
Die saisonale Grippeimpfung gilt nach jahrzehntelanger Überwachung als sicher. Schwere Reaktionen sind selten; die meisten Beschwerden bleiben lokal und klingen in wenigen Tagen von selbst ab.
Sie kann eine echte Infektion nicht auslösen. Inaktivierte und rekombinante Spritzen enthalten kein vermehrungsfähiges Virus. Das Nasenspray nutzt stark abgeschwächte Erreger, die in den oberen Atemwegen keine typische Grippe erzeugen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt jährlich rund eine Milliarde Infektionen und 290.000 bis 650.000 Todesfälle durch Atemwegskomplikationen. Für fast alle Menschen ab sechs Monaten ohne Kontraindikation bleibt die jährliche Impfung der wirksamste Schutz vor schweren Verläufen.
Ältere Ratgeber von 2018 beschrieben oft Vierfachimpfstoffe, Extrawege bei Eiallergie und ein Nasenspray, das zeitweise nicht empfohlen wurde. Aktuelle US-Empfehlungen haben das geändert. Seit der Saison 2024/25 sind die verfügbaren Stoffe wieder dreifach, weil die Linie B/Yamagata nicht mehr zirkuliert. Eiallergie jeder Schwere braucht seit 2023/24 keine Sonderüberwachung mehr. Das Nasenspray ist für geeignete Personen zwischen 2 und 49 Jahren wieder eine normale Option.
Kann die Grippeimpfung eine Grippe auslösen?
Nein. Weder die Spritze noch das Nasenspray können eine echte Influenza erzeugen. Die Mayo Clinic (Stand 24. Oktober 2025) nennt dafür mehrere Gründe, warum sich jemand trotzdem grippeähnlich fühlen kann.
Totimpfstoffe und rekombinante Präparate enthalten abgetötete Viren oder nur das Oberflächenprotein Hämagglutinin. Sie vermehren sich nicht. Das Nasenspray enthält Lebendviren, die so abgeschwächt sind, dass sie in der Nase bleiben und keine klassische Grippe machen. Fieber, Gliederschmerzen oder Abgeschlagenheit in den ersten ein bis zwei Tagen sind oft die Antwort des Immunsystems, während Antikörper entstehen. Das ist keine Infektion. Wer sich nach der Spritze einen Tag schlapp fühlt, verwechselt das leicht mit der Krankheit selbst, weil die Beschwerden sich ähneln.
Zwei weitere Erklärungen verwechseln viele mit Impfversagen. Der Schutz braucht bis zu zwei Wochen. Wer sich kurz vorher oder in diesem Fenster ansteckt, kann trotzdem erkranken. Zirkulierende Viren weichen manches Jahr vom Impfstoff ab; dann fällt der Schutz gegen genau diese Variante schwächer aus, ohne dass die Impfung nutzlos wird. Viele andere Erreger, darunter SARS-CoV-2 und Erkältungsviren, erzeugen ähnliche Symptome. Die Mayo Clinic sieht in den vorliegenden Daten keinen Hinweis, dass die Impfung andere Atemwegsinfekte wahrscheinlicher macht.

Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Die häufigsten Reaktionen bleiben mild und gehen ohne Behandlung in wenigen Tagen vorbei. Viele Geimpfte merken gar nichts. Die US-Seuchenbehörde CDC listet für Spritzen vor allem Schmerz, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle sowie Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerz und Müdigkeit.
Diese Lokalreaktionen können den Arm für ein, zwei Tage unangenehm machen, schränken den Alltag aber selten länger ein. Systemische Beschwerden treten häufiger bei Menschen auf, die die Impfstoffantigene zum ersten Mal sehen, also vor allem bei kleinen Kindern. Ein Cochrane-Review von 2018 zu gesunden Erwachsenen fand nach inaktivierter Impfung etwas mehr Fieber (von 1,5 auf 2,3 Prozent) und keine Häufung schwerer Ereignisse in den ausgewerteten Vergleichsstudien.
Nach dem Nasenspray stehen andere Beschwerden im Vordergrund.
- Bei Kindern treten oft Schnupfen oder verstopfte Nase auf, manchmal leichtes Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen oder Muskelschmerzen.
- Erwachsene berichten häufiger über Schnupfen, Kopfschmerz, Halsschmerzen oder Husten als nach einem Placebospray.
- In einer Studie an 8352 Kindern zwischen 6 und 59 Monaten keuchten Jüngere unter zwei Jahren nach dem Nasenspray etwas öfter; für diese Altersgruppe ist der Lebendstoff ohnehin nicht zugelassen.
Wer am selben Tag andere Totimpfstoffe bekommt, etwa gegen Pneumokokken oder Keuchhusten, kann bei Kleinkindern zwischen 6 und 23 Monaten ein etwas höheres Risiko für Fieberkrämpfe haben. Die CDC beschreibt das absolute Risiko als klein. Eltern sollten der Praxis trotzdem sagen, wenn das Kind früher schon einen Fieberkrampf hatte.
Wann zum Arzt nach der Grippeimpfung?
Leichte Rötung, Druckschmerz oder ein Tag subfebriler Temperaturen brauchen keinen Notfalltermin. Rufen Sie den Rettungsdienst, wenn binnen Minuten oder Stunden Nesselsucht, Schwellung von Gesicht oder Hals, Atemnot, rasender Puls, Schwindel oder ausgeprägte Schwäche auftreten.
Solche Zeichen können auf eine Anaphylaxie hinweisen. Sie ist nach der Grippeimpfung selten, aber lebensbedrohlich. Die CDC rät in dem Fall, den Notruf zu wählen und die nächste Notaufnahme anzusteuern, auch wenn die Person die Praxis schon verlassen hat. Impfstellen sollen Personal und Material bereithalten, um allergische Reaktionen sofort zu erkennen und zu behandeln.
| Zeichen | Dringlichkeit | Typische Zeit |
|---|---|---|
| Schmerz oder Rötung am Arm, leichtes Fieber | Abwarten und kühlen, Hausarzt bei mehr als drei Tagen | Stunden bis zwei Tage |
| Nesselsucht, Gesichtsschwellung, Atemnot, Kreislaufschwäche | Sofort Notarzt | Minuten bis wenige Stunden |
| Steigende Lähmung, Kribbeln in Beinen, Atemschwäche | Notfall, Verdacht auf GBS | Tage bis Wochen |
| Fieberkrampf beim Kleinkind | Arzt oder Notaufnahme, je nach Dauer und Zustand | Meist am Impftag oder Folgetag |
| Mittelstarke oder schwere akute Krankheit mit Fieber | Impfung verschieben, sobald es besser geht | Vor der geplanten Impfung |
Eine mittelschwere oder schwere akute Erkrankung mit oder ohne Fieber ist ein Vorsichtsgrund, nicht ein lebenslanges Verbot. Wer gerade aus dem Krankenhaus entlassen wird und wieder stabil ist, kann nach CDC-Angaben geimpft werden. Ein leichter Schnupfen allein hält die Spritze in der Regel nicht auf. Ob der Termin verschoben werden sollte, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt vor Ort.
Wie hoch ist das Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom?
Ein erhöhtes Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom nach der saisonalen Totimpfung ist, wenn es in einer Saison überhaupt sichtbar wird, sehr klein. Die CDC beziffert es auf etwa ein bis zwei zusätzliche Fälle je einer Million verabreichter Dosen.
GBS ist eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem periphere Nerven angreift. Es kann Muskelschwäche bis zur Lähmung verursachen, selten Atemversagen. In den USA erkranken unabhängig von Impfungen jährlich etwa 3000 bis 6000 Menschen, also rund ein bis zwei von 100.000. Etwa zwei Drittel hatten Tage oder Wochen zuvor Durchfall oder eine Atemwegsinfektion. Campylobacter jejuni, echte Grippe, Zytomegalie und Epstein-Barr-Viren gehören zu den bekannten Auslösern.
Die Datenlage zur saisonalen Impfung schwankt von Jahr zu Jahr. In den meisten Saisons fand die Sicherheitsüberwachung keinen Anstieg. Wo ein Signal auftauchte, blieb es im genannten Bereich von ein bis zwei Extrafällen je Million. Mehrere Auswertungen zeigen, dass eine durchgemachte Grippe das GBS-Risiko stärker erhöht als die Impfung. Ein GBS binnen sechs Wochen nach einer früheren Grippeimpfung gilt für alle aktuellen Präparate als Vorsichtsgrund. Dann wägen Praxis und Patient Nutzen und Risiko einzeln ab, besonders wenn ein hohes Risiko für schwere Grippe besteht.
Wer sollte die Grippeimpfung bekommen, wer nicht?
Empfohlen ist die jährliche Impfung für alle Menschen ab sechs Monaten, sofern keine Kontraindikation vorliegt. Besonders sinnvoll ist sie für Gruppen, die häufiger in die Klinik müssen oder sterben, wenn sie sich anstecken.
Dazu zählen nach CDC und WHO Schwangere, Kinder unter fünf Jahren, Menschen ab 65 Jahren, Personen mit chronischen Herz-, Lungen-, Nieren-, Stoffwechsel- oder neurologischen Krankheiten sowie Menschen mit geschwächter Abwehr. Auch Pflege- und Gesundheitspersonal gehört zur Zielgruppe, weil es Viren in verletzliche Gruppen tragen kann. Ab 65 Jahren bevorzugen die US-Berater einen Hochdosis-, Adjuvans- oder rekombinanten Impfstoff, weil die Daten dort auf einen stärkeren Nutzen gegenüber der Standarddosis deuten. Fehlt genau dieser Stoff am Impftag, soll jeder andere altersgerechte Impfstoff gegeben werden statt zu warten.
Absolute Gründe gegen einen bestimmten Stoff sind selten.
- Säuglinge unter sechs Monaten dürfen keinen der zugelassenen Grippeimpfstoffe bekommen.
- Eine schwere allergische Reaktion, etwa eine Anaphylaxie, auf denselben Impfstoff oder einen seiner Bestandteile (außer Eiweiß, siehe nächste Sektion) schließt diesen Stoff aus.
- Das Nasenspray entfällt bei Schwangerschaft, Immunsuppression, Alter unter 2 oder über 49 Jahren, bei Kindern von 2 bis 4 Jahren mit Asthma oder kürzlichem Keuchen, bei Salicylattherapie im Kindes- und Jugendalter sowie bei offenen Verbindungen zwischen Nasenrachen und Hirnwasser oder bei Cochlea-Implantat.
- Grippe-Virostatika in einem bestimmten Zeitfenster vor und nach dem Nasenspray können dessen Wirkung stören; dann ist die Spritze die bessere Wahl.
Wer nach einer früheren Grippeimpfung eine schwere Allergie hatte, braucht oft einen anderen Herstellungsweg und eine Impfstelle, die Anaphylaxie beherrscht. Ein Allergologe kann helfen, den auslösenden Bestandteil einzugrenzen. Organtransplantierte zwischen 18 und 64 Jahren unter Immunsuppressiva dürfen laut ACIP 2024 auch den Hochdosis- oder Adjuvansstoff erhalten, der formal erst ab 65 Jahren zugelassen ist; ein Zwang zu genau diesem Präparat besteht nicht.
Ist die Grippeimpfung bei Eiallergie sicher?
Ja. Menschen mit Eiallergie jeder Schwere sollen geimpft werden und dürfen jeden alters- und gesundheitsgerechten Impfstoff bekommen, auch ei-basierte Spritzen oder das Nasenspray.
Das steht im Gegensatz zu älteren Beipacktexten und zu Ratgebern von 2018, die bei schwerer Eiallergie oft eifreie Präparate oder eine Kliniküberwachung forderten. Die ACIP hat 2023 zwanzig Studien ausgewertet, davon dreizehn mit Personen, die zuvor schwer oder anaphylaktisch auf Ei reagiert hatten. In diesen Protokollen trat keine Anaphylaxie auf. Die Evidenzsicherheit nach GRADE war sehr niedrig, reichte den Beratern aber, Extra-Maßnahmen aufzugeben.
Seit der Saison 2023/24 gelten für Eiallergiker dieselben Sicherheitsregeln wie für jede andere Impfung. Eine spezielle Beobachtungsstation nur wegen Ei ist nicht mehr vorgesehen. Jede Impfstelle soll Allergien erkennen und behandeln können, unabhängig vom Ei-Status. Zellkultur- und rekombinante Impfstoffe bleiben eine Option, sind aber kein Muss mehr. Wer unsicher ist, weil der Beipackzettel Ei noch als Gegenanzeige nennt, kann die Ärztin oder den Arzt auf die aktuelle ACIP-Ausnahme hinweisen. Die Zulassungstexte hinken der Empfehlung hinterher. Eine frühere schwere Reaktion auf Ei allein rechtfertigt also weder Aufschub noch die Suche nach einem eifreien Sonderpräparat.

Ist die Grippeimpfung in der Schwangerschaft sicher?
Die inaktivierte oder rekombinante Impfung gilt in jeder Schwangerschaftswoche als sicher und wird ausdrücklich empfohlen. Das Nasenspray bleibt in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Schwangere tragen ein höheres Risiko für schwere Grippe, weil Herz, Lunge und Immunlage sich verändern. Antikörper der Mutter gelangen über die Plazenta zum Kind. Das kann Säuglinge in den ersten Lebensmonaten schützen, solange sie selbst noch zu jung für die Impfung sind. Die ACIP erlaubt deshalb im Juli und August eine Impfung im dritten Trimenon, damit das Neugeborene in die Grippesaison startet. Im ersten und zweiten Drittel ist Warten bis September oder Oktober sinnvoller, sofern der spätere Termin realistisch bleibt.
Ein systematisches Review von Wolfe und Kollegen in BMJ Open (2023) fand in Metaanalysen keine signifikante Verbindung zwischen saisonaler Impfung und Frühgeburt, Fehlgeburt oder zu kleinem Kind. Für Totgeburt, Fehlbildungen und schwere nichtgeburtshilfliche Ereignisse der Mutter zeigte keine der eingeschlossenen Studien ein erhöhtes Risiko. Die Autorinnen und Autoren stuften die Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig ein, weil Störfaktoren und Zeitfehler oft unzureichend kontrolliert waren.
Eine Kohorte der Vaccine Safety Datalink mit 82.055 Personen und zwei aufeinanderfolgenden Einlingsschwangerschaften (Getahun und Kollegen, 2024) verglich 44.879 doppelt Geimpfte mit 37.176 in beiden Schwangerschaften Ungeimpften. Die Impfung in beiden Schwangerschaften war nicht mit mehr Präeklampsie, vorzeitiger Plazentalösung, Fieber, Frühgeburt, vorzeitigem Blasensprung, Chorioamnionitis oder zu kleinem Kind verbunden. Abstand zwischen den Schwangerschaften und Impfstofftyp (drei- oder vierfach) änderten das Bild nicht. Stillende können jeden geeigneten Impfstoff bekommen, auch das Nasenspray, sofern keine andere Kontraindikation vorliegt.
Welche Grippeimpfstoffe gibt es heute?
Für die Saison 2025/26 sind in den USA alle verfügbaren saisonalen Grippeimpfstoffe wieder dreifach. Sie richten sich gegen ein A(H1N1)-Virus, ein A(H3N2)-Virus und ein B-Virus der Victoria-Linie. Die Yamagata-Linie von Influenza B zirkuliert nicht mehr, deshalb entfiel die vierte Komponente, die 2018 noch als Fortschritt galt.
Vier technische Wege stehen nebeneinander. Eibasierte Totimpfstoffe wachsen in Hühnereiern. Zellkulturbasierte Totimpfstoffe wachsen in Zelllinien und enthalten nur Spuren oder kein Ei. Rekombinante Impfstoffe entstehen ohne ganzes Influenzavirus in Insektenzellen; die US-Zulassung des rekombinanten Stoffs reicht seit März 2025 bereits ab neun Jahren. Hochdosis- und Adjuvanspräparate sollen bei älteren Erwachsenen eine kräftigere Immunantwort auslösen. Das Nasenspray bleibt ein Lebendimpfstoff für 2- bis 49-Jährige ohne die oben genannten Ausschlussgründe. Neu in den USA ist die Möglichkeit, das Spray unter bestimmten Bedingungen selbst oder durch eine Betreuungsperson zu geben; Kontraindikationen bleiben dieselben.
| Impfstofftyp | Typische Zielgruppe | Vermehrungsfähige Viren |
|---|---|---|
| Inaktivierter Standardstoff | Ab 6 Monaten | Nein |
| Hochdosis- oder Adjuvansstoff | Bevorzugt ab 65 Jahren | Nein |
| Rekombinanter Impfstoff | In den USA ab 9 Jahren | Nein |
| Nasenspray (Lebendimpfstoff) | 2 bis 49 Jahre ohne Ausschlussgrund | Ja, abgeschwächt |
Außer bei Menschen ab 65 Jahren nennt die ACIP keinen bevorzugten Stoff, solange Alter und Gesundheit passen. Kinder von 6 Monaten bis 8 Jahren brauchen zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen, wenn sie zuvor nicht mindestens zwei saisonale Dosen erhalten haben. Ab neun Jahren reicht eine Dosis pro Saison. Die übliche Menge der Spritze liegt bei 0,5 Millilitern intramuskulär; einzelne Präparate haben für Kleinkinder abweichende Volumina laut Zulassung. Im Juni 2025 empfahl die ACIP für Kinder, Schwangere und alle Erwachsenen nur noch thiomersalfreie Einzeldosen statt Mehrdosenflaschen mit Konservierungsmittel.
Welche Marke in Deutschland gerade lieferbar ist, entscheidet der lokale Impfplan und die Apotheke. Die technischen Unterschiede (Totimpfstoff, Hochdosis, Adjuvans, rekombinant, Nasenspray) bleiben dieselben Kategorien.
Wie gut schützt die Grippeimpfung wirklich?
Der Schutz schwankt von Saison zu Saison und verhindert weder jede Infektion noch jede leichte Erkrankung. Er senkt aber regelmäßig das Risiko für Arztbesuche, Klinikaufenthalte und schwere Verläufe.
Die Mayo Clinic fasst Auswertungen seit 2009 so zusammen, dass der Schutz zwischen etwa 22 und 56 Prozent lag. In absoluten Zahlen bedeutet das Millionen weniger Erkrankungen. Ein Cochrane-Review zu gesunden Erwachsenen (Evidenz bis Ende 2016, Update 2018) schätzte, dass inaktivierte Spritzen laborbestätigte Grippe von 2,3 auf 0,9 Prozent senken. 71 Gesunde müssten geimpft werden, um einen bestätigten Fall zu verhindern. Der Effekt auf grippeähnliche Beschwerden ohne Labornachweis war kleiner. Zu Klinikeinweisungen bei Gesunden blieb die Evidenz unsicher. Schwere unerwünschte Ereignisse häuften sich in den Vergleichsstudien nicht.
Aktuelle Beobachtungsnetze schließen die Lücke, die randomisierte Studien bei seltenen schweren Ausgängen lassen. Zwischen September 2025 und Februar 2026 lag die vorläufige Wirksamkeit in drei US-Netzen bei Kindern und Jugendlichen bei 38 bis 41 Prozent gegen ambulante Grippebesuche und bei 41 Prozent gegen grippebedingte Klinikaufenthalte. Bei Erwachsenen waren es 22 bis 34 Prozent ambulant und 30 Prozent gegen Hospitalisierung. Die Saison wurde von einem antigenisch abgewichenen A(H3N2)-Virus (Subclade K) geprägt; der Schutz fiel schwächer aus als in mehreren Vorjahren, blieb aber nachweisbar. Gegen Influenza B lagen die Schätzungen höher.
Selbst bei schlechter Übereinstimmung der Stämme bleibt ein Teilnutzen. Die Impfung kann den Verlauf abmildern, andere enthaltene Viren abdecken und die Weitergabe in Haushalt und Pflege senken. Bei älteren Menschen und Immunsupprimierten fällt die Antikörperantwort oft schwächer aus. Gerade deshalb raten Fachgesellschaften dort nicht zur Impfpause, sondern zu den höher dosierten oder adjuvantierten Optionen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Impfung?
Für die meisten Menschen, die nur eine Dosis brauchen, ist September oder Oktober der günstigste Monat. Danach soll weiter geimpft werden, solange Influenzaviren zirkulieren und der Stoff nicht abgelaufen ist.
Zu früh im Juli oder August ist für die meisten Erwachsenen, besonders ab 65 Jahren, ungünstig. Mehrere Beobachtungsstudien zeigen, dass der Schutz im Laufe einer Saison nachlässt. Wer im Hochsommer sticht, kann im Januar oder Februar, wenn die Welle oft gipfelt, schon wieder schwächer geschützt sein. Ausnahme bleibt die Sorge, später keinen Termin mehr zu bekommen. Kinder, die zwei Dosen brauchen, sollen die erste so früh wie möglich bekommen, damit die zweite mindestens vier Wochen später noch vor Ende Oktober liegt.
Schwangere im dritten Trimenon dürfen im Juli oder August geimpft werden, damit das Kind Antikörper mitbekommt. Im ersten und zweiten Drittel ist Warten bis zum Herbst vorzuziehen. Die Impfung einer Saison hält nicht zuverlässig bis zur nächsten. Antikörper sinken, und die Viruszusammensetzung ändert sich. Deshalb braucht es jedes Jahr eine neue Dosis, auch wenn die enthaltenen Stämme ähnlich wirken. Zwei Wochen nach der Spritze gilt der Schutz als aufgebaut. Wer im Winter noch ungeimpft ist, profitiert trotzdem, sobald die Viren noch unterwegs sind.
Häufige Fragen
Kann ich nach der Impfung trotzdem Grippe bekommen?
Ja. Der Stoff verhindert nicht jede Infektion, besonders wenn zirkulierende Viren vom Impfstoff abweichen. Er senkt aber das Risiko für schwere Verläufe und Klinikaufenthalte. Wer sich in den ersten zwei Wochen nach der Spritze ansteckt, war noch nicht vollständig geschützt.
Ist die Grippeimpfung bei Eiallergie gefährlich?
Nein. Seit der Saison 2023/24 braucht Eiallergie keinerlei Extra-Protokoll mehr. Jeder altersgerechte Impfstoff darf gegeben werden, unabhängig davon, wie schwer die frühere Reaktion auf Ei war. Die Impfstelle muss Allergien behandeln können, wie bei jeder anderen Impfung auch.
Darf ich in der Schwangerschaft geimpft werden?
Ja, mit Tot- oder rekombinantem Impfstoff in jedem Schwangerschaftsdrittel. Das Nasenspray entfällt. Große Kohorten und ein systematisches Review von 2023 fanden kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburt, Frühgeburt oder Fehlbildungen. Der Stoff kann das Neugeborene in den ersten Monaten zusätzlich schützen.
Warum brauche ich jedes Jahr eine neue Impfung?
Antikörper sinken über Monate, und Influenzaviren verändern sich. Jede Saison bekommt eine neue Antigenmischung. Eine Impfung vom Vorjahr reicht deshalb nicht, selbst wenn die Stämme ähnlich aussehen.
Was tun bei Fieber nach der Spritze?
Leichtes Fieber und Gliederschmerzen für ein bis zwei Tage sind häufig und kein Zeichen einer echten Grippe. Schonung, Flüssigkeit und bei Bedarf ein mit der Praxis abgesprochenes Fiebermittel reichen meist. Atemnot, Kreislaufkollaps oder schnell zunehmende Schwäche gehören in den Notfall.
Schützt die Impfung, wenn die Viren nicht genau passen?
Teilweise. Selbst bei Drift, wie 2025/26 bei A(H3N2)-Subclade K, blieben in US-Netzen rund 30 Prozent weniger Klinikaufenthalte bei Erwachsenen und rund 41 Prozent bei Kindern messbar. Der Stoff bleibt sinnvoll, bis ein besser passender Impfstoff der nächsten Saison kommt.
Können Kinder das Nasenspray bekommen?
Ja, zwischen 2 und 49 Jahren, wenn keine Kontraindikation vorliegt. Asthma oder Keuchen in den letzten zwölf Monaten schließen das Spray bei Zweijährigen bis Vierjährigen aus. Immunschwäche, Schwangerschaft und bestimmte anatomische Situationen ebenfalls. Dann bleibt die Spritze die sichere Wahl.

Fazit
Die Sicherheitsbilanz der saisonalen Grippeimpfung ist nach mehr als 60 Jahren Anwendung und laufender Überwachung durch Behörden klar. Häufige Reaktionen bleiben lokal und kurz. Das viel diskutierte Guillain-Barré-Syndrom tritt, wenn überhaupt, in der Größenordnung von ein bis zwei Extrafällen je Million Dosen auf; eine echte Grippe trägt ein höheres Risiko dafür. Eiallergie ist kein Grund mehr, die Impfung aufzuschieben oder in eine Spezialambulanz zu verlegen.
Wer schwanger ist, ein Kleinkind betreut, über 65 ist oder eine chronische Krankheit hat, holt den größten Nutzen. Für Ältere lohnt die Frage nach Hochdosis, Adjuvans oder rekombinantem Stoff. Das Nasenspray ist wieder eine Option für gesunde 2- bis 49-Jährige, nicht aber in der Schwangerschaft oder bei Immunschwäche. Der beste Termin für die meisten liegt im September oder Oktober; wer später dran ist, soll trotzdem noch impfen, solange Viren zirkulieren.
Sprechen Sie Kontraindikationen, früheres GBS und schwere Allergien auf Impfstoffe vor der Spritze an. Bei Atemnot, Gesichtsschwellung oder Kreislaufzeichen nach der Impfung zählt Minuten, nicht der nächste Werktag.
Quellen
- Grohskopf LA, Blanton LH et al.: Prevention and Control of Seasonal Influenza with Vaccines: Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices — United States, 2025–26 Influenza Season. Morbidity and Mortality Weekly Report, 28. August 2025.
- CDC: Influenza (Flu) Vaccine Safety. Centers for Disease Control and Prevention, 20. Dezember 2024.
- CDC: Clinical Guidance for Seasonal Influenza Vaccine Safety. Centers for Disease Control and Prevention, 13. Januar 2026.
- CDC: Guillain-Barré Syndrome and Flu Vaccine. Centers for Disease Control and Prevention, 17. September 2024.
- Maloney P, Reeves EL et al.: Interim Estimates of 2025–26 Seasonal Influenza Vaccine Effectiveness — United States, September 2025–February 2026. Morbidity and Mortality Weekly Report, 12. März 2026.
- Mayo Clinic Staff: Flu shot: Your best bet for avoiding influenza. Mayo Clinic, 24. Oktober 2025.
- Demicheli V, Jefferson T et al.: Vaccines to prevent influenza in healthy adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, 1. Februar 2018.
- WHO: Influenza (seasonal). World Health Organization, Stand: 2025.
- Wolfe DM, Fell D et al.: Safety of influenza vaccination during pregnancy: a systematic review. BMJ Open, 6. September 2023.
- Getahun D, Liu IA et al.: Safety of the Seasonal Influenza Vaccine in 2 Successive Pregnancies. JAMA Network Open, 19. September 2024.
