ ist, erfüllt damit kein Freifahrtschein-Kriterium.

Formen sind Gel, Pflaster, Injektion, Nasengel, Pellets und bestimmte orale Undecanoat-Präparate. Alkylierte orale Altstoffe rät die AUA ab. Gele können auf Partner oder Kinder abfärben; Hautkontakt mit der Auftragsstelle muss vermieden werden. Zielkorridore unterscheiden sich. Die AUA steuert in das mittlere Drittel des Referenzbereichs, oft 450 bis 600 Nanogramm pro Deziliter. TRAVERSE titrierte auf 350 bis 750. Dosisentscheidungen trifft die behandelnde Praxis, nicht ein Internetrechner.

Gegenanzeigen, die Mayo, Cleveland und Merck nennen, umfassen behandeltes oder aktives Prostatakarzinom, Brustkrebs, unbehandelte schwere Schlafapnoe, unkontrollierte Herzinsuffizienz, frischen Herzinfarkt oder Schlaganfall, Thrombose- oder Embolieneigung und aktuellen Kinderwunsch. Die AUA rät, nach einem Herz-Kreislauf-Ereignis drei bis sechs Monate zu warten. Bleiben Symptome trotz normalisiertem Spiegel nach drei bis sechs Monaten unverändert, soll die Therapie beendet und eine andere Ursache gesucht werden.

Welche Risiken hat Testosteron nach neueren Studien?

Die große Sicherheitsstudie TRAVERSE hat 2023 gezeigt, dass Testosterongel schwere Herzereignisse bei Männern mit Mangel und hohem Herzrisiko nicht häufiger auslöst als Scheinmedikament. Andere Risiken wie Vorhofflimmern, Lungenembolie, Nierenschäden und Blutdruckanstieg sind geblieben oder neu schärfer beschrieben.

Lincoff, Bhasin und Kollegen randomisierten 5246 Männer im Alter von 45 bis 80 Jahren mit zwei Nüchternwerten unter 300 Nanogramm und bestehender Herzkrankheit oder hohem Risiko. Nach im Mittel 22 Behandlungs- und 33 Beobachtungsmonaten lag der zusammengesetzte Endpunkt aus Herz-Kreislauf-Tod, nichttödlichem Infarkt oder Schlaganfall bei 7,0 Prozent unter Testosteron und 7,3 Prozent unter Placebo (Hazard Ratio 0,96). Prostatakarzinome waren mit 0,5 gegenüber 0,4 Prozent nicht häufiger. PSA stieg geringfügig stärker. Lungenembolie trat bei 0,9 gegenüber 0,5 Prozent auf, Vorhofflimmern bei 3,5 gegenüber 2,4 Prozent, akute Nierenschädigung bei 2,3 gegenüber 1,5 Prozent. Interventionsbedürftige Rhythmusstörungen lagen bei 5,2 gegenüber 3,3 Prozent.

Die FDA strich daraufhin im Februar 2025 die Boxed Warning zu Herzinfarkt und Schlaganfall aus der Produktinformation, verlangt aber die Aufnahme der TRAVERSE-Daten und eine neue Warnung vor Blutdruckanstieg. Ambulante 24-Stunden-Messungen hatten klasseweit höhere Werte gezeigt. In TRAVERSE selbst stieg der systolische Druck in sechs Monaten um 0,3 Millimeter Quecksilber, während Placebo um 1,5 fiel. Für den Alltag heißt das Blutdruck messen, nicht die Herzfrage von 2015 als erledigt abhaken und den Rest ignorieren.

Die Endocrine Society ergänzt 2026, TRAVERSE habe über ein bis vier Jahre keinen bedeutsamen Anstieg von Infarkt und Schlaganfall gefunden, dafür aber etwa 50 Prozent relative Zunahme von Lungenembolien und mehr Knochenbrüche in den Auswertungen der Studienfamilie. Langzeitsicherheit, einschließlich Prostatakrebs über Jahrzehnte, bleibt unbelegt. Hämatokrit über 54 Prozent war in TRAVERSE ein Abbruchgrund. Wer raucht, schon einmal eine Embolie hatte oder schlecht eingestellten Blutdruck mitbringt, braucht eine ehrlichere Nutzen-Risiko-Rechnung als der Werbespot nahelegt.

Ältere Ratgeber, die Testosteron pauschal mit Prostatakrebs und Herzinfarkt gleichsetzten, sind damit überholt. Ebenso überholt ist die Gegenstory, das Hormon sei herzneutral und nebenwirkungsfrei. Die aktuelle Lage ist nüchterner. Schwere ischämische Ereignisse waren in der geprüften Frist nicht häufiger, dafür gibt es klarere Signale bei Gerinnsel, Rhythmus, Niere, Blutdruck und roten Blutkörperchen.

Häufige Fragen

Gibt es die männliche Menopause wirklich?

Nein, nicht als plötzliches, universelles Gegenstück zur weiblichen Menopause. Einen schleichenden Testosteronverlust und, seltener, einen späten Hypogonadismus mit Symptomen plus niedrigen Werten gibt es. Der NHS hält den Medienbegriff für irreführend.

Ab welchem Testosteronwert spricht man von einem Mangel?

Die AUA setzt 300 Nanogramm pro Deziliter (10,4 Nanomol pro Liter) als praxisnahe Grenze, immer zusammen mit Symptomen. Die Endocrine Society nennt häufig dieselbe Größenordnung; CDC-harmonisiert liegt die Untergrenze oft bei 264 Nanogramm. EMAS verlangte für das Syndrom unter 11 Nanomol plus niedriges freies Hormon.

Reicht ein einzelner Bluttest am Nachmittag?

Nein. Spiegel schwanken im Tagesverlauf und sinken nach dem Essen. Leitlinien verlangen zwei nüchterne Morgenwerte an verschiedenen Tagen, bevor eine Therapie diskutiert wird.

Hilft Testosteron gegen Müdigkeit und schlechte Stimmung?

Unsicher. Die AUA hält den Nutzen für Energie, Erschöpfung und Lebensqualität für nicht belegt. Besser belegt sind sexuelle Funktion, Anämie, Knochendichte und magere Masse. Depression braucht eine eigene Abklärung.

Erhöht eine Testosterontherapie das Herzinfarktrisiko?

In TRAVERSE 2023 war die Rate schwerer Herzereignisse nicht höher als unter Placebo. Die FDA hat 2025 die entsprechende Boxed Warning gestrichen. Vorhofflimmern, Lungenembolie und Blutdruckanstieg wurden häufiger beobachtet.

Kann ich den Spiegel mit Nahrungsergänzung heben?

Dafür fehlt belastbare Evidenz, und die Cleveland Clinic rät von rezeptfreien Boostern ab. Gewicht, Schlaf, Bewegung und das Absetzen dämpfender Medikamente sind die Maßnahmen mit nachvollziehbarem Mechanismus.

Was gilt, wenn ich noch Kinder möchte?

Exogenes Testosteron kann die Samenbildung unterdrücken. Merck und AUA raten davon ab, solange ein aktueller Kinderwunsch besteht. Dann sind hCG, SERMs oder eine andrologische Kinderwunschabklärung der richtige Weg, nicht ein Gel aus der Werbeanzeige.

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Fazit

Männer-Wechseljahre als plötzlicher Hormonabsturz sind ein schlechtes Bild. Was zählt, ist die Frage, ob sexuelle Symptome, nachgewiesener Mangel und behandelbare Ursachen zusammenpassen. Die meisten müden Fünfzigjährigen haben keinen seltenen Hypogonadismus, sondern Gewicht, Schlaf, Gefäße oder eine seelische Last. EMAS hat gezeigt, wie klein die Gruppe mit eng definiertem Syndrom ist.

Der nächste sinnvolle Schritt ist unspektakulär. Dazu gehören ein Gespräch über Alltag und Medikamente, zwei Morgenwerte, LH und bei Bedarf Prolaktin, dazu Blutzucker, Blutdruck und Schlaf. Wer abnimmt und eine Apnoe behandeln lässt, kann den eigenen Spiegel heben, ohne ein Hormon zu schlucken. Wer organischen Mangel hat oder nach ausgeschöpften Maßnahmen weiter leidet, kann eine Therapie erwägen, dann mit Zielspiegel, Blutbild, PSA und Blutdruckkontrolle.

Seit TRAVERSE und der FDA-Entscheidung von 2025 muss niemand mehr das Herzrisiko von 2015 als Dogma tragen. Ebenso wenig rechtfertigt das eine sorglose Daueranwendung. Lungenembolie, Vorhofflimmern und steigender Druck bleiben Teil der Aufklärung. Der vernünftige Plan für morgen ist ein Termin, kein Online-Gel.

Quellen

  1. National Health Service: The ‚male menopause‘. National Health Service, 13. Oktober 2022.
  2. Mayo Clinic Staff: Male menopause: Myth or reality?. Mayo Clinic, 26. März 2025.
  3. Cleveland Clinic: Low Testosterone (Low T): Hypogonadism, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, Stand: 23. Februar 2026.
  4. Mulhall JP, Trost LW et al.: Evaluation and Management of Testosterone Deficiency. American Urological Association, Stand: 2024.
  5. U.S. Food and Drug Administration: FDA issues class-wide labeling changes for testosterone products. U.S. Food and Drug Administration, 28. Februar 2025.
  6. Lincoff AM, Bhasin S et al.: Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. New England Journal of Medicine, 13. Juli 2023.
  7. Wu FC, Tajar A et al.: Identification of late-onset hypogonadism in middle-aged and elderly men. New England Journal of Medicine, 16. Juni 2010.
  8. Endocrine Society: Statement on Testosterone Replacement Therapy. Endocrine Society, Stand: 2026.
  9. Jimbo M: Male Hypogonadism. Merck Manual Professional Edition, Februar 2025.
  10. Endocrine Society: Hypogonadism in Men. Endocrine Society, Stand: 24. Januar 2022.
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