Haltbarkeit von Blutkonserven eher sechs als drei Wochen

Haltbarkeit von Blutkonserven eher sechs als drei Wochen

Konservierte rote Blutkörperchen mit Zusatzlösung dürfen nach der US-Zulassung bis zu 42 Tage bei 1 bis 6 Grad Celsius lagern. Eine pauschale Verkürzung auf drei Wochen ist nach den großen Vergleichsstudien seit 2015 nicht die geltende Regel, weil frischere Beutel die Sterblichkeit nicht senken. Ältere Beobachtungen und eine kleine Laborarbeit von 2013 hatten genau das nahegelegt; die späteren randomisierten Untersuchungen haben diesen Sprung von der Zellmessung zum klinischen Schaden nicht bestätigt.

Im Körper überleben Erythrozyten im Mittel etwa 120 Tage. Im Kühlschrank der Blutbank gelten andere Maßstäbe. Die Zulassung prüft vor allem, ob nach der Transfusion genug Zellen im Kreislauf bleiben und die Hämolyse in der Tüte begrenzt bleibt. Ob ein Beutel vom 12. oder vom 30. Tag den Verlauf nach einer Operation ändert, lässt sich so nicht ablesen. Dafür braucht es Studien mit Sterblichkeit, Organversagen und Klinikaufenthalt.

Wer eine Transfusion erwartet, fragt oft nach dem „frischesten“ Beutel. Die ehrliche Antwort trennt drei Ebenen, nämlich die gesetzliche Frist, sichtbare Veränderungen der Zellmembran und das, was große Studien an Sterblichkeit gemessen haben. Unten stehen alle drei, plus die Schwellen, ab denen eine Transfusion überhaupt erwogen wird, und die Zeichen, die danach rasch Hilfe verlangen.

Wie lange dürfen Erythrozytenkonserven heute lagern?

Mit Zusatzlösung dürfen Erythrozytenkonserven in den Vereinigten Staaten 42 Tage bei 1 bis 6 Grad Celsius stehen; ohne diese Lösung ist die Frist kürzer. Die US-Arzneimittelbehörde FDA legt die Fristen in 21 CFR 610.53 fest, zuletzt in der Fassung vom 4. Mai 2016, und das Electronic Code of Federal Regulations führt sie unverändert. CPDA-1 erlaubt 35 Tage, klassische Stabilisatoren wie ACD, CPD oder CP2D nur 21 Tage. Bestrahlte Einheiten enden 28 Tage nach der Bestrahlung oder mit dem ursprünglichen Datum, je nachdem, was früher kommt. Tiefgefrorene seltene Phänotypen dürfen bis zu zehn Jahre bei minus 65 Grad oder kälter bleiben.

Das Merck Manual Professional Edition, Stand 2026, nennt dieselbe Kühlspanne und dieselbe 42-Tage-Grenze für gepackte Erythrozyten. Eine Einheit hebt bei Erwachsenen den Hämoglobinwert um etwa 1 g/dl und den Hämatokrit um rund 3 Prozentpunkte über den Ausgangswert. Das beschreibt den erwarteten Laboreffekt, nicht die Frage, ob ein älterer Beutel denselben klinischen Nutzen bringt.

Präparat Temperatur Zugelassene Frist (FDA)
Erythrozyten mit Zusatzlösung 1–6 °C 42 Tage nach der Entnahme
Erythrozyten mit CPDA-1 1–6 °C 35 Tage nach der Entnahme
Erythrozyten mit ACD, CPD oder CP2D 1–6 °C 21 Tage nach der Entnahme
Bestrahlte Erythrozyten 1–6 °C 28 Tage nach Bestrahlung oder Originalfrist, was kürzer ist
Gefrorene Erythrozyten −65 °C oder kälter 10 Jahre nach der Entnahme
Gewaschene oder offene Systeme 1–6 °C 24 Stunden nach dem Öffnen des Beutels

Nationale Blutdienste können kürzere Hausfristen wählen, etwa 35 Tage, auch wenn die Zulassung 42 Tage erlaubt. Die Zahl auf dem Etikett bleibt dann verbindlich. Eine weltweite Einheitsfrist von drei Wochen gibt es nicht. Wer in Deutschland transfundiert wird, erhält Konserven innerhalb der hier zugelassenen und vom jeweiligen Institut festgelegten Haltbarkeit, nicht nach einer privaten Drei-Wochen-Regel aus einer einzelnen Laborstudie.

Was verändert sich in den Zellen während der Kühlung?

In der Kälte verlieren Erythrozyten mit der Zeit Stoffwechselenergie, ändern die Membranform und werden weniger verformbar; das allein beweist noch keinen Schaden für die Empfängerin oder den Empfänger. Die Zulassung verlangt, dass am Ende der Frist im Mittel mindestens 75 Prozent der markierten Zellen 24 Stunden nach der Transfusion im Kreislauf gesunder Freiwilliger nachweisbar bleiben und die Hämolyse in der Einheit unter 1 Prozent liegt. Diese Schwellen stammen aus der Nachkriegsforschung und messen Überleben der Zelle, nicht Sauerstoffabgabe im Gewebe.

Ohne Zellkern können Erythrozyten sich durch enge Kapillaren zwängen, verschleißen dafür aber Membran und Energievorrat. Im Kühlschrank fehlen der ständige Austausch mit Plasma und die Passage durch Milz und Leber. ATP fällt, 2,3-Bisphosphoglycerat sinkt, Kalium tritt aus, freie Hämoglobinspuren und Eisen können steigen. Manche Zellen nehmen stachelige oder kugelige Formen an. Laborarbeiten haben daraus die Sorge abgeleitet, ältere Zellen kämen in der Mikrozirkulation schlechter voran.

Ob diese Kette im Patienten zählt, ist eine andere Frage. Ein versteiftes Membranmodell kann im Scherstressgerät auffallen und trotzdem nach der Transfusion genug Sauerstoff tragen, wenn Hämoglobinmenge, Herzzeitvolumen und Lunge mitspielen. Genau deshalb reichen Zellmessungen nicht als Begründung, die gesetzliche Frist zu halbieren. Sie erklären, warum Forscher randomisierte Studien für nötig hielten.

Was zeigte die kleine Studie zu drei Wochen?

Die Arbeit von Frank und Kollegen aus Johns Hopkins maß 2013 an 16 Menschen nach Wirbelsäulenversteifung eine geringere Verformbarkeit nach drei Wochen Lagerung; sie war keine Sterblichkeitsstudie. Die Autorinnen und Autoren verglichen Beutel unter und über 21 Tagen sowie Zellen, die während der Operation maschinell zurückgewonnen wurden. Der Elongationsindex lag bei länger gelagerten Zellen bei 0,28 plus/minus 0,02, bei kürzer gelagerten und bei präoperativem Eigenblut bei 0,33 plus/minus 0,02.

Nach mindestens fünf transfundierten Einheiten fiel der Index gegenüber dem Ausgangswert um 12 plus/minus 4 bis 20 plus/minus 6 Prozent. Nach null bis vier Einheiten blieb der Abfall bei 3 bis 4 Prozent und war statistisch nicht von Zufall zu trennen. Über drei postoperative Tage kehrte die Verformbarkeit nicht zurück. Zurückgewonnenes Eigenblut lag dazwischen. Die Gruppe schloss, der Membranverlust sei nach der Transfusion nicht rasch umkehrbar.

Das ist ein mechanistischer Hinweis, kein Beleg, dass Blutbanken die Frist auf 21 Tage kürzen müssen. Sechzehn operierte Personen, eine Messmethode und drei Beobachtungstage tragen keine Leitlinie. Die Vorgängerversion dieser Seite hatte genau diese Laborarbeit als Signal für drei statt sechs Wochen gelesen. Damals liefen noch die großen Studien, deren Ergebnisse 2014 erwartet wurden. Diese Studien sind längst da und haben den klinischen Sprung nicht bestätigt.

Warum wichen Beobachtungen und große Studien voneinander ab?

Beobachtungsstudien können kränkere Menschen mit älteren Beuteln verknüpfen, ohne dass das Alter der Konserve die Ursache ist. Koch und Kollegen werteten 2008 in der Cleveland Clinic 6002 Herzoperationen aus. 2872 Patientinnen und Patienten bekamen Einheiten, die höchstens 14 Tage alt waren (Median 11 Tage), 3130 bekamen ältere (Median 20 Tage). Die Kliniksterblichkeit lag bei 2,8 Prozent gegen 1,7 Prozent, die Einjahressterblichkeit bei 11,0 Prozent gegen 7,4 Prozent. Nierenversagen, lange Beatmung und Sepsis waren in der älteren Gruppe häufiger.

Solche Unterschiede können entstehen, weil knappe Blutgruppen, nächtliche Notfälle oder hohe Transfusionsmengen eher an das Ende des Lagers rücken. Wer mehr Einheiten braucht, ist oft schwerer krank und erhält automatisch eine Mischung aus älteren Beuteln. Propensity-Scores mindern das, löschen es nicht. Genau deshalb folgten randomisierte Zuweisungen. Dieselbe Klinik, derselbe Anlass, aber der Zufall entscheidet, ob der nächste Beutel aus dem frischen oder dem üblichen Fach kommt.

Die Leitlinie der AABB von 2016 fasste 13 solcher Vergleiche mit 5515 Teilnehmenden zusammen. Frischere Einheiten, oft unter 10 Tagen, verbesserten die klinischen Endpunkte nicht gegenüber der Standardausgabe. Die Empfehlung war stark bei moderater Evidenzqualität. Erwachsene und auch viele Neugeborene sollen Einheiten innerhalb der zugelassenen Frist erhalten, nicht nur extrafrische Beutel. Das war der Bruch mit der Lesart, drei Wochen seien die neue Obergrenze.

Was sagten ABLE, RECESS und INFORM zur Sterblichkeit?

ABLE, RECESS und INFORM fanden keinen Sterblichkeitsvorteil für die jeweils frischeste verfügbare Einheit gegenüber der üblichen Ausgabe. In ABLE (Lacroix und Kollegen, 2015) bekamen 1211 schwer kranke Erwachsene Erythrozyten unter 8 Tagen (Mittel 6,1 Tage) und 1219 die älteste passende Einheit (Mittel 22,0 Tage). Nach 90 Tagen waren 37,0 Prozent der Frischblutgruppe und 35,3 Prozent der Standardgruppe gestorben. Die Hazard Ratio lag bei 1,1 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,9 bis 1,2). Sekundäre Endpunkte zu Organersatz, Klinikdauer und Transfusionsreaktionen trennten die Arme nicht.

RECESS (Steiner und Kollegen, 2015) prüfte Herzchirurgie. Der Median lag bei 7 gegen 28 Lagerungstagen. Der Anstieg im Multiple Organ Dysfunction Score betrug 8,5 gegen 8,7 Punkte. Die 7-Tage-Sterblichkeit war 2,8 gegen 2,0 Prozent, die 28-Tage-Sterblichkeit 4,4 gegen 5,3 Prozent. Hyperbilirubinämie trat in der länger gelagerten Gruppe häufiger auf, die übrigen unerwünschten Ereignisse nicht. Wer aus der Koch-Kohorte 2008 einen klaren Nachteil älteren Bluts erwartete, fand ihn in diesem randomisierten Design nicht.

INFORM (Heddle und Kollegen, 2016) war der größte pragmatische Vergleich und umfasste 20 858 hospitalisierte Menschen mit Blutgruppe A oder O, Mittel 13,0 gegen 23,6 Tage. Die Kliniksterblichkeit lag bei 9,1 Prozent (frisch) gegen 8,7 Prozent (älteste verfügbare Einheit), Odds Ratio 1,05 (0,95 bis 1,16). Herzchirurgie, Intensivstation und Krebserkrankung als vorab festgelegte Untergruppen änderten das Bild nicht. Die Cochrane-Übersicht von Shah und Kollegen (2018) poolte 22 Studien mit 42 835 Personen. Für die Kliniksterblichkeit Erwachsener lag das Risikoverhältnis bei 1,05 (0,97 bis 1,14). Die Autorinnen und Autoren schrieben, die Praxis, zuerst die älteste passende Einheit auszugeben, könne fortgesetzt werden.

Eine Lücke bleibt. In den großen Studien landeten nur wenige Beutel in den letzten Tagen vor Ablauf, also nahe Tag 35 bis 42. Ethisch lässt sich kaum jemand fest auf fast abgelaufene Einheiten randomisieren. Laborarbeiten zu freiem Eisen nach sehr alten Einheiten halten diese Randfrage offen. Sie tragen aber nicht die Behauptung, drei Wochen seien die neue Obergrenze für den Alltag.

Gelten dieselben Regeln nach Herzoperation und auf der Intensivstation?

Für herzchirurgische und intensivmedizinische Erwachsene gilt dieselbe Linie. Extrafrische Beutel senken die Sterblichkeit in den großen Vergleichen nicht. RECESS war eigens für die Herzchirurgie gebaut, ABLE und später TRANSFUSE (Cooper und Kollegen, 2017) für die Intensivstation. TRANSFUSE verglich die jeweils jüngste mit der jeweils ältesten verfügbaren Einheit; die 28-Tage-Sterblichkeit lag bei 19,4 gegen 18,8 Prozent. INFORM bestätigte das Muster in den Untergruppen Herzoperation und Intensivstation.

Neugeborene und kleine Kinder stehen auf unsichererem Boden. Cochrane wertete die Evidenz zu Sterblichkeit in diesen Gruppen als sehr niedrig bis niedrig. Die AABB-Empfehlung von 2016 schloss dennoch viele Neugeborene in die Standardausgabe ein, weil die vorhandenen Vergleiche keinen Vorteil extrafrischer Einheiten zeigten. Spezielle Indikationen wie Austauschtransfusion oder seltene Blutgruppen folgen eigenen Protokollen und nicht der privaten Bitte nach dem jüngsten Beutel im Kühlschrank.

Massivtransfusion, akutes Koronarsyndrom und chronisch transfusionspflichtige Anämie waren in mehreren Leitlinien von den einfachen Hämoglobin-Schwellen ausgenommen. Das ändert die Frage „frisch oder üblich“ nicht in eine Freigabe für drei Wochen. Es erinnert nur daran, dass Volumen, Gerinnung und Sauerstoffbedarf in diesen Lagen komplexer sind als das Etikettalter einer einzelnen Einheit.

Sollten Blutbanken die Frist auf drei Wochen kürzen?

Blutbanken sollen die zugelassene Frist nicht pauschal auf drei Wochen kürzen; das würde Vorräte verknappen, ohne in den großen Studien einen Sterblichkeitsgewinn zu zeigen. Die AABB formulierte 2016 ausdrücklich, dass Einheiten zu jedem Zeitpunkt innerhalb der lizenzierten Haltbarkeit ausgegeben werden dürfen. Die internationale Fassung von 2023, wieder unter Leitung von Carson, strich eine eigene Empfehlung zur Lagerdauer, weil die randomisierten Studien keinen Einfluss auf die Sterblichkeit zeigten. Im Begleittext steht, das Alter der Einheit müsse die Transfusionsentscheidung nicht leiten.

Eine Drei-Wochen-Regel würde bedeuten, dass ein großer Teil der heutigen Vorräte vorzeitig verfällt. Seltene Blutgruppen und Regionen mit weiten Transportwegen träfe das zuerst. Die FDA-Frist von 42 Tagen mit Zusatzlösung bleibt deshalb der rechtliche Rahmen in den USA; europäische Institute arbeiten mit 35 oder 42 Tagen, je nach Lösung und nationaler Zulassung. Kürzere interne Ziele, etwa weil ein Haus selten Einheiten über 28 Tagen ausgibt, sind Lagerlogistik, keine neue medizinische Obergrenze.

Wer morgen operiert wird, kann trotzdem nach einem Blutmanagement-Programm fragen, also Eisenmangel vorher behandeln, Blutverluste im Saal begrenzen und eigene Zellen zurückgewinnen, wenn das Verfahren geeignet ist. Das senkt die Zahl der fremden Einheiten. Es ersetzt nicht die Bitte, alle Beutel unter 21 Tagen zu halten, die die Evidenz nicht trägt.

Wann ist eine Erythrozytentransfusion überhaupt angezeigt?

Bei hämodynamisch stabilen Erwachsenen im Krankenhaus erwägt die AABB-Leitlinie 2023 eine Transfusion typischerweise erst unter 7 g/dl Hämoglobin, nicht schon bei 9 oder 10 g/dl. Die Empfehlung ist stark bei moderater Sicherheit und stützt sich auf 45 randomisierte Studien mit 20 599 Erwachsenen. Für Herzchirurgie nennen die Autorinnen und Autoren 7,5 g/dl als in den Studien verwendete Schwelle, für Orthopädie und vorbestehende Herzkrankheit 8 g/dl. Bei Kindern ohne Hämoglobinopathie, zyanotischen Herzfehler oder schwere Hypoxämie gilt ebenfalls oft 7 g/dl.

Das Merck Manual erinnert, dass gesunde Menschen mit 7 g/dl noch ausreichend Sauerstoff tragen können, während Blutverlust oder knappe Herz-Lungen-Reserve eine höhere Schwelle rechtfertigen. Eine Einheit hebt den Wert um etwa 1 g/dl. Volumenmangel ohne Anämie gehört nicht in den Erythrozytenbeutel; dafür gibt es Kristalloide oder andere Komponenten.

  • Eine Transfusion ersetzt fehlende Sauerstoffträger, nicht Angst vor einem Laborwert knapp über der Schwelle.
  • Symptome, Blutungsgeschwindigkeit und Begleiterkrankungen gehören zur Entscheidung, nicht nur die Zahl im Blutbild.
  • Akutes Koronarsyndrom, schwere Thrombozytopenie und chronische Transfusionsabhängigkeit folgen eigenen Regeln, die die Leitlinie 2023 ausdrücklich ausnimmt.
  • Alternativen wie Eisen, Vitamin B12, Folat oder Erythropoetin können geplanten Bedarf senken, wenn Zeit bleibt.

Wer die Frage nach drei oder sechs Wochen stellt, sollte zuerst klären, ob die Transfusion überhaupt nötig ist. Jede vermiedene Einheit vermeidet Unverträglichkeit, Volumenlast und Alloimmunisierung, unabhängig vom Etikettalter.

Welche Warnzeichen nach einer Transfusion zählen?

Fieber, Schüttelfrost, neue Atemnot, Brust- oder Rückenschmerz, dunkler Urin oder eine rasch aufschießende Quaddel während oder kurz nach der Gabe verlangen sofortiges Melden beim betreuenden Team. Mayo Clinic (Stand 21. Juni 2025) beschreibt die Gabe über 1 bis 4 Stunden mit wiederholter Kontrolle von Puls, Blutdruck und Temperatur. Die ersten Milliliter laufen langsam, gerade weil schwere Reaktionen oft früh beginnen. Nach der Entlassung gelten dieselben Warnzeichen noch Tage.

Cleveland Clinic (Stand 26. August 2025) nennt als seltene, aber schwere Bilder die hämolytische Unverträglichkeit, die transfusionsassoziierte Kreislaufüberladung und die Lungenverletzung durch Transfusion. Hämolyse kann Brustschmerz, Fieber, Übelkeit und dunkelroten Urin bringen. Überladung trifft eher Menschen mit Herz- oder Nierenschwäche, wenn zu viel Volumen zu schnell läuft; Husten und Luftnot stehen im Vordergrund. Allergische Reaktionen reichen von Juckreiz bis zu Schwellung von Lippen und Zunge.

Virusübertragung durch getestete Spenden ist nach Mayo extrem selten. Das ändert nichts an der Pflicht, Unverträglichkeit ernst zu nehmen. Das Alter des Beutels ist in diesen Listen kein eigenes Warnzeichen. Wer nach einer Transfusion Luftnot, Brustschmerz, Fieber mit Schüttelfrost, neu aufgetretenen Rückenschmerz oder schwarzroten Urin bemerkt, holt Hilfe, ohne erst das Etikett der Tüte zu suchen.

  • Während der Gabe zählen Fieber, Schüttelfrost, Juckreiz, Husten oder Enge in der Brust und im Rücken als Grund, die Pflege sofort zu rufen.
  • In den Stunden danach gelten zunehmende Luftnot, rasender Puls, Erbrechen oder Schwellung im Gesicht als Alarm.
  • In den Folgetagen gehören dunkler Urin, neue Blutergüsse, Nasenbluten oder Blut im Stuhl in die ärztliche Abklärung, nicht in die Selbstbeobachtung über Wochen.

Was können Patientinnen und Patienten vor einer Operation tun?

Vor einer planbaren Operation zählt eher die Behandlung einer Anämie als die Reservierung extrafrischer Beutel. Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel und behandelbare Blutungsquellen lassen sich oft Wochen vorher angehen. Cleveland Clinic und andere Patient-Blood-Management-Programme raten, elektive Eingriffe nicht in eine unklare Anämie hinein zu führen, weil das den Transfusionsbedarf und das Komplikationsrisiko heben kann. Das ist konkreter als die Frage nach dem jüngsten Beutel.

Eigenblut vor der Operation klingt nach Kontrolle, hat aber Haken. Wer sich vorher abnehmen lässt, startet häufig anämisch in den Eingriff und braucht dann trotzdem fremde Einheiten. Unverbrauchte Eigenbeutel verfallen, weil sie nur der spendenden Person gehören. Maschinelle Rückgewinnung im Saal kann eigene Zellen zurückgeben, wenn der Eingriff dafür geeignet ist; Frank 2013 maß für diese Zellen eine mittlere Verformbarkeit, besser als bei über 21 Tage alten Fremdbeuteln, schlechter als bei frischem Eigenblut.

Religiöse oder persönliche Ablehnung einer Transfusion muss das Team früh kennen. Mayo Clinic und Cleveland Clinic beschreiben das Aufklärungsgespräch als Pflicht und nennen Nutzen, Risiken und Alternativen. Wer ablehnt, braucht einen Plan für Blutverlust, nicht die Illusion, drei Wochen Haltbarkeit lösten das Problem. Nach der Operation helfen Frühmobilisation, Thromboseprophylaxe nach Vorgabe und die Meldekette für die oben genannten Warnzeichen mehr als die Diskussion über den Kalendertag auf dem Etikett.

Häufige Fragen

Ist Blut nach drei Wochen verdorben?

Nein. Mit Zusatzlösung bleibt die gesetzliche Frist in den USA 42 Tage, mit CPDA-1 35 Tage. Laborveränderungen nach drei Wochen sind beschrieben, große Studien haben daraus keinen Sterblichkeitsnachteil der üblichen Ausgabe gemacht. Ein Beutel nach Tag 21 ist nicht automatisch unbrauchbar.

Kann ich im Krankenhaus das frischeste Blut verlangen?

Ein Wunsch nach der jüngsten Einheit ist verständlich, ändert aber die Leitlinie nicht. AABB 2016 und 2023 sehen keinen Beleg, extrafrische Beutel unter 10 Tagen zur Regel zu machen. Seltene Blutgruppen, Notfälle und der Vorrat entscheiden, welche passende Einheit als Nächstes kommt.

Warum geben Blutbanken oft zuerst die älteren Beutel aus?

Weil sonst legal haltbare Einheiten ungenutzt verfallen und der Vorrat für seltene Gruppen und Katastrophen schrumpft. Cochrane 2018 hat diese älteste-zuerst-Praxis nach den großen Studien als vertretbar bezeichnet. Das Ziel ist Versorgungssicherheit, nicht Gleichgültigkeit gegenüber der Zellqualität.

Gilt das auch für Frühgeborene?

Für Frühgeborene ist die Evidenz dünner, die AABB-Empfehlung von 2016 schloss sie dennoch in die Standardausgabe ein. Spezielle Protokolle, etwa zur Austauschtransfusion, folgen der Neonatologie, nicht dem Drei-Wochen-Satz aus der Hopkins-Laborarbeit. Eltern sollten das behandelnde Team fragen, welches lokale Schema gilt.

Was merke ich, wenn eine Transfusion nicht verträglich ist?

Häufig sind Fieber, Juckreiz oder Schüttelfrost, selten Brustschmerz, Luftnot oder dunkler Urin. Mayo Clinic rät, solche Zeichen sofort der Pflege zu sagen, während die Leitung noch läuft. Nach der Entlassung gelten dieselben Symptome als Grund, umgehend Hilfe zu holen.

Hilft Eigenblut vor einer geplanten Operation immer?

Nicht immer. Die vorherige Abnahme kann die Anämie verstärken, und ungenutzte Beutel verfallen. Rückgewinnung im Saal kann eigene Zellen sparen, ersetzt aber keine Abklärung von Eisenmangel. Das Team entscheidet, welches Verfahren zum Eingriff passt.

Fazit

Drei Wochen sind eine Laborgrenze aus einer kleinen Studie, keine neue Haltbarkeitsregel. Die FDA-Frist mit Zusatzlösung bleibt 42 Tage, und die großen Vergleiche ABLE, RECESS und INFORM haben keinen Sterblichkeitsvorteil extrafrischer Beutel gegenüber der üblichen Ausgabe gezeigt. Cochrane 2018 und die AABB-Texte 2016 sowie 2023 ziehen daraus dieselbe praktische Folgerung. Das Alter innerhalb der Zulassung muss die Entscheidung nicht führen.

Wer eine Transfusion erwartet, gewinnt mehr, wenn er Anämie vorher behandeln lässt, unnötige Einheiten vermeidet und die Warnzeichen während und nach der Gabe ernst nimmt. Fieber, Atemnot, Brust- oder Rückenschmerz und dunkler Urin gehören nicht in die Warteposition. Das Etikettalter der Tüte ist in dieser Liste die unwichtigste Zahl.

Die Vorgängerversion dieser Seite hatte 2013 noch offene Studien für 2014 angekündigt. Diese Studien sind ausgewertet. Sie haben die Sorge um steife Zellmembranen nicht in einen Auftrag verwandelt, Blutbanken auf drei Wochen zu kürzen.

Quellen

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  8. Carson JL, Stanworth SJ et al.: Red Blood Cell Transfusion: 2023 AABB International Guidelines. JAMA, 21. November 2023.
  9. Frank SM, Abazyan B et al.: Decreased erythrocyte deformability after transfusion and the effects of erythrocyte storage duration. Anesthesia & Analgesia, 28. Februar 2013.
  10. Koch CG, Li L et al.: Duration of red-cell storage and complications after cardiac surgery. New England Journal of Medicine, 20. März 2008.
  11. Mayo Clinic Staff: Blood transfusion. Mayo Clinic, 21. Juni 2025.
  12. Cleveland Clinic: Blood Transfusion. Cleveland Clinic, 26. August 2025.
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