
Plättchenreiches Plasma kann bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose Schmerzen und Beweglichkeit für Monate bessern, den Gelenkverschleiß aber nicht rückgängig machen. Der Nutzen zeigt sich in mehreren Metaanalysen, bleibt in den Leitlinien jedoch gespalten. Europäische Sportorthopäden und die US-Rehamediziner der AAPM&R halten die Spritze nach ausgeschöpfter Basistherapie für vertretbar, das britische NICE und die AAOS stufen die Beweislage weiter als begrenzt ein.
Die Zubereitung stammt aus dem eigenen Blut. Eine Zentrifuge reichert Blutplättchen an, die Wachstumsfaktoren und Botenstoffe enthalten; das Konzentrat wird ins Gelenk gegeben. Ob dadurch Knorpel nachwächst, ist unklar. Wahrscheinlicher ist eine Dämpfung der Gelenkentzündung. Wer Fieber, eine heiße Schwellung oder plötzlich nicht mehr auftreten kann, braucht zuerst eine Abklärung auf Infekt oder Verletzung, keine elektive Injektion.
Ältere Ratgeber von 2018 beschrieben PRP oft als neue, sehr wirksame Alternative zur Operation. Seither sind Dutzende randomisierte Studien und zwei große Fachkonsenspapiere dazugekommen. Sie schärfen die Zielgruppe und nehmen der Therapie den Heilungsanspruch. Gewicht, Muskeltraining und Schmerzmittel nach Plan bleiben die Grundlage; die Spritze ist ein Baustein danach, kein Ersatz.
Was plättchenreiches Plasma ist und wie es im Gelenk wirkt
Plättchenreiches Plasma, fachsprachlich thrombozytenreiches Plasma oder PRP, ist Eigenblut mit einer höheren Plättchenzahl als im normalen Plasma. OrthoInfo der AAOS schreibt, die Konzentration könne das Fünf- bis Zehnfache des Ausgangswerts erreichen. Die Plättchen sind Zellfragmente, die gerinnen helfen und zugleich Proteine freisetzen, die Heilungs- und Entzündungswege beeinflussen.
Johns Hopkins Medicine erklärt den Ablauf. Blut wird entnommen, in einer Zentrifuge getrennt, der plättchenreiche Anteil isoliert und an die behandelte Stelle gespritzt, oft unter Ultraschall. Die Idee ist, Wachstumsfaktoren lokal anzureichern. Der genaue Wirkweg im arthrotischen Knie ist nicht vollständig geklärt. Harvard Health Publishing nennt 2026 vor allem entzündungshemmende Effekte; ob Knorpel erhalten oder neu gebildet wird, bleibe Gegenstand von Studien.
Manche deutschsprachige Texte sprechen von proteinreichem Plasma. Das ist keine zweite Methode, sondern eine unscharfe Übersetzung. Plasma und Plättchen enthalten Proteine, das Produkt heißt in Studien PRP. Unterschiedliche Kits liefern verschiedene Zellmischungen. Leukozytenarme Präparate enthalten weniger weiße Blutkörperchen als Vollblut, leukozytenreiche mehr. StatPearls (Stand 31. Januar 2026) ordnet leukozytenarme Zubereitungen bei Arthrose als oft günstiger ein, weil Neutrophile die Gelenkschleimhaut reizen können. Die AAOS-Leitlinie 2021 sah in einer kleinen Auswertung eher ein Signal für leukozytenreiches PRP. Die Frage ist also offen, kein Qualitätsmerkmal, das Patientinnen und Patienten selbst wählen könnten.
Mayo Clinic Sports Medicine führt die Injektion ambulant, unter Ultraschall und mit örtlicher Betäubung durch, unter anderem bei Arthrose und Meniskusschäden. Das ersetzt keine Diagnose. Zuerst gehören Anamnese, Untersuchung und meist eine Röntgenaufnahme dazu, die das Kellgren-Lawrence-Stadium grob abbildet. Ohne dieses Bild bleibt unklar, ob eine Spritze überhaupt zur Schwere der Gelenkveränderung passt.

Hilft PRP bei Kniearthrose wirklich?
Bei leichter bis mittelschwerer Gonarthrose (Kellgren-Lawrence-Stufen I bis III) können intraartikuläre PRP-Gaben Schmerz und Funktion über Monate verbessern, zuverlässig ist das nicht. Der europäische ESSKA-ORBIT-Konsens vom März 2024 vergibt drei Empfehlungen der höchsten Stufe A. Es gebe genug vor- und klinische Daten für den Einsatz bei Kniearthrose; der Nutzen zeige sich vor allem bei Stufen bis III; die Wirkung dauere länger als die von Kortison und das Sicherheitsprofil erscheine günstiger.
Bensa und Kollegen werteten 2024 fünfunddreißig randomisierte Studien mit 3348 Patientinnen und Patienten aus. Gegen Kortison lag PRP beim WOMAC-Index (Schmerz, Steifigkeit, Alltag) bereits kurzfristig besser, in der mittleren und langen Nachbeobachtung bis zwölf Monate überschritt der Unterschied die Schwelle, die als klinisch spürbar gilt. Die Schmerzskala folgte demselben Muster. Hyaluronsäure und Kortison unterschieden sich im WOMAC kaum; bei der Schmerzskala war Hyaluronsäure langfristig statistisch etwas besser, ohne diese Schwelle zu erreichen.
Peng und Mitarbeiter verglichen 2025 in zwölf randomisierten Studien leukozytenarmes PRP mit Hyaluronsäure. WOMAC-Gesamt- und Funktionsscores fielen nach sechs und zwölf Monaten zugunsten von PRP aus, die Schmerzskala schon nach drei, sechs und zwölf Monaten. Die Zahl unerwünschter Ereignisse unterschied sich nicht. OrthoInfo hält fest, die Literatur zu milder und mittlerer Kniearthrose wachse und einzelne Arbeiten berichteten Effekte bis etwa zwei Jahre.
Gegen diesen Strom stehen einzelne, gut verblindete Studien, in denen PRP nach zwölf Monaten weder Symptome noch Gelenkstruktur klarer veränderte als Kochsalz. Der ESSKA-Konsens nennt diesen Widerspruch ausdrücklich. Wer „es wirkt immer“ erwartet, liegt falsch. Schwere Knochen-an-Knochen-Arthrose (Stufe IV) und starke Achsfehler sprechen in der AAPM&R-Guidance von 2026 eher für den Gelenkersatz als für eine weitere Spritze. Eine dauerhafte Heilung, wie ältere Porträts sie andeuteten, belegen die Daten nicht.
Was Leitlinien seit 2018 zu PRP am Knie sagen
Die Fachgesellschaften sind näher an einer differenzierten Indikation, aber nicht einig. NICE hat die Interventional-Procedures-Guidance 637 in die HealthTech-Guidance 497 überführt, den Inhalt aber gelassen. Zuletzt geprüft am 23. Januar 2019, nächste Prüfung 2026. Keine großen Sicherheitsbedenken, Evidenz zur Wirksamkeit aber von begrenzter Qualität. Die Spritze soll im britischen System nur unter Sonderregelung laufen, mit Aufklärung über Unsicherheiten, interner Aufsicht und Dokumentation der Zubereitung.
Die AAOS-Leitlinie zur nichtoperativen Kniearthrose vom 31. August 2021 formuliert vorsichtig, PRP könne Schmerz und Funktion bei symptomatischer Kniearthrose verbessern. Die Empfehlungsstärke gilt als begrenzt und wurde wegen gemischter Ergebnisse, unterschiedlicher Stadien und einzelner systemischer Meldungen herabgestuft. In der Begründung wirkten drei intraartikuläre Gaben günstiger als eine oder zwei. Gegen Hyaluronsäure divergierten die Kurven oft nach sechs Monaten. Beide Gruppen besserten sich zunächst, PRP hielt den WOMAC-Gewinn häufiger bis Monat neun oder zwölf.
ESSKA-ORBIT (2024) und die AAPM&R-Guidance (veröffentlicht 16. April 2026, Literatur bis Juni 2025) gehen einen Schritt weiter. Das physiatrische Expertengremium nennt fünf evidenzgestützte Empfehlungen und elf Konsensregeln zu Auswahl, Dosis, Technik, Nachsorge und Einwilligung. Harvard Health, redaktionell von der Leitautorin mitgeprüft, übersetzt das für Laien. PRP kommt infrage, wenn milde bis mittlere Arthrose trotz Gewichtsarbeit, Physiotherapie und Schmerzmitteln bleibt. Schwere Arthrose oder ein schlecht ausgerichtetes Gelenk gehören eher in die Prothesendiskussion.
Der Bruch zur Seite von 2018 liegt genau hier. Damals galten kleine Studien von 2009 bis 2013 und die Botschaft „vorläufig sehr wirksam“. Heute stehen größere Vergleiche und zwei Fachkonsenspapiere dagegen, plus zwei zurückhaltende Regulierungs- und Orthopädietexte. Wer eine zweite Meinung einholt, wird deshalb oft zwei Tonlagen hören, ohne dass eine Seite die Daten einfach ignoriert.
PRP, Hyaluronsäure oder Kortison, was hält länger?
Kortison wirkt meist schneller, PRP oft länger; Hyaluronsäure liegt dazwischen und bleibt regulatorisch klarer definiert. Bensa und Kollegen (2024) fassen zusammen, dass Kortison Hyaluronsäure und PRP nur in den ersten Wochen ähnelt. Danach zieht PRP bei WOMAC und Schmerzskala davon, und der Abstand zum Kortison erreicht in der mittleren und langen Nachbeobachtung eine klinisch relevante Größe.
StatPearls hält fest, dass Hyaluronsäure in den USA für Kniearthrose zugelassen oder freigegeben ist, PRP für die meisten Anwendungen dagegen off-label oder investigativ bleibt. Johns Hopkins ergänzt, die Geräte zur Herstellung sind von der FDA freigegeben, das Verfahren selbst für die Mehrzahl der Indikationen nicht zugelassen. Versicherer zahlen deshalb oft nicht. Klinisch heißt das nicht, dass Hyaluronsäure besser lindert, sondern dass Zulassung und Erstattung auseinanderlaufen.
ESSKA warnt vor wiederholtem Kortison, weil Glukokortikoide Knorpelzellen schädigen und den Verschleiß beschleunigen können. PRP gilt dort als nicht knorpelschädigend und als länger wirksam. Das ist ein Sicherheitsargument, kein Beweis für Knorpelaufbau. Wer einen akuten Reizerguss hat und in zwei Wochen eine Familienfeier stemmen will, liegt mit Kortison näher an der Leitlinienlogik. Wer sechs bis zwölf ruhigere Monate anstrebt und die Basistherapie schon ausgereizt hat, diskutiert eher PRP.
| Injektat | Beginn der Linderung | Halt der Linderung | Rolle in den Quellen |
|---|---|---|---|
| Kortison | oft innerhalb von Tagen | meist Wochen, dann Abfall | kurzfristig ähnlich PRP und Hyaluronsäure (Bensa 2024) |
| Hyaluronsäure | verzögert, oft über Wochen | häufig Monate; nach 6 Monaten oft schwächer als PRP | in den USA für Kniearthrose zugelassen (StatPearls 2026) |
| PRP | oft 6 Wochen bis 3 Monate | häufig 6–12 Monate, vereinzelt länger | ESSKA 2024 und AAPM&R 2026 nach Basistherapie; NICE nur Sonderregelung |
Die Tabelle verdichtet Mittelwerte aus Studien, keine Garantie für den einzelnen Verlauf. Wer nach vierzehn Tagen noch denselben Schmerz hat, hat die PRP-Zeitfenster aus der Harvard-Übersicht noch nicht erreicht. Wer nach drei Monaten gar nichts spürt, sollte nicht die vierte Spritze erzwingen, sondern das Gesamtbild neu bewerten.
Leukozytenarm oder leukozytenreich, eine oder mehrere Spritzen
Ein einheitliches PRP-Produkt gibt es nicht; Zahl der Umdrehungen, Rest an weißen Blutkörperchen und Zahl der Spritzen unterscheiden sich von Praxis zu Praxis. Genau diese Streuung ist der Grund, warum NICE die Wirksamkeit als qualitativ begrenzt einstuft und warum die AAOS herabstufte. Patientinnen und Patienten können die Qualität nicht am Markennamen des Kits ablesen.
ESSKA empfiehlt für einen Behandlungszyklus zwei bis vier Injektionen, typisch im Abstand von einer bis drei Wochen, weil der größte Teil der Wachstumsfaktoraktivität in den ersten drei Wochen erwartet wird. Die AAOS-Auswertung 2021 fand günstigere Schmerz- und Funktionswerte eher nach drei Gaben als nach einer oder zwei. Eine Wiederholung nach erneutem Beschwerdeanstieg hält der Konsens für möglich, wenn der erste Zyklus geholfen hat. Ein starres Jahresabonnement ohne Symptome ist darin nicht vorgesehen.
Zur Zellmischung bleiben die Signale widersprüchlich. StatPearls sieht leukozytenarmes PRP bei Arthrose im Vorteil. Peng 2025 untersuchte genau diese Variante gegen Hyaluronsäure und fand den Vorteil über ein Jahr. Die AAOS nannte 2021 ein begrenztes Signal zugunsten leukozytenreicher Präparate. Solange Dosis-Wirkungs-Studien fehlen, ist die ehrliche Auskunft. Die Klinik soll sagen, welches Protokoll sie verwendet, welche Plättchenzahl sie anstrebt und warum. Die AAPM&R-Guidance 2026 macht genau diese technischen Punkte zu einem eigenen Kapitel, ohne eine einzige Rezeptur als Standard festzuschreiben.
Zusätze wie Kalziumchlorid oder Thrombin aktivieren die Plättchen. StatPearls warnt vor historisch genutztem Rinderthrombin, weil Antikörper gegen Faktor V und Thrombin eine Gerinnungsstörung auslösen können. Autologes oder rekombinantes humanes Thrombin gilt als Ausweg. Wer Allergien oder eine Gerinnungsgeschichte hat, muss das vor der Blutentnahme sagen, nicht erst auf der Liege.
Wie die Injektion abläuft und was die ersten Wochen bringen
Die Spritze ist ein Praxis- oder Ambulanzeingriff mit Blutabnahme, Zentrifuge, oft Absaugen eines Ergusses, dann die Injektion, häufig unter Ultraschall. Harvard Health beschreibt 2026 genau diese Reihenfolge. Johns Hopkins rät, vorher zu essen und zu trinken, damit die Abnahme nicht schwindelig macht. Mayo Clinic Sports Medicine betont örtliche Betäubung statt Vollnarkose. Der Einstich kann ziehen, vor allem bei einem gereizten Gelenk; das ist unangenehm, aber kurz.
Am Tag selbst darf das Knie entlastet werden. Harvard nennt Unterarmgehstützen für diesen Tag als Option, nicht als Dauerzustand. Die erste Woche bleibt bei leichter Belastung. Danach steigt die Aktivität wieder. Eine Besserung erwarten die Harvard-Autoren in sechs Wochen bis drei Monaten, nicht am Abend der Spritze. Wer Kortison gewohnt ist, muss diesen langsameren Bogen kennen, sonst bricht die Therapie ab, bevor sie greifen kann.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer sind der häufigste Stolperstein. ESSKA rät, NSAR in der ersten Woche nach der Injektion zu meiden, weil sie die Freisetzung von Wachstumsfaktoren stören können; Paracetamol, Metamizol oder Tramadol gelten dort als Ausweichschmerzmittel. StatPearls nennt NSAR in den 48 Stunden vor dem Eingriff als relative Gegenanzeige. Die beiden Zeitangaben ergänzen sich, nämlich Pause davor und eine Woche danach. Kortison im Gelenk soll nach ESSKA mindestens sechs Wochen zurückliegen, nach StatPearls einen Monat; wer kürzlich eine Spritze bekommen hat, muss das Intervall mit der behandelnden Person klären, statt Termine zu stapeln.
Physiotherapie bleibt Teil des Plans, nicht die Belohnung danach. Die AAPM&R-Guidance und Harvard Health koppeln PRP an Bewegung, nämlich eine Einheit vor der Spritze, eine Kontrolle nach etwa zwei Wochen, dann das Programm, das das Gelenk schon vor der Injektion hätte stützen sollen. Wer die Spritze nimmt, um das Training zu ersetzen, verfehlt die Logik der aktuellen Empfehlungen.

Risiken, Gegenanzeigen und rote Flaggen
Schwere Komplikationen sind selten; vorübergehende Schmerzen, Schwellung und Druckgefühl an der Einstichstelle sind die häufigsten Reaktionen. Johns Hopkins nennt als seltenere Risiken Blutung, Gewebeschaden, Infektion und Nervenverletzung. Weil das Präparat aus dem eigenen Blut stammt, liegt das Allergierisiko unter dem von Kortison oder manchen Hyaluronsäureprodukten. OrthoInfo sieht das Risikoprofil in der Größenordnung einer Kortisoninjektion, plus oft mehr örtlichen Schmerz in den ersten Tagen.
StatPearls listet als absolute Gegenanzeigen schwere Thrombozytopenie, angeborene oder erworbene Plättchenfunktionsstörungen und kreislaufinstabile Zustände. Relativ zählen aktiver Tumor, schwere Anämie, NSAR in den letzten 48 Stunden, Kortison ins Knie innerhalb eines Monats und systemische Steroide innerhalb von zwei Wochen. Der internationale GRIIP-Konsens 2025 präzisiert Begleiterkrankungen, die ältere Listen nur grob abdeckten. Aktiver solider Krebs gilt als Kontraindikation, außer in Ausnahmen nach onkologischer Absprache. Ein als geheilt oder in Remission geführter Tumor ohne örtlichen Herd im Knie kann die Spritze wieder erlauben. In die Nähe eines gut- oder bösartigen Tumors oder einer synovialen Chondromatose darf PRP nicht.
Bei HIV akzeptiert GRIIP die Injektion, wenn die Viruslast nicht messbar ist und die CD4-Zahl über 350/mm³ liegt. Akute bakterielle Infekte müssen ausbehandelt sein; nach kürzerer Antibiotikagabe wartet man bis zum Ende, bei langer Therapie entscheidet die Infektiologie mit. Zahnherde und invasive Zahnbehandlungen sind erst nach Abschluss und Abheilung erlaubt. Eine abgeklärte Thrombozytopenie über 50 000/mm³ ohne hämatologische Neoplasie ist allein kein Stopp. Diese Schwellen gehören in die Akte, nicht in die Selbstauskunft auf einem Werbeblatt.
Nach der Spritze gilt Folgendes. Zunehmende Rötung, Fieber, Schüttelfrost, ein Gelenk, das heißer und praller wird statt ruhiger, oder die Unfähigkeit, das Bein zu belasten, sind keine „normalen Reizungen“. Dasselbe gilt nach einem Sturz auf das frisch gespritzte Knie. Dann braucht es noch am selben Tag eine ärztliche Bewertung, weil ein infiziertes Gelenk Stunden zählt. Ein dumpfer Druck, der nach zwei bis drei Tagen nachlässt, passt dagegen zum bekannten Reizbild.
Für wen PRP infrage kommt
PRP kommt vor allem für Menschen mit milder bis mittlerer Kniearthrose infrage, die trotz Gewichtsabnahme, Training und angepasster Schmerzmittel noch eingeschränkt sind und operativ noch Zeit haben. So formulieren es die AAPM&R-Guidance 2026 und die Harvard-Zusammenfassung. ESSKA setzt dieselbe Grenze bei Kellgren-Lawrence ≤3. Wer noch nie Physiotherapie gesehen hat, ist kein guter erster Kandidat, weil die konservative Stufe übersprungen würde.
Schlechte Kandidaten sind ein heißes, hochschmerzhaftes Knie ohne Bildgebung, ein Gelenk mit schwerer Deformität, ein aktiver Infekt und die in GRIIP und StatPearls genannten Tumor- und Blutbildkonstellationen. Antithrombozytäre Medikamente wertet ESSKA als relative Einschränkung, weil das Präparat dann schwächer ausfallen kann; wer sie nicht absetzen darf, muss mit geringerem Effekt rechnen. Dialyse schließt nach GRIIP nicht aus, verlangt aber Überwachung auf Bakteriämie und keine Spritze am Dialysetag.
Die alte Gegenüberstellung „Spritze oder Sportlerknie“ ist zu eng. Johns Hopkins und OrthoInfo nennen PRP auch bei Sehnenleiden wie Tennisellenbogen oder Springerknie, die Evidenz dort ist ein eigenes Kapitel und nicht automatisch auf die Arthrose übertragbar. Am Knie selbst geht es in den aktuellen Konsenspapieren um die abgenutzte Gelenkfläche, nicht um frische Bänderrisse. Für die vordere Kreuzbandplastik und viele Meniskusnähte sieht OrthoInfo bisher wenig oder keinen Beleg, dass PRP die Heilung verbessert.
Eine zweite Meinung lohnt, wenn die erste Praxis die Spritze als Standard für jedes schmerzende Knie anbietet. Die AAPM&R-Guidance selbst warnt, Orthobiologika seien ein sich entwickelndes Feld und bräuchten dosisabhängige Studien. Klinische Urteilskraft und das Risikoprofil der Person stehen über dem Protokoll.
Kosten, Zulassung und die Frage nach der Operation
PRP ersetzt keine Knieprothese, wenn das Gelenk zerstört ist, und es ist in den meisten Gesundheitssystemen keine Routineleistung. Johns Hopkins schreibt klar, das Verfahren sei investigativ, für die meisten Anwendungen nicht von der FDA zugelassen, oft ohne Kostenerstattung. Harvard Health nennt in den USA 500 bis 2500 Dollar pro Injektion. NICE erlaubt das Verfahren im NHS nur unter Sonderregelung mit Audit. Wer in Deutschland privat zahlt, sollte vor der ersten Blutentnahme schriftlich klären, was ein Zyklus aus zwei bis vier Spritzen kostet und ob eine Wiederholung extra berechnet wird.
Die Zulassungslücke erklärt einen Teil der enttäuschten Erwartungen. Hyaluronsäure hat in den USA eine zugelassene Knieindikation, PRP nicht. Das sagt wenig über den Vergleich der Schmerzskalen, viel über Werbung und Selbstzahlerdruck. Eine Klinik, die Heilung des Knorpels verspricht oder die Prothese als vermeidbar verkauft, widerspricht Harvard, ESSKA und der AAPM&R zugleich. Knorpelerhalt ist unbewiesen, schwere Arthrose gehört in das Prothesengespräch.
Trotzdem kann die Spritze Zeit kaufen. Wer internistisch ein hohes Operationsrisiko hat, wer beruflich eine Saison überbrücken muss oder wer die Basistherapie ernsthaft gemacht hat und noch kein Knochen-an-Knochen-Bild zeigt, darf den Versuch mit offenen Augen führen. Offene Augen heißt verzögerter Wirkeintritt, begrenzte Haltedauer, mögliche Wiederholung und keine Garantie. Die Alternative ist nicht „nichts“, sondern das, was schon vor 2018 galt. Gewicht, Quadrizeps, Alltagsanpassung, bei Bedarf Kortison für den Schub, später der Gelenkersatz, wenn die Lebensqualität kippt.
Häufige Fragen
Hilft PRP bei jedem kniekranken Patienten?
Nein, der Nutzen konzentriert sich auf leichte bis mittlere Arthrose nach ausgeschöpfter Basistherapie. ESSKA und AAPM&R 2026 raten bei Stufe IV und grober Fehlstellung eher zum Gelenkersatz. Einzelne Studien fanden nach einem Jahr keinen Abstand zu Kochsalz.
Wie schnell merke ich etwas nach der Spritze?
Oft erst nach sechs Wochen bis drei Monaten, nicht am nächsten Morgen. Harvard Health nennt 2026 genau dieses Fenster und eine typische Haltedauer von mindestens einem Jahr, selten unter sechs Monaten. Kortison bleibt das Mittel, wenn Tage zählen.
Darf ich Ibuprofen nach PRP nehmen?
In der ersten Woche nach der Injektion rät ESSKA von NSAR wie Ibuprofen ab, weil sie die Plättchenwirkung stören können. StatPearls nennt NSAR auch in den 48 Stunden davor als relative Gegenanzeige. Paracetamol ist die übliche Brücke; wer gerinnungshemmend behandelt wird, klärt das vorher.
Ist PRP eine Alternative zur Knieprothese?
Bei zerstörtem Gelenk nein. Die AAPM&R-Guidance sieht schwere Arthrose und Fehlstellung beim Ersatz, nicht bei der Spritze. PRP kann bei früheren Stadien Zeit verschaffen, ersetzt aber weder Achskorrektur noch Prothese.
Kann PRP den Knorpel nachwachsen lassen?
Das ist nicht belegt. Harvard Health schreibt 2026, ob Knorpel erhalten oder regeneriert wird, werde weiter untersucht. ESSKA stützt den Einsatz auf Schmerz und Funktion, nicht auf nachweisbaren Wiederaufbau der Gelenkfläche.
Übernimmt die Krankenkasse PRP am Knie?
Oft nicht, weil viele Versicherer das Verfahren als investigativ einstufen. Johns Hopkins und Harvard Health beschreiben genau das für die USA; NICE erlaubt es im NHS nur unter Sonderregelung. Vor der ersten Sitzung lohnt die schriftliche Kostenklärung für den ganzen Zyklus.

Fazit
Wer ein schmerzendes, noch nicht zerstörtes Knie hat und Training sowie Gewichtsarbeit schon ernsthaft versucht hat, kann PRP als Option mit verzögertem, oft monatelangem Effekt besprechen. Die Datenlage von 2024 bis 2026 trägt diese Enge. ESSKA und AAPM&R bejahen den Einsatz in genau dieser Nische, NICE und AAOS bleiben wegen uneinheitlicher Studien vorsichtig. Heilung des Gelenks oder ein sicherer Aufschub der Prothese gehören nicht in das Gespräch.
Vor der Blutentnahme zählen Blutbild, Infektzeichen, Tumorgeschichte und der Abstand zur letzten Kortison- oder NSAR-Gabe. Nach der Spritze zählen Fieber, zunehmende Hitze und die Unfähigkeit zu gehen als Gründe für denselben Tag, nicht für das Abwarten auf den Kontrolltermin. Ibuprofen in der ersten Woche ist der häufige, vermeidbare Fehler.
Morgen konkret heißt das, Stadium und bisherige Therapie aufzuschreiben, eine Praxis fragen, welches Protokoll sie nutzt und was ein Zyklus kostet, und parallel das Trainingsprogramm nicht pausieren. Die Spritze ist ein Werkzeug nach der Basis, kein Schlussstrich unter die Arthrose.
Quellen
- NICE: Platelet-rich plasma injections for knee osteoarthritis. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 23. Januar 2019.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Management of Osteoarthritis of the Knee (Non-Arthroplasty). American Academy of Orthopaedic Surgeons, 31. August 2021.
- Alaia MJ, Kelly FB et al.: Platelet-Rich Plasma (PRP). OrthoInfo, American Academy of Orthopaedic Surgeons, Stand: 2024.
- Johns Hopkins Medicine: Platelet-Rich Plasma (PRP) Injections. Johns Hopkins Medicine, Stand: 2025.
- Christensen L: PRP injection for knee osteoarthritis: Does it work?. Harvard Health Publishing, 16. Juli 2026.
- Borg-Stein J, Jayaram P et al.: AAPM&R guidance statement on platelet rich plasma for knee osteoarthritis. PM&R, 16. April 2026.
- Bensa A, Sangiorgio A et al.: Corticosteroid injections for knee osteoarthritis offer clinical benefits similar to hyaluronic acid and lower than platelet-rich plasma: a systematic review and meta-analysis. EFORT Open Reviews, 2. September 2024.
- Laver L, Filardo G et al.: The use of injectable orthobiologics for knee osteoarthritis: A European ESSKA-ORBIT consensus. Part 1—Blood-derived products (platelet-rich plasma). Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 4. März 2024.
- Peng YN, Peng YH et al.: Intraarticular leukocyte-poor platelet-rich plasma injection is more effective than intraarticular hyaluronic acid injection in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis of 12 randomized controlled trials. Knee Surgery & Related Research, Stand: 2025.
- Patel NC, Das JM, Aijaz T: Regenerative Therapy in Pain. StatPearls, 31. Januar 2026.
- Eymard F, Louati K et al.: Indications and contraindications to platelet-rich plasma injections in musculoskeletal diseases in case of infectious, oncological and haematological comorbidities: A 2025 formal consensus from the GRIIP. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 22. April 2025.
