
Kratzfieber, medizinisch Katzenkratzkrankheit, ist eine Infektion mit dem Bakterium Bartonella henselae. Sie entsteht meist, wenn eine infizierte Haus- oder Streunerkatze, besonders ein Kätzchen, die Haut zerkratzt, beißt oder an einer offenen Wunde leckt. Der Erreger sitzt im Flohkot auf den Krallen; die meisten Kratzer bleiben trotzdem folgenlos.
Bei gesunder Abwehr bleibt der Verlauf in der Regel milde. Nach wenigen Tagen erscheint oft eine kleine Papel an der Eintrittstelle, ein bis drei Wochen später schwillt der nächstgelegene Lymphknoten. Die CDC (Stand 23. März 2026) rät zur ärztlichen Abklärung, sobald Fieber, ein druckschmerzhafter Knoten oder eine Pustel nach Katzenkontakt auftreten. Antibiotika sind bei unkompliziertem Verlauf nicht automatisch nötig, bei Immunschwäche aber empfohlen.
Ältere Ratgeber nannten häufig, dass 40 Prozent der Katzen den Keim irgendwann tragen. Die CDC spricht 2026 von bis zu einem Drittel gesunder Tiere, vor allem Kitten, und rät ausdrücklich davon ab, gesunde Katzen zu testen, mit Antibiotika zu behandeln oder zu entkrallen. Flohschutz, ruhiges Spiel und gründliches Waschen nach dem Kontakt senken das Risiko spürbar, ohne dass das Tier die Familie verlassen muss.
Was ist Kratzfieber, und wie steckt man sich an?
Kratzfieber ist eine Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen überspringende Infektion. Bartonella henselae ist ein langsam wachsendes, gramnegatives Stäbchen, das in Katzenblut und Flohkot überdauert. Die Katze infiziert sich vor allem über Bisse des Katzenflohs Ctenocephalides felis; seltener über Revierkämpfe oder Bluttransfusionen unter Katzen, schreibt die CDC.
Vom Tier zum Menschen gelangt der Keim, wenn eine kontaminierte Kralle oder der Speichel die Haut durchbricht. Streuner tragen den Erreger häufiger als gut versorgte Stubentiger. Manche Hinweise deuten auf einen direkten Flohstich beim Menschen, die CDC hält das aber nicht für bewiesen. Zecken und andere Gliederfüßer können verwandte Bartonella-Arten beherbergen; für das klassische Kratzfieber bleibt die Katze das Hauptreservoir, betont das Merck Manual (Vollrevision Juni 2024, Stand August 2026).
Kitten unter einem Jahr scheiden den Keim besonders oft aus, weil sie spielerisch beißen und kratzen und weil ihre Bakteriämie in Wellen verläuft, ohne dass das Tier krank wirkt. StatPearls (Aktualisierung 13. Dezember 2025) fasst zusammen, dass Katzen jünger als ein Jahr die typischen Überträger sind. Ein Mensch steckt einen anderen Menschen nach Angaben der American Academy of Pediatrics auf HealthyChildren.org (Stand 23. Dezember 2025) nicht an; die Gefahr sitzt weiter bei demselben Floh-Katzen-Kreislauf in der Wohnung.
In den USA erkranken vor allem Kinder unter 15 Jahren, mit einem Gipfel zwischen fünf und neun Jahren. Nelson, Saha und Mead werteten Versichertendaten von 2005 bis 2013 aus und schätzten rund 12 000 ambulante Diagnosen und 500 Klinikaufnahmen pro Jahr bei Personen unter 65; die Inzidenz lag bei Kindern von fünf bis neun bei 9,4 Fällen je 100 000. Das sind langfristige Beobachtungen, keine tagesaktuellen Meldezahlen. StatPearls nennt 2025 eine Spanne von etwa 4,5 bis 9,4 Fällen je 100 000 und eine Häufung in warmen, flohreichen Regionen sowie von Spätsommer bis Winter. Für Deutschland fehlen vergleichbare Registerdaten; der Erreger kommt überall vor, wo Katzen und Flöhe zusammenleben.

Welche Symptome folgen auf den Kratzer?
Drei bis zehn Tage nach Biss oder Kratzer entsteht bei den meisten Betroffenen eine rötliche, später verkrustete, oft schmerzlose Papel, selten eine Pustel, an der Eintrittstelle. Merck beschreibt genau dieses Zeitfenster. Die Stelle sitzt häufig an Arm, Hand, Gesicht oder behaarter Kopfhaut, weil dort das Spiel mit Katzen am nächsten an der Haut bleibt. Primärläsionen an Schleimhäuten, etwa der Bindehaut, können ohne Narbe abheilen und dann übersehen werden.
Regionäre Lymphknoten schwellen laut CDC ein bis drei Wochen nach dem Kontakt an, laut Merck binnen etwa zwei Wochen. Zuerst sind sie derb und druckschmerzhaft, später können sie weich und fluktuierend werden und in seltenen Fällen über eine Fistel nach außen drainieren. StatPearls beziffert die Knoten auf etwa ein bis fünf Zentimeter; rund 10 Prozent vereitern. Typische Stationen sind Achsel, Ellenbeuge, Hals, Schlüsselbein und Unterkiefer. Klotz, Ianas und Elliott (American Family Physician, 15. Januar 2011) zitieren ältere Serien, in denen 46 Prozent der Schwellungen an den Armen, 26 Prozent an Hals und Kiefer und 18 Prozent in der Leiste lagen.
Begleitend können leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerz und Appetitlosigkeit auftreten. Weniger als die Hälfte der immunkompetenten Kinder entwickelt Fieber, 85 bis 90 Prozent bleiben bei einer begrenzten Lymphknotenschwellung, so StatPearls. MedlinePlus (Review 5. August 2025) ergänzt Müdigkeit, Unwohlsein, seltener Halsschmerzen oder Gewichtsabnahme. Muskeln und Gelenke können schmerzen; die AFP-Übersicht nannte muskuloskelettale Beschwerden bei mehr als 10 Prozent.
Ohne Behandlung gehen die Knoten oft über Wochen bis Monate zurück. Merck spricht von zwei bis fünf Monaten, StatPearls von ein bis vier Monaten, HealthyChildren.org von zwei bis vier Monaten bis zur spontanen Rückbildung. Wärme über dem Knoten und Schonung vor Stößen lindern den Druckschmerz, ersetzen aber keine Untersuchung, wenn Fieber steigt oder die Schwellung rasch wächst.
Wann zum Arzt, wann in die Klinik?
Ein Katzenkratzer allein ist kein Notfall. Ärztliche Abklärung ist sinnvoll, sobald Fieber, ein druckschmerzhafter Lymphknoten ein bis drei Wochen nach dem Kontakt oder eine Pustel an der Kratzstelle auftreten, so die CDC. MedlinePlus rät ebenfalls zur Praxis, wenn nach Katzenkontakt Knoten anschwellen. Das gilt besonders für Kinder, ältere Erwachsene und alle mit geschwächter Abwehr.
Wunden, die trotz Seife und Wasser nass bleiben, sich röten und ausbreiten oder eitern, gehören in die Sprechstunde, weil andere Bakterien eine klassische Wundinfektion setzen können. Hohes Fieber über mehrere Tage, starke Schmerzen, eine prall-fluktuierende Schwellung oder eine Fistel sind Gründe, nicht weiter abzuwarten. Sehstörungen auf einem Auge, plötzliche Verwirrtheit, Krampfanfälle oder sehr starke Kopfschmerzen passen zu seltenen neurologischen oder okulären Formen und brauchen rasche klinische Einschätzung.
Menschen mit HIV-Infektion, nach Organtransplantation, unter Chemotherapie oder hochdosierten Immunsuppressiva sollen bei jedem verdächtigen Verlauf früh kommen. Bei ihnen kann B. henselae nicht nur Knoten, sondern gefäßproliferative Haut- und Organherde verursachen. Die CDC betont, dass Immunschwäche kein Grund ist, die Katze abzuschaffen, wohl aber ein Grund, Kratzer ernst zu nehmen und Antibiotika nicht aufzuschieben.
| Situation | Was oft ausreicht | Wann die Praxis oder Klinik nötig wird |
|---|---|---|
| Frischer Kratzer ohne Rötung | Wunde mit Wasser und Seife spülen, beobachten | Eiter, wachsende Rötung oder Fieber |
| Papel plus ein druckschmerzhafter Knoten | Wärme, Schonung, Schmerzmittel nach Packungsangabe | Fieber, starke Schmerzen, Immunschwäche |
| Weicher, fluktuierender Lymphknoten | Keine Selbstinzision zu Hause | Nadelaspiration in der Praxis, Merck-Standard |
| Sehstörung, Verwirrtheit, anhaltend hohes Fieber | Keine abwartende Selbstbehandlung | Umgehende ärztliche Untersuchung |
| HIV, Chemotherapie, Transplantat | Flohschutz und Kratzervermeidung | Antibiotika laut CDC in jedem Fall |
Die Tabelle bündelt Schwellen aus CDC, Merck und MedlinePlus. Sie ersetzt keine individuelle Einschätzung, macht aber sichtbar, wo Hausmittel enden und Diagnostik beginnt.
Wie wird Kratzfieber diagnostiziert?
Die Diagnose stützt sich zuerst auf die Geschichte und den Tastbefund. Katzenkontakt, eine Papel an der Eintrittstelle und ein einseitiger, regionärer Knoten ergeben oft schon eine Arbeitsdiagnose. B. henselae wächst in der Kultur nur widerwillig; Merck empfiehlt, Blutkulturen bei Immunschwäche oder Systemzeichen lange zu bebrüten, Lymphknotenpunktate werden selten positiv.
Serologie ist der übliche Laborweg. Indirekte Immunfluoreszenz oder Enzymimmunoassay messen Antikörper. Die AFP-Übersicht 2011 fasst gängige Schwellen so. IgG unter 1:64 spricht gegen eine aktuelle Infektion, Werte zwischen 1:64 und 1:256 gelten als unsicher und sollten nach 10 bis 14 Tagen wiederholt werden, Titer über 1:256 legen eine aktive oder frische Infektion nahe. IgM ist kurzlebig. Kreuzreaktionen zu Bartonella quintana kommen vor, und ein Teil der Bevölkerung trägt Antikörper nach unbemerktem Kontakt. StatPearls 2025 warnt deshalb, dass ein negatives Frühserum die Krankheit nicht ausschließt, wenn die Antikörperantwort noch fehlt.
Die Polymerase-Kettenreaktion an Eiter oder Gewebe ist sehr spezifisch, die Sensitivität schwankt mit dem Material. Merck rät zu PCR aus Punktat und zu Serumpaaren im Abstand von sechs Wochen, wenn der Verlauf unsicher bleibt. Eine Lymphknotenbiopsie ist bei den meisten Patienten unnötig. Sie wird erwogen, wenn ein Lymphom, eine Mykobakteriose oder eine andere Differenzialdiagnose im Raum steht. Historisch wurde die komplette Knotenentfernung wegen Fisteln gemieden; ultraschallgesteuerte Nadelaspiration gilt als schonender Weg zu Material und Schmerzlinderung.
Differenzialdiagnosen umfassen virale Lymphknotenschwellungen, Tularämie, Brucellose, Pilzinfekte, Lymphogranuloma venereum und bei Kindern auch das Kawasaki-Syndrom. StatPearls erinnert, dass CSD und andere Krankheiten in demselben Knoten koexistieren können. Deshalb bleibt Nachbeobachtung sinnvoll, selbst wenn Serologie und Klinik passen.
Welche Behandlung hilft bei typischem Verlauf?
Bei immunkompetenten Menschen mit begrenzter Lymphknotenschwellung reicht oft unterstützende Therapie. Merck nennt lokale Wärme und Schmerzmittel als Standard für diese selbstlimitierende Krankheit. StatPearls ergänzt fiebersenkende Mittel und warme Umschläge an der Eintrittstelle. Bettruhe ist nicht zwingend; Kinder dürfen spielen, sollten den geschwollenen Knoten aber nicht stoßen oder ausdrücken.
Antibiotika sind bei mildem Verlauf nicht die Regel. Die CDC schreibt 2026, die meisten Fälle klingen ohne Antibiotikum ab; ein Präparat kann die Knotenrückbildung beschleunigen und sei bei Immunschwäche immer indiziert. StatPearls präzisiert, ein fünftägiger Azithromycin-Kurs könne Schmerzen durch große Knoten lindern, habe aber nicht belegt, dass die gesamte Krankheitsdauer kürzer wird. Die in StatPearls genannte Dosierung für Erwachsene beträgt 500 mg am ersten Tag und 250 mg an den Tagen zwei bis fünf; bei Kindern 10 mg/kg am Tag eins und 5 mg/kg an den Folgetagen, mit denselben Höchstmengen wie bei Erwachsenen. Die Verordnung, Dauer und mögliche Wechselwirkungen gehören in die behandelnde Praxis, nicht in die Selbstmedikation.
Diese Fünf-Tage-Schema geht auf eine kleine randomisierte Studie von Bass und Kollegen 1998 zurück, die Klotz und Mitautoren 2011 zusammenfassen. Von 14 mit Azithromycin Behandelten erreichten acht nach 30 Tagen eine Knotenreduktion von mehr als 80 Prozent, in der Placebogruppe nur einer von 15. Die Stichprobe war klein, der Endpunkt bildgebend, nicht die Gesamtsymptomatik. Genau deshalb bleiben CDC und StatPearls zurückhaltend bei routinemäßiger Gabe.
Fluktuierende Knoten werden punktiert, nicht großflächig geschnitten, weil eine Inzision Fisteln bahnen kann. Merck beschreibt, dass die Nadel den Druckschmerz oft rasch senkt; bei Nachlaufen darf erneut aspiriert werden. Bei ausgeprägter oder disseminierter Erkrankung kommen nach Merck und StatPearls unter anderem Rifampin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Ciprofloxacin oder Doxycyclin infrage, häufig in Kombination und über Wochen bis Monate. Laborempfindlichkeiten spiegeln den klinischen Nutzen bei Bartonellen schlecht.
Welche Komplikationen sind möglich?
Unkomplizierte Verläufe heilen bei den allermeisten vollständig. StatPearls beziffert die Spontanheilung bei Kindern mit unterstützender Pflege auf 90 bis 95 Prozent. Komplikationen hängen vom Wirt und von der Streuung ab. Vereiternde Lymphadenitis betrifft etwa jedes zehnte betroffene Paket. Fisteln und lang anhaltende Schwellung belasten, gefährden aber selten das Leben.
Atypische Manifestationen treten nach Merck bei 11 bis 12 Prozent auf, eher bei Erwachsenen. Das okuloglanduläre Syndrom nach Parinaud, eine Bindehautentzündung mit tastbaren Vorohrknoten, macht rund die Hälfte dieser atypischen Bilder aus. Neurologische Formen, darunter Enzephalopathie, Krampfanfälle, Neuroretinitis mit einseitigem Sehverlust, Radikulitis oder Myelitis, liegen bei etwa 2 Prozent. Granulome in Leber und Milz bleiben unter 1 Prozent, können aber als Fieber ohne Fokus erscheinen. StatPearls schätzt Augenkomplikationen auf 2 bis 8 Prozent, bei Kindern unter 10 Prozent, und nennt Neuroretinitis, Papillitis, Optikusneuritis sowie das Parinaud-Bild.
Neuroretinitis zeigt sich oft als schmerzloser Sehverlust mit Papillenödem und später einem sternförmigen Makulaexsudat. Kombinationen aus Doxycyclin oder einem Makrolid plus Rifampin werden in Übersichten für solche Verläufe genannt; harte randomisierte Belege fehlen. Enzephalopathie kann ein bis sechs Wochen nach der Knotenschwellung mit Kopfschmerz, Verwirrtheit oder Krämpfen einsetzen. HealthyChildren.org beschreibt, dass die meisten Kinder nach klinischer Versorgung genesen, Restsymptome aber vorkommen können.
B. henselae gehört zu den häufigeren Ursachen kulturnegativer Endokarditis, meist bei vorbestehendem Klappenfehler. Knocheninfekte, prolongiertes Fieber und selten Status epilepticus sind in Fallserien dokumentiert. Todesfälle bei Immunkompetenten sind nach StatPearls selten; bleibende neurologische Defizite nach ZNS-Beteiligung kommen vor. Deshalb gilt: untypische Organzeichen nicht als „bloßes Kratzfieber“ abtun, sondern gezielt untersuchen.

Was gilt bei geschwächtem Immunsystem?
Immunschwäche verändert das Krankheitsbild. Statt granulomatöser Knoten kann eine gefäßreiche Wucherung entstehen, die bazilläre Angiomatose der Haut und Lymphknoten, oder eine bazilläre Peliosis von Leber und Milz. Merck ordnet beides vor allem Transplantierten, Chemotherapiepatienten und Menschen mit fortgeschrittenem HIV zu. Schwere disseminierte Verläufe sind bei AIDS beschrieben.
Die CDC empfiehlt Antibiotika für alle immunsupprimierten Patienten mit Kratzfieber, nicht nur für schwere Fälle. Merck nennt Azithromycin oder Doxycyclin als häufige Mittel, daneben Fluorchinolone, Rifampin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol; bei Neuroretinitis oft Kombinationen, bei Endokarditis intravenöses Gentamicin über zwei Wochen plus längere orale Therapie. Die Dauer reicht typischerweise über Wochen bis Monate, weil kurze Kuren Rückfälle begünstigen.
Trotz des höheren Risikos muss niemand die Katze vorsorglich abgeben. Die CDC schreibt klar, dass Menschen mit HIV, Krebsbehandlung oder anderer Abwehrschwäche eine Katze behalten können. Sinnvoll sind Stallhaltung, Flohprophylaxe und der Verzicht auf Tiere unter einem Jahr. Gesunde Stubentiger sollen weder getestet noch „prophylaktisch“ antibiotisch behandelt werden. Permethrin-haltige Hundeprodukte dürfen Katzen nicht bekommen, weil sie für die Art giftig sind.
Wer immunsupprimiert ist und Fieber, neue Hautknötchen, Oberbauchschmerz oder Sehstörungen bemerkt, braucht infektionsmedizinische Einschätzung. Kaposi-Sarkom und bazilläre Angiomatose können sich ähneln; die Unterscheidung steuert die Therapie. Selbstmedikation mit Resten eines Makrolids aus dem Hausapothekenschrank ist unsicher, weil Dosis, Dauer und Interaktionen bei dieser Gruppe besonders relevant sind.
Muss die Katze getestet oder abgegeben werden?
Ein einziges Kratzfieber in der Familie ist kein Grund, das Tier abzugeben. Die CDC rät 2026 ausdrücklich, gesunde Katzen weder auf B. henselae zu testen noch zu behandeln. Der Keim ist unter Katzen häufig, die Tests sind für symptomfreie Tiere wenig zuverlässig, und eine Antibiotikakur beim Tier dauert lange, ohne dass der Nutzen für den Menschen klar belegt wäre.
Kranke Katzen zeigen meist zwei bis drei Tage Fieber. Tierärztliche Hilfe ist laut CDC sinnvoll bei Fieber über drei Tage, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, roten Augen, geschwollenen Knoten oder Futterverweigerung. Selten entstehen Augen-, Mund- oder Harnwegsentzündungen, in Einzelfällen eine Herzmuskelreizung mit Atemnot. Die Behandlung liegt dann beim Veterinär, nicht in der Humanmedizin.
Flöhe halten den Kreislauf am Laufen. Nelson und Kollegen (2016) betonten, umfassender Flohschutz sei die wirksamste bevölkerungsweite Bremse, besonders in Haushalten mit Kindern. Stallhaltung mindert Kontakt zu infizierten Freigängern. Krallen kürzen reduziert Verletzungen; Entdekrallen empfiehlt die CDC nicht als Prävention. Impfstoffe gegen B. henselae für Mensch oder Katze gibt es nicht, hält StatPearls fest.
Mehrere Menschen in einem Haushalt können nacheinander erkranken, weil dasselbe Tier weiter Flohkot an den Krallen trägt, nicht weil Patienten einander anstecken. Deshalb lohnt Flohschutz für alle Katzen der Wohnung, sobald ein Fall bekannt wird. Streuner nicht streicheln, Kätzchen nicht als Beißspielzeug behandeln, offene Wunden nicht belecken lassen.
Wie lässt sich die Infektion im Alltag verhindern?
Die meisten Kratzer führen nicht zu Kratzfieber. Die CDC listet trotzdem klare Handgriffe. Kratzer, Bisse und Lecken meiden, vor allem durch Kitten und Streuner. Hände nach dem Umgang waschen. Frische Wunden mit Wasser und Seife reinigen. Mit der Tierarztpraxis über zugelassene Flohmittel sprechen. Katzen im Haus halten und von Streunern trennen. Menschen mit Immunschwäche sollen keine Katzen unter einem Jahr aufnehmen.
Grobspiel, Zerren am Schwanz und Futterklau-Spiele erzeugen genau die Verletzungen, die den Keim einschleusen. Kindern erklärt man besser, dass eine Katze kein Stofftier ist und dass man ihr nichts wegnimmt, während sie frisst. HealthyChildren.org rät, nach Biss oder Kratzer sofort zu waschen und bei Knotenschwellung die Kinderarztpraxis zu rufen, weil viele andere Ursachen denselben Tastbefund erzeugen.
Flohbekämpfung schützt nicht nur vor Bartonellen. Mittel mit Permethrin, die für Hunde gedacht sind, dürfen Katzen nicht erreichen. Hausstaubsaugen allein ersetzt kein veterinärmedizinisches Präparat, kann aber den Flohdruck senken, wenn ein Befall sichtbar ist. Freigängern, die jagen, attestiert die EID-Arbeit ein höheres Bakteriämierisiko; wer das Jagen begrenzt, senkt theoretisch auch das Risiko für den Menschen.
Schwangere haben beim Kratzfieber kein Sonderkapitel in den genannten Quellen. Unabhängig davon bleibt Toxoplasmose über Katzenkot ein eigenes, gut beschriebenes Thema; die Katzentoilette sollten in der Schwangerschaft andere Personen wechseln. Das ist eine andere Infektion als B. henselae, gehört aber in denselben Hygienekorb. Wer nach einem Kratzer unsicher ist, fotografiert die Stelle, notiert das Datum und beobachtet Lymphknoten an Hals, Achsel und Leiste über zwei bis drei Wochen.
Häufige Fragen
Kann ich Kratzfieber von einem erkrankten Menschen bekommen?
Nach der American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org, Stand 2025) überträgt sich die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch. Die Ansteckung läuft über Katzen, Flohkot an Krallen und Speichel an Wunden. Wer im Haushalt denselben Flohbefall hat, kann sich unabhängig vom ersten Patienten neu infizieren.
Braucht jedes Kratzfieber ein Antibiotikum?
Nein. CDC und StatPearls sehen bei unkompliziertem Verlauf oft keine Antibiotika vor. Azithromycin über fünf Tage kann große Knoten rascher verkleinern, verkürzt die Gesamtbeschwerden aber nicht sicher. Bei Immunschwäche, Organbefall oder atypischem Verlauf ist eine gezielte Therapie üblich.
Soll ich mein Kätzchen weggeben, wenn jemand in der Familie erkrankt?
Nein. Die CDC rät, das gesunde Tier zu behalten, Flohschutz zu verstärken und grobes Spiel zu lassen. Test und Antibiotika beim symptomfreien Kater oder der Katze sind nicht empfohlen. Menschen mit Immunschwäche sollten künftig eher ein Tier über einem Jahr wählen.
Wie lange bleiben die Lymphknoten dick?
Häufig Wochen bis einige Monate. Merck nennt zwei bis fünf Monate, StatPearls und HealthyChildren.org eher zwei bis vier. Eine langsame Rückbildung allein ist kein Therapieversagen. Zunehmende Rötung, Fluktuation, Fieber oder neue Organzeichen gehören in die Kontrolle.
Schützt eine durchgemachte Infektion vor einem zweiten Mal?
StatPearls schreibt, die meisten Patienten erwerben nach der Infektion eine lang anhaltende Immunität. Ein zweites klassisches Kratzfieber gilt als ungewöhnlich, ist aber nicht mit einer Garantie auszuschließen. Flohschutz bleibt sinnvoll, weil andere Katzenzoonosen denselben Hygieneregeln folgen.
Gibt es eine Impfung gegen Kratzfieber?
Nein. Weder für Menschen noch für Katzen steht ein Impfstoff gegen Bartonella henselae zur Verfügung, so StatPearls. Vorbeugung bedeutet Flohkontrolle, Wundhygiene und weniger Spielverletzungen, nicht eine Spritze.

Fazit
Kratzfieber bleibt in den allermeisten Fällen eine begrenzte Lymphknotenkrankheit nach Katzenkontakt, keine Begründung, das Haustier aufzugeben. Was sich gegenüber älteren Texten verschoben hat, ist die Gewichtung. Die CDC benennt 2026 bis zu einem Drittel gesunder Katzen als mögliche Träger, lehnt Tests und Antibiotika beim gesunden Tier ab und spricht sich gegen Entdekrallen als Prävention aus. Azithromycin kann schmerzhafte Knoten rascher verkleinern, heilt den Verlauf aber nicht nachweislich schneller.
Wer nach einem Kratzer eine Papel sieht und später einen druckschmerzhaften regionären Knoten tastet, kann zunächst wärmen, schonen und den Verlauf dokumentieren. Fieber, wachsende Rötung, Sehstörung, Verwirrtheit oder eine bekannte Immunschwäche gehören in die Praxis, nicht in die Wartehaltung. Die Diagnose stützt sich auf Klinik plus Serologie oder PCR, nicht auf eine Blutkultur, die oft leer bleibt.
Morgen konkret. Flohmittel mit der Tierarztpraxis abstimmen, Kitten nicht als Beißspielzeug behandeln, Kratzer sofort waschen, Hände nach dem Kuscheln spülen. Menschen mit schwacher Abwehr können ihre Katze behalten, sollten aber Tiere unter einem Jahr meiden und jeden verdächtigen Verlauf früh ärztlich vorstellen.
Quellen
- CDC: About Cat Scratch Disease. Centers for Disease Control and Prevention, 23. März 2026.
- Sabir S, Daley SF, Huang B: Cat Scratch Disease. StatPearls, 13. Dezember 2025.
- Bush LM, Vazquez-Pertejo MT: Cat-Scratch Disease. Merck Manual Professional Edition, Stand: August 2026.
- MedlinePlus: Cat-scratch disease. MedlinePlus, 5. August 2025.
- Nelson CA, Saha S, Mead PS: Cat-Scratch Disease in the United States, 2005–2013. Emerging Infectious Diseases, Oktober 2016.
- Klotz SA, Ianas V, Elliott SP: Cat-scratch Disease. American Family Physician, 15. Januar 2011.
- American Academy of Pediatrics: Cat Scratch Disease. HealthyChildren.org, 23. Dezember 2025.
