
Zu viel grüner Tee kann vor allem dann schaden, wenn Katechine als konzentrierter Extrakt in Kapseln oder Pulvern ankommen: die europäische Lebensmittelbehörde EFSA sieht ab 800 Milligramm Epigallocatechingallat (EGCG) pro Tag als Nahrungsergänzung einen statistisch greifbaren Anstieg der Leberenzyme. Der heiße Aufguss aus den unfermentierten Blättern von Camellia sinensis gilt in den in Europa üblichen Mengen als grundsätzlich unbedenklich; seltene, nicht vorhersehbare Leberreaktionen bleiben die Ausnahme.
Die Tasse am Nachmittag und die Fasten-Kapsel sind also nicht dasselbe Produkt. Im Aufguss kommen Katechine mit Wasser, etwas Koffein und der Mahlzeit daher, oft über den Tag verteilt. Im Extrakt trifft eine hohe Einzeldosis auf nüchternen Magen, und genau dieses Muster erhöht laut EFSA und der US-Pharmakopöe die Aufnahme von EGCG im Blut.
Ältere Warnungen stützten sich gern auf Tierversuche, darunter Arbeiten an Fruchtfliegen. Seit 2018 tragen Humanstudien, die EFSA-Schwelle von 800 Milligramm EGCG und eine Warnformel der United States Pharmacopeia die Last der Argumente. Wer den Tee als Getränk mag, braucht selten Angst; wer ihn als Schlankheitsbolus schluckt, braucht eine andere Rechnung.
Wie viele Tassen grüner Tee gelten als unbedenklich?
Drei bis fünf Tassen aufgebrühter grüner Tee am Tag liegen für die meisten gesunden Erwachsenen im Bereich, den Behörden und Kliniken als unauffällig beschreiben. Die Cleveland Clinic nennt ausdrücklich zwei bis vier Tassen ohne berichtete Giftigkeit; die EFSA stuft traditionelle Aufgüsse und fertige Getränke mit vergleichbarem Katechingehalt als grundsätzlich sicher ein, sofern die Menge den in EU-Ländern beobachteten Verzehr nicht sprengt.
Die Zahl, die dabei zählt, ist nicht „Tassen“, sondern EGCG. Im Mittel nimmt ein Erwachsener über Aufgüsse 90 bis 300 Milligramm EGCG am Tag auf. Vieltrinker können laut EFSA-Gutachten von 2018 bis etwa 866 Milligramm erreichen. Diese Oberkante überschneidet sich mit der 800-Milligramm-Marke, an der in Studien mit Nahrungsergänzungen die Transaminasen stiegen. Trotzdem blieb der Aufguss in der Bewertung auf der sicheren Seite, weil die Matrix, die Mahlzeit und die Verteilung über den Tag die Kinetik ändern.
Eine Tasse ist keine Normeinheit. Stärke, Ziehzeit, Blattqualität und Tassengröße schwanken; Matcha verwendet das ganze Blattpulver und kann deshalb mehr Katechine und mehr Koffein liefern als ein Beutel im Becher. Fertiggetränke aus dem Kühlregal enthalten oft Zucker, deklarieren EGCG aber selten. Wer fünf kleine Schalen Sencha trinkt, liegt woanders als jemand, der zwei große Becher Pulvertee auf nüchternen Magen leert.
Praktisch reicht eine einfache Regel, die ohne Labor auskommt.
- Der aufgebrühte Tee zur Mahlzeit bleibt für gesunde Erwachsene die Form mit der besten Sicherheitslage.
- Mehrere Tassen über den Tag zu verteilen belastet die Leber weniger als eine einzige hohe Kapselgabe.
- Wer unsicher ist, zählt eher Koffein und Beschwerden als eine magische Tassenzahl.
Kinder und Jugendliche brauchen eine eigene Grenze, weil Koffein bei ihnen schneller Herzrasen, Schlafstörung und Unruhe auslösen kann. Die US-Arzneimittelbehörde FDA rät bei Energy-Drinks mit zugesetztem Koffein zur Zurückhaltung und nennt für die meisten Erwachsenen 400 Milligramm Koffein am Tag als Menge, die in der Regel ohne negative Effekte bleibt. Grüntee-Getränke zählen in diese Summe, genau wie Kaffee, Cola und Schokolade.

Warum belasten Extrakte die Leber stärker als der Aufguss?
Extrakte pressen die Katechine der Blätter in eine kleine, oft koffeinärmere Dosis und werden typischerweise als einzelne Tagesportion geschluckt, häufig nüchtern und mit dem Ziel Gewicht zu verlieren. Genau dieses Muster erhöht die Fläche unter der EGCG-Blutspiegelkurve gegenüber der Einnahme zum Essen oder in geteilten Gaben, wie die EFSA in ihrer Kinetik-Zusammenfassung festhält. Die Leber sieht dann einen steileren Peak als nach einer langsam geleerten Tasse.
In Interventionsstudien mit mehr als vier Monaten stiegen Alanin- und Aspartat-Aminotransferase bei Dosen von 800 Milligramm EGCG pro Tag oder mehr in einem kleinen Anteil der Teilnehmenden, meist unter zehn Prozent. Unterhalb dieser Marke fand die EFSA in den ausgewerteten Arbeiten keine überzeugende Leberschädigung, konnte aber trotzdem keine sichere Extraktdosis für die Allgemeinheit ableiten. Eine systematische Übersicht von Hu, Webster und Kollegen nannte 2018 für feste Bolusgaben 338 Milligramm EGCG am Tag als beobachtete sichere Menge und 704 Milligramm für Getränkeformen; das ist eine abgeleitete Schwelle aus Studien, kein gesetzlicher Grenzwert.
Die United States Pharmacopeia hat 2019/2020 in ihrer Monografie für pulverförmigen, entkoffeinierten Grüntee-Extrakt eine Warnformel verankert. Sie verlangt, den Extrakt nicht nüchtern und nur zum Essen zu nehmen, bei bekannter Lebererkrankung zu verzichten und bei Bauchschmerz, dunklem Urin oder Gelbsucht sofort aufzuhören. Fallberichte, die diese Übersicht auswertete, verknüpften Leberschäden mit EGCG-Mengen von etwa 140 bis 1000 Milligramm am Tag; die Spanne zeigt, dass Empfindlichkeit und Produktqualität stark streuen.
| Form | Typische Tagesmenge | Leberbewertung |
|---|---|---|
| Heißer Aufguss, üblich | 90–300 mg EGCG (EFSA 2018) | grundsätzlich unbedenklich |
| Heißer Aufguss, Vieltrinker | bis 866 mg EGCG (EFSA 2018) | selten idiosynkratische Fälle |
| Kapseln und Pulver | 5–1000 mg EGCG (EFSA 2018) | ab 800 mg/Tag Enzymanstieg in Studien |
| Koffein je Portion | 37 mg in 355 ml (FDA) oder 75 mg je Tasse (NHS) | zählt zur Koffeingrenze |
Die EFSA empfahl 2018 klarere Angaben zum Katechingehalt und zu möglichen Risiken auf den Packungen. Eine gesetzliche sichere Extraktdosis konnte sie nicht festlegen. Wer Kapseln, Shot und Matcha-Latte addiert, kann die 800-Milligramm-Marke trotzdem erreichen, ohne eine einzelne Packung zu überschreiten.
Welche Warnzeichen setzt eine gereizte Leber?
Leberschäden durch Grüntee-Extrakt sind selten, aber gut belegt: LiverTox der US-National Institutes of Health stuft sie als etablierte Ursache akuter Leberverletzung ein und zählt mehr als hundert veröffentlichte klinische Fälle. Die Latenz liegt meist zwischen einem und sechs Monaten nach Beginn, bei erneuter Einnahme oft kürzer. Das Bild gleicht einer akuten Hepatitis, mit stark erhöhten Transaminasen und vergleichsweise ruhiger alkalischer Phosphatase.
In einer großen vorbeugenden Studie an Frauen nach den Wechseljahren stiegen die ALT-Werte unter Grüntee-Extrakt bei 6,7 Prozent der Behandelten gegenüber 0,7 Prozent in der Kontrollgruppe. Klinisch sichtbare Gelbsucht blieb in dieser Überwachung aus, weil der Extrakt beim Enzymanstieg rasch gestoppt wurde; wer ihn erneut nahm, bekam den Anstieg oft schneller wieder. Eine Auswertung des US-Netzwerks für arzneimittelbedingte Leberverletzungen fand das Gewebemerkmal HLA-B*35:01 bei 72 Prozent der Grüntee-Fälle, gegenüber etwa elf bis fünfzehn Prozent in Kontrollgruppen. Das NCCIH nennt dieselbe Variante bei fünf bis fünfzehn Prozent der US-Bevölkerung und erklärt damit, warum manch eine Person schon bei Mengen erkrankt, die andere vertragen.
Die Cleveland Clinic listet die Warnzeichen, bei denen niemand auf „eine schlechte Nacht“ warten sollte.
- Schmerz oder Druck unter dem rechten Rippenbogen, gepaart mit Appetitverlust, spricht für eine Leberreizung und gehört noch am selben Tag abgeklärt.
- Dunkler, teefarbener Urin oder hellgrauer Stuhl können den Gallefluss stören und brauchen eine Blutuntersuchung.
- Gelbfärbung von Haut oder Augen, ungewöhnliche Schwäche oder Übelkeit nach Kapseln sind ein Stoppsignal, kein Anlass für eine höhere Dosis.
LiverTox erwartet nach dem Absetzen in typischen Verläufen eine Erholung binnen ein bis zwei Monaten. Tiefe Gelbsucht, Verwirrtheit, eine verlängerte Blutgerinnung oder ein sinkendes Albumin gehören in die Klinik, weil dann die Frage einer Transplantation im Raum steht. Wer einmal einen solchen Schaden hatte, soll Grüntee-Extrakt und Mischprodukte fürs Abnehmen dauerhaft meiden; ein zweiter Kontakt kann denselben Verlauf in kürzerer Zeit wiederholen.
Wie viel Koffein steckt in einer Tasse?
Grüner Tee enthält weniger Koffein als die meisten Kaffees, aber genug, um Schlaf, Puls und Magen zu stören, sobald mehrere Quellen zusammenkommen. Die FDA nennt für 355 Milliliter Grüntee rund 37 Milligramm Koffein; der britische NHS setzt für eine Tasse Tee, schwarz oder grün, etwa 75 Milligramm an. Die Spanne erklärt sich durch Tassengröße, Ziehzeit und Sorte, nicht durch einen Rechenfehler.
Für die meisten Erwachsenen bleibt laut FDA eine Gesamtmenge von 400 Milligramm Koffein am Tag in der Regel ohne negative Effekte. Das sind grob zwei bis drei große Kaffees, nicht vier Liter Grüntee plus Energy-Drink. Zu den Frühzeichen einer Überdosis zählen schneller oder unregelmäßiger Puls, erhöhter Blutdruck, Schlaflosigkeit, Unruhe, Zittern, Übelkeit und Kopfschmerz. Reines Koffeinpulver kann schon bei rascher Aufnahme um 1200 Milligramm Krampfanfälle auslösen; solche Konzentrate haben mit einer Tasse Sencha nichts gemein.
Entkoffeinierter Tee ist nicht koffeinfrei. Bei Kaffee nennt die FDA noch 2 bis 15 Milligramm in 240 Millilitern; bei Tee bleibt ein Rest, der bei sehr empfindlichen Menschen ausreichen kann. Fertigflaschen und „Fatburner“-Mischungen deklarieren den Gehalt oft lückenhaft. Wer abends trinkt und danach stundenlang wachliegt, hat die Antwort bereits im Schlaftagebuch, ohne Labor.
Koffein allein erklärt die Leberfälle nicht. Es erklärt Herzklopfen, sauren Magen und den Impuls, nach der vierten Tasse noch eine fünfte zu gießen. Wer Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Angstneigung hat, sollte die Summe aus Tee, Kaffee und Guarana-Produkten mit der behandelnden Praxis durchgehen, bevor ein Extrakt dazukommt.
Mit welchen Arzneimitteln kann grüner Tee kollidieren?
Hohe Mengen grünen Tees können den Blutspiegel einzelner Arzneimittel senken und damit deren Wirkung abschwächen; das NCCIH nennt namentlich den Betablocker Nadolol, den Cholesterinsenker Atorvastatin und das Osteoporose-Mittel Raloxifen. Die Hemmung betrifft Aufnahmewege im Darm, unter anderem Transportproteine der OATP-Familie, nicht nur klassische Leberenzyme. Wer diese oder ähnliche Stoffe fest einnimmt, sollte Extrakte nicht auf eigene Faust dazulegen.
Nadolol dient der Blutdruck- und Herzbehandlung. Sinkt der Spiegel, kann der Druck wieder steigen oder die Frequenz ungünstig werden, ohne dass die Tablette „versagt“ hätte. Atorvastatin verliert unter Grüntee-Extrakt an systemischer Verfügbarkeit; wer den Cholesterinwert kontrolliert, sieht dann möglicherweise eine verschlechterte LDL-Kurve und schiebt sie der Tablette zu. Raloxifen, in einer vom NCCIH geförderten Studie gemeinsam mit Grüntee gegeben, erreichte niedrigere Blutspiegel. Das ist keine Einladung, die Osteoporosetherapie abzusetzen, sondern ein Grund, den Tee zeitlich zu trennen oder wegzulassen.
Weitere Verdachtsfälle betreffen unter anderem Lisinopril und andere hydrophile Herzmittel, bei denen Katechine die Aufnahme im Darm stören können. Warfarin und der INR-Wert tauchen in Übersichten als Beobachtungspunkt auf, weil Vitamin-K-Spuren und Katechine die Gerinnungstheorie verkomplizieren. Keine dieser Interaktionen ersetzt ein Gespräch in der Apotheke; sie ersetzen erst recht nicht den Packungsbeileger.
Zwei Alltagsregeln tragen weit.
- Kapseln und Pulver mit Grüntee gehören auf den Medikationsplan, genau wie ein neues Schmerzmittel.
- Tablette und starken Aufguss nicht in denselben Schluck zu legen, kann eine Aufnahmeblockade mindern, ersetzt aber keine Rücksprache.
Wer mehrere slimmende Mischpräparate stapelt, addiert nicht nur EGCG, sondern oft Koffein, Garcinia oder andere Kräuter, deren Leberrisiko LiverTox ebenfalls kennt. Die Frage an die Praxis lautet dann nicht „Ist Tee gesund?“, sondern „Was genau schlucke ich jeden Morgen?“
Was gilt in Schwangerschaft und Stillzeit?
In der Schwangerschaft zählt vor allem das gesamte Koffein, nicht die Farbe des Tees. Der NHS begrenzt die Zufuhr auf 200 Milligramm am Tag und rechnet eine Tasse Tee mit etwa 75 Milligramm; zwei Tassen plus ein kleiner Kaffee können die Marke bereits füllen. Höhere Mengen hängen mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburt und Totgeburt zusammen. Das NCCIH verlangt in der Schwangerschaft ebenfalls nur mäßiges Koffein und rät, die Menge mit der Schwangerenbetreuung festzulegen.
Grüntee-Extrakt in Kapseln hat in dieser Lebensphase keinen Platz. Das EFSA-Gutachten von 2018 erwähnt nationale Listen, die Schwangere, Stillende und Kinder von hochdosierten EGCG-Produkten ausnahmen und oft 300 Milligramm EGCG am Tag als Obergrenze für Erwachsene nannten. Der Aufguss bleibt unter der 200-Milligramm-Koffeingrenze verhandelbar, der Detox-Shot nicht.
Stillende geben Koffein mit der Milch weiter. Hohe mütterliche Mengen können Unruhe und schlechten Schlaf beim Säugling auslösen; niedrige bis mäßige Mengen bleiben laut NCCIH meist ohne spürbare Folgen. Wer nach der Geburt wieder Tee trinkt, beobachtet das Kind und die eigene Nacht, statt eine Tasse nach der anderen nachzuholen.
Wer Folsäure oder Eisen fest einnimmt, sollte den Zeitpunkt mit der Praxis klären. Das NCCIH rät bei Arzneimitteln ohnehin zur Rücksprache, bevor Grüntee-Produkte dazukommen.
Wer sollte besonders vorsichtig trinken?
Menschen mit bekannter Lebererkrankung, nach einer unerklärten Hepatitis oder mit bereits erhöhten Transaminasen sollten Grüntee-Extrakt weglassen. Die USP-Formel sagt das unmissverständlich, und LiverTox rät nach einem zugeschriebenen Schaden zur lebenslangen Meidung. Der Aufguss in kleiner Menge mag weitergehen, sobald die Werte ruhig sind; das entscheidet die Hepatologie, nicht eine Werbeanzeige.
Die Cleveland Clinic nennt unter den Vorsichtskonstellationen unter anderem Blutarmut, Blutungsneigung, Diabetes, Herzkrankheit, Bluthochdruck, Nieren- oder Leberleiden, Unterzucker, Krampferkrankung, Magengeschwür, gerinnungshemmende Mittel, Schilddrüsenstörung, Schlaflosigkeit sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Das ist keine Verbotsliste für jede Tasse, sondern ein Hinweis, dass Koffein, Katechine und Arzneimittel sich in genau diesen Lagen unangenehm überlagern können.
Wer abnimmt, ist die Gruppe mit dem höchsten dokumentierten Risiko, weil genau hier Kapseln nüchtern, oft über Wochen und oft in Mischungen landen. Frauen im mittleren Alter tauchen in Fallserien häufiger auf, was eher den Gebrauch von Schlankheitsmitteln spiegelt als eine biologische Unausweichlichkeit. Das HLA-Merkmal B*35:01 erklärt einen Teil der schweren Verläufe, ist aber kein Screeningtest vor dem Teekauf.
Jugendliche greifen zu Energy-Drinks, in denen Grüntee-Extrakt als Koffeinlieferant steckt, ohne dass die Dose den EGCG-Gehalt nennt. Die FDA warnt vor solchen Getränken bei Kindern und Teenagern wegen Zucker und Koffein. Eine selbst gemixtte Kapselkur „für die Definition“ ist dasselbe Produkt in anderer Verpackung.
Wann gehört grüner Tee zum Arzt?
Zum Arzt gehört jede Kombination aus neuem Grüntee-Extrakt und Symptomen, die auf die Leber oder das Herz zeigen, und zwar bevor jemand die Dosis verdoppelt. Gelbsucht, dunkler Urin, rechter Oberbauchschmerz, anhaltende Übelkeit oder eine plötzlich bleierne Müdigkeit nach Wochen mit Kapseln sind kein Abwarten wert. In der Praxis reicht oft die Frage nach allen Präparaten der letzten sechs Monate, inklusive Pulver ohne Markennamen.
Sofort in die Notaufnahme gehören Verwirrtheit, zunehmende Gelbsucht, Teerstuhl, Blutbrechen, Luftnot oder ein unregelmäßiger, sehr schneller Puls nach hochkonzentriertem Koffein. LiverTox nennt verlängerte Gerinnung, hohes Bilirubin und sinkendes Albumin als Schwellen, ab denen ein Leberzentrum mitdenken muss. Das klingt dramatisch und bleibt selten; wer die Schwelle kennt, handelt früher.
Was sich seit 2018 geändert hat, ist die Begründung, nicht die Tasse. Das EFSA-Gutachten vom April 2018 trennte den Aufguss vom Extrakt und setzte 800 Milligramm EGCG als Marke für messbare Enzymanstiege, ohne eine sichere Extraktdosis festzulegen. 2019/2020 kehrte die USP-Warnung gegen nüchterne Einnahme in die Monografie zurück. 2021 knüpfte die DILIN-Auswertung schwere Verläufe an HLA-B*35:01. Die Fruchtfliegenstudie, die ältere Ratgebertexte trug, erklärt den menschlichen Leberfall nicht.
Wer morgen etwas ändern will, braucht keine Entgiftungskur. Der Aufguss zur Mahlzeit bleibt, die Kapsel ohne ärztlichen Grund verschwindet, das Etikett wird auf EGCG gelesen, und die Hausärztin erfährt von jedem Pulver, das im Küchenschrank steht.
Häufige Fragen
Wie viele Tassen grüner Tee sind pro Tag unbedenklich?
Für die meisten gesunden Erwachsenen bleiben zwei bis fünf Tassen aufgebrühter Tee im üblichen Stärkebereich unauffällig, solange das gesamte Koffein im Blick bleibt. Die Cleveland Clinic nennt zwei bis vier Tassen ohne berichtete Giftigkeit, die EFSA stuft klassische Aufgüsse als grundsätzlich sicher ein. Eine starre Obergrenze in Tassen gibt es nicht, weil Ziehzeit und Tassengröße den Katechingehalt verschieben.
Können Kapseln mit Grüntee-Extrakt die Leber schädigen?
Ja. Konzentrierte Extrakte sind die Form, die in Fallserien und Studien mit Leberenzymanstieg und selten mit akuter Hepatitis verknüpft ist. Die EFSA sieht ab 800 Milligramm EGCG am Tag als Nahrungsergänzung einen statistisch greifbaren Transaminasenanstieg. Wer Gelbsucht, dunklen Urin oder rechten Oberbauchschmerz bemerkt, setzt das Präparat ab und lässt die Werte messen.
Ist Matcha riskanter als Beuteltee?
Matcha verwendet das ganze Blatt als Pulver und kann deshalb mehr Katechine und mehr Koffein pro Portion liefern als ein kurz gezogener Beutel. Eine eigene Sicherheitszahl nur für Matcha haben die genannten Behörden nicht festgelegt. Wer mehrere Schalen am Tag und zusätzlich Kapseln nimmt, addiert EGCG, ohne es auf dem Deckel zu sehen.
Darf ich grünen Tee in der Schwangerschaft trinken?
Mäßiger Aufguss kann unter der NHS-Grenze von 200 Milligramm Koffein am Tag bleiben, etwa bei einer oder zwei Tassen, wenn wenig anderer Kaffee dazukommt. Kapseln und hochdosierte Extrakte haben in der Schwangerschaft keinen sinnvollen Platz. Die genaue Menge gehört in die Schwangerenbetreuung, nicht auf ein Forum.
Wann muss ich mit Leberbeschwerden in die Klinik?
Verwirrtheit, rasch zunehmende Gelbsucht, sehr dunkler Urin zusammen mit hellen Stühlen, Blutungsneigung oder ein sich verschlechternder Allgemeinzustand nach Extrakten gehören in die Notaufnahme. LiverTox sieht in solchen Lagen die Frage einer schweren, gelegentlich transplantationspflichtigen Verlaufsform. Ein einzelner erhöhter Laborwert ohne Symptome kann die Praxis am nächsten Werktag klären, sobald das Präparat gestoppt ist.
Hilft grüner Tee genug beim Abnehmen, um Extrakte zu rechtfertigen?
Katechine und Koffein können das Körpergewicht in Studien etwas senken, der Effekt bleibt klein und hängt von Produkt und Bewegung ab. Das NCCIH nennt den Nutzen bescheiden und die Beleglage für die meisten Werbeversprechen unscharf. Für ein paar hundert Gramm weniger auf der Waage ein Leberrisiko einzugehen, ist ein schlechtes Tauschgeschäft.
Fazit
Der aufgebrühte grüne Tee bleibt für gesunde Erwachsene ein Getränk mit günstiger Sicherheitsbilanz, solange Koffein, Arzneimittel und die eigene Leber ruhig bleiben. Die Gefahr, die Behörden seit 2018 konkret beziffern, sitzt in der Kapsel, im nüchternen Bolus und in Mischungen, deren Etikett EGCG nicht oder nur klein druckt.
Wer morgen etwas ändern will, lässt den Aufguss zur Mahlzeit stehen, streicht ungefragte Extrakte, liest die Milligramm EGCG und zählt Koffein aus Tee, Kaffee und Dosen in eine Summe. Schwangere bleiben unter 200 Milligramm Koffein, Menschen mit Leberwerten oder schweren Herzmitteln sprechen die Praxis an, bevor ein neues Pulver den Schrank erreicht.
Schmerz unter dem rechten Rippenbogen, dunkler Urin oder Gelbfärbung nach Kapseln sind kein Naturheilkunde-Detail, sondern ein Grund, das Präparat zu stoppen und Blut abnehmen zu lassen. Die Tasse kann bleiben. Der Schlankheitsmix nicht.
Quellen
- EFSA: EFSA assesses safety of green tea catechins. European Food Safety Authority, 18. April 2018.
- Younes M, Aggett P et al.: Scientific opinion on the safety of green tea catechins. EFSA Journal, 18. April 2018.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Green Tea – LiverTox clinical monograph. LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury, Stand: 20. November 2020.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Green Tea: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: Februar 2025.
- NHS: Foods to avoid in pregnancy. National Health Service, 15. Juni 2026.
- FDA: Spilling the Beans: How Much Caffeine is Too Much?. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Oketch-Rabah HA, Roe AL et al.: United States Pharmacopeia (USP) comprehensive review of the hepatotoxicity of green tea extracts. Toxicology Reports, 15. Februar 2020.
- Cleveland Clinic: Green Tea Pills (Supplement): Uses & Side Effects. Cleveland Clinic, Stand: 2024.
- Hu J, Webster D et al.: The safety of green tea and green tea extract consumption in adults – Results of a systematic review. Regulatory Toxicology and Pharmacology, 24. März 2018.
- Cleveland Clinic: Does green tea extract live up to the hype?. Cleveland Clinic, Stand: 2024.
- Hoofnagle JH, Bonkovsky HL et al.: HLA-B*35:01 and Green Tea-Induced Liver Injury. Hepatology, 2021.
