Probiotika bei Multipler Sklerose: Nutzen und Risiken

Probiotika bei Multipler Sklerose: Nutzen und Risiken

Probiotika können Multiple Sklerose nach heutigem Stand nicht heilen und ersetzen keine krankheitsmodifizierende Therapie. Kleine Humanstudien haben Immunmarker, Entzündungswerte oder Alltagsbeschwerden gemessen; große Zulassungsstudien mit Schüben und Magnetresonanztomografie fehlen. Wer Kapseln kauft, weil eine Mausarbeit von 2017 hoffnungsvoll klang, überspringt genau diese Lücke.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt mehr als 1,8 Millionen Betroffene weltweit. Die Krankheit trifft häufiger junge Erwachsene und häufiger Frauen. Das US-Institut NINDS beschreibt den Beginn meist zwischen 20 und 40 Jahren und eine oft annähernd normale Lebenserwartung. Eine Heilung gibt es nicht. Steroide können einen akuten Schub schneller beruhigen, ohne den Langzeitverlauf zu drehen. Zugelassene Immuntherapien senken Schübe und verlangsamen neue Entzündungsherde. Genau diese Mittel bleiben der Maßstab, an dem jede Joghurtkultur oder Kapsel zu messen ist.

Können Probiotika den Verlauf der Multiplen Sklerose bremsen?

Nein, das ist nicht belegt. Ein Probiotikum ist nach der Definition der International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics ein lebender Mikroorganismus, der in ausreichender Menge einen Nutzen für den Wirt bringen soll. Das NIH-Fachblatt zu Probiotika betont, dass dieser Nutzen stammbezogen ist. Was ein bestimmtes Lactobacillus-Isolat im Reagenzglas tut, gilt nicht automatisch für die nächste Kapsel im Drogererregal.

Die britische Leitlinie NICE NG220 aus dem Jahr 2022 nennt Probiotika nicht als Therapie der Multiplen Sklerose. Sie erklärt ausdrücklich, dass keine spezielle Diät die krankheitsbedingte Erschöpfung verbessert, eine ausgewogene Ernährung aber der allgemeinen Gesundheit nützt. Vitamin D soll laut derselben Leitlinie nicht allein zum Zweck der MS-Behandlung angeboten werden. Omega-3- und Omega-6-Präparate sollen nicht zur Behandlung der Erkrankung gegeben werden, weil Belege für weniger Schübe oder langsameren Verlauf fehlen. Das US-Zentrum NCCIH schreibt in seiner Patienteninformation, es gebe keine Evidenz, dass irgendein Nahrungsergänzungsmittel bei Multipler Sklerose wirke.

Die American Academy of Neurology hatte 2014 komplementäre Verfahren bewertet und diese Leitlinie im Februar 2023 bestätigt. Fischöl gilt dort als wahrscheinlich wirkungslos für Schübe, Behinderung, Erschöpfung, Magnetresonanzherde und Lebensqualität. Probiotika kommen in dieser Bewertung gar nicht als empfohlene Option vor. Wer also eine Kapsel als heimliche Zweittherapie versteht, handelt außerhalb jeder Leitlinie.

Eine Metaanalyse in PLOS ONE vom April 2025 sammelte 17 Tierarbeiten und sechs Humanstudien. In den menschlichen Daten lag der standardisierte Unterschied der Behinderungsskala EDSS bei minus 1,839 zugunsten der Probiotikagruppen. Die Autoren selbst dokumentieren einen Publikationsbias: Arbeiten mit günstigem Effekt erscheinen häufiger. Mehrere viel zitierte iranische Studien zur gleichen Fragestellung wurden 2025 wegen unzuverlässiger Daten zurückgezogen. Wer die gepoolte Zahl als Beleg für weniger Behinderung liest, stützt sich auf ein Fundament, das teilweise weggebrochen ist.

Darmbakterien auf Zotten

Wie hängen Darmbakterien und der Immunangriff zusammen?

Der Darm spricht mit dem Immunsystem, und dieses Immunsystem greift bei Multipler Sklerose die Markscheide an. Das NINDS beschreibt den Angriff auf Myelin im Gehirn und Rückenmark, dazu Schäden an Axonen und eine Schrumpfung der Großhirnrinde. Narben, Plaques genannt, werden im Magnetresonanztomogramm sichtbar. Symptome hängen von Ort und Größe dieser Narben ab: Sehstörungen, Schwäche, Kribbeln, Gleichgewichtsstörungen, Blasenprobleme, Erschöpfung und kognitive Veränderungen.

Kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat entstehen, wenn Darmbakterien Ballaststoffe vergären. Sie können regulatorische T-Zellen stützen und die Durchlässigkeit der Darmwand beeinflussen. Gerät die Gemeinschaft aus dem Gleichgewicht, können entzündungsfördernde Zellen zunehmen. Mehrere Gruppen haben bei Menschen mit Multipler Sklerose weniger Bakterien der Gattung Prevotella gefunden als bei gesunden Kontrollpersonen. Unter Glatirameracetat oder Interferon stiegen die Prevotella-Anteile in manchen Kohorten wieder an. Das ist eine Korrelation, keine Ursache.

Eine Zwillingsarbeit und Übertragungsversuche ins keimfreie Mausmodell, die Tankou und Kollegen 2018 zusammenfassen, legen nahe, dass Stuhl von erkrankten Zwillingen im Tier eine schwerere experimentelle Enzephalomyelitis auslösen kann als Stuhl des gesunden Zwillings. Solche Befunde erklären die wissenschaftliche Neugier. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung mit beliebigen Kulturen. Der Darm eines Menschen ist kein Reagenzglas, und eine westliche Ernährung, Antibiotika oder Verstopfung verändern die Flora unabhängig von jeder Kapsel.

Mayo Clinic nennt als gesicherten Lebensstil die mediterrane Kost mit Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Olivenöl sowie wenig rotem Fleisch und Zucker. Diese Musterernährung hängt in Beobachtungsdaten mit einem geringeren Risiko für zunehmende Behinderung zusammen. Das ist näher an dem, was Leitlinien zur Ernährung sagen, als jede nicht standardisierte Mischung aus dem Internet.

Was ist aus der Mausarbeit zu Prevotella histicola geworden?

Prevotella histicola bleibt ein Forschungskeim, kein zugelassenes Arzneimittel. 2017 hatte eine Gruppe um Mangalam und Murray gezeigt, dass ein aus dem menschlichen Dünndarm isolierter Stamm die experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis in HLA-transgenen Mäusen dämpft. Entzündungsfördernde Th1- und Th17-Zellen sanken, regulatorische T-Zellen, tolerogene dendritische Zellen und dämpfende Makrophagen stiegen. Die alte Berichterstattung über diese Arbeit erweckte den Eindruck, eine Pille aus Darmbakterien stehe kurz bevor.

2019 prüfte dieselbe Linie, ob der Stamm mit Glatirameracetat zusammen stärker wirkt als jedes Mittel allein. In dem HLA-DR3.DQ8-Modell war P. histicola etwa so wirksam wie Copaxone. Die Kombination brachte keinen zusätzlichen Gewinn. Die Mäuse bildeten mehr FoxP3-positive regulatorische T-Zellen in Darm und Peripherie und weniger Interferon-gamma- und Interleukin-17-produzierende CD4-Zellen im Zentralnervensystem. Ein Patent der Mayo Clinic sichert die Idee. Eine abgeschlossene, kontrollierte Wirksamkeitsstudie an Patientinnen und Patienten mit zugelassenem Endpunkt fehlt weiter.

Wer im Reformhaus nach Prevotella sucht, findet diesen Stamm in aller Regel nicht. Handelsübliche Mischungen enthalten Lactobacillen, Bifidobakterien, Streptokokken oder Hefen. Sie sind nicht dasselbe Isolat, das im Mausmodell geprüft wurde. Eine Gleichsetzung von „irgendwelche Darmbakterien“ mit „dem Mayo-Stamm“ ist fachlich falsch. Bis Sicherheitsdaten und Schubraten in einer sauber geplanten Humanstudie vorliegen, bleibt P. histicola ein Laborbefund.

Was zeigen Studien an Menschen und welche Daten sind unbrauchbar?

Die belastbarste westliche Pilotarbeit kommt von Tankou, Weiner und Kollegen am Brigham and Women’s Hospital. Neun Menschen mit schubförmig remittierender Erkrankung und 13 gesunde Kontrollpersonen nahmen zwei Monate lang zweimal täglich ein hochdosiertes Achtstamm-Präparat ein, das in den USA als Visbiome und in Europa als Vivomixx verkauft wird, zusammen 3,6 Billionen koloniebildende Einheiten pro Tag. Sieben der Erkrankten standen unter Glatirameracetat, zwei waren unbehandelt. Schwere unerwünschte Wirkungen traten nicht auf, kein Schub ereignete sich während der Einnahme.

Im Stuhl nahmen Lactobacillus, Streptococcus und Bifidobacterium zu. Im Blut sanken intermediäre Monozyten und die HLA-DR-Dichte auf dendritischen Zellen. Nach dem Absetzen verblassten viele dieser Veränderungen. Die Arbeit misst Immunphänotypen, nicht Schubrate, nicht neue Herde, nicht Gehgeschwindigkeit. Sie zeigt, dass eine sehr hohe Dosis unter Glatirameracetat verträglich sein kann. Sie zeigt nicht, dass die Krankheit langsamer voranschreitet.

In Täbris randomisierten Asghari und Kollegen 40 Menschen mit schubförmig remittierender, relativ fortgeschrittener Erkrankung (Einschluss ab EDSS 4,5) für vier Monate auf Saccharomyces boulardii 10 hoch 10 koloniebildende Einheiten täglich oder Placebo. Beide Gruppen sollten zusätzlich 1000 Internationale Einheiten Vitamin D3 nehmen. Das hochsensitive C-reaktive Protein fiel in der Hefegruppe stärker (minus 2,60 gegenüber minus 0,38 Mikrogramm pro Milliliter). Schmerz auf der visuellen Analogskala und Erschöpfung auf der Fatigue Severity Scale sanken stärker als unter Placebo. Einige Skalen der Lebensqualität SF-36 besserten sich. Die Stichprobe ist klein, das Zentrum einzig, die Fallzahlplanung stützte sich auf eine später zurückgezogene Arbeit. EDSS als harter Verlaufsendpunkt war nicht das primäre Ziel.

Genau diese ältere iranische Studie von 2017, die zwölf Wochen Multistamm-Kapseln gegen Placebo prüfte und EDSS sowie Stimmung verbesserte, wurde im August 2025 von Clinical Nutrition zurückgezogen. Die Redaktion erklärte die Tabellen für unzuverlässig. Verwandte Publikationen derselben Gruppe verloren ebenfalls das Vertrauen. Jede Metaanalyse, die diese Datensätze ungeprüft einrechnet, erbt den Fehler. Die PLOS-ONE-Arbeit von 2025 fällt in dieses Zeitfenster. Ihre optimistische Schlussfolgerung, Probiotika könnten Vorbeugung und Behandlung der Erkrankung leisten, überzieht die verbleibende Humanbasis.

Welche Stämme und Mengen wurden überhaupt geprüft?

Kaum ein Handelsprodukt entspricht dem, was in Studien stand. Laut NIH-Merkblatt zählt die stammbezogene Wirkung und die Zahl lebender Zellen am Ende der Haltbarkeit, nicht das Gewicht toter und lebender Masse auf dem Etikett. Viele Präparate listen nur Milligramm Mikrobiomasse. Das sagt nichts über überlebende Keime.

Ansatz in Studien Typische Prüfung Was daraus folgt
Visbiome / Vivomixx, 8 Stämme 9 Erkrankte, 2 Monate, Immunmarker Verträglichkeitssignal, kein Verlaufsbeleg
Saccharomyces boulardii 10^10 KBE 40 Personen, 4 Monate, hs-CRP, Schmerz, Müdigkeit kleines, einzelnes Zentrum
Multistamm-Kapseln älterer iranischer RCTs EDSS, Stimmung, Stoffwechsel 2025 zurückgezogen, nicht zitierfähig
Prevotella histicola EAE-Maus, Vergleich mit Glatirameracetat kein Humanarzneimittel
Mediterrane Kost Beobachtung zur Behinderung näher an Leitlinien als Kapseln

Lactobacillus- und Bifidobacterium-Mischungen dominieren die älteren Humanprotokolle. Die PLOS-ONE-Übersicht nennt zusätzlich Prevotella in Tiermodellen. Dosen in eingeschlossenen Arbeiten lagen grob zwischen 10 hoch 8 und 3 mal 10 hoch 11 koloniebildenden Einheiten über 1 bis 26 Wochen. Das ist ein Sammelbereich, keine empfohlene Hausdosis. Eine höhere Keimzahl macht ein Produkt nicht automatisch wirksamer, schreibt die NIH-Übersicht.

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt mit lebenden Kulturen sind keine standardisierte Therapie. Viele Käse, Sauerkraut oder Kimchi enthalten lebende Keime, ohne dass ein stammbezogener Nutzen für Multiple Sklerose geprüft wäre. Wer solche Speisen mag und verträgt, isst Lebensmittel. Wer erwartet, damit Schübe zu ersetzen, verwechselt Küche mit Arzneimittelrecht.

Was sagen Leitlinien zu Ernährung und Nahrungsergänzung?

Leitlinien behandeln Multiple Sklerose als neurologische Erkrankung mit Immuntherapie, nicht als Darmleiden mit Kapselpflicht. NICE NG220 aktualisierte 2022 die britische Versorgung. Zur Erschöpfung soll erklärt werden, dass keine spezielle Diät hilft, eine gesunde Kost aber der Allgemeingesundheit nützt. Vitamin D soll nicht allein als MS-Mittel angeboten werden. Omega-Fettsäuren sollen nicht zur Behandlung gegeben werden. Das widerspricht älteren Werbeversprechen zu Fischöl, die die AAN-Leitlinie schon 2014 als wahrscheinlich wirkungslos für den Krankheitsverlauf einstufte.

NCCIH fasst zusammen, Yoga könne Stimmung und Müdigkeit etwas erleichtern, nicht aber Mobilität oder Denken. Ginkgo biloba verbessert die Kognition bei dieser Krankheit nicht. Bienenstichtherapie bleibt ohne Nutzen und trägt das Risiko eines anaphylaktischen Schocks. Cannabinoide können Spastik und Schmerz lindern, sind in den USA jedoch nicht als MS-Arzneimittel zugelassen. Probiotika fehlen in dieser Liste der bewerteten Verfahren.

Mayo Clinic zählt inzwischen mehr als zwanzig krankheitsmodifizierende Mittel. Interferone, Glatirameracetat, Fumarate, Teriflunomid, S1P-Modulatoren, Cladribin, Natalizumab, Ocrelizumab, Ofatumumab, Ublituximab und Alemtuzumab greifen an unterschiedlichen Stellen ins Immunsystem ein. Ocrelizumab ist dort als Option auch für primär progrediente Verläufe genannt. Frühzeitiger Beginn kann Schübe und neue Herde senken. Diese Mittel tragen eigene Risiken, von Infektionen bis zu seltenen Hirninfektionen unter Natalizumab. Eine Kapsel aus dem Reformhaus ändert daran nichts.

Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass Therapie früh im Verlauf Symptome mindern, weitere Schübe verhindern und die Lebensqualität verbessern kann. In Ländern mit hohem Einkommen stehen viele orale, intravenöse und spritzbare Optionen bereit. In ärmeren Regionen fehlen genau diese Mittel. Wer dort Nahrungsergänzung als Ersatz kauft, weil das zugelassene Immuntherapeutikum nicht lieferbar ist, trifft eine Notlage, keine evidenzbasierte Wahl.

Welche Risiken haben lebende Keime unter Immuntherapie?

Lebende Bakterien und Hefen sind bei gesunden Menschen meist gut verträglich, bei stark geschwächter Abwehr aber nicht harmlos. Die NIH-Sicherheitsübersicht nennt Bakteriämie, Fungämie und schwere Infektionen, vorwiegend bei Schwerkranken oder immunsupprimierten Personen. Die US-Arzneimittelbehörde hat 2023 ausdrücklich gewarnt, dass Probiotika bei Frühgeborenen invasive, potenziell tödliche Infektionen auslösen können. Kein Präparat ist dort als Arzneimittel zugelassen. Wer lebende Keime gezielt gegen eine Krankheit einsetzt, bewegt sich in den USA im Bereich eines nicht zugelassenen Wirkstoffs.

Saccharomyces boulardii, die Hefe aus der Täbriser Studie, taucht in älteren Sicherheitsübersichten als besonderer Risikokeim auf, wenn ein zentraler Venenkatheter liegt oder die Abwehr schwer gestört ist. Mehrere krankheitsmodifizierende Therapien senken Lymphozyten oder B-Zellen über Monate. Ocrelizumab, Ofatumumab, Alemtuzumab, Cladribin, S1P-Modulatoren und Natalizumab erhöhen das Infektionsrisiko in unterschiedlichem Maß. Ob eine Kapsel mit Milliarden lebender Keime in dieser Lage nützt oder schadet, hat keine große Sicherheitsstudie geklärt.

Die US-Behörde für Nahrungsergänzung rät, bei ernsthafter Grunderkrankung vor der Einnahme den behandelnden Arzt zu fragen und engmaschig zu beobachten. NCCIH formuliert denselben Vorbehalt für Ergänzungsmittel allgemein: „Natürlich“ heißt nicht „ungefährlich“. Wechselwirkungen mit Immuntherapien sind für die meisten Stämme unbekannt. Wer Fieber, Schüttelfrost, schwere Durchfälle oder eine rasch zunehmende Schwäche nach dem Start einer lebenden Kultur bemerkt, braucht ärztliche Hilfe, keine zweite Packung.

Qualität bleibt ein eigenes Problem. Etiketten müssen in den USA das Gewicht der Mikroorganismen angeben, nicht zwingend die überlebende Keimzahl am Verfallsdatum. Verunreinigungen mit fremden Keimen sind bei Nahrungsergänzungsmitteln weniger streng überwacht als bei Arzneimitteln. Eine teure Dose mit 50 Milliarden Einheiten ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl.

Wann muss ich zur Neurologin oder zum Neurologen?

Neue oder klar schlimmere neurologische Ausfälle gehören in die Fachsprechstunde, nicht in den Online-Shop. Das NINDS nennt als frühe Zeichen Sehstörungen einschließlich schmerzhafter Sehnervenentzündung, Schwäche und steife Krämpfe, Kribbeln oder Taubheit, Ungeschick und unsicheren Gang, Blasenstörungen und Schwindel. Mayo Clinic ergänzt, dass Hitze Symptome vorübergehend verstärken kann, ohne selbst einen Schub auszulösen. Ein echter Schub dauert in der Regel länger als 24 Stunden und erklärt sich nicht durch Fieber allein.

Sofortige ärztliche Klärung braucht, wer plötzlich auf einem Auge schlechter sieht, eine Körperhälfte nicht mehr richtig bewegt, Wasser lässt ohne Kontrolle oder verwirrt und hochfieberhaft wird. Unter hochwirksamer Immuntherapie gilt Fieber als Warnzeichen für eine Infektion, nicht als Bagatelle. Wer nach dem Start eines Probiotikums Fieber, blutigen Durchfall oder Kreislaufschwäche bekommt, sollte das Präparat stoppen und sich untersuchen lassen.

Alltägliche Entscheidungen lassen sich vorbereiten. Vor jeder neuen Kapsel gehört die aktuelle Medikamentenliste auf den Tisch, einschließlich Infusionstermin und letzter Lymphozytenwerte. Ein geplanter Impftermin, eine Operation oder eine Antibiotikakur verschieben den Start lebender Keime. Verstopfung, Harndrang und Darmträgheit sind bei Multipler Sklerose häufig; sie brauchen eine gezielte urologische oder gastroenterologische Abklärung, nicht automatisch eine Multistamm-Mischung.

Situation Was tun
Neues Sehdefizit, neue Lähmung, unsicherer Gang über einen Tag Neurologie oder Notaufnahme, nicht abwarten
Fieber unter B-Zell-Therapie oder S1P-Modulator Am selben Tag ärztlich klären
Interesse an Probiotika trotz stabiler Therapie Vor dem Kauf mit der MS-Ambulanz sprechen
Wunsch, die Immuntherapie durch Kapseln zu ersetzen Nicht tun; Leitlinien sehen das nicht vor
Schwere Immunsuppression, Venenkatheter, Intensivstation Lebende Keime meiden, bis das Team es ausdrücklich erlaubt

Häufige Fragen

Helfen Probiotika gegen Multiple Sklerose?

Sie ersetzen keine zugelassene Immuntherapie und heilen die Erkrankung nicht. Kleine Studien haben Entzündungsmarker oder Alltagsbeschwerden verbessert, große Belege für weniger Schübe fehlen. Leitlinien von NICE und NCCIH empfehlen kein Ergänzungsmittel als MS-Behandlung.

Soll ich Visbiome oder Saccharomyces boulardii selbst kaufen?

Nur nach Rücksprache mit der behandelnden Neurologie, und auch dann ohne Heilungsanspruch. Die Brigham-Pilotstudie nutzte eine sehr hohe Dosis über zwei Monate bei neun Erkrankten. Die Täbriser Arbeit prüfte eine Hefe an 40 Personen. Beide Protokolle sind keine Gebrauchsanweisung für den Alltag.

Ist Joghurt mit lebenden Kulturen sinnvoll?

Als Lebensmittel ja, wenn Sie ihn vertragen. Als Therapie der Multiplen Sklerose fehlt der Nachweis. Viele fermentierte Produkte enthalten Keime ohne geprüften stammbezogenen Nutzen für Schübe oder Herde.

Darf ich Probiotika nehmen, wenn ich Ocrelizumab oder Natalizumab bekomme?

Das ist unsicher und gehört in die individuelle Risikoabwägung. Lebende Keime können bei geschwächter Abwehr selten ins Blut gelangen. Die NIH-Fachinformation warnt vor Bakteriämie und Fungämie vor allem bei schwerer Immunsuppression.

Hilft eine spezielle MS-Diät mehr als Kapseln?

NICE sieht keine spezielle Diät gegen die Erschöpfung. Mayo Clinic nennt die mediterrane Kost als Muster, das mit weniger fortschreitender Behinderung verknüpft sein kann. Ballaststoffreiche Küche verändert die Darmflora ohne Arzneimittelzulassung.

Warum klingen Metaanalysen oft so positiv?

Sie mischen Mausmodelle und kleine Humanstudien, und günstige Ergebnisse werden eher gedruckt. Die PLOS-ONE-Arbeit von 2025 selbst weist Publikationsbias nach. Zurückgezogene Datensätze machen gepoolte Effekte zusätzlich unsicher.

Fazit

Probiotika bleiben ein Forschungsfeld, kein Ersatz für die Multiple-Sklerose-Therapie. Die Mausdaten zu Prevotella histicola sind biologisch interessant und seit 2019 um den Vergleich mit Glatirameracetat ergänzt, ohne dass daraus ein Humanarzneimittel geworden wäre. Die sauberste westliche Humanarbeit zeigt Immunverschiebungen bei neun Erkrankten. Eine kleine Hefestudie besserte Laborwerte und Beschwerden, ohne den Verlauf zu beweisen. Zurückgezogene Arbeiten von 2025 haben ältere Erfolgsmeldungen entwertet.

Wer morgen etwas ändern will, hält die Immuntherapie, fragt vor jeder Kapsel die MS-Ambulanz und setzt auf eine mediterrane, ballaststoffreiche Küche statt auf ungeregelte Keimzahlen. Neue Sehstörungen, Schwäche oder Fieber unter Immunsuppression gehören zum Arzt, nicht ins Supplementregal.

Quellen

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  2. National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Multiple sclerosis in adults: management. National Institute for Health and Care Excellence, 22. Juni 2022.
  3. Mayo Clinic: Multiple sclerosis – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, Stand: 2026.
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  5. Office of Dietary Supplements: Probiotics – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, Stand: 2025.
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  7. Asghari KM, Dolatkhah N et al.: The effect of probiotic supplementation on the clinical and para-clinical findings of multiple sclerosis: a randomized clinical trial. Scientific Reports, 28. Oktober 2023.
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  11. Tankou SK, Regev K et al.: A probiotic modulates the microbiome and immunity in multiple sclerosis. Annals of Neurology, 8. Juni 2018.
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