
Metformin kann in der Zellschale Resistenzpumpen von Brustkrebszellen dämpfen und so eine Mehrfachresistenz gegen Chemotherapeutika verzögern oder teilweise zurückdrehen. Am Menschen hat die große Adjuvansstudie MA.32 im Jahr 2022 diesen Nutzen nicht bestätigt. Bei 3649 Patientinnen und wenigen Patienten ohne Diabetes verbesserte 850 Milligramm zweimal täglich über fünf Jahre das invasive krankheitsfreie Überleben nicht.
Die alte Hoffnung stammte aus Laborarbeiten und Beobachtungen bei Typ-2-Diabetes. Seither trennt die Onkologie diese Ebenen schärfer. Wer Diabetes hat, behält Metformin nach ärztlicher Indikation. Wer keines hat, soll das Mittel nicht als heimliche Krebsmedizin kaufen. Rezidivzeichen und die seltenen Warnsignale einer Laktatazidose gehören in die Praxis oder in die Notaufnahme, nicht in den Online-Shop.
Kann Metformin eine Resistenz umkehren?
Im Reagenzglas ja, in der adjuvanten Klinik bisher nein. Die Gruppe um Davies und Arnason an der University of Saskatchewan zeigte 2017, dass Metformin das Wachstum mehrerer Brustkrebszelllinien hemmt, Marker der Mehrfachresistenz senkt und vorbehandelte Zellen länger empfindlich gegenüber Doxorubicin hält. Dieselbe Arbeit betonte, dass das ein In-vitro-Befund mit vorläufigen Mausversuchen ist, kein Beleg für Heilung.
Mehrfachresistenz bedeutet, dass ein Tumor nach der Resistenz gegen ein Mittel oft auch andere, chemisch fremde Wirkstoffe abweist. Die American Cancer Society erklärt, dass Chemotherapie bei Brustkrebs gezielt eingesetzt wird und nicht jede Patientin sie braucht; versagt sie, wechseln Ärztinnen das Regime oder greifen zu Operation, Bestrahlung, Hormon- oder zielgerichteter Therapie. Ein Tablettenzusatz, der Pumpen in der Schale bremst, ersetzt diese Stufenleiter nicht.
Wer die Schlagzeile von 2018 im Kopf hat, liest sie heute richtig als Laborversprechen. Die Saskatchewan-Autorinnen selbst schrieben, künftige Arbeit müsse Zellen über viele Monate verfolgen. Die klinische Antwort kam später und fiel für die häufigen Subtypen negativ aus. Zwischen beiden Sätzen liegen fünf Jahre randomisierter Nachbeobachtung, nicht ein Widerspruch der Biologie.

Was die Zellversuche aus Saskatchewan 2017 zeigten
Davies und Kolleginnen nutzten vor allem die östrogenrezeptorpositive Linie MCF7 und eine Variante, die gegen Doxorubicin selektiert worden war. Metformin hemmte die Vermehrung beider Populationen dosisabhängig, die resistente Linie schwächer. Zusammen mit 1 Mikromol Doxorubicin wirkte 1 Millimol Metformin additiv. Östrogenrezeptorpositive Linien (MCF7, T47D) reagierten deutlicher als triple-negative (BT-20, MDA-MB-231); in MCF7 sank die Menge an Östrogenrezeptor-alpha.
Die verwendeten Konzentrationen lagen zwischen 0,1 und 5 Millimol. Die Autorinnen verglichen das mit menschlichen Talspiegeln von 2 bis 6 Mikromol nach rund 1500 Milligramm oral am Tag, Spitzen um 38 Mikromol und Gleichgewichtswerten um 15,5 Mikromol. Der Abstand zwischen Schale und Blut ist also groß. Eine Vorbehandlung mit 100 Mikromol, näher am klinischen Bereich, verzögerte oder verhinderte den Anstieg der Marker HIF1α, MDR-1, BCRP und TFPI1 unter Doxorubicin-Selektion; an Tag 5 und 10 blieben die vorbehandelten Zellen empfindlicher.
In zwei sehr kleinen Mausversuchen sanken Resistenzmarker nach intraperitonealer Gabe, die Tumorgröße der Leukämielinie K562 änderte sich kaum. Ein patientinneneigenes triple-negatives Transplantat bekam einmalig 50, 100 oder 200 Milligramm pro Kilogramm; HIF1α fiel bereits bei der niedrigsten Dosis. Die Stichproben umfassten zwei Tiere je Arm bzw. ein Tier je Dosis. Das rechtfertigt Mechanismen, keine Therapieempfehlung.
Wie Mehrfachresistenz in Brustkrebszellen entsteht
Resistenz kann von Anfang an da sein oder sich in überlebenden Zellnestern nach scheinbar erfolgreicher Behandlung aufbauen. Häufig stehen ATP-abhängige ABC-Transporter im Vordergrund, vor allem P-Glykoprotein (MDR-1) und das Brustkrebsresistenzprotein BCRP. Sie pumpen Anthrazykline, Taxane und andere lipophile Zytostatika wieder hinaus. HIF1α, ein Transkriptionsfaktor der Hypoxie, stützt dasselbe Überlebensprogramm im sauerstoffarmen Tumorkern.
Davies zitiert, dass gezielte Pumpenblocker in früheren Studien oft an Giftigkeit scheiterten und ohnehin nicht alle Ausweichwege treffen. Ein Tumor nutzt meist mehrere Mechanismen gleichzeitig, darunter veränderter Stoffwechsel, aktive DNA-Reparatur, Krebsstammzell-ähnliche Untereinheiten und Entgiftung. Deshalb wirken Kombinationschemotherapien mit unterschiedlichen Angriffspunkten; deshalb bleibt ein einzelnes Zusatzmittel unsicher, selbst wenn es eine Pumpe dämpft.
Die Cleveland Clinic beschreibt, dass etwa jede dritte Frau mit frühem Brustkrebs später Metastasen entwickeln kann. Chemotherapieversagen ist dann ein klinisches Ereignis mit Bildgebung, Markern und neuem Therapieplan, kein Laborwert allein. Marker wie MDR-1 werden weltweit nicht als Routinetest für die nächste Infusion genutzt. Wer sich Sorgen um Resistenz macht, spricht mit der behandelnden Onkologie über das konkrete Schema, nicht über eine off-label Biguanid-Idee.
Welche Signalwege Metformin in Tumorzellen trifft
Zwei Pfade werden seit Jahren diskutiert. Indirekt senkt Metformin Glukoneogenese und Insulinspiegel; weniger Insulin und IGF-1 bedeutet weniger Anstoß für PI3K/AKT/mTOR und RAS/MAPK, Wege, die Brustkrebszellen oft hochfahren. Direkt hemmt das Biguanid den mitochondrialen Komplex I, hebt das AMP/ATP-Verhältnis und aktiviert die AMP-aktivierte Proteinkinase, die mTOR bremst. In resistenten MCF7-Zellen senkte Metformin MDR-1 und BCRP auch nach Stummschalten von AMPK; der Resistenzweg kann also AMPK-unabhängig laufen.
Davies fand zusätzlich eine indirekte Hemmung von Histondeacetylasen. Die Acetylierung von Histon H3 und H4 stieg, gereinigte Enzyme wurden in der Schale nicht direkt blockiert. HIF1α fiel unter Hypoxie stärker als unter Phenformin. Andere Gruppen beschrieben später, dass weniger zelluläres ATP die Pumpenfunktion schwächt, selbst wenn die Proteinmenge gleich bleibt. Solche Mechanismen erklären, warum Kombinationen mit Doxorubicin in der Kultur additiv wirken.
Die Kluft bleibt die Dosis. Übersichten zu triple-negativem Brustkrebs 2025 wiederholen, dass viele antitumorale Effekte in der Schale Millimol brauchen, während Tabletten Mikromol im Plasma erzeugen. Organische Kationentransporter bringen Metformin in die Zelle, MATE-Transporter schaffen es hinaus; Tumoren unterscheiden sich darin. Ohne gemessene Gewebespiegel bleibt unklar, ob eine Diabetesdosis im Brustknoten überhaupt die Schwelle der Pumpenhemmung erreicht.
Was die Adjuvansstudie MA.32 2022 entschieden hat
MA.32 randomisierte 3649 Menschen ohne Diabetes mit operiertem Hochrisiko-Brustkrebs in Kanada, den USA, der Schweiz und Großbritannien zwischen 850 Milligramm Metformin zweimal täglich und Placebo, jeweils fünf Jahre, zusätzlich zur Standardtherapie. Das Register ClinicalTrials.gov führt die Studie als NCT01101438; Health Canada hat den Wirkstoff gegen Brustkrebs nicht zugelassen, die Verwendung dort war prüfungsgebunden. Nach einer Zwischenanalyse 2016 galt der hormonrezeptornegative Arm als nutzlos, die Tabletten wurden dort gestoppt, die Nachbeobachtung lief weiter.
Der primäre Endpunkt bei 2533 hormonrezeptorpositiven Teilnehmenden nach im Median 96,2 Monaten lag bei 2,78 invasiven Ereignissen je 100 Patientenjahre unter Metformin gegen 2,74 unter Placebo, Hazard Ratio 1,01 (0,84 bis 1,21). Die Sterblichkeit lag bei 1,46 gegen 1,32 je 100 Patientenjahre (Hazard Ratio 1,10; 0,86 bis 1,41). Im hormonrezeptornegativen Teil (1116 Personen, Median 94,1 Monate) war die Hazard Ratio für invasive Ereignisse ebenfalls 1,01 (0,79 bis 1,30). Sekundäre Endpunkte im positiven Arm trennten die Gruppen nicht.
Explorativ lebten 620 HER2-positive Teilnehmende unter Metformin länger krankheitsfrei (Hazard Ratio 0,64; 0,43 bis 0,95) und insgesamt länger (Hazard Ratio 0,54; 0,30 bis 0,98). Der Vorteil konzentrierte sich auf Trägerinnen mindestens eines C-Allels der Variante rs11212617; die Interaktion mit dem HER2-Status war nicht signifikant. Goodwin und Mitautorinnen nennen das hypothesenerzeugend und verlangen Bestätigung, bevor sich die Praxis ändert. Grad-3-Nichtblut-Nebenwirkungen waren häufiger (21,5 gegen 17,5 Prozent).
| Belegebene | Was geprüft wurde | Ergebnis | Quelle |
|---|---|---|---|
| Zellkultur, mehrere Linien | Wachstum, Marker MDR-1, BCRP, HIF1α | Marker sanken, Resistenz verzögert | Davies, 2017 |
| Maus, sehr kleine Piloten | Marker in Transplantaten | Marker sanken, Größe oft unverändert | Davies, 2017 |
| Beobachtung bei Typ-2-Diabetes | neue Brustkrebsfälle | Relatives Risiko 0,82, Intervall schließt 1 ein | Lu, 2023 |
| Randomisierte Adjuvansstudie | invasives krankheitsfreies Überleben | Hazard Ratio 1,01, kein Nutzen | Goodwin, 2022 |
| HER2-Untergruppe, explorativ | krankheitsfreies und Gesamtüberleben | Hazard Ratios 0,64 und 0,54, unbestätigt | Goodwin, 2022 |
Beobachtungsstudien und die alte 31-Prozent-Zahl
Frühe Zusammenstellungen bei Typ-2-Diabetes nannten rund 31 Prozent weniger neue Krebserkrankungen unter Metformin; die Saskatchewan-Arbeit zitierte diese Zahl 2017 noch als Hintergrund. Für die Brust hält das so nicht. Lu und Kolleginnen werteten in Cancer Medicine Studien bis April 2021 aus. Frauen mit Typ-2-Diabetes hatten ein relatives Risiko von 1,15 für Brustkrebs (1,09 bis 1,21), nach Anpassung an Body-Mass-Index 1,22. Metformin gegen andere Diabetesmittel lag bei 0,82 (0,60 bis 1,12) — der Unterschied war nicht von 1 zu trennen.
Beobachtung mischt Schwere des Diabetes, Gewicht, Screening und verordnete Alternativen. Wer Insulin braucht, hat oft eine andere Stoffwechsellage als jemand, der mit einer Tablette auskommt. Goodwin schreibt in JAMA ausdrücklich, dass solche Assoziationen widersprüchlich waren und gerade deshalb eine randomisierte Prüfung nötig wurde. MA.32 schließt Menschen mit Diabetes aus; ein Übertrag auf die Diabetessprechstunde bleibt unsicher. Gleichzeitig widerlegt die Studie die Idee, jede Frau nach Brustkrebs ohne Diabetes profitiere vom Biguanid.
Ältere Texte, die 2018 ein niedrigeres Gesamtkrebsrisiko und ein besseres Überleben als gesicherte Wirkung darstellten, stehen damit auf der Stufe Langzeitbeobachtung. Die aktuelle Lage trennt drei Sätze. Diabetes selbst hängt mit etwas mehr Brustkrebs zusammen. Metformin als Diabetesmittel bleibt nach NICE und Fachinformation gerechtfertigt. Metformin als Krebsvorbeugung oder Adjuvans bei Stoffwechselgesunden ist durch MA.32 nicht gedeckt.
Für wen Metformin zugelassen ist und in welcher Dosis
DailyMed, die US-Fachinformation, nennt Metformin als Zusatz zu Kost und Bewegung zur Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes ab zehn Jahren. Es ist kein zugelassenes Onkologikum. Erwachsene beginnen laut Label mit 500 Milligramm zweimal täglich oder 850 Milligramm einmal täglich zu den Mahlzeiten; die Dosis steigt wöchentlich um 500 Milligramm oder alle zwei Wochen um 850 Milligramm, höchstens 2550 Milligramm am Tag, verteilt. Über 2000 Milligramm vertragen viele besser auf drei Einnahmen. Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren enden bei höchstens 2000 Milligramm.
MA.32 wählte 850 Milligramm einmal täglich vier Wochen, danach zweimal täglich — eine übliche Diabetesdosis, keine Hochdosis-Onkologie. MedlinePlus und die Mayo Clinic betonen Tabletten zu den Mahlzeiten, Retardformen unzerkaut und keine Doppelmenge nach dem Vergessen. Metformin heilt Diabetes nicht; Absetzen erfolgt nur nach Rücksprache, außer bei den unten genannten Notfällen.
Kontraindikationen laut DailyMed sind eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate unter 30 Milliliter pro Minute je 1,73 Quadratmeter, Unverträglichkeit sowie akute oder chronische metabolische Azidose einschließlich ketoazidotischem Koma. Start zwischen 30 und 45 wird nicht empfohlen; fällt die Filtration unter 45, wägen Ärztinnen Nutzen und Risiko ab, unter 30 wird abgesetzt. Vor jodhaltigem Kontrast stoppt das Label das Mittel bei Filtration 30 bis 60, bei Leber-, Alkohol- oder Herzschwächeanamnese und bei intraarteriellem Kontrast; 48 Stunden später wird die Niere neu gemessen.
Wann Metformin gefährlich wird
Die Boxed Warning der Fachinformation gilt der Laktatazidose. Post-Marketing-Fälle endeten mit Tod, Unterkühlung, Blutdruckabfall und hartnäckiger Bradyarrhythmie. Der Beginn ist oft unscharf und zeigt Unwohlsein, Muskelschmerzen, Atemnot, Schläfrigkeit oder Bauchschmerz. Im Labor liegen Laktat über 5 Millimol je Liter, eine Anionenlückenazidose ohne Keton und Metforminspiegel meist über 5 Mikrogramm je Milliliter. Verdacht heißt absetzen, Klinik, frühzeitig Hämodialyse.
MedlinePlus ergänzt alltagsnahe Schwellen. Sofort den Arzt rufen oder die Notaufnahme aufsuchen bei extremer Müdigkeit, Erbrechen, rascher tiefer Atmung, Schwindel, ungewöhnlichem Herzschlag, Kältegefühl in Händen oder Füßen. Risiko steigt mit Nierenschwäche, Alter über 65, Kontrast, Operation mit Nüchternheit, akutem Herzversagen, Sepsis, starkem Alkoholkonsum, Leberkrankheit und manchen mitochondrialen Syndromen. Topiramat und andere Carboanhydrasehemmer, Cimetidin, Ranolazin oder Dolutegravir können die Lage verschärfen.
Häufiger und meist milder sind Durchfall, Übelkeit, Blähungen, Schwäche, Druck im Oberbauch und Kopfschmerz; in einer US-Zulassungsstudie hatten 53 Prozent Durchfall gegen 12 Prozent unter Placebo, 6 Prozent brachen deshalb ab. In 29-Wochen-Studien sanken zuvor normale Vitamin-B12-Spiegel bei rund 7 Prozent; DailyMed rät zu jährlichem Blutbild und B12-Kontrolle alle zwei bis drei Jahre. Unter Insulin oder Sulfonylharnstoff kann der Zucker zu tief fallen, dann sinkt oft deren Dosis, nicht automatisch das Biguanid.
Was Leitlinien und Onkologie heute raten
Das National Cancer Institute listet für Brustkrebs lokale Verfahren (Operation, Bestrahlung) und systemische (Chemotherapie, Hormongabe, Immuntherapie, zielgerichtete Mittel). Metformin steht in dieser Patientenseite nicht. Die American Cancer Society beschreibt Chemotherapie nach Stadium, Rezeptorstatus und Begleiterkrankungen ebenfalls ohne Biguanid als Standardbaustein. NICE-Leitlinie NG28 vom Februar 2026 regelt Metformin im Rahmen des Typ-2-Diabetes, nicht als Zusatz nach Mastektomie oder Lumpektomie.
Wer Diabetes und Brustkrebs gleichzeitig hat, braucht zwei Pläne, die sich kennen. Das Biguanid bleibt oft sinnvoll, weil der Zucker und das Herz-Kreislauf-Risiko weiterzählen; die Onkologie setzt Operation, Chemo, endokrine Dauertherapie oder HER2-Blockade nach Leitlinie fort. Goodwin warnt davor, MA.32 auf die Diabetesgruppe zu übertragen, weil Stoffwechsel, Insulinresistenz und Begleiterkrankungen sich unterscheiden. Gleichzeitig gibt die Studie keinen Freibrief, das Mittel ohne Diabetes „zur Sicherheit“ fünf Jahre mitzuschlucken.
Offene Fragen betreffen HER2-positive Tumoren, hohe Insulinspiegel, Transporterausstattung des Knotens und Kombinationen, die den Zucker im Mikromilieu senken. Solange das in kontrollierten Studien liegt, bleibt der Alltag bei verordneter Krebstherapie, bei Diabetes nach Fachinformation und ohne Selbstbeschaffung über Importshops.
Wann zur Ärztin bei Rezidiv und Selbstmedikation
Neue Knoten, Haut, die sich einzieht oder rötet, einseitige Formänderung oder blutiges beziehungsweise klares Sekret aus der Brustwarze sind Gründe für zeitnahe Untersuchung, unabhängig von jeder Tablette. Die Cleveland Clinic nennt genau diese Zeichen und erinnert an Mammographie sowie Tastuntersuchung. Nach behandeltem Brustkrebs gehören geplante Kontrollen und neue Beschwerden — Knochenschmerz, Luftnot, anhaltende Kopfschmerzen, unerklärtes Gewicht — in die onkologische Sprechstunde, nicht in ein Experiment mit Resttabletten aus der Diabetespackung der Nachbarin.
Metformin ohne Rezept und ohne Diabetesindikation ist kein Hausmittel. ClinicalTrials.gov stellt klar, dass die onkologische Verwendung prüfungsgebunden war. Wer das Mittel bereits wegen Typ-2-Diabetes nimmt, setzt es vor Operation, Kontrast oder schwerem Infekt nur nach Anweisung ab und setzt es nach Nierenkontrolle wieder an. Schwere, anhaltende Durchfälle unter Chemotherapie plus Metformin können Flüssigkeit und Niere gefährden; das klärt dasselbe Team, das die Infusion plant.
In die Notaufnahme gehören die Laktatwarnzeichen, anhaltendes Erbrechen mit Austrocknung und unerwartete schwere Reaktionen auf die Krebstherapie. Die Cleveland Clinic rät ausdrücklich zur Klinik, wenn die Behandlung den Kreislauf oder den Flüssigkeitshaushalt stärker trifft als erwartet. Kein Laborwert aus dem Internet ersetzt Blutgas, Laktat und eGFR.
- Ein neu tastbarer Knoten oder Hautwechsel an der Brust rechtfertigt eine Untersuchung in Tagen, nicht in Monaten.
- Extreme Schwäche, tiefe rasche Atmung und Muskelschmerz unter Metformin bedeuten Absetzen und Notaufnahme.
- Kontrastmittel und große Eingriffe verlangen eine Pause nach DailyMed, danach eine frische Filtrationszahl.
- Diabetesmittel bleiben Indikationssache; Brustkrebs allein begründet keine eigenmächtige Dauerverordnung.
Häufige Fragen
Kann ich Metformin gegen Brustkrebs selbst kaufen?
Nein. Die zugelassene Indikation ist Typ-2-Diabetes, nicht die Onkologie. MA.32 fand bei Stoffwechselgesunden keinen Vorteil als Zusatz, und Health Canada hat den Wirkstoff gegen Brustkrebs nicht in den Handel gebracht. Wer ihn ohne Befund und ohne Ärztin nimmt, trägt das Laktatrisiko ohne belegten Nutzen.
Verhindert Metformin, dass die Chemotherapie versagt?
In Zellkultur kann es Resistenzmarker senken und Doxorubicin wieder wirksamer machen. In der adjuvanten Realität der Studie MA.32 blieb das krankheitsfreie Überleben unverändert. Chemotherapieversagen wird mit Bildgebung und neuem Plan behandelt, nicht mit einer zusätzlichen Diabetespackung.
Hilft Metformin bei HER2-positivem Brustkrebs?
Eine explorative Auswertung von MA.32 zeigte bessere Zahlen, vor allem bei einem bestimmten Genotyp. Die Studienleitung verlangt Wiederholung, weil die Interaktion nicht fest war. HER2-Therapie folgt zugelassenen Antikörpern und Tyrosinkinaseblockern, nicht einem Off-Label-Biguanid.
Soll ich Metformin behalten, wenn ich Diabetes und Brustkrebs habe?
Meist ja, solange Niere, Leber und Azidoserisiko das erlauben und die Fachinformation greift. MA.32 prüfte keine Menschen mit Diabetes. Absetzen oder Umstellen entscheidet das Team aus Diabetologie und Onkologie, nicht ein Forenbeitrag.
Welche Symptome einer Laktatazidose darf ich nicht abwarten?
Unwohlsein, Muskelschmerz, Bauchschmerz, Schläfrigkeit, rasche tiefe Atmung, Schwindel und Kältegefühl. MedlinePlus und DailyMed fordern dann sofortiges Absetzen und ärztliche Hilfe, in der Klinik oft Dialyse. Alkohol in großen Mengen erhöht dieses Risiko.
Senkt Metformin mein Brustkrebsrisiko, wenn ich Diabetes habe?
Diabetes selbst hängt mit einem leicht höheren Brustkrebsrisiko zusammen. Die Metaanalyse von Lu fand für Metformin kein signifikantes Schutzsignal. Screening, Gewicht, Bewegung und Alkohol bleiben die Hebel, die Leitlinien tatsächlich nennen.
Fazit
Die Laborlage von 2017 bleibt interessant. Metformin kann Pumpen und Stressmarker in Brustkrebszellen drücken und eine Resistenz gegen Doxorubicin verzögern. Die Dosen in der Schale liegen oft weit über dem, was Tabletten im Blut erreichen, und die Mausversuche waren zu klein für eine Therapieentscheidung.
Die klinische Lage seit 2022 ist klarer. Fünf Jahre Metformin zusätzlich zur Standardbehandlung haben bei operiertem Hochrisiko-Brustkrebs ohne Diabetes das invasive krankheitsfreie Überleben nicht verbessert. Beobachtete 31-Prozent-Effekte aus älteren Diabetesregistern gelten für die Brust nicht als gesicherte Vorbeugung. HER2-Signale bleiben Forschungsfragen.
Praktisch heißt das, die verordnete Krebstherapie fortzusetzen, Metformin nur bei Typ-2-Diabetes oder in einer Studie zu nehmen, Niere und B12 kontrollieren zu lassen und bei Rezidivzeichen oder Laktatwarnung nicht zu warten. Morgen zählt der nächste vereinbarte Termin, nicht die Hoffnung auf eine Tablette aus der Diabetesliste.
Quellen
- Davies G, Lobanova L et al.: Metformin inhibits the development, and promotes the resensitization, of treatment-resistant breast cancer. PLOS ONE, 6. Dezember 2017.
- Goodwin PJ, Chen BE et al.: Effect of Metformin vs Placebo on Invasive Disease-Free Survival in Patients With Breast Cancer: The MA.32 Randomized Clinical Trial. JAMA, 24. Mai 2022.
- Canadian Cancer Trials Group: A Phase III Randomized Trial of Metformin vs Placebo in Early Stage Breast Cancer. ClinicalTrials.gov, 18. August 2023.
- Amneal Pharmaceuticals: METFORMIN HYDROCHLORIDE tablets, for oral use. DailyMed, Juli 2026.
- MedlinePlus: Metformin: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, 15. Februar 2024.
- Mayo Clinic: Metformin (oral route). Mayo Clinic, Stand: 2025.
- Lu Y, Hajjar A et al.: Breast cancer risk for women with diabetes and the impact of metformin: A meta-analysis. Cancer Medicine, 19. Dezember 2022.
- National Cancer Institute: Breast Cancer Treatment. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- American Cancer Society: Chemotherapy for Breast Cancer. American Cancer Society, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Breast Cancer: Symptoms, Types, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 25. September 2023.
- NICE: Type 2 diabetes in adults: management. National Institute for Health and Care Excellence, 18. Februar 2026.
