
Metallklammern können nach einem künstlichen Gelenk das Risiko einer oberflächlichen Wundinfektion erhöhen, vor allem nach einer Hüftoperation. Ob dasselbe für das Knie gilt, bleibt in den saubersten Auswertungen offen; eine tiefe Infektion an der Prothese ist in den vorliegenden Vergleichen nicht klar häufiger.
Ältere Zusammenfassungen aus dem Jahr 2010 hatten Klammern pauschal als deutlich riskanter dargestellt. Neuere randomisierte Studien und Metaanalysen zeichnen ein engeres Bild: Der Hinweis auf mehr oberflächliche Infekte und länger nasse Wunden hält sich bei der Hüfte, während Kniegelenkersatz und tiefe Infektionen den Unterschied oft nicht mehr tragen. Weder die Weltgesundheitsorganisation noch die US-Seuchenbehörde CDC legen fest, ob die Haut nach Orthopädie mit Draht oder Faden geschlossen werden soll.
Wer vor einer Hüft- oder Knieprothese steht, kann die Verschlussmethode deshalb ansprechen, ohne eine einzelne Technik als verboten zu erwarten. Entscheidend bleibt, Infektionszeichen früh zu erkennen und die Wunde so zu pflegen, wie das Operateursteam es vorgibt.
Erhöhen Heftklammern wirklich das Infektionsrisiko?
Ja, in mehreren gepoolten Auswertungen liegt die Rate oberflächlicher Infekte nach Klammern höher als nach Naht, aber der Befund hängt stark von Studienqualität und Gelenk ab. Krishnan und Kollegen werteten 2019 siebzehn randomisierte Versuche mit 2446 orthopädischen Patienten aus und fanden für Klammern ein relatives Risiko von 2,05 gegenüber Nähten.
Sobald nur Arbeiten mit geringem Verzerrungsrisiko übrig blieben, schrumpfte der Unterschied auf 1,45 und war statistisch nicht mehr belastbar. Die Autoren schrieben ausdrücklich, dass sich ein klinisch wichtiger Vorteil keiner Methode beweisen oder ausschließen lässt. Die meisten gezählten Ereignisse waren oberflächlich; tiefe Infekte wurden in dieser Sammlung kaum berichtet.
Drei Jahre später beschränkten van de Kuit und Mitarbeiter die Frage auf geplante Hüft- und Knieprothesen. Über alle acht Versuche hinweg lag das relative Risiko bei 1,70 und verfehlte die Signifikanzgrenze. In den zwei Studien mit niedrigem Bias-Risiko, darunter die große niederländische Hüftstudie von Mallee, stieg es auf 2,56. WHO-Leitlinien von 2016 und die CDC-Empfehlungen zur Prävention behandeln diesen Streit nicht; sie nennen unter anderem antimikrobiell beschichtetes Nahtmaterial, nicht aber Draht gegen Faden.
Praktisch folgt daraus kein gesichertes Vielfaches an Katastrophenrisiko für alle, die Klammern bekommen. Ein Mehr an oberflächlichen Infekten und an längerem Wundnässen ist vor allem nach Hüftgelenkersatz plausibel. Die Wahl bleibt eine Abwägung aus Infektionslage, Hautqualität, OP-Dauer und der Erfahrung des Teams.
Unterscheidet sich das Risiko nach Hüft- und Knie-OP?
Ja. Der Hinweis auf mehr Infekte durch Klammern ist bei der Hüfte klarer als beim Knie. Krishnan fand in der Hüftuntergruppe ein relatives Risiko von 2,42, in der Knieuntergruppe 1,59 ohne signifikanten Unterschied. Van de Kuit bestätigte 2022 dasselbe Muster: Hüfte 2,51, Knie 0,87.
Mallee randomisierte 535 Menschen mit erstem Hüftgelenkersatz. Oberflächliche Infekte traten bei etwa 4 Prozent der geklammerten und 1 Prozent der genähten Wunden auf; die Odds Ratio lag bei 2,8, der p-Wert bei 0,057 und damit knapp über der üblichen Schwelle. Wundkomplikationen insgesamt betrafen 17 gegenüber 5 Prozent, längeres Nässen 40 gegenüber 12 Personen. Protheseninfekte unterschieden sich nicht.
Liu und Mitarbeiter bündelten 2021 Hüftstudien und kamen für oberflächliche Infektion und verlängerte Sekretion jeweils auf eine Odds Ratio von 2,88. Tiefe Infektion, Auseinanderweichen der Wunde, Entzündungszeichen, Abszess und allergische Reaktion lagen zwischen den Gruppen im Zufallsbereich. Nähen dauerte länger, ohne dass die Autoren daraus eine medizinische Überlegenheit der Klammer ableiteten.
| Endpunkt nach Hüftgelenkersatz | Heftklammern | Nahtverschluss | Gepooltes Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Oberflächliche Infektion | 20 von 627 | 6 von 659 | Odds Ratio 2,88; höher bei Klammern |
| Wundnässen mindestens 4 Tage | 55 von 544 | 21 von 577 | Odds Ratio 2,88; höher bei Klammern |
| Tiefe Infektion | 7 von 491 | 4 von 527 | Odds Ratio 1,70; nicht signifikant |
| Wunddehiszenz | 4 von 462 | 2 von 499 | kein belastbarer Unterschied |
| Patientenzufriedenheit | vergleichbar | vergleichbar | kein Unterschied in den Studien |
Warum die Hüfte empfindlicher wirkt, erklären die Arbeiten nicht endgültig. Mögliche Gründe sind andere Hautspannung in der Leiste, mehr Feuchtigkeit in der Beugefalte und ein anderes Keimspektrum. Für das Knie bleibt der Vorteil der Naht in den sauberen Auswertungen unbewiesen. Eine pauschale Warnung „Klammern nach jeder Gelenk-OP verdreifachen Infekte“ gehört damit in die Schublade älterer, gemischter Datensätze.
Was eine Wundinfektion nach Gelenkersatz bedeutet
Eine Infektion der Operationswunde sitzt dort, wo geschnitten wurde, und kann Haut, tieferes Weichgewebe, das Gelenk selbst oder das Implantat betreffen. Die CDC zählt genau diese Schichten und nennt als Warnzeichen Rötung, Schmerz, trübes Sekret und Fieber. Cleveland Clinic schätzt, dass 1 bis 3 von 100 operierten Menschen eine solche Infektion entwickeln; mehr als die Hälfte bleibt oberflächlich.
Oberflächlich betrifft Haut und Unterhaut um den Schnitt, tief Faszie und Muskel. Organ- oder Hohlrauminfekt nach Hüft- oder Knieprothese ist die gefürchtete Protheseninfektion. StatPearls folgt der CDC-Einteilung und erinnert daran, dass Lehrbücher für Implantate früher ein Beobachtungsfenster bis zu einem Jahr nannten. Oberflächliche Infekte werden in den ersten Wochen gezählt, tiefere Ereignisse an Implantaten länger beobachtet.
Selbst ein „kleiner“ Hautinfekt ist nach Gelenkersatz kein Bagatellbefund. Zwischen längerer Sekretion, oberflächlicher Infektion und späterem Tiefeninfekt besteht in der Orthopädie ein bekannter Zusammenhang, den schon die Hüftstudien als Motiv nennen, nasse Wunden ernst zu nehmen. Cleveland Clinic listet als mögliche Folgen Abszess, Weichteilentzündung, Knocheninfekt und Sepsis.
Behandlung beginnt meist mit Antibiotika, sobald klinisch und, wo nötig, mikrobiologisch ein Keim greifbar ist. Tiefe Infekte können eine erneute Operation und im Extremfall die Entfernung der Prothese verlangen. OrthoInfo der amerikanischen Fachgesellschaft AAOS nennt schwere Gelenkinfekte nach Hüftgelenkersatz bei weniger als 2 Prozent der Operierten; oberflächliche Infekte werden häufig konservativ behandelt, tiefe selten ohne Chirurgie.
Woran erkenne ich eine Infektion an der Naht?
Typisch sind Eiter oder dickes, trübes Sekret, sich ausbreitende Rötung, zunehmender Druckschmerz, Wärme und Fieber, oft ab dem dritten bis siebten Tag. Cleveland Clinic nennt rahmfarbenen Ausfluss, Geruch, ein Aufklaffen der Nahtlinie, Hautverfärbung über den Schnittrand hinaus, Berührungsschmerz, heiße Haut, Schüttelfrost und Schwitzen. Als Fieberschwelle gibt die Klinik mehr als 38,4 °C an.
OrthoInfo warnt schon bei anhaltendem oralen Fieber über 37,8 °C, bei Schüttelfrost, zunehmender Rötung, Druckschmerz oder Schwellung der Hüftwunde, bei Sekret und bei Hüftschmerz, der in Ruhe und Bewegung zunimmt. MedlinePlus rät zum Anruf, wenn die Temperatur länger als vier Stunden über 37,7 °C bleibt oder das Sekret dick, beige, grün, gelb oder übelriechend wird. Die Schwellen weichen also um wenige Zehntelgrad voneinander ab; wer Fieber und Wundveränderung gleichzeitig hat, wartet die feinere Skala nicht aus.
Frühe Heilung darf rosa Ränder, leichtes Ziehen und wenig klares oder blutig tingiertes Sekret zeigen. Diese Zeichen sollen nachlassen, nicht zunehmen. Schmerz, der nach einer Besserung wieder ansteigt, ist verdächtiger als der Dauerschmerz der ersten Nächte. Ein klaffender Spalt, der tiefer, länger oder breiter wird, gehört ebenso zur Alarmliste wie dunkle, vertrocknete Wundränder.
Häufige Erreger sind Staphylococcus aureus, der bei vielen Menschen in der Nase siedelt, Streptokokken der Gruppe A, Enterokokken aus dem Darm und Pseudomonas. Cleveland Clinic beschreibt Selbstkontamination der Haut, Keime an Händen oder Instrumenten und Tröpfchen in der Luft als Wege in die frische Wunde. Diagnostik bleibt klinisch: Das Team fragt den Zeitverlauf, entnimmt Sekret und entfernt dafür manchmal einzelne Fäden oder Klammern.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Rufen Sie das Operateursteam noch am selben Tag, sobald Rötung, Schmerz, Schwellung, Sekret oder Fieber zunehmen statt abzuklingen. CDC formuliert das ohne Umweg: Bei Infektionszeichen sofort die behandelnde Stelle kontaktieren. Cleveland Clinic nennt Schwellung, Rötung, Berührungsschmerz und Eiter als Gründe, nicht bis zur geplanten Kontrolle zu warten.
Folgende Veränderungen rechtfertigen denselben Anruf, auch nachts über den Bereitschaftsdienst der Klinik:
- Die Rötung wandert über den unmittelbaren Schnittrand hinaus oder bildet streifige Ausläufer.
- Aus der Wunde kommt dickes, trübes oder übelriechendes Sekret, nicht nur ein klarer Fleck auf der Kompresse.
- Fieber liegt über 38 °C oder bleibt mehrere Stunden über 37,7 °C, besonders zusammen mit Schüttelfrost.
- Die Naht klafft, blutet erneut stark oder sieht dunkler und vertrockneter aus als am Vortag.
- Hüft- oder Knieschmerz steigt in Ruhe und unter Belastung, nachdem er schon leichter geworden war.
Zusätzlich gelten nach Hüftgelenkersatz die Thrombosewarnungen der AAOS. Wadenschmerz ohne Bezug zur Narbe, neue Rötung oder Druckschmerz der Wade und zunehmende Schwellung von Oberschenkel, Wade, Knöchel oder Fuß gehören zum Arzt, nicht in die Hausmittelkiste. Plötzliche Luftnot, stechender Brustschmerz oder Husten mit lokalem Brustschmerz können bedeuten, dass ein Gerinnsel die Lunge erreicht hat; das ist ein Notfall.
Verwirrtheit, extreme Schläfrigkeit oder Kreislaufschwäche mit kaltem Schweiß können auf eine sich ausbreitende Infektion hinweisen. Dann zählt Minutenhilfe, nicht die nächste Sprechstunde. Wer unsicher ist, ob ein Fleck „normal“ ist, fotografiert die Wunde im gleichen Licht und lässt das Team entscheiden. Selbstdiagnose per Farbe im Spiegel ersetzt keine Untersuchung.
Warum geklammerte Wunden länger nässen können
Klammern schließen die Haut rasch, lassen die Schnittkanten aber oft weniger wasserdicht aufeinanderliegen als eine fortlaufende Naht. Liu fand nach Hüftgelenkersatz fast dreifach häufiger Sekretion, die mindestens vier Tage anhielt. Mallee sah dasselbe Muster und wertete das verlängerte Nässen als eigenständiges, statistisch klares Problem, unabhängig vom knapp signifikanten Infektunterschied.
Länger feuchte Wunden sind nach Gelenkersatz unerwünscht, weil Sekret eine Straße für Keime bleiben kann und Verbände häufiger gewechselt werden. Liu hält fest, dass Nähen mehr Operationszeit kostet, ohne daraus einen medizinischen Vorteil der Klammer abzuleiten. Für die betroffene Person zählt weniger die Stoppuhr im Saal als die Frage, ob die Wunde in der zweiten Woche trocken und geschlossen ist.
Kein Unterschied zeigte sich bei Allergie, Abszess, sichtbarer Entzündung und bei der Zufriedenheit mit dem Narbenbild, soweit Liu das messen konnte. Wer also vor allem eine glatte Narbe erwartet, darf sich nicht automatisch für Klammern oder Fäden entscheiden. Wer Diabetes, Adipositas, Rauchen oder eine Immunschwäche mitbringt, hat nach Cleveland Clinic ohnehin ein höheres Grundrisiko; dann wiegt jedes zusätzliche Nässen schwerer.
Metall selbst ist kein Gift. Das Problem liegt in punktförmigen Durchstichen, totem Raum unter der Klammer und einem Verband, der Feuchtigkeit hält. Resorbierbare, unter der Haut laufende Nähte vermeiden den zweiten Termin zum Ziehen, erzeugen dafür manchmal länger tastbare Fäden unter der Haut. Keine Variante heilt „von selbst sicher“.
Welche Alternativen Leitlinien heute nennen
Keine große Leitlinie verbietet Klammern nach Hüft- oder Knieprothese. NICE schrieb 2019, Klammern erhöhten über viele Operationsarten hinweg das Auseinanderweichen der Haut; nach Aufteilung nach Eingriff blieb der Befund vor allem beim Kaiserschnitt stehen. Das Gremium empfahl deshalb, nach Sectio Nähte zu erwägen, und stellte klar, dass die Daten nicht reichen, Nähte in der gesamten Chirurgie vorzuschreiben.
Dieselbe Leitlinienaktualisierung nutzte NICE, um triclosanbeschichtetes Nahtmaterial als Option zu nennen, besonders in der Kinderchirurgie. WHO hält antimikrobiell beschichtete Fäden unabhängig vom Fachgebiet für erwägenswert, äußert sich aber nicht zum Duell Draht gegen Nylon. Krishnan und van de Kuit zitieren genau diese Lücke. Präventionsbündel gibt es, ein Hautklammer-Verbot nicht.
In der Orthopädie sind zusätzlich widerhakenbesetzte Fäden, Hautkleber und mehrschichtiger wasserdichter Verschluss in neueren Arbeiten und in NICE-Forschungsfragen aufgetaucht. NICE hat 2019 eigene Forschungsfragen zu Widerhakenfäden und zu Notfalleingriffen formuliert, ohne schon eine Standardtechnik festzulegen. Wer im Aufklärungsgespräch „resorbierbare Naht plus Kleber“ hört, bekommt also eine moderne, aber nicht einzig seligmachende Variante.
Für Patientinnen und Patienten folgt daraus eine nüchterne Frage an das Team. Welche Methode nutzt die Abteilung bei Hüfte, welche bei Knie, und warum? Eine Antwort mit Blick auf Nässen, Infektrate und den geplanten Entfernungstermin ist mehr wert als die Behauptung, Klammern seien immer schneller und deshalb besser.
Was vor der Operation das Risiko senken kann
Rauchen aufgeben, Rasieren am OP-Feld lassen und bestehende Infekte vorher behandeln senken das Risiko stärker als die Wahl zwischen Klammer und Faden. CDC rät, Allergien, Diabetes und Adipositas offenzulegen, vor der Operation nicht mit Nassrasierer zu rasieren und das Team zu fragen, falls jemand im Saal doch zur Klinge greift. NICE lehnt routinemäßige Haarentfernung ab; wenn Haare stören, sollen Einwegkopf-Clipper am Operationstag genutzt werden, keine Rasierer.
Cleveland Clinic ergänzt, dass Nikotin inklusive E-Zigarette die Durchblutung der Haut stört. Ein antiseptisches Waschpräparat vor dem Eingriff kann das Team empfehlen, ersetzt aber kein Händewaschen danach. NICE nennt außerdem ein Bad oder eine Dusche mit Seife am Vortag oder am Operationstag und, bei Eingriffen mit typischem Staphylococcus-aureus-Risiko, die Überlegung zu Mupirocin-Nasensalbe plus Chlorhexidin-Körperwaschung, lokal festgelegt.
Hautdefekte am Operationsbein, also Kratzer, Insektenstiche oder nässende Stellen, können nach OrthoInfo einen Aufschub bedeuten, weil Bakterien über jede Lücke ins frische Implantatlager wandern. Zahnherde, Harnwegsinfekte und offene Hautwunden gehören deshalb vor elektiven Prothesen auf den Tisch, nicht erst in den Aufwachraum.
Wer schon eine Prothese trägt, spricht vor neuen Zahnbehandlungen mit der Orthopädie, ob eine vorbeugende Antibiotikagabe nötig ist. AAOS sieht das nicht mehr als Automatismus für alle, sondern als Entscheidung nach Risikofaktoren. Die Hautnaht ist nur die letzte Schicht eines Bündels, das schon in der Woche vor dem Schnitt beginnt.
Wie pflege ich Klammern oder Nähte zu Hause?
Klammern und nicht resorbierbare Fäden entfernt nur geschultes Personal, meist nach etwa zwei Wochen; selbst ziehen ist tabu. OrthoInfo und MedlinePlus sind sich darin einig. Die Wunde soll trocken bleiben, bis sie geschlossen und verklebt ist. Duschen ist oft nach 24 Stunden erlaubt, Baden und Whirlpool nicht, weil stehendes Wasser die Naht aufweichen kann.
MedlinePlus beschreibt den Verbandswechsel als Handwerk mit sauberen Händen, nicht als Kosmetik. Alte Kompressen, die kleben, werden angefeuchtet, nicht abgerissen, sofern das Team nichts anderes gesagt hat. Antibiotikasalbe kommt nur auf die Haut, wenn sie verordnet wurde. Enge Hosenbünde und Kompressionsstrümpfe, die an Klammern hängen, reizen den Rand; ein lockerer Schutzverband verhindert das, ohne die Wunde luftdicht einzupacken.
NICE verlangt, dass Kliniken erklären, wie die Wunde nach der Entlassung zu pflegen ist, woran eine Infektion zu erkennen ist und wen man anruft. CDC wiederholt denselben Punkt für Angehörige: Hände waschen oder desinfizieren, die Naht nicht berühren, vor dem Verlassen des Hauses wissen, wer bei Problemen erreichbar ist. Bewegung in dem Rahmen, den die Physiotherapie vorgibt, fördert die Durchblutung; Cleveland Clinic warnt nur davor, das Pensum zu reißen.
Protein, Eisen, Zink sowie die Vitamine A und C helfen dem Gewebe, das Infekt und Schnitt gleichzeitig bewältigen muss. Das ist Ernährung, kein Wundmittel aus der Apotheke. Solange Klammern sitzen, bleibt die Haut eine perforierte Barriere. Erst wenn das Team den letzten Draht gezogen und die Ränder als tragfähig bewertet hat, gilt die oberflächliche Schicht als geschlossen. Die tiefe Heilung an Kapsel und Knochen dauert länger.
Häufige Fragen
Sind Metallklammern nach einer Hüft-OP gefährlicher als Nähte?
Sie können das Risiko oberflächlicher Infekte und längeren Nässens erhöhen, ein Vielfaches an Protheseninfekten ist nicht belegt. Mallee, Liu und van de Kuit zeigen den Unterschied vor allem an der Hüfte. Tiefe Infekte blieben in diesen Vergleichen ohne klaren Gruppenunterschied.
Gilt dasselbe nach einer Knieprothese?
In den Untergruppenanalysen von Krishnan 2019 und van de Kuit 2022 nicht. Das relative Risiko lag nahe 1 oder sogar leicht zugunsten der Klammern, jeweils ohne Signifikanz. Die Klammer am Knie ist damit nicht „freigesprochen“, aber auch nicht durch dieselben Zahlen belastet wie an der Hüfte.
Wann werden Klammern oder Fäden gezogen?
Meist etwa zwei Wochen nach dem Gelenkersatz, wenn die Ränder tragen und kein Eiter fließt. OrthoInfo nennt diesen Zeitraum ausdrücklich. Resorbierbare Nähte unter der Haut bleiben liegen und müssen nicht gezogen werden.
Darf ich mit Klammern duschen?
Oft ja, sobald das Team es freigibt, häufig nach einem Tag, und nur unter fließendem Wasser ohne Reiben. MedlinePlus rät zum Abtupfen und gegen Vollbäder. Nasse Verbände werden gewechselt, wasserdichte Folien nur nach Anweisung genutzt.
Welche Temperatur zählt als Fieber nach der OP?
Cleveland Clinic nennt mehr als 38,4 °C, OrthoInfo warnt ab anhaltend 37,8 °C, MedlinePlus ab 37,7 °C über mehr als vier Stunden. Zusammen mit Rötung, Eiter oder Schüttelfrost zählt jede dieser Schwellen als Anlass für einen Anruf, nicht als Streit um das Thermometer.
Kann ich Klammern selbst entfernen, wenn sie locker sitzen?
Nein. MedlinePlus verbietet das eigenständige Entfernen. Eine lockere Klammer kann die Wunde aufreißen oder Keime in die Tiefe ziehen; das Team entscheidet, ob einzelne Klammern früher rausmüssen.
Senkt triclosanbeschichtetes Nahtmaterial das Risiko?
NICE und WHO halten solche Fäden für eine Option, besonders bei Kindern; ein Ersatz für sorgfältige Hautnaht und Hygiene sind sie nicht. Die Studienlage ist über viele Fächer gemischt. Nach Gelenkersatz bleibt die Entscheidung beim Operateur.
Was tun, wenn die Wunde nach dem Ziehen der Klammern wieder klafft?
Dann noch am selben Tag die Klinik anrufen, die operiert hat. Ein Auseinanderweichen nach zu frühem Entfernen oder unter Infekt braucht Versorgung, manchmal Steristrips, selten eine erneute Naht. Selbst zusammenkleben mit Haushaltskleber ist unsinnig.
Fazit
Nach heutiger Datenlage sind Metallklammern am Hüftgelenkersatz die Methode, die häufiger nasse Wunden und oberflächliche Infekte hinterlässt als eine Hautnaht. Beim Knie fehlt dieser Beleg. Tiefe Protheseninfekte, Allergien und das Narbenurteil der Operierten trennen die Verfahren in den vorliegenden Studien nicht. Leitlinien von NICE, WHO und CDC schreiben der Orthopädie weder Klammern noch Fäden vor; sie verlangen Information, Rasierverzicht, Händehygiene und ein Team, das Infektzeichen ernst nimmt.
Wer operiert wird, kann vor dem Schnitt fragen, wie die Haut geschlossen wird und wann Klammern oder Fäden fallen. Nach der Entlassung zählen trockene Verbände, keine Vollbäder und der schnelle Anruf bei Fieber, Eiter oder wandernder Rötung mehr als die Marke des Klammermagazins. Fotografieren Sie Veränderungen im gleichen Licht, statt sie mit dem Vortag nur im Kopf zu vergleichen.
Eine einzelne Technik heilt das Implantat nicht und rettet es auch nicht allein. Das Bündel aus rauchfreier Vorbereitung, dem richtigen Verschluss für Hüfte oder Knie und wacher Nachsorge bleibt der realistische Schutz. Genau deshalb liest man eine 2010 pauschal verdreifachte Warnung heute gelenkweise.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: Surgical Site Infection Basics. Centers for Disease Control and Prevention, 11. April 2024.
- National Institute for Health and Care Excellence: Surgical site infections: prevention and treatment. NICE Guideline NG125, NCBI Bookshelf, 19. August 2020.
- Cleveland Clinic: Surgical Wound Infection. Cleveland Clinic, 17. Juni 2025.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Total Hip Replacement. OrthoInfo, Stand: 2025.
- van de Kuit A, Krishnan RJ et al.: Surgical site infection after wound closure with staples versus sutures in elective knee and hip arthroplasty: a systematic review and meta-analysis. Arthroplasty, 4. März 2022.
- Liu Z, Liu B et al.: Staples versus sutures for skin closure in hip arthroplasty: a meta-analysis and systematic review. Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 24. Dezember 2021.
- Krishnan RJ, Crawford EJ et al.: Is the Risk of Infection Lower with Sutures than with Staples for Skin Closure After Orthopaedic Surgery? A Meta-analysis of Randomized Trials. Clinical Orthopaedics and Related Research, 17. April 2019.
- World Health Organization: Surgical site infection. World Health Organization, Stand: 2022.
- Mallee WH, Wijsbek AE et al.: Wound complications after total hip arthroplasty: a prospective, randomised controlled trial comparing staples with sutures. Hip International, 7. Juli 2020.
- MedlinePlus: Surgical wound care – closed. MedlinePlus, National Library of Medicine, 11. April 2026.
- Zabaglo M, Leslie SW, Sharman T: Postoperative Wound Infections. StatPearls, 5. März 2024.
