
Ananassaft lindert einen Husten nicht nachweislich besser als ein Hustensaft. Die oft geteilte Behauptung, der Saft sei fünfmal wirksamer, stammt nicht aus einer belastbaren Studie zum Erkältungshusten.
Was sich seit den älteren Hausmittel-Texten geändert hat, betrifft vor allem den Honig und die rezeptfreien Sirupe, nicht die Ananas. Das britische Institut NICE nennt Honig ab dem vollendeten ersten Lebensjahr als Selbstmaßnahme mit begrenztem Nutzen. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC empfiehlt pasteurisierten Honig für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr. Eine brasilianische Zufallsstudie von 2016 und die Cochrane-Auswertung von 2018 fanden keinen zusätzlichen Effekt, wenn zum Honig ein Ananasextrakt mit Bromelain kam. Der Saft bleibt ein Getränk mit Vitamin C und Mangan, kein zugelassenes Hustenmittel.
Ein akuter Husten dauert laut NICE meist drei bis vier Wochen und klingt ohne Antibiotikum ab. Wer Blut hustet, kaum Luft bekommt oder länger als drei Wochen nicht besser wird, braucht eine ärztliche Abklärung statt eines neuen Rezepts aus dem Mixer.
Hilft Ananassaft wirklich gegen Husten?
Nein. Es gibt keine Leitlinie, die Ananassaft als Hustenmittel empfiehlt, und keine kontrollierte Studie, die ein Glas Saft gegen Placebo oder gegen Dextromethorphan prüft. Was existiert, sind Laborhinweise zu Bromelain, kleine Arbeiten zu Fertigextrakten und Anekdoten.
Die Geschichte mit der fünffachen Wirkung kreist seit Jahren durch soziale Netze, manchmal sogar als „500 Prozent wirksamer“. Dahinter steckt oft ein Aufsatz von 2010 über pflanzliche Ansätze bei Tuberkulose, nicht eine Hustenstudie an sonst gesunden Erwachsenen. Eine Mischung aus Saft, Salz, Pfeffer und Honig taucht dort als Volksrezept auf. Das ist kein Beleg dafür, dass derselbe Mix einen viralen Reizhusten verkürzt. Tuberkulose gehört in die Infektiologie, nicht in die Teeküche.
Peixoto und Kollegen prüften 2016 in Recife 60 Kinder zwischen 2 und 15 Jahren mit Reizhusten seit mindestens 24 Stunden. Eine Gruppe erhielt Sirup aus Ananasextrakt plus Honig, die andere nur Honig. Nach 30 Minuten sanken die gezählten Hustenstöße in beiden Armen ähnlich: im Mittel um etwa 1,7 Episoden in zehn Beobachtungsminuten. Eine starke Score-Verbesserung um mehr als zwei Punkte gab es bei fünf Kindern mit Extrakt und einem Kind mit Honig allein, ohne statistischen Unterschied. Unerwünschte Wirkungen traten in dieser kurzen Beobachtung nicht auf. Die Arbeit wurde von einem Hersteller finanziert. Cochrane übernahm den Vergleich 2018 und folgerte: Zwischen Honig und Honig plus Bromelain besteht wahrscheinlich wenig oder kein Unterschied.
Wer dennoch ein Glas Saft trinkt, weil es schmeckt und Flüssigkeit bringt, handelt nicht „falsch“. Er ersetzt damit nur keinen medizinischen Befund und sollte den Husten nicht an der Farbe des Safts messen.

Was Bromelain kann und was im Saft ankommt
Bromelain ist eine Gruppe eiweißspaltender Enzyme aus Stängel und Frucht der Ananaspflanze, nicht ein einzelnes Wundermolekül. Das US-Zentrum für komplementäre Medizin (NCCIH, Stand November 2024) schreibt, die orale Evidenz für Nasennebenhöhlenentzündung reiche nicht für eine Empfehlung. Für Husten nennt die Behörde gar keine belastbare Datenlage.
Labor- und Tierarbeiten beschreiben entzündungshemmende und schleimverflüssigende Eigenschaften. Daraus folgt nicht, dass ein pasteurisierter Fruchtsaft dieselben Enzyme in wirksamer Menge ins Bronchialsekret bringt. Die klinischen Versuche nutzten konzentrierte Extrakte, Kapseln oder Fertigsirupe. Das NCCIH betont außerdem, viele Studien prüften Mischpräparate. Dann bleibt unklar, welcher Bestandteil den Ausschlag gab.
Zwei regulatorische Fakten trennen Saft und Medizin. 2022 ließ die US-Arzneimittelbehörde ein bromelainhaltiges Arzneimittel zur örtlichen Entfernung von Brandnekrosen bei Erwachsenen zu; in der EU gibt es ein vergleichbares Konzept. Oral ist Bromelain in den USA laut LiverTox (Aktualisierung Februar 2024) für keine Krankheit formell zugelassen. Die Monografie nennt übliche Supplementdosen zwischen 200 und 2000 Milligramm täglich. Das ist ein Kapselbereich, kein Trinkrezept. Lebertoxizität gilt als unwahrscheinlich. Überzeugender Nutzen für irgendeine Indikation fehlt nach derselben Quelle.
Praktisch heißt das: Wer im Supermarkt zur Ananas greift, kauft Obst, kein Dosiergerät. Wer Kapseln nimmt, wechselt in den Bereich der Nahrungsergänzung mit eigenen Wechselwirkungen. Beides ist nicht dasselbe wie der Sirup aus der Peixoto-Studie.
Welche Nährstoffe Ananassaft wirklich liefert
Ananassaft kann Vitamin C und Mangan liefern, ersetzt aber weder Gemüse noch eine ausgewogene Kost und heilt keine Infektion. Das US-Office of Dietary Supplements listet eine halbe Tasse rohe Ananasstücke mit 0,8 Milligramm Mangan, das sind 35 Prozent des Tageswerts auf US-Etiketten. Die ausreichende Zufuhr für Erwachsene liegt bei 2,3 Milligramm (Männer) bzw. 1,8 Milligramm (Frauen) pro Tag, Stand der Auswertung 2021.
Vitamin C braucht der Körper für Kollagen, Wundheilung und Immunzellen. Die empfohlene Menge liegt bei Erwachsenen um 75 bis 90 Milligramm täglich, Rauchende brauchen laut denselben US-Referenzwerten 35 Milligramm extra. Viele Säfte werden zusätzlich mit Ascorbinsäure angereichert; ungesüßte Sorten ohne Zusatz enthalten weniger. Ein Glas ersetzt deshalb nicht automatisch die ganze Tagesmenge, und hohe Vitamin-C-Dosen verkürzen eine Erkältung nicht zuverlässig so, wie es Werbesprüche nahelegen.
Was der Saft nicht liefert, ist Ballaststoff in der Menge der ganzen Frucht. Zucker aus Saft kommt schnell an, sättigt schwach und belastet die Zähne, besonders wenn man ihn über den Tag verteilt schluckt. Bei Diabetes, Fruktosemalabsorption oder gereizter Speiseröhre ist das ein eigenes Thema, unabhängig vom Husten. Ältere Listen, die Ananassaft mit Fruchtbarkeit, Sehkraft und Krebsabwehr in einem Atemzug verknüpfen, vermischen Nährstoffgehalte mit Wunschdiagnosen. Für den Husten zählt das nicht.
Honig bei Husten: was Leitlinien stützen
Honig kann nächtlichen Husten bei Kindern ab einem Jahr etwas lindern, ähnlich wie manches rezeptfreie Mittel und besser als gar nichts. Das ist die belastbarste Hausmittel-Aussage der letzten Jahre, und sie gilt für Honig, nicht für Ananas.
Die Cochrane-Übersicht von 2018 wertete sechs kleine Studien mit 899 Kindern zwischen 12 Monaten und 18 Jahren aus. Honig senkte Häufigkeit und Schwere des Hustens gegenüber Placebo und gegenüber keiner Behandlung wahrscheinlich klarer. Gegen Dextromethorphan blieb der Unterschied gering. Gegen Diphenhydramin schnitt Honig eher besser ab. Die meisten Kinder bekamen die Dosis nur eine Nacht lang. Nebenwirkungen waren meist Unruhe oder Durchfall, ohne groben Unterschied zu den Vergleichsarmen.
NICE (NG120, Empfehlungen zur akuten Hustenselbstsorge) nennt Honig bei Personen über einem Jahr als Option mit begrenzter Evidenz. Das CHEST-Expertengremium der US-Lungenfachgesellschaft schlug 2017 vor, Honig bei Kindern von 1 bis 18 Jahren gegenüber keiner Therapie, Placebo oder Diphenhydramin zu erwägen, nicht aber als überlegen gegenüber Dextromethorphan. Die CDC schreibt 2025 explizit pasteurisierten Honig für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr fest. Die Mayo Clinic (November 2024) nennt für Kinder ab einem Jahr einen halben bis einen Teelöffel, also 2,5 bis 5 Milliliter, pur oder in Flüssigkeit.
Unter einem Jahr bleibt Honig tabu. Clostridium-botulinum-Sporen können bei Säuglingen den Säuglingsbotulismus auslösen, eine seltene, schwere Lähmung. Pasteurisierung zerstört diese Sporen nicht zuverlässig. Wer Honig in Ananassaft rührt, ändert an dieser Altersgrenze nichts.
Was bei akutem Husten zu Hause sinnvoll ist
Ruhe, Flüssigkeit und feuchte Luft helfen oft mehr als ein neues Superfood, weil sie den Schleim dünner machen und die gereizte Schleimhaut schonen. Die CDC listet für die akute Bronchitis, den „Brust-Schnupfen“, genau diese Maßnahmen und betont: Viren sind die häufigste Ursache, Antibiotika ändern den Verlauf bei sonst Gesunden nicht.
Sinnvolle Schritte, die Behörden und Kliniken wiederholen, ohne den Husten „wegzuzaubern“:
- Ausreichend trinken, am besten Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe, damit der Schleim weniger zäh bleibt und sich leichter abhusten lässt.
- Einen sauberen Kaltluftbefeuchter nutzen oder kurz geduscht im dampfenden Bad sitzen, ohne heiße Dämpfe ins Gesicht von Kleinkindern zu halten.
- Isotonische Kochsalztropfen oder -spray in die Nase geben; bei Säuglingen kann eine weiche Saugbirne den Nasenschleim entfernen.
- Lutschtabletten nur ab dem Alter, in dem Verschlucken unwahrscheinlich ist: die CDC nennt vier Jahre als Untergrenze, die Mayo Clinic warnt bei harten Bonbons unter sechs Jahren.
- Tabakrauch und stark reizende Stäube meiden, weil sie den Hustenreiz selbst dann anheizen, wenn die Infektion schon abklingt.
Ein Glas Ananassaft kann in dieser Liste höchstens als Flüssigkeit stehen, neben Apfelsaft oder verdünntem Tee. Scharfe Zusätze wie Cayenne oder viel Pfeffer, wie sie in Internetrezepten auftauchen, reizen manchen Kehlkopf zusätzlich. Capsaicin als „Schleimlöser“ ist keine Leitlinienempfehlung. Wer den Geschmack mag und die Schleimhaut verträgt, darf würzen; wer schon heiser ist, sollte es lassen.
NICE rät ausdrücklich davon ab, bei einem einfachen Infekthusten ohne bekanntes Asthma ein schleimlösendes Arzneimittel wie Acetylcystein oder Carbocistein zu geben. Bronchodilatatoren und Kortison zum Einnehmen oder Inhalieren gehören ebenfalls nicht zur Standard-Selbsttherapie, solange keine zugrunde liegende Atemwegserkrankung besteht.
Hustensäfte und Antibiotika nach aktuellen Regeln
Rezeptfreie Hustensäfte überzeugen Leitlinien seit 2017 weniger als die Werbung verspricht, und bei Kleinkindern überwiegen die Risiken. Das CHEST-Panel schlug vor, OTC-Husten- und Erkältungsmittel bei Erwachsenen und Kindern nicht zu nutzen, bis belegt ist, dass sie den Husten kürzer oder milder machen. NICE erlaubt Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren unter Vorbehalt Guaifenesin sowie hustendämpfende Mittel ohne Codein, wenn kein hartnäckiger Husten wie bei Asthma und kein überschüssiges Sekret vorliegt. Antihistaminika, Abschwellende und codeinhaltige Mischungen helfen laut derselben Leitlinie dem Hustensymptom kaum.
Bei Kindern sind die Grenzen enger geworden. Die FDA rät von OTC-Husten- und Erkältungsmitteln unter zwei Jahren ab, weil schwere, mitunter lebensbedrohliche Nebenwirkungen vorkamen. Hersteller kennzeichnen viele Produkte freiwillig mit „nicht unter vier Jahren“. Die CDC geht 2025 weiter: Unter sechs Jahren sind solche Mittel nicht empfohlen. Ab sechs Jahren soll die Anwendung mit einer Fachperson besprochen werden. Die Mayo Clinic schreibt zusätzlich, man solle diese Präparate unter zwölf Jahren nicht ohne ärztlichen Rat einsetzen. Mehrere Produkte mit demselben Wirkstoff, etwa Paracetamol im Fiebersaft und im Erkältungssaft, führen leicht zur Überdosierung. Haushaltslöffel sind kein Dosierbecher.
Homöopathische Hustentropfen haben nach FDA-Angaben keine Zulassung als geprüfte Arzneimittel. Manche Präparate enthielten höhere Wirkstoffmengen als deklariert. Die Behörde rät, sie Kleinkindern unter vier Jahren nicht zu geben.
Antibiotika gehören bei einem viralen Husten nicht in die Hausapotheke. NICE beziffert den mittleren Gewinn bei akuter Bronchitis auf etwa einen halben Tag kürzeren Husten, bei Durchfall und Übelkeit als häufige Begleiter. Wer schwer krank wirkt, Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens hat, frühgeboren war oder als ältere Person mehrere Risikomerkmale erfüllt, braucht eine individuelle Entscheidung, keine starre Verweigerung.

Allergie, Gerinnung, Zucker und Kleinkinder
Ananassaft ist für die meisten Menschen ein Lebensmittel, aber bei Allergie, gerinnungshemmender Therapie und im Säuglingsalter kein harmloser Versuch. Das NCCIH nennt Magenbeschwerden und Durchfall als häufigste orale Nebenwirkungen von Bromelain. Über Schwangerschaft und Stillzeit ist wenig bekannt. LiverTox ergänzt Hautausschlag, Nesselsucht und sehr seltene anaphylaktische Reaktionen. Wer Ananas nicht verträgt, sollte weder Saft noch Extrakt testen, „um den Husten zu pushen“.
Bromelain kann die Blutgerinnung beeinflussen. LiverTox erwähnt eine mögliche gerinnungshemmende Wirkung. Das NCCIH rät, vor Kräuter- und Enzympräparaten mit der behandelnden Stelle zu sprechen, wenn bereits Medikamente laufen. Das gilt besonders für Vitamin-K-Antagonisten, direkte orale Gerinnungshemmer und vor Operationen. Ein gelegentliches Glas Saft ist nicht dasselbe wie eine Hochdosis-Kapsel, aber wer jeden Tag große Mengen trinkt und Marcumar nimmt, sollte das erwähnen statt zu schweigen.
Zucker und Säure bleiben Alltagsrisiken. Häufiges Nuckeln an Saft fördert Karies. Bei Reflux kann die Säure Sodbrennen verstärken. Menschen mit bekannter Fruktoseunverträglichkeit reagieren oft schon auf ein kleines Glas. Keines dieser Probleme heilt den Husten, alle können den Tag unangenehmer machen.
Für Kinder gelten drei harte Grenzen, unabhängig vom Geschmack der Ananas:
- Honig, auch im Saftmix, erst nach dem ersten Geburtstag, wegen Säuglingsbotulismus.
- Rezeptfreie Husten-Kombisaften nicht nach Gefühl dosieren; die Altersgrenzen von FDA, CDC und Mayo Clinic liegen bei zwei, vier, sechs bzw. zwölf Jahren und widersprechen sich absichtlich auf der sicheren Seite.
- Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten ab 38,0 °C (100,4 °F) gehört laut CDC sofort in ärztliche Hände, nicht ins Wohnzimmerrezept.
Milch und Rauch: was man weglassen sollte
Milch erzeugt keinen zusätzlichen Lungenschleim. Ältere Ratgeber, die Milchprodukte bei Erkältung pauschal streichen, stützen sich auf ein Gefühl, nicht auf Sekretmessungen.
Die Mayo Clinic stellte im Juni 2023 klar: Trinken von Milch lässt den Körper kein Phlegma bilden. Frühe Beobachtungen und neuere Arbeiten deuten darauf hin, dass Milch und Speichel im Mund eine dickere Flüssigkeit ergeben, die den Rachen kurz überzieht. Das fühlt sich nach mehr Schleim an, ist aber keine Mehrproduktion in der Lunge. Eine kleine Zufallsstudie, die die Klinik zitiert, fand bei Kindern mit und ohne Asthma keinen Symptomunterschied zwischen Kuhmilch und Sojadrink. Wer Milch mag und verträgt, darf sie lassen. Wer sie meidet, weil der Film im Hals stört, trifft eine Komfortentscheidung, keine mikrobiologische.
Was den Husten nachweislich reizt, ist Rauch. Die Mayo-Seite zum Husten nennt Tabakrauch und Passivrauch als Verstärker. Die CDC zählt zu den Kernregeln gegen Atemwegsviren Impfschutz, Händehygiene, Lüften und das Bedecken von Hustenstößen. Kaffee als „Austrockner“ fehlt in diesen Listen. Wer nach einem Espresso schlechter schläft und nachts mehr hustet, kann ihn weglassen; eine Pflichtkarenz für alle Erkälteten folgt daraus nicht.
Gebratene, scharfkantige oder sehr trockene Speisen können einen wunden Rachen mechanisch stören. Das ist Alltagsklugheit, kein Studienergebnis zur Schleimmenge. Alkohol schwächt die Schlafqualität und kann Flüssigkeit ziehen; bei Fieber und wenig Trinken ist das ungünstig. Wieder gilt: weglassen, wenn es belastet, nicht weil ein Blog es als Gift führt.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Ein Husten, der nach wenigen Wochen nicht weicht oder mit Blut, Atemnot, hohem Fieber oder Brustschmerz kommt, gehört in die Praxis oder den Rettungsdienst, nicht unter ein neues Hausmittel. Die Mayo Clinic nennt einen Husten akut, wenn er kürzer als drei Wochen dauert, und chronisch, wenn Erwachsene länger als acht Wochen oder Kinder länger als vier Wochen husten. NICE spricht beim unkomplizierten Verlauf von drei bis vier Wochen. Die CDC schickt zur Abklärung, wenn Symptome länger als drei Wochen anhalten.
| Zeichen | Einordnung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Blutiger oder rosa Auswurf, starke Atemnot, Brustschmerz, Erstickungsgefühl | Notfall laut Mayo Clinic | Notaufnahme oder Notruf, nicht abwarten |
| Fieber über fünf Tage oder ab 40 °C, blutig durchsetzter Schleim, Luftnot | Warnzeichen laut CDC 2025 | Zeitnah eine Praxis oder Klinik aufsuchen |
| Dickes grüngelbes Sekret plus Fieber, Pfeifen, Ohnmacht, Gewichtsabnahme, Knöchelödeme | Abklärung laut Mayo Clinic | Arztbesuch in den nächsten Tagen |
| Husten länger als drei bis vier Wochen, rasche Verschlechterung | Verlauf laut NICE und CDC | Wiedervorstellung, andere Ursachen prüfen |
| Säugling unter drei Monaten mit 38,0 °C oder mehr | Pädiatrischer Notfall laut CDC | Sofort medizinische Hilfe |
Die Tabelle ersetzt keine Untersuchung. Sie sortiert nur Schwellen, die Behörden 2023 bis 2025 öffentlich nennen.
Weitere Gründe für einen raschen Kontakt: Keuchen, Schluckstörung, Verwirrtheit, sehr hohe oder sehr niedrige Temperatur mit Schüttelfrost, wenig Urin als Hinweis auf Flüssigkeitsmangel. NICE nennt zudem Hinweise auf eine schwerere Krankheit, etwa Sepsis, Lungenembolie oder einen möglichen Lungentumor. ACE-Hemmer können einen trockenen Reizhusten auslösen; dann ändert kein Saft die Ursache, sondern die Überprüfung der Tablettenliste.
Wer Asthma, COPD, Herzschwäche oder eine geschwächte Abwehr hat, sollte einen neuen, schweren Husten früher vorstellen als jemand ohne Vorerkrankung. Wiederholte „Bronchitiden“ hintereinander sind laut CDC ebenfalls ein Anlass, nicht nur den nächsten Saft zu mischen.
Häufige Fragen
Hilft Ananassaft besser als Hustensaft?
Nein, das ist nicht belegt. Es fehlt eine Studie, die Saft direkt gegen Hustensaft testet, und die virale „Fünf-mal-besser“-Zahl hat keine seriöse Quelle. Honig allein schnitt in der verfügbaren Kinderforschung mindestens so gut ab wie Honig plus Ananasenzym.
Darf ich Honig in Ananassaft rühren?
Ja, ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, wenn keine Allergie gegen einen der Bestandteile besteht. Der mögliche Nutzen kommt nach Cochrane, NICE und CDC vom Honig. Der Saft ist Trägerflüssigkeit, kein Wirkverstärker mit eigener Zulassung.
Können Kinder Ananassaft gegen Husten trinken?
Als Getränk ja, als Therapie nein, und Honig im Mix erst nach dem ersten Geburtstag. Rezeptfreie Hustensäfte haben eigene Altersgrenzen: FDA unter zwei Jahren ablehnend, viele Etiketten unter vier, CDC unter sechs nicht empfohlen. Bei Säuglingen mit Fieber ab 38,0 °C zählt die Uhr in Minuten, nicht der Saft.
Soll ich Milch weglassen, wenn ich huste?
Nur wenn Sie sie nicht mögen oder nicht vertragen. Milch steigert die Schleimproduktion in der Lunge nach Mayo Clinic (2023) nicht. Der dickere Film im Hals ist ein Sinneseindruck. Bei echter Milchallergie oder Laktoseintoleranz gelten die üblichen Regeln, unabhängig vom Husten.
Wie viel Bromelain steckt in einem Glas Saft?
Eine verlässliche Milligrammangabe für Handelsaft veröffentlicht weder NCCIH noch LiverTox. Studien und Etiketten beziehen sich auf Extrakte, oft 200 bis 2000 Milligramm pro Tag in Kapseln. Pasteurisierter Saft ist damit nicht gleichzusetzen. Wer hoch dosiert supplementiert, sollte Wechselwirkungen prüfen lassen.
Wann muss ich mit Husten in die Notaufnahme?
Bei blutigem oder rosa Auswurf, schwerer Luftnot, anhaltendem Brustschmerz, Erstickungs- oder Schluckunfähigkeit. Die Mayo Clinic listet diese Zeichen als Notfall. Ein Glas Saft ändert an keinem davon etwas.

Fazit
Ananassaft bleibt ein Obstgetränk mit Mangan und etwas Vitamin C, kein Ersatz für Diagnose oder Leitlinientherapie. Die Behauptung einer vielfachen Überlegenheit gegenüber Hustensaft hat die Forschung der letzten Jahre nicht gerettet. Bromelain verdient Aufmerksamkeit als Enzym und als Wundauflage bei Verbrennungen, nicht als stillschweigende Dosis im Frühstückssaft.
Wer den Reiz mildern will, liegt mit Honig ab einem Jahr, Flüssigkeit, feuchter Luft und Rauchverzicht näher an NICE, CDC, Cochrane und Mayo Clinic als an Mixer-Rezepten mit Pfeffer. Rezeptfreie Sirupe haben bei Kleinkindern enge Grenzen; Antibiotika gehören bei einem banalen viralen Husten nicht zur ersten Antwort.
Tritt Blut auf, wird die Luft knapp, bleibt das Fieber hoch oder der Husten nach drei bis vier Wochen stehen, ist der nächste Schritt die Sprechstunde. Der Saft darf dann auf dem Tisch stehen. Die Entscheidung fällt er nicht.
Quellen
- National Center for Complementary and Integrative Health: Bromelain: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health, November 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Chest Cold (Acute Bronchitis) Basics. Centers for Disease Control and Prevention, 2. Juli 2025.
- National Institute for Health and Care Excellence: Cough (acute): antimicrobial prescribing. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2021.
- Mayo Clinic Staff: Cough: causes and when to see a doctor. Mayo Clinic, 11. Dezember 2024.
- Oduwole O, Udoh EE et al.: Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018.
- U.S. Food and Drug Administration: Should You Give Kids Medicine for Coughs and Colds?. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Peixoto DM, Rizzo JA et al.: Use of honey associated with Ananas comosus (Bromelin) in the treatment of acute irritative cough. Revista Paulista de Pediatria, 2016.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Bromelain – LiverTox clinical monograph. LiverTox, 10. Februar 2024.
- Mayo Clinic Staff: Cold symptoms: Does drinking milk increase phlegm?. Mayo Clinic, 13. Juni 2023.
- Mayo Clinic Staff: Honey: An effective cough remedy?. Mayo Clinic, 5. November 2024.
- National Institutes of Health Office of Dietary Supplements: Manganese Fact Sheet for Health Professionals. Office of Dietary Supplements, 29. März 2021.
- Malesker MA, Callahan-Lyon P et al.: Pharmacologic and Nonpharmacologic Treatment for Acute Cough Associated With the Common Cold. Chest, November 2017.
