
Myrrhe kann leichte Entzündungen im Mund und kleine Hautwunden örtlich etwas beruhigen. Sie heilt weder Krebs noch Gelenkerkrankungen, und als Schluckmittel fehlt eine belastbare Zulassung.
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde stuft die Tinktur seit 2011 als traditionelles pflanzliches Mittel ein, nicht als gut etablierte Therapie. Neuere Arbeiten nach 2018 ändern dieses Bild nur an wenigen Stellen. Eine randomisierte Prüfung aus Saudi-Arabien fand nach Zahnentfernung weniger Schwellung unter einer Myrrhe-Spülung. Eine iranische Studie von 2020 zeigte, dass Kapseln mit 500 Milligramm Harz dreimal täglich Rückstände nach unvollständiger Fehlgeburt häufiger ausstoßen als Scheinpräparat. Genau dieser Gebärmutterreiz macht die innere Einnahme in einer gewünschten Schwangerschaft zum Risiko, nicht zum Hausmittel.
Wer eine Packung kauft, kauft oft etwas ganz anderes als die geprüfte Tinktur. Kapseln, ätherisches Öl und Räucherharz fallen nicht unter die europäische Monographie. Das National Center for Complementary and Integrative Health erinnert Stand 2020 daran, dass Nahrungsergänzungsmittel in den USA vor dem Verkauf nicht auf Nutzen und Sicherheit geprüft werden. Der Inhalt kann vom Etikett abweichen.
Was Myrrhe ist und wie das Harz wirkt
Myrrhe ist das an der Luft erhärtete Gummiharz von Commiphora-Bäumen, vor allem Commiphora molmol und der synonym geführten Commiphora myrrha aus der Familie der Balsambaumgewächse. Die Sträucher wachsen in trockenen Gebieten Nordostafrikas und der Arabischen Halbinsel. Aus Rissen in der Rinde tritt ein blassgelber Saft aus, der zu rotbraunen Brocken trocknet. Drugs.com grenzt das echte Harz klar vom verwandten Commiphora mukul ab: Guggul ist ein anderes Harz mit anderen Wirkstoffen und gehört nicht in dieselbe Flasche.
Chemisch ist das Material eine Mischung. Drugs.com nennt etwa 2 bis 10 Prozent ätherisches Öl mit Sesquiterpenen, 30 bis 60 Prozent wasserlöslichen Gummi und 25 bis 40 Prozent harzige Anteile. Furanosesquiterpene tragen den bitteren Geruch; zwei davon, Furaneudesma-1,3-dien und Curzeren, binden in Tierversuchen an Opioidrezeptoren im Nervensystem. Das erklärt, warum das Harz traditionell als adstringierend, leicht betäubend und keimhemmend galt. Der arabische Wortstamm murr heißt bitter und beschreibt Geschmack wie Geruch.
Die US-Arzneimittelbehörde erkennt Myrrhe als Aromastoff an, der in Lebensmitteln allgemein als sicher gilt. Das ist keine Freigabe als Arzneimittel. MedlinePlus schreibt in der aktualisierten Kräuteranleitung von 2024, pflanzliche Mittel würden nicht wie Fertigarzneien geprüft. Etiketten müssen die Menge nicht korrekt angeben, Verunreinigungen kommen vor. Wer Kapseln schluckt, verlässt den schmalen Rahmen, den die EMA für die Tinktur gezogen hat.

Hilft Myrrhe bei Zahnfleischentzündung und Aphthen?
Für leichte Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs ist die Tinktur das einzige Szenario, das die EMA als traditionelle Anwendung anerkennt. Die Monographie von 2011 nennt Stomatitis und Gingivitis sowie kleine Geschwüre. Gut etabliert im Sinne einer modernen Wirksamkeitsprüfung ist das nicht. Die Behörde stützt sich auf lange Nutzung in den Mitgliedstaaten, experimentelle antibakterielle und örtlich betäubende Effekte und die deutsche Kommission E von 1987.
Die Dosierung steht schwarz auf weiß. Jugendliche, Erwachsene und Ältere dürfen 0,5 bis 5 Milliliter Tinktur in 150 Milliliter Wasser geben und dreimal täglich spülen oder gurgeln. Alternativ tupft man die unverdünnte Tinktur zwei- bis dreimal täglich mit einem Wattestäbchen auf die Stelle. Hält die Beschwerde länger als eine Woche an oder wird sie schlimmer, soll eine Ärztin oder ein Arzt gesehen werden. Unter zwölf Jahren rät die EMA ab, weil Daten fehlen. Die Tinktur enthält viel Ethanol; Brennen auf der Schleimhaut ist deshalb häufig und kein Zeichen, dass „es wirkt“.
Nach 2018 kam wenigstens eine klinische Spur hinzu. Al Eid randomisierte 40 gesunde Erwachsene nach Zahnentfernung: 20 spülten sieben Tage zweimal täglich mit einem Commiphora-molmol-Extrakt, 20 mit Kochsalz. Schwellung, Druckschmerz und Sockelgröße fielen in der Myrrhe-Gruppe günstiger aus. Allergie oder toxische Zeichen traten in dieser kurzen, niedrig dosierten Anwendung nicht auf. Das ersetzt keine professionelle Nachsorge und gilt nicht für eitrige Infekte oder eine trockene Alveole.
Ein weiteres Protokoll aus Dschidda, registriert als NCT04723732, verglich bei 24 Erwachsenen eine 1-prozentige Myrrhe-Spülung mit 0,2 Prozent Chlorhexidin und Kochsalz über 14 Tage experimenteller Gingivitis. Die Studie ist abgeschlossen. Eine publizierte Überlegenheit gegenüber dem zahnärztlichen Standard Chlorhexidin liegt damit noch nicht als belastbarer Endpunkt vor. Myrrhe bleibt höchstens eine Ergänzung zur Zahnbürste, nicht deren Ersatz.
Kann Myrrhe kleine Wunden und Furunkel stützen?
Die zweite traditionelle Indikation der EMA betrifft kleine Wunden und Furunkel. Man tupft die unverdünnte oder verdünnte Tinktur zwei- bis dreimal täglich auf. Furunkel im Gesicht gehören nicht in die Selbstbehandlung, Fieber oder eine sich ausbreitende Rötung ebenfalls nicht. Augenkontakt ist zu vermeiden. Das sind keine Fußnoten, sondern die Warnhinweise der Monographie.
Laborarbeit von 2025 untermauert höchstens den Mechanismus, nicht die Klinik. Khalil, Ghanem und Khairy prüften ethanolische Extrakte und Fraktionen an Keimen und menschlichen Hautfibroblasten. Die Ethylacetat-Fraktion hemmte unter anderem Klebsiella pneumoniae mit einem Hemmhof von 23 Millimetern. Der Rohextrakt war gegenüber Fibroblasten mäßig zytotoxisch, die halbmaximale Hemmkonzentration lag bei 24,53 Mikrogramm pro Milliliter, förderte in dem Modell aber einen Wundschluss von 98,4 Prozent. Solche Zahlen stammen aus der Petrischale. Sie belegen keine Überlegenheit gegenüber Wundreinigung, Verband und Tetanusschutz.
Kontaktallergien sind der häufigste dokumentierte Schaden auf der Haut. Memorial Sloan Kettering nennt Rötung, Schwellung und Juckreiz durch äußerliche Produkte. Drugs.com verweist auf Fallberichte, darunter zwei Patientinnen mit transdermalen Zubereitungen gegen Sehnenscheidenreizung, deren Ekzem unter Kortison abheilte. 2019 diagnostizierte eine Arbeitsgruppe sogar eine verzögerte Hautreaktion nach dem Schlucken einer chinesischen Abkochung, bestätigt im Epikutantest. Empfindliche Haut und offene, nässende Flächen sind deshalb schlechte Orte für unverdünntes Öl.
Lindert Myrrhe Schmerzen, Arthritis oder Nervenschmerzen?
Gegen Gelenkschmerz, rheumatoide Arthritis oder neuropathischen Schmerz gibt es keine Leitlinie, die Myrrhe empfiehlt. Was existiert, sind ein italienischer Pilotversuch und eine Reihe von Mäuseversuchen. Germano und Kollegen gaben 184 Freiwilligen mit Kopfschmerz, Rückenschmerz, Muskelkater oder Regelschmerz 20 Tage lang 200 oder 400 Milligramm eines standardisierten Extrakts namens MyrLiq oder Scheinpräparat. Männer berichteten vor allem unter 400 Milligramm weniger Schmerz, Frauen unter 200 Milligramm bei Kreuz und Fieber. Das war eine Pilotstudie ohne die Härte einer Zulassungsprüfung und ohne die Indikationen der EMA.
Die 2015er Nagerarbeit zu rheumatoider Arthritis, die ältere Ratgeber oft zitieren, hat den Sprung in randomisierte Menschenstudien nicht geschafft. Nervenschmerz bleibt ebenfalls im Stall. 2023 linderte ein wässriger Commiphora-myrrha-Extrakt bei Mäusen paclitaxelbedingte Hitzeüberempfindlichkeit und Berührungsschmerz, vermutlich über den Ionenkanal TRPV1. Eine andere Gruppe beschrieb 2022, dass die Kombination Weihrauch plus Myrrhe in einem Nervenkompressionsmodell Gliazellen und denselben Kanal dämpfte. Wer Chemotherapie-Folgeschmerz oder eine Polyneuropathie hat, braucht neurologische Therapie, kein Räucherharz.
Schützt Myrrhe vor Krebs?
Myrrhe ist kein Krebsmittel. Memorial Sloan Kettering schreibt Stand 2021 klar, dass Bestandteile in Zellkulturen und Mäusen das Wachstum mancher Tumoren hemmen können, unklar bleibe, ob das im Menschen vorkommt. Ältere Arbeiten an Ehrlich-Karzinomzellen der Maus verglichen das Harz sogar mit Cyclophosphamid. Neuere Übersichten zu Brustkrebs und gynäkologischen Zelllinien bleiben mechanistisch: Apoptose, Androgenrezeptor, Entzündungssignale. Keine dieser Arbeiten ersetzt Operation, Bestrahlung oder zugelassene Medikamente.
Die Versuchung, aus Petrischalen eine Hoffnung zu bauen, ist groß, weil das Harz in der Volksmedizin gegen „Geschwülste“ auftaucht. Genau dort entsteht Schaden. Wer einen Knoten, unklare Blutungen, Nachtschweiß oder eine bereits gestellte onkologische Diagnose hat und stattdessen Kapseln schluckt, verliert Zeit. Sloan Kettering rät, jedes pflanzliche Präparat dem Behandlungsteam zu nennen, weil Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern und theoretisch mit Chemotherapeutika denkbar sind.
Was taugt die innere Einnahme bei Darm, Würmern und Zucker?
Schlucken gehört nicht zu den Indikationen, die die EMA 2011 für die Monosubstanz festgehalten hat. Der Bewertungsbericht merkt an, dass die innere Nutzung gegen Verdauungsbeschwerden in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sei und in Kommission E sowie ESCOP für die Einzelsubstanz fehle. Magen-Darm-Mischungen mit Myrrhe gibt es in mehreren Mitgliedstaaten weiter, oft als „Schwedenbitter“. Das ist Tradition, kein Beleg für Geschwüre, Reizdarm oder Colitis.
Eine deutsche Prüfung von 2013 verglich eine Mischung aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle mit Mesalazin zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa. Nutzen und Verträglichkeit betrafen das Kombinationsprodukt, nicht das Harz allein. Memorial Sloan Kettering stuft solche Signale als vorläufig ein. Wer eine entzündliche Darmerkrankung hat, setzt deshalb kein Präparat eigenmächtig an die Stelle der Gastroenterologie.
Gegen Bilharziose und Leberegel wirkte ein ägyptisches Präparat namens Mirazid in frühen offenen Serien eindrucksvoll. Spätere Vergleichsstudien zerstörten diese Hoffnung. Barakat und Kollegen sahen nach Myrrhe Heilungsraten um 16 Prozent gegen 74 Prozent unter Praziquantel. Botros und Team fanden bei Schulkindern und Haushaltskontakten rund 9 Prozent unter Mirazid gegen 63 bis 80 Prozent unter Praziquantel. Die EMA nannte die antischistosomale Wirkung 2011 ausdrücklich umstritten. Drugs.com wiederholt 2026, der Nutzen gegen Schistosomen sei fraglich. Reisende oder Patientinnen mit nachgewiesenem Befall brauchen das zugelassene Antiparasitikum, nicht Harzkapseln.
Beim Zuckerstoffwechsel bleibt die Lage dünn. Eine beschreibende Übersicht von 2018 fand keine ausreichende Evidenz für Myrrhe als Diabetesmittel. Eine iranische Kombinationskapsel mit Terminalia chebula, Commiphora mukul und Commiphora myrrha senkte 2017 Nüchternzucker und LDL bei Frauen mit Typ-2-Diabetes. Das war keine Monotherapie. Drugs.com warnt trotzdem, das Harz könne den Blutzucker senken und zusammen mit Antidiabetika Unterzuckerung begünstigen. Wer Insulin oder Tabletten nimmt, misst häufiger, statt zu experimentieren.

Warum Myrrhe in der Schwangerschaft gefährlich bleibt
Innere Myrrhe hat in einer gewünschten Schwangerschaft nichts zu suchen. Die EMA schreibt 2011, Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit sei nicht belegt, die Anwendung werde daher nicht empfohlen. Drugs.com geht weiter und stuft das Harz als Emmenagogum und Abortivum ein, gestützt auf ältere Handbücher und die Übersicht von Ernst aus dem Jahr 2002. Stillende sollen ebenfalls verzichten, weil Transfer in die Milch unbekannt ist.
Der Fall aus Riad macht den Mechanismus greifbar. Al-Jaroudi, Kaddour und Al-Amin beschrieben 2016 eine 32-jährige Frau in der neunten Woche nach IVF, die auf Rat eines Heilers zwei Tassen gelöstes Harz pro Tag trank, um weitere Fehlgeburten zu verhindern. Sie kam mit starken Unterbauchschmerzen, Übelkeit und Abwehrspannung. Labor und Ultraschall zeigten eine intakte Schwangerschaft. Einen Tag nach dem Absetzen war der Schmerz weg; sie gebar später in der 38. Woche. Die Autorinnen vermuten einen wehenartigen Reiz der Gebärmutter.
2020 lieferte eine randomisierte Studie aus Schiras die klinische Bestätigung dieses Reizes, ohne dass daraus ein Freibrief für Selbstbehandlung folgt. Vafaei und Kollegen gaben 80 hämodynamisch stabilen Frauen mit sonographisch nachgewiesenen Residuen nach unvollständiger Fehlgeburt 500 Milligramm Oleo-Gummiharz oder Maisstärke dreimal täglich über zwei Wochen. 35 Frauen pro Arm beendeten die Prüfung. Vollständige Ausstoßung gelang bei 82,9 Prozent unter Myrrhe und 54,3 Prozent unter Scheinpräparat. Schwere Arzneimittelwirkungen wurden nicht gemeldet. Genau diese uteruserregende Wirkung ist der Grund, warum eine gewünschte Schwangerschaft das Harz meiden muss. Unvollständige Fehlgeburten gehören in die Gynäkologie, nicht in den Kräuterladen.
Welche Wechselwirkungen und hohe Dosen problematisch sind
Das wichtigste dokumentierte Arzneimittelproblem ist Warfarin. Ein Fallbericht von Al Faraj aus dem Jahr 2005, den Memorial Sloan Kettering und Drugs.com weiterführen, beschreibt einen zuvor stabilen INR, der nach wässrigem Commiphora-molmol-Extrakt abstürzte. Wässrige Zubereitungen können Leberenzyme anregen und den Gerinnungshemmer schneller abbauen. Weniger Hemmung heißt leichteres Gerinnen, das Gegenteil der üblichen Angst vor „Blutverdünner plus Kraut“. Wer Phenprocoumon oder Warfarin nimmt, setzt Myrrhe nicht stillschweigend dazu.
Antidiabetika sind die zweite Vorsichtsstelle. Drugs.com rät zu engerer Zuckerkontrolle, weil das Harz in Tierversuchen die Gluconeogenese dämpfte. Vor geplanten Operationen gilt die allgemeine Regel von MedlinePlus 2024: Kräuter vorher nennen, weil sie Narkose, Blutung und Zuckerführung stören können. Eine feste Karenz von zwei Wochen vor dem Schnitt steht in manchen Laienratgebern; die belastbare Quelle ist das Gespräch mit Chirurgie und Anästhesie, nicht eine Hausnummer aus dem Netz.
Hohe innere Mengen sind das dritte Problem. Al-Jaroudi zitiert eine Übersicht von El Ashry aus dem Jahr 2003: Mengen über 2 bis 4 Gramm können Nierenreizung und Änderungen der Herzfrequenz auslösen. Sloan Kettering formuliert kürzer, hohe Dosen könnten die Herzfrequenz beeinflussen. Die EMA verzeichnet für die zugelassene Tinktur keine Überdosierungsfälle. Das passt zusammen, weil die Monographie Spülen und Tupfen meint, nicht Grammweise Schlucken. Kapseln aus dem Internet liegen außerhalb dieses Rahmens.
Allergische Hautreaktionen bleiben der häufigste sichtbare Schaden. Häufigkeit unbekannt, so die EMA. Alkohol in der Tinktur brennt kurz. Wer Fieber, Herzkrankheit oder ungeklärte Gebärmutterblutung hat, sollte innere Präparate erst recht nicht allein ansetzen. Die ältere Behauptung, Myrrhe mache jedes Fieber schlimmer, ist in den geprüften Primärquellen nicht hart belegt; Fieber plus Hautinfektion ist trotzdem ein Grund für die Sprechstunde, nicht für mehr Tinktur.
Tinktur, Öl oder Kapsel: welche Form ist gemeint?
Die europäische Monographie gilt nur für die Tinktur im Verhältnis 1 zu 5 mit 90 Volumenprozent Ethanol, passend zum Europäischen Arzneibuch. Ätherisches Öl, Kapseln, Zahnpasta-Mischungen, Räucherstäbchen und Kosmetik fallen daneben. Wer „Myrrhe“ googelt, landet oft bei Duftöl. Das Öl ist hochkonzentriert, phototoxisch kaum untersucht im Alltag und für Kinder besonders riskant, weil schon kleine Mengen Alkohol und Terpene enthalten.
| Form | Was belegt oder erlaubt ist | Typisches Risiko |
|---|---|---|
| Tinktur 1:5, Ethanol 90 Prozent | EMA-Tradition: Mund lokal, kleine Wunden, höchstens eine Woche | Brennen, Kontaktallergie, Alkohol |
| Mundspülung aus Extrakt | Eine kleine Zufallsstudie nach Extraktion, Chlorhexidin-Vergleich noch dünn | Verschlucken, falsche Verdünnung |
| Kapseln 200–500 Milligramm | Pilot zu Schmerz, eine Studie zu Residuen nach Fehlgeburt | Uterusreiz, Warfarin, Zucker |
| Ätherisches Öl | Keine HMPC-Indikation, Labor zu Keimen | Hautreizung, Kinder, Augen |
| Räucherharz und Duft | Kultur und Aroma, in den USA nur als Geschmacksstoff | Rauch, keine medizinische Dosis |
Spülungen spuckt man aus. Die EMA-Menge 0,5 bis 5 Milliliter auf 150 Milliliter Wasser dreimal täglich ist die einzige Zahl, die ein europäisches Gremium für Selbstmedikation genannt hat. Länger als eine Woche ohne ärztlichen Rat ist in der Monographie nicht vorgesehen. Kapseldosen aus Studien (200 bis 400 Milligramm MyrLiq, 500 Milligramm dreimal in Schiras) sind Forschungsprotokolle, keine Packungsbeilage für zu Hause.
Wann zur Ärztin oder zum Arzt?
Länger als eine Woche Zahnfleischbluten, Aphthen oder eine Wunde, die größer wird statt kleiner, ist der Schwellenwert der EMA für den Arztbesuch. Fieber, Eiter, zunehmende Rötung oder ein Furunkel im Gesicht gehören sofort in die Praxis, nicht unter mehr Tinktur. Gleiches gilt für Mundgeschwüre, die mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Lymphknoten einhergehen: das kann eine Systemerkrankung sein.
Schwangere mit Unterbauchschmerz nach Harztee oder Kapseln brauchen eine gynäkologische Abklärung, auch wenn der Fall aus Riad glimpflich endete. Wer Gerinnungshemmer nimmt und plötzlich aus dem Ziel-INR fällt, muss das Präparat nennen. Unterzucker nach neuem Kraut plus Tablette ebenfalls. Kinder unter zwölf Jahren sollen die Tinktur laut EMA nicht in der Selbstmedikation bekommen; versehentliches Trinken der alkoholischen Lösung ist ein Giftnotruf, kein Hausversuch.
MedlinePlus rät 2024 allgemein, Kräuter vor Operationen, in Schwangerschaft und Stillzeit und bei bestehender Medikation nicht stillschweigend zu starten. Das klingt nüchtern und ist genau der richtige Ton. Myrrhe ist kein Notfallmedikament. Bei Atemnot, schwerer allergischer Schwellung, unstillbarer Blutung oder Bewusstseinsänderung zählt der Rettungsdienst, nicht das Harz.
Häufige Fragen
Darf ich Myrrhe in der Schwangerschaft nehmen?
Nein, innere Anwendung ist in einer gewünschten Schwangerschaft nicht vertretbar. Die EMA rät 2011 wegen fehlender Sicherheitsdaten ab, Drugs.com stuft das Harz als wehenanregend ein, und die Studie von Vafaei 2020 zeigt klinisch, dass Kapseln Residuen aus der Gebärmutter treiben können. Auch das Tupfen im Mund ist in der Schwangerschaft nicht geprüft.
Hilft Myrrhe gegen Krebs?
Nein. Zell- und Mäuseversuche zeigen zytotoxische Signale, Humanstudien fehlen. Memorial Sloan Kettering hält einen Nutzen beim Menschen für unbekannt. Eine onkologische Therapie darf deshalb nicht zugunsten von Harz verschoben werden.
Kann ich Myrrhe mit Blutverdünnern kombinieren?
Bei Warfarin und verwandten Cumarinen ist das riskant. Ein Fallbericht zeigte einen Absturz des INR nach wässrigem Extrakt, Sloan Kettering warnt vor abgeschwächter Gerinnungshemmung. Neue Präparate gehören vorher in die Gerinnungssprechstunde, nicht in die stillschweigende Selbstmedikation.
Ist ätherisches Myrrheöl dasselbe wie die Tinktur?
Nein. Die EMA-Monographie gilt nur für die ethanolische Tinktur 1 zu 5. Öl ist ein Konzentrat ohne diese Indikation und reizt Haut und Schleimhaut leichter. Es eignet sich nicht zum Schlucken und nicht für Kinder.
Wie lange darf ich mit Myrrhe gurgeln?
Ohne ärztlichen Rat höchstens eine Woche, dreimal täglich in der EMA-Verdünnung. Wird es schlimmer oder bleibt alles gleich, braucht es eine zahnärztliche oder hausärztliche Diagnose statt einer zweiten Flasche.
Senkt Myrrhe den Blutzucker?
In Tieren und in einer Kräutermischung mit anderen Pflanzen gab es Signale, als alleiniges Mittel fehlt der Beleg. Drugs.com rät trotzdem zur Vorsicht zusammen mit Antidiabetika. Wer spritzt oder Tabletten nimmt, dokumentiert den Zucker enger, statt Dosen zu stapeln.
Fazit
Für den Alltag bleibt ein schmaler, ehrlicher Nutzen. Die Tinktur darf bei leichten Aphthen, gereiztem Zahnfleisch und kleinen Wunden örtlich ausprobiert werden, in der Dosis der EMA und nicht länger als eine Woche ohne Rückfrage. Zahnbürste, Zahnseide und bei Bedarf Chlorhexidin nach zahnärztlichem Rat bleiben die Basis. Alles andere, von der Krebshoffnung bis zur Wurmtablette, trägt die Evidenz nicht.
Seit 2018 hat sich vor allem die Risikoseite geschärft. Die Extraktionsstudie stützt eine kurze lokale Nutzung. Die Residuenstudie von 2020 macht den Gebärmutterreiz messbar und damit die Warnung vor innerer Einnahme in der Schwangerschaft härter als 2011, als die EMA nur fehlende Daten nannte. Warfarin und Zucker bleiben Wechselwirkungsfelder mit Fallbericht und Pharmakologie, nicht mit großen Kohorten.
Wer morgen etwas tun will, kauft keine Kapseln im Netz. Wer eine Tinktur nutzt, spuckt sie aus, hält das Auge frei, lässt Kinder und Schwangerschaft aus und nennt das Präparat bei Gerinnungshemmern, Diabetes und vor Operationen. Bleibt die Schleimhaut wund, steigt Fieber oder kommt Unterbauchschmerz, ist der nächste Schritt die Sprechstunde.
Quellen
- European Medicines Agency: Community herbal monograph on Commiphora molmol Engler, gummi-resina. European Medicines Agency, 12. Juli 2011.
- Memorial Sloan Kettering Cancer Center: Myrrh purported benefits, side effects and professional monograph. Memorial Sloan Kettering Cancer Center, Stand: 7. Dezember 2021.
- Drugs.com: Myrrh Uses, Benefits & Dosage. Drugs.com, Stand: 22. Juni 2026.
- Al-Jaroudi D, Kaddour O, Al-Amin N.: Risks of Myrrh usage in pregnancy. JBRA Assisted Reproduction, 2016.
- Al Eid RA: Efficacy of Commiphora myrrh mouthwash on early wound healing after tooth extraction: A randomized controlled trial. The Saudi Dental Journal, Januar 2021.
- Vafaei H, Ajdari S, Hessami K et al.: Efficacy and safety of myrrh in patients with incomplete abortion: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study. BMC Complementary Medicine and Therapies, 12. Mai 2020.
- MedlinePlus: A guide to herbal remedies. MedlinePlus Medical Encyclopedia, Stand: 15. September 2024.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Dietary and Herbal Supplements. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: Februar 2020.
- Khalil RM, Ghanem NB, Khairy H: Elucidation and valorization of the potent activity of Commiphora myrrha gum resin extract: antimicrobial and fibroblast wound healing activities. Scientific Reports, 2025.
- ClinicalTrials.gov: Antiplaque, Antigingivitis and Anti-inflammatory Effects of Myrrh Mouthwash. ClinicalTrials.gov, Stand: 2018.
