Erdnussbutter-Test bei Alzheimer: was er wirklich zeigt

Erdnussbutter-Test bei Alzheimer: was er wirklich zeigt

Mit Erdnussbutter lässt sich Alzheimer nicht feststellen. Die oft zitierte Klinikstudie aus Florida von 2013 beschrieb bei 18 Menschen mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit eine deutlich schwächere Wahrnehmung links, fand aber keine Bestätigung in einer unabhängigen Wiederholung und steht in keiner aktuellen Leitlinie.

Geruchsverlust kann trotzdem ein frühes, unspezifisches Zeichen neurodegenerativer Erkrankungen sein. Entscheidend bleibt, was sich im Alltag ändert: neue Informationen bleiben nicht haften, Pläne scheitern, vertraute Wege werden unsicher. Hausärztinnen und Hausärzte klären zuerst behandelbare Ursachen. Spezialsprechstunden ergänzen kognitive Tests, Bildgebung und, wo verfügbar, Amyloid- oder Tau-Marker. Medikamente können Symptome mindern oder den frühen Verlauf verlangsamen, heilen die Erkrankung aber nicht.

Kann der Erdnussbutter-Test Alzheimer nachweisen?

Nein. Ein Abstand, ab dem Erdnussbutter unter einem Nasenloch wahrnehmbar wird, reicht nicht für die Diagnose. Weder die britische Leitlinie NICE NG97 noch das US-National Institute on Aging führen einen Küchentest als Nachweisverfahren. Die Alzheimer-Association-Arbeitsgruppe definiert die Krankheit seit 2024 biologisch über Amyloid- und Tau-Marker, nicht über den Riechnerv allein.

Was 2013 Aufmerksamkeit erzeugte, war die Behauptung einer Seitenasymmetrie. Patientinnen und Patienten mit früher Alzheimer-Krankheit sollten den Duft links erst viel näher an der Nase bemerken als rechts. Andere Demenzformen sollten dieses Muster nicht zeigen. Wäre das stabil, hätte jede Praxis mit Glas und Lineal eine billige Bestätigung in der Hand. Genau diese Spezifität hat die spätere Prüfung nicht gehalten.

Ein einzelner Reiz aus der Küche ist zudem schlecht standardisiert. Marke, Röstung, Temperatur und Luftzug verändern, wie stark der Duft die Nase erreicht. Wer das offene Nasenloch mit dem Finger zudrückt, kann die andere Seite verziehen. Allergie gegen Erdnuss verbietet den Versuch. Chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Rauchen oder eine frische Virusinfektion dämpfen den Geruch, ohne dass Plaques im Gehirn vorliegen.

Sinnvoll bleibt der Hinweis, dass Riechen oft früh leidet. Daraus folgt kein Hausrezept. Wer merkt, dass Kaffee, Seife oder verdorbenes Essen plötzlich fade wirken und gleichzeitig Gedächtnis oder Orientierung schwächeln, braucht eine ärztliche Abklärung, keinen selbst gebauten Schwellenwert.

Erdnussbutter auf Teelöffel

Was die Florida-Studie 2013 gemessen hat

Die Arbeitsgruppe um Jennifer Stamps an der University of Florida prüfte einen unirhinalen Nachweis, also jedes Nasenloch einzeln. Im Journal of the Neurological Sciences berichteten sie über 18 Menschen mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit, 24 mit amnestischer leichter kognitiver Störung, 26 mit anderen Demenzursachen und 26 kognitiv unauffällige Kontrollpersonen gleichen Alters.

Das Protokoll war schlicht. Die Testperson schloss Augen und Mund, atmete ruhig und hielt ein Nasenloch zu. Ein geöffnetes Döschen mit 14 Gramm Erdnussbutter wanderte an einem 30-Zentimeter-Lineal bei jeder Ausatmung einen Zentimeter näher. Gemessen wurde der Abstand, sobald ein Geruch gemeldet wurde. Nach 90 Sekunden folgte die andere Seite. Wer testete, kannte die spätere Diagnose nicht; Labor und Bildgebung kamen oft erst Wochen danach.

In der Alzheimer-Gruppe lag der mittlere Nachweis links bei 5,1 Zentimetern, rechts bei 17,4 Zentimetern. Die Differenz links minus rechts betrug im Mittel minus 12,4 Zentimeter. Kontrollen waren nahezu symmetrisch. Andere Demenzen zeigten entweder Gleichstand oder eine schwächere rechte Seite. Zehn der 24 Personen mit leichter kognitiver Störung ähnelten dem Alzheimer-Muster, 14 nicht. Die Autorinnen und Autoren nannten das Verfahren gegenüber anderen Demenzen vollständig sensitiv und spezifisch, gegenüber Kontrollen zu 92 Prozent spezifisch, und schrieben selbst, Liquormarker und Autopsien fehlten noch.

Erdnussbutter wählten sie, weil Alkohol auch den Trigeminus reizt, also Brennen und Kälte, während gemahlene Erdnüsse vor allem den ersten Hirnnerven ansprechen. Die Idee fußte auf der Anatomie: Riechschleimhaut projiziert überwiegend zur gleichen Seite, und frühe Alzheimer-Veränderungen treffen oft den mesialen Schläfenlappen, der aus dem Riechsystem hervorgegangen ist. Eine retrospektive Fallserie mit 18 Erkrankten kann eine Hypothese erzeugen. Sie kann sie nicht zur klinischen Regel machen.

Warum die Seitenasymmetrie nicht standhielt

Richard Doty und Kollegen am Smell and Taste Center der University of Pennsylvania wiederholten das Protokoll 2014 in derselben Zeitschrift. Fünfzehn Menschen mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit wurden zuerst genau so getestet wie in Florida, mit dem Finger als Verschluss, danach noch einmal mit luftdichtem Tape. In keiner Variante war die linke Seite schwächer. Ein nicht signifikanter Trend zeigte sogar in die Gegenrichtung.

Eine zweite Gruppe von 20 Erkrankten erhielt je 20 Duftproben des Riechidentifikationstests der University of Pennsylvania (UPSIT) pro Seite. Wieder fehlte ein Links-rechts-Unterschied. Die Autoren erinnerten an eine ältere Literatur, in der Schwellen, Erkennung, Unterscheidung und Geruchsgedächtnis bei Alzheimer beidseitig sinken. Wäre die rechte Seite wirklich unauffällig, müssten beidseitige Tests oft normal ausfallen. Das tun sie in Dutzenden Arbeiten nicht.

Zwei Erklärungen liegen näher als ein geheimer Fehler nur bei Doty. Erstens war die Florida-Stichprobe klein, retrospektiv und nach vielen Ausschlüssen zusammengestellt. Zweitens können verbale Gedächtnistests, mit denen viele Kliniken Alzheimer vermuten, die linke Hemisphäre übergewichten. Wer über Wortlisten auffällt, wird eher überwiesen; eine rechtsbetonte Atrophie bleibt länger unsichtbar. Doty zitiert Morphometriearbeiten, in denen Asymmetrien vorkommen, aber nicht zuverlässig nach links zeigen.

Seit 2014 ist keine große, prospektive Bestätigung der Erdnussbutter-Lateralisation nachgekommen, die Leitlinien geändert hätte. NICE NG97 von 2018, die NIA-Diagnoseseite (Stand Dezember 2022) und die biologischen Kriterien von 2024 erwähnen das Verfahren nicht. Die Schlagzeile von 2013 hat die Evidenz überholt, nicht umgekehrt.

Warum Geruch und Alzheimer zusammenhängen

Riechstörungen bei Alzheimer sind real, nur eben nicht als Links-rechts-Küchentest. Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen treten früh in Riechkolben und Riechrinde auf. Liu, Cao und Wei fassen 2025 zusammen, dass Neuronendichte und Volumen des Bulbus olfactorius sinken und die Signalstrecke vom Epithel zum entorhinalen Kortex reißt, also genau dort, wo neue Erinnerungen verankert werden.

Drei Leistungen des Riechens sind zu trennen. Die Schwelle sagt, ab welcher Stärke überhaupt etwas wahrnehmbar ist. Die Unterscheidung trennt zwei Düfte. Die Identifikation verlangt, Vanille, Seife oder Benzin zu benennen. Identifikation und Unterscheidung hängen stärker an Gedächtnis und Sprache. Deshalb fällt die Benennung oft früher auf als die reine Schwelle, und deshalb mischt ein Riechtest immer auch Kognition ein.

Parkinson, Lewy-Körper-Demenz und andere Erkrankungen zerstören Riechen ebenfalls, oft sogar früher und stärker. NIDCD nennt Riechstörungen ausdrücklich als mögliches Frühzeichen von Parkinson, Alzheimer oder multipler Sklerose, daneben aber auch von Sinusitis, Rauchen, Schädeltrauma und Medikamenten. Ein blasser Kaffee allein sagt nicht, welche Eiweiße sich wo ablagern.

Cleveland Clinic erinnert daran, dass sich Plaques und Tangles vermutlich Jahre vor den ersten Alltagsproblemen bilden, in manchen Schätzungen bis zu einem Jahrzehnt. In diesem Fenster wäre ein billiger, standardisierter Riechscreen verlockend. Verlockend ist nicht dasselbe wie zugelassen oder leitlinienfest. Solange Cut-off-Werte, Kultur der Duftproben und Begleiterkrankungen nicht sauber kalibriert sind, bleibt der Geruch ein Warnhinweis, kein Stempel.

Welche Riechtests in der Forschung taugen

Wenn überhaupt getestet wird, dann mit genormten Sets, nicht mit einem geöffneten Glas aus dem Küchenschrank. UPSIT arbeitet mit Kratz-und-Riech-Buchseiten und einer festen Auswahlliste. Sniffin‘-Sticks nutzen Filzstifte für Schwelle, Unterscheidung und Identifikation. Kürzere Varianten wie der Brief Smell Identification Test sparen Zeit, verlieren aber Auflösung. NIDCD beschreibt genau diese beiden Prinzipien: kleinste noch wahrnehmbare Menge und Zuordnung bekannter Düfte.

Die Metaanalyse von Liu und Kollegen (Suche bis 1. Februar 2024, 25 Studien, 13 611 Teilnehmende) rechnet für Alzheimer gegen Gesunde eine gepoolte Sensitivität von 0,79 und eine Spezifität von 0,78, Fläche unter der Kurve 0,85. Gegen leichte kognitive Störung sinkt die Sensitivität auf 0,67 bei Spezifität 0,79. Zwischen leichter Störung und Alzheimer trennt der Geruch schwächer (Sensitivität 0,58). Die Autorinnen und Autoren selbst stufen das als einfachen, nicht invasiven Zusatz ein, nicht als Ersatz für kognitive Skalen oder Biomarker.

Heterogenität war hoch. Cut-offs schwankten, etwa UPSIT-Grenzen von 7 bis 34 Punkten je nach Studie. Nach 2017 publizierte Arbeiten waren oft weniger sensitiv als ältere. Bei Alzheimer-Diagnose zeigte der Trichterplot einen Publikationsbias. Asiatische Kohorten erkannten leichte kognitive Störung schlechter, vermutlich weil westliche Duftpaletten weniger vertraut sind. Genau deshalb lassen sich Erdnussbutter-Zentimeter nicht von Florida nach Europa übertragen.

Ein positives Riechergebnis erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine kognitive Störung vorliegt. Ein negatives Ergebnis schließt Alzheimer nicht aus. Wer den Test mit Montreal Cognitive Assessment oder ähnlichen Skalen koppelt, gewinnt in einzelnen Arbeiten Trennschärfe. Das ändert nichts daran, dass NICE und NIA den Geruch nicht als Pflichtschritt führen.

Wie Alzheimer heute diagnostiziert wird

Die Diagnose entsteht aus mehreren Bausteinen, nicht aus einem Duft. NICE NG97 verlangt zuerst die Geschichte der Betroffenen und einer Vertrauensperson, Blut und Urin gegen behebbare Ursachen und einen validierten Kurztest, etwa 6CIT oder den 10-Punkte-Screener. Ein normaler Punktwert allein darf Demenz nicht ausschließen. Bleibt der Verdacht, folgt die Überweisung in eine Gedächtnissprechstunde.

Dort kommen ausführlichere kognitive Prüfungen und eine neurologische Untersuchung. Strukturelle Bildgebung, bevorzugt Magnetresonanztomografie, soll Tumoren, Blutungen, entzündliche Herde und vaskuläre Last sichtbar machen. Reicht das nicht und spricht das Bild für Alzheimer, nennt NICE Fluordesoxyglukose-PET oder, falls das fehlt, Perfusions-SPECT, alternativ eine Liquoranalyse von Amyloid-beta und Tau. ApoE-Genotyp und Elektroenzephalogramm sollen die Diagnose nicht tragen.

Seit 2024 schlägt die Alzheimer-Association-Arbeitsgruppe um Clifford Jack vor, die Krankheit biologisch zu fassen. Ein auffälliger Kern-1-Marker kann ausreichen: Amyloid-PET, Liquorquotienten Aβ42/40, p-tau181/Aβ42 oder t-tau/Aβ42, oder ein Plasmaassay, der Amyloid-PET vergleichbar genau trifft, besonders phosphoryliertes Tau 217. Das Dokument ist ausdrücklich keine Schritt-für-Schritt-Praxisleitlinie. In Europa und im NHS-Pfad bleibt der klinische Weg der NICE-Leitlinie der Alltag.

Mayo Clinic schreibt, Blutassays für Amyloid und Tau seien inzwischen oft genau genug, um eine hohe Amyloidlast wahrscheinlich zu machen, aber nicht überall verfügbar und nicht überall erstattet. NIA warnt (Stand 2022), ein Blutwert allein solle keine Demenzdiagnose ersetzen. Wer Gedächtnisprobleme hat, soll alle sechs bis zwölf Monate wiederkommen, weil der Verlauf die Einschätzung schärft.

Verfahren Was gemessen wird Rolle 2025
Erdnussbutter plus Lineal Abstand bis zur Wahrnehmung je Nasenloch Pilot 2013, Wiederholung negativ, keine Leitlinie
UPSIT oder Sniffin‘-Sticks Erkennung genormter Düfte Forschungs-Screening, Alzheimer-Sensitivität etwa 79 Prozent
Kognitive Kurztests Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache Pflicht nach NICE NG97 in der Erstbeurteilung
MRT oder CT Struktur, Ausschluss anderer Ursachen NICE empfiehlt Bildgebung, außer der Subtyp ist schon klar
Amyloid-PET, Liquor, validiertes Plasma Amyloid- und Tau-Pathologie Kern-1-Marker 2024, Verfügbarkeit ungleich

Zwei neuere Antikörperinfusionen, Lecanemab und Donanemab, dürfen in frühen Stadien den Abbau etwas bremsen, indem sie Amyloid räumen. Mayo Clinic und Cleveland Clinic betonen das Risiko von Hirnschwellung und Mikroblutungen (ARIA), die MRT-Kontrollen und oft eine ApoE-e4-Testung vor dem Start verlangen. Eine Heilung sind sie nicht.

Wann Geruchsverlust oder Gedächtnis zum Arzt gehören

Riecht das Essen wochenlang nach Pappe und kommen gleichzeitig Wortfindung, Termine oder der Weg zum Bäcker durcheinander, gehört das in die Hausarztpraxis, nicht ins Internetforum. Der NHS rät, bei Sorgen um Gedächtnis, Planung oder Organisation die allgemeinmedizinische Sprechstunde aufzusuchen und eine Vertrauensperson mitzunehmen. Depression, Angst, Schlafmangel, Alkohol, Schilddrüse, Vitaminmangel und viele Arzneimittel können dasselbe Bild erzeugen.

Die Alzheimer Association listet zehn Warnzeichen, in denen Geruch nicht vorkommt. Dafür stehen Gedächtnisverlust, der den Alltag stört, Probleme mit Plänen und Zahlen, das Steckenbleiben in vertrauten Aufgaben, Verwirrung zu Zeit und Ort, räumliche Fehleinschätzung, stockende Sprache, Dinge an ungewöhnlichen Orten, nachlassendes Urteilsvermögen, Rückzug und plötzliche Stimmungssprünge. Ein gelegentlich vergessener Name, der später wieder einfällt, zählt dort als Alterserscheinung, nicht als Alarm.

NICE verlangt, behandelbare Ursachen und eine hohe anticholinerge Last auszuschließen, bevor die Spezialsprechstunde öffnet. Hör- und Sehverlust sollen mitgeprüft werden, weil sie Kognitionstests verzerren. Plötzliche Verwirrtheit mit Fieber, Sturz oder neuem Medikament ist eher Delir und oft ein Notfall, kein schleichendes Alzheimer.

Ein isolierter Geruchsverlust nach Schnupfen, ohne kognitive Änderung, geht zuerst zur Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. NIDCD empfiehlt eine Untersuchung von Nase und Nebenhöhlen plus einen beaufsichtigten Riechtest, nicht das Lineal auf dem Küchentisch. Kombinieren sich blasses Riechen, fortschreitende Vergesslichkeit und unsichere Orientierung, soll niemand Monate auf „den einen Dufttest“ warten.

Was Geruchsverlust sonst bedeuten kann

Die meisten Menschen mit Hyposmie oder Anosmie haben keine Alzheimer-Krankheit. NIDCD schätzt, dass ein bis zwei Prozent der Nordamerikaner über Riechstörungen berichten. Im Alter von 60 bis 69 Jahren war fast ein Viertel der Männer und rund elf Prozent der Frauen betroffen. Häufige Auslöser sind Infekte der oberen Atemwege, chronische Sinusitis, Polypen, Rauchen, Schädelhirntrauma, hormonelle Verschiebungen, Zahnprobleme, Lösungsmittel, einige Antibiotika und Antihistaminika sowie Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich.

Parkinson beginnt oft mit Hyposmie, Jahre bevor das Zittern auffällt. Multiple Sklerose, schwere Kopfverletzungen und lange Diabetesverläufe können denselben Sinn dämpfen. NIDCD nennt als Begleitkontext auch Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck und Mangelernährung, ohne daraus eine Ursache zu machen. Wer nach einem Infekt über Monate nichts mehr riecht, braucht HNO-Hilfe und Rauchstopp, nicht automatisch eine Amyloid-PET.

Sicherheit im Haushalt ändert sich, sobald der Warnsinn fehlt. Gasleck, Rauch und verdorbene Milch werden spät bemerkt. NIDCD rät zu Meldern, Beschriftung von Haltbarkeiten und Vorsicht mit Salz, weil viele den Geschmack mit Nachwürzen ersetzen und Blutdruck oder Niere belasten. Gewichtsverlust oder -zunahme sind häufig, wenn Essen fade wird.

Drei praktische Unterscheidungen helfen im Gespräch mit der Praxis.

  • Ein plötzlicher Verlust nach Erkältung oder Grippe spricht zuerst für Schleimhaut und Nervenheilung, nicht für Plaques.
  • Ein schleichender, beidseitiger Verlust plus steifer Gang oder Ruhetremor lenkt den Blick eher auf Parkinson als auf reine Alzheimer-Amnesie.
  • Ein Verlust plus neue Wortfindungsstörung, verlegte Schlüssel und verpasste Termine gehört in die kognitive Abklärung, unabhängig vom Lieblingsbrotaufstrich.

Cleveland Clinic beziffert Alzheimer grob auf 24 Millionen Menschen weltweit und auf etwa jede zehnte Person über 65 Jahre. Diese Last erklärt, warum billige Tests immer wieder Schlagzeilen erzeugen. Sie ändert nichts an der Spezifität eines einzelnen Glases Erdnussbutter.

Häufige Fragen

Kann ich Alzheimer mit Erdnussbutter selbst testen?

Nein. Zu Hause fehlt die Standardisierung, die blinde Durchführung und jede Vergleichsnorm. Allergie, verstopfte Nase und Erwartungen verzerren das Ergebnis. Bemerken Sie einen neuen Geruchsverlust zusammen mit Gedächtnis- oder Orientierungsproblemen, vereinbaren Sie einen Arzttermin statt eines Küchenexperiments.

Bedeutet Geruchsverlust, dass ich Alzheimer bekomme?

Nein. NIDCD listet Infekte, Rauchen, Polypen, Trauma und Medikamente vor neurodegenerativen Ursachen. Alzheimer und Parkinson können Riechen früh auftreten lassen, aber die große Mehrheit der Hyposmien hat eine lokale oder altersbedingte Erklärung. Bleibt der Verlust und kommen kognitive Zeichen hinzu, lohnt die Abklärung.

Welche Nasenseite ist bei Alzheimer schwächer?

Eine zuverlässige Seitenregel gibt es nicht. Die Florida-Gruppe beschrieb 2013 eine linke Schwäche, Doty fand 2014 keine Lateralisation, ältere Schwellenstudien ebenfalls nicht. Maßgeblich ist der beidseitige Verlust der Geruchserkennung, nicht das Zentimetermaß unter einem Nasenloch.

Welche Untersuchungen macht der Arzt wirklich?

Zuerst Gespräch, körperliche Prüfung, Blut und einen kurzen Kognitionstest, so der NHS-Pfad und NICE NG97. Bei anhaltendem Verdacht folgen Gedächtnissprechstunde, MRT und manchmal PET oder Liquor. Blut-Amyloid- oder Tau-Assays kommen hinzu, ersetzen laut NIA aber nicht die klinische Bewertung.

Hilft eine frühe Diagnose, die Krankheit zu stoppen?

Sie stoppt sie nicht. Mayo Clinic und Cleveland Clinic halten fest, dass keine Therapie die Erkrankung heilt. Cholinesterasehemmer und Memantin können Symptome eine Zeit lang stützen. Lecanemab und Donanemab können den frühen Verlauf verlangsamen, bergen ARIA-Risiken und brauchen Bildgebungskontrollen. Zeitgewinn entsteht für Planung, Sicherheit und Studien, nicht für ein Versprechen auf Rückgängigmachen.

Ist Geruchsverlust nach einer Erkältung ein Alarmzeichen für Demenz?

In der Regel nein. Virusinfekte und Sinusitis gehören zu den häufigsten Ursachen, die NIDCD nennt. Viele Menschen erholen sich, manche bleiben eingeschränkt. Ein Arztbesuch lohnt, wenn der Geruch Monate ausbleibt, die Nase dauernd verlegt ist oder parallel Denken und Alltag kippen.

Fazit

Erdnussbutter hat 2013 eine gute Geschichte geliefert und 2014 die Prüfung nicht bestanden. Was geblieben ist, ist der ältere, solide Befund: Riechen kann bei Alzheimer früh leiden, taugt aber nur als unspezifischer Hinweis neben vielen anderen Krankheiten der Nase und des Gehirns. Leitlinien von NICE und NIA und die biologischen Kriterien von 2024 setzen auf Anamnese, Kognition, Bildgebung und Amyloid-Tau-Marker, nicht auf das Lineal.

Wer Kaffee nicht mehr erkennt und gleichzeitig Termine, Wege oder Gespräche verliert, soll das in der Hausarztpraxis ansprechen und eine Begleitperson mitnehmen. Behebbare Ursachen kommen zuerst, dann die Spezialsprechstunde. Selbsttests mit Lebensmitteln verzögern diesen Weg und können bei Erdnussallergie schaden.

Frühe Klarheit öffnet Türen zu Beratung, Schutzmaßnahmen und, in ausgewählten frühen Stadien, zu Antikörpertherapien mit engmaschiger Überwachung. Sie liefert keine Garantie. Der nächste sinnvolle Schritt ist kein Glas im Küchenschrank, sondern ein Termin, der Gedächtnis, Nase und Alltag gemeinsam betrachtet.

Quellen

  1. Stamps JJ, Bartoshuk LM, Heilman KM: A Brief Olfactory Test for Alzheimer’s Disease. Journal of the Neurological Sciences, 15. Oktober 2013.
  2. Doty RL, Bayona EA et al.: The Lateralized Smell Test for Detecting Alzheimer’s Disease: Failure to Replicate. Journal of the Neurological Sciences, 15. Mai 2014.
  3. Liu Y, Cao Y, Wei H: Diagnostic value of olfactory function testing for Alzheimer’s disease and mild cognitive impairment: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Aging Neuroscience, 15. Mai 2025.
  4. Mayo Clinic: Alzheimer’s disease – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, Stand: 2024.
  5. National Institute on Aging: How Is Alzheimer’s Disease Diagnosed?. National Institute on Aging, 8. Dezember 2022.
  6. NICE: Dementia: assessment, management and support for people living with dementia and their carers. National Institute for Health and Care Excellence, 20. Juni 2018.
  7. Jack CR, Andrews JS et al.: Revised criteria for diagnosis and staging of Alzheimer’s disease: Alzheimer’s Association Workgroup. Alzheimer’s & Dementia, 27. Juni 2024.
  8. NIDCD: Smell (Olfactory) Disorders—Anosmia, Phantosmia & Others. National Institute on Deafness and Other Communication Disorders, 31. Juli 2023.
  9. NHS: Diagnosis – Alzheimer’s disease. National Health Service, 4. Juli 2024.
  10. Alzheimer’s Association: 10 Early Signs and Symptoms of Alzheimer’s and Dementia. Alzheimer’s Association, Stand: 2025.
  11. Cleveland Clinic: Alzheimer’s Disease. Cleveland Clinic, 19. Februar 2025.
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