
Die häufigste Erkrankung der Gallenblase sind Gallensteine. Solange sie den Abfluss der Galle nicht klemmen, bleiben sie oft unbemerkt; erst ein festsitzender Stein löst Kolik, Entzündung oder selten eine lebensbedrohliche Komplikation aus.
In den Vereinigten Staaten tragen nach Angaben des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK, zuletzt 2017 überarbeitet) etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung Steine. Das Merck Manual (Fachfassung, Stand 2025/2026) nennt für Erwachsene über 20 Jahren rund 14 Prozent und für Teile Nordeuropas Werte um 20 Prozent; bis zu 80 Prozent bleiben ohne Symptome. Wer einmal eine Gallenkolik hatte, erlebt weitere Anfälle mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 bis 40 Prozent pro Jahr. Die britische Leitlinie NICE CG188 belässt stumme Steine in einer unauffälligen Blase unbehandelt und empfiehlt bei Beschwerden die laparoskopische Entfernung.
Was die Gallenblase tut
Die Gallenblase speichert von der Leber gebildete Galle und gibt sie beim Essen portionsweise in den Zwölffingerdarm ab. Ohne dieses Reservoir kann der Körper leben, weil die Galle dann laufend über die Lebergänge nachfließt.
Galle besteht vor allem aus Cholesterin, Gallensalzen und Bilirubin, dem Abbauprodukt roter Blutkörperchen. Sobald Fett im Dünndarm ankommt, zieht sich die Blase zusammen und entleert ihren Inhalt durch den Ductus cysticus in den Hauptgallengang. Dort vermischt sich die Flüssigkeit mit dem Sekret der Bauchspeicheldrüse, bevor beides die Nahrung erreicht. Bleibt die Blase über Stunden oder Tage untätig, etwa beim Fasten oder bei künstlicher Ernährung, verdickt sich der Inhalt zu Gallengrieß. Aus diesem Schlamm können Steine wachsen.
Unter dem Sammelbegriff Gallenblasenerkrankung stecken vor allem Steine, die akute oder chronische Entzündung der Blasenwand, Steine im Hauptgallengang und die steinbedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung. Seltener gehören Tumoren der Blase oder der Gänge dazu sowie Autoimmunleiden der Gallengänge wie die primär biliäre Cholangitis (früher primär biliäre Zirrhose genannt) und die primär sklerosierende Cholangitis. Diese beiden Krankheiten betreffen vor allem die Leberwege, nicht die Blase selbst, können aber denselben Oberbauch belasten und die Krebsgefahr im Gangsystem erhöhen.

Wie Gallensteine entstehen
Gallensteine bilden sich, wenn Galle zu viel Cholesterin oder Bilirubin enthält, zu wenig Gallensalze hat oder die Blase sich nicht oft genug entleert. Im Westen sind mehr als 85 Prozent Cholesterinsteine, schreibt das Merck Manual 2025; Pigmentsteine aus Bilirubinkalk entstehen eher bei Hämolyse, Leberzirrhose oder Ganginfekten.
Drei Bedingungen müssen für Cholesterinsteine zusammenkommen. Die Galle ist mit Cholesterin übersättigt, Kristalle fallen aus, und die Kristalle bleiben in einer träge arbeitenden Blase liegen, wo Schleim sie zu sichtbaren Konkrementen verklebt. Steine wachsen laut Merck nur etwa ein bis zwei Millimeter pro Jahr und brauchen oft fünf bis zwanzig Jahre, bis sie eng werden. Gallengrieß in der Schwangerschaft oder unter parenteraler Ernährung löst sich häufig wieder, kann aber in den Gang rutschen und Kolik, Cholangitis oder Pankreatitis auslösen.
Frauen sind häufiger betroffen als Männer, vor allem in den fruchtbaren Jahren, in der Schwangerschaft und unter Östrogenpräparaten. Weitere Faktoren sind Alter über 40, Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Häufung, Diabetes und Insulinresistenz, Morbus Crohn, schnelles Abnehmen und eine Kost mit viel Zucker und wenig Ballaststoffen. Die Cleveland Clinic (Stand Januar 2024) schätzt, dass mindestens 10 Prozent der Erwachsenen in den USA Steine haben und bis zu drei Viertel der Betroffenen weiblich sind; nur etwa 20 Prozent der diagnostizierten Personen brauchen jemals eine Therapie.
Sehr rascher Gewichtsverlust nach bariatrischen Operationen oder unter sehr kalorienarmer Diät treibt Cholesterin schubweise in die Galle. Das Merck Manual 2025 nennt zusätzlich Arzneistoffe vom Typ der GLP-1-Rezeptoragonisten als Faktor, der Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen häufiger macht. In solchen Phasen kann Ursodeoxycholsäure unter ärztlicher Führung das Steinrisiko senken; das ist keine Hausmittelkur.
Wie sich eine Gallenkolik anfühlt
Eine Gallenkolik ist ein plötzlicher, gleichmäßig starker Schmerz im rechten Oberbauch oder unter dem Brustbein, der entsteht, wenn ein Stein den Blasenhals oder den Ductus cysticus vorübergehend verlegt. Der Name täuscht: der Schmerz wellt nicht wie eine Darmkolik, sondern steigt in 15 Minuten bis einer Stunde auf ein Plateau.
Nach dem Merck Manual bleibt diese Intensität meist unter sechs Stunden, gelegentlich bis zwölf, und klingt dann über 30 bis 90 Minuten zu einem dumpfen Rest ab. Übelkeit und Erbrechen sind häufig, Fieber und Schüttelfrost gehören nicht zur unkomplizierten Kolik. Der Schmerz kann zwischen die Schulterblätter oder in die rechte Schulter ausstrahlen. Zwischen den Anfällen fühlen sich die meisten Menschen wieder wohl. Das NIDDK beschreibt, dass Attacken oft nach einer schweren Mahlzeit kommen und abends oder nachts auftreten; wer einen Anfall hatte, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere.
Blähungen, Völlegefühl und unspezifische Übelkeit gelten nicht als Beweis für Steine. Merck betont ausdrücklich, dass fettes Essen kein spezifischer Auslöser ist und Gasbeschwerden bei Steinträgern, Magengeschwür und funktionellen Darmleiden ähnlich häufig vorkommen. Dauert der Schmerz länger als zwölf Stunden, besonders mit Fieber oder heftigem Erbrechen, spricht das eher für eine akute Cholezystitis oder eine Pankreatitis als für eine einfache Kolik.
Typische Hinweise, jeweils als ganzer Gedanke.
- Der Schmerz sitzt rechts oben oder in der Magengrube und lässt sich durch Stuhlgang, Wind oder Erbrechen kaum lösen.
- Die Attacke weckt nachts oder folgt auf eine reichhaltige Mahlzeit, ohne dass Fieber dazukommt.
- Nach Stunden klingt der Schmerz ab, und dazwischen liegt ein beschwerdefreies Intervall von Tagen oder Wochen.
- Wiederholte gleiche Episoden machen eine Gallenblase wahrscheinlicher als einen einmaligen Magenreiz.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Wiederkehrender starker Rechtsoberschmerz nach dem Essen gehört zum Arzt, auch wenn er von allein nachlässt. Fieber, Gelbsucht, nicht stillbarer Schmerz oder Erbrechen mit Ausstrahlung in den Rücken sind Gründe für die Notaufnahme.
Das NIDDK rät, während oder nach einem Anfall sofort medizinische Hilfe zu suchen, wenn der Bauchschmerz mehrere Stunden anhält, Übelkeit und Erbrechen dazukommen, selbst leichtes Fieber oder Schüttelfrost auftreten, Haut oder Augen gelb werden oder der Urin teefarben und der Stuhl hell wird. Unbehandelte Blockaden von Gallen- oder Pankreasgang können tödlich enden. Die Mayo Clinic (Aktualisierung 16. April 2025) nennt denselben Schwellenwert in anderen Worten: Schmerz, bei dem keine Position erträglich ist, Gelbsucht und hohes Fieber mit Schüttelfrost.
Der britische National Health Service (Stand 11. August 2025) zieht die Grenze früher. Schmerzen im Bauch, die länger als 30 Minuten dauern, sollen am selben Tag ärztlich eingeschätzt werden. Der Notruf oder die zentrale Notaufnahme sind vorgesehen bei plötzlichem heftigem Bauchschmerz, bei Schmerz, der in den Rücken zieht und mit Erbrechen einhergeht, bei sehr hohem Fieber oder Schüttelfrost und bei Gelbfärbung von Haut oder Augen. Ältere Menschen und Personen mit Diabetes zeigen oft blassere Zeichen: Appetitverlust, Schwäche und leichtes Fieber ohne klaren Rechtsoberschmerz.
| Bild | Typische Dauer und Zeichen | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Stumme Steine | Kein Schmerz, Zufallsbefund im Ultraschall | Keine Operation, Verlaufskontrolle |
| Gallenkolik | Starker Rechtsoberschmerz, meist unter 6 Stunden, ohne Fieber | Zeitnah Hausarzt oder Gastroenterologie |
| Akute Cholezystitis | Schmerz über 6 Stunden, Fieber, Druckschmerz unter dem Rippenbogen | Klinik, meist frühe Operation |
| Gangstein ohne Infekt | Gelbsucht, dunkler Urin, heller Stuhl | Rasche Abklärung, oft Spiegelung der Gänge |
| Cholangitis oder Pankreatitis | Schüttelfrost plus Gelbsucht oder gürtelartiger Schmerz mit Erbrechen | Notaufnahme ohne Verzug |
Was eine Gallenblasenentzündung bedeutet
Eine akute Cholezystitis ist eine Entzündung der Blasenwand, die über Stunden entsteht, meist weil ein Stein den Ductus cysticus dauerhaft verlegt. Der Schmerz ähnelt der Kolik, hält aber länger als sechs Stunden an und ist oft stärker; Fieber, Erbrechen und Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen kommen hinzu.
Mindestens 90 Prozent der akuten Fälle haben Steine, schreibt das Merck Manual (Stand Oktober 2025). Das Murphy-Zeichen (der Atem stoppt, sobald die untersuchende Hand unter dem Rippenbogen liegt) und eine Abwehrspannung rechts oben stützen die Diagnose. Bei älteren Patienten kann das Bild unscharf bleiben. Ohne Operation klingt die Entzündung bei etwa 85 Prozent innerhalb weniger Tage ab, doch rund 10 Prozent entwickeln eine lokale oder freie Perforation; die Sterblichkeit einer geplatzten Blase liegt in den zitierten Daten bei bis zu 16 Prozent. Gangrän, Eiteransammlung in der Blase (Empyem) und ein Riss der Wand sind die gefürchteten Stufen. Die Mayo Clinic (23. Oktober 2024) nennt Gewebeuntergang vor allem bei älteren Menschen, bei Diabetes und bei verspäteter Behandlung.
Eine steinfreie (akalkulöse) Cholezystitis macht 5 bis 10 Prozent der Operationen wegen akuter Entzündung aus. Sie trifft oft Schwerkranke nach großer Chirurgie, Verbrennung, Sepsis oder langem Fasten unter parenteraler Ernährung sowie Menschen mit geschwächter Abwehr. Der Verlauf kann rasch in Gangrän und Sepsis kippen, während der Patient auf der Intensivstation kaum lokalisieren kann, wo es weh tut. Unklare Bauchdehnung oder Fieber ohne Fokus reichen dann als Warnung.
Wiederholte Entzündungen hinterlassen eine narbig geschrumpfte Blase, die Galle schlecht konzentriert und entleert. Das ist die chronische Cholezystitis. Sie erklärt, warum nach mehreren Koliken oft keine „gesunde“ Blase mehr übrig ist, selbst wenn das Fieber fehlt.
Welche Komplikationen Gallensteine auslösen können
Ein Stein, der nicht in der Blase bleibt, kann den Hauptgallengang, den Pankreasgang oder beides verlegen. Dann entstehen Gelbsucht, aufsteigende Ganginfektion (Cholangitis) oder eine steinbedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung, die stationär behandelt werden muss.
Choledocholithiasis, also Steine im Hauptgallengang, kommt nach der World Society of Emergency Surgery bei akuter kalkulöser Cholezystitis in etwa 5 bis 15 Prozent vor. NICE verlangt, solche Steine zu entfernen und die Blase zu operieren, auch wenn sie selbst keine Beschwerden machen, weil der Gangstein jederzeit eine Cholangitis auslösen kann. Die klassische Trias aus Rechtsoberschmerz, Fieber und Gelbsucht (Charcot) spricht für eine aufsteigende Infektion; Bewusstseinstrübung und Kreislaufinstabilität verschärfen das Bild. Eine Pankreatitis äußert sich als gürtelartiger Dauerschmerz mit heftigem Erbrechen; Lipasewerte über dem Dreifachen der Norm und passende Bildgebung sichern sie.
Seltene, aber schwere Sonderwege sind das Mirizzi-Syndrom (ein Stein im Ductus cysticus drückt den Hauptgang zu), eine Fistel zwischen Blase und Dünndarm mit Gallensteinileus und die Porzellangallenblase, eine verkalkte Wand. Früher galt die Porzellanblase als zwingender Grund zur prophylaktischen Entfernung wegen Krebsgefahr. Das Merck Manual 2025 hält fest, dass diese Indikation umstritten ist; große Steine über drei Zentimeter können weiter für eine vorsorgliche Operation sprechen, die Entscheidung trifft das chirurgische Team. Gallenblasenkrebs bleibt insgesamt selten. Die Mayo Clinic betont, dass Steine das Risiko erhöhen, die absolute Wahrscheinlichkeit aber klein bleibt.
Primär biliäre Cholangitis und primär sklerosierende Cholangitis gehören in denselben Oberbauch, sind aber eigene Autoimmun- und Entzündungskrankheiten der Gänge. Die Umbenennung von „Zirrhose“ in „Cholangitis“ trägt dem Rechnung, dass viele Betroffene noch keine Leberzirrhose haben. Sie erklären Juckreiz, Müdigkeit und Cholestase, ersetzen aber nicht die Abklärung von Steinen, wenn eine Kolik dazukommt.

Wie die Diagnose abläuft
Der erste Schritt bei Verdacht auf Gallensteine ist eine Kombination aus Anamnese, Tastbefund, Leberwerten und Ultraschall des rechten Oberbauchs. NICE empfiehlt Leberwerte und Ultraschall allen Menschen mit Verdacht auf Steinleiden und auch dann, wenn Bauch- oder Verdauungsbeschwerden auf bisherige Behandlung nicht angesprochen haben.
Für Steine in der Blase erreicht der transabdominelle Ultraschall laut Merck eine Sensitivität und Spezifität von etwa 95 Prozent. Er zeigt außerdem Gallengrieß, Wandverdickung und Flüssigkeit um die Blase. Laborwerte sind bei unkomplizierter Kolik oft normal; Leukozytose und mäßig erhöhte Cholestasewerte passen zur Entzündung. Stark steigendes Bilirubin oder eine Lipase über dem Dreifachen der Norm lenken den Blick auf Gangstein oder Pankreatitis. Ein einzelnes klinisches Zeichen reicht nach der WSES-Leitlinie 2020 nicht aus, eine akute kalkulöse Cholezystitis zu beweisen oder auszuschließen.
Bleibt der Ultraschall am Hauptgang unklar, obwohl der Gang geweitet ist oder die Leberwerte passen, soll laut NICE eine Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) folgen. Reicht auch die MRCP nicht, kommt der endoskopische Ultraschall infrage. Eine endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) ist Therapie und Diagnose zugleich: sie räumt den Gang, trägt aber das Risiko von Pankreatitis, Blutung und Perforation und bleibt deshalb den Fällen mit hoher Steinwahrscheinlichkeit vorbehalten. Bei zweifelhafter akuter Entzündung oder steinfreiem Verdacht kann eine Cholezystoszintigraphie (HIDA) zeigen, ob der Ductus cysticus durchgängig ist; in der Praxis begrenzt Zeitaufwand den Einsatz.
Wann die Gallenblase operiert wird
Bei symptomatischen Blasensteinen ist die laparoskopische Cholezystektomie die Standardtherapie, nicht das Auflösen mit Tabletten. Stumme Steine in einer sonst normalen Blase und einem unauffälligen Gangsystem bleiben unbeobachtet, bis Beschwerden entstehen.
NICE empfiehlt die Operation als tagesklinischen Eingriff, wenn der Gesundheitszustand das zulässt. Bei akuter Cholezystitis soll die laparoskopische Entfernung innerhalb einer Woche nach der Diagnose stattfinden. Die WSES-Aktualisierung 2020 zieht den Rahmen etwas anders: früh heißt innerhalb von sieben Tagen nach Klinikaufnahme und innerhalb von zehn Tagen nach Symptombeginn. Im Unterschied zu älteren Schemata, die Hochrisikopatienten oft erst nach Wochen operierten, soll die frühe Laparoskopie auch bei älteren Menschen sowie bei Herz-, Nieren- oder Leberleiden die Regel bleiben, sofern der Patient überhaupt operationsfähig ist. Die Rolle der perkutanen Drainage (Cholezystostomie) wurde gegenüber der WSES-Fassung 2016 zurückgenommen; sie bleibt eine Brücke, wenn eine Narkose akut nicht tragbar ist, und NICE verlangt, die Operation nachzuholen, sobald der Zustand es erlaubt.
Im Krankenhaus stehen Infusionen, Schmerzmittel (häufig ein nichtsteroidales Antirheumatikum oder ein Opioid) und vorübergehendes Nüchternlassen am Beginn. Antibiotika gegen gramnegative Darmkeime gehören bei schwererem Verlauf zur Routine; bei milder Entzündung ist der Nutzen nach Merck 2025 unsicher. Offen operiert wird, wenn die Anatomie unklar ist, die Entzündung zu heftig oder eine Umstellung aus der Laparoskopie nötig wird. Das NIDDK nennt für die Schlüssellochtechnik oft Entlassung am selben Tag und Alltagstauglichkeit nach etwa einer Woche, für den offenen Zugang bis zu einer Woche Klinik und rund einen Monat bis zur vollen Belastung. Eine Verletzung der Gallengänge ist selten, dann aber die wichtigste Komplikation.
Ursodeoxycholsäure kann winzige röntgennegative Cholesterinsteine unter 0,5 Zentimetern in einer noch funktionierenden Blase über Monate auflösen. Nach erfolgreicher Auflösung kehren Steine laut Merck bei der Hälfte der Behandelten innerhalb von fünf Jahren zurück. Stoßwellen zertrümmern Steine kaum noch. Beide Wege ersetzen die Operation nur, wenn eine Chirurgie unzumutbar ist oder jemand sie ablehnt.
Wie das Leben ohne Gallenblase aussieht
Nach der Entfernung fließt die Galle aus der Leber direkt in den Zwölffingerdarm, statt zwischengespeichert zu werden. Die allermeisten Menschen essen nach kurzer Schonphase wieder normal; die Blase ist kein lebensnotwendiges Organ.
Ein kleiner Teil hat weicheren und häufigeren Stuhl, weil Gallensäuren den Darm kontinuierlicher erreichen. Das NIDDK beschreibt diese Änderung als meist vorübergehend und rät, anhaltende Durchfälle mit der behandelnden Praxis zu besprechen. NICE sagt klar: Speisen, die vor der Operation Beschwerden auslösten, müssen danach in der Regel nicht dauerhaft gemieden werden. Werden dieselben oder neue Symptome nach der Erholung erneut getriggert, soll die Hausarztpraxis nach anderen Ursachen suchen, etwa nach einem übersehenen Gangstein oder nach Gallensäureverlust-Durchfall.
In den ersten Wochen nach dem Eingriff helfen vielen Patientinnen und Patienten kleinere, fettärmere Portionen, bis sich der Dünndarm an den stetigen Gallefluss gewöhnt hat. Koffein, sehr scharfe und sehr fette Speisen können Blähungen und Durchfall vorübergehend verstärken; das ist eine Beobachtung, kein Dauerverbot. Ballaststoffe sollten schrittweise steigen, nicht mit einem Ballaststoffschock am dritten postoperativen Tag. Bleibt wässriger Durchfall über Monate, kann die Ärztin oder der Arzt einen Gallensäurebinder erwägen; die Dosis gehört nicht in den Hausgebrauch ohne Verordnung.
Alltag nach der Operation, in ganzen Sätzen.
- Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen die Galle besser als drei schwere Teller.
- Fettige Pfannengerichte und frittierte Snacks können den Stuhl in den ersten Wochen lockern.
- Sport und Büroarbeit sind nach laparoskopischem Eingriff oft innerhalb einer Woche wieder möglich, nach offener Operation später.
- Fieber, zunehmender Oberbauchschmerz oder Gelbsucht nach der Entlassung gehören sofort in die Klinik, weil ein Gangleck oder ein Reststein dahinterstecken kann.
Was das Steinrisiko senken kann
Ein gesundes Gewicht, regelmäßige Bewegung und eine ballaststoffreiche Kost mit weniger Zucker können das Risiko neuer Steine senken. Crash-Diäten und ausgelassene Mahlzeiten wirken in die Gegenrichtung.
Das NIDDK (Ernährungsseite, 2017) rät zu mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, zu weniger raffinierten Kohlenhydraten und Zucker sowie zu gesunden Fetten wie Olivenöl und Fischöl, die die Blase regelmäßig zur Entleerung anregen. Ungesunde Fette aus Backwaren und Frittiergut sollen zurücktreten. Die Mayo Clinic ergänzt drei Alltagsregeln: Mahlzeiten nicht auslassen, Gewicht langsam reduzieren (etwa 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche) und Übergewicht abbauen, weil Fettgewebe Östrogen und Cholesterin in der Galle erhöht. Sehr kalorienarme Diäten und bariatrische Chirurgie bleiben Steinrisiken; wer sie plant, sollte das mit dem Behandlungsteam besprechen, statt eine „Gallenblasenreinigung“ aus dem Internet zu kopieren. Für solche Spülungen fehlt ein belastbarer Nutzen, während der belegte Weg über Gewicht, Ballaststoffe und rechtzeitige Operation bei Symptomen führt.
NICE formuliert für die Wartezeit bis zum Eingriff pragmatisch: Speisen und Getränke meiden, die den eigenen Schmerz auslösen. Das ist eine Brücke, keine Heilung. Sobald die Blase draußen ist, entfällt dieser Zwang in den meisten Fällen.
Häufige Fragen
Muss jeder Gallenstein operiert werden?
Nein. Stumme Steine in einer unauffälligen Blase und einem normalen Gang brauchen laut NICE keine Behandlung, solange keine Beschwerden entstehen. Sobald Koliken, Entzündung oder ein Gangstein vorliegen, ist die laparoskopische Entfernung der Blase das übliche Verfahren. Die Entscheidung hängt vom Ultraschall, den Leberwerten und dem Operationsrisiko ab, nicht vom bloßen Nachweis eines Steins.
Kann ich Gallensteine mit Tabletten auflösen?
Nur in eng begrenzten Fällen. Ursodeoxycholsäure kann sehr kleine Cholesterinsteine in einer noch entleerungsfähigen Blase über Monate auflösen, rezidiviert aber bei etwa der Hälfte innerhalb von fünf Jahren. Pigmentsteine sprechen darauf nicht an. Das NIDDK und das Merck Manual sehen Tabletten als Ausweichweg, wenn eine Operation unzumutbar ist, nicht als Standard.
Wie gefährlich ist eine Gallenkolik?
Die Kolik selbst klingt oft ab, sobald der Stein den Abfluss wieder freigibt. Unbehandelt folgen bei vielen weitere Anfälle, und jedes Jahr entwickeln etwa 1 bis 2 Prozent der symptomatischen Steinträger eine Komplikation wie Entzündung, Gangverschluss oder Pankreatitis. Fieber, Gelbsucht oder Schmerz über viele Stunden machen aus der Kolik einen Notfall.
Darf ich nach der Operation wieder fett essen?
In der Regel ja. NICE rät ausdrücklich, nach der Erholung nicht dauerhaft dieselben Speisen zu meiden, die zuvor wehgetan haben. In den ersten Wochen vertragen viele kleinere, fettärmere Portionen besser. Anhaltende Beschwerden nach der Schonphase gehören abgeklärt, statt die Kost immer weiter einzuengen.
Bekomme ich ohne Gallenblase immer Durchfall?
Nein. Nur ein kleiner Teil hat weicheren, häufigeren Stuhl, und das NIDDK beschreibt die Änderung als meist vorübergehend. Bleibt wässriger Durchfall über Wochen, kann ein Gallensäureverlust dahinterstecken. Dann hilft ärztlich gesteuerte Therapie, nicht eine selbst verordnete strenge Fettkarenz auf Dauer.
Wann ist Oberbauchschmerz ein Notfall?
Wenn der Schmerz so heftig ist, dass keine Lage erträglich bleibt, wenn Fieber oder Schüttelfrost dazukommen, wenn Haut oder Augen gelb werden oder wenn Erbrechen und Ausstrahlung in den Rücken zusammenfallen. Der NHS nennt dafür den Notruf oder die zentrale Notaufnahme. Auch ein niedriges Fieber nach einem Gallenanfall ist laut NIDDK kein Grund zum Abwarten.

Fazit
Stumme Gallensteine sind häufig und brauchen keine Operation. Sobald eine Kolik, eine Entzündung oder ein Stein im Hauptgang vorliegt, ändert sich die Lage: Ultraschall und Leberwerte klären den Weg, und die laparoskopische Entfernung der Blase ist das Verfahren, das weitere Anfälle und die meisten Komplikationen verhindert.
Seit den älteren Schemata, die eine akute Cholezystitis oft erst nach Wochen operierten, hat sich die Leitlinienlage verschoben. NICE verlangt den Eingriff binnen einer Woche nach Diagnose, die WSES 2020 binnen sieben Tagen nach Aufnahme und zehn Tagen nach Symptombeginn, auch bei vielen Patienten mit Begleiterkrankungen. Drainage der Blase bleibt eine Brücke für Menschen, die akut nicht narkosefähig sind, nicht der Ersatz der Chirurgie.
Wer morgen etwas tun will, kann Mahlzeiten regelmäßig einnehmen, Gewicht langsam statt abrupt verändern und ballaststoffreicher essen. Der entscheidende Schritt bei typischem Rechtsoberschmerz ist aber nicht eine Diät, sondern die Abklärung. Fieber, Gelbsucht oder Schmerz, der Stunden nicht weicht, gehören in die Klinik, nicht in die Selbstbeobachtung über das Wochenende.
Quellen
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Gallstone disease: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Oktober 2014.
- Pisano M, Allievi N et al.: 2020 World Society of Emergency Surgery updated guidelines for the diagnosis and treatment of acute calculus cholecystitis. World Journal of Emergency Surgery, 5. November 2020.
- Saiman Y: Cholelithiasis – Hepatology – Merck Manual Professional Edition. Merck Manual Professional Edition, Stand: Februar 2026.
- Saiman Y: Acute Cholecystitis. Merck Manual Professional Edition, Stand: Oktober 2025.
- Mayo Clinic Staff: Gallstones – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 16. April 2025.
- Mayo Clinic Staff: Cholecystitis – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 23. Oktober 2024.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Symptoms & Causes of Gallstones. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: November 2017.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Treatment for Gallstones. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: November 2017.
- National Health Service: Gallstones – NHS. National Health Service, 11. August 2025.
- Cleveland Clinic: Gallstones (Cholelithiasis): Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 15. Januar 2024.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Eating, Diet, & Nutrition for Gallstones. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: November 2017.
