
Menschen können keine echte Räude wie Hunde oder Katzen entwickeln. Was auf menschlicher Haut dauerhaft siedelt, heißt Krätze und geht auf eine eigene Unterart der Krätzmilbe zurück, Sarcoptes scabiei var. hominis. Die US-Seuchenbehörde CDC trennt das klar: Haustiere verbreiten keine humane Krätze; ihre Milben schaffen es höchstens, kurz unter die Haut zu kriechen und dort vorübergehend zu reizen.
Der Unterschied ist praktisch relevant. Wer nach dem Streicheln eines räudigen Hundes juckt, braucht meist keine Skabizid-Kur für die ganze Familie, sondern eine Abklärung beim Tierarzt und etwas Geduld mit der eigenen Haut. Wer dagegen nächtliches Jucken, feine Gänge zwischen den Fingern und einen Ausschlag in den Beugen hat, kann bereits andere angesteckt haben, bevor der Juckreiz überhaupt beginnt. Die CDC nennt für den Erstbefall vier bis acht Wochen bis zu den ersten Beschwerden; in dieser stillen Phase bleibt die Haut ansteckend. Rezeptfreie Cremes töten die humane Milbe nicht. Zuständig ist die Arztpraxis, und mitbehandelt werden enge Kontaktpersonen, auch wenn sie noch symptomfrei sind.
Was bedeutet Räude beim Menschen eigentlich?
Räude ist ein veterinärmedizinischer Sammelbegriff für Milbenbefall bei Tieren, kein Name für eine menschliche Dauerinfestation. Beim Menschen spricht man von Krätze oder Skabies, sobald die humane Krätzmilbe in der Hornschicht Gänge gräbt und Eier ablegt. Die Mayo Clinic beschreibt genau diesen Vorgang: das Weibchen legt Tunnel an, die Larven wandern an die Oberfläche, werden erwachsen und können erneut Hautstellen oder andere Menschen besiedeln. Der Juckreiz entsteht nicht durch den Biss allein, sondern durch eine allergische Reaktion auf Milben, Eier und Kot.
Die WHO schätzt, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens 200 Millionen Menschen betroffen sind, kumuliert über 400 Millionen pro Jahr. In ressourcenarmen Tropenregionen sind nach derselben Übersicht 5 bis 50 Prozent der Kinder befallen; in wohlhabenden Ländern bleiben Fälle eher vereinzelt, häufen sich aber in Pflegeheimen, Gefängnissen, Kitas und Sammelunterkünften. 2017 hat die WHO Krätze und andere Ektoparasiten in die Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten aufgenommen. Das ändert nichts an der Biologie der Milbe, macht aber deutlich, dass der Befall kein Zeichen mangelnder Hygiene ist und jeden treffen kann.
Auf gesunder Haut leben laut CDC und WHO meist weniger als zehn bis fünfzehn Milben. Trotzdem reicht das für starken Juckreiz, weil das Immunsystem die Fremdeiweiße erkennt. Säuglinge und Kleinkinder zeigen oft ein anderes Muster als Erwachsene: Kopf, Gesicht, Handflächen und Fußsohlen können mitbeteiligt sein, während bei älteren Kindern und Erwachsenen vor allem Falten und genitale Haut betroffen sind. Wer „Räude“ googelt, weil der Hund kahl juckt, landet also auf zwei verschiedenen Krankheitsbildern. Nur eines davon, die humane Krätze, etabliert sich dauerhaft auf Menschenhaut.

Können Menschen Räude vom Hund oder der Katze bekommen?
Vom Hund oder der Katze bekommt man keine humane Krätze, die sich auf der eigenen Haut vermehrt. Die CDC formuliert das in ihrer Präventionsseite (Stand Dezember 2023) unmissverständlich: Tiere verbreiten keine menschliche Skabies; die Milben der Räude können auf Menschen weder überleben noch Nachwuchs erzeugen. Die Mayo Clinic wiederholt denselben Satz. Was passieren kann, ist eine kurze, selbstbegrenzte Hautreizung, sobald eine Tiermilbe unter die Hornschicht gerät.
Diese Reizung sitzt oft dort, wo das Tier getragen oder festgehalten wurde, also an Unterarmen, Brust oder Oberschenkeln. Typische Krätzegänge zwischen den Fingern und an den Genitalien fehlen meist. Der Juckreiz kann Tage anhalten und sich anfühlen wie viele Mückenstiche, klingt aber ab, sobald der Kontakt endet und das Tier behandelt ist. Cortisonhaltige Cremes oder kühlende Umschläge können die Entzündung lindern; sie ersetzen keine Untersuchung des Hundes. Bleibt der Ausschlag oder wandert er in die Fingerzwischenräume, gehört die Haut in die Arztpraxis, weil dann eine echte Krätze von einem Menschen wahrscheinlicher wird.
Sarcoptes scabiei var. canis, die klassische Räude-Milbe des Hundes, ist wirtsspezifisch. Sie durchläuft ihren Zyklus von etwa drei Wochen auf dem Hund, nicht auf dem Menschen. Katzen haben häufiger andere Milben, etwa Notoedres; auch diese bleiben tote Endwirte, wenn sie versehentlich auf Menschenhaut landen. Deshalb heilt die „Hunde-Räude“ am Menschen in der Regel ohne Skabizid. Umgekehrt schützt ein gesundes Haustier niemanden vor Krätze aus der Kita oder dem Pflegeheim. Wer beides gleichzeitig hat, ein juckendes Tier und nächtliches Jucken in den Beugen, braucht zwei getrennte Diagnosen: Veterinär und Humanmedizin.
Wie steckt man sich mit Krätze an?
Krätze springt vor allem durch längeren, direkten Hautkontakt von Mensch zu Mensch über. Die CDC nennt als typische Wege das gemeinsame Bett, Sex und das enge Zusammenleben in einem Haushalt. Ein kurzer Händedruck oder eine Umarmung reicht bei der klassischen Form in der Regel nicht. Seltener genügen gemeinsam genutzte Handtücher, Kleidung oder Bettwäsche; bei der Borkenkrätze, bei der Unmengen Milben in Schuppen sitzen, wird dieser indirekte Weg deutlich wahrscheinlicher.
Ansteckend ist, wer Milben trägt, nicht erst wer juckt. Die Behörde betont, dass Menschen den Befall weitergeben können, bevor Symptome da sind. Deshalb sollen enge Kontaktpersonen der letzten Wochen mitbehandelt werden, auch ohne Ausschlag. In der Übersicht „About Scabies“ vom 9. September 2024 rät die CDC, Personen mit Hautkontakt der vorausgegangenen zwei Monate zu informieren. Ausbrüche häufen sich dort, wo Körper nahe beieinander schlafen oder gepflegt werden: Pflegeheime, Justizvollzug, Kitas, Wohnungslosenunterkünfte.
Die Milbe überlebt ohne menschliche Haut meist nur zwei bis drei Tage. Temperaturen über 50 Grad Celsius für zehn Minuten töten Milben und Eier, etwa in der heißen Waschmaschine und im heißen Trockner. Was sich nicht waschen lässt, kommt in einen geschlossenen Plastikbeutel für mehrere Tage bis eine Woche. Kinder und Erwachsene dürfen laut CDC am Tag nach der korrekt durchgeführten Therapie wieder in Kita, Schule oder Beruf. Das ist kein Freibrief für ungeschützten engen Kontakt in derselben Nacht; die Creme oder die Tablette braucht die vorgesehene Einwirkzeit, und die Kontaktpersonen müssen denselben Kalender einhalten.
Welche Symptome treten auf und wann?
Beim ersten Befall dauert es oft Wochen, bis die Haut protestiert. Die CDC nennt vier bis acht Wochen bis zu Juckreiz und Ausschlag; die Mayo Clinic schreibt „bis zu sechs Wochen“, die WHO vier bis sechs. Wer schon einmal Krätze hatte, reagiert schneller, häufig innerhalb weniger Tage, weil das Immunsystem die Milbeneiweiße bereits kennt. In beiden Fällen kann die Person andere anstecken, bevor sie selbst juckt.
Der Juckreiz ist oft nachts am stärksten. Dazu kommen stecknadelkopfgroße Knötchen, kleine Bläschen und feine, gewundene Linien, die Milbengänge. Bei Erwachsenen und älteren Kindern sitzen sie typischerweise zwischen den Fingern, an Handgelenken, Ellenbogen, Achseln, Taille, Gesäß, Brustwarzen, Nabel und Genitalien. Die CDC listet zusätzlich Schulterblätter und Kniebeugen. Säuglinge und Kleinkinder jucken oft am Kopf, im Gesicht, an Handflächen und Fußsohlen; dort sucht die Praxis gezielt nach Gängen.
Nicht jeder Ausschlag mit Jucken ist Krätze. Ekzem, Kontaktdermatitis und Insektenstiche können täuschen. Verdächtig wird das Bild, wenn mehrere Haushaltsmitglieder nacheinander jucken, wenn nächtliche Unruhe hinzukommt und wenn Gänge sichtbar sind. Kratzen öffnet die Haut. Dann können Streptokokken oder Staphylokokken Impetigo, Abszesse oder, in tropischen Armutsregionen, eine Entzündung der Nierenkörperchen nach sich ziehen. Die WHO nennt Hinweise auf akute Nierenschäden bei bis zu 10 Prozent der Kinder mit Krätze in solchen Settings; ein Teil der Veränderungen bleibt Jahre messbar.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose stützt sich zuerst auf das klinische Bild und die Geschichte enger Kontakte, nicht auf einen Bluttest. Die CDC beschreibt, dass die Praxis die Haut untersucht und möglichst eine Milbe, Eier oder Kot aus einem Gang holt, per Hautgeschabsel oder vorsichtig mit einer Nadel. Unter dem Mikroskop ist der Befund dann eindeutig. Fehlt die Milbe im Präparat, ist Krätze trotzdem möglich: bei sonst Gesunden sitzen oft weniger als fünfzehn Tiere auf der ganzen Haut.
2020 hat die International Alliance for the Control of Scabies (IACS) dreistufige Konsenskriterien veröffentlicht. Bestätigt ist Krätze nur, wenn Milben, Eier oder Kot sichtbar sind, etwa im Mikroskop, mit einem hochauflösenden Gerät oder in der Dermatoskopie. Klinische Krätze gilt unter anderem bei typischen Gängen, bei typischen Läsionen am männlichen Genitale oder bei typischer Verteilung plus zwei Anamnesemerkmalen. Vermutet wird der Befall bei passendem, aber unvollständigerem Bild, sofern andere Diagnosen weniger wahrscheinlich sind. Engelman und Kollegen haben diese Stufen für Praxis, Studien und Feldarbeit gedacht, nicht als Ersatz für den Blick auf die ganze Haut.
Die American Academy of Dermatology rät zu einer Untersuchung von Kopf bis Fuß. Bei Säuglingen gehört die Kopfhaut dazu. Ein negativer Abstrich beendet die Suche nicht, wenn Juckreiz, Gänge und erkrankte Kontaktpersonen zusammenpassen. Umgekehrt soll niemand „auf Verdacht“ immer wieder Skabizide schmieren, weil zu häufiges Auftragen den Ausschlag und den Juckreiz verstärken kann. Bleibt der Befund unklar, gehört die Haut zur Dermatologie, nicht in die Drogerie.
Welche Behandlung gilt heute als erste Wahl?
Krätze braucht ein rezeptpflichtiges Mittel, das Milben tötet; manche Präparate treffen auch Eier. Die CDC stellt fest, dass kein frei verkäufliches Produkt dafür geprüft und zugelassen ist. Als erste Wahl stehen bei der klassischen Form Permethrin-Creme 5 Prozent und orales Ivermectin nebeneinander. Die Creme wird vom Hals abwärts bis zu Fußsohlen und Zehen aufgetragen und nach 8 bis 14 Stunden abgewaschen, oft über Nacht. Bei Säuglingen und Kleinkindern gehören Kopf und Hals dazu. Zugelassen ist Permethrin in den USA ab einem Alter von zwei Monaten; die Mayo Clinic nennt es für die meisten Erwachsenen, für Schwangere, Stillende und Kinder über zwei Monate vertretbar.
Ivermectin als Tablette ist in den USA nicht eigens für Krätze zugelassen, wird aber von der CDC analog zur Creme als wirksam beschrieben. Für die klassische Form gelten zwei Dosen zu je 200 Mikrogramm pro Kilogramm im Abstand von 7 bis 14 Tagen, eingenommen mit einer Mahlzeit, weil Fachleute so die Aufnahme erhöhen. Sicherheit unter 15 Kilogramm Körpergewicht und in der Schwangerschaft ist nicht belegt; die WHO rät in diesen Gruppen von der Tablette ab. Eine einzelne Dosis reicht oft nicht, weil Eier schlüpfen, nachdem der Wirkstoff schon abgeklungen ist.
| Mittel | Übliche Anwendung (CDC/Mayo) | Hinweis |
|---|---|---|
| Permethrin-Creme 5 % | Hals abwärts 8–14 Stunden, oft zweite Gabe nach etwa einer Woche | Ab 2 Monaten; Säuglinge inkl. Kopf; Mayo auch Schwangerschaft |
| Ivermectin oral | 200 µg/kg, zwei Dosen im Abstand 7–14 Tage, mit Essen | Nicht etabliert unter 15 kg und in der Schwangerschaft |
| Schwefel-Salbe 5–10 % | Über Nacht, mehrere Nächte hintereinander | Option unter 2 Monaten und in der Schwangerschaft |
| Crotamiton 10 % | Nur Erwachsene, oft zwei Aufträge | Häufige Therapieversager laut CDC |
| Spinosad 0,9 % | Topisch, FDA-Zulassung 2021 | Ab 4 Jahren; Datenlage begrenzter als bei Permethrin |
| Lindan 1 % | Keine erste Wahl | Neurotoxisch; in den USA aktuell nicht verfügbar |
Die Cochrane-Auswertung von Rosumeck, Nast und Dressler (2018) fand nach vier Wochen wenig Unterschied zwischen Permethrin und Ivermectin, bei überwiegend niedriger bis mittlerer Evidenz. Eine Metaanalyse im British Journal of Dermatology (Mbuagbaw und Kollegen, 2024) bezifferte Therapieversagen insgesamt auf 15,2 Prozent; zwei orale Ivermectin-Dosen lagen bei 7,1 Prozent Versagern, eine Dosis bei 15,2 Prozent. Permethrin-Versagen nahm in den ausgewerteten Jahrzehnten leicht zu. Ein französischer Cluster-RCT, den Boralevi und Kollegen im Januar 2026 im BMJ veröffentlichten, zeigte bei klassischer, dermatoskopisch gesicherter Krätze am Tag 28 eine Überlegenheit der Permethrin-Creme gegenüber oralem Ivermectin, jeweils an Tag 0 und 10 gegeben. Für Massenbehandlungen in Hochprävalenzgebieten bleibt Ivermectin laut WHO trotzdem das praktikable Mittel.
Lindan, das ältere Ratgeber oft neben Permethrin nannten, führt die CDC nur noch als Reserve und zugleich als in den USA derzeit nicht verfügbar. Überdosierung, Verschlucken oder Anwendung auf entzündeter Haut kann das Nervensystem schädigen; kontraindiziert ist es unter anderem bei Frühgeborenen, unkontrollierter Epilepsie, Borkenkrätze, Schwangerschaft und Stillzeit sowie unter 50 Kilogramm. Schwefel in Vaseline bleibt eine Option für Säuglinge unter zwei Monaten. Crotamiton versagt häufig. Spinosad 0,9 Prozent ist seit 2021 in den USA für Patienten ab vier Jahren zugelassen; die Daten stammen aus zwei randomisierten Studien. Welches Schema in Deutschland verordnet wird, entscheidet die behandelnde Praxis nach Zulassung, Gewicht, Schwangerschaft und ob die Creme den ganzen Körper zuverlässig erreicht.

Borkenkrätze: wann rasch Hilfe nötig ist
Borkenkrätze, früher oft norwegische Krätze genannt, ist dieselbe Milbe in extremer Zahl, nicht eine aggressivere Art. Die WHO spricht von Tausenden bis Millionen Tieren; die Haut wird dick, schuppig, borkig, der Juckreiz kann schwach sein oder fehlen. Genau deshalb wird die Form leicht übersehen, während Schuppen Möbel, Wäsche und Pflegekräfte kontaminieren. Die CDC warnt, dass schon kurzer Kontakt oder verunreinigte Gegenstände ausreichen und dass verspätete Therapie Ausbrüche in Heimen und Kliniken nährt.
Gefährdet sind vor allem ältere, immobile oder immunschwache Menschen, etwa mit HIV, Lymphom oder nach Organtransplantation, sowie Bewohner von Gemeinschaftseinrichtungen. Die Mayo Clinic nennt zusätzlich junge Kinder und Gruppenunterkünfte. Therapie ist hier aggressiver als bei der klassischen Form. Die CDC empfiehlt orales Ivermectin plus Permethrin auf dem ganzen Körper; für Ivermectin kursieren Expertenschemata mit drei, fünf oder sieben Dosen über mehrere Wochen, abhängig von der Schwere. Die Creme wird anfangs täglich oder alle zwei bis drei Tage aufgetragen. Keratolytische Cremes können Borken lösen, damit das Skabizid die Milben erreicht.
Wer dicke Schuppen, krustige Plaques und wenig Juckreiz bei Immunschwäche oder im Pflegeheim sieht, sollte nicht auf Hausmittel warten. Die betroffene Person ist hoch ansteckend, und unbehandelte Kontakte tragen den Befall in Stationen und Familien zurück. Gleichzeitig gilt: nicht jede schuppende Dermatose ist Borkenkrätze. Die Abgrenzung zu Psoriasis oder schwerem Ekzem bleibt Aufgabe der Dermatologie, oft mit Dermatoskopie und Geschabsel.
Was zu Hause hilft: Wäsche, Kontakte, Juckreiz
Hausmittel töten die humane Milbe nicht, können aber den Juckreiz erträglicher machen, während das Rezeptmittel wirkt. Die Mayo Clinic nennt orale Antihistaminika und Calamine-Lotion als mögliche Linderung; kühle Umschläge beruhigen entzündete Stellen. Die AAD erwähnt zusätzlich Pramoxain-Lotion und, bei bakterieller Superinfektion, ein Antibiotikum. Steroidcremes können Rötung und Schwellung dämpfen, ersetzen aber niemals das Skabizid. Teebaumöl, Schwefelseife aus der Drogerie oder Mittel gegen Tierräude gehören nicht auf Menschenhaut.
Am Tag der Therapie, nicht drei Tage vorher und nicht „irgendwann in der Woche“, werden Textilien erneuert, die in den drei Tagen vor Behandlungsbeginn direkt auf der Haut lagen. Heiß waschen, heiß trocknen oder chemisch reinigen; was das nicht verträgt, wandert in den Beutel. Die CDC nennt „mehrere Tage bis eine Woche“, die Mayo Clinic eine Woche an einem ungestörten Ort. Bei klassischer Krätze reicht das in der Regel. Bei Borkenkrätze raten Mayo Clinic und WHO zusätzlich zum Staubsaugen von Polstern, Teppichen und Böden, weil Schuppen Milben tragen.
Alle Haushaltsmitglieder und sexuellen Partner sollen zeitgleich behandelt werden, auch ohne Juckreiz. Die AAD nennt das als einzigen Weg, spätere Wellen zu verhindern. Wer nur die juckende Person cremt, holt sich die Milbe oft aus dem gemeinsamen Bett zurück. Nach korrekt angewendeter Therapie dürfen Kinder laut CDC am nächsten Tag wieder in die Kita. Enge Hautkontakte sollten trotzdem bis zum Abschluss der Einwirkzeit und der Mitbehandlung der Kontaktpersonen ruhen. Neue Gänge oder ein frischer, pickelartiger Ausschlag zwei bis vier Wochen nach der Kur sind für die CDC ein Grund, die Therapie zu wiederholen; anhaltender Juckreiz allein beweist noch keine lebenden Milben.
Wann zum Arzt, welche Komplikationen drohen?
Nächtliches Jucken plus typische Stellen, vor allem Fingerzwischenräume, Handgelenke und Genitale, gehört zeitnah in die Haus- oder Hautarztpraxis, nicht erst nach Wochen Selbstbehandlung. Die Mayo Clinic rät zur Vorstellung, weil viele juckende Ausschläge ähnlich aussehen und nur die Praxis das passende Rezeptmittel auswählen kann. Schwangere, Stillende, Säuglinge unter zwei Monaten und Menschen unter 15 Kilogramm brauchen eine individuelle Wahl, weil Ivermectin dort nicht etabliert ist und bei den Jüngsten nur Permethrin oder Schwefel infrage kommen.
| Situation | Was tun |
|---|---|
| Nachtjucken, Gänge, betroffene Kontaktpersonen | Zeitnah Hausarzt oder Dermatologie, nicht rezeptfreie „Anti-Milben-Creme“ |
| Säugling, Schwangerschaft, Gewicht unter 15 kg | Dieselbe Praxis, anderes Schema; Ivermectin nicht Routine |
| Dicke Borken, Schuppen, schwacher Juckreiz, Immunschwäche oder Heim | Rasch fachärztlich; hohe Ansteckungsgefahr |
| Eitrige Stellen, Fieber, starkes Krankheitsgefühl nach Kratzen | Zeitnah vorstellen, mögliche bakterielle Superinfektion |
| Neue Gänge oder frischer Ausschlag 2–4 Wochen nach Therapie | Wiedervorstellung, mögliche zweite Kur |
| Juckreiz allein in den ersten zwei Wochen nach korrekter Kur | Abwarten unter Rücksprache; oft allergisches Nachjucken |
Komplikationen entstehen vor allem durch Kratzen und durch die Borkenform. Die WHO beschreibt Impetigo, Abszesse und in schweren Fällen eine Blutstrominfektion. In tropischen Armutsregionen gilt krätzeassoziierte Hautinfektion als Risikofaktor für Nierenerkrankungen und wird mit rheumatischem Fieber und rheumatischer Herzkrankheit in Verbindung gebracht. Das betrifft vor allem Settings mit hoher Streptokokkenlast, nicht jeden mitteleuropäischen Einzelfall. Trotzdem ist eitrig zerkratzte Haut kein kosmetisches Detail.
Alarmzeichen sind Fieber, sich ausbreitende Rötung, Eiter und rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands. Borkenkrätze im Heim oder nach Transplantation ist ein Ausbruchsrisiko für andere, kein privates Hautproblem. Die CDC rät in solchen Lagen zu schneller, kombinierter Therapie und zur Information der Gesundheitsbehörde, wenn Einrichtungen betroffen sind. Niemand muss sich schämen; die Milbe urteilt nicht über Sauberkeit.
Häufige Fragen
Kann ich Krätze von meinem Hund bekommen?
Nein, die Räude-Milbe des Hundes erzeugt keine dauerhafte humane Krätze. Sie kann kurz jucken, vermehrt sich aber nicht auf Menschenhaut. Der Hund braucht veterinärmedizinische Behandlung; bleibt der eigene Ausschlag oder wandert er in die Fingerzwischenräume, ist eine Krätze von einem Menschen wahrscheinlicher.
Muss die ganze Familie mitbehandelt werden?
Ja, alle engen Haushaltskontakte und sexuellen Partner sollen zeitgleich behandelt werden, auch ohne Juckreiz. Die CDC und die AAD begründen das mit der langen symptomfreien Ansteckungsphase. Wer nur die juckende Person behandelt, riskiert den Rückfall aus dem gemeinsamen Bett.
Wie lange juckt die Haut nach der Creme noch?
Der Juckreiz kann Wochen anhalten, weil er eine Allergie gegen tote Milbenreste ist. Die WHO beschreibt oft eine Verschlechterung in der ersten bis zweiten Woche. Neue Gänge oder ein frischer Ausschlag nach zwei bis vier Wochen sind für die CDC ein Hinweis, die Therapie zu wiederholen, nicht der Juckreiz allein.
Darf mein Kind am nächsten Tag in die Kita?
Ja, nach korrekt durchgeführter Therapie dürfen Kinder und Erwachsene laut CDC am folgenden Tag wieder in Kita, Schule oder Beruf. Die Einwirkzeit der Creme muss abgeschlossen sein, und enge Kontaktpersonen sollen denselben Behandlungstag haben. Ein kurzer Kita-Tag ersetzt nicht die Wäsche der Bettwäsche.
Reichen Hausmittel oder Mittel ohne Rezept?
Nein. Die CDC stellt fest, dass kein rezeptfreies Produkt für humane Krätze geprüft und zugelassen ist. Calamine, Antihistaminika und kühle Umschläge können den Juckreiz lindern, töten die Milbe aber nicht. Mittel gegen Tierräude oder Pflanzensprays haben auf Menschenhaut nichts verloren.
Ist Lindan noch eine übliche Therapie?
Nein. Ältere Texte führten Lindan oft als gängiges Rezeptmittel. Die CDC stuft es 2023 nicht als erste Wahl ein, warnt vor Neurotoxizität und vermerkt, dass es in den USA derzeit nicht verfügbar ist. Erste Optionen sind Permethrin 5 Prozent und, wo geeignet, orales Ivermectin in zwei Dosen.

Fazit
Wer nach dem Kontakt mit einem räudigen Tier juckt, hat in der Regel keine humane Krätze, sondern eine kurze Reizung durch eine Milbe, die auf Menschenhaut nicht Fuß fasst. Das Tier gehört zum Veterinär, die eigene Haut zur Beobachtung; wandert der Ausschlag in die Fingerzwischenräume oder juckt er nachts über Wochen, ist der Mensch der wahrscheinliche Wirt. Humane Krätze entsteht durch Sarcoptes scabiei var. hominis, braucht engen Hautkontakt und bleibt ansteckend, bevor der Juckreiz beginnt.
Die Therapie hat sich seit den späten 2010er-Jahren verschoben. Permethrin 5 Prozent und Ivermectin in zwei Gaben gelten als erste Wahl, Lindan nicht mehr als Routine. Haushalte werden zeitgleich mitbehandelt, Wäsche heiß gewaschen oder eine Woche eingeschlossen, Kita und Arbeit sind am Tag nach der Kur wieder möglich. Anhaltendes Jucken ist oft Allergie, neue Gänge nach zwei bis vier Wochen eher ein Grund für eine zweite Kur.
Wer nächtliches Jucken, Gänge oder einen betroffenen Partner hat, holt sich ein Rezept, statt Drogerieprodukte zu stapeln. Borken, Fieber oder eitrige Kratzeffekte gehören rasch in die Praxis. Die Milbe ist behandelbar; Garantien auf sofortiges Ende des Juckens gibt es nicht, wohl aber klare Kriterien, wann nachgefasst werden muss.
Quellen
- CDC: About Scabies | Scabies | CDC. Centers for Disease Control and Prevention, 9. September 2024.
- CDC: Clinical Care of Scabies. Centers for Disease Control and Prevention, 18. Dezember 2023.
- CDC: Preventing Scabies. Centers for Disease Control and Prevention, 18. Dezember 2023.
- Mayo Clinic: Scabies – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 7. Februar 2026.
- Mayo Clinic: Scabies – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 7. Februar 2026.
- WHO: Scabies (WHO fact sheet). World Health Organization, Stand: 2023.
- Rosumeck S, Nast A et al.: Ivermectin and permethrin for treating scabies. Cochrane Database of Systematic Reviews, April 2018.
- Engelman D, Yoshizumi J et al.: The 2020 International Alliance for the Control of Scabies Consensus Criteria for the Diagnosis of Scabies. British Journal of Dermatology, 29. März 2020.
- Mbuagbaw L, Sadeghirad B et al.: Failure of scabies treatment: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Dermatology, Februar 2024.
- Boralevi F, Simon G et al.: Oral ivermectin versus 5% permethrin cream to treat children and adults with classic scabies: multicentre, assessor blinded, cluster randomised clinical trial. The BMJ, 6. Januar 2026.
- American Academy of Dermatology: Scabies: Diagnosis and treatment. American Academy of Dermatology, Stand: 8. Juni 2022.
