Folsäure und Brustkrebs: Risiko, Dosis, Leitlinien

Folsäure und Brustkrebs: Risiko, Dosis, Leitlinien

Hohe Folsäuredosen können in Tierversuchen das Wachstum bereits vorhandener Brusttumoren fördern. Beim Menschen bleibt der Zusammenhang uneinheitlich: eine systematische Auswertung von 2025 fand keinen signifikanten Unterschied der Folatzufuhr zwischen Erkrankten und Kontrollen, während einzelne Kohorten eine U-förmige Kurve beschrieben.

Folat aus Gemüse und Hülsenfrüchten bleibt die sichere Basis der Ernährung. Synthetische Folsäure aus Tabletten und angereichertem Getreide erreicht den Körper leichter und kann bei sehr hohen Mengen unmetabolisiert im Blut erscheinen. Das US-Office of Dietary Supplements (ODS) nennt für Erwachsene 400 Mikrogramm Folatäquivalente als Richtwert und 1000 Mikrogramm synthetische Folsäure als Obergrenze. Wer eine Brustkrebsdiagnose hat, Methotrexat nimmt oder eine Schwangerschaft plant, sollte hoch dosierte Präparate nicht allein ansetzen.

Folat oder Folsäure: was der Körper braucht

Folat ist das Sammelwort für Vitamin B9, Folsäure die synthetische Form in Tabletten und angereicherten Getreideprodukten. Der Körper braucht beide Varianten für den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel, also für DNA-Synthese, DNA-Reparatur und die Bereitstellung von Methylgruppen.

Natürlich vorkommendes Folat sitzt vor allem in Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Leber, Spargel und Zitrusfrüchten. Die Mayo Clinic (Stand August 2025) nennt zusätzlich Bohnen, Erbsen, Nüsse sowie Orangen, Bananen, Melonen und Papaya. Folsäure ist oxidiert und als Monoglutamat leichter verfügbar. Das ODS schätzt die Aufnahme aus der Nahrung auf etwa 50 Prozent, die aus Folsäure mit einer Mahlzeit auf mindestens 85 Prozent, nüchtern nahezu vollständig.

Deshalb rechnet das US-Gremium für Nährstoffreferenzwerte in Folatäquivalenten. Ein Mikrogramm Folat aus Lebensmitteln entspricht einem Mikrogramm Äquivalent. Ein Mikrogramm Folsäure mit Essen zählt als 1,7 Äquivalente, nüchtern als zwei. Laborwerte unterscheiden sich nach Zeitraum. Serumfolat bildet die letzten Tage ab, ein Wert über 3 Nanogramm pro Milliliter gilt als ausreichend. Erythrozytenfolat spiegelt Wochen bis Monate, die Schwelle für eine ausreichende Versorgung liegt bei 140 Nanogramm pro Milliliter.

Viele Nordamerikaner erreichen diese Werte, weil die USA und Kanada seit 1998 Weizenmehl, Teigwaren und Maismehl gesetzlich anreichern. In Deutschland fehlt eine solche Pflicht. Wer hierzulande viel Weißmehl isst, nimmt deshalb nicht automatisch hohe Folsäuremengen auf. Umgekehrt können Multivitamine plus Frühstückscerealien die Obergrenze lokal überschreiten, sobald mehrere Produkte denselben Wirkstoff tragen.

Spinatblätter

Was die Ratten- und Mäuseversuche wirklich zeigten

Die Arbeit, die 2014 die Debatte anstieß, untersuchte keine gesunden Drüsen, sondern bereits tastbare Tumoren. Deghan Manshadi, Kim und Kollegen behandelten weibliche Sprague-Dawley-Ratten mit dem Karzinogen DMBA und warteten, bis ein Leitumor 0,7 bis 0,9 Zentimeter maß. Danach erhielten die Tiere bis zu zwölf Wochen Futter mit dem Grundbedarf oder dem 2,5-, 4- oder 5-fachen an Folsäure.

Die Supplementierung beschleunigte das Wachstum des Leitumors und erhöhte Gewicht und Volumen aller Brusttumoren gegenüber der Kontrolldiät. Ein glatter Dosisanstieg blieb aus. Der deutlichste und beständigste Effekt trat bei der 2,5-fachen Menge auf, einer Dosis, die die Autoren mit etwa 0,8 bis 1,0 Milligramm Folsäure pro Tag beim Menschen nach nordamerikanischer Anreicherung verglichen. In repräsentativen Adenokarzinomen stiegen die Proteine BAX, PARP und HER2.

Hansen und Kollegen prüften 2017 ein zweites Modell. Transgene PyMT-Mäuse entwickeln vorhersehbar Milchdrüsenkarzinome. Tiere mit fünffach erhöhter Folsäure im Futter (10 statt 2 Milligramm pro Kilogramm) hatten fast das doppelte Gesamtvolumen, 1641 gegenüber 843 Kubikmillimetern. Besonders große Knoten über 200 Kubikmillimeter wurden elfmal häufiger. In den größten Tumoren, die nur unter hoher Folsäure auftraten, war der Signalweg STAT3 aktiv.

Beide Versuche beschreiben Progression, nicht den Start einer völlig gesunden Drüse. Die Ratte erhielt ein chemisches Karzinogen, die Maus ein starkes Onkogen. Solche Modelle eignen sich, um Mechanismen zu sehen. Sie ersetzen keine randomisierten Studien an Frauen. Genau das betonten die Autoren 2014 selbst: die mögliche Förderung etablierter Läsionen brauche Klärung bei Patientinnen, ein Beweis für den Alltag sei das Futterexperiment nicht.

Warum Folat Tumoren hemmen oder nähren kann

Ob Folat schützt oder nährt, hängt von Dosis und Stadium der Zellen ab. In gesundem Gewebe stützt ausreichendes Folat die korrekte DNA-Synthese und die Methylierung; ein Mangel kann Strangbrüche und instabile Chromosomen begünstigen. Sitzt bereits eine präneoplastische oder bösartige Läsion, liefern hohe Folatmengen Bausteine für rasche Zellteilung.

Das ODS fasst diese zeitabhängige Dualität 2022 so zusammen: maßvolle Folsäure vor Entstehung von Vorstufen könne manchen Krebs unterdrücken, hohe Dosen danach die Progression fördern. Derselbe Gedanke begründet Folatantagonisten in der Onkologie. Methotrexat und verwandte Stoffe blockieren den Folatstoffwechsel und bremsen so teilungsfreudige Zellen.

Ein Expertengremium von National Toxicology Program und ODS kam 2015 zu zwei klaren Sätzen. Folsäuretabletten senken das Krebsrisiko nicht, wenn die Ausgangsversorgung schon ausreicht. Gleichzeitig rechtfertigen wiederholte Hinweise auf beschleunigtes Tumorwachstum weitere Forschung zu Dosis, Zeitpunkt und Form. Offen blieb, ob der Effekt nur synthetische Folsäure trifft oder auch andere Folatformen.

Unmetabolisierte Folsäure erscheint im Blut, sobald die Dihydrofolatreduktase überfordert ist. Einzelgaben von 300 bis 400 Mikrogramm können messbare Spiegel hinterlassen, 100 bis 200 Mikrogramm eher nicht. Beobachtungen zu natürlicher Killerzellaktivität und Kognition bei Älteren sind Hinweise, keine feststehende Schadenslehre. Das ODS nennt sie ausdrücklich unzureichend verstanden.

Was Beobachtungsstudien und Metaanalysen beim Menschen finden

Beim Menschen ergibt sich kein einheitliches Ja oder Nein. Eleotério, Ferreira und Kollegen werteten 2025 elf Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus. Acht Arbeiten verknüpften höhere Folatzufuhr mit niedrigerem Brustkrebsrisiko, drei fanden keinen Zusammenhang, eine beschrieb eine U-Kurve. Die gepoolte Differenz der mittleren Zufuhr zwischen 12072 Fällen und Kontrollen blieb mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von 0,03 (Konfidenzintervall −0,05 bis 0,10) statistisch leer.

Ältere Zusammenfassungen zeichneten ein feineres Dosisbild. Chen und Kollegen bündelten 2014 sechzehn prospektive Studien mit 744068 Teilnehmenden und 26205 Brustkrebsfällen. Nahrungsfolat zwischen 153 und 400 Mikrogramm pro Tag senkte das Risiko gegenüber weniger als 153 Mikrogramm. Mengen über 400 Mikrogramm brachten in den Kohorten keinen zusätzlichen Schutz. Fall-Kontroll-Studien zeigten eher eine lineare inverse Beziehung. Zirkulierendes Folat aus acht Studien mit 5924 Personen blieb ohne klaren Gesamteffekt.

Randomisierte Folsäurestudien, meist zur Herz-Kreislauf-Prävention, ändern das Bild noch einmal. Das ODS zitiert eine Lancet-Metaanalyse von Vollset und Kollegen aus 13 Versuchen mit rund 50000 Personen, median 2000 Mikrogramm Folsäure über 5,2 Jahre. Weder die Gesamtinzidenz noch Brust-, Darm-, Lungen- oder Prostatakrebs verschoben sich signifikant. Merck schreibt in der Verbraucherfassung (Stand Juni 2026) knapp, es gebe keinen Beleg, dass Folattabletten das Risiko verschiedener Krebse senken oder erhöhen.

Einzelbefunde bleiben relevant für Beratung, nicht als Bevölkerungsregel. Höheres Plasmafolat war in einer prospektiven Gruppe mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation mit höherem Brustkrebsrisiko verknüpft, so das ODS unter Verweis auf Kim und Kollegen 2016. Norwegische Herzstudien ohne Lebensmittelanreicherung berichteten mehr Krebsfälle unter 800 Mikrogramm Folsäure plus Vitamin B12. Solche Signale widersprechen einander und ersetzen keine Diagnose. Sie begründen Zurückhaltung bei Megadosen, nicht den Verzicht auf Gemüse.

Welche Mengen gelten als angemessen

Für gesunde Erwachsene bleiben 400 Mikrogramm Folatäquivalente der US-Richtwert, in der Schwangerschaft 600, in der Stillzeit 500. Die Mayo Clinic nennt 400 bis 800 Mikrogramm Folsäure für Personen mit möglicher Schwangerschaft. Das CDC (Stand Juli 2026) hält 400 Mikrogramm Folsäure täglich fest, weil Neuralrohrdefekte in den ersten Schwangerschaftswochen entstehen, oft bevor ein Test positiv ist.

Die Obergrenze von 1000 Mikrogramm gilt nur für synthetische Formen aus Tabletten und angereicherten Lebensmitteln, nicht für Folat aus Spinat oder Linsen. Die EFSA behielt 2023 denselben Erwachsenenwert bei, einschließlich Schwangerer und Stillender. Maßgebend war das Risiko, eine Vitamin-B12-Mangelanämie hämatologisch zu überdecken, während Nervenschäden fortschreiten. Für einen kausalen Anstieg von Darm- oder Prostatakrebs reichte die Evidenz der Behörde nicht. Brustkrebs war in dieser UL-Prüfung kein festes Endpunktpaar.

Situation Menge pro Tag Quelle
Erwachsene, Richtwert 400 µg Folatäquivalente NIH ODS, 2022
Schwangerschaft, Richtwert 600 µg Folatäquivalente NIH ODS, 2022
Mögliche Schwangerschaft, Prävention 400 µg Folsäure CDC, 2026
Obergrenze synthetische Formen 1000 µg NIH ODS 2022, EFSA 2023
Früheres Kind mit Neuralrohrdefekt 4000 µg nur unter Aufsicht CDC, 2026

4000 Mikrogramm nach einem betroffenen Kind liegen weit über der Obergrenze und gehören in ärztliche Hand. Das CDC empfiehlt sie einen Monat vor einer erneuten Zeugung bis durch das erste Trimenon; ohne neuen Kinderwunsch bleiben 400 Mikrogramm. Etwa fünf Prozent der 51- bis 70-jährigen US-Erwachsenen überschreiten 1000 Mikrogramm, vor allem durch Tabletten, so das ODS anhand älterer NHANES-Wellen.

Alkohol, Folat und Brustkrebs

Alkohol ist selbst ein etablierter Risikofaktor für Brustkrebs und zugleich ein Folatgegner. Er stört die Aufnahme im Darm, die Speicherung in der Leber und erhöht die Ausscheidung über die Niere. Schon zwei Wochen mit 240 Milliliter Rotwein oder 80 Milliliter Wodka täglich senkten in einer Crossover-Studie das Serumfolat gesunder Männer, ohne die Mangelgrenze von 3 Nanogramm pro Milliliter zu unterschreiten, berichtet das ODS.

In Beobachtungsstudien erscheint der Schutzeffekt von Folat vor allem dort, wo regelmäßig mehr Alkohol getrunken wird. Chen und Kollegen 2014 und die Auswertung von 2025 zitieren Kohorten, in denen höhere Folatzufuhr das Brustkrebsrisiko bei höherem Alkoholkonsum abschwächte, nicht aber bei geringem oder fehlendem Konsum. Kim und Kollegen hatten denselben Interaktionstyp 2014 in der Einleitung ihrer Rattenarbeit referiert.

Praktisch folgt daraus keine Lizenz für mehr Wein plus eine Extra-Tablette. Wer Alkohol reduziert, senkt ein eigenständiges Risiko. Wer trotzdem trinkt und sich einseitig ernährt, kann Folat aus Lebensmitteln eher verfehlen. Ein Mangel zeigt sich schleichend als megaloblastäre Anämie mit Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Kopfschmerz, Herzklopfen und Luftnot. Schwere Defizite können Zunge, Haut und Verdauung mitnehmen, schreibt Merck.

Was nach einer Brustkrebsdiagnose gilt

Nach der Diagnose ändert sich die Frage. Es geht nicht mehr nur um das Risiko, überhaupt zu erkranken, sondern darum, etablierte Zellen nicht mit Bausteinen zu versorgen und Therapien nicht zu stören. Die American Cancer Society warnt in der Survivor-Leitlinie von 2022 ausdrücklich vor Übergebrauch und Fehlgebrauch von Nahrungsergänzung während und nach der Behandlung. Nährstoffe sollen zuerst aus Lebensmitteln kommen.

Kim und Kollegen verwiesen 2014 darauf, dass Krebspatientinnen Präparate häufiger nutzen als die Allgemeinbevölkerung. In einer zitierten Gruppe mit frühem Brustkrebs stieg der Multivitamingebrauch von 54 Prozent vor der Diagnose auf 72 Prozent danach. Solche Zahlen erklären die Sorge der Tierversuche: genau die Gruppe mit möglichen Restläsionen erreicht oft die höchste Folsäurelast.

Methotrexat in onkologischer Dosis ist ein Folatgegner. Folattabletten können seine Wirkung abschwächen, halten ODS und Mayo Clinic fest. Bei niedrig dosiertem Methotrexat gegen rheumatoide Arthritis oder Schuppenflechte kann Folat dagegen Magen-Darm-Nebenwirkungen mindern. Dieselbe Substanz verlangt also zwei verschiedene Gespräche, je nach Indikation.

Fehlt die Nahrung oder die Aufnahme, etwa nach Operationen, bei schwerer Mukositis oder bei nachgewiesener Unterversorgung, kann ein Präparat sinnvoll sein. Die ACS nennt orale Nährstoffpräparate, wenn Essen den Energiebedarf, die Referenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe und mehr als ein Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht nicht deckt. Ziel bleibt der Ausgleich eines gemessenen Defizits, nicht eine Megadosis „gegen den Krebs“.

Wechselwirkungen und wann der Arzt nötig ist

Mehrere Arzneimittel verschieben Folatspiegel oder werden selbst durch Folat verschoben. Wer sie dauerhaft nimmt, sollte Zufuhr und Labore nicht allein steuern.

  • Methotrexat in der Krebsbehandlung kann durch Folatpräparate an Wirksamkeit verlieren, daher nur nach Vorgabe der Onkologie ergänzen.
  • Phenytoin, Carbamazepin und Valproat können Folat senken, während Folattabletten ihrerseits Wirkspiegel dieser Mittel reduzieren können.
  • Sulfasalazin hemmt die Folataufnahme im Darm und kann einen Mangel auslösen, der ärztlich ausgeglichen wird.
  • Pyrimethamin gegen Malaria kann laut Mayo Clinic ebenfalls an Kraft verlieren, wenn gleichzeitig hoch dosierte Folsäure läuft.

Hohe Folsäure kann die Blutbildveränderung eines Vitamin-B12-Mangels kaschieren, die Nervenschädigung aber nicht heilen. Taubheit, unsicherer Gang, Gedächtnisstörung und eine neu entdeckte makrozytäre Anämie gehören deshalb zur Abklärung, bevor jemand 800 oder 1000 Mikrogramm Folsäure dauerhaft schluckt. Die Mayo Clinic nennt als mögliche Begleiterscheinungen hoher Dosen bitteren Geschmack, Übelkeit, lockeren Stuhl, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schlafstörung und Krämpfe.

Ein tastbarer Knoten, Hauteinziehung, Orangenhaut, blutige Sekretion aus der Brustwarze oder ein neu verzogener Warzenhof sind Gründe für eine zeitnahe Brustuntersuchung, unabhängig von jeder Tablette. Kinderwunsch nach Brustkrebs, eine geplante antihormonelle Therapie und jeder Start eines B-Komplexes mit mehr als 400 Mikrogramm Folsäure gehören ins Gespräch mit Onkologie oder Gynäkologie, nicht ins Regal der Drogerie.

Was sich seit 2018 in Evidenz und Leitlinien geändert hat

Die Rattenarbeit von 2014 ist nicht widerlegt, sie ist eingeordnet. 2017 kam das Mausmodell hinzu. 2018 beschrieb Kim in einem Kommentar die Dualität als zeit- und dosisabhängig. Seither haben Leitlinien und große Auswertungen die praktische Konsequenz verschärft, ohne aus dem Tierversuch eine Diagnose für alle Frauen zu machen.

Das ODS aktualisierte das Fachblatt im November 2022 und hält die Dualität, die Obergrenze und die Interaktionen fest. Die ACS-Survivor-Leitlinie von 2022 rückt Supplemente hinter die Ernährung und warnt vor Überdosierung. Das CDC bekräftigte 2026 die 400-Mikrogramm-Regel zur Neuralrohrprävention; die US-Präventionsbehörde hatte 2023 die Empfehlung von 400 bis 800 Mikrogramm für Personen mit möglicher Schwangerschaft mit hoher Sicherheit erneuert. Die EFSA ließ 2023 den UL bei 1000 Mikrogramm und fand keine ausreichende Kausalität für Darm- und Prostatakrebs.

Eleotério und Kollegen schlossen 2025, dass die gepoolten Zufuhrunterschiede das Brustkrebsrisiko nicht belegen. Merck formuliert 2026 denselben Alltagsatz ohne Dramatik. Für Leserinnen in Deutschland bleibt der Unterschied zur alten Textlage von 2018 vor allem dieser: hohe Tablettenplus Anreicherung war das nordamerikanische Szenario der Rattenstudie. Ohne Pflichtanreicherung zählt hierzulande vor allem, was in Multivitaminen, Präparaten „für Haare und Nägel“ und in freiwillig angereicherten Cerealien steckt.

Häufige Fragen

Erhöht Folsäure das Brustkrebsrisiko?

Eine übliche Zufuhr aus Lebensmitteln und 400 Mikrogramm Folsäure zur Schwangerschaftsvorsorge ist nach den großen Auswertungen kein nachgewiesener Risikotreiber. Die Metaanalyse von 2025 fand keinen signifikanten Zufuhrunterschied zwischen Erkrankten und Kontrollen. Hohe synthetische Dosen können in Tierversuchen bestehende Tumoren fördern; dieser Mechanismus ist beim Menschen nicht in gleicher Schärfe belegt.

Soll ich nach der Rattenstudie alle Präparate absetzen?

Gesunde Ernährung mit Folat aus Gemüse und Hülsenfrüchten müssen Sie nicht streichen. Hoch dosierte Folsäure ohne medizinischen Grund können Sie weglassen, bis eine Ärztin oder ein Arzt die Liste geprüft hat. Nach Brustkrebs, unter Methotrexat oder bei Kinderwunsch entscheidet das Fachgespräch, nicht die Schlagzeile eines Futterversuchs.

Wie viel Folsäure ist nach einer Brustkrebsdiagnose vertretbar?

Die ACS rät, Nährstoffe aus Lebensmitteln zu decken und Supplemente nicht zu überdosieren. Ein Multivitamin im Bereich von 100 Prozent des Tageswerts kann vertretbar sein, wenn die Nahrung knapp bleibt. Mengen nahe oder über 1000 Mikrogramm synthetischer Folsäure gehören nicht zur Selbstmedikation nach Diagnose.

Schützt Folat aus Gemüse besser als die Tablette?

Nahrungsfolat war in Kohorten häufiger mit niedrigerem Risiko verknüpft als isolierte Folsäure. Chen und Kollegen sahen den günstigsten Bereich zwischen 153 und 400 Mikrogramm Folat aus der Kost. Tabletten bleiben unverzichtbar, wo das CDC 400 Mikrogramm Folsäure zur Neuralrohrprävention verlangt, weil nur diese Form in den Präventionsstudien wirkte.

Was gilt bei Kinderwunsch und gleichzeitig hohem Brustkrebsrisiko?

Neuralrohrschutz und Onkologie müssen in einem Plan zusammenlaufen. 400 Mikrogramm Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft bleiben die CDC-Regel für durchschnittliches Risiko. 4000 Mikrogramm nach einem betroffenen Kind gelten nur unter Aufsicht. BRCA-Mutation, laufende endokrine Therapie oder Restbefunde in der Brust ändern die Nutzen-Risiko-Lage und brauchen eine individuelle Dosis.

Wann muss ich wegen Folat zum Arzt?

Neurologische Zeichen plus makrozytäre Anämie, ein neuer Brustbefund, geplante Schwangerschaft nach Krebs und jede Kombination aus Methotrexat plus Selbstmedikation sind Anlässe für zeitnahe Abklärung. Auch anhaltende Müdigkeit, entzündete Zunge und Durchfall bei einseitiger Kost oder hohem Alkoholkonsum rechtfertigen eine Folat- und B12-Bestimmung.

Fazit

Folat aus der Küche und 400 Mikrogramm Folsäure bei möglicher Schwangerschaft bleiben nützlich und gut belegt. Die Sorge aus den Tierversuchen betrifft vor allem hohe synthetische Mengen, sobald bereits veränderte Zellen da sind. Menschenstudien seit 2014, inklusive der gepoolten Auswertung von 2025, haben daraus kein klares bevölkerungsweites Brustkrebsrisiko gemacht.

Wer morgen handelt, liest die Etiketten von Multivitamin, B-Komplex und Cerealien und addiert die Mikrogramm Folsäure. Liegt die Summe dauerhaft nahe 1000, ohne dass eine Ärztin das angeordnet hat, ist Streichen sinnvoller als Aufstocken. Nach Brustkrebs, unter Folatantagonisten oder bei Kinderwunsch gehört die Liste auf den Tisch der behandelnden Praxis, zusammen mit Alkoholmenge und einem aktuellen Blutbild inklusive Vitamin B12.

Spinat, Linsen und Orangen ersetzen keine Früherkennung. Sie ersetzen auch keine 400 Mikrogramm Folsäure, wenn eine Schwangerschaft möglich ist. Sie ersetzen aber die Idee, dass mehr Tablette automatisch mehr Schutz bedeutet.

Quellen

  1. NIH Office of Dietary Supplements: Folate – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 30. November 2022.
  2. Centers for Disease Control and Prevention: About Folic Acid. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Juli 2026.
  3. Deghan Manshadi S, Ishiguro L et al.: Folic Acid Supplementation Promotes Mammary Tumor Progression in a Rat Model. PLOS ONE, 21. Januar 2014.
  4. Eleotério MR, Ferreira LS et al.: Folate Intake and Breast Cancer Risk: A Systematic Review and Meta-Analysis. Molecular Nutrition & Food Research, 23. Dezember 2025.
  5. Mayo Clinic Staff: Folate (folic acid). Mayo Clinic, 15. August 2025.
  6. Johnson LE: Folate Deficiency. Merck Manual Consumer Version, Stand: Juni 2026.
  7. Hansen MF, Jensen SØ et al.: High folic acid diet enhances tumour growth in PyMT-induced breast cancer. British Journal of Cancer, 14. März 2017.
  8. EFSA NDA Panel: Scientific opinion on the tolerable upper intake level for folate. EFSA Journal, 13. November 2023.
  9. Rock CL, Thomson CA et al.: American Cancer Society nutrition and physical activity guideline for cancer survivors. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 16. März 2022.
  10. Chen P, Li C et al.: Higher dietary folate intake reduces the breast cancer risk: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Cancer, 25. März 2014.
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