
Drüsenfieber ist die klinische Form einer Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus, meist mit Fieber, Halsentzündung, Lymphknotenschwellung und tiefer Erschöpfung. Die Krankheit klingt bei den meisten Menschen in zwei bis vier Wochen von selbst ab; ein Mittel, das das Virus aus dem Körper entfernt, und eine Impfung gibt es nicht.
Jugendliche und junge Erwachsene zwischen etwa 15 und 24 Jahren erkranken am häufigsten sichtbar, besonders in Wohnheimen und ähnlichen engen Gemeinschaften. Kleinkinder stecken sich oft an, ohne das klassische Bild zu entwickeln. Wer Fieber, einen hartnäckigen Hals und geschwollene Nackendrüsen hat, braucht in der Regel Ruhe nach Bedarf, genug Flüssigkeit und eine klare Pause vom Kontaktsport, nicht wochenlanges Liegen im Bett und nicht jedes Antibiotikum aus der Hausapotheke.
Was Drüsenfieber ist und wer erkrankt
Drüsenfieber, medizinisch infektiöse Mononukleose, entsteht in der großen Mehrheit der Fälle durch das Epstein-Barr-Virus, ein humanes Herpesvirus vom Typ 4. Die britische Leitlinienzusammenfassung NICE CKS (Stand 2024) rechnet 80 bis 90 Prozent der klinischen Fälle dem EBV zu; das Merck Manual (Aktualisierung Januar 2026) beschreibt das Virus als einen der am weitesten verbreiteten menschlichen Erreger. Über 95 Prozent der Erwachsenen weltweit tragen Antikörper, weil sie irgendwann infiziert wurden.
Nicht jede Ansteckung wird zur Krankheit. Das CDC (Stand Mai 2024) schreibt, mindestens jeder vierte Teenager oder junge Erwachsene, der sich erstmals mit EBV infiziert, entwickelt das Vollbild. In ärmeren oder sehr engen Wohnverhältnissen passiert die Erstinfektion oft schon im Kindesalter und bleibt dann unauffällig oder sieht aus wie ein banaler Infekt. In wohlhabenderen Ländern verschiebt sich die erste Begegnung häufig in die Schul- und Studienzeit; genau dann wird die Immunantwort stürmischer und das Drüsenfieber sichtbar. Die American Academy of Family Physicians nannte 2023 für 15- bis 24-Jährige etwa sechs bis acht Fälle je 1000 Personenjahre, in Kasernen und Wohnheimen deutlich mehr.
Nach der akuten Phase bleibt das Virus lebenslang in B-Lymphozyten und im Rachenepithel. Es kann später stumm wieder ausgeschieden werden, ohne dass die Person erneut krank wirkt. Ein zweites klassisches Drüsenfieber ist selten. Menschen mit geschwächter Abwehr, etwa nach Transplantation oder bei HIV, können schwerere Verläufe und seltene lymphoproliferative Komplikationen bekommen. EBV ist außerdem mit einzelnen Lymphomen, Nasopharynxkarzinom und in einer großen Militärkohorte, die die AAFP 2023 zitiert, mit einem deutlich höheren Risiko für Multiple Sklerose assoziiert. Das ist kein Schicksal nach jeder Mononukleose, sondern eine langfristige epidemiologische Spur des Virus.

Welche Symptome typisch sind
Die Beschwerden beginnen meist vier bis sechs Wochen nach dem Kontakt, beim Kind oft etwas früher, und sie kommen schleichend, nicht an einem einzigen Tag. Klassisch sind Fieber, schmerzhafter Rachen und Lymphknoten, vor allem im hinteren Halsbereich; dazu kommen starke Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitverlust und manchmal ein Hautausschlag. Das CDC nennt zusätzlich eine vergrößerte Milz oder Leber, beides seltener tastbar als die Halsdrüsen.
Fieber steigt nach dem Merck Manual oft nachmittags oder abends, um 39,5 °C, vereinzelt höher. Der Hals kann eitrig belegt sein und eine Streptokokken-Angina vortäuschen; Gaumenpetechien und Schwellung um die Augen kommen vor. Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten hat eine tastbare Milzspitze, bildgebend ist die Milz fast immer vergrößert. Leberwerte liegen in rund 90 Prozent leicht über der Norm und fallen über drei bis vier Wochen wieder. Gelbsucht bleibt die Ausnahme. Ein makulopapulöses Exanthem tritt nach neuerer Merck-Darstellung bei bis zu etwa 20 Prozent auf, auch ohne Antibiotikum; älteren Serien zufolge, die die AAFP zitiert, folgte nach Aminopenicillinen fast regelmäßig ein Ausschlag.
Kleine Kinder haben häufiger Schnupfen, sichtbaren Ausschlag und eine tastbare Milz, weniger das Lehrbuchbild. Ältere Erwachsene können vor allem Fieber und Leberbeteiligung zeigen, ohne eindrucksvollen Hals. Die akuten Zeichen Fieber und Schluckschmerz lassen meist nach ein bis zwei Wochen nach. Müdigkeit, Lymphknoten und Milz brauchen länger. Die meisten fühlen sich nach zwei bis vier Wochen deutlich besser; einzelne bleiben erschöpft, gelegentlich über sechs Monate. Das Merck Manual beziffert anhaltende Müdigkeit auf bis zu zehn Prozent. Das Virus gilt dort ausdrücklich nicht als Ursache des chronischen Fatigue-Syndroms, kann aber eine lange Rekonvaleszenz nach sich ziehen.
Wie man sich ansteckt und wie lange man ansteckt
EBV sitzt vor allem im Speichel. Küssen, geteilte Gläser, Besteck, Flaschen oder Zahnbürsten reichen; Husten und Niesen spielen eine kleinere Rolle als bei einem Schnupfen. Seltener gehen Erreger, die ein mononukleoseähnliches Bild machen, über Blut, Samen, Transfusion oder Organtransplantation. Das CDC erinnert, dass Drüsenfieber weniger leicht springt als eine Erkältung. Das Merck Manual nennt eine Zahl, die viele überrascht: nur etwa fünf Prozent holen sich das Virus von jemandem, der gerade sichtbar krank ist. Die meisten Ansteckungen kommen von symptomfreien Ausscheidern.
Zehn bis 20 Prozent der immungesunden, seropositiven Erwachsenen scheiden das Virus zeitweise im Rachen aus. Nach durchgemachter Krankheit kann Speichel noch Monate Virus enthalten. Der NHS (Dezember 2023) rechnet mit Ansteckungsfähigkeit bis zu sieben Wochen vor den ersten Beschwerden und mehreren Monaten danach. Eine starre Isolationsfrist wie bei Masern gibt es nicht. NICE und die britische Gesundheitsbehörde UKHSA (2024) sehen keinen Grund, Schule, Kita oder Arbeitsplatz pauschal zu sperren; wer sich wieder tragfähig fühlt, darf zurück. Sinnvoll bleiben Hände waschen, kein Kuss und kein gemeinsames Geschirr, solange Fieber und akuter Hals bestehen. Die Mayo Clinic rät, das noch einige Tage nach Entfieberung durchzuhalten.
Eine Impfung gegen EBV oder Drüsenfieber existiert nicht. Wer nie infiziert war, bleibt empfänglich, auch wenn das Gegenüber symptomfrei ist. Nach durchgemachter Infektion schützt die Immunantwort in der Regel vor einem zweiten Vollbild, nicht aber vor stiller Reaktivierung und Weitergabe.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose ist zuerst klinisch: Alter, schleichender Beginn, hintere Halslymphknoten, belegte Tonsillen und eine passende Müdigkeit. Labor bestätigt, wenn das Bild untypisch ist, wenn es um Leistungssport geht oder wenn andere gefährliche Infekte ausgeschlossen werden müssen. Das CDC schreibt klar, dass Blutwerte für die Routine nicht zwingend sind.
Im Blut sieht man oft Lymphozytose und atypische Lymphozyten, manchmal weniger Neutrophile oder Thrombozyten, häufig leicht erhöhte Transaminasen. Die AAFP-Übersicht 2023 nennt für mehr als zehn Prozent atypische Lymphozyten eine hohe Aussagekraft. Der schnelle Heterophilentest (Monospot) ist billig, in der zweiten und dritten Woche bei Jugendlichen oft positiv, bei Kindern unter fünf Jahren und in der ersten Woche häufig falsch negativ. Falsch positive Ergebnisse kommen unter anderem bei akuter HIV-Infektion vor. Deshalb empfiehlt das CDC den Monospot nicht mehr für den allgemeinen Gebrauch. NICE CKS belässt ihn bei immungesunden Älteren in der zweiten Krankheitswoche und fordert EBV-spezifische Serologie bei Kindern unter zwölf Jahren, bei Immunschwäche und wenn eine rasche Klärung nötig ist, etwa bei Profisport.
| Antikörpermuster | Typische Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| VCA-IgM positiv, EBNA negativ | Frische Erstinfektion | Goldstandard laut CDC 2024 |
| VCA-IgG hoch, EBNA noch negativ nach ≥4 Wochen | Ebenfalls frisch möglich | Krankheit kann schon abklingen |
| VCA und EBNA beide positiv | Ältere Infektion | Betrifft die meisten Erwachsenen |
| Keine VCA-Antikörper | Noch empfänglich | Schutz fehlt |
| EA-IgG positiv | Oft aktive Phase | Bei etwa 20 Prozent Gesunder jahrelang nachweisbar |
VCA-IgM verschwindet meist nach vier bis sechs Wochen, VCA-IgG und EBNA bleiben lebenslang. Ein Streptokokken-Schnelltest schließt Drüsenfieber nicht aus, beide können parallel laufen. Bei Schwangerschaft, Drogengebrauch oder anderen HIV-Risiken gehören HIV, Cytomegalievirus und Toxoplasmose ins Labor, weil sie das Bild nachahmen und andere Konsequenzen haben.
Was zu Hause hilft und was nicht
Die Behandlung bleibt unterstützend. Trinken, Schlaf nach Bedarf, Paracetamol oder Ibuprofen gegen Fieber und Schmerz: das ist der Kern, den CDC, NICE, NHS und Mayo Clinic übereinstimmend nennen. Bettruhe als Pflichtprogramm ist überholt. NICE warnt vor Dekonditionierung: wer liegt, obwohl die Kraft langsam zurückkehrt, verlängert die Schwäche. Sinnvoll ist, den Tag nach der verfügbaren Energie zu takten und Alltagstätigkeiten wieder aufzunehmen, sobald Fieber und Hals das zulassen.
Antibiotika wirken nicht gegen EBV. Sie sind nur bei nachgewiesener bakterieller Begleitinfektion gerechtfertigt. Ampicillin und Amoxicillin soll man bei Drüsenfieber nicht geben; CDC und Mayo Clinic warnen vor einem ausgedehnten Ausschlag. Der Ausschlag beweist nicht automatisch eine dauerhafte Penicillinallergie. Acetylsalicylsäure bleibt bei Kindern und Jugendlichen tabu, weil in dieser Altersgruppe das Reye-Syndrom gefürchtet wird; der NHS nennt die Grenze unter 16 Jahren. Gurgeln mit Salzwasser kann den Rachen lindern. Die Mayo Clinic nennt als Mischungsverhältnis 1,5 Gramm Salz auf 237 Milliliter warmes Wasser, mehrmals täglich.
Steroide gehören nicht in die Hausapotheke. Eine Cochrane-Auswertung von 2015 (sieben Studien, 362 Teilnehmende) fand eine kurzfristige Linderung des Halsschmerzes nach zwölf Stunden, die sich nicht hielt, und zu wenig belastbare Daten für den unkomplizierten Verlauf. Das Merck Manual behält Kortikoide schweren Komplikationen vor, vor allem drohender Atemwegsverlegung, ausgeprägter Thrombozytopenie oder hämolytischer Anämie. Virostatika wie Aciclovir senken die Virusausscheidung im Speichel, verkürzen den Krankheitsverlauf aber nicht überzeugend. Cochrane 2016 stufte die Evidenz als sehr unsicher ein; Merck sieht keinen klinischen Grund für den Routineeinsatz.
Alkohol sollte in der akuten Phase gemieden werden, weil die Leber oft mitreagiert. Die Mayo Clinic rät außerdem, Paracetamol nicht exzessiv zu stapeln. Lutschtabletten und kühle Getränke in kleinen Schlucken helfen, wenn Schlucken weh tut. Wer kaum noch Flüssigkeit schafft, braucht ärztliche Hilfe, keine weitere Selbstmedikation.
Wann zum Arzt oder in die Notaufnahme
Ein sehr hoher Fieberverlauf, ein Hals, der sich nach einer Woche nicht bessert, extreme Erschöpfung oder beidseits deutlich geschwollene Halsdrüsen gehören in die Hausarztpraxis, so der NHS. Die Mayo Clinic setzt dieselbe Schwelle: bleiben die Beschwerden ein bis zwei Wochen stehen, ist eine Abklärung fällig. Das ist keine Dramatisierung, sondern der Punkt, an dem Streptokokken, CMV, HIV oder eine andere Ursache ausgeschlossen werden.
Rote Flaggen dulden keinen Aufschub. NICE verlangt die Notaufnahme bei Stridor und Atemnot, bei nicht beherrschbarer Austrocknung und bei Verdacht auf Peritonsillarabszess, Milzriss oder Sepsis. Der NHS schickt bei Unfähigkeit, den eigenen Speichel zu schlucken, bei schwerster Atemnot und bei heftigem Bauchschmerz in den Rettungsdienst.
| Beobachtung | Mögliche Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Stridor, Luftnot, Speichel läuft aus dem Mund | Enge der oberen Atemwege | Sofort Notaufnahme oder Notruf |
| Plötzlicher stechender Schmerz links oben im Bauch | Milzriss möglich | Klinik, nicht selbst fahren |
| Nichts mehr trinken, Verwirrtheit, stehende Hautfalte | Schwere Austrocknung | Noch am selben Tag stationär klären |
| Hohes Fieber plus Nackensteifigkeit oder Krampfanfall | Seltene neurologische Komplikation | Notaufnahme |
| Gelbsucht oder sehr dunkler Urin bei schwerem Krankheitsgefühl | Stärkere Leberbeteiligung | Zeitnah ärztlich, oft Labor am selben Tag |
| Hautblutungen, Nasenbluten, sehr blasse Schwäche | Thrombozytopenie oder Anämie | Dringend Blutbild |
Die Tabelle bündelt Schwellen aus NICE, NHS und Mayo Clinic. Sie ersetzt keine individuelle Einschätzung. Menschen mit Immunsuppression rutschen früher in den gefährlichen Bereich. Plötzlicher linksseitiger Oberbauchschmerz nach Tagen oder Wochen mit Drüsenfieber ist immer ein Notfall, auch ohne Sportunfall; viele Milzrisse entstehen ohne Trauma.
Sportpause, Milz und Rückkehr in den Alltag
Die Milz schwillt in der akuten Phase fast immer an, auch wenn sie der Untersucher nicht tastet. Ein Riss ist selten (die AAFP nennt 0,1 bis 0,2 Prozent), aber lebensbedrohlich, mit Sterblichkeit bis etwa neun Prozent in ausgewerteten Serien. 80 bis 86 Prozent der Risse passieren ohne Schlag gegen den Bauch. Die meisten ereignen sich in den ersten drei Wochen; 73,8 Prozent bis Tag 21, 90,5 Prozent bis Tag 31, so die von der AAFP zitierte Militärstudie von 2019. Einzelne Fälle sind bis zur achten Woche beschrieben.
Ältere Ratgeber sperrten Kontaktsport oft pauschal acht Wochen. Aktuelle Hausarzt- und Sportmedizintexte haben das Fenster verkürzt und individualisiert. NICE CKS rät, schweres Heben sowie Kontakt- oder Kollisionssport drei Wochen nach Symptombeginn zu lassen und danach wieder einzusteigen, wenn keine Zeichen einer akuten Infektion mehr da sind. Die AAFP 2023 formuliert dieselbe Drei-Wochen-Sperre für sportliche Belastung und eine schrittweise Rückkehr, erst leicht und ohne Körperkontakt. Das Merck Manual bleibt vorsichtiger und nennt einen Monat plus Rückbildung einer tastbaren oder sonographisch verfolgten Splenomegalie. Die amerikanische Sportmedizin-Stellungnahme, auf die NICE und AAFP Bezug nehmen, hält für Kontaktsport mindestens drei bis vier Wochen ab Symptombeginn und eine gemeinsame Entscheidung mit dem Arzt für angemessen.
Routine-Ultraschall vor dem Wiedereinstieg wird nicht als zuverlässiger Freibrief gesehen, weil die individuelle Normalgröße der Milz meist unbekannt ist und die Größe nicht gut mit dem Rissrisiko korreliert. Wer früher zurückwill, braucht eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung, kein eigenes Experiment. Alltagsbewegung und Schule oder Büro dürfen früher kommen als Fußball, Kampfsport oder schweres Kreuzheben. Die Cleveland Clinic nennt als groben Rahmen bis zu vier Wochen Verzicht auf anstrengenden Sport.
Welche Komplikationen möglich sind
Schwere Komplikationen sind selten, die Klinikaufnahme liegt nach der AAFP unter einem Prozent. Trotzdem können einzelne Organe heftig reagieren. Die oberen Atemwege verengen sich, wenn Tonsillen und Lymphknoten den Rachen ausfüllen; Kortikoide wirken hier oft innerhalb von Stunden bis einem Tag. Ein Peritonsillarabszess, eine bakterielle Sinusitis oder eitrige Lymphknoten kommen vor, so das CDC in der klinischen Übersicht. Die Leberwerte steigen fast immer leicht; eine schwere Hepatitis mit Ikterus bleibt die Ausnahme und zwingt dazu, andere Hepatitiden zu suchen.
Hämatologisch sieht man häufig milde Granulozytopenie oder Thrombozytopenie, selten eine hämolytische Anämie durch Kälteagglutinine. Neurologisch sind Enzephalitis, virale Meningitis, Fazialisparese, Guillain-Barré-Syndrom, Kleinhirnataxie und einzelne Krampfanfälle beschrieben. Sie bleiben selten, sind aber ein Grund, Bewusstseinsänderung nicht als „nur Müdigkeit“ abzutun. Herzmuskelentzündung und Lungenbeteiligung gehören zu den ungewöhnlichen Organmanifestationen.
Langfristig bleibt EBV in seltenen Konstellationen mit Burkitt-Lymphom, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen, Nasopharynxkarzinom, posttransplantärer lymphoproliferativer Erkrankung und Hämophagozytose verknüpft. Das betrifft vor allem Menschen mit gestörter Immunüberwachung, nicht den typischen Studenten mit zwei Wochen Fieber. Anhaltende Beschwerden jenseits von sechs Monaten ohne laborbestätigte EBV-Erstinfektion sollen nach CDC-Laborhinweis andere Ursachen einschließlich eines chronischen Erschöpfungssyndroms prüfen, statt endlos „chronisches EBV“ zu diagnostizieren.
Schwangerschaft und ähnliche Infektionen
Ein mononukleoseähnliches Bild in der Schwangerschaft ist kein Automatismus für eine Fehlbildung, zwingt aber zur sauberen Erregerklärung. Die Cleveland Clinic (Januar 2024) beschreibt, dass eine EBV-Mononukleose in der Schwangerschaft meist mit einem gesunden Verlauf vereinbar ist. Eine Übertragung auf das Ungeborene oder den Säugling über die Brust ist möglich, bleibt aber selten klinisch sichtbar. Fieber selbst kann Wehen und das Fehlgeburtsrisiko beeinflussen und gehört deshalb ärztlich behandelt, nicht ausgesessen.
CMV, Toxoplasmose und HIV müssen in dieser Lage gezielt ausgeschlossen werden, weil sie den Fetus anders bedrohen als EBV. NICE nennt genau diese Zusatztests, wenn die Klinik oder das Risiko es nahelegen. Eine CMV-Erstinfektion in der Schwangerschaft kann das Kind schädigen; Toxoplasmose ebenfalls. Röteln gehören ins Differenzial, sind aber nicht die typische Ursache des klassischen Drüsenfiebers. Das alte Schema „Drüsenfieber gleich EBV oder Röteln“ ist zu grob.
Außerhalb der Schwangerschaft täuschen Streptokokken-Angina, akute HIV-Infektion, CMV ohne starken Hals und Hepatitisviren das Bild nach. Hintere Halslymphknoten, atypische Lymphozyten und nur mäßig erhöhte Transaminasen schieben den Verdacht Richtung EBV, ersetzen die Serologie aber nicht, wenn etwas nicht passt.
Häufige Fragen
Wie lange ist Drüsenfieber ansteckend?
Am höchsten ist die Ansteckungsfähigkeit in den Wochen um den Ausbruch, aber EBV sitzt schon vorher im Speichel. Der NHS rechnet mit bis zu sieben Wochen vor den Symptomen und mehreren Monaten danach; das Merck Manual beschreibt zusätzlich lebenslange, zeitweise Ausscheidung bei einem Teil der Gesunden. Küssen und gemeinsames Geschirr sollte man meiden, solange Fieber und akuter Hals da sind, und nach Möglichkeit noch einige Tage länger.
Kann man Drüsenfieber zweimal bekommen?
Ein zweites klassisches Vollbild ist ungewöhnlich, weil VCA-IgG und EBNA in der Regel lebenslang schützen. Das Virus selbst bleibt und kann stumm reaktivieren, vor allem bei Immunschwäche. Wer erneut Fieber, Hals und Drüsen hat, braucht eine frische Abklärung, nicht die Annahme „das ist wieder Mono“.
Darf ich mit Drüsenfieber in die Schule oder zur Arbeit?
Ja, sobald die Kraft das zulässt; eine behördliche Ausschlussfrist gibt es in den aktuellen NICE- und UKHSA-Hinweisen nicht. Ansteckung läuft über engen Speichelkontakt, nicht über das gemeinsame Klassenzimmer an sich. Solange man hochfieberhaft oder kaum belastbar ist, bleibt man zu Hause, weil der Körper Ruhe braucht, nicht weil eine Quarantäne vorgeschrieben wäre.
Helfen Antibiotika oder Aciclovir gegen Drüsenfieber?
Nein. Antibiotika treffen das Virus nicht und Aminopenicilline können einen Ausschlag auslösen. Aciclovir und verwandte Mittel senken die Ausscheidung im Speichel, ändern den Verlauf aber nicht zuverlässig; Cochrane 2016 und das Merck Manual raten vom Routineeinsatz ab. Bakterielle Begleitinfekte behandelt die Ärztin oder der Arzt gezielt, mit anderen Wirkstoffen als Ampicillin oder Amoxicillin.
Wann darf ich wieder Sport machen?
Leichte Alltagsbewegung darf kommen, sobald Fieber und Hals nachlassen. Kontakt- und Kollisionssport sowie schweres Heben warten mindestens drei Wochen nach Symptombeginn, oft drei bis vier Wochen, und nur wenn die akute Infektion klinisch vorbei ist. Einzelne Leitlinien bleiben bei einem Monat. Die Freigabe trifft man mit der Praxis, nicht allein nach dem Kalender.
Ist Drüsenfieber in der Schwangerschaft gefährlich für das Kind?
Eine EBV-Erstinfektion gilt nach Cleveland Clinic in der Regel nicht als großes Fehlbildungsrisiko, im Gegensatz zu CMV oder Toxoplasmose. Fieber und Austrocknung der Schwangeren müssen trotzdem behandelt werden. Jedes mononukleoseähnliche Bild in der Schwangerschaft braucht Serologie, die EBV, CMV, HIV und Toxoplasmose unterscheidet.
Fazit
Wer Fieber, einen langen Hals und geschwollene hintere Halslymphknoten hat, denkt an Drüsenfieber, besonders zwischen 15 und 24 Jahren. Die nächsten Schritte sind simpel und aktuell anders als in älteren Ratgebern: Flüssigkeit, Schmerzmittel ohne Acetylsalicylsäure bei Jugendlichen, Aktivität nach Kraft statt starrer Bettruhe, kein Ampicillin auf Verdacht, Schule oder Arbeit wieder aufnehmen, sobald es geht. Der Monospot allein entscheidet die Diagnose nicht mehr; bei unklarem Bild zählt die EBV-Serologie.
Drei Wochen Pause von Kontaktsport und schwerem Heben schützen vor dem seltenen, aber gefährlichen Milzriss. Atemnot, Speichel, der nicht mehr hinuntergeht, und plötzlicher Schmerz links oben im Bauch gehören in die Klinik, nicht in die Hausapotheke. Müdigkeit darf Wochen nachhängen; dauert sie länger als ein halbes Jahr, sucht man mit der Praxis nach anderen Ursachen statt nach einem mythischen Dauer-EBV.
Eine Impfung fehlt, Heilversprechen fehlen ebenfalls. Was bleibt, ist eine selbstlimitierende Viruskrankheit, die man kennt, abgrenzt und auskuriert, mit klaren Notfallgrenzen und ohne achtwöchiges Sportverbot als pauschale Regel.
Quellen
- CDC: About Infectious Mononucleosis (Mono). Centers for Disease Control and Prevention, 9. Mai 2024.
- CDC: Laboratory Testing for Epstein-Barr Virus (EBV). Centers for Disease Control and Prevention, 10. April 2024.
- NICE CKS: Infectious mononucleosis (glandular fever). National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2024.
- NICE CKS: Scenario: Management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2024.
- Mayo Clinic: Mononucleosis – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 30. November 2022.
- Mayo Clinic: Mononucleosis – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 30. November 2022.
- Kaye KM: Infectious Mononucleosis. Merck Manual Professional Edition, Januar 2026.
- Sylvester JE, Buchanan BK, Silva TW: Infectious Mononucleosis: Rapid Evidence Review. American Family Physician, Januar 2023.
- Rezk E, Nofal YH et al.: Steroids for short-term symptom control in infectious mononucleosis (glandular fever). Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015.
- De Paor M, O’Brien K et al.: Antiviral medication for the treatment of infectious mononucleosis (glandular fever). Cochrane Database of Systematic Reviews, 2016.
- NHS: Glandular fever. National Health Service, 20. Dezember 2023.
- Cleveland Clinic: Mononucleosis (Mono or the Kissing Disease). Cleveland Clinic, 9. Januar 2024.
