Psilocybin bei schwerer Depression: Nutzen und Risiko

Psilocybin bei schwerer Depression: Nutzen und Risiko

Psilocybin, der psychoaktive Stoff bestimmter Pilze, kann in begleiteten Studien depressive Symptome bei Menschen senken, die auf übliche Antidepressiva nicht angesprochen haben. Weder die US-Arzneimittelbehörde FDA noch die britische Leitlinie NICE NG222 führen den Stoff als zugelassenes Standardmittel; Selbstversuche mit getrockneten Hutpilzen bleiben gefährlich.

Die ältere offene Bildgebungsarbeit aus London von 2017 hatte Hoffnung auf ein „Zurücksetzen“ von Netzwerken geweckt. Seither liegen verblindete Dosisfindungen, ein Vergleich mit Escitalopram und eine Metaanalyse im BMJ vor. Sie zeichnen ein nüchterneres Bild. Eine einzelne 25-Milligramm-Dosis plus psychologische Begleitung kann den MADRS-Wert innerhalb von drei Wochen messbar senken. Eine 10-Milligramm-Dosis tat das in derselben Studie nicht. Anhaltendes Ansprechen nach zwölf Wochen blieb unsicher, und Suizidgedanken oder Selbstverletzungen traten in allen Dosisarmen auf. Wer unter einer schweren oder festgefahrenen Depression leidet, braucht zuerst eine fachärztliche Prüfung der bisherigen Therapie, nicht einen illegalen Pilz.

Was Psilocybin ist und wie es wirkt

Psilocybin ist ein Tryptaminalkaloid aus mehreren Psilocybe-Arten. Nach dem Schlucken wandelt die Leber es rasch in Psilocin um. Psilocin dockt vor allem am Serotonin-2A-Rezeptor an und verändert für Stunden Wahrnehmung, Zeitgefühl und Selbstbezug. Johnson, Richards und Griffiths hielten 2008 fest, dass klassische Halluzinogene körperlich vergleichsweise verträglich und nicht als klassische Abhängigkeitstoffe gelten, dafür aber eigene psychische Risiken tragen. Die häufigste Gefahr ist überwältigende Angst während der Wirkung, seltener eine ausgelöste Psychose. Blutdruck und Puls können steigen. Bei Herz- oder Gefäßleiden wird das zum Ausschlussgrund.

Klassische Antidepressiva vom Typ der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer blockieren den Rücktransport von Serotonin und brauchen oft vier bis acht Wochen, bis die Stimmung spürbar steigt. Psilocin wirkt anders. Es aktiviert denselben Botenstoffweg stoßartig. Bildgebende Arbeiten deuten an, dass das Ruhezustandsnetzwerk, das Selbstgespräche und Grübeln trägt, vorübergehend lockerer gekoppelt wird. Ob daraus eine dauerhafte Neuordnung folgt, ist nicht geklärt. Die 2017er Imperial-Studie schlug einen Reset vor, hatte aber keine Kontrollgruppe.

In der Phase-2-Studie dauerte der Dosistag sechs bis acht Stunden, bis die Wirkung abgeklungen war. Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel und Erschöpfung waren die häufigsten körperlichen Begleiter. Johnson und Kollegen stuften klassische Halluzinogene 2008 nicht als typische Abhängigkeitstoffe ein. Das entlastet niemanden, der unkontrolliert isst, was auf einer Wiese wächst. Konzentration, Beimengungen und Umgebung entscheiden dort mit, und niemand misst den Blutdruck.

Zauberpilze

Wann eine Depression als therapieresistent gilt

Therapieresistente Depression meint in den neueren Studien meist eine Episode, die trotz zweier ausreichend dosierter und ausreichend langer Antidepressiva-Versuche bestehen bleibt. Goodwin und Kollegen übernahmen 2022 genau diese Schwelle. Die Sequenzstudie STAR*D, die sie zur Einordnung zitieren, zeigte schon 2006, wie steil die Chance auf Remission fällt. Nach dem ersten Versuch lagen 36,8 Prozent in Remission, nach dem zweiten 30,6 Prozent, nach dem dritten 13,7 Prozent und nach dem vierten 13,0 Prozent.

Mayo Clinic beschreibt 2021 denselben Alltag ohne die Abkürzung TRD zu romantisieren. Tabletten oder Gespräche helfen den meisten, aber nicht allen. Manche spüren kaum etwas, andere bessern sich und fallen zurück. Bevor jemand die Diagnose „resistent“ akzeptiert, prüft die Fachärztin Dosis, Einnahmetreue, Wechselwirkungen, Schilddrüse, Schmerzen, Herzleiden und die Frage, ob hinter der Traurigkeit eine bipolare Störung, eine anhaltende dysthyme Verstimmung oder eine Persönlichkeitsproblematik steckt. Ein Wechsel des Mittels oder eine Augmentation kann dann wirksamer sein als der Griff zu einem psychedelischen Stoff.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt 2026, dass 5,7 Prozent der Erwachsenen weltweit an einer depressiven Störung leiden, rund 332 Millionen Menschen. Cleveland Clinic nennt 2026 eine Lebenszeitdiagnose bei etwa drei von zehn Erwachsenen und betont, dass Trauer nach einem Verlust etwas anderes ist als eine Episode, die die meiste Zeit des Tages über mindestens zwei Wochen anhält und den Alltag zerlegt. Resistenz entsteht oft erst nach Monaten oder Jahren, in denen mehrere Leitlinienoptionen nacheinander ausgereizt wurden. Genau diese Gruppe suchte die Phase-2-Studie mit synthetischem Psilocybin.

Was kontrollierte Studien seit 2018 zeigen

Die belastbarste Dosisfindung ist die 2022 im New England Journal of Medicine erschienene Arbeit von Goodwin und Kollegen. 233 Erwachsene mit therapieresistenter Episode erhielten einmal 25, 10 oder 1 Milligramm einer synthetischen Zubereitung plus vorbereitete Begleitung. Der MADRS-Wert lag zu Beginn bei 32 oder 33 Punkten. Nach drei Wochen betrug die mittlere Änderung −12,0, −7,9 und −5,4 Punkte. Nur der Abstand zwischen 25 und 1 Milligramm war signifikant (−6,6 Punkte). Die mittlere Dosis blieb ohne klaren Vorteil.

Einzeldosis plus Begleitung MADRS-Änderung Woche 3 Ansprechen Woche 3 Remission Woche 3
25 Milligramm −12,0 Punkte 37 Prozent 29 Prozent
10 Milligramm −7,9 Punkte 19 Prozent 9 Prozent
1 Milligramm (Kontrolle) −5,4 Punkte 18 Prozent 8 Prozent

Anhaltendes Ansprechen bis Woche 12 erreichten 20 Prozent unter 25 Milligramm und 10 Prozent unter 1 Milligramm. Wegen der festgelegten Testhierarchie gelten die Zweitziele nicht als bestätigt. Die Stichprobe war zu 92 Prozent weiß, Suizidgefährdete mit Plan waren ausgeschlossen, und Antidepressiva mussten vor der Sitzung abgesetzt werden. Das begrenzt, was sich auf eine deutsche Sprechstunde übertragen lässt.

Ein früherer Vergleich derselben Londoner Gruppe gegen Escitalopram (59 Personen, 2021) verfehlte das Primärziel. Der QIDS-SR-16 sank um 8,0 gegen 6,0 Punkte, der Unterschied war nicht signifikant. Zweitziele wie Ansprechen (70 gegen 48 Prozent) und Remission (57 gegen 28 Prozent) deuteten zugunsten von Psilocybin, ohne Korrektur für viele Tests. Die BMJ-Metaanalyse von Metaxa und Clarke (2024) fasste sieben randomisierte Arbeiten mit 436 Personen zusammen und fand einen mittleren Vorteil (Hedges g 0,66) bei mäßiger Sicherheit. Stärkere Effekte zeigten sich bei sekundärer Depression, Selbstbeurteilungsskalen und früherem Psychedelika-Konsum. Genau das nährt den Verdacht auf Erwartung.

Die offene Imperial-Studie von 2017 mit 19 Patientinnen und Patienten, 10 plus 25 Milligramm im Abstand einer Woche, bleibt als Langzeitbeobachtung nützlich und als Wirksamkeitsbeleg schwach. Alle berichteten nach einer Woche weniger Symptome, 47 Prozent erfüllten nach fünf Wochen Ansprechkriterien. Die Durchblutung der Amygdala sank, und das hing mit der Symptomänderung zusammen. Ohne Placeboarm erklärt das weder Spontanverlauf noch Aufmerksamkeit der Forscher.

Wie eine begleitete Sitzung abläuft

In den aktuellen Protokollen ist Psilocybin kein stilles Schlucken in der Küche. Vor der Dosis treffen Teilnehmende mehrfach eine vorbereitete Therapeutin, setzen Absichten und hören, welche Wahrnehmungen kommen können. Am Dosistag dauert die Sitzung sechs bis acht Stunden in einem ruhigen Raum mit Liege, Musik und Augenbinde. Zwei geschulte Personen bleiben dabei. Ein Arzt ist erreichbar. Nach dem Abklingen der Wirkung geht die Person in Begleitung nach Hause und darf bis zum Folgetag nicht fahren.

Einen und sieben Tage später folgen Integrationsgespräche. Ziel ist, eigene Schlüsse zu ziehen, nicht eine fertige Deutung überzustülpen. Goodwin beschreibt dieses Gerüst als zeitlich begrenzte Sicherheit, nicht als eigenständige Psychotherapie. Die Zahl der Dosisstage liegt in den meisten Programmen bei einer bis drei Sitzungen über wenige Wochen. Das unterscheidet das Modell scharf von der täglichen Tablette.

Johnson und Kollegen nannten 2008 genau dieses Gerüst als Schutz: Vertrauen vor der Sitzung, eine sichere Umgebung und mindestens zwei geschulte Begleitpersonen. Innere Haltung und Raum prägen, ob jemand Verbundenheit oder Panik erlebt. Eine schwere Angststunde mit Verwirrung oder Paranoia kommt vor. Vorbereitung senkt das Risiko, löscht es nicht. Anhaltende Wahrnehmungsstörungen nach Halluzinogenen sind selten, wenn die Regeln eingehalten werden. Wer unvorbereitet, allein und mit unklarer Pilzmenge experimentiert, hat von diesem Gerüst nichts.

Falls eine Zulassung kommt, wird die Gabe voraussichtlich in der Praxis bleiben, mit Anwesenheit mindestens einer geschulten Person und ohne Mitnahme nach Hause. Das kostet Zeit und Personal. Zugang und Kostenträger wären dann die eigentliche Hürde, sobald die Substanz selbst erlaubt wäre.

Welche Nebenwirkungen und Ausschlussgründe zählen

Unerwünschte Ereignisse sind in den Studien die Regel, nicht die Ausnahme. Bei Goodwin betrafen sie 77 Prozent der 233 Teilnehmenden, am Dosistag unter 25 Milligramm vor allem Kopfschmerz (24 Prozent), Übelkeit (22 Prozent), Schwindel und Müdigkeit (je 6 Prozent). Schwere Ereignisse am Tag 1 blieben selten. Ein Mensch brauchte Lorazepam wegen akuter Angst. Ernsthafte Ereignisse am Dosistag gab es nicht. In den Wochen danach lagen Suizidgedanken, Selbstverletzung und, nach Woche 3, suizidales Verhalten numerisch höher unter den aktiven Dosen. Alle drei Personen mit suizidalem Verhalten nach Woche 3 hatten schon zuvor solche Episoden und sprachen in Woche 3 nicht an.

Johnson, Richards und Griffiths formulierten 2008 Sicherheitsregeln für Halluzinogenstudien, die spätere Depressionsprotokolle weiter nutzen. Die Substanz kann in stark kontrollierten Reihen erträglich bleiben und trotzdem für manche Menschen gefährlich werden. Ausgeschlossen bleiben persönliche oder familiäre Psychosen, bipolare Verläufe mit Psychoserisiko, aktuelle Suizidabsicht, unkontrollierter Bluthochdruck, schwere Herz- oder Gefäßleiden, Anfallsleiden sowie Schwangerschaft. Lithium und Monoaminooxidase-Hemmer gelten in der praktischen Diskussion als besonders heikle Kombinationen, weil Krampfanfälle oder eine serotonerge Krise möglich sind. Systematische Interaktionsstudien fehlen weitgehend.

  • Wer eine Psychose, eine schizoaffektive Störung oder Bipolar I in der eigenen oder engen Familiengeschichte hat, gilt in den Studien als ausgeschlossen.
  • Unkontrollierter Bluthochdruck, frischer Infarkt oder Schlaganfall und instabile Rhythmusstörungen machen den Blutdruckanstieg zum Risiko.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Anfallsleiden gehören zu den festen medizinischen Ausschlussgründen der Forschungsprotokolle.
  • Ein Absetzen laufender Antidepressiva vor einer Sitzung darf nur unter fachärztlicher Aufsicht geschehen, nie im Alleingang.

MedlinePlus erinnert unabhängig vom Pilzstoff daran, dass Antidepressiva Zeit brauchen und dass niemand sie ohne Rücksprache stoppt. Entzug, Rückfall und, bei manchen Mitteln, Wechselwirkungen sind reale Probleme. Psilocybin ändert daran nichts. Es verschärft die Lage, wenn jemand Tabletten abrupt streicht, um „bereit“ für eine Sitzung zu sein.

Wann zum Arzt, wann Notfallhilfe

Suizidgedanken, ein Plan oder eine bereits begonnene Selbstverletzung sind ein Notfall, kein Anlass für ein Selbstexperiment. In Deutschland wählen Sie 112, wenn akute Gefahr besteht. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar, der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Cleveland Clinic verweist für die USA auf 988. Der Weg ist derselbe. Sprechen Sie mit einem Menschen, bleiben Sie nicht allein, und suchen Sie eine Notaufnahme, wenn Sie sich nicht sicher fühlen, die Nacht durchzustehen.

Eine depressive Episode, die zwei Wochen anhält, Freude nimmt, Schlaf und Appetit kippt und Arbeit oder Pflege unmöglich macht, gehört in die Hausarztpraxis oder zu einer psychiatrischen Stelle. WHO und MedlinePlus nennen als Warnzeichen anhaltende Leere, Schuld, Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den Tod, sozialen Rückzug und steigenden Alkohol- oder Drogenkonsum. Bei Kindern überwiegt oft Reizbarkeit, bei Männern Wut statt Tränen. Das ändert die Dringlichkeit nicht.

Therapieversager nach zwei sauberen Versuchen sind ein Grund für eine Zweitmeinung, nicht für den illegalen Kauf getrockneter Fruchtkörper. Mayo Clinic rät, zuerst Dosis, Zeit und Diagnose zu prüfen und dann über Wechsel, Kombination, Stimulationsverfahren oder Esketamin unter Aufsicht zu sprechen. Wer bereits in einer Studie zu Psilocybin ist oder eine solche erwägt, sollte Herz, Blutdruck, Familienanamnese für Psychosen und alle Medikamente offenlegen. Verschweigen schützt niemanden, wenn der Puls in der Sitzung steigt.

Was Leitlinien und Behörden 2026 raten

NICE hat die Erwachsenenleitlinie NG222 im Juni 2022 neu gefasst und im Januar 2026 erneut geprüft, ohne die Empfehlungen zu ändern. Psilocybin kommt in der Leitlinie nicht vor. Für festgefahrene Verläufe nennt das Institut Wechsel des Antidepressivums, Augmentation etwa mit Lithium, einem atypischen Neuroleptikum, Lamotrigin oder Liothyronin, Elektrokrampftherapie und transkranielle Magnetstimulation. Esketamin-Nasenspray ist in der Technikbewertung TA854 ausdrücklich nicht empfohlen. Die Überwachung im Januar 2026 betraf vor allem Ketamin und ließ den TRD-Abschnitt unangetastet.

Die FDA hat Interesse an psychedelischen Prüfpräparaten mit einer eigenen Leitlinie für klinische Untersuchungen beantwortet und die Entwurfsfassung von 2023 als finale Fassung veröffentlicht. Das ist eine Anleitung für Sponsoren, keine Marktzulassung. Kein Psilocybin-Produkt ist dort als Antidepressivum zugelassen. Die Behörde weist auf die Schwierigkeit hin, Studien zu verblinden, weil fast alle spüren, ob sie eine volle Dosis erhalten haben. Für chronische Erkrankungen erwartet sie belastbare Endpunkte über Wochen, nicht nur den Eindruck am Tag nach der Sitzung.

Weitere, größere Studien zu synthetischem Psilocybin laufen. Solange kein Bescheid vorliegt, bleibt der Stoff ein Prüfmittel. Die FDA-Leitlinie für Studien mit Psychedelika beschreibt, wie Sponsoren Endpunkte, Sicherheit und das Problem der enttarnten Dummy-Dosis angehen sollen. Sie ersetzt keine Nutzen-Schaden-Abwägung und keine Marktzulassung.

Welche erprobten Wege bei resistenter Depression bleiben

Wer zwei Antidepressiva hinter sich hat, steht nicht ohne Option da. Mayo Clinic listet 2021 ein praktisches Stufenmodell. Zuerst mehr Zeit oder eine höhere Dosis des laufenden Mittels, sofern Nebenwirkungen das zulassen. Dann Wechsel der Substanzklasse. Dann zwei Antidepressiva oder eine Augmentation mit einem Mittel, das ursprünglich für eine andere Diagnose zugelassen ist, etwa einem atypischen Neuroleptikum, einem Stimmungsstabilisierer oder Schilddrüsenhormon. Pharmakogenetische Tests können Hinweise geben, ersetzen aber keinen Therapieversuch.

Gespräche bleiben der zweite Pfeiler. Kognitive Verhaltenstherapie, interpersonelle Therapie, Verhaltensaktivierung, achtsamkeitsbasierte Verfahren und bei chronischer Suizidalität dialektisch-behaviorale Ansätze können festgefahrene Muster lösen, die Tabletten nicht erreichen. Manchmal hilft ein Wechsel der Therapeutin, so wie ein Wechsel des Wirkstoffs. WHO stellt psychologische Verfahren bei leichteren Episoden vor die Tablette und kombiniert beides bei mäßiger und schwerer Ausprägung. Antidepressiva sollen bei Kindern nicht und bei Jugendlichen nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden.

Wenn Medikamente und Gespräche nicht tragen, kommen Stimulationsverfahren in Betracht.

  • Wiederholte transkranielle Magnetstimulation reizt über eine Spule an der Stirn Nervenzellen und braucht keine Narkose.
  • Esketamin-Nasenspray ist in den USA für Erwachsene nach zwei gescheiterten Antidepressiva zugelassen und wird unter Aufsicht gegeben, weil Missbrauch und schwere Nebenwirkungen möglich sind.
  • Elektrokrampftherapie unter Narkose kann schwere, sonst unbehandelbare Episoden rasch wenden, mit vorübergehender Verwirrtheit und Gedächtnislücken als Preis.
  • Vagusnervstimulation bleibt nach Mayo eine späte Option, wenn EKT und Magnetstimulation nicht gegriffen haben.

Keine dieser Methoden ist angenehm. Alle haben eine Leitlinien- oder Zulassungsspur, die Psilocybin 2026 noch nicht besitzt. Wer sich für eine Studie interessiert, findet laufende Protokolle über Register wie ClinicalTrials.gov. Teilnahme ist Forschung, keine Ersatzversorgung.

Warum Erwartung und Blindung die Zahlen trüben

Psychedelische Stoffe verraten sich selbst. Wer 25 Milligramm geschluckt hat, sieht selten dieselben Muster an der Zimmerdecke wie nach 1 Milligramm. Goodwin hat die Trefferquote der Dosisvermutung nicht erhoben und nennt das ausdrücklich als Grenze. Die FDA-Leitlinie für Psychedelika-Studien spricht dasselbe Problem an: Fast alle spüren, ob sie eine volle Dosis erhalten haben. Ein solcher Bruch der Verblindung bläht Effekte auf, weil Hoffnung, Enttäuschung und die Aufmerksamkeit des Teams mitmessen.

Die BMJ-Auswertung fand stärkere Verbesserungen bei Menschen, die schon einmal Psychedelika genommen hatten. Das kann biologische Empfindlichkeit sein. Es kann auch bedeuten, dass Erfahrene wissen, wie eine „gute“ Sitzung sich anfühlen soll, und Fragebögen entsprechend ausfüllen. Sekundäre Depression bei Krebs zeigte größere Abstände als primäre Depression. Ob der Stoff dort anders wirkt oder die Ausgangslage eine andere ist, bleibt offen. Alle einbezogenen Studien trugen ein mäßiges Verzerrungsrisiko.

Kleine, offene Arbeiten wie die 19-Personen-Bildgebung von 2017 erzeugen starke Geschichten. Patientinnen und Patienten sprachen von einer defragmentierten Festplatte oder einem Neustart. Solche Metaphern sind ehrlich als Erleben und schwach als Mechanismus. Spätere, größere und verblindete Arbeiten haben den Reset nicht widerlegt, aber sie haben ihn auch nicht zur Leitlinienempfehlung gemacht. Solange Erwartung, Auswahl und kurze Endpunkte die Zahlen tragen, bleibt Psilocybin ein vielversprechendes Prüfmittel, kein Hausmittel.

Häufige Fragen

Hilft Psilocybin wirklich gegen schwere Depression?

Es kann Symptome senken, vor allem nach einer begleiteten 25-Milligramm-Dosis in der Phase-2-Studie von 2022. Heilung verspricht keine der großen Arbeiten. Ein Teil der Gruppe spricht an, ein Teil nicht, und nach zwölf Wochen ist der Vorteil unsicher.

Ist Psilocybin als Arzneimittel zugelassen?

Nein. Die FDA hat kein Psilocybin-Antidepressivum zugelassen, NICE NG222 erwähnt den Stoff nicht. Laufende Phase-3-Programme ändern den Status erst, wenn ein Bescheid vorliegt.

Darf ich Zauberpilze selbst nehmen, wenn nichts anderes hilft?

Nein. Dosis, Reinheit und Umgebung sind unkontrolliert, Psychosen und Herzereignisse sind möglich, und die Studien warnen ausdrücklich vor Eigengebrauch. Sprechen Sie mit der behandelnden Praxis über zugelassene nächste Schritte oder über eine Studie.

Wie schnell wirkt Psilocybin im Vergleich zu Tabletten?

In den Studien sank der Depressionsscore oft innerhalb von Tagen bis drei Wochen. Übliche Antidepressiva brauchen laut Mayo Clinic häufig vier bis acht Wochen. Der schnellere Beginn ersetzt weder Zulassung noch Langzeitsicherheit.

Für wen ist eine solche Sitzung besonders riskant?

Für Menschen mit Psychose- oder Bipolar-I-Geschichte, mit unkontrolliertem Bluthochdruck oder Herzleiden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei aktueller Suizidabsicht. Lithium und bestimmte andere Psychopharmaka können die Lage zusätzlich belasten.

Was tun, wenn zwei Antidepressiva nicht gegriffen haben?

Lassen Sie Diagnose, Dosis und Einnahme prüfen. NICE und Mayo nennen Wechsel, Augmentation, strukturierte Psychotherapie, Magnetstimulation, unter Umständen Esketamin oder Elektrokrampftherapie. Psilocybin gehört 2026 nicht in diesen Regelkatalog.

Fazit

Psilocybin hat den Sprung aus der offenen 19-Personen-Bildgebung in verblindete Studien geschafft. Eine einzelne, überwachte 25-Milligramm-Dosis kann bei therapieresistenter Episode den MADRS-Wert nach drei Wochen stärker senken als 1 Milligramm. 10 Milligramm reichten dafür nicht. Metaanalysen sehen einen mittleren Vorteil und zugleich Erwartung, kurze Endpunkte und mäßige Sicherheit. Leitlinien und Zulassungsbehörden haben den Stoff 2026 nicht in die Regelversorgung geholt.

Für den Alltag zählt zuerst das, was bereits trägt. Zwei Wochen anhaltende Leere, Funktionsverlust oder Suizidgedanken gehören in die Praxis oder den Notfall, nicht auf den Schwarzmarkt. Wer zwei saubere Therapieversuche hinter sich hat, kann Wechsel, Augmentation und Stimulationsverfahren verlangen. Eine klinische Studie ist ein möglicher, geregelter Weg. Getrocknete Pilze in der Wohnung sind keiner.

Wer bereits in Behandlung ist, setzt keine Tablette ab, um „bereit“ für eine Sitzung zu sein, ohne dass die verschreibende Ärztin das plant. Blutdruck, Familienanamnese für Psychosen und alle Mittel gehören auf den Tisch. Hoffnung auf einen Neustart im Kopf ist verständlich. Sie ersetzt keine Prüfung von Nutzen und Schaden.

Quellen

  1. National Institute for Health and Care Excellence: Depression in adults: treatment and management. National Institute for Health and Care Excellence, 29. Juni 2022.
  2. Food and Drug Administration: Psychedelic Drugs: Considerations for Clinical Investigations. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2026.
  3. Goodwin GM, Aaronson ST et al.: Single-Dose Psilocybin for a Treatment-Resistant Episode of Major Depression. New England Journal of Medicine, 3. November 2022.
  4. Metaxa AM, Clarke M: Efficacy of psilocybin for treating symptoms of depression: systematic review and meta-analysis. The BMJ, 1. Mai 2024.
  5. Carhart-Harris R, Giribaldi B et al.: Trial of Psilocybin versus Escitalopram for Depression. New England Journal of Medicine, 15. April 2021.
  6. Carhart-Harris RL, Roseman L et al.: Psilocybin for treatment-resistant depression: fMRI-measured brain mechanisms. Scientific Reports, 13. Oktober 2017.
  7. Johnson M, Richards W et al.: Human hallucinogen research: guidelines for safety. Journal of Psychopharmacology, 1. Juli 2008.
  8. Cleveland Clinic: Depression: What It Is, Symptoms, Types and Treatment. Cleveland Clinic, 28. Mai 2026.
  9. MedlinePlus: Depression: symptoms, types, diagnosis and treatment. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2026.
  10. World Health Organization: Depressive disorder (depression). World Health Organization, Stand: 2026.
  11. Mayo Clinic: Treatment-resistant depression. Mayo Clinic, 10. April 2021.
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