Fischöl bei Psychoserisiko: Vorbeugung bleibt unsicher

Fischöl bei Psychoserisiko: Vorbeugung bleibt unsicher

Fischöl kann eine Psychose oder Schizophrenie nach dem heutigen Stand der großen Zufallsexperimente nicht zuverlässig verhindern. Eine kleine Wiener Studie von 2010 und ihre Nachbeobachtung von 2015 wirkten zunächst überzeugend; die späteren multizentrischen Versuche NEURAPRO und PURPOSE fanden jedoch keinen Unterschied zur Scheinbehandlung.

Schizophrenie betrifft laut Cleveland Clinic etwa eine von 300 Personen weltweit. Sie beginnt oft im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter und gilt als lebenslange Erkrankung ohne Heilmittel. MedlinePlus stellt klar, dass sich die Krankheit nicht vorbeugen lässt. Was sich ändern kann, ist die Zeit bis zur richtigen Hilfe. Das US-Nationalinstitut für psychische Gesundheit schätzt, dass 15 bis 100 Menschen je 100 000 Einwohner pro Jahr eine Psychose entwickeln, und dass viele länger als ein Jahr unbehandelt bleiben.

Kapseln ersetzen diese Hilfe nicht. Wer Stimmen hört, fest an eine Verfolgung glaubt oder sich oder andere gefährdet, braucht eine ärztliche Abklärung, keinen Einkauf im Reformhaus. Die folgenden Abschnitte trennen die Wiener Hoffnung, die gescheiterten Wiederholungen, die Lage bei bereits diagnostizierter Schizophrenie, Dosis und Sicherheit sowie den Punkt, an dem die Sprechstunde fällig ist.

Was heißt verhindern bei Psychose und Schizophrenie?

Verhindern bedeutet in den Fischöl-Studien nicht, dass niemand jemals erkrankt. Gemessen wurde der Übergang von einem klinisch erhöhten Risiko ins Vollbild einer psychotischen Störung, also der Schritt von abgeschwächten Zeichen zur klaren Psychose. Das ist ein enger Endpunkt, kein Lebensschutz gegen jede spätere Diagnose.

Eine Psychose ist nach dem NHS ein vorübergehender oder anhaltender Verlust des Kontakts zur Wirklichkeit. Typisch sind Halluzinationen, Wahn und durcheinandergeratene Gedanken oder Sprache. Schizophrenie ist eine der möglichen Ursachen, neben bipolarer Störung, schwerer Depression, Drogen, Schlafmangel oder körperlichen Krankheiten. Das NIMH betont, dass jemand eine Psychose haben kann, ohne jemals die Diagnose Schizophrenie zu bekommen.

Als erhöhtes Risiko gelten in der Forschung meist Jugendliche und junge Erwachsene mit abgeschwächten psychotischen Symptomen, einem raschen Funktionsverlust oder einer engen familiären Belastung. Lin und Chen zitieren 2025 Schätzungen, wonach etwa 20 bis 40 Prozent dieser Gruppe innerhalb von drei Jahren ins Vollbild übergehen. Die übrigen bleiben oft belastet, ohne die Schwelle zu überschreiten. Genau deshalb wirkt jede einzelne kleine Studie leicht übertrieben: wenige Übergänge mehr oder weniger kippen die Statistik.

NICE trennt Vorbeugung und Behandlung. Wer belastet ist, sozial nachlässt und abgeschwächte psychotische Zeichen oder eine erstgradige Verwandtschaft mit Psychose hat, soll unverzüglich in eine spezialisierte Stelle. Das ist der Rahmen, in dem Fischöl getestet wurde. Es geht nicht um gesunde Menschen, die Lachs essen, um „nie schizophren zu werden“.

Lebertran.

Was zeigte die Wiener Fischöl-Studie?

Die Wiener Gruppe um Amminger prüfte 12 Wochen lang Fischölkapseln gegen Scheinbehandlung bei 81 jungen Menschen mit subklinischen psychotischen Zuständen. Täglich kamen 700 Milligramm Eicosapentaensäure und 480 Milligramm Docosahexaensäure zusammen. Nach zwölf Monaten waren 2 von 41 in der Fischölgruppe und 11 von 40 in der Vergleichsgruppe ins Vollbild übergegangen.

Die längere Nachbeobachtung erschien 2015 in Nature Communications. Der mediane Abstand vom Start betrug 6,7 Jahre. Vier von 41 aus der ehemaligen Fischölgruppe und 16 von 40 aus der Vergleichsgruppe hatten bis dahin eine psychotische Störung entwickelt, also 9,8 gegen 40 Prozent. Viele aus der behandelten Gruppe zeigten bei der Kontrolle keine schweren Funktionseinbußen mehr und keine abgeschwächten psychotischen Symptome.

Die Autoren hielten Omega-3 für eine risikoleichte Strategie, weil die Säuren Bausteine von Nervenzellmembranen sind und in älteren Arbeiten bei Patienten mit Schizophrenie niedrigere Membranspiegel beschrieben wurden. Die Stichprobe blieb klein. Untergruppen ließen sich kaum sinnvoll rechnen. Cochrane stufte 2019 genau diesen einzelnen Versuch als Hinweis von niedriger Qualität ein und verlangte Bestätigung, bevor irgendjemand fest planen sollte.

Für Leserinnen und Leser der Jahre nach 2010 klang das wie eine Alternative zu Neuroleptika. Amminger selbst formulierte Hoffnung auf weniger Medikamente in der Frühphase. Das war eine Hypothese aus einem Zentrum, keine Leitlinie. Ohne zweite, größere Prüfung blieb unklar, ob der Effekt Zufall, Besonderheit der Wiener Kohorte oder ein echter Schutz war.

Warum scheiterten NEURAPRO und PURPOSE?

NEURAPRO sollte die Wiener Zahl in zehn spezialisierten Frühpsychose-Diensten in Australien, Asien und Europa wiederholen. 304 Teilnehmende mit ultrahohem Risiko erhielten sechs Monate lang 1,4 Gramm Omega-3 oder Scheinöl, dazu bis zu 20 Sitzungen kognitiv-verhaltensorientiertes Fallmanagement. Nach zwölf Monaten lagen die Übergänge in beiden Armen bei etwa 11 Prozent, ohne tragfähigen Gruppenunterschied. Nelson und Kollegen berichteten 2018 die mittlere Nachbeobachtung von 3,4 Jahren: 19 von 153 unter Omega-3 und 21 von 151 unter Scheinbehandlung waren übergegangen, also 12 gegen 14 Prozent. Das Risikoverhältnis lag bei 0,91.

Beide Gruppen besserten sich in Symptomen und Alltag. Die Autoren nannten fehlende Wirksamkeit als wahrscheinlichste Erklärung. Die Übergangszahlen lagen niedriger als erwartet, und gute psychosoziale Behandlung plus häufige Antidepressiva können eine Obergrenze erzeugt haben, über der Kapseln nichts mehr sichtbar machen. Der Kernsatz blieb hart: Omega-3 gebe keinen Zusatzgewinn, wo bereits eine evidenzbasierte psychosoziale Versorgung läuft.

PURPOSE prüfte die Frage noch einmal. Winter-van Rossum und Kollegen randomisierten 135 Personen im mittleren Alter von 15,6 Jahren an 16 Kliniken in acht europäischen Ländern und Israel. Sechs Monate Omega-3, danach 18 Monate Beobachtung, insgesamt zwei Jahre. Nach strenger Definition gingen 5 von 67 unter Omega-3 und 3 von 68 unter Scheinbehandlung über, also 7,5 gegen 4,4 Prozent. Eine erweiterte Definition, die auch höhere Neuroleptika-Dosen zählte, landete bei 23,9 gegen 11,8 Prozent. Beide Vergleiche blieben statistisch leer, ebenso die Symptomänderung nach sechs Monaten. Die Autoren nannten PURPOSE die dritte gescheiterte Replikation.

Einzelne indirekte Übersichten rechnen Omega-3 weiterhin einen Vorteil zu, weil sie kleine ältere Zellen und Umwege über andere Vergleiche mischen. Die direkten großen Versuche und die paarweise Zusammenschau von Lin und Chen aus dem November 2025 finden für die Risikogruppe nach der Nachbeobachtung keinen Effekt. Bei diesem Widerspruch zählen die frischen Zufallsexperimente schwerer als der schönere indirekte Schätzer.

Studie Wer, wie lange Was herauskam
Amminger, Wien, 2010/2015 81 Personen, 12 Wochen, Nachbeobachtung 6,7 Jahre 9,8 gegen 40 Prozent Übergang
NEURAPRO, 2017/2018 304 Personen, 6 Monate plus Fallmanagement nach 12 Monaten etwa 11 Prozent beide; nach 3,4 Jahren 12 gegen 14 Prozent
PURPOSE, 2024 135 Personen, 6 Monate, 2 Jahre Beobachtung 7,5 gegen 4,4 Prozent, kein tragfähiger Unterschied
Lin-Übersicht, 2025 16 Versuche, 1435 Personen kein Gesamtnutzen bei Schizophrenie oder Risiko

Hilft Omega-3 bei bereits diagnostizierter Schizophrenie?

Bei bestehender Schizophrenie ändert Fischöl die Lage ebenfalls nicht in einem Ausmaß, das den Alltag trägt. Lin und Chen werteten 16 Zufallsexperimente mit 1435 Personen aus. Der Unterschied in den Symptomskalen am Ende der Einnahme lag bei einer standardisierten Mittelwertdifferenz von −0,123, das Konfidenzintervall kreuzte die Null, p betrug 0,095. Für die Risikogruppe nach späterer Kontrolle lag der Schätzer bei −0,070 und p bei 0,699.

NICE fasste schon 2013 in der Evidenzübersicht ESUOM19 zusammen: acht relevante Versuche, vier mit statistisch sichtbarer, klinisch oft winziger Besserung, vier ohne Unterschied. Die Präparate sind für Herzinfarkt-Nachsorge oder hohe Blutfette zugelassen, nicht für Schizophrenie. Der Gebrauch liegt außerhalb der Zulassung. Cochrane nannte die Lage damals experimentell. Die frische Metaanalyse von 2025 ändert den Gesamtschluss nicht.

Einzelne Untergruppen wirkten günstiger: zwei Versuche mit zusätzlichen Antioxidantien (117 Personen) und ein Versuch bei Ersterkrankung über 24 Wochen (71 Personen). Das sind Hinweise für künftige Studien, keine Therapieempfehlung. Dosis, Mischung aus EPA und DHA, Alter und Ausgangswert der Symptomskala trennten die Gruppen in der Übersicht nicht klar.

Antipsychotika bleiben laut MedlinePlus die wirksamste Behandlung. Sie können Unruhe, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Zucker- und Fettstoffwechsel und langfristig unwillkürliche Bewegungen auslösen. Das rechtfertigt den Wunsch nach Sanfterem, ersetzt aber nicht die Substanzklasse. Cleveland Clinic beschreibt Schizophrenie als Erkrankung ohne Heilmittel, bei der Medikamente, Psychotherapie und Alltagsunterstützung die Symptome steuern können. Fischöl gehört in diesem Bündel nicht zur Standardliste.

Was raten NICE und Fachstellen zur Vorbeugung?

NICE nennt in der Leitlinie CG178 zur Vorbeugung keine Fischölkapsel. Wer belastet ist, sozial nachlässt und abgeschwächte psychotische Zeichen, verdächtiges Verhalten oder eine erstgradige familiäre Belastung hat, soll ohne Verzug in eine spezialisierte Stelle oder einen Frühinterventionsdienst. Die Behandlung dort ist individuelle kognitive Verhaltenstherapie, wahlweise plus Familienarbeit, plus Hilfe für Angst, Depression, beginnende Persönlichkeitsprobleme oder Substanzkonsum.

Antipsychotika sollen in dieser Risikophase nicht gegeben werden, weder als Routine noch mit dem Ziel, eine Psychose zu verhindern. Das steht seit 2014 unverändert. Für die erste klare Episode gilt das Gegenteil: orales Antipsychotikum zusammen mit kognitiver Verhaltenstherapie und Familienintervention, in einem Frühinterventionsdienst, der unabhängig vom Alter und von der bisherigen Krankheitsdauer zugänglich sein soll.

Das NIMH beschreibt als heutigen Standard der Frühbehandlung die koordinierte spezialisierte Versorgung. Dazu gehören angepasste Psychotherapie, Familienarbeit, sorgfältige Arzneimittelwahl, Unterstützung bei Schule oder Job und Fallmanagement. Die amerikanische Fachgesellschaft für Psychiatrie stützt dieses Modell. Omega-3 taucht dort nicht als Pfeiler auf.

Cochrane fand 2019 unter 20 Studien mit 2151 Personen keine hochqualitative Methode, die den Übergang sicher verhindert. Der Omega-3-Hinweis stammte allein aus der Wiener Zelle. CBT plus stützende Therapie senkte in zwei Versuchen den Übergang von grob 16 auf 8 Prozent binnen 18 Monaten, die Qualität war sehr niedrig. Seit PURPOSE und der Übersicht von 2025 ist der Fischöl-Teil dieser Cochrane-Bilanz überholt. Der psychotherapeutische Pfad von NICE bleibt der belastbarere.

Wie wirken EPA und DHA im Gehirn?

Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure sitzen in Phospholipiden der Zellmembran, besonders reichlich in Gehirn und Netzhaut. Das NIH-Merkblatt zu Omega-3 erklärt, der Körper könne Alpha-Linolensäure aus Pflanzenölen nur zu weniger als 15 Prozent in die langen Ketten umbauen. Wer den Spiegel heben will, braucht Fisch, Algenöl oder ein Präparat, nicht nur Leinsamen.

Aus den Säuren entstehen Botenstoffe, die Entzündung, Gefäßtonus und Blutplättchen anders steuern als die aus Omega-6 gebildeten. Theoretisch könnten weniger Entzündung, bessere Membranflüssigkeit und ein Einfluss auf Dopamin und Serotonin psychotische Symptome dämpfen. Lin und Chen fassen genau diese Begründung zusammen, bevor sie den fehlenden klinischen Gesamteffekt berichten. Eine plausible Biochemie ersetzt keinen gelungenen Versuch.

In westlichen Bevölkerungen mit wenig Seefisch liegen EPA plus DHA in den roten Blutkörperchen oft bei etwa 3 bis 5 Prozent der Fettsäuren, in Japan grob doppelt so hoch. Das ODS nennt das als Statusmaß, nicht als Therapieziel gegen Psychose. Niemand hat bisher gezeigt, dass ein bestimmter Blutwert den Übergang verhindert.

Fetter Seefisch bleibt aus anderen Gründen sinnvoll. Drei Unzen gezüchteter Atlantik-Lachs liefern laut ODS-Tabelle rund 1,24 Gramm DHA und 0,59 Gramm EPA. Das deckt ungefähr die Tagesmenge der Wiener Kapseln, ohne dass daraus ein Schutz vor Schizophrenie folgt. Wer keinen Fisch isst, kann den Bedarf anders decken. Die Diagnose ändert das nicht.

Welche Dosis wurde geprüft, und wie sicher ist Fischöl?

Die geprüften psychiatrischen Dosen lagen meist zwischen 1,0 und 1,4 Gramm EPA plus DHA pro Tag, über 12 bis 26 Wochen. Eine typische Drogerie-Kapsel mit 1000 Milligramm Fischöl enthält laut ODS oft nur 180 Milligramm EPA und 120 Milligramm DHA. Wer die Studienmenge nachahmen wollte, müsste mehrere Kapseln nehmen und vorher die Etiketten lesen. Das ODS und die US-Arzneimittelbehörde halten fest, dass Supplementetiketten keine höhere Tagesmenge als 2 Gramm EPA plus DHA empfehlen sollen.

Die europäische Lebensmittelbehörde und die FDA stufen kombinierte EPA-plus-DHA-Mengen bis etwa 5 Gramm täglich bei bestimmungsgemäßem Gebrauch als unbedenklich ein, so das ODS. Häufige Begleiterscheinungen sind unangenehmer Geschmack, Mundgeruch, Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerz und geruchsintensiver Schweiß. NICE nannte 2013 zusätzlich eine mögliche Verlängerung der Blutungszeit sowie Vorsicht bei nicht insulinpflichtigem Diabetes mit aspirinempfindlichem Asthma.

Hohe Dosen von 2 bis 15 Gramm können die Blutungszeit verlängern, weil die Plättchenaggregation nachlässt. Unter Warfarin soll der INR-Wert regelmäßig kontrolliert werden; die meisten Arbeiten zu 3 bis 6 Gramm Fischöl täglich fanden keine klinisch bedeutsame Verschiebung der Gerinnung. Zwei große Herzstudien mit 4 Gramm täglich über Jahre zeigten ein etwas höheres Risiko für Vorhofflimmern bei Menschen mit bestehender oder drohender Herzkrankheit. Das betrifft nicht die Wiener 1,2-Gramm-Dosis, verdient aber ein Gespräch, wenn bereits Herzrhythmus oder Blutverdünner im Spiel sind.

Fischölpräparate enthalten nach ODS-Angaben in der Regel kein Methylquecksilber, weil es bei der Reinigung entfernt wird. Lebertran liefert zusätzlich Vitamin A und D; hohe Dauermengen können diese Vitamine überdosieren. Keine dieser Sicherheitsaussagen macht aus der Kapsel eine Psychoseprophylaxe.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Bei Zeichen einer Psychose soll laut NHS sofort eine Hausärztin oder ein Hausarzt aufgesucht werden. Frühe Behandlung wirkt besser. Der Arzt verweist in der Regel an eine psychiatrische Fachstelle, ein Krisenteam oder einen Frühinterventionsdienst. Warten auf „mehr Klarheit“ verlängert oft nur die unbehandelte Phase, die das NIMH als häufig länger als ein Jahr beschreibt.

Warnzeichen vor dem Vollbild nennt das NIMH konkret: Misstrauen oder paranoide Ideen, unlogisches Denken, sozialer Rückzug, ungewöhnliche oder sehr intensive Vorstellungen, nachlassende Körperpflege, gestörter Schlaf, Schwierigkeiten, Wirklichkeit und Fantasie zu trennen, verworrene Sprache und ein plötzlicher Einbruch in Schule oder Beruf. MedlinePlus ergänzt frühe Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen. Vieles davon kommt auch in der Pubertät vor. Entscheidend sind Dauer, Funktionsverlust und die Frage, ob die Person selbst noch Distanz zu den Erlebnissen hat.

Sofortige Notfallhilfe ist nötig, wenn eine der folgenden Lagen eintritt:

  • Stimmen fordern dazu auf, sich oder andere zu verletzen.
  • Es besteht der Drang, sich oder andere zu verletzen, oder ein Suizidversuch ist geschehen.
  • Halluzinationen oder Wahn machen das Verlassen der Wohnung oder die Selbstversorgung unmöglich.
  • Die Person wirkt überwältigt, hochängstlich oder nicht mehr erreichbar für Gespräch und Pflege.

MedlinePlus nennt für die USA die Krisenlinie 988 und den Notruf 911. In Deutschland gilt der Notruf 112, die Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und die psychiatrische Notaufnahme. Eine Begleitperson soll bei Suizidversuch nicht allein gelassen werden. Fischöl hat in dieser Lage keinen Platz.

Was hilft statt Kapseln bei erhöhtem Risiko?

Die belastbarere Alternative zur Kapsel ist ein früher Zugang zu spezialisierter Hilfe, nicht ein anderes Nahrungsergänzungsmittel. NICE will individuelle kognitive Verhaltenstherapie, bei Bedarf Familienarbeit, und die Behandlung begleitender Angst, Depression oder eines Substanzproblems. Antipsychotika bleiben in der reinen Risikophase bewusst außen vor, weil der Nutzen unsicher und die Nebenwirkungen real sind.

Ist die Schwelle zur ersten Episode überschritten, ändert sich das Paket. Orales Antipsychotikum plus Psychotherapie plus soziale, schulische oder berufliche Unterstützung in einem Frühinterventionsdienst ist der NICE-Pfad. Das NIMH ergänzt, dass koordinierte Teams die Ergebnisse verbessern, wenn sie früh beginnen. Manche Menschen erleben nach früher Behandlung keine weitere Episode, andere leben mit wiederkehrenden Symptomen, aber mit mehr Alltag.

Praktisch zählt als Nächstes oft Folgendes.

  • Einen zeitnahen Termin in der hausärztlichen oder psychiatrischen Sprechstunde vereinbaren, statt erst Kapseln zu testen.
  • Schlaf, Alkohol und Cannabis ansprechen, weil sie Psychosen auslösen oder verstärken können.
  • Angehörige einbeziehen, wenn die betroffene Person das zulässt, weil Einsicht oft fehlt.
  • Verschriebene Antipsychotika nicht selbst absetzen; MedlinePlus warnt vor rascher Rückkehr der Symptome.

Fisch auf dem Teller bleibt ein vernünftiger Teil der Ernährung. Als Prävention gegen Schizophrenie ist er nicht belegt. Wer Kapseln aus anderen Gründen nimmt, etwa nach Rücksprache wegen hoher Blutfette, soll das dem psychiatrischen Team sagen. Wechselwirkungen und doppelte Hochdosen lassen sich nur so vermeiden.

Häufige Fragen

Kann ich mit Fischöl eine Psychose verhindern?

Nein, nach NEURAPRO und PURPOSE ist ein verlässlicher Schutz nicht belegt. Die Wiener Studie mit 81 Personen bleibt ein Ausreißer. Kapseln ersetzen nicht die Abklärung bei abgeschwächten psychotischen Zeichen.

Hilft Fischöl, wenn schon Schizophrenie diagnostiziert ist?

Ein klinisch tragfähiger Zusatznutzen ist in der Übersicht von 2025 nicht nachgewiesen. NICE stuft den Gebrauch als nicht zugelassen und die ältere Evidenz als widersprüchlich ein. Antipsychotika und Psychotherapie bleiben die tragenden Säulen.

Welche Menge Omega-3 steckte in den Studien?

Wien nutzte 700 Milligramm EPA plus 480 Milligramm DHA über 12 Wochen, NEURAPRO etwa 1,4 Gramm über sechs Monate. Eine einzelne 1000-Milligramm-Fischölkapsel enthält oft nur 300 Milligramm der langen Ketten. Höhere Mengen gehören mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen.

Ist Fischöl in diesen Dosen gefährlich?

Magen-Darm-Beschwerden und Fischgeruch sind häufig und meist mild. Das ODS nennt kombinierte EPA-plus-DHA-Mengen bis etwa 5 Gramm täglich als langfristig vertretbar; Etiketten sollen trotzdem nicht über 2 Gramm empfehlen. Bei Blutverdünnern, geplanter Operation oder Vorhofflimmern ist Rücksprache nötig.

Wann muss ich mit Frühzeichen zum Arzt?

Sobald Misstrauen, Stimmen, Funktionsverlust oder der Verlust der Distanz zur Wirklichkeit anhalten oder zunehmen, ist ein rascher Arztkontakt sinnvoll. Der NHS rät bei Psychose-Zeichen zum sofortigen Hausarztbesuch. Notfall gilt bei Suizidgedanken, Gewaltimpulsen oder fehlender Selbstversorgung.

Dürfen Jugendliche Fischöl gegen ein Psychose-Risiko nehmen?

PURPOSE schloss 13- bis 20-Jährige ein und fand keinen vorbeugenden Nutzen. NICE empfiehlt in der Risikophase Verhaltenstherapie, nicht Antipsychotika und nicht Fischöl. Jugendliche mit Verdacht gehören in eine kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung.

Ersetzt Fischöl Neuroleptika?

Nein. MedlinePlus nennt Antipsychotika als wirksamste Behandlung, und Symptome kehren nach dem Absetzen häufig zurück. Ein eigenmächtiger Tausch gegen Kapseln kann einen Rückfall auslösen.

Fazit

Die Geschichte vom schützenden Fischöl ist die Geschichte einer kleinen, hoffnungsvollen Studie, die zwei größere Versuche nicht bestätigt haben. Wer heute nach einer Kapsel gegen Schizophrenie oder gegen den Übergang ins Vollbild sucht, findet keine Leitlinie, die das trägt, und eine Metaanalyse von 2025 ohne Gesamtnutzen.

Sinnvoll bleibt der frühe Weg in die Sprechstunde, wenn Denken, Schlaf, Hygiene oder das Vertrauen in die Umgebung kippen. NICE setzt in der Risikophase auf kognitive Verhaltenstherapie und lässt Antipsychotika dort bewusst weg. Nach der ersten Episode gehören Medikamente und Psychotherapie zusammen. Fisch auf dem Teller schadet in üblichen Mengen nicht; als Prävention gegen Psychose ist er ein Versprechen, das die großen Studien nicht gehalten haben.

Bei Stimmen mit Aufforderung zur Gewalt, Suizidgedanken oder zusammengebrochener Selbstversorgung zählt Minutenhilfe über Notruf oder Notaufnahme, nicht der Gang ins Supplementregal.

Quellen

  1. Amminger GP, Schäfer MR et al.: Longer-term outcome in the prevention of psychotic disorders by the Vienna omega-3 study. Nature Communications, 11. August 2015.
  2. Nelson B, Amminger GP et al.: NEURAPRO: a multi-centre RCT of omega-3 polyunsaturated fatty acids versus placebo in young people at ultra-high risk of psychotic disorders—medium-term follow-up and clinical course. npj Schizophrenia, 2018.
  3. Winter-van Rossum I, Slot MIE et al.: Effectiveness of Omega-3 Fatty Acids Versus Placebo in Subjects at Ultra-High Risk for Psychosis: The PURPOSE Randomized Clinical Trial. Schizophrenia Bulletin, 25. Oktober 2024.
  4. Lin CY, Chen SM et al.: Effect of n-3 polyunsaturated fatty acids on the treatment of schizophrenia: an updated systematic review and meta-analysis. BMC Psychiatry, 11. November 2025.
  5. National Institute for Health and Care Excellence: Psychosis and schizophrenia in adults: prevention and management. National Institute for Health and Care Excellence, 12. Februar 2014.
  6. National Institute for Health and Care Excellence: Key points from the evidence | Schizophrenia: omega-3 fatty acid medicines. National Institute for Health and Care Excellence, 24. September 2013.
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  8. MedlinePlus: Schizophrenia: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 17. Juli 2024.
  9. National Health Service: Overview – Psychosis. National Health Service, 5. September 2023.
  10. Office of Dietary Supplements: Omega-3 Fatty Acids – Health Professional Fact Sheet. Office of Dietary Supplements, National Institutes of Health, Stand: 2024.
  11. Bosnjak Kuharic D, Kekin I et al.: Early interventions for people at risk of developing psychosis. Cochrane Database of Systematic Reviews, November 2019.
  12. Cleveland Clinic: Schizophrenia: Symptoms, Causes, Treatment and Outlook. Cleveland Clinic, 10. Juli 2026.
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