
Ein Bluttest auf die Antikörper Anti-CdtB und Anti-Vinculin kann bei einem Teil der Menschen mit durchfallbetontem Reizdarmsyndrom einen Hinweis auf eine frühere Darminfektion liefern. Er beweist die Diagnose nicht und wird von der American Gastroenterological Association (AGA) seit 2019 ohne Empfehlung belassen, weil der klinische Nutzen unklar bleibt.
Die Mayo Clinic schreibt im Oktober 2024, es gebe keinen Test, der das Reizdarmsyndrom eindeutig feststellt. Der britische NHS wiederholt im März 2025 dieselbe Linie. Blut und Stuhl dienen dazu, andere Ursachen auszuschließen. Was 2015 als schneller Nachweis mit sehr hoher Treffsicherheit vorgestellt wurde, ist in der Versorgung ein Zusatzbefund mit begrenzter Sensitivität geblieben. Wer Bauchschmerz plus veränderten Stuhl hat, braucht zuerst eine Symptomdiagnose, gezielte Laborwerte und den Blick auf Warnzeichen.
Kann ein Bluttest IBS heute sicher nachweisen?
Nein. Weder die Mayo Clinic noch der NHS noch die AGA behandeln einen serologischen IBS-Test als sicheren Nachweis. Die Diagnose stützt sich auf ein typisches Beschwerdebild, die körperliche Untersuchung und wenige gezielte Untersuchungen, die gefährliche oder behandelbare Alternativen unwahrscheinlich machen.
Das US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) beschreibt das Muster als Bauchschmerz im Zusammenhang mit dem Stuhlgang plus Änderung der Häufigkeit oder der Stuhlform, mindestens einmal wöchentlich in den letzten drei Monaten, Beginn vor mindestens sechs Monaten. Die Cleveland Clinic schätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in den USA solche Beschwerden haben, aber nur 5 bis 7 Prozent eine förmliche Diagnose erhalten. Der Abstand erklärt sich nicht durch fehlende Labors, sondern durch den Charakter der Erkrankung. Es fehlt ein Gewebebefund, der IBS beweist, und normale Ergebnisse bedeuten nicht, dass die Beschwerden «eingebildet» wären.
Die American College of Gastroenterology (ACG) hat 2021 erstmals eine eigene Leitlinie vorgelegt und darin eine «positive» Diagnosestrategie vorgeschlagen. Gemeint sind typische Symptome, fehlende Alarmzeichen, begrenzte Labore und dann Therapie statt jahrelanger Ausschlusskaskaden. Das ist das Gegenteil eines einzelnen Blutwerts, der die Akte schließt. Ein kommerzieller Antikörpertest (unter Namen wie ibs-smart oder IBSchek) kann in ausgewählten Fällen zusätzlich eingeordnet werden. Er ersetzt die klinische Entscheidung nicht und ändert nach heutiger Datenlage die Therapie nicht zuverlässig.

Was die beiden Antikörper im Blut messen
Die beiden Antikörper zielen auf eine mögliche Folge einer bakteriellen Gastroenteritis, nicht auf «Reizdarm an sich». CdtB (Cytolethal Distending Toxin B) ist ein Giftstoff, den unter anderem Campylobacter, Salmonellen, bestimmte E.-coli-Stämme und Shigellen bilden. Im Tiermodell von Mark Pimentel und Kollegen kreuzreagierten Antikörper gegen CdtB mit dem körpereigenen Protein Vinculin, das an Zellkontakten und der Darmbewegung beteiligt ist.
Pimentel und Mitautoren prüften 2015 Plasma von 2375 Erwachsenen mit durchfallbetontem IBS aus der TARGET-3-Studie gegen 142 Menschen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED), 121 mit Zöliakie und 43 Gesunde, jeweils im Alter von 18 bis 65 Jahren. Beide Antikörpertiter lagen in der IBS-Gruppe höher. Die Fläche unter der ROC-Kurve gegen CED betrug 0,81 für Anti-CdtB und nur 0,62 für Anti-Vinculin. Das spricht für eine begrenzte Trennung gegenüber entzündlichen Darmerkrankungen, nicht für einen Allround-Test.
Zwei Grenzen folgen direkt aus dem Mechanismus. Der Test kann höchstens den Anteil erfassen, der nach einer Infektion entstanden ist. Verstopfungsbetontes IBS, hormonell getriggerte Schübe oder eine reine Störung der Darm-Hirn-Achse ohne Infektvorgeschichte bleiben unsichtbar. Zweitens lagen die Anti-CdtB-Werte auch bei Zöliakie höher als bei Gesunden. Die Autoren selbst schrieben, die Spezifität gegen Zöliakie sei schwächer und ein paralleler Test auf Gewebetransglutaminase (tTG) nötig.
Wie genau der Test wirklich ist
Die oft zitierte «hohe Genauigkeit» meint vor allem die Spezifität, nicht die Fähigkeit, die meisten Betroffenen zu finden. In der Pimentel-Arbeit von 2015 lag die Spezifität von Anti-CdtB gegen CED bei 91,6 Prozent, die Sensitivität aber nur bei 43,7 Prozent (Schwelle optische Dichte mindestens 2,80). Anti-Vinculin erreichte 83,8 Prozent Spezifität und 32,6 Prozent Sensitivität (Schwelle 1,68). Ein negativer Befund schließt IBS also in der Mehrzahl der Fälle nicht aus.
Nicholas Talley und Kollegen prüften die Marker 2019 in australischen Bevölkerungs- und Ambulanzkohorten unabhängig nach. Die beiden Marker trennten dort IBS mit Durchfall nicht zuverlässig von organischen Magen-Darm-Erkrankungen. Höhere Anti-CdtB-Werte fanden sie eher bei funktioneller Dyspepsie und bei Überlappung von Reizdarm und Dyspepsie gegenüber Gesunden. Sie schlossen, die diagnostische Nutzbarkeit reiche derzeit nicht, um die Praxis zu steuern.
| Marker oder Strategie | Was ein auffälliger Wert bedeutet | Typische Leistungszahl | Quelle |
|---|---|---|---|
| Anti-CdtB (Plasma) | Kann postinfektiöses Durchfall-IBS gegenüber CED wahrscheinlicher machen | Spezifität 91,6 %, Sensitivität 43,7 % | Pimentel 2015 |
| Anti-Vinculin (Plasma) | Ähnlicher Hinweis, schwächere Trennung | Spezifität 83,8 %, Sensitivität 32,6 % | Pimentel 2015 |
| Unabhängige Prüfung beider Marker | Trennt IBS-D in Australien nicht von organischer Krankheit | Keine Bestätigung der Trennschärfe | Talley 2019 |
| Fäkales Calprotectin (Schwelle 50 µg/g) | Spricht für Darmentzündung, etwa aktive CED | Gepoolte Sensitivität 0,81, Spezifität 0,87 | AGA 2019 |
| tTG-IgA im Blut | Weist auf Zöliakie, nicht auf IBS | Standard-Suchtest bei chronischem Durchfall | AGA 2019, NICE |
Ein positiver Antikörperwert kann also die These «organische Entzündung unwahrscheinlich, postinfektiöses IBS möglich» stützen, wenn die Klinik passt. Er darf keine Koloskopie ersetzen, wenn Alarmzeichen vorliegen, und er darf eine Zöliakie-Abklärung nicht überspringen. Wer beide Antikörper negativ hat und trotzdem klassische Rom-Beschwerden zeigt, bleibt ein typischer IBS-Fall.
Was Leitlinien seit 2019 empfehlen
Aktuelle Leitlinien setzen auf Symptomkriterien plus wenige, gut begründete Labore, nicht auf den CdtB-Vinculin-Test. Die AGA formulierte 2019 für immunkompetente Erwachsene mit wässrigem Durchfall von mindestens vier Wochen ausdrücklich keine Empfehlung für die verfügbaren serologischen IBS-Tests, begründet mit einer Wissenslücke. Dieselbe Leitlinie empfiehlt fäkales Calprotectin oder Lactoferrin zum CED-Screening, einen Test auf Giardia, die Zöliakie-Serologie mit tTG-IgA plus einem zweiten Test bei IgA-Mangel und erwägt eine Abklärung auf Gallensäureverlust-Durchfall.
Gegen alleinige Entzündungswerte im Blut (Blutsenkung oder C-reaktives Protein) spricht die AGA beim CED-Screening, weil der Stuhlmarker den Darm gezielter abbildet. NICE bleibt in der 2017 aktualisierten Primärversorgungslinie bei Blutbild, Blutsenkung oder Plasmaviskosität, CRP und Zöliakie-Antikörpern (EMA oder tTG). Die britische Leitlinie nennt Koloskopie, Sigmoidoskopie, Schilddrüsenwerte, Stuhl auf Würmer und Parasiten sowie Wasserstoff-Atemtests bei erfüllten IBS-Kriterien und fehlenden Alarmzeichen als nicht nötig zur Bestätigung.
ACG 2021 schließt die Lücke zwischen beiden Welten. Sie rät zu einer positiven Diagnosestrategie, damit die Therapie nicht hinter endlosen Ausschlussrunden zurückbleibt, und schlägt bei Durchfall-Symptomen Zöliakie-Serologie sowie fäkales Calprotectin vor. Den CdtB-Vinculin-Test führt sie nicht als Routinewerkzeug. Der Widerspruch zwischen NICE (CRP/BSG ja) und AGA (CRP/BSG zum CED-Screening eher nein) löst sich praktisch damit, dass der Stuhlmarker Vorrang hat, wenn er verfügbar ist. Blutbild und Zöliakie-Antikörper bleiben in beiden Systemen sinnvoll.
Welche Labore zur Abklärung gehören
Zur Abklärung gehören Blutbild, Zöliakie-Antikörper und bei Durchfall ein Stuhlmarker für Entzündung, nicht der IBS-Antikörpertest als Erstlinie. MedlinePlus beschreibt Calprotectin als Protein aus neutrophilen Granulozyten. Hohe Werte zeigen, dass der Darm entzündet ist. Niedrige Werte machen eine aktive CED unwahrscheinlich und können eine Darmspiegelung entbehrlich machen, wenn die Klinik unauffällig bleibt.
Die AGA nannte 2019 für Calprotectin die Schwelle 50 Mikrogramm pro Gramm Stuhl, um die Sensitivität zu halten. In den ausgewerteten Studien lag die gepoolte Sensitivität für CED bei 0,81, die Spezifität bei 0,87. Höhere Schwellen zwischen 100 und 164 Mikrogramm senkten die Sensitivität deutlich, ohne die Spezifität nennenswert zu heben. NSAID und Protonenpumpenhemmer können Calprotectin anheben; vor dem Absetzen eines Präparats gehört das Gespräch in die Praxis.
NICE verlangt bei erfüllten Symptomkriterien ein Blutbild, einen Entzündungswert im Blut und den Zöliakie-Antikörper. Das fängt Eisenmangelanämie, grobe systemische Entzündung und eine häufig übersehene Zöliakie ein. Der NHS fasst das für Patientinnen und Patienten als Blut auf Zöliakie, Stuhl auf Infekte und CED sowie weitere Kliniktests nur dann zusammen, wenn die Hausarztpraxis unsicher bleibt. Ein Atemtest auf bakterielle Fehlbesiedlung oder Laktoseintoleranz bleibt Einzelfallentscheidung, etwa nach Darmoperation oder bei bekanntem Diabetes, wie die Mayo Clinic schreibt.
Wann zur Ärztin, wann zur Koloskopie
Zur Ärztin oder zum Arzt gehört, wer Bauchschmerz mit Stuhländerung über Wochen hat; zur Koloskopie, wer Alarmzeichen zeigt oder die Ersttherapie scheitert. Die Mayo Clinic listet als Warnsignale Beginn nach dem 50. Lebensjahr, ungewollten Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber, wiederholtes Erbrechen, nächtlichen Durchfall, Schmerzen unabhängig vom Stuhl oder nachts sowie Eisenmangelanämie.
NICE verlangt seit 2017 bei möglichen IBS-Beschwerden die Prüfung auf Krebszeichen nach der Leitlinie zum Krebsverdacht und auf Entzündungsmarker, die eine CED nahelegen. Fehlen diese Zeichen und passen die Symptomkriterien, ist die Darmspiegelung zur bloßen IBS-Bestätigung nicht vorgesehen. Umgekehrt sind neue, feste Schmerzen an immer derselben Stelle, Blut oder ein Eisenmangel keine «typische Reizdarmnacht».
- Beginn nach dem 50. Lebensjahr oder Blut im Stuhl macht eine Spiegelung wahrscheinlicher als einen Antikörpertest.
- Ungewollter Gewichtsverlust und Eisenmangelanämie gehören in die rasche Abklärung, nicht in die Selbstzuordnung als Reizdarm.
- Nächtlicher Durchfall, Fieber oder Erbrechen sprechen gegen eine reine Funktionsstörung und brauchen zeitnah eine Praxis.
- Familiäre CED, Zöliakie oder Darmkrebs senken die Schwelle für Bildgebung und Endoskopie auch bei sonst typischen Krämpfen.
- Bleibt die Erstbehandlung wirkungslos, prüft die Gastroenterologie erneut, statt den negativen Bluttest als Schlussstrich zu nehmen.
Ein Symptomtagebuch über zwei bis vier Wochen hilft der Praxis mehr als ein selbst bestellter Spezialtest. Zeitpunkt der Schmerzen, Stuhlform nach der Bristol-Skala, Nachtschübe, Fieber, Blut und ein möglicher Infekt vor dem Beginn der Beschwerden gehören hinein. NICE erinnert außerdem, dass etwa jede fünfte betroffene Person Stuhlverlust nur nennt, wenn gezielt danach gefragt wird.
Postinfektiöses IBS nach Gastroenteritis
Nach einer infektiösen Enteritis entwickelt ein relevanter Anteil später ein Reizdarmsyndrom; genau diese Gruppe meint der Antikörpertest. Die Metaanalyse von Klem und Kollegen an der Mayo Clinic (2017) wertete 45 Kohorten mit 21 421 Infizierten aus. Die gepoolte Prävalenz lag zwölf Monate nach der Enteritis bei 10,1 Prozent und danach bei 14,5 Prozent. Das Risiko, innerhalb eines Jahres IBS zu entwickeln, war 4,2-fach höher als ohne Infekt, später noch 2,3-fach.
Frauen, schwere Erstinfekte, Antibiotika während der Enteritis sowie Angst und Depression hingen mit einem höheren Risiko zusammen. Nach protozoischen Infekten lag die spätere IBS-Rate höher als nach bakteriellen. Der biologische Pfad (CdtB, Kreuzreaktion mit Vinculin, mögliche Schädigung der Cajal-Zellen) erklärt, warum ein Bluttest theoretisch Sinn ergibt. Er erklärt zugleich, warum er bei Verstopfung ohne Infektvorgeschichte leerläuft.
Wer nach einer Reise-Diarrhö oder einer laborbestätigten Salmonellen- oder Campylobacter-Infektion monatelang Durchfall und krampfartigen Schmerz behält, kann die Frage nach postinfektiösem IBS in der Sprechstunde stellen. Ein positives Anti-CdtB macht die These plausibler. Es ändert die Basisregeln nicht. Zöliakie und Entzündung bleiben ausgeschlossen, und die Behandlung richtet sich nach dem vorherrschenden Stuhltyp, nicht nach dem Antikörpertiter.
Untertypen IBS-D, IBS-C und gemischter Verlauf
Der Antikörpertest ist für durchfallbetontes IBS entwickelt worden, nicht für Verstopfung als Leitbild. Die Cleveland Clinic teilt die Erkrankung nach den Tagen mit auffälligem Stuhl ein, nämlich hart und klumpig (IBS-C), locker und wässrig (IBS-D) oder beides im Wechsel (IBS-M). An ruhigen Tagen kann der Stuhl unauffällig sein. Die Einteilung steuert Medikamente und Diätversuche, weshalb ein falsch generalisierter «IBS-Bluttest» in die Irre führt.
Pimentel 2015 rekrutierte gezielt die Durchfallgruppe nach älteren Rom-III-Kriterien. Rom IV verlangt seit 2016 Schmerz an mindestens einem Tag pro Woche und hat den unscharfen Begriff «Unwohlsein» gestrichen; dadurch erfüllen weniger Menschen die formale Definition. Für den Alltag der Hausarztpraxis bleibt NICE großzügiger und nennt Schmerz oder Unwohlsein, der sich mit dem Stuhl ändert, plus wenigstens zwei von vier Begleitzeichen (veränderte Stuhlpassage, Blähbauch, Verschlechterung nach dem Essen, Schleim).
Bei Verstopfung ohne Infektgeschichte bringt Anti-CdtB wenig. Hier zählen Ballaststoffart, Trinkmenge, Beweglichkeit und, falls nötig, osmotische Laxanzien; NICE rät von Lactulose ab und nennt Loperamid als erste Wahl bei Durchfall. Die ACG empfiehlt bei globalen IBS-C-Beschwerden Chloridkanal- und Guanylatcyclase-Aktivatoren und bei IBS-D unter anderem Rifaximin. Das sind Therapieentscheidungen nach Subtyp, keine Laborampel.
Was der Antikörpertest nicht ersetzt
Der Test ersetzt weder die Anamnese noch Calprotectin, Zöliakie-Serologie oder die Entscheidung zur Endoskopie. Er ändert auch nicht die Tatsache, dass IBS die Darmschleimhaut nicht zerstört und das Dickdarmkrebsrisiko nicht erhöht, wie die Cleveland Clinic festhält. Ein hoher Titer macht aus Funktionsbeschwerden keine CED, und ein niedriger Titer macht aus Blut im Stuhl keinen «harmlosen Reizdarm».
Kommerzielle Anbieter werben mit dem Versprechen, Betroffene könnten «direkt in die Therapie». Leitlinien widersprechen dem in der Sache. Therapie beginnt, wenn die Symptomkriterien erfüllt sind, Alarmzeichen fehlen und die Basislabore unauffällig sind. Dafür braucht es keinen teuren Zusatzmarker. Hilfreich bleibt der Test höchstens, wenn die Frage lautet, ob ein durchfallbetontes Bild nach Infekt biologisch plausibel ist, und wenn das Ergebnis die Kommunikation entlastet, ohne weitere Schritte zu blockieren.
Wer den Test dennoch machen lässt, sollte das Ergebnis mit der Praxis lesen, die auch Calprotectin und tTG anfordert. Ein isolierter Versandwert ohne Klinik bleibt ein Bruchstück. Talley 2019 hat gezeigt, dass derselbe Marker in einer anderen Bevölkerung anders ausfällt. Das ist bei Antikörpern mit Infekthintergrund erwartbar, weil die Durchseuchung mit CdtB-bildenden Keimen nicht überall gleich ist.
Häufige Fragen
Kann ich Reizdarm mit einem Bluttest beweisen?
Nein. Mayo Clinic und NHS stellen klar, dass es keinen beweisenden IBS-Test gibt. Die CdtB- und Vinculin-Antikörper können höchstens einen postinfektiösen Durchfall-Subtyp stützen. Die Diagnose bleibt eine klinische, gestützt auf Symptomdauer, Stuhlbild und den Ausschluss weniger wichtiger Alternativen.
Was bedeutet ein positives Anti-CdtB-Ergebnis?
Es macht ein durchfallbetontes, möglicherweise postinfektiöses IBS gegenüber einer aktiven CED wahrscheinlicher, sofern die Klinik passt. In der Originalarbeit lag die Spezifität gegen CED über 90 Prozent, die Sensitivität aber unter 50 Prozent. Zöliakie muss trotzdem serologisch geprüft werden, weil Anti-CdtB dort ebenfalls erhöht sein kann.
Was bedeutet ein negatives Ergebnis?
Ein negativer Test schließt IBS nicht aus. Mehr als die Hälfte der Betroffenen in der Pimentel-Kohorte lag unter der gewählten CdtB-Schwelle. Talley fand 2019 ohnehin keine ausreichende Trennschärfe gegen organische Krankheiten. Die weitere Abklärung folgt dann den Leitlinien, nicht dem Laborzettel.
Brauche ich eine Darmspiegelung, wenn der Bluttest unauffällig ist?
Nicht automatisch. NICE hält Koloskopie und Sigmoidoskopie bei erfüllten IBS-Kriterien und fehlenden Alarmzeichen für unnötig zur Bestätigung. Blut, Eisenmangel, Gewichtsverlust, Beginn nach 50 Jahren oder ein auffälliges Calprotectin kippen diese Zurückhaltung. Der Antikörperwert allein steuert die Endoskopie nicht.
Unterscheidet Calprotectin zuverlässiger zwischen IBS und CED?
Ja, für die Frage «Ist der Darm entzündet?» ist Calprotectin der Leitlinienmarker. MedlinePlus und die AGA 2019 nutzen ihn, um CED von nichtentzündlichem Reizdarm zu trennen. Ein niedriger Wert macht aktive Entzündung unwahrscheinlich; ein hoher Wert erklärt nicht die Ursache und kann eine Spiegelung nach sich ziehen.
Wann sollte ich trotz «typischem Reizdarm» nicht zuwarten?
Sofort zur Praxis oder in die Notaufnahme gehören Blut im Stuhl, schwarzer Teerstuhl, Fieber mit heftigem Durchfall, anhaltendes Erbrechen und rascher ungewollter Gewichtsverlust. Nächtlicher Durchfall und Eisenmangel gehören in die zeitnahe Sprechstunde. Neue Beschwerden nach dem 50. Lebensjahr sind kein Anlass für Selbsttests per Versand.
Fazit
Der 2015 vorgestellte Bluttest hat eine biologisch interessante Spur gelegt. Nach manchen bakteriellen Darminfekten können Antikörper gegen CdtB und Vinculin steigen. Das macht aus IBS keine «eingebildete» Störung. Es macht aus dem Test aber auch keinen Ersatz für die Diagnose, die Mayo Clinic, NHS, NICE, AGA und ACG beschreiben.
Für den nächsten Arztbesuch reicht ein nüchternes Paket. Symptomdauer und Stuhlform notieren, Alarmzeichen ernst nehmen, Blutbild und Zöliakie-Antikörper einplanen, bei Durchfall Calprotectin statt eines teuren IBS-Antikörpers als ersten Stuhlmarker wählen. Wer nach einer nachgewiesenen Gastroenteritis monatelang Durchfall behält, kann Anti-CdtB als Zusatzfrage stellen. Ein negatives Ergebnis darf die Behandlung typischer Beschwerden nicht aufhalten.
Therapie bleibt symptombezogen und umfasst lösliche Ballaststoffe statt Kleie, Loperamid bei Durchfall, angepasste Flüssigkeit und Bewegung, bei Bedarf einen begrenzten Low-FODMAP-Versuch unter fachkundiger Beratung. Der Antikörpertiter steuert keines dieser Mittel. Wer Warnzeichen hat, braucht Abklärung, nicht Beruhigung durch einen Laborwert.
Quellen
- Mayo Clinic: Irritable bowel syndrome – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 11. Oktober 2024.
- NHS: Getting diagnosed with IBS (irritable bowel syndrome). National Health Service, 17. März 2025.
- Smalley W, Falck-Ytter C et al.: Laboratory evaluation of functional diarrhea and diarrhea-predominant irritable bowel syndrome in adults (IBS-D). American Gastroenterological Association, 11. Juli 2019.
- Pimentel M, Morales W et al.: Development and Validation of a Biomarker for Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome in Human Subjects. PLOS ONE, 13. Mai 2015.
- NICE: Recommendations | Irritable bowel syndrome in adults: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2017.
- NIDDK: Diagnosis of Irritable Bowel Syndrome. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: November 2017.
- Cleveland Clinic: Irritable Bowel Syndrome (IBS). Cleveland Clinic, 16. November 2023.
- Talley NJ, Holtmann G et al.: Circulating Anti-cytolethal Distending Toxin B and Anti-vinculin Antibodies as Biomarkers in Community and Healthcare Populations With Functional Dyspepsia and Irritable Bowel Syndrome. Clinical and Translational Gastroenterology, 24. Juli 2019.
- Klem F, Wadhwa A et al.: Prevalence, Risk Factors, and Outcomes of Irritable Bowel Syndrome After Infectious Enteritis: A Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2017.
- MedlinePlus: Calprotectin Stool Test. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2023.
