
HIV ist das Virus, das bestimmte Abwehrzellen zerstört; AIDS bezeichnet das fortgeschrittene Stadium derselben Infektion, nicht eine zweite, unabhängige Krankheit. Die Diagnose AIDS gilt, wenn die Zahl der CD4-Zellen unter 200 pro Kubikmillimeter Blut fällt oder eine AIDS-definierende Erkrankung auftritt.
Ohne Behandlung kann die Infektion über Jahre still voranschreiten und das Immunsystem so weit schwächen, dass opportunistische Infekte und bestimmte Tumoren entstehen. Mit einer konsequenten antiretroviralen Therapie (ART) bleibt die Viruslast bei den meisten Menschen dauerhaft so niedrig, dass das Stadium AIDS ausbleibt. Die US-Seuchenbehörde CDC (Stand Januar 2025) stellt klar: Es gibt derzeit keine Heilung, die das Virus vollständig aus dem Körper entfernt. Richtig dosierte Medikamente können die Infektion aber so steuern, dass viele Betroffene ähnlich lange leben wie Menschen ohne HIV.
Was unterscheidet HIV von AIDS?
HIV (humanes Immundefizienzvirus) ist der Erreger; AIDS (erworbenes Immunschwächesyndrom) ist der Name für das schwerste Stadium dieser Infektion. Jeder Mensch mit AIDS hat zuvor HIV erworben, umgekehrt entwickeln längst nicht alle Infizierten AIDS, sofern die Therapie greift.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, Juli 2024) definiert AIDS über mehr als 20 lebensbedrohliche Krebsarten oder opportunistische Infektionen, die ein geschwächtes Abwehrsystem ausnutzen. Klinisch rückt die WHO in der Leitlinie 2025 den Begriff Advanced HIV Disease in den Vordergrund: bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab fünf Jahren ein CD4-Wert von höchstens 200 Zellen/mm³, ersatzweise ein klinisches WHO-Stadium 3 oder 4, wenn keine CD4-Messung vorliegt. Kinder unter fünf Jahren mit bestätigter Infektion gelten danach zunächst als fortgeschritten erkrankt, außer sie stehen länger als ein Jahr stabil auf ART. AIDS bleibt als Wort für Aufklärung und Advocacy sinnvoll; für die Versorgung zählt vor allem, wer sofort eine intensivere Betreuung braucht.
| Merkmal | HIV | AIDS |
|---|---|---|
| Was es ist | Virus, das CD4-Zellen infiziert | fortgeschrittenes Stadium derselben Infektion |
| Diagnose | Antigen, Antikörper oder Virusgenom im Labor | CD4 unter 200/mm³ oder AIDS-definierende Erkrankung |
| Typischer Verlauf ohne Therapie | oft Jahre mit wenig Beschwerden | schwere Infekte, Tumoren, hohe Viruslast |
| Sexuelle Weitergabe bei Therapie | entfällt bei dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast | unbehandelt oft leicht übertragbar |
| Therapieziel | Virusvermehrung stoppen, Abwehr erhalten | dasselbe plus Behandlung der Begleiterkrankungen |
Die Tabelle trennt Laborbefund und klinisches Stadium. Ein positiver HIV-Test bedeutet nicht automatisch AIDS; umgekehrt kann eine erstmalig erkannte Pneumocystis-Pneumonie erst zur HIV-Diagnose führen.

Wie HIV die Abwehrzellen zerstört
HIV dockt an CD4-positive T-Helferzellen an, dringt ein, vermehrt sich dort und zerstört die Zelle. Mit jeder Replikationsrunde sinkt die Zahl dieser Koordinatoren der Immunantwort, bis alltägliche Erreger nicht mehr zuverlässig bekämpft werden.
Das US-National Institutes of Health (Aktualisierung Mai 2025) beschreibt denselben Mechanismus: weniger CD4-Zellen bedeuten mehr Hepatitis, Tuberkulose und sexuell übertragbare Infekte. ART unterbricht die Vermehrung an mehreren Enzymen oder am Kapsid, senkt die Viruslast und gibt dem Knochenmark Zeit, neue Helferzellen nachzubilden. Das Virus verschwindet dadurch nicht aus Reservoirs im Gewebe; deshalb bleibt die Therapie lebenslang nötig, sobald sie begonnen hat. Eine kleine Gruppe sogenannter Elite-Controller hält die Vermehrung ohne Medikamente niedrig; die WHO nennt das selten. Für die große Mehrheit gilt: ohne ART zerfällt die Abwehr weiter.
Begleiterkrankungen jenseits der klassischen AIDS-Liste rücken vor, weil behandelte Menschen älter werden. Herzkrankheiten, bestimmte Krebse und Diabetes treten laut WHO häufiger auf als in der Frühphase der Epidemie, als die meisten Infizierten jung an opportunistischen Infekten starben. Tuberkulose bleibt weltweit eine führende Todesursache bei HIV, in Afrika die häufigste.
Welche Stadien durchläuft eine unbehandelte Infektion?
Unbehandelt folgen drei Phasen aufeinander: akute Infektion, chronische Latenz und AIDS. ART kann diesen Ablauf anhalten; wer die Mittel wie verordnet nimmt, bleibt oft dauerhaft im zweiten Stadium.
In den ersten zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung explodiert die Virusmenge im Blut. Viele Menschen fühlen sich grippeähnlich, andere merken nichts. Ansteckend ist diese Phase besonders, weil die Viruslast hoch ist und ein Standard-Antikörpertest noch negativ sein kann. Danach fällt die Vermehrung auf ein niedrigeres Niveau. Die CDC (Januar 2025) nennt dieses Intervall chronische HIV-Infektion oder klinische Latenz: Beschwerden fehlen oft, das Virus teilt sich weiter, Weitergabe bleibt möglich.
Ohne Medikamente dauert die Latenz häufig ein Jahrzehnt oder länger, bei manchen kürzer. Die NIH-Factsheet zu den Stadien (März 2025) schreibt, die Infektion schreite dann gewöhnlich in zehn oder mehr Jahren zu AIDS fort. Die WHO (2024) nennt für HIV-bedingte Krankheit fünf bis zehn Jahre und für die Spanne bis zur AIDS-Diagnose meist zehn bis fünfzehn Jahre. Am Ende der Latenz steigt die Viruslast wieder, die CD4-Zahl bricht ein, opportunistische Infekte erscheinen. Mit ART kann dieselbe Phase Jahrzehnte halten. Studien, auf die die NIH verweist, zeigten rund 53 Prozent weniger Todesfälle oder schwere Erkrankungen, wenn die Therapie bei noch hohem CD4-Wert begann statt später.
Wann wird aus HIV die Diagnose AIDS?
AIDS wird nicht nach Bauchgefühl gestellt, sondern nach Labor oder nach einer definierten Begleiterkrankung. Unter 200 CD4-Zellen/mm³ oder der Nachweis einer AIDS-definierenden Bedingung reicht, unabhängig davon, ob gerade Fieber besteht.
Gesunde Erwachsene liegen laut Mayo Clinic (Seite aktualisiert Mai 2026) etwa zwischen 500 und 1600 CD4-Zellen in der Zählung. Unter 200 gilt die Infektion als Stadium 3. Manche Leitlinien nutzen ersatzweise einen CD4-Anteil unter 14 Prozent der Lymphozyten, wenn die absolute Zahl fehlt. Ein einmal erreichter AIDS-Status beschreibt den schwersten bekannten Gewebeschaden; er bedeutet nicht, dass Medikamente zwecklos wären. Die NIH betont, ART könne auch dann die Viruslast senken und CD4-Zellen nachwachsen lassen.
Wer nie getestet wurde, die Therapie abgebrochen hat oder nie begonnen hat, trägt das höchste Risiko für dieses Stadium. Die WHO-Leitlinie zu Advanced HIV Disease (2025) hebt genau diese Gruppen hervor. Ein früher positiver Test plus rascher Therapiebeginn verschiebt die Statistik: Progression zum Stadium 3 ist heute deutlich seltener als in den Jahren vor flächendeckender ART.
Welche Infekte gelten als AIDS-definierend?
AIDS-definierende Krankheiten sind opportunistische Infektionen, bestimmte Virus-assoziierte Tumoren und wenige HIV-eigene Syndrome, die bei intakter Abwehr selten so schwer verlaufen. Tritt eine davon bei bekannter HIV-Infektion auf, gilt Stadium 3 auch dann, wenn die CD4-Zahl noch über 200 liegt.
Die Cleveland Clinic (April 2025) zählt zu den häufigsten Bildern Pneumocystis-Pneumonie, Kaposi-Sarkom, HIV-Verbrauchssyndrom, Candida-Befall der Speiseröhre, disseminierte Mycobacterium-avium-Komplex-Infektion und Tuberkulose. Dazu kommen unter anderem Toxoplasmose des Gehirns, Cytomegalie-Retinitis, Kryptokokken außerhalb der Lunge, chronische Kryptosporidiose über einen Monat, invasives Zervixkarzinom, bestimmte Lymphome, wiederholte bakterielle Pneumonien ab dem Alter von sechs Jahren und die HIV-Enzephalopathie. Nicht jede dieser Diagnosen beweist für sich HIV; dieselben Erreger treffen gelegentlich Menschen mit anderer Immunschwäche.
ART ist die wirksamste Vorbeugung, weil sie die T-Zell-Zahl oben hält. Zusätzlich verordnen Ärztinnen und Ärzte bei sehr niedrigen CD4-Werten oft eine medikamentöse Prophylaxe, etwa gegen Pneumocystis, plus Impfungen und Screenings. Ein Immunrekonstitutionssyndrom kann in den ersten Wochen nach Therapiebeginn eine zuvor stumme Infektion sichtbar machen; das ist ein Grund, Begleitinfekte gezielt zu suchen statt die ART aufzuschieben.
Welche Symptome gehören zu welchem Stadium?
Frühsymptome ähneln einer Virusgrippe und beweisen allein nichts; später bestimmen die Begleitinfekte das Bild. Diagnostiziert wird HIV im Labor, nicht anhand einer Symptomliste.
Zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung treten bei vielen Fieber, Halsweh, Ausschlag, Lymphknotenschwellung, Muskelschmerz, Nachtschweiß, Durchfall, Kopfschmerz, Gelenkschmerz oder Mundulzera auf. Mayo Clinic nennt diese Phase akute oder primäre Infektion; sie kann Tage bis Wochen dauern und auch ganz ausbleiben. In der Latenz fehlen Beschwerden oft über Jahre. Manche entwickeln vorher schon Gürtelrose, Mundsoor oder eine Lungenentzündung, ohne bereits die AIDS-Schwelle zu erfüllen.
Im Stadium AIDS kommen wiederkehrendes Fieber, anhaltender Durchfall, rascher Gewichtsverlust, Nachtschweiß, bleibende weiße Beläge im Mund, Sehstörungen, Gedächtnisprobleme und Hautflecken hinzu, je nachdem welcher Erreger oder Tumor vorliegt. Die Cleveland Clinic nennt als Notfallzeichen Fieber über 40 °C, Atemnot, starke Übelkeit oder Durchfall, Brustschmerz, Verwirrtheit und eine heiße, nicht heilende Wunde. Solche Schwellen gelten für Menschen mit bekannter HIV-Infektion ebenso wie für noch nicht Getestete mit schwerem Infekt.

Wie wird HIV übertragen, und wie nicht?
HIV sitzt in Blut, Sperma, Präejakulat, Scheiden- und Rektumflüssigkeit sowie Muttermilch; die Flüssigkeit muss auf Schleimhaut, verletzte Haut oder direkt ins Blut gelangen. Händedruck, Umarmung, Geschirr, Toilettensitz, Luft, Wasser, Insektenstiche, Schweiß, Tränen und Speichel übertragen das Virus nach NIH und Mayo Clinic nicht.
Die häufigsten Wege sind analer oder vaginaler Sex ohne Schutz und das Teilen von Nadeln, Spritzen oder anderem Injektionszubehör. Oraler Sex kommt selten vor, ist aber nicht unmöglich. Von der schwangeren Person auf das Kind gelangt HIV in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder über die Milch. Blutprodukte sind in Ländern mit Screening extrem selten kontaminiert. Tätowier- oder Piercingnadeln können theoretisch infizieren, wenn sie nicht steril sind. Gemeinsame Rasierer oder Zahnbürsten mit sichtbarem Blut nennt die NIH als weiteren, ungewöhnlichen Weg.
Eine nicht nachweisbare Viruslast unter ART verhindert nach CDC (Januar 2025) die sexuelle Weitergabe vollständig und senkt das Risiko bei Schwangerschaft, Geburt und geteiltem Injektionsbesteck. Für Nadeln fehlt noch eine ähnlich scharfe Null-Aussage; die NIH schreibt, die Minderung sei wahrscheinlich, das Ausmaß aber unklar. Andere sexuell übertragbare Infekte, vor allem Syphilis und Herpes, erleichtern die Aufnahme von HIV, weil entzündete Schleimhaut durchlässiger wird.
Wann testen, welche Tests, wann zum Arzt?
Getestet werden sollte jede Person zwischen 13 und 64 Jahren mindestens einmal im Leben; nach einem konkreten Risiko sofort und erneut nach Ablauf der Fensterperiode. Wer glaubt, HIV begegnet zu sein, geht noch am selben Tag in eine Notaufnahme oder HIV-Sprechstunde, weil die Postexpositionsprophylaxe (PEP) nur in einem engen Zeitfenster wirkt.
Das CDC (Februar 2025) rät zu jährlichen Tests bei mehreren Sexualpartnern seit dem letzten Test, Sex mit einer Person mit HIV, geteiltem Injektionsbesteck, Sex gegen Geld oder Drogen sowie nach Diagnose einer anderen sexuell übertragbaren Infektion, von Hepatitis oder Tuberkulose. Sexuell aktive schwule und bisexuelle Männer können alle drei bis sechs Monate profitieren. In jeder Schwangerschaft gehört ein HIV-Test zur Vorsorge.
Drei Verfahren unterscheiden sich in der Fensterperiode, jeweils ohne Einfluss von PrEP- oder PEP-Wirkstoff im Blut:
- Ein Antikörpertest aus Blut oder Mundflüssigkeit erkennt eine Infektion meist 23 bis 90 Tage nach dem Kontakt.
- Ein Labor-Antigen-Antikörper-Test aus Venenblut liegt typischerweise bei 18 bis 45 Tagen, der Fingerbeerentest bei 18 bis 90 Tagen.
- Ein Nukleinsäuretest sucht Virusgenom und wird oft 10 bis 33 Tage nach Exposition positiv.
Ein negativer Schnell- oder Selbsttest direkt nach dem Sex schließt nichts aus. Fällt ein Antikörpertest positiv aus, folgt immer eine Bestätigung. Nach möglichem Kontakt mit Blut oder Sexualflüssigkeit einer Person mit unklarer oder hoher Viruslast soll PEP laut CDC-Empfehlung 2025 möglichst binnen 24 Stunden beginnen, spätestens nach 72 Stunden, und 28 Tage dauern. Die erste Dosis wartet nicht auf Laborergebnisse.
Wie die Therapie heute wirkt und warum U=U zählt
ART senkt die Virusmenge so weit, dass Standardtests sie oft nicht mehr finden; dann bleibt das Immunsystem arbeitsfähig, und sexuell geht HIV nicht weiter. Heilung ist das nicht, wohl aber eine steuerbare chronische Infektion.
Tabletten werden meist täglich genommen, häufig als Eine-Pille-Regime. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten gibt es langwirksame Spritzen alle zwei Wochen bis sechs Monate, die eine Praxis verabreicht. Die CDC definiert virale Suppression als weniger als 200 HIV-Kopien pro Milliliter Blut. Unter dieser Schwelle lag in der europäischen PARTNER2-Studie (Lancet, 2019) das Risiko einer phylogenetisch gekoppelten Übertragung bei null: 782 serodifferente schwule Paare, 1593 Paarjahre, 76 088 anale Kontakte ohne Kondom, ohne dass der negative Partner PrEP oder PEP nutzte; die obere 95-Prozent-Grenze lag bei 0,23 Übertragungen pro 100 Paarjahre.
Daraus folgt die Formel U=U, auf Deutsch nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar. Das CDC-Programm Global HIV and TB (August 2024) formuliert null Risiko für sexuelle Partner, solange die Viruslast unter der Nachweisgrenze bleibt. Andere sexuell übertragbare Erreger verhindert ART nicht. Wer Tabletten unregelmäßig nimmt, kann Resistenzen züchten und wieder messbar werden; dann gilt U=U nicht mehr. Nach einer neuen Diagnose soll die Therapie so früh wie möglich starten, nicht erst beim Einbruch der CD4-Zahl.
Wie sich HIV verhindern lässt
Vorbeugung stapelt mehrere wirksame Mittel statt auf ein einziges zu setzen. Kondom, PrEP vor dem Risiko, PEP danach, sterile Nadeln und eine unterdrückte Viruslast der positiven Person greifen ineinander.
Ein korrekt und jedes Mal genutztes Kondom senkt die sexuelle Übertragung deutlich. PrEP nimmt eine HIV-negative Person vor möglichen Kontakten: täglich eine Tenofovir-Emtricitabin-Tablette oder, nach aktueller Datenlage, Spritzen. Cabotegravir wird etwa alle zwei Monate intramuskulär gegeben. Lenacapavir als subkutane Injektion alle sechs Monate empfiehlt das CDC seit September 2025 stark für Menschen ab 35 Kilogramm, die von PrEP profitieren würden; in den Zulassungsstudien PURPOSE 1 und 2 lag die Schutzwirkung gegenüber der geschätzten Hintergrundinzidenz bei 100 Prozent unter Frauen und bei 96 Prozent in einer überwiegend männlichen Gruppe über 52 Wochen. Vor Beginn und in festgelegten Abständen gehört ein HIV-Test dazu, weil PrEP keine Therapie einer unbemerkten Infektion ist.
Nach einem Unfall, einem geplatzten Kondom oder einer Vergewaltigung bleibt PEP die Notfalloption. Bevorzugte Schemata der CDC-Leitlinie 2025 für die meisten Erwachsenen und Jugendlichen sind Bictegravir/Emtricitabin/Tenofovir-Alafenamid oder Dolutegravir plus ein Tenofovir plus Emtricitabin oder Lamivudin, immer über 28 Tage und nur nach ärztlicher Auswahl. Wer danach weiter Risiko hat, soll lückenlos auf PrEP wechseln.
In der Schwangerschaft senkt ART der tragenden Person die Übertragung auf das Kind stark. Bleibt die Viruslast nicht nachweisbar, kann das Risiko über die Milch unter einem Prozent liegen, so die NIH (Mai 2025); industriell hergestellte Säuglingsmilch oder pasteurisierte Spendermilch setzt es auf null. Ob gestillt wird, entscheiden Eltern und Behandler gemeinsam und kontrollieren die Viruslast eng. Nadeltauschprogramme und opioidgestützte Behandlung senken Infektionen bei injizierendem Konsum, ohne Abstinenz zur Bedingung zu machen.
Häufige Fragen
Kann man HIV haben, ohne je AIDS zu bekommen?
Ja. AIDS ist nur das schwerste Stadium, nicht die automatische Folge jedes positiven Tests. Wer ART dauerhaft nimmt und die Viruslast unten hält, bleibt nach CDC und WHO meist im chronischen Stadium und entwickelt keine AIDS-definierende Erkrankung.
Wird aus AIDS wieder „nur HIV“, wenn die CD4-Zahl steigt?
Die Abwehr kann sich unter ART erholen, opportunistische Infekte heilen, und die Lebenserwartung kann sich der Allgemeinbevölkerung nähern. Die Staging-Diagnose AIDS beschreibt den tiefsten bekannten Einbruch; klinisch zählt danach der aktuelle CD4-Wert, die Viruslast und ob Infekte aktiv sind. Medikamente bleiben trotzdem nötig, weil Reservoirs persistieren.
Wie schnell muss ich nach einem Risiko in die Klinik?
So schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, jedenfalls vor Ablauf von 72 Stunden. In diesem Fenster kann PEP die Ansiedlung des Virus noch verhindern; danach sinkt der Nutzen steil. Die erste Tablette soll nicht auf ausstehende Laborwerte warten.
Steckt man mit nicht nachweisbarer Viruslast noch sexuell an?
Nach der aktuellen CDC-Lage und der PARTNER2-Evidenz nicht, solange die Suppression gehalten wird. U=U gilt für Sex, nicht automatisch in gleichem Maß für geteilte Nadeln oder für das Stillen. Andere sexuell übertragbare Infekte werden durch die HIV-Therapie nicht blockiert.
Reicht ein negativer Selbsttest am Morgen nach dem Sex?
Nein. Antikörper- und viele Schnelltests brauchen Wochen, bis sie eine frische Infektion anzeigen. Ein negatives Ergebnis in der Fensterperiode muss nach deren Ende wiederholt werden, wenn dazwischen kein neues Risiko dazukam.
Wird HIV durch Küssen oder gemeinsames Geschirr übertragen?
Nein. Speichel, Schweiß, Tränen, Umarmungen, Geschirr, Toiletten und Insekten sind keine Übertragungswege. Sichtbares Blut auf einer geteilten Zahnbürste oder einem Rasierer ist eine andere Situation und sollte vermieden werden.
Was ist der Unterschied zwischen PrEP und PEP?
PrEP beginnt vor möglichen Kontakten und läuft als Dauer- oder Spritzschema. PEP ist ein 28-Tage-Notfall nach einem bereits geschehenen Risiko und muss in 72 Stunden starten. Beide nutzen antiretrovirale Wirkstoffe, aber zu verschiedenen Zeitpunkten und mit anderem Monitoring.

Fazit
HIV und AIDS gehören zusammen, sind aber nicht austauschbar: das eine ist der Erreger, das andere das Stadium schwerer Immunschwäche. Ein Test nach Risiko, eine PEP binnen 72 Stunden und, bei bestätigt positiver Diagnose, der sofortige Start der ART entscheiden darüber, ob dieses Stadium überhaupt erreicht wird.
Wer bereits mit HIV lebt, hält Termine und Tabletten oder Spritzen ein und lässt Viruslast plus CD4 regelmäßig messen. Bleibt die Virusmenge dauerhaft unter der Nachweisgrenze, schützt das die eigene Abwehr und nimmt Sexualpartnern das HIV-Risiko. Neue Beschwerden, Fieber über 40 °C, Atemnot, Brustschmerz oder Verwirrtheit gehören in die Notaufnahme, nicht in die Selbstbeobachtung über Tage.
Für HIV-negative Menschen mit wiederkehrendem Risiko lohnt das Gespräch über PrEP, einschließlich neuerer langwirksamer Spritzen. Kondome bleiben sinnvoll gegen andere Erreger. Heilung gibt es weiterhin nicht; steuerbar ist die Infektion schon lange, und die Leitlinien seit 2018 haben diesen Spielraum noch einmal vergrößert.
Quellen
- CDC: About HIV | HIV | CDC. Centers for Disease Control and Prevention, 14. Januar 2025.
- WHO: HIV and AIDS: Questions and answers. World Health Organization, 30. Juli 2024.
- NIH: HIV and AIDS: The Basics. HIVinfo, National Institutes of Health, 28. Mai 2025.
- NIH: The Stages of HIV Infection. HIVinfo, National Institutes of Health, 31. März 2025.
- CDC: Getting Tested for HIV. Centers for Disease Control and Prevention, 11. Februar 2025.
- Mayo Clinic Staff: HIV/AIDS – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 22. Mai 2026.
- Cleveland Clinic: AIDS-Defining Illnesses. Cleveland Clinic, 11. April 2025.
- CDC: Undetectable = Untransmittable. Centers for Disease Control and Prevention, 19. August 2024.
- Rodger AJ, Cambiano V, Bruun T et al.: Risk of HIV transmission through condomless sex in serodifferent gay couples with the HIV-positive partner taking suppressive antiretroviral therapy. The Lancet, 15. Juni 2019.
- Tanner MR, O’Shea JG, Byrd KM et al.: Antiretroviral Postexposure Prophylaxis After Sexual, Injection Drug Use, or Other Nonoccupational Exposure to HIV — CDC Recommendations, United States, 2025. MMWR Recommendations and Reports, 8. Mai 2025.
- Patel RR, Hoover KW, Lale A et al.: Clinical Recommendation for the Use of Injectable Lenacapavir as HIV Preexposure Prophylaxis — United States, 2025. MMWR Weekly, 18. September 2025.
- WHO: Definition of advanced HIV disease. WHO guidelines on the management of advanced HIV disease, Stand: 2025.
