
Morphea, auch lokalisierte Sklerodermie genannt, ist eine seltene entzündliche Bindegewebskrankheit, die umschriebene Hautfelder verhärtet und verfärbt, ohne in eine systemische Sklerose überzugehen. Die deutsche S2k-Leitlinie von 2024 und die europäische Konsenserklärung desselben Jahres halten fest, dass Herz, Lunge, Niere oder Darm nicht fibrotisch befallen werden und ein Übergang in die systemische Form nicht eintritt.
Die Inzidenz liegt laut S2k-Update bei etwa 27 neuen Fällen pro einer Million Einwohner; der europäische Konsens nennt für Erwachsene 0,4 bis 2,7 und für Kinder 0,3 bis 3 pro 100.000. Frauen erkranken 2,6- bis 6-mal häufiger als Männer. Zwei Altersgipfel sind gut belegt, nämlich das Kindesalter zwischen etwa 2 und 14 Jahren und das fünfte Lebensjahrzehnt, von der Mayo Clinic (Stand 18. September 2024) als Mitte 40 beschrieben. Viele Plaques am Stamm bleiben oberflächlich und werden nach Jahren weicher. Lineare Bänder über Gelenken oder im Gesicht können dagegen Wachstum, Beweglichkeit und das Auge gefährden. Wer neue, sich verfestigende rote Flecken bemerkt, sollte früh zur Hautärztin oder zum Hautarzt, weil nur die aktive Phase medikamentös noch gut steuerbar ist.
Was Morphea von der systemischen Sklerose trennt
Morphea bleibt auf Haut und unmittelbar darunter liegendes Gewebe beschränkt und wird nicht zur systemischen Sklerose. Das National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases (Stand September 2023) trennt beide Formen klar. Die lokalisierte Variante trifft Haut und Strukturen direkt unter der Haut, die systemische kann Gefäße und innere Organe schädigen.
Verwechslung entsteht, weil beide Namen das Wort Sklerodermie tragen und beide zu viel Kollagen bilden. Die Abgrenzung gelingt klinisch. DermNet listet, was bei Morphea fehlt. Dazu zählen Sklerodaktylie der Finger, spezifische Autoantikörper wie Anti-Zentromer oder Anti-Scl-70, pathologische Nagelfalzkapillaren und Fibrose von Lunge, Herz, Niere oder Magen-Darm-Trakt. Raynaud-Phänomen, maskenhaftes Gesicht, digitale Ulzera oder Schluckstörung lenken den Blick auf die systemische Krankheit, nicht auf eine „ausgebreitete Morphea“. Papara und Kollegen (Frontiers in Medicine, 2023) betonen ausdrücklich, dass Morphea nicht in systemische Sklerose übergeht.
Trotzdem können schwere lineare oder generalisierte Verläufe Gelenke, Muskeln, Knochen und selten das zentrale Nervensystem mitbetreffen. StatPearls (Aktualisierung 7. August 2023) zitiert Kohorten, in denen etwa 22 Prozent extrakutane Zeichen zeigten. DermNet spricht bei schweren Typen von bis zu 30 Prozent unspezifischer Entzündung, darunter Müdigkeit, Gelenkschmerz, gelegentlich Uveitis. Das ist eine systemische Entzündungsneigung, nicht die Organfibrose der systemischen Sklerose. Für Patientinnen ändert das die Lage. Die Lebenserwartung bleibt bei der lokalisierten Form gut, bleibende Funktionseinbußen sind trotzdem möglich, wenn tiefe Herde unbehandelt wachsen.

Ursachen, Trigger und wer erkrankt
Die genaue Ursache ist unbekannt; wahrscheinlich treffen genetische Empfänglichkeit, eine fehlgeleitete Immunantwort und äußere Reize zusammen. StatPearls nennt die stärksten HLA-Assoziationen DRB104:04 und HLA-B37, also andere Allele als bei systemischer Sklerose.
In der Haut wechseln drei Phasen. Zuerst folgt Entzündung um Gefäße mit T-Zellen, Plasmazellen und manchmal Eosinophilen, dann überschießende Kollagenbildung durch aktivierte Fibroblasten, später Atrophie mit Verlust von Haaren und Schweißdrüsen. Interleukin-4 und TGF-β gelten als wichtige profibrotische Signale. Bis zu etwa 40 Prozent der schwer Betroffenen haben laut DermNet selbst oder in der Familie eine Autoimmun- oder rheumatische Krankheit, etwa Schilddrüsenerkrankung, Vitiligo oder rheumatoide Arthritis. Papara beziffert familiäre Bindegewebs- oder Autoimmunleiden auf 22 Prozent der Kinder und 11 Prozent der Erwachsenen mit Morphea.
Äußere Auslöser ersetzen die Immunstörung nicht, können sie aber am Ort der Läsion oder entfernt anstoßen. Beschrieben sind Schnitt, Operation, wiederholte Reibung unter Gürtel oder BH, Injektionen einschließlich Bleomycin, Impfungen, Strahlentherapie und, umstritten, Zeckenstiche. Die Rolle von Borrelia burgdorferi bleibt kontrovers. Sowohl der JEADV-Konsens 2024 als auch die Frontiers-Übersicht raten vom routinemäßigen Borrelien-Screening ab; getestet wird nur bei klarer klinischer Lyme-Verdachtslage. Die Erkrankung ist nicht ansteckend. Ein Einzelfall nach COVID-19-Infektion oder Impfung taucht in Fallberichten auf, bestätigt aber keine Kausalität.
Symptome und die drei Krankheitsphasen
Frühe Herde sind oft oval, rötlich oder violett und sitzen am Bauch, an der Brust oder am Rücken; später wird die Mitte hell, fest und glänzend. Die Mayo Clinic beschreibt genau dieses Muster und ergänzt lineare Streifen an Arm, Bein, Stirn oder Kopfhaut.
Aktive Plaques tragen häufig einen fliederfarbenen Rand, den Kliniker lilac ring nennen. In der sklerotischen Phase fühlt sich die Haut wie Wachs oder Elfenbein an, lässt sich schlecht falten und kann jucken oder brennen, obwohl viele Betroffene wenig Schmerz angeben. In der späten Phase sinkt das Feld ein, die Farbe wird braun oder weiß, Haare und Schweißdrüsen fehlen. Tiefe Mitbeteiligung zeigt sich als pflastersteinartige Haut, als Rinne entlang von Venen (groove sign) oder als um den Knochen geschrumpfter Umfang eines Beins.
- Oval-rötliche Flecken am Stamm können die erste, noch weiche Entzündungsphase markieren.
- Ein helles, glänzendes Zentrum mit festem Tastbefund spricht für fortschreitende Sklerose im Feld.
- Lineare Bänder über einem Gelenk drohen Kontrakturen, wenn die Entzündung in die Tiefe geht.
- Ein eingesunkener Streifen an der Stirn gehört zum En-coup-de-sabre und braucht Augen- und Neuro-Check.
Kopfnahe Herde können Kopfschmerz, Zahnfehlstellung, Kieferklemme oder Haarverlust im Streifen hinterlassen. Brustwandumfassende pansklerotische Verläufe können die Atemexkursion einengen. Solche Zeichen sind selten, ändern aber die Dringlichkeit. Hier zählen Tage bis Wochen, nicht das Abwarten auf spontanes Verblassen.
Welche Arten es gibt
Die S2k-Leitlinie 2024 ordnet Morphea in vier Hauptformen, nämlich begrenzt, generalisiert, linear und gemischt, plus Untertypen. Ältere Schemata von Laxer und Zulian sprachen von zirkumskript, linear, generalisiert, pansklerotisch und gemischt; die deutsche Einteilung koppelt die Gruppe direkt an die Therapieempfehlung.
Der begrenzte Plaque-Typ ist bei Erwachsenen die häufigste Form. Ein oder zwei ovale Felder, oft unter der Brust oder in der Leisten-Hüft-Region, bleiben meist dermal. Sonderformen sind die kleinfleckige guttate Morphea und die Atrophodermia Pasini-Pierini ohne derben Rand. Die tiefe Morphea (Morphea profunda) gilt als selten, unter einem Prozent, und beginnt im Fett, in der Faszie oder im Muskel, manchmal ohne vorausgehende Rötung.
Generalisiert bedeutet in der S2k-Fassung mindestens drei anatomische Regionen, häufig Stamm, Oberschenkel und Lendenkreuz. Plaques können zusammenfließen. Die pansklerotische Variante umgreift den Rumpf fast zirkulär, spart Finger, Zehen und oft die Brustwarzenhofhaut und schreitet rasch voran; sie braucht aggressive Systemtherapie. Die eosinophile Fasziitis wird von den Leitlinienautoren als Sonderform mit Faszienschwerpunkt geführt, oft mit peau d’orange und guter Steroidantwort.
Linear ist im Kindesalter die führende Form, in pädiatrischen Serien 40 bis 65 Prozent. Ein Band folgt oft den Blaschko-Linien, einseitig an Arm oder Bein, oder zieht als En-coup-de-sabre über Stirn und Scheitel. Das Parry-Romberg-Syndrom (progressive hemifaziale Atrophie) betrifft Fett, Muskel und Knochen einer Gesichtshälfte, manchmal zusammen mit dem Säbelhieb-Typ. Gemischte Bilder, etwa lineares Bein plus Stammplaque, kommen bei Kindern in rund 15 Prozent vor. Schweregrade hängen weniger vom Namen ab als von Tiefe, Gelenküberschreitung und Alter bei Beginn.
Diagnose, Blutwerte und Bildgebung
Die Diagnose stellt die Klinik anhand typischer Plaques oder Bänder, des Tastbefunds und des Verlaufs. Eine Stanzbiopsie, tief genug bis ins Fett, sichert unklare Fälle und schließt Nachahmer aus, beweist aber nicht den Subtyp und trennt Morphea nicht sicher von systemischer Sklerose im Schnitt.
Histologisch sieht die frühe Läsion perivaskuläre Lymphozyten und Plasmazellen, die späte hyalinisierte Kollagenbündel, eingemauerte Schweißdrüsen und ein „ausgestanztes“ Biopsiepräparat. Blutwerte ersetzen die Hautuntersuchung nicht. Vor einer Systemtherapie fordert der europäische Konsens Blutbild, Chemie und antinukleäre Antikörper. Antikörper gegen extrahierbare Kernantigene dienen nur der Abgrenzung zur systemischen Sklerose, wenn das klinisch relevant ist. ANA sind je nach Kohorte bei etwa 30 Prozent (Fall-Kontroll-Arbeit in StatPearls) bis zu 70 Prozent (Frontiers-Übersicht) positiv; spezifische SSc-Antikörper bleiben typischerweise negativ. Entzündungszeichen, Eosinophilie oder erhöhte Kreatinkinase können tiefe oder muskuläre Aktivität begleiten, fehlen aber oft.
Bildgebung kommt gezielt. MRT des Schädels mit Kontrast empfiehlt die Frontiers-Übersicht bei jedem Gesichts- oder Kopfbefall, weil bis zur Hälfte der Patientinnen ohne neurologische Beschwerden dennoch Veränderungen zeigen können. MRT einer Extremität klärt Faszie, Muskel und Gelenk vor Systemtherapie oder plastischer Planung. Hochfrequenzultraschall und Infrarotthermografie helfen in Zentren, Aktivität zu verfolgen. Der Localized Scleroderma Cutaneous Assessment Tool (LoSCAT) trennt Aktivitäts- von Folgeschäden und steuert, ob noch immunsupprimiert oder nur nachgesorgt wird. Eine verzögerte Diagnose von Monaten bis Jahren ist in pädiatrischen Serien häufig und teuer, denn was einmal atroph und kontrakt ist, lässt sich medikamentös kaum zurückdrehen.
Wann zum Arzt
Neue rötliche, sich verfestigende oder verdickende Flecken gehören in die Hautarztpraxis, nicht in wochenlanges Abwarten mit Hausmitteln. Die Mayo Clinic schreibt, frühe Behandlung könne neue Herde bremsen und Komplikationen sichtbar machen, bevor sie bleibend werden.
Bei Kindern senkt die Cleveland Clinic (Stand 21. August 2023) die Schwelle weiter. Wachsende Plaques, Schmerz oder eingeschränkte Bewegung sollen rasch vorgestellt werden. Ein lineares Band, das ein Gelenk überquert, ein Streifen im Gesicht oder an der Kopfhaut und jede rasche Ausbreitung über mehrere Körperregionen rechtfertigen Überweisung an Dermatologie plus Kinderrheumatologie, nicht erst den nächsten freien Termin in drei Monaten. Kopf-Hals-Morphea bei Minderjährigen braucht regelmäßige, vollständige Augenuntersuchungen, weil Schäden unbemerkt und irreversibel sein können.
| Situation | Typische Hinweise | Nächster sinnvoller Schritt |
|---|---|---|
| Hautarzt in wenigen Tagen | Neue rote, sich härtende Flecken am Stamm oder an den Gliedmaßen | Klinische Diagnose, Fotos, bei Zweifel tiefe Biopsie |
| Rasche Fachüberweisung | Lineares Band über Gelenk, generalisierte Plaques, Kind mit Progress | Dermatologie und Rheumatologie, Systemtherapie prüfen |
| Augenärztliche Kontrolle | Herde an Kopf, Stirn oder Hals, besonders im Kindesalter | Komplette Augenuntersuchung, Verlaufstermine festlegen |
| Abgrenzung systemische Sklerose | Raynaud, Fingerhautstarre, Schluckstörung, Nagelfalzveränderungen | Spezifische Serologie, Kapillarmikroskopie, Organcheck |
| Neurologie oder Bildgebung | Kopfschmerz, Krampfanfall oder Gesichtsasymmetrie bei linearem Kopfbefall | MRT des Schädels, interdisziplinäre Mitbeurteilung |
Raynaud plus Fingerstarre ist kein „schwerer Morphea-Verlauf“, sondern Anlass, die Diagnose zu revidieren. Fieber und Krankheitsgefühl gehören nicht zum klassischen Bild; sie zwingen zur Suche nach Infekt, anderer Autoimmunität oder einer seltenen pansklerotischen Krise.

Cremes und Licht bei begrenztem Befall
Oberflächliche, auf die Lederhaut beschränkte Plaques werden zuerst lokal behandelt; Ziel ist das Abschalten der Entzündung, nicht das Ausradieren alter Pigmentflecken. Die S2k-Leitlinie empfiehlt topische Kortikosteroide als erste Wahl bei begrenztem Hautbefall.
Hochpotente Salben können laut Leitlinientext einmal täglich bis zu vier Wochen, mittelpotente bis zu zwölf Wochen eingesetzt werden, bei Bedarf unter Folie. Längere Anwendung nur als Intervall, weil Atrophie sonst das Problem verstärkt, das man behandeln wollte. Als Alternative oder Ergänzung nennt dieselbe Leitlinie Calcipotriol 0,005 Prozent (zulassungsüberschreitend) und Tacrolimus 0,1 Prozent; StatPearls führt Tacrolimus 0,1 Prozent als Option für oberflächliche zirkumskripte Herde. Imiquimod 5 Prozent erscheint in kleineren Serien, bleibt aber Randoption.
Lichttherapie wirkt entzündungshemmend und kann Kollagen lockern, indem Matrix-Metalloproteinasen angestoßen werden. Für begrenzte, noch dermale Typen empfiehlt die S2k-Leitlinie mittelhoch dosiertes UVA1 als bevorzugtes Lichtverfahren, etwa 30 Sitzungen, drei- bis fünfmal pro Woche. Fehlt UVA1, gelten Bade- oder Creme-PUVA als Alternative; Schmalband-UVB darf erwogen werden, schnitt in der randomisierten Vergleichsstudie von Kreuter und Kollegen (2006) jedoch schwächer ab als mittelhoch dosiertes UVA1. UV erreicht Fett, Faszie, Muskel und Knochen nicht zuverlässig und ist dort die falsche Eskalation. Bei Kindern warnt die Cleveland Clinic vor vorzeitiger Hautalterung und späterem Hautkrebsrisiko; die PUVA-Empfehlung der S2k gilt ausdrücklich nicht für pädiatrische Patienten. Nach erfolgreichem UVA1 erleiden bis zur Hälfte der Behandelten innerhalb von drei Jahren ein Rezidiv.
Systemtherapie bei tiefen und progressiven Formen
Lineare, tiefe, generalisierte oder pansklerotische Morphea und jeder Verlauf mit Gelenk-, Muskel- oder Knochenbeteiligung braucht systemische Immunsuppression, sobald Aktivität belegt ist. Methotrexat ist in der S2k-Leitlinie 2024 die klare Erstlinie, off-label, mit einer Mindestdauer von zwölf Monaten nach Erreichen der Ruhe.
Papara und Kollegen fassen übliche Dosierungen so zusammen. Bei Kindern liegen sie bei 0,3 bis 0,6 mg pro Kilogramm und Woche (orientierend 15 mg/m²), bei Erwachsenen bei 15 bis 25 mg pro Woche, oral oder subkutan. In den ersten Monaten wird oft ein Kortisonsteg dazugegeben, etwa gepulstes Methylprednisolon oder orales Prednison, weil Steroide allein nach dem Absetzen häufig rezidivieren. Die randomisierte, placebokontrollierte Studie von Zulian und Kollegen (2011) an 70 Kindern mit aktiver lokalisierter Sklerodermie zeigte für Methotrexat plus kurzes Prednison weniger neue Herde und weniger Rezidive als für Prednison allein. StatPearls erinnert an die Sicherheitsregeln vor und unter Methotrexat. Dazu gehören Hepatitis-B- und -C-Ausschluss, Blutbild und Leberwerte in Abständen von etwa drei Monaten, Folsäure gegen Mukositis und Übelkeit sowie strikte Verhütung wegen Teratogenität.
Versagt Methotrexat, ist es unverträglich oder kontraindiziert, nennt die S2k-Leitlinie Mycophenolatmofetil, Mycophenolsäure oder Abatacept als Zweitlinie. Die Childhood Arthritis and Rheumatology Research Alliance hatte schon 2012 drei pädiatrische Pfade skizziert, nämlich Methotrexat allein, plus intravenöses Methylprednisolon oder plus orales Prednison. Die europäische SHARE-Gruppe rät laut Frontiers-Übersicht, Methotrexat erst abzusetzen, wenn die Krankheit mindestens ein Jahr ohne Steroide ruhig war. Tocilizumab und Januskinase-Hemmer bleiben Einzelfalloptionen nach Ausschöpfen der genannten Stufen; belastbare Zulassungsstudien fehlen. Physiotherapie hält Beweglichkeit, soll in der hochaktiven Phase aber dosiert bleiben, weil DermNet Trauma als möglichen Trigger beschreibt. Fettgewebstransplantation oder Korrektureingriffe gehören in die inaktive Phase, bei Kindern oft erst nach Wachstumsabschluss.
Kinder, Kopfbefall und Folgeschäden
Kindliche Morphea ist häufiger linear und hat ein höheres Risiko für Rezidive und bleibende Schäden als der adulte Plaque-Typ. Die Cleveland Clinic schätzt die juvenile lokalisierte Sklerodermie auf etwa 1 von 100.000 Kindern in den USA; die Lebenserwartung bleibt gut, die Funktion nicht automatisch.
Ein Band am Bein kann die Wachstumsfuge stören, ein Bein verkürzen und das Sprung- oder Kniegelenk in Beugestellung ziehen. En-coup-de-sabre und Parry-Romberg können Gesichtsschädel, Zähne und Kiefergelenk verschieben und eine narbige Alopezie hinterlassen. Die Mayo Clinic fordert bei Kopf-Hals-Befall im Kindesalter regelmäßige umfassende Augenuntersuchungen, weil der Schaden unbemerkt irreversibel sein kann. Neurologische Begleiter wie Kopfschmerz, Migräne oder selten Krampfanfälle rechtfertigen Bildgebung, auch wenn die Haut schon ruhiger wirkt.
Kosmetische Folgen belasten Selbstbild und Schule, auch wenn „nur“ ein Pigmentfeld bleibt. Hier helfen ehrliche Fotodokumentation, frühzeitige Systemtherapie bei Risikoherden und später, in Ruhe, mikrochirurgische Fettauffüllung. Die Cleveland Clinic betont, dass Kinder zur Schule gehen, Sport treiben und am Familienleben teilnehmen sollen; eine Sonderdiät gibt es nicht. Bewegung stärke Muskeln, solange sie sicher ist. Das steht nicht im Widerspruch zur Vorsicht vor aggressiver Mobilisation genau über einem hochentzündeten Streifen. Plastische Korrektur plant das Team erst, wenn die Krankheit inaktiv ist und das Längenwachstum weitgehend abgeschlossen.
Verlauf, Rückfälle und Alltag
Milde, oberflächliche Plaques werden oft innerhalb von drei bis fünf Jahren inaktiv, können aber Pigment und eine dünne Narbe hinterlassen. DermNet beschreibt den Verlauf als lang, schubweise oder chronisch aktiv; nach erfolgreicher Therapie, besonders bei Beginn in der Kindheit, kommen Rückfälle vor.
Die S2k-Leitlinie zitiert ältere Verlaufsdaten. Beim begrenzten Typ bildet sich rund die Hälfte der Herde nach etwa 2,5 Jahren zurück, generalisierte und lineare Formen dauern im Mittel etwa 5,5 Jahre. Das sind Durchschnitte. Kontrakturen, Atrophie und Fehlpigment bilden sich kaum von selbst zurück. Nach Methotrexat-Ende berichten Serien Rezidive in der Größenordnung von 15 Prozent nach zwei Jahren bei Kindern (Frontiers, gestützt auf Nachbeobachtungen) bis etwa 28 Prozent in anderen MTX-Kohorten, im Mittel erst nach über einem Jahr. Nach UVA1 liegt die Dreijahres-Rückfallrate bei bis zu 50 Prozent. Deshalb endet „Erfolg“ nicht mit dem letzten Rezept, sondern mit geplanten Kontrollen und Fotos.
Im Alltag trocknet sklerotische Haut schnell aus. Die Mayo Clinic empfiehlt rückfettende Pflege und rät von langen, heißen Duschen ab. Die Cleveland Clinic ergänzt für Kinder milde, unparfümierte Pflege, warmes statt heißes Wasser, Luftbefeuchter in der Heizperiode und Sonnenschutz im Freien. Solche Maßnahmen ersetzen keine Immuntherapie, können Juckreiz und Rhagaden aber mindern. Wer Methotrexat oder Mycophenolat nimmt, braucht die besprochenen Laborkontrollen und einen Verhütungsplan. Psychologische Mitbetreuung ist kein Luxus, wenn das Gesicht betroffen ist; die Mayo Clinic nennt ausdrücklich Beratung und Selbsthilfe.
Häufige Fragen
Ist Morphea ansteckend?
Nein. Weder Hautkontakt noch Tröpfchen übertragen die Erkrankung. Auslöser wie Reibung oder eine Impfung erklären einzelne Herde, machen die Person aber nicht infektiös für Familie oder Sportgruppe.
Wird aus Morphea eine systemische Sklerose?
Nach S2k-Leitlinie 2024 und Frontiers-Übersicht 2023 geht Morphea nicht in systemische Sklerose über. Neue Raynaud-Zeichen, Fingerstarre oder Schluckstörung müssen trotzdem abgeklärt werden, weil dann eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist als ein „Fortschreiten“.
Wie lange dauert eine Morphea?
Oberflächliche Plaques werden häufig nach drei bis fünf Jahren ruhiger. Lineare und generalisierte Formen dauern im Mittel länger, oft um die 5,5 Jahre, und können nach Therapieende erneut aufflammen. Pigment und Atrophie bleiben oft sichtbar, auch wenn die Entzündung steht.
Hilft Lichttherapie bei jeder Form?
Mittelhoch dosiertes UVA1 kann begrenzte, dermale Herde weicher machen. Fett, Faszie, Muskel und Knochen erreicht UV nicht zuverlässig; dort ist Immunsuppression die Leitlinienwahl. Bei Kindern wird Licht zurückhaltender eingesetzt.
Wann braucht man Methotrexat?
Wenn Herde tief, linear, generalisiert oder pansklerotisch sind, ein Gelenk bedrohen oder rasch fortschreiten. Die S2k-Leitlinie setzt Methotrexat als Erstlinie an, meist mindestens zwölf Monate, oft anfangs mit Kortison.
Können Kinder mit Morphea Sport machen?
Ja, in der Regel. Die Cleveland Clinic sieht keine grundsätzliche Sportpause und keinen Diätzwang. Über einem hochaktiven Streifen sollte Belastung mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden, damit das Gelenk beweglich bleibt, ohne den Herd ständig zu reizen.

Fazit
Morphea ist eine lokalisierte, immunvermittelte Fibrose der Haut, keine Vorstufe der systemischen Sklerose und keine Infektion. Entscheidend ist, ob der Herd noch entzündet und wie tief er reicht. Ein isolierter Plaque am Rücken braucht oft Creme und Geduld; ein lineares Band am wachsenden Bein oder an der Stirn eines Kindes braucht rasch ein Team aus Haut- und Rheumaärztin, oft Methotrexat, und bei Kopflage den Augenarzt.
Seit 2024 sprechen die deutsche S2k-Leitlinie und der europäische JEADV-Konsens eine deutlich klarere Sprache als viele Ratgebertexte von 2018. Begrenzter Hautbefall kommt zuerst topisch und mit UVA1, schwere und muskuloskelettale Verläufe zuerst mit Methotrexat für mindestens ein Jahr, danach Mycophenolat oder Abatacept, ohne Routine-Borrelien-Test. Heilung im Sinne eines unsichtbaren, nie wiederkehrenden Befundes verspricht keine der Quellen.
Praktisch heißt das für die nächsten Tage, Flecken zu fotografieren, einen Hautarzttermin zu machen und bei Kind plus Gelenk oder Gesicht nicht auf den nächsten Schub zu warten. Pflege, Sonnenschutz und Bewegung stützen die Haut, ersetzen aber keine Therapie der aktiven Entzündung.
Quellen
- Mayo Clinic: Morphea – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 18. September 2024.
- Mayo Clinic: Morphea – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 18. September 2024.
- Cleveland Clinic: Juvenile Localized Scleroderma. Cleveland Clinic, 21. August 2023.
- Saracino A, Oakley A: Morphoea (localised scleroderma, morphea). DermNet, September 2017.
- Penmetsa GK, Sapra A: Morphea. In: StatPearls. StatPearls, 7. August 2023.
- Papara C, De Luca DA et al.: Morphea: The 2023 update. Frontiers in Medicine, 13. Februar 2023.
- Kreuter A, Moinzadeh P et al.: S2k guideline: Diagnosis and therapy of localized scleroderma. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 1. März 2024.
- Knobler R, Geroldinger-Simić M et al.: Consensus statement on the diagnosis and treatment of sclerosing diseases of the skin, Part 1: Localized scleroderma, systemic sclerosis and overlap syndromes. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 8. März 2024.
- National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases: Scleroderma Symptoms, Types, Causes, and Risk Factors. National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases, Stand: September 2023.
