
Ein zugelassener Impfstoff oder ein spezifisches Virostatikum gegen das Zika-Virus fehlt weiterhin. Die Kristallstrukturen des viralen Proteins NS5 aus dem Jahr 2017 haben die Wirkstoffsuche beschleunigt, eine Heilung ist daraus aber nicht entstanden.
Die Infektion verläuft bei den meisten Erwachsenen unbemerkt oder als kurzer fieberhafter Ausschlag. In der Schwangerschaft kann das Virus das ungeborene Kind schädigen. Die US-Seuchenbehörde CDC nennt für bestätigte oder mögliche Infektionen der Mutter rund fünf Prozent zikaassoziierte Fehlbildungen, im ersten Drittel der Schwangerschaft etwa acht Prozent. Die WHO nennt in ihrem Factsheet eine Spanne von fünf bis fünfzehn Prozent für zikabezogene Komplikationen beim Kind. Wer reist, plant eine Schwangerschaft oder Fieber nach einem Aufenthalt in den Tropen hat, braucht klare Regeln zu Mücken, Sex und Tests, nicht die Hoffnung auf ein bald verfügbares Medikament.
Gibt es schon Heilung oder Impfstoff gegen Zika?
Nein. Weder die CDC (Stand Januar 2025) noch die WHO führen ein zugelassenes Präparat zur Vorbeugung oder zur gezielten Therapie. Die Behandlung bleibt unterstützend: Ruhe, Flüssigkeit und Mittel gegen Fieber und Schmerz, solange Dengue ausgeschlossen oder unwahrscheinlich ist.
Berichte aus den Jahren 2016 bis 2018 klangen oft so, als rücke eine Heilung in greifbare Nähe, sobald Forscher das Replikationsprotein NS5 kartiert hätten. Die Karten existieren. In der Klinik hat das die Lage nicht verändert. Ein Review in Frontiers in Pharmacology vom Juli 2024 stellt fest, dass trotz zahlreicher Hemmstoffe gegen Hüllprotein, Protease und Polymerase kein Anti-Zika-Mittel den Markt erreicht hat. Impfstoffkandidaten auf Basis inaktivierter Viren, DNA, mRNA oder viralen Vektoren haben Phase-1-Studien und einzelne Phase-2-Prüfungen durchlaufen. Eine Zulassung auf Grundlage eines großen Wirksamkeitsnachweises fehlt, weil die Übertragung seit 2017 weltweit stark zurückgegangen ist und schwere Endpunkte wie das kongenitale Zika-Syndrom selten geworden sind.
Das CDC Yellow Book 2026 nennt für das Jahr 2023 nur sieben gemeldete Zika-Erkrankungen bei US-Reisenden. In den Vereinigten Staaten und ihren Territorien ist seit 2018 keine bestätigte Erkrankung mehr erfasst worden. Genau diese Ruhe macht Feldstudien schwierig. Wer heute Schutz sucht, findet ihn bei Mückenabwehr und Kondomen, nicht in der Apotheke.
Lebendimpfstoffe wären in der Schwangerschaft besonders heikel. Tote oder Nukleinsäure-Konstrukte gelten als leichter prüfbar, ersetzen aber keine abgeschlossene Nutzen-Risiko-Bewertung. Bis eine Behörde ein Produkt zulässt, bleibt jede Ankündigung einer nahen Heilung spekulativ.

Was die Karte des NS5-Proteins wirklich gebracht hat
NS5 ist das größte und am stärksten konservierte Nichtstrukturprotein von Zika. Es trägt am Aminoterminalende eine Methyltransferase, die die virale RNA verkapselt, und am Carboxylende eine RNA-abhängige RNA-Polymerase, die das Genom kopiert. Beide Funktionen sind für die Vermehrung nötig. Deshalb gilt NS5 seit der Epidemie 2015/2016 als bevorzugtes Angriffsziel.
Godoy und Kollegen veröffentlichten 2017 in Nature Communications die Kristallstruktur der Polymerase-Domäne mit 1,9 Å Auflösung. Die Faltung gleicht der rechter Hand mit Finger-, Handflächen- und Daumenbereich, wie bei verwandten Flaviviren. Die nächste Verwandtschaft besteht zur japanischen Enzephalitis und zum West-Nil-Virus, jeweils rund siebzig Prozent Sequenzidentität. Die Priming-Schleife, an der nichtnukleosidische Hemmstoffe andocken können, ist bei Zika enger und anders geladen als bei Dengue. Genau solche Unterschiede erklären, warum ein Dengue-Kandidat nicht automatisch gegen Zika wirkt.
Feng fasste 2024 die Ziele zusammen. Neben NS5 stehen die Protease NS2B-NS3 und das Hüllprotein E im Mittelpunkt. Für alle drei gibt es Laborverbindungen mit mikromolarer oder besserer Hemmung. Keine davon ist als Zika-Arzneimittel zugelassen. Ältere Texte empfahlen, Hepatitis-C-Nukleosidhemmer rasch umzuwidmen. Solche Ideen bleiben Screening-Hypothesen. Sofosbuvir und verwandte Stoffe sind für Zika nicht indiziert, und Selbstversuche mit Resten einer Hepatitis-Therapie sind gefährlich und sinnlos.
Die Karte hat also geliefert, was eine Struktur liefern kann: Taschen, Vergleichswerte, Kristalle zum Einweichen von Molekülen. Sie hat nicht geliefert, was die Überschriften von 2018 versprachen. Zwischen einem gut gemessenen Protein und einem geprüften Medikament liegen Toxizität, Pharmakokinetik, Schwangerschaftssicherheit und Studien, die bei niedriger Inzidenz kaum zu füllen sind.
Wie das Zika-Virus übertragen wird
Die Hauptroute bleibt der Stich infizierter Stechmücken der Gattung Aedes, vor allem Aedes aegypti und Aedes albopictus. Sie stechen tagsüber und in der Dämmerung, im Freien und in Wohnungen. Dieselben Arten tragen Dengue, Chikungunya und städtisches Gelbfieber. Deshalb überlappen sich die Risikokarten, und ein fieberhafter Ausschlag nach Tropenreise ist nie automatisch Zika.
Sexuelle Übertragung ist belegt, auch ohne Symptome beim steckengebliebenen Partner. Das Virus bleibt im Samen länger nachweisbar als im Blut. Die CDC beschreibt Übertragungen von Mann zu Frau, von Mann zu Mann und von Frau zu Mann. Eine Übertragung zwischen Frauen ist biologisch denkbar, in der Literatur aber noch nicht dokumentiert. Speichel, Urin und Muttermilch können Virusmaterial enthalten. Tiefes Küssen gilt nach derzeitigem Kenntnisstand nicht als Übertragungsweg. Ob Stillen praktisch ansteckt, ist unklar. Das Yellow Book rät trotzdem zum Weiterstillen, weil der Nutzen der Milch das theoretische Risiko überwiegt.
Von der Schwangeren gelangt das Virus über die Plazenta zum Fetus. Selten sind Laborunfälle und Transfusionen beschrieben. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat 2021 die Pflicht zur Zika-Testung von Blutspenden aufgehoben, weil die Inzidenz unter potenziellen Spendern nicht mehr ausreichte. Die WHO zählt 92 Länder und Gebiete mit Nachweis mückengetragener Infektion. Seit 2017 ist die Fallzahl weltweit gesunken, niedrige Übertragung hält in Teilen Amerikas, Afrikas und Asiens an. Lokale Mückenübertragung in Europa wurde 2019 vereinzelt gemeldet.
Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt und dort kompetente Mücken leben, soll sich nach WHO und CDC drei Wochen lang weiter vor Stichen schützen. Sonst kann eine heimische Mücke das Virus aufnehmen und weitertragen, auch wenn die Person sich gesund fühlt.
Welche Symptome auftreten und wie lange sie dauern
Die meisten Infizierten merken nichts oder nur milde Beschwerden. Treten Symptome auf, beginnen sie nach WHO-Angaben drei bis vierzehn Tage nach der Ansteckung. Sie dauern meist zwei bis sieben Tage. Typisch sind Fieber, fleckiger Ausschlag, Kopfschmerz, Gelenk- und Muskelschmerz sowie eine Bindehautentzündung ohne Eiter. Manche beschreiben geschwollene Lymphknoten, rückwärtigen Augenschmerz, Ödeme oder Erbrechen.
Krankenhausaufenthalte und Todesfälle sind selten. Gerade weil der Verlauf so unauffällig sein kann, unterschätzt man die Infektion leicht, besonders wenn sie in die Frühschwangerschaft fällt. Cleveland Clinic und CDC betonen denselben Punkt: fehlende Beschwerden schließen eine Ansteckung nicht aus und schützen das Ungeborene nicht.
Die Differentialdiagnose ist breit. Dengue und Chikungunya zirkulieren oft in denselben Regionen und erzeugen ähnliche Bilder. Malaria, Masern, Röteln, Parvovirus, Leptospirose, Rickettsien und neuere Arboviren wie Oropouche gehören auf die Liste, sobald Reiseweg und Fieber zusammenpassen. Ohne Labor bleibt die Zuordnung unsicher. Ein negativer Nukleinsäuretest schließt eine frische Infektion nicht sicher aus, weil das Virus nur kurz und in niedriger Menge im Serum kreist.
Seltene neurologische Folgen ändern die Bewertung einer ansonsten harmlosen Viruserkrankung. Das Guillain-Barré-Syndrom kann nach Zika auftreten: das Immunsystem greift periphere Nerven an, es folgen Schwäche bis zur Lähmung. Die meisten Betroffenen erholen sich über Wochen bis Monate, bleibende Schäden und sehr seltene Todesfälle kommen vor. Enzephalitis, Meningitis, Myelitis, Uveitis und schwere Thrombozytopenie sind in Einzelfällen beschrieben.
Wie gefährlich ist Zika in der Schwangerschaft?
Die Infektion in der Schwangerschaft kann Mikrozephalie und weitere Fehlbildungen verursachen. Unter dem Namen kongenitales Zika-Syndrom fassen Kliniken ein Muster aus kleinem Kopf, gestörter Hirnentwicklung, Augen- und Hörschäden, Kontrakturen, erhöhtem Muskeltonus, Krampfanfällen und Trinkschwäche. Nicht jedes betroffene Kind trägt alle Merkmale. Manche Kinder wirken bei der Geburt unauffällig und entwickeln später Mikrozephalie oder Sehprobleme.
Die CDC wertete das US-Register der Jahre 2015 bis 2018 aus. Unter Frauen mit bestätigter oder möglicher Infektion in der Schwangerschaft hatten etwa fünf Prozent der Kinder zikaassoziierte Fehlbildungen. Bei nachgewiesener Infektion im ersten Drittel lag der Anteil bei rund acht Prozent. Symptomatische Mütter lagen bei 5,3 Prozent, symptomfreie bei 4,2 Prozent. Das Risiko ist also im ersten und zweiten Drittel höher, verschwindet aber nicht, wenn die Mutter nichts spürt. Die WHO nennt in ihrem aktuellen Factsheet fünf bis fünfzehn Prozent zikabezogene Komplikationen und stützt sich dabei unter anderem auf eine individuelle Metaanalyse von 2025. Die Spannen unterscheiden sich, weil Register und Studien andere Falldefinitionen und Nachbeobachtungen nutzen. Beide Quellen widersprechen der älteren Vorstellung, fast jedes exponierte Kind sei schwer betroffen.
Eine durchgemachte Infektion vor der Schwangerschaft gefährdet spätere Schwangerschaften nach CDC-Angaben nicht. Wie bei verwandten Flaviviren gilt eine durchgemachte Ansteckung als wahrscheinlich schützend gegen eine erneute Infektion mit demselben Virus. Das ersetzt keinen Mückenschutz in einem Ausbruchsgebiet, weil Dengue und andere Erreger weiter zirkulieren.
Bei laborbestätigter Infektion der Schwangeren erwägt die CDC serielle Ultraschalluntersuchungen etwa alle drei bis vier Wochen, mit Blick auf Hirnanatomie und Wachstum. Eine Fruchtwasseruntersuchung auf virale Nukleinsäure ist individuell zu besprechen, frühestens nach vollendeter fünfzehnter Woche, und die Vorhersagekraft für das Kind bleibt unsicher. Lebendgeborene Kinder brauchen eine körperliche Untersuchung, Hörscreening und entwicklungsbezogene Nachsorge, auch wenn der Kopfumfang zunächst normal ist.
Wann zum Arzt und welche Tests sinnvoll sind
Zum Arzt gehört, wer nach Aufenthalt in einem Gebiet mit aktueller oder früherer Übertragung Fieber, Ausschlag, gerötete Augen oder Gelenkschmerz bekommt. Dasselbe gilt nach Sex mit einer Person, die dort gelebt oder kürzlich gereist ist, und für jede Schwangere mit solcher Exposition. Neu aufgetretene Muskelschwäche, aufsteigende Lähmung, starke Kopfschmerzen mit Bewusstseinsänderung oder Blutungszeichen sind Gründe für die Notaufnahme.
Die Teststrategie hat sich gegenüber den Jahren 2016 und 2017 deutlich verschoben. Weil in den USA und ihren Territorien seit 2018 keine bestätigte Erkrankung mehr vorkam, rät die CDC (Stand November 2025) vom Routinetest bei symptomfreien Schwangeren nach rein inländischem Aufenthalt ab. Auch bei symptomfreien Nichtschwangeren wird nicht getestet. Ein Test zur Klärung, ob eine Schwangerschaft „sicher“ geplant werden darf, ist ausdrücklich nicht empfohlen.
Bleibt ein Test indiziert, ist der Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT) in Serum und oft Urin die erste Wahl, möglichst früh nach Symptombeginn. Ein positives Ergebnis gilt in der Regel als Beleg einer akuten Infektion, falsch positive Resultate kommen vor; die CDC verlangt bei manchen Konstellationen eine Wiederholung aus derselben Probe. IgM-Antikörper erscheinen gegen Ende der ersten Krankheitswoche und können Monate bis Jahre bleiben. Sie kreuzen mit Dengue- und Gelbfieberantikörpern. Neutralisationstests (PRNT) helfen bei der Unterscheidung, versagen aber nach früheren Flavivirus-Infektionen oder Impfungen oft. Bei Säuglingen lassen sich mütterliche Antikörper von kindlichen erst nach vielen Monaten trennen.
Praktisch heißt das: Reiseweg, Sexualanamnese und Schwangerschaftsstatus zuerst erzählen, dann den Test mit dem Gesundheitsamt abstimmen. Eigenes Bestellen eines Antikörper-Schnelltests aus dem Internet ersetzt diese Kette nicht.
Was die unterstützende Behandlung leisten kann
Spezifische Virostatika fehlen. Wer krank ist, ruht sich aus, trinkt ausreichend und behandelt Fieber und Schmerz mit Paracetamol, sofern keine Gegenanzeige besteht. Ibuprofen, andere nichtsteroidale Entzündungshemmer und Acetylsalicylsäure sollen nach CDC-Empfehlung vom Januar 2025 so lange unterbleiben, bis Dengue ausgeschlossen ist. Dengue kann zu Blutungen führen, und genau diese Mittel erhöhen das Risiko.
Solange die Diagnose zwischen Zika, Dengue und Chikungunya offen ist, behandelt man nach den Regeln für Dengue: Flüssigkeit, Überwachung auf Schockzeichen, keine voreiligen Entzündungshemmer. Antibiotika wirken nicht gegen das Virus. Kortison oder Immunglobuline gehören nicht zur Standardtherapie einer unkomplizierten Zika-Infektion. Schwangere mit Laborbeleg brauchen engmaschige geburtshilfliche Betreuung und eine geplante Untersuchung des Kindes nach der Geburt.
In den ersten Krankheitstagen soll sich die infizierte Person vor Mückenstichen schützen. Eine lokale Mücke, die in dieser Phase sticht, kann das Virus aufnehmen und in der Nachbarschaft weitertragen. Lange Kleidung, zugelassene Abwehrmittel und Fliegengitter sind dann keine reine Selbstfürsorge, sondern Infektionsschutz für andere.
Hausmittel ersetzen keine Diagnostik. Kühlende Umschläge können Juckreiz lindern, ändern aber nichts am Verlauf und nichts am Risiko für das Ungeborene. Nahrungsergänzungen mit behaupteter antiviraler Wirkung sind für Zika nicht belegt.
Schutz vor Mücken und sexueller Übertragung
Ohne Impfstoff bleibt die Vermeidung von Stichen und von ungeschütztem Sex der wirksame Schutz. Die WHO rät Schwangeren, Reisen in Gebiete mit Übertragung zu meiden, besonders während Ausbrüchen. Ein allgemeines Reise- oder Handelsverbot spricht sie nicht aus. Nationale Hinweise können strenger sein. Wer trotzdem fährt, trägt helle, bedeckende Kleidung, nutzt physikalische Barrieren an Fenstern und Türen und trägt Mittel mit DEET, IR3535 oder Icaridin nach Packungsanweisung auf. Wird Sonnenschutz gebraucht, kommt er zuerst auf die Haut, danach das Abwehrmittel. Schwangere dürfen solche Mittel laut Yellow Book verwenden, wenn sie der Kennzeichnung folgen. Kleinkinder und Schwangere sollen tagsüber unter einem Netz schlafen, falls sie ruhen, während die Mücken aktiv sind.
Kleine Wasseransammlungen an Blumentöpfen, Reifen und Vorratsbehältern sind Brutstätten. Sie leeren oder abdecken senkt die lokale Dichte. Nach der Rückkehr gelten drei Wochen Mückenschutz, unabhängig vom eigenen Wohlbefinden.
Für Sex gelten seit August 2018 kürzere Fristen als in der Leitlinie von 2016. Damals sollten Männer sechs Monate warten. Neue Daten zur Virusdauer im Samen führten zur Verkürzung.
| Situation | Frist für Kondom oder Enthaltsamkeit | Quelle |
|---|---|---|
| Mann nach Reise, Symptomen oder Diagnose | mindestens 3 Monate | CDC 2025, Yellow Book 2026 |
| Frau nach Reise, Symptomen oder Diagnose | mindestens 2 Monate | CDC 2025, WHO |
| Partner einer Schwangeren mit Expositionsrisiko | gesamte Schwangerschaft | CDC und WHO |
| Rückkehr in ein Gebiet mit Aedes-Mücken | 3 Wochen extra Mückenschutz | CDC und WHO |
Die Frist beginnt mit der Abreise aus dem Risikogebiet, auch ohne Symptome, oder mit Symptombeginn oder Diagnosedatum. Tests von Blut, Urin oder Samen, um das Sexualrisiko zu „freimessen“, rät die CDC ab. Ein negatives Blutresultat kann täuschen, weil das Virus im Samen länger bleibt. Die Ausscheidung im Samen schwankt. Kondome bei vaginalem, analem und oralem Verkehr sowie der Verzicht auf gemeinsames Sexspielzeug senken das Risiko. Wer ganz sichergehen will, verzichtet in der genannten Frist auf Sex.
Paare mit Kinderwunsch und Reise in ein Gebiet mit aktiver CDC-Reisewarnung sollen die Schwangerschaft nach denselben Fristen aufschieben. Bei älterer oder unsicherer Übertragungslage empfiehlt das Yellow Book eine gemeinsame Entscheidung mit der Ärztin oder dem Arzt. Alter, Fruchtbarkeit und genaue Expositionsdetails können die Wartezeit in beide Richtungen verschieben.
Wann Symptome zum Notfall werden
Die banale Zika-Erkrankung braucht selten die Klinik. Bestimmte Muster dürfen nicht abgewartet werden, weil sie auf Guillain-Barré, eine Hirn- oder Rückenmarkentzündung oder auf Dengue mit Blutungsneigung weisen können.
- Aufsteigende Schwäche in den Beinen, hängende Lidspalten oder Atemnot nach fieberhaftem Ausschlag gehören in die Notaufnahme.
- Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder plötzliche Sehstörungen nach Tropenreise brauchen dieselbe Dringlichkeit.
- Zahnfleischbluten, schwarzer Stuhl, starke Unterbauchschmerzen oder Kreislaufkollaps sprechen für Dengue oder eine andere schwere Arbovirose.
- Jede Schwangere mit Fieber oder Ausschlag nach möglicher Exposition braucht zeitnah Diagnostik, nicht erst nach dem Wochenende.
- Ein Kind mit auffällig kleinem Kopf, Trinkschwäche oder Krampfanfällen nach möglicher Zika-Exposition der Mutter braucht pädiatrische Abklärung.
Die CDC beschreibt schwere Hirn- und Rückenmarkentzündungen und Blutungsneigung als selten, aber möglich. Wer solche Zeichen hat, wartet nicht auf einen Hausarzttermin in drei Tagen. Umgekehrt rechtfertigt ein isolierter leichter Ausschlag ohne Risikokontakt keine Panik. Die Schwelle liegt in der Kombination aus Exposition, Schwangerschaft und neurologischen oder hämorrhagischen Zeichen.
Häufige Fragen
Kann man Zika zweimal bekommen?
Eine durchgemachte Infektion schützt nach CDC-Angaben wahrscheinlich vor einer erneuten Ansteckung mit demselben Virus. Das gilt nicht als Freibrief für ungeschützte Reisen, weil Dengue und andere Erreger dieselben Mücken nutzen. Kreuzschutz gegen verwandte Flaviviren ist unzuverlässig und kann die Diagnostik erschweren.
Gefährdet eine frühere Infektion spätere Schwangerschaften?
Nein. War die Frau zum Zeitpunkt der Infektion nicht schwanger, sieht die CDC kein erhöhtes Risiko für spätere Schwangerschaften. Neu ist nur eine Infektion, die in die aktuelle Schwangerschaft fällt. Dann gelten Überwachung und Kinderschutz unabhängig davon, ob die Mutter Symptome hatte.
Darf ich nach einer Reise in ein Risikogebiet stillen?
Ja, sofern keine andere medizinische Gegenanzeige besteht. Virusmaterial ist in Muttermilch gefunden worden, ein klarer Übertragungsweg über das Stillen fehlt. Das Yellow Book stellt den Nutzen des Stillens über das theoretische Risiko.
Hilft ein Bluttest, das Risiko einer sexuellen Übertragung zu klären?
Nein. Die CDC rät von solchen Freigabetests ab. Ein negatives Serum kann täuschen, weil infektiöses Virus im Samen länger nachweisbar war als im Blut. Die Wartezeiten mit Kondom oder Enthaltsamkeit bleiben die belastbarere Regel.
Sind Ibuprofen oder Aspirin bei Zika-Verdacht erlaubt?
Erst wenn Dengue ausgeschlossen ist. Bis dahin bleibt Paracetamol das Mittel der Wahl gegen Fieber und Schmerz, sofern es individuell verträglich ist. Die CDC begründet das Verbot mit dem Blutungsrisiko bei Dengue, das sich klinisch nicht sicher von Zika trennen lässt.
Soll ich als Schwangere in ein Zika-Gebiet reisen?
Die WHO rät Schwangeren, Übertragungsgebiete zu meiden, besonders bei Ausbrüchen. Wer die Reise trotzdem antritt, braucht konsequenten Mücken- und Sexschutz während der gesamten Schwangerschaft. Vor der Buchung gehört ein Gespräch mit der betreuenden Praxis, inklusive aktueller CDC-Reisehinweise.
Fazit
Die Proteinkarten von 2017 haben NS5 sichtbar gemacht und die Suche nach Hemmstoffen rationaler gemacht. Sie haben die klinische Lage nicht umgedreht. Impfstoff und Virostatikum fehlen 2025 und 2026 weiter, die Fallzahlen sind weltweit niedrig, und genau das bremst große Wirksamkeitsstudien.
Wer reist oder Sex mit einer kürzlich gereisten Person hat, schützt sich vor tagaktiven Aedes-Mücken und hält die Fristen von drei Monaten (Männer) und zwei Monaten (Frauen) ein. Schwangere meiden Ausbruchsgebiete. Fieber plus Ausschlag nach Tropenaufenthalt ist ein Arztanlass, kein Grund für Ibuprofen aus der Hausapotheke, solange Dengue im Raum steht.
Eine frühere Infektion außerhalb der Schwangerschaft belastet spätere Kinderwünsche nicht. Eine Infektion in der aktuellen Schwangerschaft schon: etwa jedes zwanzigste Kind im US-Register trug zikaassoziierte Fehlbildungen, im ersten Drittel mehr. Das ist der Kern, weil er sich seit 2018 nicht in eine Heilung, sondern in vorsichtigere Tests und kürzere Sexfristen übersetzt hat.
Quellen
- WHO: Zika virus fact sheet. World Health Organization, Stand: 2025.
- CDC: Treatment and Prevention of Zika Virus Disease. Centers for Disease Control and Prevention, 31. Januar 2025.
- Martin SW, Meaney-Delman D et al.: Zika | CDC Yellow Book. CDC Yellow Book 2026, 23. April 2025.
- CDC: Congenital Zika Syndrome and Other Birth Defects. Centers for Disease Control and Prevention, 31. Januar 2025.
- CDC: Clinical Testing and Diagnosis for Zika Virus Disease. Centers for Disease Control and Prevention, 19. November 2025.
- CDC: Sexual Transmission of Zika Virus. Centers for Disease Control and Prevention, 30. Januar 2025.
- Cleveland Clinic: Zika Virus: Causes, Symptoms, Treatment & Prevention. Cleveland Clinic, 9. Juni 2026.
- Feng Y: Recent advances in the study of zika virus structure, drug targets, and inhibitors. Frontiers in Pharmacology, 1. Juli 2024.
- Godoy AS et al.: Crystal structure of Zika virus NS5 RNA-dependent RNA polymerase. Nature Communications, 2017.
- WHO: Information for travellers visiting countries with Zika virus transmission. World Health Organization, Stand: 2024.
