
Ein auffälliger Geruchstest kann ein höheres Demenzrisiko anzeigen, stellt aber keine Diagnose. In einer landesweit angelegten US-Kohorte hatten ältere Menschen mit gestörter Duftidentifikation mehr als doppelt so hohe Odds, innerhalb von fünf Jahren eine Demenzdiagnose zu erhalten; der Test allein fing dennoch nur knapp die Hälfte der späteren Fälle ein. Leitlinien zur Demenzabklärung setzen weiter auf Gespräch, validierte Denktests, Labor und Bildgebung, nicht auf das Riechen als Reihenuntersuchung.
Der Geruchssinn sitzt anatomisch nah an Hirnarealen, die Alzheimer-Typ-Veränderungen früh treffen. Wer Düfte schlechter benennt als Altersgenossen, verdient deshalb ärztliche Aufmerksamkeit, besonders wenn Gedächtnis, Orientierung oder der Alltag nachlassen. Viele Riechstörungen entstehen jedoch durch Infekte, Nase und Nebenhöhlen, Medikamente oder die Pandemie-Jahre mit COVID-19. Hausarzt oder HNO-Praxis sind der richtige nächste Schritt, sobald der Verlust anhält oder Denkprobleme dazukommen.
Kann ein Geruchstest Demenz wirklich aufspüren?
Nein, er ersetzt weder die Diagnose noch ein Screening der ganzen Bevölkerung. Er kann Menschen markieren, bei denen das Risiko einer späteren Demenz höher liegt als bei gleichaltrigen mit unauffälligem Riechen. Adams und Kollegen prüften das im National Social Life, Health, and Aging Project: 2906 zu Hause lebende Frauen und Männer im Alter von 57 bis 85 Jahren identifizierten fünf Alltagsdüfte mit einem validierten Stift-Test (Sniffin’ Sticks). Fünf Jahre später berichteten sie selbst oder eine Vertrauensperson, ob ein Arzt Demenz festgestellt hatte.
Wer zu Beginn höchstens drei der fünf Düfte richtig benannte, galt als riechstörung. Nach Anpassung an Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung, Begleiterkrankungen und die kognitive Ausgangslage lag das Odds-Verhältnis für eine neue Demenzdiagnose bei 2,13 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,32–3,43). Je mehr Identifikationsfehler, desto höher die Wahrscheinlichkeit im Beobachtungszeitraum. 78 Prozent der Teilnehmenden erkannten vier oder fünf Düfte, 22 Prozent drei oder weniger. Nach fünf Jahren lag die Rate neuer Demenzdiagnosen bei 4,1 Prozent; die Sensitivität der Riechstörung für diese Diagnose betrug 47 Prozent.
Das bedeutet konkret: Etwa jede zweite Person, die später eine Demenzdiagnose erhielt, hatte fünf Jahre zuvor schon schlecht gerochen. Umgekehrt blieb die große Mehrheit der Menschen mit Riechstörung ohne Demenzdiagnose, weil die Erkrankung in dieser Zeitspanne insgesamt selten war. Die Diagnose stützte sich auf Arztangaben, nicht auf eine einheitliche Gedächtnisambulanz. Der Fünf-Punkte-Test eignet sich damit als Hinweis im Gespräch, nicht als Ja-nein-Entscheidung über Demenz.
Eine spätere Gemeindekohorte aus der Health-Aging-and-Body-Composition-Studie ergänzt das Bild. Motter und Kollegen maßen bei 2240 älteren Erwachsenen den Brief Smell Identification Test mit zwölf Düften und einen globalen Denktest. Eine gestörte Duftidentifikation war unabhängig mit dem Übergang in eine Demenz verknüpft (Hazard Ratio 2,29; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,79–2,94). Wer beide Tests unauffällig abschloss, ging über vier Jahre nur selten in eine Demenz über: der positive Vorhersagewert für „kein Übergang“ lag bei 0,98 in der Gruppe 70–75 Jahre und bei 0,94 mit 76–82 Jahren. Intaktes Riechen plus unauffällige Kognition spricht also eher gegen einen baldigen Übergang als ein schlechter Riechwert allein für eine sichere Erkrankung.

Warum der Geruchssinn so früh mit dem Gehirn verknüpft ist
Riechsinneszellen in der oberen Nasenschleimhaut senden Signale direkt in den Riechkolben und von dort in limbische und temporale Netzwerke. Diese Bahn umgeht den Thalamus, der andere Sinne filtert. Pathologische Eiweiße der Alzheimer-Krankheit, Amyloid und Tau, lagern sich in Riechkolben und Riechrinde oft früh ab; Metaanalysen 2025 führen die Identifikationsschwäche genau auf diese frühen Veränderungen zurück. Identifizieren und Unterscheiden von Düften verlangen zusätzlich Benennung und Vergleich, also Gedächtnis und Sprache. Deshalb trifft ein Identifikationstest die Denkleistung stärker als die reine Riechschwelle.
NIDCD und Fachgesellschaften beschreiben den Geruchsverlust als mögliches Frühzeichen von Parkinson-Krankheit, Alzheimer-Krankheit oder Multipler Sklerose. Die American Academy of Family Physicians nennt für die idiopathische Parkinson-Krankheit Riechstörungen bei mehr als 95 Prozent der Betroffenen; motorische Zeichen können vier bis sechs Jahre später folgen. Bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und Alzheimer-Demenz fällt die objektive Messung oft deutlicher aus als die Selbstauskunft. Viele Betroffene merken den Verlust erst, wenn das Essen fade schmeckt.
Alter allein senkt das Riechvermögen. Das Merck Manual (Vollrevision März 2025) hält fest, dass Veränderungen oft um das 60. Lebensjahr auffallen und nach 70 Jahren deutlich zunehmen. Ein schlechter Testwert im hohen Alter ist deshalb kein Beweis für Neurodegeneration. Er wird dann verdächtig, wenn er sich rasch verschlechtert, keine nasale Erklärung hat und zusammen mit Denk- oder Alltagsproblemen auftritt. Der Riechnerv ist der einzige Hirnnerv, der der Außenluft offenliegt; Infekte, Schadstoffe und Entzündungen können ihn treffen, ohne dass das Gehirn insgesamt erkrankt ist.
Wie gängige Riechtests ablaufen und was sie messen
Objektive Tests prüfen, ob jemand einen Duft überhaupt wahrnimmt, zwei Düfte unterscheidet oder einen Duft aus Vorgabelisten benennt. Für die Demenzforschung zählt vor allem die Identifikation, weil sie Hippocampus und assoziative Rindenfelder mitbeansprucht. In der Praxis der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde stehen daneben Schwellen- und Diskriminationstests, die eher die periphere Riechschleimhaut abbilden. Ein Arztbesuch beginnt meist mit der Frage nach Erkältung, Allergie, Trauma, Medikamenten und Rauchen, plus Blick in die Nase; der standardisierte Dufttest kommt dazu, wenn die Ursache unklar bleibt oder die Lebensqualität leidet.
Die gängigen Verfahren unterscheiden sich in Länge und Einsatzort. Adams nutzte fünf Sniffin’-Sticks mit Mehrfachwahl, Motter den zwölfteiligen Brief Smell Identification Test. Metaanalysen schließen zusätzlich den University of Pennsylvania Smell Identification Test mit 40 Düften und Taschen-Kurztests ein. NIDCD beschreibt zudem Kratz-und-riech-Heftchen sowie Verdünnungsreihen für die Schwelle. Keiner dieser Tests ist ein Demenztest; sie messen Riechen, und die klinische Bedeutung ergibt sich erst im Zusammenhang.
| Verfahren | Typische Länge | Was gemessen wird | Studienhinweis |
|---|---|---|---|
| Sniffin’-Sticks-Kurzidentifikation | 5 Düfte | Alltagsdüfte benennen | Adams 2018: 0–3 richtig = Riechstörung |
| Brief Smell Identification Test | 12 Düfte | Identifikation | Motter 2023: ≥9/12 plus gute Kognition = selten Übergang in 4 Jahren |
| UPSIT | 40 Düfte | Identifikation | Häufig in diagnostischen Studien zu Alzheimer und MCI |
| Schwelle und Diskrimination | variabel | Wahrnehmung und Unterscheidung | Typisch in der HNO, weniger spezifisch für Demenz |
Kultur und Sprache beeinflussen die Identifikation. Ein Duft, der in einer Region selten vorkommt, wird häufiger falsch benannt, obwohl die Nase ihn wahrnimmt. Deshalb sind normierte Sets und altersbezogene Vergleichswerte nötig. Selbsttests mit Gewürzen aus der Küche können einen groben Verdacht wecken, ersetzen aber weder Kalibrierung noch Dokumentation. Die American Academy of Family Physicians rät bei hartnäckigen Beschwerden oder bei Begleiterkrankungen wie Depression, Schlafstörung, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust oder bekannter Demenz eher zur objektiven Messung als zum Abwarten nach Gefühl.
Was Metaanalysen 2024 und 2025 zur Treffsicherheit sagen
Gegenüber 2018 ist die Datenlage dichter, ohne dass daraus ein bevölkerungsweites Screening entstanden wäre. Liu, Cao und Wei werteten bis Februar 2024 fünfundzwanzig Studien mit 13 611 Teilnehmenden aus. Für die Alzheimer-Krankheit lagen die gepoolte Sensitivität bei 0,79 und die Spezifität bei 0,78, die Fläche unter der Kurve bei 0,85. Für die leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) lagen Sensitivität bei 0,67, Spezifität bei 0,79 und AUC bei 0,81. Die Autorinnen und Autoren stufen das als mittlere bis gute diagnostische Leistung eines einfachen, nicht invasiven Verfahrens ein, betonen aber die hohe Zahl von Fall-Kontroll-Studien und unterschiedliche Schwellenwerte.
Jobin und Kollegen schauten 2025 noch eine Stufe früher. In elf Studien mit 660 Personen mit subjektivem kognitivem Abbau und 574 kognitiv unauffälligen Kontrollen lagen die Identifikationswerte in der subjektiven Gruppe niedriger (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,67; 95-Prozent-Konfidenzintervall −1,31 bis −0,03). Die Regressionsanalyse zeigte, dass dieser Riechunterschied auch dann bestand, wenn die kognitiven Kurztests sich kaum unterschieden. Identifikationsschwäche kann also vor messbaren Gedächtnislücken auftreten. Die Heterogenität war groß; die Autoren raten zu Kombinationen mit Biomarkern statt zu einem einzelnen Duftwert.
Frühere Metaanalysen zu MCI fanden stärkere Defizite bei Identifikation und Diskrimination als bei der Schwelle, besonders beim amnestischen MCI-Typ. Das passt zur Anatomie: Schwelle hängt stärker an der Schleimhaut, Benennung stärker am Gehirn. Für Leserinnen und Leser heißt das: Ein Test, der nur fragt „riechen Sie etwas?“, kann eine beginnende Alzheimer-Pathologie verpassen, während ein Benennungstest sie eher anzeigt. Gleichzeitig bleibt jeder Schwellenwert populationsabhängig. Eine AUC von 0,85 bedeutet, dass der Test in Studiengruppen Alzheimer-Kranke und Kontrollen oft trennt, nicht dass er in der Hausarztpraxis Demenz beweist.
Warum Leitlinien den Test nicht als Reihenuntersuchung führen
NICE NG97 zur Demenzdiagnostik (2018, weiter die britische Referenz) nennt bei Verdacht Gespräch, Ausschluss behandelbarer Ursachen per Blut und Urin sowie validierte Kurzinstrumente. Beispiele sind der 6-Item-Screener, Memory Impairment Screen, Mini-Cog oder Test Your Memory. Ein normaler Kurztest schließt Demenz nicht aus. Besteht der Verdacht weiter, folgt die Überweisung in eine spezialisierte Diagnostik, oft Gedächtnisambulanz, plus strukturelle Bildgebung zur Subtypklärung. Riechtests kommen in diesen Empfehlungen nicht vor.
Die US-amerikanische Alzheimer’s Association hat 2024 eine neue Leitlinie zur diagnostischen Evaluation bei Verdacht auf Alzheimer und verwandte Erkrankungen vorgelegt. Der Kern bleibt eine strukturierte Erhebung von Alltag, Risiken, Denkvermögen, Labor und Bildgebung; neue Blut- und Liquormarker sowie PET können in ausgewählten Fällen dazukommen. Ein Geruchstest gehört nicht zum empfohlenen Standardpaket. Die zehn Frühzeichen der Association (Stand der Patienteninformation) listen Gedächtnis, Planung, vertraute Aufgaben, Zeit und Ort, visuell-räumliche Orientierung, Sprache, Verlegen, Urteil, sozialen Rückzug und Wesensänderung. Riechen fehlt dort bewusst, weil es zu unspezifisch ist.
NIA beschreibt Demenz als Verlust von Denken, Erinnern und Urteilen, der den Alltag stört, und betont, dass sie kein normales Altern ist. Diagnostik beginnt beim Hausarzt und kann Neurologie, Geriatrie oder Neuropsychologe einbeziehen. Bluttests auf Beta-Amyloid sind in den USA in begrenztem Umfang verfügbar, ersetzen aber allein keine Diagnose. Seit 2018 hat sich die biologische Diagnostik beschleunigt, während der Riechtest in der Forschung blieb. Wer nur den Dufttest „besteht“ oder „durchfällt“, hat damit weder Alzheimer ausgeschlossen noch bestätigt.
Welche anderen Ursachen Riechverlust haben kann
Die häufigsten Gründe sitzen in Nase und Nebenhöhlen, nicht im Schläfenlappen. Mayo Clinic nennt verstopfte Nase bei Erkältung, Polypen, Schwellung und das Altern ab etwa 60 Jahren als alltägliche Ursachen. Nach Infekt, Allergie oder Sinusitis kehrt das Riechen oft in Tagen oder Wochen zurück. Bleibt es aus, soll ein Termin ernsthafte Ursachen ausschließen. Weitere genannte Schädigungen der Riechbahn oder des Gehirns umfassen Schädel-Hirn-Trauma, Diabetes, Unterfunktion der Schilddrüse, Mangel an Vitamin B1 oder B12, bestimmte Blutdruckmittel, Antibiotika, Antihistaminika und abschwellende Nasensprays, Lösungsmittel, Bestrahlung und Nasenoperationen.
Laut AAFP berichten etwa 23 Prozent der Menschen ab 40 Jahren und 39 Prozent ab 80 Jahren über Riechstörungen. COVID-19 hat die Landschaft nach 2020 verändert: Riech- oder Geschmacksstörung tritt bei 40 bis 50 Prozent der diagnostizierten Infektionen auf, oft ohne Schnupfen, und erholt sich bei den meisten innerhalb von Tagen bis drei Monaten. Postviraler Verlust ist damit eine der häufigsten Erklärungen, die 2018 in der Alltagsmedizin noch kaum vorkam. Rauchen dämpft das Riechen; nach dem Aufhören braucht die Erholung in Beobachtungen bis zu 15 Jahre, bis Werte von Nie-Rauchenden erreicht werden.
Merck zählt bei älteren Erwachsenen die Alzheimer-Krankheit zu den häufigen Ursachen dauerhaften Riechverlusts, bei jüngeren eher Schädeltrauma und Virusinfekte. Grippe allein kann bis zu einem Viertel der Hyposmie- oder Anosmiefälle erklären. Tumoren der Riechregion sind selten, gehören aber in die Differenzialdiagnose, wenn kein Infekt, keine Allergie und kein Trauma passen. Medikamente sollen laut AAFP etwa 12 Prozent der Riechstörungen mitverursachen; Geschmacksstörungen noch häufiger, weil Mundtrockenheit die Geschmackstoffe nicht an die Knospen bringt. Viele Menschen, die „nichts mehr schmecken“, haben vor allem den retronasalen Geruch verloren.
Wann zum Arzt bei nachlassendem Geruchssinn
Nach Erkältung, Allergie oder Sinusitis darf man einige Wochen zuwarten, wenn sich das Riechen schrittweise bessert und keine Warnzeichen dazukommen. Mayo Clinic rät zum Arzttermin, sobald dieser Verlauf ausbleibt, um ernstere Ursachen zu prüfen. NICE NG127 (2019) empfiehlt, bei unerklärtem Verlust von Geruch oder Geschmack länger als drei Monate eine Bildgebung zu erwägen. Eine routinemäßige neurologische Überweisung nach unauffälliger Bildgebung oder unmittelbar nach Schädeltrauma ohne weitere Ausfälle sieht NICE nicht vor. Plötzliche Verzerrung (Parosmie) ist selten strukturell und klingt oft in Monaten ab; wiederholte Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen sollen dagegen neurologisch auf Epilepsie geprüft werden.
Sofortige Abklärung gilt bei frischem Schädeltrauma mit Riechverlust plus Schwäche, Gleichgewichtsstörung, Seh-, Sprech- oder Schluckstörung. Merck listet diese Befunde als Warnzeichen, ebenso einen plötzlichen Beginn und eine mögliche COVID-19-Infektion. Parallel zählt jedes neue Problem mit Kurzzeitgedächtnis, Orientierung, Sprache oder Alltag. Die Alzheimer’s Association rät, eines oder mehrere ihrer zehn Zeichen nicht zu ignorieren und einen Termin zu vereinbaren. NIA erinnert, dass behandelbare Ursachen wie Schilddrüsenstörung, Vitaminmangel, Medikamenteneffekt oder Depression Demenz vortäuschen können.
| Situation | Typischer Zeitrahmen | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Riechverlust nach Erkältung, Allergie oder Sinusitis | Tage bis wenige Wochen | Beobachten; bleibt er, Praxis aufsuchen |
| Unerklärter Riech- oder Geschmacksverlust | länger als 3 Monate | Bildgebung erwägen (NICE NG127) |
| Riechverlust plus Gedächtnis- oder Alltagseinbußen | sobald bemerkt | Hausarzt, validierte Denktests (NICE NG97) |
| Neurologische Ausfälle oder frisches Schädeltrauma | sofort | Ärztliche Notfall- oder Dringlichkeitsabklärung |
Rauchmelder und, wo Gas genutzt wird, Gaswarner gehören in jeden Haushalt mit Anosmie. NIDCD und AAFP weisen darauf hin, dass ein nationaler US-Datensatz bei Menschen ab 70 Jahren ohne bekannte Störung in 20,3 Prozent den Rauchduft und in 31,3 Prozent Erdgas falsch zuordnete. Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln schriftlich markieren, statt der Nase zu vertrauen, senkt das Risiko verdorbener Speisen. Das sind Sicherheitsfragen, unabhängig davon, ob später eine Demenz diagnostiziert wird.
Was nach einem auffälligen Ergebnis sinnvoll ist
Zuerst die Nase klären, dann das Gehirn. Ein HNO-Arzt prüft Schleimhaut, Polypen und chronische Rhinosinusitis; bei Bedarf folgen Nasenendoskopie und CT der Nebenhöhlen. AAFP hält MRT des Kopfes mit Kontrastmittel für angezeigt bei Trauma, auffälligem neurologischem Befund oder Tumorverdacht. Behandelbare Ursachen (Allergie, Polyp, Infekt, Medikament) haben Vorrang, weil sich das Riechen dort oft bessert. Nach erfolgreicher Sinusoperation bei Polypen kann das Riechen wiederkehren, muss es aber nicht.
Besteht der Verdacht auf eine neurodegenerative Erkrankung, folgt die Demenzabklärung nach Leitlinie, nicht ein zweiter Dufttest. NICE NG97 verlangt den Ausschluss reversibler Ursachen, validierte kognitive Instrumente und bei anhaltendem Verdacht die spezialisierte Diagnostik. NIA nennt zusätzlich psychiatrische Einschätzung bei Stimmungs- oder Verhaltensänderung und, wo verfügbar, Liquor- oder Blutmarker als Ergänzung, nicht als Alleinbeweis. Ein Geruchstest kann die Dringlichkeit der Überweisung erhöhen, ersetzt keines dieser Schritte.
Für Menschen ohne Alltagsstörung und mit nur leichtem Riechdefizit reicht oft Verlaufskontrolle plus Risikoreduktion. WHO nennt Bewegung, Nichtrauchen, maßvollen Alkoholkonsum, ausgewogene Ernährung, soziale und geistige Aktivität, Gewicht, Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Hörgeräte bei Bedarf und weniger Luftverschmutzung. Das senkt das Lebenszeitrisiko für Demenz, heilt aber weder Riechverlust noch Alzheimer-Krankheit. Medikamente, die bei ausgewählten frühen Alzheimer-Fällen den Denkabbau verlangsamen können, setzen eine fachärztliche Diagnose voraus; der Duftstift in der Praxis ist dafür kein Zulassungskriterium.
Was zu Hause hilft und wo Selbsttests scheitern
Küchendüfte (Kaffee, Zitrone, Seife) eignen sich als grober Alltagshinweis, nicht als Diagnose. Fehlt der Geruch beidseits und über Wochen, ist das ein Grund für den Termin, kein Grund für Internet-Punktesysteme. AAFP beschreibt Riechtraining als selbst durchgeführte, achtsame Exposition, die vor allem nach viralem Verlust in systematischen Übersichten objektiv messbare Besserung zeigen kann. Nach Trauma fällt die Erholungsrate niedriger aus, in einer Metaanalyse etwa 36 Prozent klinisch bedeutsame Verbesserung. Das Training behandelt das Riechen, nicht die Demenz.
Nasalsteroid-Sprays können bei entzündlicher Nasenschleimhaut die Duftmoleküle besser an das Epithel lassen; der Nutzen nach COVID-19 ist laut Cochrane-Bewertung, die AAFP zitiert, sehr begrenzt. Orale Kortikosteroide bleiben kurzen, schweren Schüben vorbehalten. Zinkpräparate zeigten in Übersichten keinen zuverlässigen Nutzen. Wer abschwellende Nasensprays dauerhaft nutzt, kann die Schleimhaut schädigen; MedlinePlus und Mayo raten, solche Mittel nicht endlos zu verwenden. Rauchstopp lohnt sich für Herz, Lunge und langfristig auch für das Riechen, auch wenn die Erholung Jahre dauern kann.
Sicherheitsregeln bleiben die wirksamste Hausmaßnahme. Funktionierende Rauch- und Gaswarnmelder, beschriftete Lebensmittel, Vorsicht mit Chemikalien am Arbeitsplatz. Wer das Essen nicht mehr riecht, verliert oft Appetit oder salzt nach; beides kann Gewicht und Blutdruck belasten. NIDCD nennt Depression als mögliche Folge schweren Riechverlusts. Angehörige können Hygiene- und Küchenrisiken mitbeobachten, ohne den Betroffenen zu beschämen. Der nächste sinnvolle Schritt bleibt das Gespräch in der Hausarztpraxis, nicht ein gekaufter Dufttest ohne Einordnung.
Häufige Fragen
Kann ein Geruchstest Demenz feststellen?
Nein, er stellt keine Demenz fest und schließt sie nicht aus. Er kann ein erhöhtes Risiko anzeigen, besonders wenn Duftidentifikation und ein kognitiver Kurztest gemeinsam betrachtet werden. Die Diagnose braucht Anamnese, Ausschluss behandelbarer Ursachen und in der Regel spezialisierte Untersuchung.
Soll ich den Test zu Hause selbst machen?
Als grober Hinweis ja, als Entscheidung nein. Küchendüfte ohne Normwerte führen leicht in die Irre, weil Kultur, Schnupfen und Übung das Ergebnis verschieben. Bei anhaltendem Verlust oder zusätzlichen Denkproblemen gehört die Messung in die Praxis.
Wann muss ich wegen Riechverlust zum Arzt?
Wenn der Verlust nach Infekt oder Allergie nicht in Wochen zurückkehrt, oder wenn er unerklärt länger als drei Monate besteht. Sofort, wenn neurologische Ausfälle oder ein frisches Schädeltrauma dazukommen. Zusätzliche Gedächtnis- oder Alltagsprobleme gehören zeitnah zum Hausarzt.
Bedeutet schlechter Geruchssinn automatisch Alzheimer?
Nein. Infekte, Nase, Medikamente, Trauma, Parkinson-Krankheit und normales Altern erklären einen großen Teil. Alzheimer-Krankheit ist bei älteren Menschen eine wichtige, aber nicht die einzige Ursache. Objektive Tests fallen oft schlechter aus als das eigene Gefühl.
Hilft Riechtraining gegen Demenz?
Belege gibt es für eine mögliche Besserung des Riechens, vor allem nach viralem Verlust, nicht für eine Verhinderung von Demenz. Das Training ersetzt weder Diagnostik noch die von WHO genannten Maßnahmen zur Risikosenkung. Wer hofft, Alzheimer „wegzutrainieren“, folgt keiner Leitlinie.
Was ändert sich, wenn der Test unauffällig ist?
Ein guter Identifikationswert plus unauffälliger Denktest sprach in der Health-ABC-Kohorte gegen einen Übergang in Demenz innerhalb weniger Jahre. Neue Alltagsprobleme sollen trotzdem abgeklärt werden. NICE warnt ausdrücklich davor, Demenz nur wegen eines normalen Kurztests zu verwerfen.
Fazit
Wer Alltagsdüfte plötzlich oder fortschreitend schlechter benennt, sollte das ernst nehmen, ohne Demenz daraus zu folgern. Der Fünf-Punkte-Test aus der NSHAP-Kohorte und spätere Metaanalysen zeigen eine belastbare Risikoverknüpfung, aber eine zu geringe Treffsicherheit für Reihenuntersuchungen. Nase, Infekt und die Jahre nach COVID-19 bleiben die häufigeren Erklärungen.
Der sinnvolle Weg ist kurz: persistierenden Verlust in der Praxis ansprechen, behandelbare Ursachen klären, bei Alltags- oder Gedächtnisänderung die Demenzabklärung nach NICE und NIA anstoßen. Bildgebung nach drei Monaten unerklärten Verlusts erwägen, Warnzeichen nicht nach hinten schieben.
Für den Alltag zählen Rauchmelder, beschriftete Lebensmittel und die bekannten Hebel gegen Demenzrisiko. Ein Duftstift in der Schublade ersetzt keines davon.
Quellen
- World Health Organization: Dementia fact sheet. World Health Organization, Stand: 2025.
- Adams DR, Kern DW, Wroblewski KE et al.: Olfactory Dysfunction Predicts Subsequent Dementia in Older U.S. Adults. Journal of the American Geriatrics Society, Januar 2018.
- Liu Y, Cao Y, Wei H: Diagnostic value of olfactory function testing for Alzheimer’s disease and mild cognitive impairment: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Aging Neuroscience, 15. Mai 2025.
- Jobin B, Frasnelli J, Boller B et al.: Lower odor identification in subjective cognitive decline: a meta-analysis. Alzheimer’s & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring, 17. August 2025.
- Motter JN, Choi J, Lee S et al.: Association of Performance on Olfactory and Cognitive Screening Tests With Conversion to Dementia in a Biracial Cohort of Older Adults. Neurology, 5. September 2023.
- National Institute for Health and Care Excellence: Dementia: assessment, management and support for people living with dementia and their carers. National Institute for Health and Care Excellence, 20. Juni 2018.
- National Institute for Health and Care Excellence: Suspected neurological conditions: recognition and referral. National Institute for Health and Care Excellence, 29. Mai 2019.
- Mayo Clinic Staff: Loss of smell (anosmia). Mayo Clinic, 24. Dezember 2025.
- Savard DJ, Ursua FG, Gaddey HL: Smell and Taste Disorders in Primary Care. American Family Physician, September 2023.
- National Institute on Aging: What Is Dementia? Symptoms, Types, and Diagnosis. National Institute on Aging, 8. Dezember 2022.
