Energy-Drink kann Blutdruck junger Menschen erhöhen

Energy-Drink kann Blutdruck junger Menschen erhöhen

Schon eine handelsübliche Dose kann bei gesunden jungen Erwachsenen den Blutdruck und den Noradrenalinspiegel innerhalb einer halben Stunde anheben. Das zeigte eine randomisierte Mayo-Kreuzstudie in JAMA 2015; spätere Arbeiten fanden zusätzlich Veränderungen der korrigierten QT-Zeit und messbare Druckanstiege bei Kindern, selbst bei einer Koffeinmenge, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenkliche Einzeldosis für Minderjährige nennt.

Das macht aus einer Dose keinen Infarkt. Die meisten jungen Menschen mit unauffälligem Herzen spüren nach einem Getränk höchstens Herzklopfen, Unruhe oder schlechten Schlaf. Gefährlich wird die Lage, wenn mehrere Dosen hintereinander kommen, Alkohol oder Medikamente dazukommen, oder wenn eine unerkannte elektrische Herzkrankheit im Hintergrund liegt. Die US-amerikanische Akademie für Pädiatrie (AAP) hält Koffein und andere Stimulanzien in Energy-Drinks seit 2011 für ungeeignet in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen; die CDC wiederholt das auf ihrer Schulseite vom Juli 2024.

Was ändert eine Dose am Kreislauf?

Eine 480-Milliliter-Dose eines handelsüblichen Getränks mit 240 mg Koffein und 2000 mg Taurin hob in der Mayo-Studie von Svatikova und Kollegen den oberen Blutdruck um 6,2 Prozent und den unteren um 6,8 Prozent, gemessen 30 Minuten nach dem Trinken. Fünfundzwanzig gesunde, nicht rauchende Erwachsene ohne bekannte Herzrisiken tranken an zwei Tagen entweder das Getränk oder ein ähnlich schmeckendes Placebo ohne Stimulanzien; weder sie noch das Team wussten, welcher Tag welcher war.

Der mittlere Blutdruck stieg nach dem Energy-Drink um 6,4 Prozent, nach Placebo um 1,0 Prozent. Der Puls unterschied sich nicht nennenswert. Auffällig war das Stresshormon Noradrenalin im Blut: Es kletterte von 149,8 auf 249,8 Pikogramm pro Milliliter, ein Anstieg um 73,6 Prozent, gegenüber 30,9 Prozent nach Placebo. Noradrenalin verengt Gefäße, treibt die Herzkraft und gehört zur Alarmreaktion des Körpers. Die Autoren schrieben ausdrücklich, dass diese akuten hämodynamischen und adrenergen Veränderungen das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen können, vor allem bei anfälligerem Untergrund; die Studie war klein und prüfte nur eine Marke.

Dreißig Minuten ist der Zeitpunkt, an dem Koffein im Blut oft schon deutlich nachweisbar ist. In derselben Arbeit blieb Koffein nach Placebo unmessbar und stieg nach dem Energy-Drink auf im Mittel 3,4 Mikrogramm pro Milliliter. Der Blutzucker stieg in beiden Armen, weil beide Getränke Zucker enthielten; der Unterschied war nicht der entscheidende Befund. Wer also eine Dose „nur zum Wachwerden“ leert, kauft sich eine messbare Kreislaufreaktion, nicht bloß ein subjektives Hochgefühl.

Die Autoren selbst nannten die kleine Stichprobe und die Beschränkung auf ein Produkt als Grenzen. Eine einzelne Marke beweist nicht jede Rezeptur auf dem Regal. Sie reicht aber, um die alte Alltagsannahme zu widerlegen, eine Dose sei bei jungen Gesunden kreislaufneutral. Ärztinnen und Ärzte, so Svatikova, sollten den Konsum erfragen, wenn sie Vitalwerte in der Akutsituation deuten.

[Energy-Drinks]

Wie viel Koffein steckt in Dose und Tasse?

Die FDA nennt für die meisten gesunden Erwachsenen 400 mg Koffein pro Tag als Menge, die üblicherweise nicht mit negativen Effekten verknüpft ist; das entspricht grob zwei bis drei Tassen Filterkaffee à 12 Flüssigunzen. Die EFSA setzte 2015 dieselbe Tagesgrenze und ergänzte: Eine Einzeldosis bis 200 mg, etwa 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei einem 70-Kilo-Erwachsenen, gibt bei gesunden Erwachsenen keinen Anlass zur Sorge, auch wenn sie weniger als zwei Stunden vor intensiven Sport fällt.

Energy-Drinks sind keine einheitliche Kategorie. Die FDA hat keine eigene Verordnung nur für diese Getränke; es gelten die allgemeinen Regeln für sichere Zutaten. Auf der Verbraucherseite der Behörde stehen für 16 Flüssigunzen typischerweise 54 bis 328 mg Koffein, für manche 12-Unzen-Dosen 41 bis 246 mg. Eine Standarddose von 250 ml enthält laut EFSA-Beispiel rund 80 mg, vergleichbar einem Espresso. Die große Dose der Mayo-Studie lieferte 240 mg, also mehr als die von der EFSA genannte unbedenkliche Einzeldosis.

Getränk oder Grenze Übliche Menge Koffein laut Quelle
Cola (EFSA-Beispiel) 355 ml etwa 40 mg
Energy-Drink, Standarddose (EFSA) 250 ml etwa 80 mg
Energy-Drink, große Dose (FDA-Spanne) 16 fl oz (473 ml) 54–328 mg
Filterkaffee (EFSA-Beispiel) 200 ml etwa 90 mg
Einzeldosis ohne Sicherheitsbedenken (EFSA, gesunde Erwachsene) aus allen Quellen bis 200 mg
Tagesmenge ohne Sicherheitsbedenken (FDA/EFSA, gesunde Erwachsene) aus allen Quellen bis 400 mg

Hundert Milligramm Koffein, etwa 1,4 mg pro Kilogramm, können laut EFSA bei manchen Erwachsenen den Schlaf verkürzen, besonders nahe am Zubettgehen. Toxische Wirkungen wie Krampfanfälle beobachtet die FDA bei rascher Aufnahme von rund 1200 mg, weniger als einem halben Teelöffel reinen Koffeinpulvers. Reine Konzentrate sind ein anderes Risiko als eine Dose aus dem Kiosk; wer Pulver löffelt, misst leicht falsch.

Guarana trägt zusätzliches Koffein bei, das auf manchen Etiketten früher getrennt oder gar nicht als Milligramm erschien. Die FDA schreibt, die meisten US-Energy-Drinks listen inzwischen die Summe aus allen Quellen. Natürliches Koffein aus Kaffee, Tee oder Guarana wirkt im Körper nicht sanfter als zugesetztes. Wer Dose, Kaffee und Schmerzmittel mit Koffein addiert, kann die 400-mg-Marke an einem Nachmittag überschreiten, ohne eine einzige „XXL“-Flasche zu leeren.

Warum Taurin, Guarana und Zucker die Mischung verändern

Koffein ist der lauteste Wirkstoff, aber nicht der einzige. Typische Dosen enthalten Taurin, Guarana, Ginseng, Glucuronolacton, B-Vitamine und oft viel Zucker. Die Mayo-Placeboflasche war bewusst so gebaut, dass Geschmack, Farbe und Nährstoffe passten, Stimulanzien aber fehlten; der Druck- und Noradrenalinunterschied ging also auf das Stimulanzienpaket, nicht auf den Zucker allein.

Die EFSA urteilte 2015, dass Taurin und D-Glucurono-γ-lacton in den damals üblichen Konzentrationen (rund 4000 bzw. 2400 mg pro Liter, Koffein rund 300–320 mg pro Liter) die Sicherheit einer Koffein-Einzeldosis bis 200 mg nicht verändern. Alkohol bis etwa 0,65 g pro Kilogramm, grob die Promillegrenze vieler Führerscheine, ändere diese Koffeinbewertung ebenfalls nicht und maskiere bis dahin die subjektive Trunkenheit eher nicht. Das ist eine toxikologische Sicherheitsaussage für gesunde Erwachsene, kein Freibrief für Mixgetränke im Club.

Klinische Kreislaufdaten zeichnen ein schärferes Bild der Mischung. In der JAHA-Kreuzstudie von Fletcher und Kollegen tranken 18 junge Gesunde 946 ml Energy-Drink oder ein koffeingleiches Kontrollgetränk, beides mit 320 mg Koffein. Zwei Stunden später lag die Änderung der korrigierten QT-Zeit im Energy-Drink-Arm höher als im Koffeinarm; nach sechs Stunden blieb der obere Blutdruck nach dem Energy-Drink um 4,72 mmHg über dem Ausgangswert, nach reinem Koffein nur um 0,83 mmHg. Koffein unter 400 mg gilt in dieser Arbeit als wenig arrhythmogen, die übrigen Zutaten blieben die offene Frage.

Zucker erklärt den kurzen Leistungsschub und den Abfall danach, nicht den Noradrenalinsprung. Die Cleveland Clinic warnt, dass die Kombination aus Koffein und zugesetztem Zucker die Insulinempfindlichkeit belasten und den Blutzucker anheben kann; für Menschen mit Diabetes ist die Dose deshalb selten eine kluge Wahl. Zuckerfreie Varianten streichen Kalorien, nicht Stimulanzien. Wer „natürlich“ auf dem Etikett liest, trinkt trotzdem Koffein, oft plus Guarana.

Energy-Drink oder nur Koffein?

Reiner Kaffee und eine Energy-Dose sind nicht austauschbar, auch wenn die Milligramm ähnlich aussehen. Kaffee wird meist geschlürft, die Dose oft in wenigen Minuten geleert; die Mayo-Teilnehmer hatten fünf Minuten Zeit für 480 ml. Rasche Aufnahme erzeugt einen steileren Blutspiegel. Dazu kommen Zutaten, die der Filterkaffee nicht mitbringt.

Fletchers Vergleich ist genau deshalb wichtig: Gleiche Koffeindosis, anderes Getränk, anderes Elektrokardiogramm und längerer Blutdruckeffekt. Die QT-Zeit beschreibt, wie lange die Herzkammern brauchen, um sich elektrisch zu erholen. Eine Verlängerung kann bei manchen Menschen Kammerrhythmusstörungen bahnen. Die gemessene Differenz war klein und die Streuung groß; niemand in der Studie brach zusammen. Der Befund reicht aber, um die EFSA-Aussage zu den übrigen Zutaten nicht mit „herzneutral“ zu verwechseln.

Svatikova fand 30 Minuten nach einer Dose keinen Pulsunterschied, Oberhoffer und Kollegen in München sahen bei Kindern eher eine Tendenz zu etwas niedrigerem Puls. Das passt zu einer Gegenregulation: Steigt der Druck, können Barorezeptoren den Puls dämpfen. Wer den Finger an die Halsschlagader legt und „ganz ruhig“ fühlt, hat deshalb nicht bewiesen, dass das Herz unbeteiligt ist.

Die Cleveland Clinic erinnert an einen weiteren Unterschied zum Kaffee: Die Dose schmeckt nach Limonade und rutscht schneller. Wer zwei große Dosen hintereinander trinkt, kann in den Bereich kommen, den Fletcher mit 320 mg und fast einem Liter Getränk untersucht hat. Das ist keine seltene Partyportion.

Dürfen Kinder und Jugendliche Energy-Drinks trinken?

Nein, sagt die AAP in ihrem Clinical Report von 2011, den die CDC 2024 weiter als Maßstab zitiert: Koffein und andere Stimulanzien in Energy-Drinks haben keinen Platz in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Sportgetränke sind etwas anderes; sie sollen Elektrolyte nach langem, intensivem Sport ersetzen und enthalten üblicherweise kein Koffein. Die National Federation of State High School Associations rät jungen Sportlern ausdrücklich, sich nicht mit Energy-Drinks zu hydrieren.

Die EFSA konnte 2015 für Kinder und Jugendliche keine eigene sichere Menge aus Studien ableiten. Sie übertrug die Erwachsenen-Einzeldosis von 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht als vorsichtige Orientierung auf Minderjährige, weil Koffein bei ihnen mindestens so schnell abgebaut wird. Bei 50 kg sind das 150 mg, bei 40 kg 120 mg. Eine große Dose kann das überschreiten. Hundert Milligramm nahe am Abend können den Schlaf auch bei Erwachsenen stören; bei Schulkindern trifft das den Tag danach.

Genau diese 3 mg pro Kilogramm prüfte die EDUCATE-Gruppe um Oberhoffer an der LMU München 2022 in einer randomisierten, placebokontrollierten Kreuzstudie mit 27 gesunden 10- bis 18-Jährigen (mittleres Alter 14,5 Jahre). Gegenüber einem zuckernahen Placebo ohne klassische Energy-Zutaten lag der obere Blutdruck nach dem Energy-Drink um bis zu 5,23 mmHg höher, der untere um 3,29 mmHg. Erhöhte Werte sowie Hypertonie Stadium 1 und 2 kamen häufiger vor. Der Puls tendierte nach unten. Die Autorinnen und Autoren schreiben, die EFSA-Obergrenze für Minderjährige sei vor diesem Hintergrund kritisch zu diskutieren.

Die CDC schätzt, dass 30 bis 50 Prozent der Jugendlichen Energy-Drinks konsumieren. Für 2011 nennt sie 1499 Notaufnahmen bei 12- bis 17-Jährigen im Zusammenhang mit diesen Getränken. Eine EFSA-Erhebung, auf die die Münchner Gruppe verweist, fand bei europäischen 10- bis 18-Jährigen sogar bei etwa zwei Dritteln zumindest gelegentlichen Konsum; ein Teil trank in einer Sitzung mehr als einen Liter. Das ist keine seltene Randgruppe.

Genetische Herzkrankheiten und plötzlicher Herzstillstand

Bei einem Teil der jungen Menschen liegt die Gefahr nicht in der Dose allein, sondern in einem Herzen, das elektrische Extraarbeit schlecht verträgt. Ackerman und Kollegen an der Mayo Clinic werteten Überlebende eines plötzlichen Herzstillstands mit nachgewiesener Rhythmusstörung aus, die zwischen 2000 und 2023 in die Spezialsprechstunde für genetische Herzrhythmuskrankheiten kamen. Unter 144 Überlebenden erlitten sieben (5 Prozent) den Stillstand in zeitlicher Nähe zum Energy-Drink; das mittlere Alter lag bei 29 Jahren, sechs der sieben waren Frauen.

Zwei hatten ein langes QT-Syndrom, zwei eine katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie, drei ein idiopathisches Kammerflimmern. Sechs brauchten einen Rettungsschock. Alle verzichteten danach auf die Getränke und blieben ereignisfrei. Martinez und Mitautoren schreiben in Heart Rhythm 2024, das absolute Risiko sei niedrig, eine frühe Warnung aber vernünftig. Ackerman formuliert für Patientinnen und Patienten mit plötzlichem Herztod-Risiko die passende Dosis als null, weil der Nutzen der Dose gegen den relativen Schaden nicht aufwiegt.

Etwa einer von 200 Menschen trägt eine solche genetische Herzkrankheit, die meisten wissen es nicht, so die Mayo-Zusammenfassung vom Juli 2024. Stimulierende Zutaten können Puls, Druck, Kontraktionskraft und die elektrische Erholung verändern und so einen störanfälligen Rhythmus treffen. Brustschmerz, Ohnmacht beim Sport oder plötzliche Todesfälle in der Familie sind Gründe, vor der nächsten Dose eine Kardiologie aufzusuchen, nicht das Getränk als Belastungstest zu nutzen.

Die Serie beweist keinen direkten Ursachenzusammenhang im statistischen Sinn; sie beschreibt zeitliche Nähe bei bereits verwundbarem Herzen. Größere Kohorten fehlen. Für die Praxis reicht der Befund: Wer LQTS, CPVT, hypertrophe Kardiomyopathie oder ungeklärte Ohnmachten hat, gehört nicht in die Zielgruppe der Werbung.

Alkohol, Sport und Medikamente

Koffein macht Alkohol nicht ungefährlicher. Die CDC stellt im Mai 2024 klar, dass die körperliche Alkoholwirkung gleich bleibt, das Gefühl von Wachheit aber täuschen kann. Wer sich weniger betrunken fühlt, trinkt oft mehr. Höherer Blutdruck, unregelmäßiger Herzschlag und stärkerer Flüssigkeitsverlust kommen dazu. Menschen, die Alkohol mit Energy-Drinks mischen, berichten häufiger von Binge-Trinken, ungewolltem Sex, Verletzungen, Fahren unter Alkohol und Mitfahren bei einem angetrunkenen Fahrer. Etwa jeder fünfte US-College-Student gab in der von der CDC zitierten Monitoring-the-Future-Auswertung an, im vergangenen Jahr so gemischt zu haben.

Fertige Mixgetränke aus Alkohol plus Koffein darf die Industrie in den USA seit 2010 nicht mehr so verkaufen; die FDA stufte den Zusatz als unsicher ein. Selbst mixen in der Küche oder an der Bar umgeht das Verbot und trägt dasselbe Risiko. Die Cleveland Clinic nennt denselben Mechanismus: Die Dose überdeckt, wie betrunken jemand wirklich ist.

Vor intensivem Sport ist eine Einzeldosis bis 200 mg Koffein laut EFSA für gesunde Erwachsene unter normalen Umweltbedingungen kein Sicherheitsproblem. Energy-Drinks sind trotzdem kein Sportgetränk. Die CDC und der US-Schulsportverband warnen, Jugendliche sollten sie nicht zur Flüssigkeitsaufnahme nutzen. Wer in der Hitze eine Dose leert und weiterläuft, koppelt Diurese, Zucker und Stimulanzien an Schwitzen.

Stimulanzien können die Wirkung von Antidepressiva, Angstmitteln oder Blutverdünnern verstärken oder abschwächen, schreibt die Cleveland Clinic. Wer solche Mittel täglich braucht, sollte die Dose nicht als harmlosen Kaffeeersatz behandeln. Rücksprache in der Sprechstunde ist hier konkreter Rat, kein Umweg.

Wann zum Arzt, wann den Notruf 112?

Herzrasen, Zittern, Übelkeit, Kopfschmerz oder eine Nacht ohne Schlaf nach einer oder mehreren Dosen sind Gründe, aufzuhören, Wasser zu trinken und die restliche Koffeinzufuhr des Tages zu streichen. Halten Palpitationen, starker Druck im Kopf oder ausgeprägte Unruhe über Stunden an, gehört das in die Hausarzt- oder Bereitschaftspraxis, nicht in den nächsten Kiosk. Die FDA listet genau diese Zeichen als typische Folgen von zu viel Koffein.

Lage Typische Zeichen Nächster Schritt
Unangenehme, aber stabile Reaktion Zittern, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Unruhe Sofort stoppen, Flüssigkeit ohne Koffein, Praxis am selben oder nächsten Werktag
Bekannte Herzkrankheit oder ungeklärte Ohnmacht Dose getrunken, unruhiger Puls, Enge, Schwindel Heute ärztlich vorstellen, weitere Dosen weglassen
Notfall Brustschmerz, Ohnmacht, starke Luftnot, Krampfanfall, sehr schneller unregelmäßiger Puls Notruf 112, Dose und Uhrzeit nennen
Mix mit Alkohol plus Verletzung oder Bewusstseinstrübung Sturz, Verwirrtheit, Erbrechen, nicht erweckbar 112, nicht „ausschlafen lassen“

Brustschmerz, Ohnmacht, ein Krampfanfall oder das Gefühl, das Herz stolpere und bleibe fast stehen, sind keine „Koffeinzitters“, die man aussitzt. Hier zählt der Rettungsdienst. Dasselbe gilt, wenn jemand nach mehreren Dosen verwirrt oder halluziniert; die FDA nennt Krampfanfälle bei sehr hohen, rasch aufgenommenen Mengen.

Jugendliche, die regelmäßig Dosen brauchen, um den Schultag zu überstehen, haben oft ein Schlaf- oder Belastungsproblem, keine Limonadenlücke. Das gehört in die kinderärztliche Sprechstunde, zusammen mit der Frage nach Herzgeräuschen, Sport-Ohnmachten und plötzlichen Todesfällen in der Verwandtschaft. Die CDC fordert Schulen auf, den Verkauf und die Werbung zu begrenzen; drei von vier US-Schulbezirken hatten zuletzt keine eigene Regel für stark koffeinhaltige Getränke.

Wer sollte ganz verzichten?

Kinder, Jugendliche, Schwangere und Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankung sollten Energy-Drinks nach Cleveland Clinic und AAP meiden. Die EFSA setzt für Schwangere 200 mg Koffein pro Tag aus allen Quellen als Menge ohne Anlass zur Sorge für den Fötus; eine große Dose kann diesen Rahmen allein füllen. Stillende liegen in der EFSA-Bewertung bei derselben 200-mg-Marke für Einzeldosis und Tagesmenge.

Wer eine genetische Herzrhythmuskrankheit hat oder überlebt hat, hört von der Mayo-Gruppe die klare Null. Unklare Ohnmachten, plötzlicher Herztod in der Familie oder ein bekanntes langes QT-Syndrom gehören in dieselbe Schublade, bis die Kardiologie etwas anderes sagt. Bluthochdruck, der schon ohne Dose an der Grenze liegt, verträgt den zusätzlichen Millimeter-Quecksilber aus der Mayo- und der Münchner Studie schlecht als Alltagsgewohnheit.

Gelegentlich eine kleine Dose bei einem gesunden Erwachsenen ohne diese Risikomarker ist laut Cleveland Clinic „nicht wahrscheinlich schädlich“. Regelmäßiger Konsum hebt das Risiko unerwünschter Effekte, besonders wenn Krankheit oder Medikamente dazukommen. Abhängigkeit merkt man oft erst, wenn drei Tage ohne Dose mit Kopfschmerz und Reizbarkeit enden; das ist Entzug, kein Beweis für Bedarf.

Wer trotzdem trinkt, bleibt unter der FDA- und EFSA-Tagesgrenze von 400 mg aus allen Quellen, meidet die zweite Dose am selben Abend und mischt nicht mit Alkohol. Das Etikett sollte die Summe des Koffeins zeigen. Unbekannte Marken ohne Angabe sind ein schlechter Einstieg.

Was statt der Dose den Alltag trägt?

Müdigkeit nach der Schule oder vor der Nachtschicht hat meist eine langweilige Ursache: zu wenig Schlaf, zu wenig Wasser, unregelmäßige Mahlzeiten. Die Cleveland Clinic nennt Wasser, Schlaf, ausgewogene Kost und Bewegung als die Mittel, die den kurzlebigen Kick der Dose ersetzen können, ohne Puls und Druck extra zu belasten. Filterkaffee oder schwarzer Tee in moderater Menge liefern Koffein ohne Taurin-Guarana-Paket; eine Tasse wird seltener in fünf Minuten gekippt.

Sportgetränke sind nach AAP für das durchschnittliche Kind im Vereinssport meist überflüssig. Wasser reicht, wenn die Einheit nicht extrem lang und heiß ist. Wer Elektrolyte nach einem Marathon braucht, kauft kein stimulierendes Getränk. Die CDC rät Trainerinnen und Trainern, den Unterschied aktiv zu erklären.

Schlafmangel mit einer Dose zu bekämpfen, verschiebt das Problem in die nächste Nacht. Hundert Milligramm Koffein nahe am Abend können laut EFSA die Schlafdauer verkürzen. Wer um 22 Uhr noch eine große Dose trinkt, leiht sich Wachheit vom nächsten Morgen. Besser ist eine feste Schlafzeit und Koffein, falls überhaupt, in der ersten Tageshälfte.

Häufige Fragen

Kann schon eine Dose dem Herzen schaden?

Bei den meisten gesunden jungen Erwachsenen löst eine Dose keinen Infarkt aus, kann aber Blutdruck und Noradrenalin messbar anheben, wie die Mayo-Arbeit 2015 zeigte. Zusätzlich kann die Mischung die QT-Zeit anders beeinflussen als dieselbe Menge Koffein allein. Wer eine elektrische Herzkrankheit hat, trägt ein höheres relatives Risiko, auch wenn das absolute Risiko in der Mayo-Serie niedrig blieb.

Ist ein Energy-Drink dasselbe wie eine Tasse Kaffee?

Nein. Ähnliche Koffeinmengen bedeuten nicht dasselbe Getränk, weil Taurin, Guarana und die schnelle Trinkmenge dazukommen. Fletcher fand nach fast einem Liter Energy-Drink eine andere QT-Reaktion und einen länger erhöhten oberen Blutdruck als nach reinem Koffein. Kaffee wird außerdem seltener in fünf Minuten geleert.

Wie viel Koffein ist für Jugendliche vertretbar?

Die AAP rät Minderjährigen vom Energy-Drink vollständig ab, unabhängig von der Milligrammzahl auf der Dose. Die EFSA nennt 3 mg pro Kilogramm als vorsichtige Orientierung aus Erwachsenendaten; genau diese Menge hob in der Münchner Kinderstudie den Blutdruck. Eine große Dose kann beides sprengen.

Was tun bei Herzrasen nach dem Trinken?

Weitere koffeinhaltige Getränke und Sport erst einmal weglassen, Wasser trinken und beobachten, ob der Puls ruhiger wird. Hält starkes Herzklopfen, Brustschmerz, Ohnmacht oder Luftnot an, ist das ein Fall für die Praxis oder den Notruf 112. Die FDA zählt Palpitationen und Blutdruckanstieg zu den typischen Zeichen von zu viel Koffein.

Darf man Energy-Drinks mit Alkohol mischen?

Das ist eine schlechte Kombination. Koffein nimmt der Leber keinen Alkohol ab, kann aber das Gefühl der Trunkenheit dämpfen und so zu mehr Konsum führen, schreibt die CDC 2024. Fertigmixe sind in den USA seit 2010 nicht mehr zulässig; selbst mixen trägt dasselbe Risiko für Verletzung, Rhythmus und riskantes Verhalten.

Sollen Sportler die Dose vor dem Training trinken?

Jugendliche Sportler sollen sich laut CDC und US-Schulsportverband nicht damit hydrieren. Gesunde Erwachsene dürfen laut EFSA bis 200 mg Koffein vor Sport unter normalen Bedingungen zu sich nehmen; das rechtfertigt keine Literdose mit Zucker und Stimulanzien. Bei Hitze, Herzkrankheit oder Medikamenten entfällt dieses Fenster.

Fazit

Eine Dose ist bei jungen, herzgesunden Erwachsenen selten eine Katastrophe und trotzdem kein neutrales Erfrischungsgetränk. Blutdruck, Noradrenalin und in höheren Mengen die elektrische Erholung des Herzens können sich innerhalb von Minuten bis Stunden verschieben; bei Kindern reicht dafür schon die Menge, die als europäische Orientierung „unbedenklich“ galt. Wer minderjährig ist, schwanger, herz- oder nierenkrank oder Medikamente mit enger therapeutischer Breite nimmt, lässt die Dose stehen.

Praktisch heißt das für den nächsten Einkauf: Etikett lesen, Kaffee und Schmerzmittel mitzählen, nicht in fünf Minuten einen halben Liter kippen, nie mit Alkohol mischen. Brustschmerz, Ohnmacht oder ein wild unregelmäßiger Puls nach dem Trinken gehören in den Notruf, nicht in ein Forum. Die Werbung verkauft Wachheit; die Studien seit der ersten Mayo-Messung 2015 beschreiben eine Kreislaufbelastung, die man kennen sollte, bevor die zweite Dose aufgeht.

Quellen

  1. Svatikova A, Covassin N et al.: A Randomized Trial of Cardiovascular Responses to Energy Drink Consumption in Healthy Adults. JAMA, 17. November 2015.
  2. Fletcher EA, Lacey CS et al.: Randomized Controlled Trial of High-Volume Energy Drink Versus Caffeine Consumption on ECG and Hemodynamic Parameters. Journal of the American Heart Association, 26. April 2017.
  3. Oberhoffer FS, Li P et al.: Energy Drinks: Effects on Blood Pressure and Heart Rate in Children and Teenagers. A Randomized Trial. Frontiers in Cardiovascular Medicine, 21. März 2022.
  4. FDA: Spilling the Beans: How Much Caffeine is Too Much?. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
  5. EFSA: Scientific Opinion on the safety of caffeine. European Food Safety Authority, 27. Mai 2015.
  6. CDC: The Buzz on Energy Drinks. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2024.
  7. CDC: Effects of Mixing Alcohol and Caffeine. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Mai 2024.
  8. Mayo Clinic: Energy drinks may trigger cardiac arrhythmias in patients with genetic heart disease. Mayo Clinic, 25. Juli 2024.
  9. Martinez KA, Bains S et al.: Sudden cardiac arrest occurring in temporal proximity to consumption of energy drinks. Heart Rhythm, Juli 2024.
  10. Cleveland Clinic: Are Energy Drinks Bad for You?. Cleveland Clinic, 19. Februar 2024.
  11. Committee on Nutrition and the Council on Sports Medicine and Fitness: Sports Drinks and Energy Drinks for Children and Adolescents: Are They Appropriate?. Pediatrics, 1. Juni 2011.
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