
Fieber ist eine geregelte Erhöhung der Körpertemperatur, in der Praxis meist ab etwa 38 °C, mit der das Immunsystem auf Infekte und Entzündungen reagiert. Die Gradzahl allein sagt wenig über die Schwere; Alter, Begleitzeichen und wie krank sich jemand anfühlt, zählen mehr.
Der Hypothalamus im Gehirn stellt den Sollwert höher. Deshalb friert man oft zuerst, obwohl die Haut schon warm wird. Ältere Hausregeln rieten, jedes Fieber rasch zu senken. Die Leitlinie NICE NG143 (letzte inhaltliche Fassung November 2019) und der NHS (Kinderseite, Januar 2024) geben fiebersenkende Mittel bei Kindern nur noch gegen Unwohlsein, nicht gegen die Zahl auf dem Display und nicht zur Vorbeugung von Fieberkrämpfen.
Gesunde Erwachsene vertragen vorübergehend 38 bis 40 °C in der Regel gut, schreibt das Merck Manual (Review Juli 2024). Ausnahmen sind Säuglinge unter drei Monaten, Menschen mit Herz- oder Lungenkrankheit oder Immunschwäche und jede Person mit Warnzeichen wie Nackensteifigkeit, Verwirrtheit oder Atemnot.
Ab welcher Temperatur spricht man von Fieber?
In der Praxis gilt bei Erwachsenen und Kindern oft 38 °C als Fieber, so der NHS (Mai 2023 für Erwachsene, Januar 2024 für Kinder) und die US-Gesundheitsbehörde CDC (Mai 2024). Die Cleveland Clinic (Mai 2023) nennt mündlich gemessene 38 °C als häufigsten Schwellenwert, räumt aber ein, dass manche Ärztinnen und Ärzte schon 37,8 °C so werten.
Die Mayo Clinic verwendet zwei leicht verschiedene Zahlen. Die Symptomseite (Dezember 2025) spricht bei oraler Messung ab 37,8 °C von Fieber. Die Erste-Hilfe-Seite (Juni 2024) setzt rektal, im Ohr, an der Schläfenarterie und oral 38 °C an, unter der Achsel 37,2 °C. MedlinePlus (Juli 2024) trennt nach Alter: bei Kindern rektal 38 °C, oral 37,5 °C, axillär 37,2 °C; bei Erwachsenen gilt oral je nach Tageszeit oft schon 37,2 bis 37,5 °C.
Das Merck Manual (2024, Nachzug April 2026) verzichtet auf eine einzige Magiezahl. Oral gilt morgens schon 37,2 °C als erhöht, später am Tag 37,8 °C, oder jeder Wert über dem bekannten persönlichen Normalwert. Rektal und tympanal liegen etwa 0,6 °C höher als oral, Hautmessungen etwa 0,6 °C niedriger. Der Tageshub beträgt rund 0,6 °C: morgens am niedrigsten, nachmittags und abends am höchsten.
Bei Kleinkindern im Vorschulalter, besonders um das zweite Lebensjahr, können gesunde Nachmittagswerte bis 38,3 °C vorkommen, ohne dass eine Krankheit vorliegt, so das MSD Manual (Review März 2025). Deshalb definiert MSD Fieber meist als rektale Kerntemperatur von mindestens 38,0 °C und warnt davor, die Höhe allein als Schweregrad zu lesen. NICE sagt für Kinder älter als sechs Monate ausdrücklich: die Gradzahl allein taugt nicht, um eine ernste Krankheit zu erkennen.
Wer friert, schwitzt oder sich fiebrig fühlt, kann auch unter 38 °C krank sein. Der NHS betont das für Erwachsene. NICE verlangt, dass Fachleute das Gefühl der Eltern, das Kind habe Fieber, ernst nehmen, auch ohne Thermometerwert.

Wie entsteht Fieber im Körper?
Fieber entsteht, wenn Botenstoffe den Temperatur-Sollwert im Hypothalamus nach oben setzen. Exogene Auslöser, vor allem Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide, bringen Abwehrzellen dazu, Interleukin-1, Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor-alpha freizusetzen. Diese Zytokine treiben die Bildung von Prostaglandin E2; der Sollwert steigt.
Sobald der Sollwert höher liegt, verengt der Körper Hautgefäße, man sucht Decken, und oft setzt Schüttelfrost ein. Die Muskeln erzeugen Wärme, bis das Blut den neuen Wert erreicht. Dann hält sich die Temperatur auf dem höheren Niveau, statt endlos weiterzuklettern. Genau diese Regelung unterscheidet Fieber von einer Überhitzung. Senkt ein Mittel den Sollwert wieder, folgen Schwitzen und weite Hautgefäße.
Viele Bakterien und Viren wachsen bei 37 °C besser als bei 39 °C. MedlinePlus (2024) beschreibt Fieber deshalb als Teil der Abwehr, nicht als Feind. Das Merck Manual nennt experimentelle Hinweise, dass die angeborene Fieberreaktion Infekte eindämmen und das Überleben verbessern kann. Ob fiebersenkende Mittel den Verlauf einer Sepsis verändern, ist klinisch unklar; das Handbuch zitiert dazu eine Stellungnahme von 2012 ohne Beleg für Nutzen.
Jeder Grad über 37 °C kann den Grundumsatz um etwa 10 bis 12 Prozent steigern. Das belastet Herz und Lunge. Deshalb rät Merck, Fieber bei vorbestehender Herz- oder Lungeninsuffizienz und bei Demenz eher zu behandeln. Infektfieber überschreitet bei unbehandelten Kindern selten 40,6 °C, sofern sie nicht zu warm angezogen sind oder in einem heißen Raum liegen. Hirnschäden durch die Temperatur selbst erwartet MedlinePlus erst jenseits von etwa 42 °C, einem Bereich, der eher zur Hyperthermie gehört.
Fieber oder Überhitzung?
Fieber ist ein geregelter Sollwertwechsel. Überhitzung (Hyperthermie) ist ein Ungleichgewicht aus Wärmeaufnahme oder Wärmeproduktion und Abgabe, während der Sollwert normal bleibt. Antipyretika, die die Prostaglandinsynthese hemmen, können den Sollwert senken. Bei Hitzschlag, maligner Hyperthermie oder bestimmten Drogenwirkungen tun sie das nicht.
Hitzerschöpfung und Hitzschlag entstehen durch hohe Umgebungstemperatur, fehlende Flüssigkeit oder lange Anstrengung, auch schon bei mäßiger Luftwärme, wenn jemand nicht akklimatisiert ist. Die Mayo Clinic nennt Fieber nach einem heißen Auto ausdrücklich als Notfall. Kühlen, Schatten, Flüssigkeit bei Bewusstsein und der Notruf 112 ersetzen hier Tabletten. Wer verwirrt oder bewusstlos ist, gehört in die Klinik, nicht unter die Hausdusche allein.
Das Merck Manual listet Stoffe, die die Wärmeregulation stören: Amphetamine, Kokain, MDMA, bestimmte Neuroleptika (malignes neuroleptisches Syndrom), Inhalationsnarkotika (maligne Hyperthermie), Methamphetamin, hohe Schilddrüsenhormon-Dosen und Interferone. Temperaturen über 41 °C können Eiweiße denaturieren, Gerinnung auslösen und Organe versagen lassen. Dann zählen physikalische Kühlung und die Behandlung der Ursache, nicht Paracetamol als Hauptmaßnahme.
Impfreaktionen und Medikamentenfieber bleiben dagegen echte Fieber: der Sollwert ist hoch, Schüttelfrost und Schwitzen passen zum Muster. Beta-Lactam-Antibiotika, Sulfonamide, Phenytoin, Carbamazepin und einige Herzmittel können eine Überempfindlichkeit mit Fieber auslösen. Das Manual nennt Medikamentenfieber eine Ausschlussdiagnose, oft erst nach Absetzen erkennbar.
Welche Beschwerden gehören zum Fieber?
Zum Fieber gehören häufig Schüttelfrost, Schwitzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Schwäche, Reizbarkeit und ein beschleunigter Puls. Die Cleveland Clinic (2023) ergänzt wechselndes Hitzegefühl und gerötete, heiße Haut. Viele beschreiben zuerst Kälte, obwohl niemand im Raum friert; das passt zum Hochsetzen des Sollwerts.
Kinder trinken und essen oft weniger, ziehen an den Ohren, schreien anders oder wirken blass oder hochrot. Ein Kind, das Blickkontakt hält, auf Ansprache reagiert, trinkt und zeitweise spielt, ist nach der Mayo Clinic (2025) meist weniger besorgniserregend als ein Kind, das apathisch wirkt oder den Blick meidet. Nach fiebersenkenden Mitteln wohler aussehen beweist laut NICE nicht, dass die Ursache harmlos ist. Ebenso wenig beweist ein fehlender Temperatursturz nach ein bis zwei Stunden eine schwere Krankheit.
Hohes Fieber kann Verwirrtheit, Delir oder Krampfanfälle nach sich ziehen, vor allem bei sehr alten Menschen und bei Kleinkindern. Merck warnt, dass Fieber den geistigen Zustand bei Demenz verschlechtern kann. Trockener Mund, dunkler Urin, fehlende Tränen beim Weinen und über acht bis zehn Stunden keine nasse Windel deuten auf Flüssigkeitsmangel, so die Mayo-Erste-Hilfe-Seite.
Nicht jedes schwere Infektbild macht hohes Fieber. Säuglinge und gebrechliche Ältere können bei Blutstrominfekt oder Lungenentzündung nur wenig oder gar nicht fiebern und stattdessen trinken, verwirrt oder sturzgefährdet wirken. Merck nennt das für Pflegeheimbewohner ausdrücklich: die Zahl auf dem Thermometer darf hier nicht beruhigen, wenn der Alltag plötzlich nicht mehr gelingt.
Was löst Fieber aus?
Die häufigste Ursache eines kurzen Fiebers bei sonst Gesunden ist eine Infektion der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts, der Harnwege oder der Haut. Die meisten akuten Atemwegs- und Darminfekte sind viral. Bakterien können Mittelohr, Nebenhöhlen, Lunge, Harnwege, Haut und, seltener, Hirnhäute oder Knochen befallen. Nach der Impfung gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae b ist die früher gefürchtete okkulte Bakteriämie bei fiebernden Kleinkindern ohne Fokus deutlich seltener geworden, schreibt MSD (2025), mit Schätzungen unter einem Prozent.
Viren und Bakterien sind nicht die einzigen Auslöser. Autoimmune und entzündliche Krankheiten wie rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, entzündliche Darmerkrankungen und Gefäßentzündungen können Fieber tragen. Manche Krebserkrankungen, besonders Lymphome und Leukämien, beginnen mit erhöhter Temperatur. MedlinePlus nennt außerdem Blutgerinnsel und bestimmte Arzneimittel. Allergien vom Typ Heuschnupfen machen laut Cleveland Clinic in der Regel kein Fieber, auch wenn die Nase läuft.
Impfungen können ein bis zwei Tage Fieber machen, manche Masernimpfungen erst nach ein bis zwei Wochen. COVID-Impfungen stehen bei der Mayo Clinic (2025) ausdrücklich auf der Liste. Zahnen erklärt MSD keine deutliche oder anhaltende Temperatur; MedlinePlus akzeptiert höchstens einen leichten Anstieg, nicht über 37,8 °C. Wer nach Tropenreise, Zeckenstich oder ungeschütztem Sex fiebert, braucht eine gezielte Reise- und Kontaktanamnese, weil Malaria, Rickettsiosen oder eine frische HIV-Infektion sonst übersehen werden.
Krankenhaus, Katheter, Beatmung und frische Operationswunden verschieben das Spektrum zu Harnwegsinfekt, Lungenentzündung, Clostridioides-difficile-Durchfall und Katheterinfekt. Bei Neutropenie nach Chemotherapie gilt Fieber als Notfall, der nicht auf den Hausgebrauch wartet. Ältere Ratgeber stapelten seltene Berufskrankheiten; heute steuern Alter, Impfstatus, Immunlage und Exposition die Wahrscheinlichkeit viel stärker als eine starre Liste.
Wie messe ich die Temperatur richtig?
Digitale Thermometer ersetzen Quecksilberglas, das zerbrechen und giftig sein kann. Die Mayo Clinic (2024) und MedlinePlus (Aktualisierung Januar 2026) empfehlen elektronische Fühler. Stirnstreifen aus Kunststoff messen Haut, nicht den Kern, und taugen laut MedlinePlus nicht für den Hausgebrauch. NICE nennt chemische Stirnthermometer für Fachleute unzuverlässig. Der NHS rät Erwachsenen von Stirnstreifen und von manchen Infrarotgeräten ab, die britische Vorgaben nicht erfüllen.
Für Kinder unter fünf Jahren weichen britische und US-Empfehlungen ab. NICE (2007, in NG143 unverändert) will oral und rektal in diesem Alter nicht routinemäßig nutzen: unter vier Wochen nur elektronisch in der Achsel, danach Achsel oder Infrarot-Ohr. Der NHS erklärt Eltern die Achselmessung Schritt für Schritt und warnt, dass ein Bad oder eine dicke Decke den Wert kurz hochtreibt. Die Mayo Clinic hält die Rektalmessung bei Säuglingen für genauer und beschreibt sie für zu Hause, wenn Sorge besteht. Beide Positionen sollten Sie kennen: in Deutschland folgt die Pädiatrie oft der schonenderen Achsel- oder Ohrtechnik, während US-Praxen bei sehr jungen Säuglingen weiter rektal messen.
Oral liegt der Fühler unter der Zunge, der Mund bleibt geschlossen, die Atmung geht durch die Nase. MedlinePlus verlangt 20 bis 30 Minuten Abstand nach Essen, Trinken oder Rauchen und eine Stunde nach Sport oder heißem Bad. Rektal ist etwa 0,3 bis 0,6 °C höher als oral, Ohr ähnlich, Achsel und Stirnscanner oft 0,3 bis 0,6 °C niedriger. Sagen Sie der Praxis immer den Messort mit. Ein Thermometer, das im Po war, gehört nicht in den Mund.
Ohrgeräte brauchen freie Sicht auf das Trommelfell; Cerumen, Otitis und falsche Tiefe verfälschen. Stirnscanner sind bequem, aber empfindlich für Schweiß und Raumluft. Die Achsel ist am ungenauesten, wenn Stoff zwischen Sensor und Haut liegt. NICE und MSD werten eine zu Hause gemessene Temperatur trotzdem wie eine Messung in der Praxis, sofern die Eltern den Wert und den Ort angeben.

Was hilft zu Hause und welche Mittel senken?
Ruhen, trinken und leicht kleiden reicht bei vielen leichten Verläufen. Der NHS rät Erwachsenen zu Wasser, bis der Urin hell und klar bleibt, und zu Paracetamol oder Ibuprofen nur bei Unwohlsein. Kinder sollen weiter trinken; gestillte Säuglinge werden wie gewohnt angelegt. Essen darf angeboten, nicht erzwungen werden. Zu viele Decken und ein überhitztes Zimmer halten die Wärme fest.
NICE (2013) und der NHS (2024) haben ältere Abkühlrituale zurückgenommen. Kinder nicht ausziehen, um sie zu kühlen, nicht mit lauwarmem Wasser abschwammen, nicht Alkohol ins Gesicht reiben. MedlinePlus erlaubt ein lauwarmes Bad erst nach einem fiebersenkenden Mittel, weil die Temperatur sonst rasch zurückspringt, und lehnt kalte Bäder, Eis und Alkoholeinreibungen ab: die Haut kühlt, der Kern steigt durch erneuten Schüttelfrost. Leichte Kleidung plus eine dünne Decke, solange jemand friert, entspricht der Mayo-Erste-Hilfe.
Paracetamol und Ibuprofen senken den Sollwert, indem sie die Prostaglandinsynthese im Gehirn hemmen. NICE will sie bei fiebernden Kindern nur einsetzen, solange das Kind belastet wirkt, und absetzen, sobald es wieder zufrieden ist. Beide Wirkstoffe gleichzeitig zu geben, lehnt die Leitlinie ab. Wechseln auf den anderen Stoff ist möglich, wenn der erste nicht gegen das Unwohlsein hilft; ein Wechsel im festen Takt nur, wenn die Belastung vor der nächsten Dosis zurückkehrt, und dann mit einem Zeitprotokoll gegen Verwechslungen. Der NHS ist strenger: Eltern sollen nicht selbst wechseln, außer eine Fachperson sagt es.
Dosierungen gehören auf Beipackzettel, Apotheke oder Arzt, weil sie vom Gewicht abhängen. MedlinePlus nennt für Paracetamol Abstände von vier bis sechs Stunden, für Ibuprofen sechs bis acht Stunden. Das Merck Manual setzt die Tageshöchstmenge Paracetamol für Erwachsene auf 4 g und warnt vor Erkältungsmischpräparaten, die denselben Stoff noch einmal enthalten. Acetylsalicylsäure senkt Fieber bei Erwachsenen zuverlässig, darf Kindern und Jugendlichen mit Virusinfekt aber nicht gegeben werden: Reye-Syndrom. Der NHS zieht die Grenze bei unter 16 Jahren. Ibuprofen entfällt laut NHS bei Kindern unter drei Monaten, unter 5 kg, bei Windpocken, bei Austrocknung und bei Asthma, sofern kein Arzt es ausdrücklich freigibt. Paracetamol gibt der NHS unter zwei Monaten nicht. Säuglinge unter drei Monaten sollen vor jedem Mittel die Praxis erreichen.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. NICE verbietet orale Antibiotika bei Kindern mit Fieber ohne erkennbaren Fokus in der Grundversorgung. Virale Erkältungen brauchen sie nicht. Die Ursache behandeln, nicht die Gradzahl jagen, bleibt die Linie der Mayo-Therapieseite (Dezember 2025): leichte Fieber können Mikroben bremsen, Werte über etwa 38,9 °C machen oft so unwohl, dass ein Mittel sinnvoll wird.
Wann zum Arzt, wann Notruf?
Säuglinge unter drei Monaten mit 38 °C oder dem Eindruck von Fieber gehören noch am selben Tag in ärztliche Hand, oft in die Notaufnahme. NICE stuft sie in die Hochrisikogruppe für schwere Krankheit. Der NHS nennt 111 (in Deutschland Hausarzt, 116 117 oder die Kinderklinik), die Mayo Clinic den sofortigen Kontakt. Zwischen drei und sechs Monaten gilt 39 °C mindestens als mittleres Risiko. Über sechs Monaten zählt das Ampelsystem aus Aussehen, Atmung, Kreislauf und Verhalten mehr als die Zahl.
Erwachsene sollen laut Mayo Clinic die Praxis rufen, wenn 39,4 °C erreicht oder überschritten sind. MedlinePlus (2024) rät zum raschen Kontakt, wenn das Fieber bei oder über 39,4 °C bleibt oder steigt, länger als 48 bis 72 Stunden dauert, über eine Woche kommt und geht, oder 40,6 °C erreicht, sofern es nicht rasch fällt und die Person sich wohlfühlt. Chronische Herz-, Lungen- oder Stoffwechselkrankheit, Immunschwäche, neue Flecken, Schmerzen beim Wasserlassen und eine frische Auslandsreise ziehen die Schwelle nach vorn.
| Gruppe | Bald ärztlich klären | Sofort Notruf 112 |
|---|---|---|
| Säugling unter 3 Monaten | Jede Temperatur von 38 °C oder der Eindruck von Fieber, auch ohne weitere Zeichen. | Apathie, Atemnot, nicht erweckbar oder Flecken, die unter einem Glas bleiben. |
| Kind von 3 bis 6 Monaten | Temperatur von 39 °C oder mehr, oder niedrigeres Fieber bei ungewöhnlicher Reizbarkeit. | Erstkrampf, Nackensteifigkeit, Lichtscheu oder blaue Lippen. |
| Älteres Kind | Fieber über drei bis fünf Tage, Trinkverweigerung oder ein Kind, das ganz anders wirkt. | Anhaltender Krampf über fünf Minuten, Bewusstlosigkeit oder sehr schwere Atemnot. |
| Erwachsene | 39,4 °C oder mehr, Fieber über zwei bis drei Tage, oder Wiederkehr über eine Woche. | Verwirrtheit, Nackensteifigkeit, Brustschmerz, Atemnot oder nicht wegdrückbares Exanthem. |
| Jedes Alter | Neue Reise, Immunschwäche, Chemotherapie oder ein Implantat im Herzen oder Gefäß. | Nicht stillbarer Schrei, fehlende Reaktion oder ein Anfall, der nicht endet. |
Die Tabelle bündelt Schwellen der Mayo Clinic (2025), von MedlinePlus (2024), NICE (2013/2019) und NHS (2023/2024). Kleine Abweichungen bleiben: die Mayo-Erste-Hilfe nennt bei Kindern fünf Fiebertage, die Symptomseite drei. NICE will die Fieberdauer nicht als Schwereprädiktor nutzen, verlangt aber ab fünf Tagen die Suche nach Kawasaki-Zeichen.
Notruf 112, nicht erst die Praxis-Mailbox, gilt bei Nackensteifigkeit, einem Ausschlag der unter Druck nicht verblasst, Lichtscheu, Verwirrtheit, Krampfanfall, blauen Lippen, sehr schwerer Atemnot, nicht weckbarer Schläfrigkeit und bei Kindern, die einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen. Merck ergänzt veränderten geistigen Zustand, Blutdruckabfall, starke Tachykardie und Temperaturen über 40 °C oder unter 35 °C als rote Flaggen der Untersuchung.
Fieber bei Säuglingen und Fieberkrämpfe
Neugeborene und junge Säuglinge können Infekte schlecht begrenzen. MSD zählt für die ersten 28 Lebenstage Streptokokken der Gruppe B, Escherichia coli, Listerien und Herpes-simplex-Virus zu den Erregern, die Blut, Lunge, Harnwege oder Hirnhäute befallen können. NICE verlangt bei Fieber unter drei Monaten Beobachtung plus Blutbild, Blutkultur, CRP, Urintest und bei Atemzeichen ein Röntgenbild; eine Lumbalpunktion folgt in festgelegten Alters- und Laborgruppen. Das ist Klinikarbeit, kein Hausprotokoll.
Fieberkrämpfe treffen vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, mit dem höchsten Risiko zwischen einem und drei Jahren, so das National Institute of Neurological Disorders and Stroke. Cochrane (2021) nennt 2 bis 4 Prozent der Kinder in Großbritannien und den USA; etwa jedes dritte Kind erlebt mindestens ein weiteres Ereignis. Die Mayo Clinic spricht von rund einem Drittel mit Wiederholung, meist innerhalb von zwölf Monaten. Ein Fieberkrampf ist kein Epilepsienachweis.
Einfache Fieberkrämpfe dauern Sekunden bis höchstens 15 Minuten, oft unter fünf, betreffen den ganzen Körper und kommen in 24 Stunden nicht wieder. Komplexe dauern länger, wiederholen sich am selben Tag oder bleiben auf eine Körperseite beschränkt. NINDS beschreibt Bewusstverlust, Zucken oder Starre, Augenrollen und gelegentlich Einnässen oder Erbrechen. Während des Anfalls das Kind zur Seite oder auf den Bauch legen, die Umgebung räumen, nichts in den Mund schieben. Dauert er länger als fünf Minuten oder erholt sich das Kind schlecht, den Rettungsdienst rufen. Den ersten Fieberkrampf soll danach eine Ärztin oder ein Arzt sehen, vor allem um eine Meningitis nicht zu verpassen.
Ältere Texte empfahlen Fiebersaft oder sogar Dauer-Antiepileptika, um den nächsten Krampf zu verhindern. Cochrane wertete 32 randomisierte Studien mit 4431 Kindern (Evidenzstand Februar 2020, Review 2021) und fand für Antipyretika und die meisten Antiepileptika keinen klinisch wichtigen Schutz. NICE formuliert seit 2007, dass Antipyretika Fieberkrämpfe nicht verhindern und nicht zu diesem Zweck eingesetzt werden sollen. NINDS wiederholt 2025 denselben Satz. Paracetamol oder Ibuprofen dürfen das Kind entlasten; sie sind keine Krampfprophylaxe.
Was bedeutet Fieber unklarer Ursache?
Von Fieber unklarer Ursache spricht man, wenn erhöhte Temperatur über Wochen anhält oder wiederkehrt und die übliche Suche leer ausgeht. Die Mayo Clinic (Dezember 2025) setzt bei Erwachsenen mehr als drei Wochen an, durchgehend oder an mehreren Tagen, ohne greifbare Ursache. MSD nennt bei Kindern tägliches Fieber über mindestens zwei Wochen nach erfolglosen Kulturen und Basisuntersuchungen. Hinter dem Etikett stecken oft häufige Krankheiten in ungewöhnlicher Form, nicht zuerst Raritäten.
Infekte (Abszesse, Endokarditis, Tuberkulose, EBV), nichtinfektiöse Entzündungen und Tumoren bilden die klassischen Gruppen. Pseudo-FUO entsteht, wenn sich banale Viruswellen bei Kita-Kindern überlappen. Die Abklärung gehört in erfahrene Hände: Blutbild, Entzündungswerte, Kulturen, Urin, Röntgen oder CT, Reise- und Medikamentenanamnese. Empirische Antibiotika oder Kortison ohne Ziel verzögern die Diagnose. Drei Tage Schnupfenfieber sind kein FUO und brauchen diese Maschinerie nicht.
Wer über fünf Tage fiebert, ohne dass eine Erkältung plausibel bleibt, soll trotzdem früher vorstellig werden. NICE knüpft daran bei kleinen Kindern die Suche nach Kawasaki-Krankheit: anhaltendes Fieber plus Schleimhaut-, Haut- und Lymphknotenzeichen. Das ist kein klassisches FUO, aber der häufigste Grund, warum die Fünf-Tage-Marke in Kinderleitlinien steht.
Häufige Fragen
Ab welcher Temperatur habe ich Fieber?
Meist ab 38 °C, oral, rektal oder im Ohr gemessen. Manche Quellen setzen oral 37,8 °C oder, morgens, schon 37,2 °C. Nennen Sie der Praxis immer den Messort, weil Achselwerte niedriger liegen.
Muss ich Fieber immer senken?
Nein. NICE und NHS wollen Mittel bei Kindern nur gegen Unwohlsein, nicht gegen die Gradzahl. Leichtes Fieber kann Infekte bremsen. Ausnahmen sind Herz- oder Lungenkrankheit, Demenz und sehr hohes Unwohlsein.
Hilft Wadenwickel oder Abschwammen?
Der NHS rät bei Kindern ausdrücklich davon ab, sie auszuziehen oder mit Wasser zu kühlen. Kalte Wickel und Alkoholeinreibungen können Schüttelfrost auslösen und den Kern wieder anheben. Trinken und leichte Kleidung bleiben die Hausbasis.
Verhindert Fiebersaft einen Fieberkrampf?
Nein. Cochrane (2021) und NICE finden keinen Beleg, dass Paracetamol oder Ibuprofen spätere Fieberkrämpfe verhindern. Die Mittel dürfen Unwohlsein lindern. Nach dem ersten Krampf gehört das Kind zum Arzt, nicht nur an das Fieberthermometer.
Wann ist Fieber bei Erwachsenen gefährlich?
Gefährlich wird nicht die Zahl allein, sondern die Kombination mit Warnzeichen. Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Atemnot, Brustschmerz, nicht wegdrückbare Flecken oder 40 °C plus schweres Krankheitsgefühl rechtfertigen den Notruf. Ohne solche Zeichen ist 39,4 °C ein Grund für die Praxis, nicht automatisch für die Intensivstation.
Können Impfungen Fieber auslösen?
Ja, oft für Stunden bis ein bis zwei Tage, manchmal später nach Lebendimpfungen. Das Fieber kommt von der Immunantwort, nicht von einer „vergifteten“ Spritze. Säuglinge unter drei Monaten mit 38 °C sollen trotzdem ärztlich gesehen werden, auch nach einer Impfung.
Was ist der Unterschied zwischen Fieber und einem Hitzschlag?
Fieber setzt den Sollwert hoch und reagiert oft auf Paracetamol oder Ibuprofen. Ein Hitzschlag überfordert die Wärmeabgabe, der Sollwert bleibt normal, Tabletten helfen kaum. Kühlen und der Notruf stehen dann vor jedem Fiebersaft.
Fazit
Messen Sie die Temperatur digital, notieren Sie den Ort und beobachten Sie Trinken, Atmung, Haut und Ansprechbarkeit. 38 °C ist die alltagstaugliche Grenze, kein Urteil über Harmlosigkeit. Unter drei Monaten gehört diese Grenze in die Klinik; danach entscheidet das Kind oder der Erwachsene im Ganzen, nicht das Display.
Senken Sie Fieber, wenn jemand darunter leidet, mit Paracetamol oder Ibuprofen in der Packungsdosis, nie mit Acetylsalicylsäure bei Minderjährigen. Wechseln Sie Wirkstoffe nicht auf eigene Faust im Stundentakt. Wadenwickel und Abschwammen sind aus den aktuellen Kinderleitlinien verschwunden. Fiebersaft schützt nicht vor dem nächsten Krampf.
Bleibt Fieber bei Erwachsenen über zwei bis drei Tage, bei Kindern über drei bis fünf Tage, oder treten Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Atemnot oder ein Glas-Test-Ausschlag auf, endet die Selbstbehandlung. Dann zählen Hausarzt, Bereitschaftsdienst 116 117 oder 112, nicht eine weitere Tablette gegen die Gradzahl.
Quellen
- NICE: Fever in under 5s: assessment and initial management. National Institute for Health and Care Excellence, November 2019.
- NHS: High temperature (fever) in adults. National Health Service, 24. Mai 2023.
- NHS: High temperature (fever) in children. National Health Service, 3. Januar 2024.
- Mayo Clinic Staff: Fever – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 24. Dezember 2025.
- Mayo Clinic Staff: Fever: First aid. Mayo Clinic, 25. Juni 2024.
- MedlinePlus: Fever: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 31. Juli 2024.
- MedlinePlus: Temperature measurement. MedlinePlus, 14. Januar 2026.
- Bush LM, Vazquez-Pertejo MT: Fever – Infectious Disease. Merck Manual Professional Edition, Juli 2024.
- Consolini DM: Fever in Infants and Children. MSD Manual Professional Edition, März 2025.
- Offringa M, Newton R et al.: Prophylactic drug management for febrile seizures in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021.
- NINDS: Febrile Seizures. National Institute of Neurological Disorders and Stroke, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Fever: What Is Considered a Fever?. Cleveland Clinic, 31. Mai 2023.
