
Hochdosierte Antioxidantien-Kapseln mit Resveratrol aus Trauben können den Nutzen von Ausdauertraining abschwächen, statt ihn zu verstärken. Eine Schale Weintrauben oder ein Glas Traubensaft liefern nur Milligramm-Mengen; die problematischen Befunde stammen aus Tabletten mit 250 Milligramm und mehr pro Tag.
Die Vorstellung, freie Radikale pauschal zu löschen, hat sich seit den 2010er-Jahren verschoben. Reaktive Sauerstoffverbindungen entstehen beim Sport und können Anpassungen in Muskel und Gefäß auslösen. Wer sie mit hohen Dosen Vitamin C, Vitamin E oder Resveratrol dämpft, kann genau diese Signale stören. Gleichzeitig raten die US-Präventionsleitlinie von 2022 und das National Center for Complementary and Integrative Health davon ab, Antioxidantien-Präparate zur Vorbeugung von Herzkrankheit oder Krebs einzusetzen. Essen bleibt die sichere Quelle, die Kapsel die Ausnahme, die ins Gespräch mit der Arztpraxis gehört.
Können Antioxidantien aus Trauben mehr schaden als nützen?
Ja, in Kapselform und in Studiendosen können sie den erwarteten Schutz verfehlen und einzelne Trainingsgewinne dämpfen. Aus Trauben, Saft oder einem Glas Wein ist ein solcher Schaden nicht belegt.
Das NCCIH fasste 2023 den Stand so: große Mengen können Zellabwehr und normale Signalwege stören, und gereinigte Chemikalien wirken anders als das Gemisch in Obst und Gemüse. Eine Übersicht von 95 Beobachtungsstudien mit mehr als zwei Millionen Teilnehmenden aus dem Jahr 2017 verknüpfte höheren Obst- und Gemüseverzehr mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Derselbe Schutz ließ sich mit isolierten Antioxidantien-Tabletten nicht nachbauen. Mögliche Gründe liegen auf der Hand. Wer viel Gemüse isst, bewegt sich oft mehr, raucht seltener und geht eher zur Vorsorge. Die Tablette enthält einen Stoff ohne das übrige Pflanzenpaket.
Resveratrol ist ein Stilben, das Pflanzen nach Stress, Pilzbefall oder UV-Licht bilden. Es sitzt in der Traubenschale, deshalb enthält Rotwein mehr davon als Weißwein, bei dem die Schalen früh entfernt werden. Die Mayo Clinic betonte im Januar 2026, die Studienergebnisse zum Herzschutz seien gemischt und der Körper nehme den größten Teil des Resveratrols aus Nahrungsergänzung kaum auf. Wer Trauben isst, nimmt zugleich Ballaststoffe, Kalium und viele andere Polyphenole auf. Wer eine Kapsel schluckt, isoliert einen Stoff in einer Dosis, die die Ernährung nicht erreicht.
Ältere Werbetexte versprachen Schutz vor Diabetes, Demenz und Gefäßverkalkung aus einer einzigen Beere. Eine systematische Übersicht von Brown und Kollegen im Januar 2024 wertete nahezu 200 Humanstudien zu gereinigtem Resveratrol in mindestens 24 Anwendungsfeldern aus. Eine belastbare Empfehlung für die Klinik fand die Gruppe nicht. Entzündungszeichen sanken in mehreren Versuchen, und der Stoff wurde bis zu einem Gramm pro Tag meist vertragen. Das ersetzt keine Leitlinie und kein Arzneimittel.
Was fand die Kopenhagener Studie bei älteren Männern?
Acht Wochen hochintensives Training verbesserten bei gesunden, zuvor wenig aktiven Männern um die 65 Jahre Blutdruck, Blutfette und die maximale Sauerstoffaufnahme. Tägliche 250 Milligramm trans-Resveratrol schwächten genau diese Gewinne ab.
Gliemann, Schmidt und Kollegen randomisierten 27 Männer doppelblind in eine Placebogruppe (13 Personen) und eine Resveratrolgruppe (14 Personen). Beide Arme trainierten zweimal wöchentlich am Ergometer und einmal im Zirkel, dazu kam ein zügiger Fünf-Kilometer-Gehtest. Die maximale Sauerstoffaufnahme stieg unter Placebo um 443 Milliliter pro Minute, unter Resveratrol um 308 Milliliter. Der Unterschied entspricht dem in der Kurzfassung genannten 45 Prozent größeren Zuwachs ohne Kapsel. Der mittlere arterielle Druck fiel nur unter Placebo, um 4,8 Millimeter Quecksilbersäule. LDL-Cholesterin, das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL und die Triglyzeride sanken ebenfalls nur ohne Resveratrol.
Nicht alles wurde ausgelöscht. Das Körperfett nahm in beiden Gruppen ab. Der Gefäßmarker VCAM-1 fiel ebenfalls in beiden Armen. Das Sirtuin-1-Protein im Muskel, das in Tierversuchen als Wirkweg von Resveratrol galt, blieb unverändert. Nach dem Training lag der gefäßerweiternde Botenstoff Prostacyclin im Gewebe unter Resveratrol niedriger; das Enzym für das gegengerichtete Thromboxan war höher. Die Autoren hatten erwartet, dass das Polyphenol die Anpassung verstärkt. Das Gegenteil trat ein.
Die Dosis lag weit über dem, was Trauben oder Wein liefern. Die Männer waren klinisch gesund, nicht rauchend und ohne bekannte Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Diabetes. Zwei Teilnehmer nahmen bereits Cholesterinsenker, die Dosis blieb konstant. Ein solcher Versuch mit 27 Personen kann keine endgültige Regel für alle Altersgruppen aufstellen. Er reicht, um die einfache Gleichung „mehr Antioxidans, mehr Herzschutz beim Sport“ zu verwerfen.
Warum braucht Training reaktive Sauerstoffverbindungen?
Kurze, dosierte Belastung durch Sauerstoffradikale kann den Muskel anregen, eigene Abwehr und Stoffwechsel anzupassen. Hohe Antioxidantien-Dosen können dieses Signal dämpfen.
Ristow, Zarse und Kollegen zeigten das 2009 an jungen Männern, die vier Wochen trainierten. Eine Hälfte nahm täglich 1000 Milligramm Vitamin C plus 400 Internationale Einheiten Vitamin E, die andere Placebo. Die Insulinempfindlichkeit, gemessen per Glukose-Clamp, stieg nur ohne die Vitaminkombination. Zugleich blieben die trainingsüblichen Anstiege der Regulatoren PPAR-gamma, PGC-1-alpha und PGC-1-beta sowie der körpereigenen Enzyme Superoxiddismutase und Glutathionperoxidase unter den Kapseln aus. Die Autoren beschrieben das als Mitohormesis: ein vorübergehender oxidativer Reiz, der die Zelle robuster macht, solange er nicht erdrückt wird.
Dieselbe Logik trägt die Kopenhagener Arbeit. Alter und Bewegungsmangel können die Balance zwischen Bildung und Abbau reaktiver Sauerstoffverbindungen verschieben. Training hebt beides an und trainiert die eigene Abwehr mit. Wer von außen große Mengen Radikalfänger zuführt, kann den Reiz stumpf machen. Das NCCIH schreibt 2023 ausdrücklich, Antioxidantien in ungewöhnlicher Höhe könnten Abwehr und Signalwege der Zelle stören. Die verschiedenen Stoffe sind außerdem nicht austauschbar. Vitamin E, Beta-Carotin und Resveratrol greifen an unterschiedlichen Stellen an.
Für den Alltag folgt daraus kein Verbot von Obst. Die Mengen in Lebensmitteln liegen um Größenordnungen unter den Versuchskapseln. Verboten ist die Annahme, eine hochdosierte Tablette mache das Training „sauberer“ und damit wirksamer. Wer Muskelkater fürchtet, findet in der Cochrane-Auswertung von 2017 ebenfalls wenig Halt: 50 randomisierte Studien mit 1089 Teilnehmenden zeigten keine klinisch relevante Linderung des verzögerten Muskelkaters, obwohl die Dosen oft das Zehnfache der empfohlenen Tagesmenge erreichten.
Widersprechen spätere Studien dem Dämpfeffekt?
Ja, mindestens eine spätere Trainingsstudie fand keine Abschwächung der Blutfette und sogar stärkere Muskelanpassungen. Die Befunde stehen nebeneinander, sie lassen sich nicht zu einem Mittelwert verrechnen.
Alway, McCrory und Kollegen prüften 2017 dreißig Männer und Frauen zwischen 65 und 80 Jahren. Zwölf Wochen kombinierten Ausdauer- und Krafttraining liefen parallel zu 500 Milligramm Resveratrol täglich oder Placebo. Das Herzrisiko sank durch das Training, die Kapsel senkte es nicht zusätzlich. Dafür stiegen unter Resveratrol Kennzahlen der Mitochondriendichte und der Ermüdungsresistenz deutlicher. Die Kniestrecker gewannen rund 8 Prozent Spitzendrehmoment, 14 Prozent mittleres Drehmoment und 14 Prozent Leistung; Faserquerschnitt und Myonukleuszahlen lagen höher. Ein kleiner synergistischer Effekt auf die maximale Sauerstoffaufnahme erschien, die Lipidprofile wurden nicht stumpf.
Die Protokolle unterscheiden sich. Kopenhagen prüfte acht Wochen vor allem hochintensives Rad- und Zirkeltraining an nur Männern mit 250 Milligramm. West Virginia prüfte zwölf Wochen gemischtes Training an beiden Geschlechtern mit der doppelten Dosis. Kleine Gruppen, verschiedene Endpunkte, verschiedene Formulierungen. Brown und Kollegen betonten 2024 genau dieses Muster: fast 200 Studien, keine abgestimmten Schemata, keine Schwelle, ab der Kliniken den Stoff empfehlen könnten. Bis eine große, lange Studie harte Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zählt, bleibt Resveratrol ein Labor- und Nahrungsergänzungsthema, kein Standard.
Wer die Kopenhagener Arbeit als endgültigen Beweis für „Schaden durch Trauben“ liest, überzieht sie. Wer sie als gegenstandslos abtut, weil eine spätere Gruppe andere Muskelwerte sah, überzieht ebenfalls. Für den Leser zählt die gemeinsame Linie: Training wirkt zuverlässig. Die Kapsel tut das nicht.
Trauben, Wein oder Kapsel, welche Mengen stecken drin?
In Lebensmitteln bleiben die Mengen im niedrigen Milligrammbereich. Kapseln und Studien liegen zehn- bis hundertfach höher.
Das Linus Pauling Institute der Oregon State University listet für eine Tasse rote Trauben (160 Gramm) 0,24 bis 1,25 Milligramm Resveratrol. Ein übliches Rotweinglas von etwa 150 Millilitern enthält im Mittel rund 0,3 Milligramm, mit einer enormen Spanne zwischen Rebsorte, Jahrgang und Ausbau. Pinot Noir kann im Liter zwischen 0,2 und 11,9 Milligramm liegen. Weißwein bleibt darunter, weil die Schalen früh entfernt werden. Erdnüsse, Heidelbeeren und Cranberries enthalten ebenfalls kleine Mengen. Eine gesicherte Dosis, die das Herz schützt, nennt das Institut nicht.
Handelsübliche Kapseln reichen von unter einem Milligramm bis 500 Milligramm, oft aus Wurzelextrakt des Japanischen Staudenknöterichs statt aus Weintrauben. Die Mayo Clinic weist darauf hin, dass der Körper den größten Teil dieser Menge kaum aufnimmt: Resveratrol wird rasch an Glucuronid und Sulfat gekoppelt und ausgeschieden. Laborversuche setzen Zellen oft Konzentrationen aus, die im Blut nach einer Tablette nicht erreicht werden.
| Aufnahmeweg | Ungefähre Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| Eine Tasse rote Trauben (160 g) | 0,24 bis 1,25 mg | Nahrungsdosis laut Linus Pauling Institute |
| Ein Glas Rotwein (etwa 150 ml) | im Mittel rund 0,3 mg | stark schwankend nach Sorte und Jahr |
| Handelsübliche Kapsel | unter 1 mg bis 500 mg | keine gesicherte vorbeugende Dosis |
| Kopenhagener Trainingsstudie | 250 mg pro Tag, 8 Wochen | dämpfte Blutdruck- und Fettstoffwechselgewinne |
| Studie aus West Virginia | 500 mg pro Tag, 12 Wochen | keine zusätzliche Senkung des Herzrisikos |
| Verträglichkeit in Übersichten | bis 1 g pro Tag oft toleriert | Magen-Darm-Beschwerden häufiger über 1 g |
Zwei ältere Jahresstudien mit einem Traubenpräparat, das nur 8 Milligramm Resveratrol pro Tag enthielt, verbesserten Entzündungsmarker bei Menschen mit erhöhtem Herzrisiko. Das ist eine andere Welt als 250 Milligramm Reinsubstanz neben Intervalltraining. Wer „Resveratrol“ auf der Packung liest, muss Dosis, Trägerstoff und Studienlage trennen.
Was sagen Leitlinien zu Antioxidantien-Kapseln?
Sie empfehlen sie nicht zur Vorbeugung von Herzkrankheit oder Krebs. Die US Preventive Services Task Force hat das 2022 bekräftigt, im Kern unverändert gegenüber 2014.
Die Task Force rät Erwachsenen ohne Schwangerschaft mit mäßiger Sicherheit von Beta-Carotin und von Vitamin E zur Vorbeugung ab (Empfehlungsgrad D). Beta-Carotin erhöhte in Studien mit mehr als 90.000 Personen das Lungenkrebsrisiko, besonders bei Rauchern und Asbestexponierten, und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vier Studien mit 62.136 Teilnehmenden zeigten für Vitamin E keinen Schutz vor Herzereignissen. Für Multivitamine und andere Einzel- oder Paarstoffe, darunter Vitamin C und Selen, reicht die Evidenz nicht für eine Für-oder-Wider-Empfehlung (I-Statement). Resveratrol selbst kommt in dieser Vitaminleitlinie nicht vor; es fällt in dieselbe Lücke isolierter Pflanzenstoffe ohne Endpunktbeleg.
Das NCCIH zieht dieselbe Linie und nennt eine Ausnahme, die oft verwechselt wird. Bestimmte Kombinationspräparate mit Antioxidantien und Zink können bei bereits bestehender altersbedingter Makuladegeneration das Fortschreiten verlangsamen. Das belegen die AREDS- und AREDS2-Studien der US-Augeninstitute. Unter Menschen mit mittlerer Erkrankung senkte die ursprüngliche Mischung das Risiko für ein spätes Stadium um etwa 25 Prozent. Das gilt nicht für gesunde Augen und nicht für das Herz.
Frühere Hoffnungen, eine Antioxidantien-Tablette ersetze Obst, Gemüse und Bewegung, haben die großen Präventionsstudien nicht bestätigt. Wer 2026 eine Resveratrol-Kapsel kauft, handelt außerhalb der Leitlinie, nicht gegen ein ausdrückliches Verbot wie bei Beta-Carotin, aber auch ohne Rückhalt durch die Task Force.
Welche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zählen?
Hochdosiertes Resveratrol kann die Blutgerinnung und den Abbau vieler Arzneimittel beeinflussen. Magen-Darm-Beschwerden treten vor allem über einem Gramm pro Tag auf.
Das Linus Pauling Institute nennt Übelkeit, Bauchschmerz, Blähungen und Durchfall als typische Beschwerden, wenn mehr als 1000 Milligramm über Tage eingenommen werden. Eine einzelne Dosis von 5000 Milligramm blieb in einem kleinen Versuch an zehn Personen ohne schwere Zwischenfälle. Brown und Kollegen stuften bis zu einem Gramm täglich als meist verträglich ein. Eine sichere Dosis in Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht belegt. Wein als Quelle fällt für Schwangere ohnehin aus, weil es keine bekannte unbedenkliche Alkoholmenge gibt.
Im Reagenzglas hemmt Resveratrol die Zusammenballung von Blutplättchen. Theoretisch kann das die Blutungsneigung erhöhen, wenn gleichzeitig Warfarin, Heparin, Clopidogrel oder entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen laufen. Resveratrol kann außerdem CYP3A4 hemmen, ein Enzym, das rund die Hälfte der gängigen Arzneimittel abbaut. Dazu gehören viele Statine, Calciumantagonisten, Amiodaron, Ciclosporin, Tacrolimus, bestimmte Benzodiazepine und Sildenafil. Eine schwache Induktion von CYP1A2 könnte umgekehrt Paracetamol und einige Antidepressiva rascher beseitigen. Ob das im Alltag klinisch spürbar wird, ist nicht für jedes Paar belegt. Die Richtung des Risikos ist klar genug für ein Gespräch vor der ersten Packung.
Zwei Gruppen brauchen besondere Zurückhaltung. Frauen mit östrogenempfindlichen Tumoren von Brust, Eierstock oder Gebärmutter sollen Kapseln meiden, bis die hormonelle Wirkung beim Menschen geklärt ist. Menschen unter Chemotherapie oder Bestrahlung sollen Antioxidantien nicht auf eigene Faust dazulegen. Manche Verfahren wirken über reaktive Sauerstoffverbindungen; Kapseln können diesen Weg stören. In einer Auswertung der Studie SWOG S0221 an 1134 Frauen mit Brustkrebs hing die Einnahme von Antioxidantien während der Chemotherapie mit höheren Raten von Rückfall und Tod zusammen. Die Frauen wählten die Präparate selbst, der Befund bleibt ein Warnsignal, kein Beweis.
Wann zum Arzt, wann die Kapsel weglassen?
Vor der ersten hochdosierten Kapsel gehört die Hausarztpraxis ins Boot, sobald Medikamente, Krebsbehandlung, Schwangerschaft oder eine geplante Operation im Spiel sind. Die Traube im Obstkorb braucht diesen Termin nicht.
Rote Flaggen, die nicht auf die nächste Packung warten:
- Neue Blutergüsse, Nasenbluten oder schwarzer Stuhl unter gerinnungshemmenden Mitteln plus Resveratrol verlangen noch am selben Tag eine Abklärung.
- Brustschmerz, plötzliche Luftnot, halbseitige Schwäche oder Sprachstörung gehören in die Notaufnahme, nicht in die Nahrungsergänzung.
- Anhaltender Durchfall, Erbrechen oder Oberbauchschmerz nach Dosissteigerung sind ein Grund, das Präparat zu stoppen und die Praxis anzurufen.
- Eine geplante Operation oder Zahnextraktion ist der Moment, alle Kapseln offenzulegen, weil die Blutungsneigung steigen kann.
- Läuft eine Chemotherapie, Bestrahlung oder eine neue Krebsdiagnose, bleibt die Antioxidantien-Kapsel liegen, bis das Onkologie-Team sie freigibt.
Wer Kapseln nimmt, um Brustschmerz, Schwindel oder steigende Blutfette zu „behandeln“, vertauscht Vorbeugung und Therapie. Blutdruck, LDL-Cholesterin und Blutzucker brauchen gemessene Werte und, falls nötig, zugelassene Arzneimittel. Die Task Force und das NCCIH stellen klar: Antioxidantien-Tabletten ersetzen weder die Ernährung noch die konventionelle Versorgung, noch dürfen sie einen Arztbesuch hinauszögern.
Was zu Hause sinnvoll bleibt
Trauben, Beeren, Gemüse und regelmäßiges Training bleiben sinnvoll. Hochdosierte Antioxidantien-Kapseln und Rotwein als Herzmedizin gehören nicht auf die Standardliste.
Die Mayo Clinic und die American Heart Association raten ausdrücklich davon ab, mit dem Trinken anzufangen, um das Herz zu schützen. Wer bereits ein Glas Rotwein zur Mahlzeit trinkt und keinen Grund zur Abstinenz hat, kann das in kleinen Mengen belassen. Mehrere Gläser, Rauschtrinken und ein Start aus therapeutischem Ehrgeiz erhöhen Blutdruck, Vorhofflimmern, Krebsrisiko und Unfallgefahr. Traubensaft und ganze Trauben liefern Polyphenole ohne Ethanol.
Für das Training zählt die Wiederholung, nicht die Tablette danach. Wer neu einsteigt, beginnt mit Gehen, Radfahren oder Schwimmen in einer Intensität, in der noch gesprochen werden kann, und steigert über Wochen. Kraftübungen zweimal die Woche stützen Muskeln und Alltagsfunktionen, besonders nach dem 60. Lebensjahr. Obst und Gemüse in mehreren Farben decken Antioxidantien ab, ohne die Signalwege des Sports zu überschreiben.
Drei praktische Regeln halten die Lage übersichtlich.
- Trauben, Saft und Beeren gelten als Lebensmittel, nicht als Arzneimittelersatz.
- Kapseln mit dreistelligen Milligramm-Dosen Resveratrol, Vitamin E oder Beta-Carotin brauchen eine medizinische Begründung.
- Jede Packung, die parallel zu Blutverdünnern, Statinen, Immunsuppressiva oder Krebsbehandlung läuft, muss in der Akte stehen.
Wer bereits eine AREDS-Mischung wegen bestehender Makuladegeneration nimmt, bleibt bei der augenärztlichen Vorgabe und mischt nicht auf eigene Faust weitere Hochdosis-Antioxidantien dazu.
Häufige Fragen
Schadet Resveratrol aus Trauben dem Herzen?
Aus Trauben, Saft oder einem Glas Wein ist ein Herzschaden nicht belegt. Hochdosierte Kapseln können in einzelnen Trainingsstudien Blutdruck- und Fettstoffwechselgewinne abschwächen. Die Mayo Clinic nennt die Datenlage zum Herzschutz gemischt und die Aufnahme aus Nahrungsergänzung schlecht.
Blockiert Resveratrol den Erfolg von Sport?
In der Kopenhagener Studie von 2013 dämpften 250 Milligramm täglich den Zuwachs der Sauerstoffaufnahme und verhinderten den Abfall von Blutdruck und bestimmten Blutfetten. Eine spätere Studie mit 500 Milligramm und gemischtem Training sah diese Dämpfung nicht. Training selbst bleibt der wirksame Teil.
Reichen Trauben oder Rotwein als Antioxidantien-Quelle?
Für die Ernährung ja, für die Dosen der Kapselstudien nein. Eine Tasse Trauben liefert unter zwei Milligramm Resveratrol, ein Weinglas oft nur Bruchteile eines Milligramms. Die American Heart Association rät, nicht extra mit Alkohol zu beginnen, um das Herz zu schützen.
Kann ich Antioxidantien-Kapseln gegen Muskelkater nehmen?
Ein klinisch spürbarer Nutzen ist nicht belegt. Die Cochrane-Übersicht von 2017 fand in 50 Studien keine relevante Linderung des verzögerten Muskelkaters. Magen-Darm-Beschwerden kamen in einzelnen Versuchen vor.
Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Resveratrol?
Vorsicht gilt bei Blutverdünnern, vielen Statinen, Calciumantagonisten, Ciclosporin, Tacrolimus und Sildenafil, weil Gerinnung und CYP3A4 betroffen sein können. Die Liste ist nicht vollständig. Vor der Einnahme gehört die aktuelle Medikamentenliste in die Praxis.
Wann sollte ich wegen Nahrungsergänzung zum Arzt?
Immer dann, wenn eine Operation geplant ist, eine Krebsbehandlung läuft, eine Schwangerschaft besteht oder bereits gerinnungshemmende Mittel genommen werden. Neue Blutergüsse, Teerstuhl oder Brustschmerz brauchen sofort Hilfe, keine weitere Kapsel.
Fazit
Wer morgen etwas tun will, lässt die hochdosierte Antioxidantien-Kapsel weg und behält Trauben, Beeren und das Training. Die Kopenhagener Arbeit hat gezeigt, dass 250 Milligramm Resveratrol den kardiovaskulären Gewinn von acht Wochen Sport bei älteren Männern stumpf machen können. Spätere Daten widersprechen in Teilen, ändern aber nicht die Leitlinienlage: Vitamin E und Beta-Carotin zur Vorbeugung sind abzuraten, für Resveratrol fehlt jede klinische Indikation.
Essen und Bewegung bleiben die belastbare Strategie. Rotwein ist kein Rezept. Kapseln gehören nur ins Regal, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie gegen eine konkrete Lage abgewogen hat, etwa nach Prüfung der übrigen Arzneimittel. Blutdruck, Blutfette und Brustschmerz lassen sich nicht mit einer Beere aus der Traubenschale behandeln.
Quellen
- Gliemann L, Schmidt JF et al.: Resveratrol blunts the positive effects of exercise training on cardiovascular health in aged men. The Journal of Physiology, 15. Oktober 2013.
- Alway SE, McCrory JL et al.: Resveratrol Enhances Exercise-Induced Cellular and Functional Adaptations of Skeletal Muscle in Older Men and Women. The Journals of Gerontology Series A, 13. Mai 2017.
- Ristow M, Zarse K et al.: Antioxidants prevent health-promoting effects of physical exercise in humans. Proceedings of the National Academy of Sciences, 26. Mai 2009.
- Brown K, Theofanous D et al.: Resveratrol for the Management of Human Health: How Far Have We Come? A Systematic Review of Resveratrol Clinical Trials to Highlight Gaps and Opportunities. International Journal of Molecular Sciences, 6. Januar 2024.
- US Preventive Services Task Force: Vitamin, Mineral, and Multivitamin Supplementation to Prevent Cardiovascular Disease and Cancer: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA, 21. Juni 2022.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Antioxidant Supplements: What You Need To Know. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: Juli 2023.
- Mayo Clinic Staff: Red wine and resveratrol: Good for your heart?. Mayo Clinic, 21. Januar 2026.
- Linus Pauling Institute: Resveratrol (Micronutrient Information Center). Oregon State University Linus Pauling Institute, Stand: 2015.
- Ranchordas MK, Rogerson D et al.: Antioxidants for preventing and reducing muscle soreness after exercise. Cochrane Database of Systematic Reviews, 14. Dezember 2017.
