Ist die Türkei als Fleisch wirklich gesund?

Ist die Türkei als Fleisch wirklich gesund?

Frische Putenbrust kann eine magere Proteinquelle sein, sofern Haut, Lake und Aufschnitt nicht den Teller bestimmen. Ob «die Türkei» (Truthahn, Pute) gut für dich ist, hängt vom Schnitt, von der Zubereitung und davon ab, wie oft geräucherte oder gepökelte Ware den Alltag füllt.

Eine 85-Gramm-Portion gegarte Brust ohne Haut liefert nach der US-Nährwertdatenbank FoodData Central rund 125 Kilokalorien und etwa 26 Gramm Eiweiß. Dunkles Fleisch und besonders die Haut heben Fett und Energie. Verarbeitete Produkte wie Aufschnitt, Würstchen und Putenbacon fallen unter die Bewertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zu verarbeitetem Fleisch. Seit den Texten um 2018 ist das Tryptophan-Müdigkeitsmärchen weiter widerlegt, Selenpräparate schützen laut SELECT-Studie und Cochrane-Auswertung nicht vor Krebs, und 2024 kam ein klares Listerien-Signal für Thekenaufschnitt hinzu.

Welche Nährstoffe stecken in einer Portion Pute?

Eine 85-Gramm-Portion gegarte Putenbrust ohne Haut enthält nach FoodData Central etwa 125 Kilokalorien, 26 Gramm Eiweiß, knapp 2 Gramm Fett und keine Kohlenhydrate. Dieselbe Datenbank nennt für 100 Gramm Brust 147 Kilokalorien, 30,1 Gramm Eiweiß, 2,08 Gramm Fett und 99 Milligramm Natrium, sofern keine Lake injiziert wurde.

Pute liefert vollständiges Eiweiß mit allen essenziellen Aminosäuren, darunter Tryptophan. Auffällig sind die B-Vitamine der Brust. Je 100 Gramm gegartes Brustfleisch nennt FoodData Central 11,8 Milligramm Niacin, 0,81 Milligramm Vitamin B6 und 0,39 Mikrogramm Vitamin B12. Selen liegt bei 30 Mikrogramm je 100 Gramm; das US-Office of Dietary Supplements rechnet 26 Mikrogramm auf drei Unzen (rund 85 Gramm) knochenlos gebratene Pute, etwa 47 Prozent des US-Tageswerts von 55 Mikrogramm.

Dunkles Fleisch kehrt das Muster um. Keule und Rücken ohne Haut bringen je 100 Gramm 173 Kilokalorien, 27,7 Gramm Eiweiß und 6,0 Gramm Fett, dazu mehr Zink (3,5 Milligramm), Eisen (1,4 Milligramm) und Vitamin B12 (1,65 Mikrogramm) als die Brust. Wer die Haut mitisst, landet bei 206 Kilokalorien und knapp 10 Gramm Fett je 100 Gramm. Putenhackfleisch, wie es die Datenbank als gegarte Standardware führt, erreicht 203 Kilokalorien und 10,4 Gramm Fett; die Magerkeit hängt davon ab, wie viel Haut und dunkles Fleisch im Mischer landeten.

Natrium bleibt bei unbehandeltem Bratenfleisch niedrig. Ware «with added solution» verdoppelt den Wert im dunklen Fleisch von 104 auf 201 Milligramm je 100 Gramm. Wer Fertigbrust, Marinade oder Thekenscheiben kauft, muss das Etikett lesen, weil Lake, Phosphate und Pökelstoffe den Charakter der mageren Brust verändern.

Zubereitung, gegart, je 100 Gramm Kilokalorien Eiweiß (Gramm) Fett (Gramm) gesättigt (Gramm) Natrium (Milligramm)
Brust, nur Fleisch 147 30,1 2,1 0,6 99
Dunkles Fleisch, nur Fleisch 173 27,7 6,0 1,8 104
Dunkles Fleisch mit Haut 206 27,3 10,0 2,9 105
Putenhackfleisch, typisch 203 27,4 10,4 2,7 78

Die Tabelle folgt den SR-Legacy-Einträgen der USDA. Markenware weicht ab, sobald Salzlauge, Haut oder dunkles Fleisch zugemischt werden.

Weihnachtstruthahn

Helles oder dunkles Fleisch, mit oder ohne Haut?

Helles Brustfleisch ist magerer als Keule oder Rücken; die Haut hebt Fett und Kalorien klar an. Mayo Clinic nennt hautlose weiße Pute oder Huhn als eine der magersten Fleischoptionen im Ladenregal, hautlose Keule als zweiten Platz.

Der Unterschied entsteht im Muskelstoffwechsel. Brust arbeitet kurz und hell, Keule und Rücken halten länger und lagern mehr Myoglobin und Fett ein. Deshalb schmeckt dunkles Fleisch saftiger und liefert mehr Eisen und Zink, ohne dass daraus ein Freibrief für große Portionen mit knuspriger Haut folgt. Wer Cholesterin und gesättigte Fette im Blick hat, legt die Haut nach dem Braten beiseite. Das Fleisch selbst bleibt dann eine schlanke Beilage zu Gemüse und Vollkorn, nicht der ganze Teller.

Putenhackfleisch täuscht oft. Ein Burger aus extra magerer Brustbrätmasse kann fettarm bleiben. Ein Mix mit Haut und Schenkeln erreicht Fettwerte, die einem fetteren Rinderhack näherkommen als einer Brustscheibe. Die Angabe «93 Prozent mager» auf der Packung ist die relevante Zahl, nicht das Wort Pute auf dem Etikett. Mayo Clinic rät, Protein als Begleitung zu Gemüse und Getreide zu denken, nicht als alleiniges Hauptgericht.

Gebratene oder frittierte Haut nimmt zusätzliches Öl auf und hebt Kalorien, ohne den Proteingehalt zu verbessern. Braten oder Garen im Ofen bei mindestens 163 °C (325 °F laut US-Fleischinspektion) hält die Zubereitung näher am Nährwertprofil der Tabelle.

Macht Truthahn wirklich müde?

Truthahn macht nicht müder als Huhn, Rind oder Lachs in vergleichbarer Menge. Harvard Health Publishing (Aktualisierung April 2026) nennt den «Truthahnkoma» nach dem Festessen einen medizinischen Mythos.

Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure. Der Körper baut daraus unter anderem Serotonin und später Melatonin, und isolierte Präparate werden in Studien zu Schlaf oft mit 1000 bis 3000 Milligramm dosiert. Eine 85-Gramm-Portion Putenbrust enthält nach FoodData Central etwa 244 Milligramm Tryptophan; Harvard rechnet rund 250 Milligramm auf drei Unzen und stellt denselben Bereich für Huhn und Rind fest. Die Serotoninsynthese im Gehirn ist eng geregelt. Zusätzliches Tryptophan aus einer normalen Fleischportion hebt den Botenstoff dort nicht zuverlässig an.

Nach einem proteinreichen Essen konkurrieren mehrere große neutrale Aminosäuren um denselben Transport ins Gehirn. Tryptophan ist in Fleisch die knappste unter ihnen und verliert diesen Wettbewerb häufig. Große Kohlenhydratmengen, Alkohol und die bloße Größe des Tellers erklären die Müdigkeit nach Feiertagsessen besser als der Vogel in der Mitte. Wer wach bleiben will, verkleinert die Portion, trinkt weniger Alkohol und geht nach dem Essen eine Runde.

Tryptophan aus üblichen Mengen Pute gilt als unproblematisch. Nebenwirkungen wie Schwindel oder Übelkeit stammen aus der Präparateforschung, nicht vom Festtagsbraten. Harvard erinnert an den historischen Ausbruch des eosinophilen Myalgie-Syndroms durch verunreinigte Kapseln Ende der 1980er Jahre; das betrifft Supplemente, nicht den Braten.

Wie viel Protein braucht der Körper wirklich?

Pute kann den Proteinbedarf einer Mahlzeit decken, ersetzt aber weder Krafttraining noch eine ausgewogene Kost. Mayo Clinic nennt als Richtwert gegen Mangel 0,8 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht für Erwachsene ohne besonderen Bedarf; eine 75 Kilogramm schwere Person landet bei 60 Gramm am Tag.

Zwischen 10 und 35 Prozent der Tagesenergie dürfen laut Mayo Clinic aus Protein kommen. Bei 2000 Kilokalorien sind das 50 bis 175 Gramm. Sport, Krafttraining und das Alter ab etwa 40 bis 50 Jahren können den Bedarf in Richtung 1,0 bis 1,7 Gramm je Kilogramm schieben, weil Muskeln ohne Reiz und ohne Aminosäuren schwinden. Mehr als 2 Gramm je Kilogramm wertet Mayo Clinic als überhöht; überschüssiges Protein speichert der Körper nicht als Muskel, sondern nutzt es als Energie oder lagert es als Fett ein.

Praktisch hilft die Verteilung. Viele Menschen essen morgens wenig Eiweiß und abends viel. Mayo Clinic nennt 15 bis 25 Gramm pro Mahlzeit als greifbares Ziel; Mengen über 40 Gramm auf einmal bringen in Studien keinen zusätzlichen Muskelvorteil. 85 Gramm Putenbrust liegen genau in diesem Fenster. Bohnen, Eier, Fisch, Milchprodukte und Soja können denselben Slot füllen, ohne dass Pute Pflicht wird.

Wer bereits viel Fleisch isst, gewinnt durch noch mehr Pute selten. Die US-Ernährungsrichtlinien rieten Männern zwischen 14 und 70 Jahren schon 2015, Fleisch, Geflügel und Eier eher zu drosseln, weil die Zufuhr oft über dem Bedarf liegt. Pute ist dann ein Tausch gegen fettere Stücke, kein Zusatz auf den schon vollen Teller.

Herz, Blutzucker und der Vergleich mit Rotfleisch?

Unverarbeitete Pute ist kein nachgewiesener Herzkiller, aber auch kein Schutzschild. Eine systematische Übersicht von Ramel und Kollegen (Food & Nutrition Research, Dezember 2023) fand für Weißfleisch weder Nutzen noch Schaden bei Herz-Kreislauf-Sterblichkeit (relatives Risiko 0,95; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,87–1,02) und Typ-2-Diabetes (0,98; 0,87–1,11).

Drei Interventionsstudien in derselben Arbeit glichen den Fettgehalt von Weißfleisch und Rotfleisch an. Unter dieser Bedingung unterschieden sich Blutfette und andere Marker nicht. Der Vorteil der Putenbrust gegenüber einem fetten Steak liegt also weniger in einem magischen Geflügeleffekt als im niedrigeren Fettgehalt, solange die Haut wegfällt und das Fleisch nicht frittieren.

Eine größere föderierte Metaanalyse von Li und Kollegen (The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2024) wertete 31 Kohorten mit 1,97 Millionen Erwachsenen und 107 271 neuen Diabetesfällen aus. Pro 100 Gramm Geflügel am Tag lag die Hazard Ratio bei 1,08 (1,02–1,14). Unverarbeitetes rotes Fleisch lag bei 1,10 je 100 Gramm, verarbeitetes Fleisch bei 1,15 je 50 Gramm. Die Autoren selbst schreiben, das Geflügelsignal werde unter anderen Modellannahmen schwächer. Wer verarbeitetes Fleisch durch unverarbeitetes Geflügel ersetzt, hing in derselben Auswertung mit einem niedrigeren Diabetesrisiko zusammen.

Beides nebeneinanderlegen, nicht mitteln. Ramel 2023 sieht kein klares Signal, Li 2024 ein kleines, unsicheres Plus für Geflügel und ein klareres für Wurst und rotes Fleisch. Für den Alltag heißt das: frische Pute statt Dauerwurst kann die Rechnung verbessern; große tägliche Geflügelportionen sind kein Freibrief. Die IARC hat unverarbeitetes Geflügel 2015 nicht auf Krebs bewertet. Der Vergleich «Pute gegen Rind» bleibt für den Darmkrebs deshalb offen, für verarbeitete Ware nicht.

Zählt Putenaufschnitt als Krebsrisiko?

Ja, sobald Pute gesalzen, gepökelt, geräuchert oder sonst haltbar gemacht wird, zählt sie als verarbeitetes Fleisch. Die IARC stufte diese Warengruppe 2015 als krebserzeugend für den Menschen ein (Gruppe 1), weil die Belege für Darmkrebs ausreichen. Geflügel steckt ausdrücklich in der Definition, neben Schwein und Rind.

Eine Auswertung von zehn Studien schätzte, dass jede täglich gegessene 50-Gramm-Portion verarbeiteten Fleischs das Darmkrebsrisiko um etwa 18 Prozent hebt. 50 Gramm entsprechen grob zwei Scheiben Aufschnitt oder einem Würstchen. Die IARC betont, Gruppe 1 beschreibt die Stärke der Belege, nicht die Höhe des Risikos. Tabak und Asbest stehen in derselben Gruppe, sind aber gefährlicher. Global Burden of Disease rechnete damals etwa 34 000 krebsbedingte Todesfälle pro Jahr der hohen Aufnahme von verarbeitetem Fleisch zu, gegenüber rund einer Million durch Tabak.

Putenbacon, Putenwürstchen, Putenschinken und Thekenscheiben gehören in diese Schublade, auch wenn das Etikett «mager» wirbt. Nitrit und Nitrat, Rauch und hohes Salz erklären einen Teil des Signals; N-Nitroso-Verbindungen können aus Pökelsalz und Fleischaminen entstehen. Ob «ungesäuert» oder «ohne Nitratzusatz» besser ist, prüfte die IARC nicht im Detail. Viele solche Packungen nutzen Selleriepulver, das Nitrat von Natur aus mitbringt. Die Krebsfrage hängt an der Verarbeitung, nicht am Wort Pute.

Unverarbeitete frische Brust oder Keule fällt nicht unter Gruppe 1. Die IARC hat Geflügel und Fisch 2015 nicht bewertet. Wer Krebsrisiko senken will, begrenzt Aufschnitt und Würste und hält frische Pute in mäßigen Portionen, statt den Vogel zum täglichen Aufstrich zu machen.

Schläfriger Mann nach dem Abendessen

Schützt Selen aus der Pute vor Krebs?

Nein. Drei Unzen gebratene Pute liefern laut NIH-Office of Dietary Supplements etwa 26 Mikrogramm Selen, rund die Hälfte des US-Tageswerts, aber das ist kein Krebsmittel. Ältere Beobachtungsstudien verknüpften höheren Selenstatus mit weniger Darm-, Prostata- und Lungenkrebs. Randomisierte Studien haben diesen Hoffnungsschimmer nicht gehalten.

Die große SELECT-Studie mit 35 533 Männern brach ab, weil 200 Mikrogramm Selen täglich (mit oder ohne Vitamin E) das Prostatakrebsrisiko nicht senkten. Eine Cochrane-Auswertung von 2018 über zehn randomisierte Studien kam zum selben Schluss für Prostata, Darm, Lunge und Blase. Das Office of Dietary Supplements (Stand September 2025) schreibt, 200 Mikrogramm Selen pro Tag senken das Gesamtrisiko und das Risiko einzelner Krebsarten nicht. Bei Männern mit schon hohem Selenstatus in SELECT stieg sogar das Risiko für höhergradigen Prostatakrebs.

Selen bleibt ein essenzielles Spurenelement für Schilddrüsenhormone, DNA-Synthese und antioxidative Enzyme. Die Zufuhrempfehlung für Erwachsene liegt bei 55 Mikrogramm am Tag, in Schwangerschaft und Stillzeit etwas höher. Die meisten Menschen in den USA erreichen das über Brot, Fleisch, Fisch und Eier. Pute ist eine von vielen Quellen, neben Thunfisch und Paranüssen, die extrem hohe Mengen liefern können. Ein Extra-Steak «wegen Selen» ist überflüssig, ein Supplement ohne nachgewiesenen Mangel unnötig und in hohen Dosen riskant.

Welche Kerntemperatur tötet Salmonellen?

Rohe Pute kann Salmonellen, Campylobacter und Clostridium perfringens tragen. Die US-Fleischinspektion und die Seuchenbehörde CDC verlangen für alles Geflügel, einschließlich Hackfleisch, Innereien und Füllung, eine Kerntemperatur von 165 °F, das sind 73,9 °C, gemessen mit einem Thermometer.

Drei Messpunkte braucht der ganze Vogel. Die Sonde kommt in die dickste Stelle der Brust, in den inneren Schenkelansatz und in den inneren Flügelansatz, ohne Knochen zu treffen. Ein Pop-up-Stift ersetzt das Thermometer nicht. Die Füllung muss in der Mitte ebenfalls 74 °C erreichen. Die Behörde rät, die Füllung besser in einer Auflaufform neben dem Vogel zu garen, weil der Kern der Stopfung sonst hinter der Brust herhinkt.

Auftauen gehört in den Kühlschrank, ins kalte Wasserbad oder in die Mikrowelle, nie auf die Anrichte. Im Kühlschrank rechnet die CDC etwa 24 Stunden je 2 bis 2,3 Kilogramm. Kaltes Wasser braucht rund 30 Minuten je 500 Gramm, das Wasser alle 30 Minuten wechseln, danach sofort braten. Nach Mikrowellenauftauen gilt dasselbe. Steht der Vogel länger als zwei Stunden bei Zimmertemperatur, wachsen Keime in der «Gefahrenzone» zwischen 4 °C und 60 °C, selbst wenn das Innere noch gefroren ist.

Rohe Pute nicht waschen. Seit 2005 raten US-Behörden davon ab, weil Spritzer Keime auf Spüle, Bretter und fertige Speisen tragen. Eine Verbraucherumfrage 2020 fand trotzdem, dass 78 Prozent der Befragten den Vogel abspülen. Eine USDA-Untersuchung zeigte, dass bei einem von sieben Menschen nach dem Reinigen der Spüle noch Keime nachweisbar waren. Hände 20 Sekunden mit Seife, ein Brett nur für Rohfleisch, fertige Speisen nie auf die Rohfleischplatte.

Der Ofen bleibt bei mindestens 163 °C (325 °F). Zeiten nach Gewicht sind Näherungen. Fertig ist der Vogel, wenn das Thermometer 74 °C zeigt, nicht wenn die Haut braun ist. Nach 20 Minuten Ruhen lässt sich die Brust leichter schneiden; die Füllung aus dem Inneren zuerst herausnehmen.

Reste, Listerien und wer Aufschnitt erhitzen muss

Reste gehören innerhalb von zwei Stunden in den Kühlschrank, bei Umgebungstemperaturen über 32 °C schon nach einer Stunde. Clostridium perfringens wächst in gegarten Speisen, die zu lange warm stehen, und löst häufig Erbrechen und Krämpfe sechs bis 24 Stunden später aus. Die CDC beobachtet solche Ausbrüche besonders im November und Dezember, wenn große Braten stundenlang auf dem Buffet bleiben.

Große Stücke zuerst zerteilen, damit sie rasch unter 4 °C fallen. Gegarte Pute, Soße und Füllung halten im Kühlschrank drei bis vier Tage. Vor dem Essen wieder auf mindestens 74 °C erhitzen. Länger lagern nur eingefroren.

Aufschnitt und Thekenware tragen ein zweites Risiko. Listeria monocytogenes überlebt und wächst im Kühlschrank. Die CDC beschreibt, wie sich der Keim über Aufschnittmaschinen, Flächen und Hände ausbreitet. 2024 endete ein großer Ausbruch, der an thekengeschnittenes Fleisch geknüpft war. Schwangere, Menschen ab 65 Jahren und Personen mit geschwächter Abwehr sollen solchen Aufschnitt meiden oder unmittelbar vor dem Essen auf 74 °C erhitzen, bis Dampf aufsteigt. Schwangere haben laut CDC ein zehnfach höheres Listerienrisiko. Die Infektion kann bei der Schwangeren vergleichsweise mild wirken und trotzdem Fehlgeburt, Frühgeburt oder eine schwere Erkrankung des Neugeborenen auslösen.

Fieber, Muskelschmerzen und starke Müdigkeit nach Aufschnitt in der Schwangerschaft gehören zum Arzt, mit dem Hinweis auf die gegessene Ware. Kopfschmerz, Nackensteife, Verwirrtheit oder Gleichgewichtsstörungen nach Thekenfleisch sind ein Notfall, weil Listerien dann oft schon außerhalb des Darms sitzen. Die schwere Krankheit beginnt häufig ein bis vier Wochen nach dem Essen, selten am selben Tag oder erst nach 70 Tagen.

Rohe oder unvollständig gegarte Pute bleibt für Schwangere tabu. Dieselbe CDC-Seite nennt 74 °C für alles Geflügel und für Aufschnitt, Hotdogs und Dauerwürste. Frische, durchgegare Brust ohne Haut ist die sicherere Wahl als die kalte Scheibe vom Vortag.

Häufige Fragen

Ist Pute gesünder als Huhn?

Beide hautlosen weißen Stücke liegen nährstofflich nah beieinander und gelten als magere Proteinquellen. Der Unterschied steckt eher in Schnitt, Haut, Lake und Zubereitung als in der Vogelart. Ein fetter Putenburger kann ungünstiger ausfallen als eine magere Hühnerbrust, und umgekehrt.

Macht Truthahn müde wegen Tryptophan?

Nein, eine übliche Portion enthält zu wenig Tryptophan für einen Schlafeffekt. Harvard Health Publishing stellt Pute, Huhn und Rind in denselben Bereich von etwa 250 Milligramm je drei Unzen. Die Müdigkeit nach dem Festessen kommt eher von der Tellermenge, von Kohlenhydraten und von Alkohol.

Ist Putenaufschnitt trotz «mager» unbedenklich?

Mager bedeutet wenig Fett, nicht «unverarbeitet». Gepökelte, geräucherte oder gesalzene Pute zählt für die IARC als verarbeitetes Fleisch mit Beleg für Darmkrebs. Natrium und Listerien kommen als Alltagsrisiken hinzu, besonders bei Thekenscheiben.

Welche Temperatur braucht Putenhackfleisch?

Dieselbe 74 °C wie Brust, Keule und ganzer Vogel. Die US-Fleischinspektion setzt für alles Geflügel einschließlich Hackfleisch 165 °F fest. Farbe und Saft allein reichen nicht, ein Thermometer schon.

Darf ich den Truthahn vor dem Braten waschen?

Nein. Spritzer verteilen Keime in der Küche. Die CDC rät seit 2005 davon ab und verweist auf eine Umfrage von 2020, in der dennoch 78 Prozent den Vogel abspülten. Seife an den Händen und heißes Wasser an Brett und Spüle ersetzen das Abspülen des Fleisches.

Müssen Schwangere auf Pute verzichten?

Frische, durchgegare Pute ohne rohe Stellen bleibt erlaubt, kalter Aufschnitt und Hotdogs nicht, sofern sie nicht dampfend heiß erhitzt wurden. Die CDC nennt für Schwangere ein zehnfach höheres Listerienrisiko und 74 °C als Zieltemperatur für Aufschnitt.

Hilft Pute beim Abnehmen?

Mageres Brustfleisch kann sättigen, weil 26 Gramm Eiweiß in 85 Gramm stecken und Fett niedrig bleibt. Gewicht fällt, wenn die Tagesenergie unter dem Verbrauch liegt, nicht weil der Vogel Fett verbrennt. Haut, Panade, Soße und große Beilagen kippen diese Rechnung.

Fazit

Frische Putenbrust ohne Haut bleibt eine der magersten Fleischoptionen im Regal und kann eine Mahlzeit mit 15 bis 25 Gramm Eiweiß tragen. Dunkles Fleisch und Haut machen den Teller kalorienreicher, ohne ihn automatisch ungesund zu machen, solange die Woche nicht aus frittierter Haut und Würsten besteht. Das Tryptophanmärchen und der Selen-Krebsclaim gehören zu den Aussagen, die nach 2018 klarer widerlegt sind als in älteren Ratgebern.

Verarbeitete Pute ist eine andere Lebensmittelgruppe. IARC-Gruppe 1, hohes Salz und Listerien an der Theke gelten unabhängig vom magere Image auf der Packung. Wer Aufschnitt isst, hält die Menge klein; wer schwanger ist, über 65 oder abwehrgeschwächt, erhitzt die Scheiben auf 74 °C oder lässt sie weg.

Morgen konkret heißt das Thermometer in Brust, Schenkel und Flügel, Füllung lieber daneben, Reste in zwei Stunden in den Kühlschrank und das Etikett auf Lake und Fettanteil lesen. Pute ersetzt weder Gemüse noch Hülsenfrüchte. Sie kann eine vernünftige Proteinbeilage sein, wenn Schnitt und Hygiene stimmen.

Quellen

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