Asenapin (Saphris): Rezidivschutz bei Schizophrenie

Asenapin (Saphris): Rezidivschutz bei Schizophrenie

Asenapin kann bei Erwachsenen mit Schizophrenie die Zeit bis zu einem Rückfall verlängern, wenn die Behandlung nach einer stabilen Phase fortgesetzt wird. In der Phase-III-Absetzstudie von Kane und Kollegen (Journal of Clinical Psychiatry, 2011) lag die Rate für Rezidiv oder drohendes Rezidiv über 26 Wochen bei 12,1 Prozent unter weitergeführtem Asenapin und bei 47,4 Prozent unter Placebo.

Die US-amerikanische Zulassung als sublinguale Tablette (Saphris) umfasst seit 2009 die akute Behandlung und die Erhaltungstherapie der Schizophrenie bei Erwachsenen; DailyMed nennt zusätzlich manische oder gemischte Episoden der bipolaren Störung Typ I. In der Europäischen Union gilt eine andere Lage. Die EMA ließ Sycrest am 1. September 2010 nur für mittelschwere bis schwere manische Episoden bei Erwachsenen zu; für Schizophrenie hielt der Ausschuss die Wirksamkeit für nicht ausreichend belegt.

Ein Antipsychotikum heilt die Erkrankung nicht. MedlinePlus (Stand 15. November 2025) schreibt, Asenapin könne Symptome kontrollieren, die Störung aber nicht beseitigen. Wer die Tablette ohne Absprache absetzt, trägt nach der britischen Leitlinie NICE CG178 in den folgenden ein bis zwei Jahren ein hohes Rückfallrisiko.

Wie wirkt Asenapin und wofür ist es zugelassen?

Asenapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das mehrere Dopamin- und Serotoninrezeptoren blockiert und so die Signalübertragung im Gehirn dämpfen kann. Die EMA beschreibt den genauen Mechanismus als unbekannt; angenommen wird eine Blockade von Rezeptoren für Dopamin und 5-Hydroxytryptamin, also Serotonin. Die Tablette löst sich unter der Zunge auf. Geschluckt erreicht kaum Wirkstoff das Blut, weil die Aufnahme über den Darm unter 2 Prozent liegt, während die sublinguale Bioverfügbarkeit laut DailyMed bei 5 Milligramm etwa 35 Prozent beträgt.

In den USA gelten zwei Markennamen. Die Sublingualtablette Saphris ist für Schizophrenie bei Erwachsenen sowie für manische oder gemischte Episoden der bipolaren Störung Typ I zugelassen, allein oder ergänzend zu Lithium oder Valproat; bei Jugendlichen von 10 bis 17 Jahren nur die Manie als Monotherapie. Das Pflaster Secuado erhielt die FDA im Oktober 2019 für Schizophrenie bei Erwachsenen. Weder Tablette noch Pflaster sind für Verhaltensprobleme bei Demenz zugelassen. Ältere Menschen mit demenzbedingter Psychose haben unter Antipsychotika ein höheres Sterberisiko; MedlinePlus und DailyMed führen das als Rahmenwarnung.

Die Peak-Konzentration im Plasma erscheint nach 0,5 bis 1,5 Stunden. Der Abbau läuft vor allem über Glucuronidierung durch UGT1A4 und über CYP1A2; die mittlere terminale Halbwertszeit liegt bei etwa 24 Stunden, ein Gleichgewicht nach mehrtägiger Einnahme oft innerhalb von drei Tagen. Starke CYP1A2-Hemmer wie Fluvoxamin können die Asenapin-Exposition erhöhen. Zusammen mit Paroxetin verdoppelte sich in der Fachinformation die Paroxetin-Exposition; DailyMed rät, die Paroxetin-Dosis zu halbieren.

Keine Zulassung bedeutet nicht automatisch Nutzlosigkeit, aber sie begrenzt, was Ärztinnen und Ärzte in Europa als zugelassene Indikation verordnen dürfen. Für Schizophrenie bleibt Asenapin in der EU deshalb ein Mittel, das nur außerhalb der zugelassenen Anwendung erwogen werden könnte, und das nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung.

Was zeigte die Phase-III-Studie zur Rezidivprophylaxe?

Die entscheidende Erhaltungsstudie (NCT00150176, veröffentlicht 2011) prüfte, ob weitergeführtes Asenapin ein Rezidiv hinauszögert, nachdem Patientinnen und Patienten bereits ein halbes Jahr lang offen damit stabilisiert worden waren. Von 700 Personen in der offenen Phase erfüllten 386 vorab festgelegte Stabilitätskriterien und wurden randomisiert: 194 blieben bei Asenapin, 192 wechselten auf Placebo. Die häufigste Dosis war 10 Milligramm zweimal täglich. Zeit bis zum Rezidiv und Zeit bis zum Abbruch aus jedem Grund waren unter Asenapin länger (jeweils p < 0,0001).

Ein Rezidiv oder drohendes Rezidiv galt unter anderem, wenn der Gesamtwert der Positiv-und-Negativ-Syndrom-Skala (PANSS) um mindestens 20 Prozent stieg und der Schweregrad auf der Clinical-Global-Impression-Skala mindestens 4 erreichte, oder wenn einzelne Items wie Feindseligkeit, Halluzinationen oder ungewöhnliche Denkinhalte klar zunahmen, oder wenn die Prüfärztin ein erhöhtes Risiko für Gewalt oder Suizid sah. In der Asenapin-Gruppe erfüllten 12,1 Prozent diese Kriterien, in der Placebo-Gruppe 47,4 Prozent. Die Cochrane-Übersicht von Hay und Kollegen (2015) rechnete dasselbe Ergebnis als relatives Risiko 0,26 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,18 bis 0,40), stufte die Evidenz aber als sehr niedrig ein.

Schwere unerwünschte Ereignisse traten in der Doppelblindphase bei 3,1 Prozent der weiter Behandelten auf, nach Umstellung auf Placebo bei 9,9 Prozent. Extrapyramidale Meldungen lagen bei 3,1 gegenüber 4,7 Prozent. Häufig genannt wurden Angst (8,2 gegenüber 10,9 Prozent), Gewichtszunahme (6,7 gegenüber 3,6 Prozent) und Schlaflosigkeit (6,2 gegenüber 13,5 Prozent). Eine klinisch bedeutsame Gewichtszunahme von mindestens 7 Prozent vom Doppelblind-Ausgangswert betraf 3,7 Prozent der Asenapin-Arme, nach Placebo-Switch 0,5 Prozent.

Die Studie schließt nur Personen ein, die Asenapin zuvor vertragen und darunter stabil geblieben waren. Wer früh abbrach oder nicht stabilisiert werden konnte, erscheint in der randomisierten Phase nicht. Ein solches Absetzdesign überschätzt den Nutzen für alle neu behandelten Patientinnen und Patienten. Die FDA-Fachinformation stützt die Erhaltungszulassung trotzdem auf genau diesen Versuch: 700 offene Behandlungen, 386 Randomisierte, Überlegenheit in der Zeit bis zum Rezidiv.

Kurzzeitstudien zur akuten Schizophrenie zeigen ein gemischtes Bild. DailyMed nennt drei sechs-wöchige, placebokontrollierte Versuche; in zwei war Asenapin 5 Milligramm zweimal täglich der Scheinbehandlung im PANSS-Gesamtwert überlegen, im dritten ließ sich kein Unterschied zu Placebo sichern, während ein aktiver Vergleichsarm wirkte. 10 Milligramm zweimal täglich brachten in der Kurzzeitlage keinen zusätzlichen PANSS-Gewinn, wohl aber mehr bestimmte Nebenwirkungen.

Wie nimmt man die Sublingualtablette richtig ein?

Die Tablette gehört unter die Zunge und darf dort vollständig zergehen; kauen, zerteilen oder schlucken senkt die Aufnahme stark. DailyMed und die Mayo Clinic (aktualisiert 1. August 2026) fordern trockene Hände, das Abziehen der Folie statt Durchdrücken und zehn Minuten ohne Essen oder Trinken danach. Wasser nach zwei Minuten senkte die Exposition in einer pharmakokinetischen Untersuchung um 19 Prozent, nach fünf Minuten um 10 Prozent; nach zehn Minuten glich die Aufnahme der nach 30 Minuten.

Nahrung unmittelbar vor der Gabe minderte die Exposition um etwa 20 Prozent, vier Stunden danach um rund 10 Prozent, vermutlich über eine höhere Leberdurchblutung. Wer mehrere Psychopharmaka nimmt, soll Asenapin laut EMA zuletzt einlegen, damit die Wartezeit nicht die anderen Mittel stört. Eine vergessene Dosis holt man nach, sobald sie einfällt; liegt die nächste Gabe nahe, wird die ausgelassene weggelassen. Eine doppelte Menge ist nicht vorgesehen.

Typische Anwendungsfehler sind das Schlucken „wie eine normale Tablette“, Trinken aus Durst nach wenigen Minuten und das Teilen der Tablette, weil 2,5-Milligramm-Stärken in den USA extra existieren. Mundtaubheit oder ein pelziges Gefühl sind häufig und meist vorübergehend; offene Stellen, Blasen oder anhaltendes Kribbeln im Rachen sollen der Praxis gemeldet werden. Das Pflaster Secuado umgeht die Zunge: einmal täglich auf saubere, trockene Haut an Oberarm, Rücken, Bauch oder Hüfte, 24 Stunden tragen, nicht erhitzen.

  • Die Folie wird erst geöffnet, wenn die Tablette sofort unter die Zunge gelegt werden kann.
  • Nach dem Auflösen wartet man zehn Minuten, bevor man trinkt oder isst.
  • Schlucken, Kauen oder Zerdrücken ist nach DailyMed nicht die vorgesehene Einnahme.
  • Eine vergessene Dosis wird nicht verdoppelt, wenn die nächste Gabe bald fällig ist.

Welche Dosis gilt bei Schizophrenie und Manie?

Für die akute Schizophrenie bei Erwachsenen nennt DailyMed 5 Milligramm zweimal täglich als Start und als übliche Behandlungsdosis. Nach einer Woche kann auf 10 Milligramm zweimal täglich erhöht werden, wenn die niedrigere Menge vertragen wird; Dosen darüber wurden klinisch nicht geprüft. In den Kurzzeitstudien fehlte ein zusätzlicher Nutzen der höheren Stärke, während Akathisie dort klar zunahm. Zur Erhaltung bleibt man bei 5 bis 10 Milligramm zweimal täglich, oft bei der Dosis, unter der die Stabilisierung gelang.

Bei bipolarer Manie im Erwachsenenalter startet die US-Fachinformation mit 5 bis 10 Milligramm zweimal täglich als Monotherapie; als Zusatz zu Lithium oder Valproat mit 5 Milligramm, steigerbar auf 10. Jugendliche von 10 bis 17 Jahren beginnen in den USA mit 2,5 Milligramm zweimal täglich, steigern nach drei Tagen auf 5 und nach weiteren drei Tagen auf höchstens 10; ohne dieses Schema traten häufiger Dystonien auf. Die EMA-Empfehlung für Sycrest bei Manie im Erwachsenenalter lautet 5 Milligramm zweimal täglich, steigerbar auf 10, abhängig vom Ansprechen.

Schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) ist eine Gegenanzeige, weil die Exposition etwa siebenfach höher lag als bei normaler Leberfunktion. Leichte oder mittlere Einschränkung braucht laut DailyMed keine Dosisänderung, ebenso Nierenfunktion, Alter oder Geschlecht in den geprüften Spannen. Die Sicherheit über 10 Milligramm zweimal täglich ist nicht belegt. Dosisentscheidungen trifft die behandelnde Fachärztin, nicht die Packungsbeilage allein.

Einsatz (US-Fachinformation) Beginn Anpassung Nicht überschreiten
Akute Schizophrenie, Erwachsene 5-mg-Tablette morgens plus abends nach einer Woche möglich auf 10 mg je Gabe 10 mg je Einnahme
Erhaltung Schizophrenie, Erwachsene gleiche 5-mg-Startgabe Korridor 5 oder 10 mg je Gabe 10 mg je Einnahme
Manie allein, Erwachsene 5 oder 10 mg je Gabe im selben Korridor bleiben 10 mg je Einnahme
Manie, Jugendliche 10–17 Jahre (USA) 2,5 mg morgens plus abends nach je 3 Tagen auf 5, dann 10 mg 10 mg je Einnahme
Manie plus Lithium oder Valproat 5 mg morgens plus abends bei Bedarf 10 mg je Gabe 10 mg je Einnahme

Das Pflaster startet in den USA mit 3,8 Milligramm je 24 Stunden. Nach einer Woche sind 5,7 oder 7,6 Milligramm je 24 Stunden möglich; über 7,6 Milligramm liegen keine Sicherheitsdaten vor. In einer sechs-wöchigen Studie brachte 7,6 Milligramm im Mittel keinen zusätzlichen Nutzen, wohl aber mehr bestimmte Reaktionen. Die Tabelle gilt für die US-Zulassung; in der EU bleibt Sycrest auf die Manie im Erwachsenenalter beschränkt.

Welche Nebenwirkungen sind in den Studien belegt?

Häufigste Reaktionen der akuten Schizophreniebehandlung, die bei mindestens 5 Prozent und mindestens doppelt so oft wie unter Placebo auftraten, waren Akathisie, orale Hypästhesie (Taubheitsgefühl im Mund) und Somnolenz. In den gepoolten Sechs-Wochen-Studien (DailyMed, Tabelle 8) lag Somnolenz bei 15 Prozent unter 5 Milligramm und 13 Prozent unter 10 Milligramm gegenüber 7 Prozent unter Placebo. Akathisie stieg dosisabhängig von 4 auf 11 Prozent (Placebo 3 Prozent). Orale Hypästhesie betraf 6 bis 7 Prozent gegenüber 1 Prozent.

Extrapyramidale Symptome ohne Akathisie lagen bei 9 bis 12 Prozent gegenüber 7 Prozent unter Placebo. Schlaflosigkeit war in der Kurzzeitlage häufig, ohne klaren Abstand zur Scheinbehandlung. Gewichtszunahme wurde in den Kurzzeitarmen bei 2 bis 3 Prozent genannt. In der Erhaltungsstudie von Kane war klinisch bedeutsame Gewichtszunahme unter Asenapin häufiger als unter Placebo, blieb aber im einstelligen Prozentbereich. Metabole Veränderungen (Zucker, Blutfette, Gewicht) verlangt DailyMed zu überwachen, auch wenn Asenapin im Vergleich mit Olanzapin oft günstiger abschneidet.

QTc-Verlängerungen in einer eigenen QT-Studie lagen bei 2 bis 5 Millisekunden gegenüber Placebo; kein behandelter Mensch überschritt 60 Millisekunden Zunahme oder 500 Millisekunden absolut, Torsade de Pointes wurde nicht berichtet. Trotzdem soll die Kombination mit anderen QTc-verlängernden Mitteln (etwa bestimmte Antiarrhythmika, Ziprasidon, Moxifloxacin) vermieden werden, ebenso angeborenes Long-QT-Syndrom, Bradykardie, Kalium- oder Magnesiummangel. Orthostatische Hypotonie und Synkope sind möglich, vor allem beim Start oder bei Dosiserhöhung.

Selten, aber schwerwiegend bleiben malignes neuroleptisches Syndrom, tardive Dyskinesie, Leukopenie oder Agranulozytose, Krampfanfälle, schwere Überempfindlichkeit (auch nach der ersten Dosis) und Hyperglykämie bis zur Ketoazidose. Prolaktin kann steigen; klinisch gemeldete Ereignisse dazu waren in den Erwachsenenstudien selten (0,4 Prozent gegenüber 0 Prozent). Alkohol und andere dämpfende Mittel verstärken Müdigkeit und Reaktionsarmut. Autofahren ist erst sinnvoll, wenn die individuelle Wirkung klar ist.

Wann muss man den Arzt oder die Notaufnahme rufen?

Sofortige Notfallhilfe (in Deutschland 112) braucht, wer Atemnot, Schwellung von Zunge oder Gesicht, steife Muskeln mit hohem Fieber und Verwirrtheit, Ohnmacht, einen neu unregelmäßigen Puls oder Suizidgedanken mit Plan hat. Die Mayo Clinic listet Fieber, Muskelstarre, Schwitzen, Blutdruckschwankungen und blasse Haut als mögliche Zeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms; das Mittel wird dann unter klinischer Überwachung abgesetzt. Allergie kann nach der ersten Tablette kommen: Hautausschlag, Pfeifen, geschwollene Zunge, Kreislaufkollaps.

Unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Lippen, Kiefer oder Gliedmaßen, die nicht weggehen, gehören zeitnah in die psychiatrische Kontrolle, weil eine tardive Dyskinesie entstehen kann. Fieber, Halsschmerzen oder andere Infektzeichen bei bekannter Leukopenie erfordern ein Blutbild. Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Sehstörungen oder Schwäche können auf einen Blutzuckeranstieg hinweisen. Sturzneigung, anhaltender Schwindel beim Aufstehen und Krampfanfälle sind weitere Gründe, nicht bis zum nächsten Routinebesuch zu warten.

NICE rät, Antipsychotika bei einer ersten anhaltenden Psychose nicht in der Hausarztpraxis zu starten, außer in Absprache mit einer Fachärztin für Psychiatrie. Gewicht, Blutfette, Zucker und Herz-Kreislauf-Risiko sollen regelmäßig gemessen werden; die sekundäre Ebene behält die Verantwortung mindestens zwölf Monate oder bis zur Stabilisierung. Wer raucht und aufhört, verändert den Abbau mancher Neuroleptika; für Asenapin ist CYP1A2 relevant, die Fachinformation nennt bei Rauchstopp keine eigene Dosisformel, wohl aber die Wechselwirkung mit Fluvoxamin.

Ein geplanter Absetzversuch läuft nie abrupt. NICE CG178 verlangt langsames Ausschleichen und danach mindestens zwei Jahre Beobachtung auf Frühzeichen eines Rückfalls. Zunehmendes Misstrauen, Schlaflosigkeit, sozialer Rückzug, Alkohol- oder Drogenanstieg oder der Wunsch, die Tablette „nur bei Bedarf“ zu nehmen, sind Alarmzeichen für das Behandlungsteam, nicht Belege dafür, dass die Erkrankung vorbei ist.

  • Atemnot, Zungenschwellung oder steife Muskeln mit Fieber: Notruf 112, nicht die nächste Sprechstunde.
  • Neue unwillkürliche Bewegungen von Gesicht oder Gliedmaßen zeitnah der Psychiatrie zeigen.
  • Starken Durst, häufiges Wasserlassen oder plötzliche Sehstörungen als möglichen Zuckeranstieg werten.
  • Nach jedem Absetzversuch mindestens zwei Jahre auf Frühzeichen eines Rückfalls achten.

Wie schneidet Asenapin im Vergleich zu Olanzapin ab?

Direkte Vergleiche gibt es vor allem gegen Olanzapin und gegen Placebo, kaum gegen andere moderne Antipsychotika. Die systematische Übersicht von Orr, Deshpande, Sawh und Kollegen (Canadian Journal of Psychiatry, 2017) wertete acht randomisierte Studien mit 3765 Personen aus. Im PANSS-Gesamtwert und in der Negativ-Subskala fand sich kein Unterschied zu Olanzapin. Unter Asenapin war eine Verschlechterung der Schizophrenie oder Psychose häufiger. Abbrüche wegen Nebenwirkung oder mangelnder Wirkung lagen gleichauf, Abbrüche aus jedem Grund waren unter Asenapin häufiger.

Metabolisch schnitt Asenapin günstiger ab: klinisch bedeutsame Gewichtszunahme und Triglyceridanstiege waren seltener als unter Olanzapin. Extrapyramidale Symptome kamen unter Asenapin häufiger vor. Cochrane (Hay et al., 2015) fand gegenüber Placebo Hinweise auf eine Besserung von Globalzustand und psychischem Befund, stufte die Qualität aber als niedrig oder sehr niedrig ein und schrieb, auf dieser Basis sei eine Empfehlung für Asenapin bei Schizophrenie schwierig. Alle eingeschlossenen Studien waren industriegesponsert, fünf von sechs hatten hohes Attritionsbias.

Ältere Firmenmitteilungen hatten einen Vorteil bei Negativsymptomen gegenüber Olanzapin behauptet. Die spätere Übersicht bestätigt das für die PANSS-Negativskala nicht. Wer Asenapin wegen Stoffwechselrisiko erwägt, tauscht oft gegen ein höheres Risiko für Akathisie und Mundtaubheit. NICE und APA benennen kein Mittel der ersten Wahl nach Markennamen; die Wahl folgt Wirkung, Nebenwirkungen, Vorerfahrungen und der Entscheidung der betroffenen Person.

Lang wirksame Spritzen bleiben eine eigene Strategie, wenn die Einnahmetreue unsicher ist. Asenapin gibt es nicht als Depot. Das Pflaster kann die zweimal tägliche Zungengabe ersetzen, ändert aber nicht das Rezeptorprofil und ist in der EU für Schizophrenie nicht der zugelassene Standard. Clozapin bleibt nach APA und NICE der nächste Schritt, wenn zwei ausreichend dosierte Antipsychotika versagt haben oder ein erhebliches Suizidrisiko besteht.

Was raten aktuelle Leitlinien zur Erhaltungstherapie?

Die American Psychiatric Association empfiehlt seit 2020 mit hoher Überzeugungskraft, ein Antipsychotikum weiterzugeben, sobald die Symptome darunter besser geworden sind, und schlägt vor, dasselbe Mittel beizubehalten. Ein dokumentierter, personenzentrierter Plan soll Medikamente und psychosoziale Angebote verbinden. Lang wirksame Injektionen kommen infrage, wenn die Person sie bevorzugt oder die Einnahme unsicher war. Clozapin ist vorgesehen bei Therapieresistenz oder erheblichem Suizidrisiko. Die Lebenszeitprävalenz der Schizophrenie liegt in der Leitlinie bei etwa 0,7 Prozent.

NICE CG178 (zuletzt geprüft am 29. Juli 2025, Kernempfehlungen zur Medikation von 2009/2014) warnt ausdrücklich vor einem hohen Rückfallrisiko, wenn die Tablette in den nächsten ein bis zwei Jahren gestoppt wird. Intermittierende Erhaltung, also Gabe nur bei drohendem Rezidiv, soll nicht die Regel sein; sie bleibt eine Ausnahme, wenn jemand eine Dauerbehandlung ablehnt oder sie nicht verträgt. Depotpräparate sollen erwogen werden, wenn verdeckte Nicht-Einnahme ein zentrales Problem ist. Nach dem Absetzen folgt mindestens zwei Jahre Beobachtung.

Körperliche Gesundheit gehört zur Erhaltung, nicht in den Anhang. NICE verlangt Programme für Ernährung und Bewegung, Hilfe beim Rauchstopp und die routinemäßige Kontrolle von Gewicht sowie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselwerten. Antipsychotika zur Vorbeugung einer ersten Psychose bei Risikopersonen ohne Diagnose lehnt NICE ab; dort stehen kognitive Verhaltenstherapie und Behandlung begleitender Angst oder Depression. Die Wahl des Mittels treffen Betroffene und Fachperson gemeinsam, inklusive der erwartbaren Nebenwirkungen.

Asenapin ist in diesen Leitlinien kein bevorzugtes Erstlinienmittel. Es kann eine Option sein, wenn die US-Zulassung greift, die Person die sublinguale Form umsetzen kann und Stoffwechselrisiken gegenüber motorischen Effekten abgewogen wurden. In Deutschland und der übrigen EU fehlt die Schizophrenie-Zulassung; die Leitlinien ersetzen das nicht durch eine stille Empfehlung. Wer bereits darunter stabil ist, sollte ein Absetzen nicht allein aus Zulassungsgründen erzwingen, sondern mit der Klinik die rechtliche und klinische Lage klären.

Warum fehlt in der EU die Schizophrenie-Zulassung?

Die Europäische Kommission erteilte Sycrest am 1. September 2010 die Zulassung für mittelschwere bis schwere manische Episoden der bipolaren Störung Typ I bei Erwachsenen. Derselbe Ausschuss lehnte Schizophrenie ab, weil die vorgelegten Kurz- und Langzeitstudien gegen Placebo, Olanzapin, Risperidon oder Haloperidol die Wirksamkeit nicht ausreichend zeigten. Die Produktinformation wurde zuletzt am 25. Februar 2026 aktualisiert; die Indikation blieb die Manie. Häufigste unerwünschte Wirkungen (mehr als eine von zehn Personen) sind laut EMA Angst und Somnolenz.

In den Manie-Studien senkte Sycrest den Young-Mania-Rating-Scale-Wert klarer als Placebo. In einer drei-wöchigen Studie lagen die Rückgänge bei 11,5 Punkten unter Asenapin und 14,6 unter Olanzapin gegenüber 7,8 unter Placebo; in der zweiten bei 10,8 und 12,6 gegenüber 5,5. Als Zusatz zu Lithium oder Valproinsäure blieb nach zwölf Wochen ein Vorsprung gegenüber Placebo. Das erklärt, warum Europa das Mittel für die Manie kennt, während US-Ärztinnen es auch zur Schizophrenie-Erhaltung nutzen dürfen.

Frühe Kongressberichte, darunter die Vorstellung der Rezidivdaten auf dem ECNP, zeichneten 2009 ein Bild, als stünde die europäische Schizophrenie-Zulassung unmittelbar bevor. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Wer in Deutschland oder einem anderen EU-Land Asenapin wegen Schizophrenie sucht, findet in der Regel kein zugelassenes Fertigarzneimittel für diese Diagnose. Off-Label-Verordnungen unterliegen nationalen Regeln und einer besonders engen Aufklärung.

Neu seit 2019 ist in den USA das Pflaster Secuado, geprüft in einer sechs-wöchigen Studie mit 616 Erwachsenen; beide geprüften Stärken verbesserten den PANSS-Gesamtwert gegenüber Placebo. Häufige Reaktionen waren extrapyramidale Störungen, Hautreaktionen an der Klebestelle und Gewichtszunahme. Für Kinder unter 18 Jahren mit Schizophrenie fehlen Daten. Ein Pflaster ersetzt keine Depot-Spritze und ändert nichts an der europäischen Indikationsgrenze.

Häufige Fragen

Hilft Asenapin wirklich gegen Rückfälle bei Schizophrenie?

Bei Personen, die zuvor unter Asenapin stabil geblieben waren, senkte die Weiterbehandlung in der Studie von Kane das Rezidivrisiko gegenüber Placebo deutlich (12,1 gegenüber 47,4 Prozent in 26 Wochen). Cochrane rechnete daraus ein relatives Risiko von 0,26, bewertete die Datenqualität aber als sehr niedrig. Das Mittel heilt die Erkrankung nicht und wirkt nicht bei jedem.

Darf man die Tablette einfach schlucken?

Nein. Geschluckt liegt die Bioverfügbarkeit unter 2 Prozent, unter der Zunge bei etwa 35 Prozent. DailyMed und Mayo Clinic verlangen vollständiges Auflösen ohne Kauen und zehn Minuten ohne Essen oder Trinken. Wer schluckt, nimmt faktisch kaum Wirkstoff auf.

Ist Sycrest in Deutschland für Schizophrenie zugelassen?

Nein. Die EMA ließ Sycrest nur für mittelschwere bis schwere manische Episoden bei Erwachsenen zu und lehnte Schizophrenie wegen unzureichender Wirksamkeitsbelege ab. In den USA bleibt Saphris für beide Indikationen zugelassen. Eine EU-Verordnung für Schizophrenie gibt es auch 2026 nicht.

Nimmt man unter Asenapin stark zu?

Gewichtszunahme kommt vor, liegt in den Kurzzeitstudien aber im unteren einstelligen Prozentbereich und war in Vergleichen mit Olanzapin seltener. In der Erhaltungsstudie von Kane nahmen 3,7 Prozent der Asenapin-Gruppe mindestens 7 Prozent zu, nach Placebo-Switch 0,5 Prozent. Gewicht, Blutzucker und Blutfette gehören trotzdem zur Kontrolle.

Kann man Asenapin absetzen, wenn es einem gut geht?

Ohne Rücksprache nicht. NICE warnt vor einem hohen Rückfallrisiko in den folgenden ein bis zwei Jahren und verlangt langsames Ausschleichen plus mindestens zwei Jahre Beobachtung. APA empfiehlt, ein wirksames Antipsychotikum fortzusetzen. Stabilität ist ein Erfolg der Behandlung, kein Beweis, dass sie entbehrlich wurde.

Was tun bei Taubheitsgefühl im Mund?

Kurze Mundtaubheit oder Geschmacksänderung ist eine der häufigsten Reaktionen und klingt oft ab. Offene Stellen, Blasen, anhaltendes Kribbeln im Rachen oder Schluckstörung sollen der Praxis gemeldet werden. Die Mayo Clinic rät, solche Schleimhautbefunde nicht zu ignorieren, weil sie die Einnahmetreue gefährden.

Fazit

Asenapin kann ein Rezidiv hinauszögern, wenn jemand darunter bereits stabil ist und die sublinguale Form zuverlässig umsetzt. Die Zahl aus der Absetzstudie (12 gegenüber 47 Prozent) gilt für genau diese Gruppe, nicht für alle neu behandelten Menschen mit Schizophrenie. In den USA trägt das die Erhaltungszulassung; in der EU bleibt Sycrest ein Manie-Mittel.

Wer eine Therapie plant, prüft mit der Fachärztin Zulassung im eigenen Land, Einnahmetechnik, Dosis (meist 5 Milligramm zweimal täglich, höchstens 10), Leberfunktion, andere Arzneimittel (Fluvoxamin, Paroxetin, QTc-Verlängerer) und das persönliche Risikoprofil: Stoffwechsel gegen Akathisie, Mundtaubheit und Müdigkeit. Leitlinien seit 2020 betonen Dauerbehandlung, körperliche Kontrolle und Depot, wenn Tabletten unsicher ankommen, nicht die Suche nach einem einzelnen „neuen“ Mittel.

Rückfälle, Suizidgedanken, allergische Schwellung oder Fieber mit Muskelstarre gehören in den Notfallweg, nicht in eine Warte-Strategie. Dosisänderungen und Absetzversuche laufen nur im Kontakt mit der behandelnden Psychiatrie.

Quellen

  1. U.S. National Library of Medicine: DailyMed – SAPHRIS- asenapine maleate tablet. DailyMed, Stand: 2025.
  2. Kane JM, Mackle M, Snow-Adami L et al.: A randomized placebo-controlled trial of asenapine for the prevention of relapse of schizophrenia after long-term treatment. Journal of Clinical Psychiatry, 22. Februar 2011.
  3. European Medicines Agency: Sycrest | European Medicines Agency (EMA). European Medicines Agency, 25. Februar 2026.
  4. Keepers GA, Fochtmann LJ, Anzia JM et al.: The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia. American Journal of Psychiatry, 1. September 2020.
  5. National Institute for Health and Care Excellence: Psychosis and schizophrenia in adults: prevention and management. National Institute for Health and Care Excellence, 29. Juli 2025.
  6. Mayo Clinic: Asenapine (sublingual route) – Side effects & dosage. Mayo Clinic, 1. August 2026.
  7. U.S. National Library of Medicine: Asenapine: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, 15. November 2025.
  8. Hay A, Byers A et al.: Asenapine versus placebo for schizophrenia. Cochrane Database of Systematic Reviews, 24. November 2015.
  9. Orr C, Deshpande S, Sawh S et al.: Asenapine for the Treatment of Psychotic Disorders. Canadian Journal of Psychiatry, 6. August 2016.
  10. U.S. National Library of Medicine: DailyMed – SECUADO- asenapine film, extended release. DailyMed, Stand: 2019.
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