
Eine wöchentliche HIV-Pille für den Alltag gibt es noch nicht. Die sternförmige Magenkapsel von 2018 blieb im Schweinemodell, während eine untersuchte Wochentablette aus Islatravir und Lenacapavir in einer Phase-2-Studie die Viruslast bei bereits unterdrückter Infektion halten konnte, aber noch keine Zulassung hat.
HIV lässt sich nicht ausheilen. Die WHO beschreibt die Infektion als chronische, behandelbare Erkrankung. Antiretrovirale Therapie (ART) stoppt die Vermehrung, stärkt die Abwehr und senkt die Weitergabe, solange die Medikamente wie verordnet genommen werden. Ende 2025 lebten laut dem Factsheet rund 41 Millionen Menschen mit HIV, etwa 1,2 Millionen steckten sich in jenem Jahr neu an. Wer die Diagnose gerade erhalten hat, braucht deshalb keine Wunderpille, sondern einen raschen Start mit einer zugelassenen Kombination und eine ehrliche Klärung, ob tägliche Tabletten, Spritzen oder später eine seltenere orale Gabe zum Leben passen.
Ist eine wöchentliche HIV-Pille schon verfügbar?
Nein. Weder die Magenverweilkapsel von 2018 noch die Wochentablette aus Islatravir und Lenacapavir sind als HIV-Therapie zugelassen. Der klinische Standard bleibt eine tägliche orale Kombination; als fertige Alternative ohne tägliche Pille stehen in mehreren Ländern intramuskuläre Spritzen bereit.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC unterscheidet zwei Therapieformen, nämlich Tabletten zum Start und Spritzen für Erwachsene, deren Viruslast bereits mindestens drei Monate unterdrückt ist, die kein Therapieversagen hinter sich haben und die Inhaltsstoffe vertragen. Die Fachinformation zu Cabotegravir plus Rilpivirin (Cabenuva) verlangt HIV-1-RNA unter 50 Kopien pro Milliliter auf einer stabilen Therapie, kein bekanntes oder vermutetes Versagen gegen einen der beiden Wirkstoffe, Alter ab 12 Jahren und Körpergewicht ab 35 Kilogramm. Eine einmal wöchentliche Schlucktablette fehlt in diesen Listen.
Die Forschungswege unterscheiden sich. 2018 blieb ein Gerät eine Woche im Magen und gab drei Wirkstoffe im Tierversuch ab. Die aktuelle Wochentablette nutzt zwei Moleküle mit langer Halbwertszeit und kommt ohne Magenanker aus. Phase-3-Umstellungsstudien (ISLEND) prüfen genau dieses Schema; bis eine Behörde entscheidet, bleibt es Versuchstherapie.
| Form | Abstand | Status | Typische Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| Tägliche Kombinationstablette | täglich oral | zugelassen, Erstlinie | Fast alle, auch Therapiebeginn |
| Wöchentliche ISL/LEN-Tablette | einmal pro Woche oral | Phase 2/3, nicht zugelassen | Bisher Umstellung bei unterdrückter Viruslast |
| Sternförmige Magenkapsel | geplant wöchentlich | nur Schwein, 2018 | keine Humanstudie |
| CAB/RPV-Spritze | monatlich oder alle 2 Monate | zugelassen (FDA 2021) | Umstellung, unterdrückt, ohne Resistenz gegen die Wirkstoffe |
| Lenacapavir-Spritze zur Vorbeugung | alle 6 Monate | PrEP-Empfehlung CDC/WHO 2025 | HIV-negativ, Gewicht ab 35 kg |

Warum die tägliche Einnahme so oft bricht
Unregelmäßige Einnahme ist der stärkste treibbare Grund, warum ART versagt und Resistenzen entstehen. In der Nature-Communications-Arbeit von 2018 lag die mittlere langfristige Adhärenz bei etwa 70 Prozent, in reichen wie in ärmeren Ländern.
Das CDC nennt konkrete Stolpersteine, darunter Übelkeit oder Durchfall, Schichtarbeit, unsichere Wohnung, Angst vor Offenbarung, fehlende Versicherung, psychische Erkrankung und Substanzkonsum. Eine vergessene Tablette lässt das Virus wieder ansteigen; wiederholte Lücken können Mutationen begünstigen, die spätere Regime schwächen. Resistente Viren lassen sich weitergeben. Deshalb ist „seltener dosieren“ kein Komfortthema, sondern ein Versuch, die Zahl der Entscheidungsmomente zu senken.
Tägliche Einmalgabe in einer Tablette hat die Last schon deutlich verringert. Integrasehemmer plus ein oder zwei Nukleosidanaloga gelten in aktuellen Empfehlungen als gut verträglich und potent. Trotzdem bleibt ein täglicher Ritus über Jahrzehnte. Wer Tablettenmüdigkeit spürt, sollte das in der Sprechstunde sagen, statt Dosen still zu streichen. Spritzen oder, falls sie zugelassen wird, eine Wochentablette können helfen; sie ersetzen keine Begleitung bei Depression, Armut oder Stigma.
Was die Magenkapsel von 2018 wirklich gezeigt hat
Die Kapsel von Kirtane, Traverso, Langer und Kolleginnen am MIT und am Brigham and Women’s Hospital entfaltete sich im Magen zu einem sechsamigen Stern und blieb dort eine Woche. In Schweinen hielten sich nach einer Gabe messbare Spiegel von Dolutegravir, Cabotegravir und Rilpivirin.
Der Kern war elastisch, die Arme steif. In gefräste Taschen kamen unterschiedliche Freisetzungspolymere, sodass bis zu sechs Polymerfüllungen unabhängig dosiert werden konnten. Nach der Abgabe sollte der Stern zerfallen und den Darm passieren. Ein säurelabiles Verbindungsstück war als Sicherheitsidee gedacht. Gerät das Gebilde vorzeitig in den Darm, soll es sich auflösen. Tenofoviralafenamid schied aus, weil es in Magensäure rasch zerfiel. Geeignet erschienen nur hochpotente Stoffe mit Tagesdosen von höchstens etwa 50 Milligramm.
Die Plasmaspiegel im Schwein lagen unter typischen Humanwerten; die Magenentleerung des Tiers ist langsamer als beim Menschen. Die Autoren selbst forderten Studien in anderen Großsäugern und später im Menschen. Solche Humanstudien zur HIV-Kapsel sind nicht nachgereicht. Was blieb, war ein Rechenmodell. Wöchentliche statt tägliche PrEP könnte die Schutzwirkung um rund 20 Prozent heben. Für Südafrika schätzte die Gruppe bei unveränderter Abdeckung etwa 200 000 zusätzlich verhinderte Infektionen in 20 Jahren; stiege die Nutzung von 30 auf 60 Prozent, läge die Spanne näher bei 700 000 bis 900 000. Das sind Szenarien, keine gemessenen Feldresultate.
Welche Therapie Leitlinien heute zuerst empfehlen
Jede HIV-Diagnose ist ein Grund, ART so rasch wie möglich zu beginnen, unabhängig von CD4-Zahl oder Beschwerden. Das CDC formuliert das klar. Warten schädigt die Abwehr weiter und erhöht die Weitergabe.
Die Mayo Clinic (Stand Mai 2026) beschreibt ART als Mischung aus mindestens zwei Wirkstoffklassen, die die Virusmenge so weit senken soll, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Typische Klassen sind Integrasehemmer, Nukleosid- bzw. Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Hemmer und Proteasehemmer. Viele Kombinationspräparate stecken drei Substanzen in eine Tablette pro Tag. Nach dem Start wird die Viruslast nach vier bis sechs Wochen kontrolliert, danach in den ersten zwei Jahren oft alle drei Monate. Das CDC nennt zusätzlich eine Kontrolle zwei bis acht Wochen nach jeder Umstellung und CD4-Messungen alle drei bis sechs Monate.
Wer neu behandelt wird, bekommt in der Regel keine lang wirkende Spritze als erste Therapie. Die US-Panel-Empfehlung (Aktualisierung September 2025) sieht Cabotegravir plus Rilpivirin nicht für Therapie-naive vor, weil die Zulassungsstudien erst nach oraler Unterdrückung umstellten. Übliche Startkombinationen sind Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid, Dolutegravir plus Tenofovir plus Emtricitabin oder Lamivudin, oder in geeigneten Fällen Dolutegravir/Lamivudin (nicht bei sehr hoher Viruslast, Hepatitis-B-Koinfektion oder fehlendem Resistenztest). Nach früherer Cabotegravir-PrEP soll vor dem Start ein Integrase-Resistenztest stehen; fehlt das Ergebnis, kommt vorübergehend geboostertes Darunavir plus zwei Nukleosidanaloga infrage.
Wie weit Islatravir plus Lenacapavir als Wochentablette ist
Die derzeit am weitesten fortgeschrittene orale Wochentherapie kombiniert Islatravir (Nukleosidanalogon, hemmt die Translokation der Reverse Transkriptase) mit Lenacapavir (Kapsidinhibitor). Beide Stoffe wirken lange genug, um als Tablette einmal pro Woche diskutiert zu werden. Eine Marktzulassung liegt nicht vor.
Colson und Mitarbeitende veröffentlichten am 23. Dezember 2025 in den Annals of Internal Medicine eine offene Phase-2-Studie an 44 US-Zentren (Register NCT05052996). 104 Erwachsene mit Viruslast unter 50 Kopien/ml unter täglichem Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid seit mindestens 24 Wochen wurden zufällig auf wöchentlich 2 mg Islatravir plus 300 mg Lenacapavir oder auf Fortsetzung der Tageskombination verteilt. Nach 24 Wochen hatten eine Person in der Wochentablettengruppe und niemand in der Vergleichsgruppe 50 oder mehr Kopien/ml; 94,2 Prozent beider Arme lagen unter 50 Kopien/ml. Nach 48 Wochen waren es 94,2 versus 92,3 Prozent unter der Nachweisgrenze von 50; niemand hatte dann 50 oder mehr Kopien/ml. Zwei Abbrüche in der Wochengruppe geschahen vor Woche 24 und galten als nicht arzneimittelbedingt. Schwere oder ernsthafte Ereignisse, die dem Präparat zugeordnet wurden, traten in keinem Arm auf. CD4- und Lymphozytenverläufe ähnelten sich; niemand brach wegen Zellabfalls ab.
Höhere Islatravir-Dosen hatten zuvor Lymphozyten gesenkt. In Kohorte 1 derselben Registerstudie mit 20 mg wöchentlich nach einer Ladedosis von 40 mg beendeten alle Teilnehmenden die Studienmedikation vor Woche 12. Die publizierte 2-mg-Dosis ist deshalb nicht beliebig nach oben zu erhöhen. Phase-3-Studien ISLEND-1 und ISLEND-2 (NCT06630299) prüfen die Umstellung auf eine wöchentliche Fixkombination bei bereits unterdrückter HIV-1-Infektion über 48 und 96 Wochen, unter anderem gegen Biktarvy oder andere Leitlinienregime. Ausgeschlossen sind unter anderem früheres virologisches Versagen, aktive Hepatitis B und eine Kreatinin-Clearance von 30 ml/min oder weniger. Solange Behörden nicht entscheiden, bleibt die Wochentablette Studienmedikament.
Was Cabotegravir- und Rilpivirin-Spritzen heute leisten
Zugelassene lang wirkende Therapie ohne tägliche Pille ist die intramuskuläre Kombination aus Cabotegravir und Rilpivirin. Sie ersetzt ein laufendes orales Regime bei unterdrückter Viruslast, nicht den ersten Therapieversuch.
Laut DailyMed-Fachinformation spritzt eine Ärztin oder ein Arzt beide Depot-Suspensionen in den Gesäßmuskel, entweder monatlich oder alle zwei Monate. Eine etwa vierwöchige orale Probe mit 30 mg Cabotegravir und 25 mg Rilpivirin (zu einer Mahlzeit) ist möglich, aber nicht zwingend. Monatlich folgen nach der Startinjektion (600 mg / 900 mg) Erhaltungsdosen von 400 mg / 600 mg. Beim Zwei-Monats-Schema stehen zwei Startinjektionen im Abstand eines Monats, danach 600 mg / 900 mg alle zwei Monate. Ein Fenster von plus oder minus sieben Tagen ist vorgesehen. Nach der letzten monatlichen Spritze soll binnen eines Monats ein voll wirksames orales Regime beginnen, nach dem Zwei-Monats-Schema binnen zwei Monaten. Wirkstoffreste können zwölf Monate oder länger messbar bleiben. Wer Termine verpasst, riskiert Lücken mit Resistenzbildung; die Fachinformation verlangt dann eine klinische Neubewertung, nicht das stille Weiterwarten.
In den Studien FLAIR und ATLAS berichteten 83 Prozent der Teilnehmenden über Reaktionen an der Einstichstelle, meist Schmerzen über im Median drei Tage; ein Prozent brach deshalb ab. Schwere Überempfindlichkeit (einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom bzw. toxischer epidermaler Nekrolyse bei Cabotegravir, DRESS bei Rilpivirin), Leberschäden und depressive Störungen sind in der Warnung genannt. Die WHO empfiehlt seit Juli 2025 Cabotegravir/Rilpivirin erstmals ausdrücklich als Umstellungsoption für Erwachsene und Jugendliche mit voller Virusunterdrückung ohne aktive Hepatitis B, vor allem wenn tägliche Tabletten schwer durchzuhalten sind.
Wie sich die HIV-Vorbeugung seit 2018 verändert hat
2018 war orale Tenofovir-PrEP der Maßstab, und die Magenkapsel wurde auch als künftige Vorbeugung gedacht. Heute stehen zusätzlich lang wirkende Spritzen in den Leitlinien, während die HIV-Kapsel klinisch nicht angekommen ist.
Das CDC empfiehlt seit September 2025 subkutanes Lenacapavir alle sechs Monate stark als PrEP für Menschen ab 35 Kilogramm, die von einer Vorbeugung profitieren würden. Grundlage sind die Studien PURPOSE 1 und PURPOSE 2. Gegenüber der geschätzten Hintergrundinzidenz lag die Schutzwirkung über 52 Wochen bei 100 Prozent unter Frauen und bei 96 Prozent in einer vorwiegend männlichen Gruppe. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren leichte bis mittlere Reaktionen an der Einstichstelle. Die FDA hatte das Präparat im Juni 2025 für diese Indikation zugelassen. Die WHO zog im Juli 2025 nach und stellt Lenacapavir neben tägliche orale PrEP, injizierbares Cabotegravir und den Dapivirin-Vaginalring.
Für die Vorbeugung gelten eigene Testregeln. Die WHO befürwortet vereinfachte Schnelltests beim Start und bei der Fortsetzung lang wirkender PrEP, damit Laborketten den Zugang nicht blockieren. Wer sich ansteckt, während noch Depotwirkstoff im Körper ist, braucht rasch eine angepasste Therapie und oft einen Integrase-Resistenztest, besonders nach Cabotegravir-PrEP. Eine wöchentliche orale PrEP-Kapsel aus dem Jahr 2018 ändert an diesem Algorithmus nichts, solange sie nicht in Menschen geprüft ist.
Wer für seltenere Gaben infrage kommt
Seltenere Gaben helfen vor allem Menschen, deren Virus bereits unterdrückt ist und die Termine zuverlässig wahrnehmen können. Sie sind kein Rettungsanker für eine gerade erst entdeckte, hochvirämische Infektion ohne Resistenztest.
Für Cabotegravir/Rilpivirin gelten die genannten Zulassungskriterien. Aktive Hepatitis B spricht gegen ein Zwei-Wirkstoff-Regime ohne Tenofovir, weil die Hepatitis dann unbehandelt bliebe. Bekannte Resistenz gegen Cabotegravir oder Rilpivirin, früheres virologisches Versagen und Unverträglichkeit schließen das Schema aus. Die ISL/LEN-Studien schlossen ebenfalls Versagen in der Vorgeschichte, vorherige Exposition gegenüber einem der beiden Stoffe, aktive Hepatitis B oder C, schwere Infekte und stark eingeschränkte Nierenfunktion aus. Das zeigt den Forschungsstand. Die Wochentablette wurde als Umstellung getestet, nicht als Starttherapie.
Praktisch zählen drei Fragen. Ist die Viruslast stabil niedrig? Kann die Person alle vier oder acht Wochen in die Praxis kommen, oder wäre eine wöchentliche Tablette zu Hause realistischer, sobald sie zugelassen ist? Gibt es Wechselwirkungen, eine geplante Schwangerschaft, Depression oder Hautreaktionen, die gegen einen bestimmten Stoff sprechen? Wer diese Punkte mit der HIV-Ambulanz klärt, trifft eine Entscheidung, statt einer Schlagzeile über „die eine Pille pro Woche“ zu folgen.
Welche Warnzeichen zur HIV-Ambulanz gehören
Neue grippeähnliche Beschwerden nach einem Risiko, anhaltendes Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, hartnäckiger Husten, Sehstörungen oder stärkste Kopfschmerzen gehören in die ärztliche Abklärung, nicht in die Selbstbeobachtung über Wochen. Das gilt vor der Diagnose und unter laufender ART.
Unter Therapie sind versäumte Tabletten oder verpasste Spritzentermine ein eigener Notfall der Chronik. Das CDC rät, eine vergessene Tablette in der Regel nachzunehmen und den nächsten Termin einzuhalten, sofern die Apotheke nichts anderes sagt. Nach einer verpassten Depot-Spritze entscheidet die Praxis, ob neu aufgeladen, oral überbrückt oder umgestellt wird. Hautausschlag mit Schleimhautbeteiligung, Gelbsucht, dunkler Urin oder plötzlich gedrückte Stimmung unter Cabotegravir/Rilpivirin sind Anlass, noch am selben Tag anzurufen.
Schwangerschaftswunsch, neue Medikamente (einschließlich pflanzlicher Mittel wie Johanniskraut, das laut Mayo Clinic ART stören kann) und geplante Operationen gehören in die Sprechstunde, bevor irgendetwas abgesetzt wird. Ein plötzlicher Stopp, besonders nach Depot-Spritzen mit langen Restspiegeln, öffnet ein Fenster für Resistenz. Wer Suizidgedanken hat, braucht sofort Hilfe über den örtlichen Notdienst; die HIV-Therapie bleibt dann Teil der Versorgung, ersetzt aber keine Krisenintervention.
Wie Viruslast, U=U und der Alltag zusammenhängen
Ziel jeder ART ist eine Viruslast unter der Nachweisgrenze und eine CD4-Zahl, die Infekte wieder abwehren kann. Erreicht jemand das und hält es, gibt das CDC an, sexuell werde HIV nicht übertragen. Das ist die Regel „nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar“.
Für das Teilen von Spritzen bleibt das Restrisiko unscharf beziffert; Stillen und Schwangerschaft brauchen eigene ärztliche Pläne. Die WHO betont denselben Punkt. Wer ART nimmt und kein Virus im Blut zeigt, gibt HIV sexuell nicht weiter. Das entlastet Partnerschaften, ersetzt Kondome gegen andere sexuell übertragbare Erreger aber nicht.
Im Alltag helfen einfache Hilfen mehr als eine noch nicht lieferbare Wochentablette. Das CDC nennt Kalender, Handyerinnerungen, die Karte zum nächsten Termin sichtbar legen und eine Vertrauensperson, die an Termine erinnert. Die Mayo Clinic ergänzt empfohlene Impfungen, sorgfältige Küchenhygiene bei niedriger CD4-Zahl und den Hinweis, Nahrungsergänzungen vorab prüfen zu lassen. Johanniskraut und Knoblauchpräparate können HIV-Medikamente abschwächen. Wer Tabletten oder Spritzen als Belastung erlebt, sollte das beim nächsten Besuch sagen. Umstellen ist üblich, Absetzen auf eigene Faust nicht.
Häufige Fragen
Gibt es schon eine zugelassene HIV-Pille für einmal pro Woche?
Nein. Die untersuchte Kombination aus Islatravir und Lenacapavir ist in Phase 2 und 3 und hat keine Zulassung. Wer heute seltener dosieren will, kann mit der HIV-Ambulanz über zugelassene Spritzen sprechen, nicht über eine Wochentablette aus der Apotheke.
Hilft die Magenkapsel von 2018 Patientinnen und Patienten?
Bisher nicht. Sie setzte drei Wirkstoffe eine Woche lang im Schwein frei; Humanstudien zur HIV-Therapie mit diesem Stern fehlen. Nutzenzahlen für Südafrika stammen aus Modellen, nicht aus klinischen Endpunkten.
Sind Spritzen sicherer als tägliche Tabletten?
Sie können die tägliche Entscheidung ersetzen, schaffen aber neue Pflichten. Cabotegravir plus Rilpivirin wirkt nur, wenn die Termine eingehalten werden; versäumte Injektionen können Resistenz fördern, weil Reste monatelang sinken. Reaktionen an der Einstichstelle sind häufig, schwere Haut- oder Leberreaktionen selten, aber ernst.
Kann ich die Therapie weglassen, wenn ich mich gesund fühle?
Nein. Beschwerdefreiheit heißt nicht, dass das Virus ruht. Ohne ART steigt die Viruslast, die Abwehr fällt, und die Weitergabe wird wieder möglich. Die Mayo Clinic erinnert daran, dass auch eine nicht nachweisbare Last nicht bedeutet, HIV sei aus dem Körper verschwunden.
Für wen kommt Lenacapavir alle sechs Monate infrage?
Als Vorbeugung (PrEP) empfehlen CDC und WHO die Spritze für HIV-negative Menschen ab 35 Kilogramm, die von PrEP profitieren. Als Therapie gegen bereits bestehende HIV-Infektion ist Lenacapavir in anderen Schemata und Indikationen geprüft; das ist nicht dasselbe wie die halbjährliche PrEP-Dosis.
Wann muss ich nach einem Start oder einer Umstellung wieder ins Labor?
Die Mayo Clinic nennt eine Viruslastkontrolle vier bis sechs Wochen nach Therapiebeginn. Das CDC ergänzt zwei bis acht Wochen nach einem Wechsel und danach oft alle vier bis sechs Monate. Engere Intervalle sind üblich, wenn die Last nicht sinkt oder Dosen fehlen.
Fazit
Wer HIV hat, braucht heute keine experimentelle Wochenkapsel, um zu überleben. Tägliche ART senkt die Viruslast, schützt die Abwehr und macht sexuelle Weitergabe bei nicht nachweisbarem Virus praktisch unmöglich. Die sternförmige Pille von 2018 hat gezeigt, dass ein Magenanker im Tier eine Woche lang drei Wirkstoffe abgeben kann; in die Klinik ist sie nicht gegangen.
Was sich seitdem geändert hat, sind zugelassene Depot-Spritzen und eine halbjährliche PrEP mit Lenacapavir sowie eine Wochentablette, die in kontrollierten Umstellungsstudien die Unterdrückung halten konnte. Keines dieser Angebote heilt. Jedes verlangt Auswahl, Laborkontrollen und einen Plan für verpasste Dosen.
Morgen sinnvoll ist der nächste vereinbarte Termin, die ehrliche Angabe fehlender Einnahmen und die Frage, ob Tabletten, Spritzen oder später eine zugelassene Wochengabe zum Leben passen. Neue Fieber, Sehstörungen, schwere Hautreaktionen oder Suizidgedanken gehören sofort in professionelle Hände, nicht in eine Suchmaschine über „die eine Pille“.
Quellen
- Kirtane AR, Abouzid O et al.: Development of an oral once-weekly drug delivery system for HIV antiretroviral therapy. Nature Communications, 9. Januar 2018.
- Colson AE, Crofoot GE et al.: Once-Weekly Oral Islatravir Plus Lenacapavir Versus Daily Oral Bictegravir, Emtricitabine, and Tenofovir Alafenamide in Persons With HIV-1 : A Phase 2 Randomized Study. Annals of Internal Medicine, 23. Dezember 2025.
- Gilead Sciences: Study Evaluating the Safety and Efficacy of Islatravir in Combination With Lenacapavir in Virologically Suppressed People With HIV. ClinicalTrials.gov, Stand: 2026.
- Gilead Sciences: Study to Compare an Oral Weekly Islatravir/Lenacapavir Regimen With Standard of Care in Virologically Suppressed People With HIV-1. ClinicalTrials.gov, Stand: 2026.
- CDC: Treating HIV. Centers for Disease Control and Prevention, 12. April 2024.
- Patel RR, Hoover KW et al.: Clinical Recommendation for the Use of Injectable Lenacapavir as HIV Preexposure Prophylaxis — United States, 2025. Morbidity and Mortality Weekly Report, 18. September 2025.
- WHO: HIV and AIDS. World Health Organization, Stand: 2026.
- WHO: WHO recommends injectable lenacapavir for HIV prevention. World Health Organization, 14. Juli 2025.
- Mayo Clinic Staff: HIV/AIDS – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 22. Mai 2026.
- FDA: CABENUVA- cabotegravir and rilpivirine kit. DailyMed, Stand: 2025.
