
Kokosnussöl ist kein Alltagsfett für ein gesundes Herz. Es besteht zu etwa 80 bis 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren und kann das LDL-Cholesterin anheben, sobald es ungesättigte Pflanzenöle verdrängt.
Die American Heart Association riet 2017 ausdrücklich davon ab, Kokosnussöl als gesundes Bratfett zu verkaufen. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Juli 2023 die Obergrenze für gesättigte Fettsäuren bekräftigt und nennt Kokosnussöl neben Palmöl, Butter und Ghee als typische Quelle. Ein Esslöffel bringt rund 12 Gramm gesättigtes Fett und etwa 120 Kilokalorien; das liegt schon nahe an der engeren AHA-Marke von rund 13 Gramm pro Tag bei 2000 Kilokalorien. Wer das Öl mag, kann es als Würze nutzen. Als täglichen Ersatz für Oliven- oder Rapsöl taugt es nach der aktuellen Studienlage nicht.
Was steckt in Kokosnussöl?
Handelsübliches Kokosnussöl ist praktisch reines Fett. Etwa 80 bis 90 Prozent der Fettsäuren sind gesättigt, der Rest besteht aus kleinen Mengen einfach und mehrfach ungesättigter Anteile; Cholesterin, Ballaststoffe und nennenswerte Vitamine fehlen.
Die größte Einzelkomponente ist Laurinsäure (12 Kohlenstoffatome), rund 47 Prozent laut der Nutrition Source der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Myristinsäure und Palmitinsäure kommen in kleineren Mengen hinzu; beide können das LDL-Cholesterin anheben. Weil das Öl bei Zimmertemperatur fest bleibt, wirkt es in der Pfanne eher wie Butter oder Schmalz als wie ein flüssiges Pflanzenöl. Natives Öl wird aus frischem Fruchtfleisch gepresst und duftet nach Kokos. Raffiniertes Öl aus getrockneter Kopra ist geruchsarm und verträgt höhere Hitze. Die Bezeichnungen „nativ“ und „extra nativ“ sind beim Kokosnussöl anders als beim Olivenöl nicht einheitlich geregelt.
Teilweise hydriertes Kokosnussöl ist ein anderes Produkt. Dabei werden die wenigen ungesättigten Anteile gehärtet, damit das Fett in der Wärme fest bleibt. Dieser Schritt erzeugt industriell hergestellte trans-Fettsäuren. Die US-Arzneimittelbehörde stufte teilweise hydrierte Öle 2015 als nicht mehr allgemein als sicher anerkannt ein; ab Juni 2018 durften Hersteller sie in den USA in den meisten Lebensmitteln nicht mehr zusetzen. In der Zutatenliste heißt der Hinweis oft „teilweise gehärtet“. Reines, nicht hydriertes Kokosnussöl enthält diese künstlichen trans-Fettsäuren nicht, bleibt aber ein sehr gesättigtes Fett.
Kalorisch gleicht ein Esslöffel anderen reinen Fetten. Die Harvard-Seite nennt etwa 120 Kilokalorien und 14 Gramm Fett, davon rund 12 Gramm gesättigt. Wer zwei Esslöffel in den Kaffee rührt, hat die strengere AHA-Tagesmarke schon überschritten, bevor Butter, Käse oder Wurst dazukommen.

Hebt Kokosnussöl das Cholesterin?
Ja, im Vergleich zu nichttropischen Pflanzenölen kann Kokosnussöl das LDL-Cholesterin messbar anheben. Eine Metaanalyse von Neelakantan, Seah und van Dam in Circulation (2020) fasste 16 klinische Studien zusammen und fand gegenüber Sonnenblumen-, Raps- oder Olivenöl einen mittleren LDL-Anstieg von 10,47 mg/dl (95-Prozent-Konfidenzintervall 3,01 bis 17,94; I² 84 Prozent).
Dieselbe Auswertung zeigte einen HDL-Anstieg von 4,00 mg/dl. Marker für Blutzucker, Entzündung und Körperfett veränderten sich gegenüber den Vergleichsölen nicht signifikant. Die Autoren schreiben klar, Kokosnussöl solle nicht als herzschützendes Öl gelten. Die hohe Streuung zwischen den Studien erklärt sich durch Dosis, Dauer, natives gegen raffiniertes Öl und unterschiedliche Vergleichsfette. Trotzdem blieb der LDL-Effekt auch nach Ausschluss schlechter und nicht randomisierter Arbeiten bestehen.
Ein einzelnes Experiment kann davon abweichen. Khaw, Forouhi und Kollegen prüften 2018 in BMJ Open 50 Gramm extra natives Kokosnussöl, extra natives Olivenöl oder ungesalzene Butter über vier Wochen bei 94 gesunden Erwachsenen zwischen 50 und 75 Jahren. Das LDL stieg unter Butter stärker als unter Kokosnussöl (Differenz 0,42 mmol/l). Zwischen Kokosnussöl und Olivenöl lag kein signifikanter LDL-Unterschied. Die Autorinnen und Autoren betonen, das Ergebnis ändere die Empfehlung nicht, gesättigte Fettsäuren insgesamt zu senken. Vier Wochen und eine freiwillige BBC-Rekrutierung ersetzen keine große Langzeitstudie zu Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Wer bereits ein erhöhtes LDL hat, merkt einen täglichen Esslöffel oft erst im Labor, nicht im Alltag. Nach einem Tausch von Rapsöl gegen Kokosnussöl lohnt eine Kontrolle der Blutfette, statt auf Werbeversprechen zu vertrauen.
Warum ein höheres HDL nicht automatisch schützt
Ein Anstieg des HDL-Cholesterins macht Kokosnussöl nicht zum Herzschutz. Medikamente und Lebensstilversuche, die das HDL gezielt hochtreiben, haben das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nicht zuverlässig gesenkt.
Neelakantan und Kollegen halten genau das in der klinischen Einordnung fest. HDL transportiert Cholesterin zur Leber zurück, gilt umgangssprachlich als „gutes“ Cholesterin und steigt bei vielen Fetten im Essen, gesättigt oder ungesättigt. Kokosnussöl scheint diesen Hebel besonders stark zu ziehen, vermutlich wegen des hohen Laurinsäureanteils. Ob das zusätzliche HDL funktionell dasselbe leistet wie HDL nach Ausdauertraining oder nach einem Wechsel zu Olivenöl, ist unklar. Entscheidend bleibt das LDL, weil es kausal mit Atherosklerose verknüpft ist.
Die AHA-Stellungnahme von 2017 knüpft den Nutzen nicht an ein höheres HDL, sondern an den Ersatz gesättigter durch ungesättigte Fettsäuren. In randomisierten Studien senkte dieser Tausch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 30 Prozent, vergleichbar mit der Größenordnung einer Statintherapie in älteren Präventionsstudien. Beobachtungsdaten aus vielen Bevölkerungen zeigen dasselbe Muster, sofern nicht einfach Zucker und Weißmehl an die Stelle des Fetts treten. Ein isolierter HDL-Plus ohne günstigeres LDL und ohne weniger gesättigtes Fett ist deshalb ein schwaches Verkaufsargument.
Laborwerte allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Triglyceride, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und familiäre Vorbelastung zählen mindestens so stark. Kokosnussöl verschiebt vor allem die Lipidseite, und dort überwiegt in den gepoolten Versuchen der LDL-Anstieg gegenüber nichttropischen Ölen.
Ist MCT-Öl dasselbe wie Kokosnussöl?
Nein. Reines MCT-Öl und das Kokosnussöl aus dem Supermarkt sind chemisch und stoffwechseltechnisch nicht austauschbar. Viele Abnehmversprechen übertragen Ergebnisse aus speziell destillierten mittelkettigen Triglyceriden auf das ganze Glas im Küchenregal.
Echte mittelkettige Fettsäuren mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen gelangen nach der Verdauung rasch über die Pfortader in die Leber und werden dort bevorzugt verbrannt. Laurinsäure gilt chemisch oft noch als mittelkettig, wird im Körper aber großenteils wie eine langkettige Fettsäure über Chylomikronen transportiert. Harvard weist darauf hin, dass Kokosnussöl überwiegend Laurinsäure enthält und rund ein Viertel langkettige gesättigte Fettsäuren (Myristin- und Palmitinsäure) mitbringt. Studien, die ein 100-Prozent-MCT-Präparat prüften, beschreiben deshalb nicht das Verhalten von handelsüblichem Kokosnussöl.
Sättigung und geringere Kalorienaufnahme nach MCT-Öl lassen sich nicht einfach auf Kokosnussöl übertragen. Kleine Mahlzeitenversuche zeigten, dass MCT-Öl den Hunger stärker dämpfen kann als Kokosnussöl oder ein Vergleichsöl; zwischen Kokosnussöl und dem Kontrollfett lag oft kein klarer Unterschied. Wer MCT-Öl als Supplement nutzt, kauft ein anderes Produkt mit eigener Verträglichkeit (häufig weicher Stuhl) und ohne Zulassung als Arzneimittel gegen Übergewicht.
Traditionelle Kostformen mit ganzer Kokosnuss, Kokosmilch, Fisch, Gemüse und wenig Industriezucker sind ebenfalls kein Beleg für das raffinierte Öl in Riegeln und Kaffee. Die Nutrition Source erinnert daran, dass Bevölkerungsbeobachtungen aus Samoa, den Philippinen oder Polynesien das ganze Lebensmittel in einem anderen Ernährungsmuster messen, nicht den Esslöffel Öl auf dem westlichen Teller.
Hilft Kokosnussöl beim Abnehmen?
Als Abnehmfett ist Kokosnussöl nicht belegt. Die Metaanalyse von 2020 fand gegenüber nichttropischen Pflanzenölen keinen signifikanten Unterschied bei Körpergewicht, Taillenumfang oder Körperfettanteil.
Khaw und Kollegen sahen nach vier Wochen mit 50 Gramm täglich ebenfalls keine Unterschiede bei Gewicht, Body-Mass-Index, Bauchumfang oder Blutdruck zwischen Kokosnussöl, Olivenöl und Butter. 50 Gramm Fett entsprechen grob 450 Kilokalorien. Wer sie zusätzlich isst statt andere Kalorien zu ersetzen, nimmt zu, unabhängig von der Fettsäurekette. Jedes Fett liefert rund 9 Kilokalorien pro Gramm, schreibt der britische Gesundheitsdienst NHS.
Ältere Einzelarbeiten mit kleinen Gruppen und speziellen MCT-Mischungen nährten die Idee, mittelkettige Fette steigerten den Energieumsatz. Auf das Supermarktöl trifft das nicht zu. Ein Esslöffel mit 120 Kilokalorien ohne Eiweiß, ohne Ballaststoffe und ohne Sättigungsvorteil gegenüber Olivenöl ist ein Kalorienlieferant mit tropischem Aroma, kein Stoffwechseltrick.
Wer Gewicht verlieren will, gewinnt mehr durch ein Kaloriendefizit, ballaststoffreiche Kost und Bewegung als durch den Tausch einer Fettsorte gegen eine andere. Tauscht jemand Butter gegen Kokosnussöl und lässt die Menge gleich, ändert sich die Waage kaum. Tauscht jemand Olivenöl gegen Kokosnussöl, bleibt das Gewicht oft ähnlich, während das LDL steigen kann. Das ist der ungünstigere Tausch.
Fertigprodukte mit Kokosnussöl (Riegel, „gesunde“ Aufstriche, frittierte Snacks) addieren gesättigtes Fett, ohne dass die Packung wie ein Esslöffel Öl aussieht. Die Nährwerttabelle nennt gesättigte Fettsäuren in Gramm und als Prozent des Tageswerts; in den USA liegt dieser Referenzwert bei 20 Gramm, die FDA stuft 20 Prozent oder mehr pro Portion als hoch ein.
Was raten AHA und WHO heute?
Offizielle Leitlinien behandeln Kokosnussöl als gesättigtes Fett, das begrenzt und vor allem durch ungesättigte Öle ersetzt werden soll. Die AHA-Präsidentenberatung von 2017 bleibt die schärfste herzmedizinische Ansage; die WHO-Aktualisierung vom Juli 2023 bestätigt die Richtung für die ganze Bevölkerung.
Die AHA empfiehlt für Menschen mit Herzrisiko oder bestehender Erkrankung weniger als 6 Prozent der Tagesenergie aus gesättigten Fettsäuren, bei 2000 Kilokalorien etwa 11 bis 13 Gramm. Die Mayo Clinic übernimmt diese Spanne in ihrem Ratgeber zur herzgesunden Kost (Aktualisierung Juni 2026) und listet Kokosnussöl, Palmöl und Palmkernöl bei den Fetten, die man begrenzen soll. Olivenöl, Rapsöl und andere flüssige Pflanzenöle stehen auf der Gegenseite.
Die WHO rät Erwachsenen und Kindern, gesättigte Fettsäuren auf 10 Prozent der Energie zu senken (starke Empfehlung) und erwägt eine weitere Senkung darunter (bedingte Empfehlung). Der Ersatz soll vor allem durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren erfolgen, hilfsweise durch pflanzliche einfach ungesättigte Fettsäuren oder ballaststoffreiche Kohlenhydrate aus Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Trans-Fettsäuren sollen auf 1 Prozent der Energie. Kokosnussöl erscheint in der Pressemitteilung ausdrücklich in der Liste der harten Fette. Eine eigene WHO-Leitlinie zu tropischen Ölen war 2023 und 2024 in Arbeit; bis sie vorliegt, gilt die SFA-Regel, nicht ein Sonderstatus für Kokosnussöl.
Die beiden Zahlen 6 und 10 Prozent sind kein Widerspruch, den man mitteln müsste. Die WHO setzt eine bevölkerungsweite Obergrenze. Die AHA zielt enger auf die Vorbeugung von Herzkrankheiten. MedlinePlus nennt für die US-Dietary-Guidelines weniger als 10 Prozent, bei 2000 Kilokalorien rund 22 Gramm. Der NHS gibt für Großbritannien 30 Gramm gesättigtes Fett täglich für Männer und 20 Gramm für Frauen an und führt Kokosnussöl sowie Kokoscreme unter den reichen Quellen.
Welches Fett eignet sich zum Kochen?
Für den Alltag taugen flüssige ungesättigte Öle besser als Kokosnussöl. Olivenöl und Rapsöl senken im Vergleich zu gesättigten Fetten oft das LDL und sind die Standardwahl der Mayo Clinic und des NHS.
Kokosnussöl hat einen Schmelzpunkt um 26 °C und eignet sich für Teige, die eine feste Fettphase brauchen, oder für Gerichte, in denen der Kokosgeschmack erwünscht ist. Natives Öl verträgt laut Harvard schnelles Anbraten und Backen (Rauchpunkt um 177 °C), nicht aber tiefes Frittieren. Raffiniertes Öl liegt höher, etwa 204 bis 232 °C, verliert dafür Aroma und einen Teil der Begleitstoffe. Kein Rauchpunkt macht aus einem gesättigten Fett ein herzneutrales.
| Fett | Gesättigte Anteile (ca.) | LDL gegenüber Olivenöl oder Rapsöl | Alltagsrolle |
|---|---|---|---|
| Kokosnussöl | 80–90 % | oft höher (Metaanalyse 2020) | selten, wegen Geschmack |
| Butter | etwa 64 % | in Khaw 2018 klar höher als Olivenöl | begrenzen |
| Olivenöl | überwiegend einfach ungesättigt | Referenzfett in Leitlinien | bevorzugen |
| Rapsöl | überwiegend ungesättigt | von NHS und Mayo als Tauschfett genannt | bevorzugen |
Ein praktischer Tausch sieht so aus. Salat und Gemüse mit Olivenöl anmachen. Braten und Backen mit Rapsöl oder raffiniertem Olivenöl. Kokosnussöl löffelweise in einem Curry belassen, wenn der Geschmack dazugehört, und dafür an dem Tag weniger Käse oder Wurst essen. Wer vegan backt und ein festes Fett braucht, kann die Menge klein halten und den Rest der Woche ungesättigt kochen.
Fertiggebäck, Fritten und Aufstriche mit Kokosnussöl umgehen das bewusste Abmessen. Hier hilft nur das Etikett. Mehr als 5 Gramm gesättigte Fettsäuren je 100 Gramm stuft der NHS als hoch ein. Ein Produkt mit 20 Prozent des FDA-Tageswerts gesättigtes Fett pro Portion gilt in den USA als reich daran.
Hilft Kokosnussöl auf der Haut?
Auf der Haut kann natives Kokosnussöl Feuchtigkeit halten; das ersetzt keine Therapie einer entzündlichen Hauterkrankung und sagt nichts über das Herzrisiko nach dem Schlucken. Schlucken und Einreiben sind zwei verschiedene Anwendungen.
Evangelista, Abad-Casintahan und Lopez-Villafuerte verglichen 2014 in einer randomisierten, verblindeten Studie mit 117 Kindern mit leichter bis mittelschwerer Neurodermitis acht Wochen natives Kokosnussöl gegen Paraffinöl. Der SCORAD-Index fiel in der Kokosgruppe im Mittel um 68 Prozent, in der Vergleichsgruppe um 38 Prozent. Der transepidermale Wasserverlust sank stärker, die Hautkapazität stieg mehr. Das ist ein Hinweis auf eine rückfettende Wirkung, kein Freibrief für unbeaufsichtigte Selbstbehandlung und kein Beleg, dass Erwachsene mit schwerem Ekzem Kortison oder Calcineurininhibitoren ersetzen können.
Fachgesellschaften wie die American Academy of Dermatology stellen Feuchtigkeitscremes in den Mittelpunkt der Neurodermitispflege, ohne Kokosnussöl als Mittel der Wahl festzulegen. Die Mayo Clinic nennt natürliche Öle eher als Badezusatz bei trockener Haut und warnt vor rutschigen Wannen. Wer das Öl ausprobiert, trägt eine kleine Menge auf eine unbehandelte Hautstelle auf und beobachtet Rötung oder Juckreiz. In offene, nässende Flächen und ins Auge gehört es nicht.
Haarkuren mit ein paar Tropfen auf den Schaft sind Kosmetik. Sie machen trockenes Haar geschmeidiger und können die Kopfhaut bei manchen Menschen fettig reizen. Einen medizinischen Endpunkt für Haarausfall oder Schuppen gibt es dafür nicht. Wer das Öl nur äußerlich nutzt, belastet die Blutfette nicht.
Wann zum Arzt bei Kokosnussöl und Blutfetten?
Zum Arzt gehört, wer bereits ein hohes LDL, eine familiäre Hypercholesterinämie, eine koronare Herzkrankheit, einen früheren Schlaganfall oder Diabetes hat und Kokosnussöl als „gesundes“ Alltagsfett einführen will. Dort zählt der Laborwert, nicht der Superfood-Ruf.
Ein sinnvoller Anlass ist auch der Kontrolltermin nach mehreren Wochen mit täglichen Esslöffeln, besonders wenn stattdessen Olivenöl wegfiel. Die Mayo Clinic erinnert daran, dass gesättigte und trans-Fettsäuren das LDL anheben und so die koronare Herzkrankheit begünstigen können. Wer Statine nimmt, soll das Fettmuster nicht gegen die Arzneimittelwirkung arbeiten lassen, ohne die Ärztin oder den Arzt zu informieren.
Sofort medizinische Hilfe brauchen Brustschmerz mit Ausstrahlung, plötzliche Luftnot, einseitige Schwäche, Sprachstörung oder ein schmerzhaftes, kaltes Bein. Das sind Warnzeichen für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßverschluss, unabhängig vom Frühstücksfett. Kokosnussöl löst diese Notfälle nicht aus wie ein Gift, aber ein dauerhaft höheres LDL erhöht über Jahre das Risiko, dass sich Plaques bilden.
Auf der Haut gilt der Arztbesuch, wenn Juckreiz, Nässen, gelbe Krusten oder Fieber nach dem Einreiben zunehmen. Bei Kindern mit Neurodermitis ersetzt Hausmittelkosmetik keine kinderärztliche oder dermatologische Therapie. Schwangere und Stillende brauchen keine „Detox-Kur“ mit Esslöffeln Öl; sie brauchen eine ausgewogene Kost und, bei bekannten Fettstoffwechselstörungen, eine individuelle Beratung.
Häufige Fragen
Ist Kokosnussöl gesünder als Butter?
Nicht als herzgesundes Alltagsfett. Gegenüber Butter kann Kokosnussöl in einzelnen Versuchen das LDL weniger anheben und das HDL stärker steigern, wie die Khaw-Studie 2018 zeigte. Gegenüber Oliven- und Rapsöl bleibt es in der gepoolten Evidenz das ungünstigere Fett. Beide gesättigten Fette gehören begrenzt, nicht in den täglichen Hauptvorrat.
Wie viel Kokosnussöl pro Tag ist vertretbar?
Eine feste medizinische Dosis gibt es nicht, weil das Öl kein Arzneimittel ist. Ein Esslöffel mit rund 12 Gramm gesättigtem Fett füllt fast die gesamte AHA-Marke von etwa 13 Gramm bei 2000 Kilokalorien. Wer Käse, Fleisch oder Gebäck isst, hat für das Öl kaum Spielraum. Gelegentlich ein Teelöffel im Gericht ist etwas anderes als tägliche Esslöffel im Kaffee.
Senkt natives Kokosnussöl das Herzrisiko?
Dafür fehlt der Beleg. Natives Öl behält mehr Geruchs- und Begleitstoffe, ändert aber den hohen Anteil gesättigter Fettsäuren nicht. Die Khaw-Gruppe prüfte extra natives Öl und riet trotzdem nicht dazu, die Sättigungsgrenze aufzuweichen. Herzschutz zeigen Muster mit Olivenöl, Nüssen, Fisch und viel Gemüse, nicht der Wechsel auf natives Kokosnussöl.
Hilft Kokosnussöl gegen Alzheimer?
Nein, das ist ein Werbeversprechen ohne belastbare Humanstudien als Therapie. Die Harvard Nutrition Source nennt Demenzschutz ausdrücklich unter den überzogenen Behauptungen, die den Hype anheizten. Wer Gedächtnisprobleme hat, braucht Abklärung, Bewegung, Blutdruck- und Stoffwechselkontrolle, nicht Esslöffel Öl.
Kann ich Kokosnussöl zum Braten verwenden?
Ja, in kleinen Mengen, wenn der Geschmack passt und das restliche Tagesfett ungesättigt bleibt. Natives Öl eignet sich eher für kurzes Anbraten und Backen, raffiniertes Öl verträgt mehr Hitze. Für die tägliche Pfanne bleiben Olivenöl und Rapsöl die bessere Wahl für die Blutfette.
Ist Kokosmilch dasselbe wie das Öl?
Nein. Kokosmilch und -creme enthalten neben Fett Wasser, etwas Eiweiß und Kohlenhydrate; das Öl ist isoliertes Fett. Der NHS führt Kokoscreme trotzdem unter den Lebensmitteln mit viel gesättigtem Fett. Eine cremige Currysauce mit Kokosmilch kann an einem Tag so viel gesättigtes Fett liefern wie mehrere Teelöffel Öl, nur weniger sichtbar.
Fazit
Kokosnussöl bleibt ein sehr gesättigtes Fett mit tropischem Aroma, kein Schutzöl für Arterien. Seit der alten Kontroverse um 2017 hat sich die Richtung der Leitlinien nicht gedreht, sie ist schärfer geworden. Die AHA rät weiter zum Ersatz durch ungesättigte Fette. Die WHO hat 2023 die Zehn-Prozent-Grenze bekräftigt und Kokosnussöl namentlich als Quelle genannt. Die große Metaanalyse von 2020 zeigt den LDL-Anstieg gegenüber Raps-, Sonnenblumen- und Olivenöl; der HDL-Anstieg wiegt das nicht auf.
Wer morgen etwas ändern will, lässt das Glas im Schrank für gelegentliche Gerichte und stellt Oliven- oder Rapsöl an den Herd. Ein Esslöffel am Tag ist kalorisch und für die gesättigte Menge schon ein volles Kontingent. Bei bekannt hohem LDL, nach Herzinfarkt oder unter Statintherapie gehört der Tausch ins Gespräch mit der Praxis, nicht in eine Selbstkur.
Auf der Haut darf das Öl Feuchtigkeit spenden, wenn die Haut es verträgt. Schlucken macht daraus keine Medizin. Die tropische-Öle-Leitlinie der WHO steht noch aus; bis dahin gilt dieselbe Regel wie für Butter und Palmöl. Weniger gesättigtes Fett, mehr ungesättigtes, und den Laborwert ernst nehmen.
Quellen
- World Health Organization: WHO updates guidelines on fats and carbohydrates. World Health Organization, 17. Juli 2023.
- World Health Organization: Recommendations and supporting information – Saturated Fatty Acid and Trans-Fatty Acid Intake for Adults and Children: WHO Guideline. World Health Organization / NCBI Bookshelf, 2023.
- Mayo Clinic Staff: Heart-healthy diet: 8 steps to prevent heart disease. Mayo Clinic, 3. Juni 2026.
- National Health Service: Facts about fat. National Health Service, 14. April 2023.
- Neelakantan N, Seah JYH, van Dam RM: The Effect of Coconut Oil Consumption on Cardiovascular Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis of Clinical Trials. Circulation, 10. März 2020.
- Khaw KT, Sharp SJ et al.: Randomised trial of coconut oil, olive oil or butter on blood lipids and other cardiovascular risk factors in healthy men and women. BMJ Open, 6. März 2018.
- Sacks FM, Lichtenstein AH et al.: Dietary Fats and Cardiovascular Disease: A Presidential Advisory From the American Heart Association. Circulation, 18. Juli 2017.
- Harvard T.H. Chan School of Public Health: Coconut Oil • The Nutrition Source. The Nutrition Source, Stand: 2024.
- MedlinePlus: Facts about saturated fats. MedlinePlus, 14. Mai 2024.
- U.S. Food and Drug Administration: Final Determination Regarding Partially Hydrogenated Oils (Removing Trans Fat). U.S. Food and Drug Administration, 16. Juni 2015.
- U.S. Food and Drug Administration: Daily Value on the Nutrition and Supplement Facts Labels. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Evangelista MT, Abad-Casintahan F, Lopez-Villafuerte L: The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index, transepidermal water loss, and skin capacitance in mild to moderate pediatric atopic dermatitis: a randomized, double-blind, clinical trial. International Journal of Dermatology, Januar 2014.
