Männlicher Geburtenkontrollschuss: Wirkung und Risiken

Männlicher Geburtenkontrollschuss: Wirkung und Risiken

Eine zugelassene Verhütungsspritze für Männer gibt es nicht. Die intramuskuläre Kombination aus 200 Milligramm Norethisteronenantat und 1000 Milligramm Testosteronundecanoat senkte in einer WHO-Multizenterstudie die Spermienzahl bei den meisten Teilnehmern unter den vereinbarten Grenzwert, die Injektionen wurden 2011 aber vorzeitig beendet, weil ein externes Gremium Stimmungsschwankungen, Depression, Schmerzen an der Einstichstelle und gesteigerte Libido höher gewichtete als den Nutzen weiterer Rekrutierung.

Für den Alltag bleiben nach CDC (Stand 6. August 2024) und Cleveland Clinic (Aktualisierung 28. Mai 2026) Kondom, Entzug und Vasektomie. Neuere Programme verschieben den Schwerpunkt vom Acht-Wochen-Depot auf ein tägliches Gel aus Segesteronacetat plus Testosteron und auf orale Androgene. Keine dieser Formeln schützt vor sexuell übertragbaren Infektionen. Wer eine Methode sucht, die Schwangerschaft und Erreger zugleich begrenzt, braucht weiter ein Kondom, allein oder zusätzlich.

Wie die Hormonspritze die Spermienbildung drosselt

Exogenes Gestagen plus Androgen drosselt die Hirnanhangdrüse, senkt LH und FSH und lässt die testikuläre Testosteronkonzentration so weit fallen, dass die Spermatogenese abreißt. Der Grenzwert für eine als wirksam geltende Unterdrückung liegt in den Studien bei höchstens einer Million Spermien pro Milliliter Ejakulat, unabhängig von der Beweglichkeit. Physiologisch liegt die Androgenkonzentration im Hoden nach einem Review von 2025 etwa vierzig- bis hundertfach über dem Serumwert; ohne diesen lokalen Überschuss reifen kaum noch Spermien.

Reines Testosteron allein kann denselben Regelkreis schließen, verlangt aber oft überphysiologische Dosen. Die Kombination mit einem Gestagen erlaubt eine Ersatzdosis Androgen, damit Libido, Muskelmasse und andere androgenabhängige Funktionen nicht zusammenbrechen. Norethisteronenantat bindet am Progesteronrezeptor und zusätzlich am Androgenrezeptor; Testosteronundecanoat hält den Serumspiegel in einem Bereich, der sekundäre Geschlechtsmerkmale stützen soll. Der Preis dieser Logik ist ein hormonelles Nebenwirkungsprofil, das Akne, Stimmung und Blutfette treffen kann.

Der Zeitbedarf folgt dem Spermienzyklus. Von der Stammzelle bis zum Ejakulat vergehen rund zehn Wochen. Deshalb wirkt keine Hormonspritze am Tag der ersten Injektion. Paare in den Studien nutzten in der Unterdrückungsphase eine andere, nicht hormonelle Methode, bis zwei aufeinanderfolgende Samenproben den Grenzwert unterschritten. Wer das Schema ohne diese Kontrolle anwendet, handelt außerhalb jeder geprüften Studie.

Asiatische Teilnehmer erreichten in älteren Testosteron-Ester-Studien häufiger eine Azoospermie als Männer europäischer Herkunft. Die Kombination mit einem Gestagen soll genau diese Lücke schließen. Ein Rest von fünf bis zehn Prozent unterdrückt die Spermatogenese trotzdem nicht vollständig; als Ursachen gelten anhaltendes FSH oder LH, genetische Unterschiede und unregelmäßige Einnahme.

[Mann und Frau im Bett Nase zu Nase]

Was die WHO-Multizenterstudie 2016 gemessen hat

Die Phase-II-Studie von Behre und Kollegen prüfte Wirksamkeit und Sicherheit, nicht die Marktreife. 320 gesunde Männer zwischen 18 und 45 Jahren mit Partnerinnen zwischen 18 und 38 Jahren, beide ohne bekannte Fruchtbarkeitsstörung, erhielten alle acht Wochen zwei getrennte Gesäßinjektionen durch Fachpersonal. Einschluss verlangte unter anderem zwei Samenproben mit mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter oder 39 Millionen pro Ejakulat, einen Body-Mass-Index von 20 bis 32 Kilogramm pro Quadratmeter und eine stabile, monogame Beziehung mit durchschnittlich zwei Kohabitationen pro Woche.

Von 320 Männern mit mindestens einer Injektion unterdrückten 274 die Konzentration bis zum Ende von 24 Wochen auf höchstens eine Million pro Milliliter. Nach Kaplan-Meier waren das 95,9 von 100 Fortsetzern (95-Prozent-Konfidenzintervall 92,8 bis 97,9). 266 Paare gingen in die Wirksamkeitsphase bis zu 56 Wochen und verzichteten dort auf andere Verhütung. Vier Schwangerschaften traten auf, alle vor der 16. Woche dieser Phase; die Rate lag bei 1,57 je 100 Fortsetzer (0,59 bis 4,14). Der Pearl-Index betrug 2,18 Schwangerschaften je 100 Personenjahre (0,82 bis 5,80). Drei der vier Männer lagen am geschätzten Konzeptionstag unter dem Grenzwert, keiner war azoosperm.

Sechs Männer zeigten in der Wirksamkeitsphase einen Rebound über eine Million pro Milliliter, bestätigt in einer zweiten Probe. Die kombinierte Versagerdefinition (keine Unterdrückung, Rebound oder Schwangerschaft) lag bei 7,5 Prozent. Das ist besser als die typische Versagerquote des Kondoms nach CDC, aber keine Garantie und kein Ersatz für eine zugelassene Methode. Die Studie war einarmig, ohne Placebo, und endete vor der geplanten Fallzahl.

Akzeptanzfragebögen zeigten hohe Zufriedenheit. Zu Beginn der Wirksamkeitsphase gaben 87,9 Prozent der Männer und 87,5 Prozent der Partnerinnen an, eine ähnliche Methode nutzen zu wollen. Am Studienende lag der Anteil bei den Männern bei 82,3 Prozent. Hohe Akzeptanz in einer ausgewählten Stichprobe sagt wenig über den Alltag nach einer Zulassung.

Nebenwirkungen und warum die Injektionen stoppten

Häufig waren Akne, Schmerz an der Einstichstelle, gesteigerte Libido und Stimmungsstörungen, meist leicht oder mittelschwer. 147 von 320 Männern (45,9 Prozent) berichteten Akne, 122 (38,1 Prozent) eine gesteigerte Libido, 74 (23,1 Prozent) Injektionsschmerz, 54 (16,9 Prozent) eine als emotionales Geschehen kodierte Störung. Depressive Verstimmung betraf 9 Männer (2,8 Prozent), darunter zwei als schwer eingestufte Fälle. Gynäkomastie trat bei 18 Teilnehmern auf (5,6 Prozent), Gewichtszunahme bei 12 (3,8 Prozent), Myalgie bei 52 (16,3 Prozent). Von 1491 gemeldeten Ereignissen stuften die Prüfer 38,8 Prozent als unabhängig vom Präparat ein; 91 Prozent der produktbezogenen Meldungen galten als leicht.

Ein externes WHO-Gremium (RP2) stoppte im März 2011 Rekrutierung und weitere Injektionen, weil Risiken den Zusatznutzen weiterer Daten überwogen. Das interne Data-Safety-Komitee hatte im Januar 2011 noch für Fortsetzung votiert. Zwei Gremien, dieselbe Tabelle, verschiedene Schwellen. Eine spätere Bewertung von Abbe und Roxby (2019) stellte die Häufigkeiten neben Fachinformationen zugelassener Methoden für Frauen und fand vergleichbare Raten, bei Männern sogar weniger Abbrüche wegen Unverträglichkeit (6,25 Prozent, 20 von 320). Die Autoren argumentieren, dass Schwangerschaftsrisiken bei Frauen in die Nutzen-Schaden-Rechnung eingehen, bei Männern aber kein vergleichbarer Maßstab existiert.

Schwerwiegende Ereignisse, die als wahrscheinlich oder möglich mit dem Schema verknüpft galten, waren eine Depression, eine absichtliche Paracetamolüberdosis und in der Erholungsphase eine Tachykardie mit paroxysmalem Vorhofflimmern. Ein Suizid in der Wirksamkeitsphase wurde als nicht produktbezogen bewertet; die Familie nannte akademischen Druck. Solche Einzelfälle beweisen keine Kausalität, sie gehören aber in jedes Gespräch vor einer Off-Label-Idee.

Viele Stimmungsmeldungen und ein Großteil der Injektionsschmerzen kamen von einem indonesischen Zentrum. Das spricht für unterschiedliche Meldekultur, nicht automatisch für Harmlosigkeit. Neuere Protokolle, etwa zum NES/T-Gel, führen deshalb validierte Stimmungsbögen (PHQ-9) und schließen Männer mit relevanter Depression aus.

Kommt die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen zurück?

Bei den meisten Teilnehmern kehrte die Samenqualität in den WHO-Referenzbereich zurück. Nach 52 Erholungswochen lag die kumulierte Rate bei 94,8 von 100 Fortsetzern (91,5 bis 97,1), gemessen als mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter oder 39 Millionen pro Ejakulat. Acht Männer erfüllten das Kriterium nach 52 Wochen nicht. Fünf erholten sich bis Woche 74, zwei brachen die Nachbeobachtung ab, ein Freiwilliger blieb über vier Jahre nach der letzten Injektion unter der Norm.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Vasektomie, die Mayo Clinic als lebenslange Methode beschreibt, deren Rückoperation unsicher und teuer bleibt. Hormonelle Unterdrückung ist als reversibel geplant, aber nicht bei jedem Mann im gleichen Tempo. Wer in den nächsten zwei Jahren ein Kind will, war in der WHO-Studie ausgeschlossen; dasselbe gilt für Paare mit Kinderwunsch in den laufenden Gel-Protokollen.

LH und Testosteron lagen am Ende der Erholung noch unter dem Ausgangswert, FSH und Östradiol nicht mehr unterscheidbar vom Start. Klinisch heißt das: Laborwerte und Samenprobe gehören zusammen. Eine einzelne „gute“ Hormonzahl ersetzt die Zählung nicht. Bis die Probe den Referenzbereich erreicht, braucht das Paar eine andere Verhütung.

Spermatogener Rebound während der Anwendung ist ein zweites, selteneres Problem. In der WHO-Studie betraf er sechs Männer. Reviews nennen für Testosteronester-Injektionen etwa 1,4 bis 2,2 Prozent, für Gele und Implantate höhere Anteile. Unvorhersehbarkeit ist der Grund, warum Studien Samenkontrollen alle acht Wochen verlangen.

Gibt es 2026 eine zugelassene Spritze?

Nein. Weder FDA noch EMA haben ein hormonelles Kontrazeptivum für Männer zugelassen. Cleveland Clinic listet in der Übersicht vom 28. Mai 2026 für Männer Kondom, Entzug und Vasektomie, keine Spritze und keine Pille. NICHD beschreibt Sterilisation und Barrieremethoden, nicht ein Depot für den Mann. WHO zählt Kondome als einzige Methode, die Schwangerschaft und sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV zugleich begrenzen kann.

Das NET-EN-plus-TU-Schema blieb nach dem frühen Stopp ohne Phase-III-Programm, das zu einer Zulassung führen könnte. Reviews von 2023 und 2025 führen es als historischen Beleg, dass kombinierte Injektionen Schwangerschaften senken können, und als Warnung, dass Stimmung und Meldekultur die Entwicklung stoppen. Wer im Internet „männliche Antibabyspritze kaufen“ sucht, landet bei unverifizierten Angeboten oder bei Testosteronpräparaten ohne Kontrazeptionszulassung. Beides ist kein Ersatz für eine geprüfte Methode.

Off-Label-Androgene aus der Hypogonadismusbehandlung sind keine Verhütung. Die Dosen, Intervalle und Samenkontrollen der WHO-Studie gelten nur im Studienprotokoll. Selbstanwendung, geteilte Ampullen oder „TRT plus Gestagen vom Hörensagen“ liegen außerhalb jeder Leitlinie. Ein Arzt, der so etwas vorschlägt, müsste Nutzen, Stimmungsrisiko, Thromboserisiko, Blutdruck, Prostata und den fehlenden Infektionsschutz dokumentieren und eine zweite Methode bis zur bestätigten Unterdrückung verlangen.

NES/T-Gel: der weiteste hormonelle Kandidat

Das tägliche transdermale Gel aus Segesteronacetat (Nestorone) und Testosteron ist 2026 der am weitesten fortgeschrittene hormonelle Ansatz. Die internationale Phase-IIb-Studie NCT03452111 (Population Council und NICHD) begann 2018, schloss die Datenerhebung am 6. September 2024 ab und behandelte tatsächlich 420 Paare. Männer trugen etwa 5 Milliliter Gel täglich auf Schultern und Oberarme auf; die Formulierung enthielt je nach Kohorte rund 62 oder 74 Milligramm Testosteron plus Segesteronacetat. Erst nach Unterdrückung auf höchstens eine Million Spermien pro Milliliter folgte eine 52-wöchige Wirksamkeitsphase, danach eine Erholung.

Auf dem Kongress ENDO 2024 berichtete Diana Blithe (NICHD) Zwischenzahlen der Unterdrückungsphase: Von 222 Männern mit mindestens drei Wochen täglicher Anwendung erreichten 86 Prozent den Grenzwert bis Woche 15. Unter diesen lag die mediane Zeit unter acht Wochen. Frühere Injektionsstudien brauchten im Median neun bis fünfzehn Wochen. Schnellerer Wirkungseintritt kann die Akzeptanz heben, ersetzt aber nicht die Samenkontrolle. Das Gel hält den Testosteronspiegel im physiologischen Bereich, damit Potenz und andere androgenabhängige Funktionen nicht einbrechen.

Frühere Dosisfindungen (Ilani 2012, in Reviews zitiert) zeigten, dass 8 Milligramm Nestorone plus Testosterongel bei 89 Prozent der Männer den Grenzwert erreichten, Testosteron allein nur bei 23 Prozent. Eine höhere Nestoronedosis von 12 Milligramm verbesserte das Ergebnis nicht. Nebenwirkungen in den Gelstudien umfassten Akne bei etwa einem Fünftel, Kopfschmerz, leichte Gewichtszunahme und einzelne Stimmungsmeldungen. Haut-zu-Haut-Übertragung auf die Partnerin bleibt ein praktisches Risiko; Protokolle verlangen Trocknen und Bedecken der Auftragfläche.

Phase 3 war im Frühjahr 2026 in Planung, nicht abgeschlossen. Bis peer-reviewte Wirksamkeitszahlen der ganzen 52 Wochen vorliegen, bleibt NES/T ein Prüfpräparat. Wer Gel aus dem Fitnessstudio oder zusammengemischtes Testosterongel als „Verhütung“ nutzt, kopiert die Studie nicht.

Orale Androgene DMAU und 11β-MNTDC

Dimethandrolonundecanoat (DMAU) und 11β-Methyl-19-nortestosteron-dodecylcarbonat sind Prodrugs, die Androgen- und Progesteronrezeptor zugleich besetzen. Sie unterdrücken Gonadotropinen und endogenes Testosteron, ohne aromatisiert zu werden. Das erspart östrogene Effekte, wirft aber die Frage auf, ob Knochenmasse ohne Östradiol langfristig hält. Eine 28-Tage-Analyse zu DMAU zeigte trotz Einbruch von Testosteron und Östradiol einen Anstieg des Knochenaufbaumarkers P1NP; der Abbaumarker CTX blieb unverändert. Das ist beruhigend kurzfristig und kein Ersatz für mehrjährige Knochendaten.

Orales DMAU braucht eine fetthaltige Mahlzeit (in den Studien 25 bis 30 Gramm Fett), sonst bricht die Aufnahme ein. In einer vierwöchigen Phase-I-Studie senkte 400 Milligramm täglich LH und FSH oft unter 1 Internationale Einheit pro Liter, ein Schwellenwert, der mit Spermienunterdrückung verknüpft wird. Die 12-Wochen-Studie NCT03455075 zu DMAU allein oder mit Levonorgestrel ist abgeschlossen; peer-reviewte Spermienzahlen lagen in den Reviews 2023 bis 2025 noch nicht vollständig vor. Genannte Begleiterscheinungen waren Gewichtszunahme um etwa 1,5 bis 3,8 Kilogramm, Anstieg des Hämatokrits, Abfall von HDL-Cholesterin und bei einem Teil verminderte Libido. Schwere Ereignisse und Abbrüche wegen Unverträglichkeit blieben in den kurzen Studien selten.

11β-MNTDC zeigte in 28-Tage-Daten eine ausgewogenere Rezeptoraffinität und in Tiermodellen weniger Leberbelastung als DMAU. Kopfschmerz, Akne und Libidoveränderung betrafen einen Teil der Teilnehmer, niemand brach wegen Nebenwirkungen ab. Beide Stoffe werden über das Enzym UGT2B17 glucuronidiert, das genetisch stark streut. Theoretische Wechselwirkungen mit Substraten wie Desvenlafaxin sind beschrieben, klinisch aber nicht in großen Kohorten geprüft. Solange Phase-IIb-Wirksamkeit fehlt, bleiben beide Kandidaten Labor- und Frühklinikthema, keine Pille aus der Apotheke.

Hydrogel, RISUG und Vasektomie

Nicht hormonelle Ideen zielen auf den Samenleiter statt auf die Hirnanhangdrüse. RISUG (Indien) und verwandte Polymere sollen Spermien im Vas deferens mechanisch oder chemisch aus dem Verkehr ziehen. Humanstudien zu RISUG berichteten hohe kontrazeptive Raten, belastbare Daten zur Umkehrbarkeit fehlen. Vasalgel blieb in den USA hinter der klinischen Schwelle. ADAM, ein wasserlösliches Hydrogel, durchlief die First-in-Human-Studie NCT05134428 mit 25 Männern in Australien (Start 2022, Abschluss März 2026). Ziel war Sicherheit plus Azoospermie, nicht eine zugelassene Zwei-Jahres-Verhütung. Firmenmeldungen zu 24-Monats-Daten sind keine Fachpublikation.

Die praktisch verfügbare Alternative bleibt die Vasektomie. Mayo Clinic (7. März 2025) beschreibt einen ambulanten Eingriff in örtlicher Betäubung, etwa 15 bis 20 Minuten, mit Durchtrennung und Verschluss beider Samenleiter. Die Methode gilt als nahezu vollständig wirksam gegen Schwangerschaft, schützt aber nicht vor Infektionen. Sie wirkt nicht am Operationstag: Etwa 20 Ejakulate und eine Samenkontrolle nach rund drei Monaten müssen Spermienfreiheit bestätigen. CDC nennt eine typische Versagerquote von 0,15 Prozent und rät zu einer zweiten Methode, bis die Zahl bei null liegt.

Frühe Beschwerden sind Bluterguss, Schwellung, ziehender Schmerz. Anhaltender Hodenschmerz betrifft nach Mayo 1 bis 2 Prozent. Ein Zusammenhang mit Prostatakrebs oder Herzkrankheit ist nicht belegt. Die Rückoperation ist schwieriger, teurer und unsicherer als der Ersteingriff. Wer unsicher ist, ob er später Kinder will, wählt die Vasektomie zur Unzeit.

Kondom, Sterilisation, hormonelle Idee im Vergleich

Das Kondom wirkt sofort, liegt in der Apotheke und senkt nach WHO das Risiko für HIV und andere Erreger. Die typische Versagerquote liegt laut CDC bei 13 Prozent, weil Risse, falsche Größe und verspätetes Überstreifen vorkommen. Latex und Polyurethan schützen vor vielen Infektionen, Lammfellkondome tun das nicht. Cleveland Clinic nennt etwa 85 Prozent Wirksamkeit bei korrekter Anwendung und erinnert, dass nur externe und interne Kondome Infektionsschutz bieten.

Die hormonelle Injektion der WHO-Studie lag in der kontrollierten Wirksamkeitsphase näher an modernen Pillen als am Kondom, verlangte aber achtwöchige Spritzen, Samenkontrollen und die Bereitschaft, Stimmung und Akne zu akzeptieren. NES/T verschiebt denselben Mechanismus auf den Alltag: täglich Gel, Übertragung vermeiden, Monatskontrollen in der Studie. DMAU wäre eine Pille mit Fettmahlzeit. Keine dieser Varianten ist 2026 kaufbar.

Option Schwangerschaft (Quellenlage) Infektionsschutz Umkehrbarkeit
Kondom (Mann) typische Versagerquote 13 % (CDC 2024) ja, bei Latex oder Polyurethan sofort
Vasektomie typische Versagerquote 0,15 % (CDC 2024) nein nur weitere OP, unsicher
NET-EN plus TU (Studie) 1,57 Schwangerschaften je 100 Fortsetzer (Behre 2016) nein meist binnen 52 Wochen
NES/T-Gel Grenzwert bei 86 % bis Woche 15 (ENDO 2024) nein Recovery-Ziel der Studie, keine Zulassung
Entzug von Cleveland Clinic als unsicher beschrieben nein sofort

Zwei Methoden gleichzeitig bleiben sinnvoll, wenn Infektionsrisiko und Schwangerschaftsrisiko auseinanderfallen. Ein Paar mit Vasektomie und neuem Partner braucht weiter ein Kondom. Ein Paar, das auf eine künftige Hormonspritze hofft, braucht heute eine reale Methode, nicht eine Warteliste.

Wann zum Arzt und welche Warnzeichen zählen

Wer hormonelle Selbstversuche mit Testosteron oder Internet-„Male Pill“-Kits plant, gehört vorher in die andrologische oder urologische Sprechstunde, nicht erst nach der ersten Ampulle. Vor jeder Androgengabe gehören Blutdruck, Blutbild (Hämatokrit), Leberwerte, PSA bei entsprechendem Alter, Stimmungsanamnese und der Kinderwunsch der nächsten Jahre auf den Tisch. Die WHO-Studie schloss psychiatrische Erkrankungen, Bluthochdruck, Thrombose, Schlafapnoe und Diabetes aus. Das waren Sicherheitsgrenzen, keine bürokratischen Schikanen.

Rote Flaggen unter einem Androgen-Gestagen-Schema sind neue oder rasch tiefer werdende Depression, Suizidgedanken, Panik nach der Injektion, Brustschmerz, Herzrasen, einseitige Beinschwellung, plötzliche Atemnot, anhaltender Hodenschmerz und eine Erektion, die nicht mehr zuverlässig kommt. Solche Zeichen gehören in die Notaufnahme oder denselben Tag in den Bereitschaftsdienst, nicht in ein Forum. Nach einer Vasektomie gelten Fieber über 38,0 Grad Celsius, eitriges Wundsekret, rasch wachsendes Skrotalhämatom und Schmerz, der trotz Schonung zunimmt, als Gründe für sofortigen Kontakt (Mayo Clinic).

Samenkontrollen sind bei jeder Methode Pflicht, die nicht sofort wirkt. Nach Vasektomie nennt CDC etwa zwölf Wochen bis zur erwarteten Null. Nach hormoneller Unterdrückung dauert der Weg in beide Richtungen Monate. Ein negativer Schwangerschaftstest der Partnerin ersetzt die Zählung nicht. Bei Kinderwunsch nach Hormonexposition oder Vasektomie ist die nächste Station eine Kinderwunschsprechstunde, nicht ein weiteres Online-Präparat.

Häufige Fragen

Gibt es in der Apotheke schon eine Verhütungsspritze für Männer?

Nein. Weder die NET-EN-plus-TU-Kombination noch NES/T-Gel noch DMAU haben eine Zulassung als Kontrazeptivum. Cleveland Clinic und CDC listen 2024 bis 2026 für Männer Kondom und Vasektomie, plus Entzug als unsichere Praxis. Studienpräparate dürfen nur im Protokoll verwendet werden.

Wie lange dauert es, bis eine hormonelle Methode beim Mann wirkt?

Wochen bis Monate, nicht Stunden. In der WHO-Injektionsstudie brauchten die meisten Männer bis zu 24 Wochen bis zum Grenzwert. Beim NES/T-Gel lag der Median unter den Erfolgreichen unter acht Wochen, 86 Prozent waren bis Woche 15 am Ziel. Bis zwei bestätigte Samenproben vorliegen, braucht das Paar eine andere Methode.

Kommt die Zeugungsfähigkeit nach dem Absetzen zurück?

In der Regel ja, aber nicht bei jedem im gleichen Tempo. Nach 52 Erholungswochen lagen 94,8 von 100 Fortsetzern der WHO-Studie wieder im Referenzbereich. Ein Teilnehmer blieb über vier Jahre darunter. Wer zeitnah ein Kind will, wählt keine experimentelle Hormonunterdrückung.

Schützt die Hormonspritze vor HIV oder Chlamydien?

Nein. WHO und CDC betonen, dass nur Kondome (plus PrEP gegen HIV) Infektionen begrenzen. Hormonelle Unterdrückung verändert die Spermienzahl, nicht die Schleimhautexposition. Bei neuem Partner oder unklarem Infektionsstatus bleibt das Kondom Pflicht.

Ist die Vasektomie die bessere Alternative zur erhofften Spritze?

Wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist, ja als verfügbare, hochwirksame Option. Mayo Clinic nennt nahezu vollständigen Schutz nach bestätigter Samenprobe, bei 1 bis 2 Prozent anhaltendem Schmerz. Die Methode ist als dauerhaft gedacht. Wer unsicher bleibt, wartet oder nutzt Kondom plus Methode der Partnerin.

Kann ich Testosteron aus der Fitnessszene als Verhütung spritzen?

Nein. Die Studiendosis, das Gestagen, das Intervall und die Samenkontrollen gehören zusammen. Androgene ohne Gestagen unterdrücken unzuverlässig, können Hämatokrit, Blutfette und Stimmung belasten und ersetzen keine Verhütung. Solche Präparate haben keine Kontrazeptionszulassung.

Fazit

Die männliche Hormonspritze der WHO-Jahre 2008 bis 2012 hat gezeigt, dass Gestagen plus Androgen Schwangerschaften selten machen kann. Sie hat zugleich gezeigt, dass Stimmung, Akne und Meldekultur ein ganzes Programm stoppen können. Seit 2018 ist der wissenschaftliche Schwerpunkt gewandert: weg vom Acht-Wochen-Depot, hin zu NES/T-Gel mit abgeschlossener Phase IIb und zu oralen Androgenen in frühen Phasen. Eine Apothekenpackung liegt daraus nicht.

Für Paare, die 2026 eine Entscheidung brauchen, bleiben Kondom, eine zuverlässige Methode der Partnerin und bei abgeschlossenem Kinderwunsch die Vasektomie mit anschließender Samenkontrolle. Wer sich für Studien interessiert, findet laufende und abgeschlossene Protokolle unter ClinicalTrials.gov, nicht im Onlineshop. Infektionsschutz und Schwangerschaftsschutz sind zwei getrennte Ziele; nur das Kondom bedient beide.

Quellen

  1. Behre HM, Zitzmann M et al.: Efficacy and Safety of an Injectable Combination Hormonal Contraceptive for Men. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 27. Oktober 2016.
  2. Abbe CR, Roxby AC: Assessing Safety in Hormonal Male Contraception: A critical appraisal of adverse events reported in a male contraceptive trial. BMJ Sexual & Reproductive Health, 21. November 2019.
  3. Wrona J, Fudali K et al.: Male Hormonal Contraception—Current Stage of Knowledge. Journal of Clinical Medicine, 23. März 2025.
  4. Louwagie EJ, Quinn GFL et al.: Male contraception: narrative review of ongoing research. Basic and Clinical Andrology, 9. November 2023.
  5. ClinicalTrials.gov: Study of Daily Application of Nestorone® (NES) and Testosterone (T) Combination Gel for Male Contraception. ClinicalTrials.gov, Stand: 2024.
  6. Endocrine Society: New male birth control gel takes effect sooner than similar contraceptive methods. Endocrine Society, Juni 2024.
  7. Centers for Disease Control and Prevention: Contraception and Birth Control Methods. Centers for Disease Control and Prevention, 6. August 2024.
  8. World Health Organization: Family planning/contraception methods. World Health Organization, Stand: 2025.
  9. Mayo Clinic Staff: Vasectomy – Mayo Clinic. Mayo Clinic, 7. März 2025.
  10. Cleveland Clinic: Birth Control: Forms, Options, Risks & Effectiveness. Cleveland Clinic, 28. Mai 2026.
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