Herztransplantationskandidatur: wer infrage kommt

Herztransplantationskandidatur: wer infrage kommt

Eine Herztransplantation kommt infrage, wenn die Herzschwäche trotz leitliniengerechter Medikamente und Geräte so weit fortgeschritten ist, dass Alltag und Lebenserwartung klar begrenzt bleiben, und wenn Begleiterkrankungen das erwartete Überleben nach der Operation nicht zunichte machen. Die Internationale Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation (ISHLT) hat im August 2024 die Listungskriterien von 2006 und 2016 ersetzt und setzt statt starrer Schwellen auf eine individuelle Bewertung von Alter, Körpergewicht, Infektionen und Krebsgeschichte.

Spenderherzen bleiben knapp. Deshalb prüft ein multidisziplinäres Team drei Fragen, die Michelle Kittleson 2025 im Methodist DeBakey Cardiovascular Journal so bündelt: Ist die Herzkrankheit schwer genug, obwohl die Therapie ausgereizt ist? Ist der Mensch körperlich fit genug, um die Operation und die lebenslange Immunsuppression zu tragen? Kann er den Alltag nach dem Eingriff mithalten, inklusive Medikamententreue und Betreuung zu Hause? Wer ältere Texte von 2016 oder 2018 liest, findet dort oft noch feste Grenzen für Body-Mass-Index (BMI) oder Wartezeiten nach Krebs. Genau diese starren Regeln hat die Praxis seither aufgeweicht.

Mayo Clinic und das Merck Manual (Aktualisierung 2025/2026) nennen typische Ursachen für das Endstadium: Kardiomyopathie, koronare Herzkrankheit, Klappenfehler, angeborene Herzfehler und wiederkehrende, anders nicht beherrschbare Kammerrhythmusstörungen. Cleveland Clinic betont, dass der Eingriff nur infrage kommt, wenn eine gute Chance auf Überleben und bessere Lebensqualität besteht. Eine Garantie auf Heilung gibt es nicht.

Wer gilt heute als Kandidat?

Als Anwärter zählt, wer trotz ausgeschöpfter Therapie schwer symptomatisch bleibt und bei dem keine absoluten Gegenanzeigen vorliegen. Häufige Anlässe sind hochgradig symptomatische Herzinsuffizienz mit verminderter Auswurffraktion, unkontrollierte Kammerarrhythmien oder eine Angina, die sich weder medikamentös noch durch Revaskularisation bessern lässt.

Weniger häufig, aber gleichermaßen relevant sind restriktive oder hypertrophe Kardiomyopathien sowie komplexe angeborene Herzfehler, bei denen palliative Operationen ausgeschöpft sind. StatPearls (Aktualisierung Mai 2024) beschreibt das Endstadium unter anderem als Auswurffraktion unter 20 Prozent plus eine maximale Sauerstoffaufnahme unter 12 Milliliter pro Kilogramm und Minute, oder als kardiogenen Schock, der dauerhaft Katecholamine oder eine mechanische Pumpe braucht. Solche Zahlen sind Orientierung, kein Automatismus.

Kittleson hebt 2025 hervor, dass auch Menschen mit erhaltener Auswurffraktion ein fortgeschrittenes Leiden haben können, etwa bei restriktiver Kardiomyopathie, Rechtsherzversagen oder nach Operationen wegen eines angeborenen Fehlers. Wer nur auf die Prozentzahl der linken Kammer starrt, verpasst diese Gruppe. Zuerst muss das Team prüfen, ob Medikamente, Resynchronisationstherapie oder eine Klappenintervention noch Spielraum lassen. Erst wenn dieser Spielraum geschlossen ist, lohnt die volle Evaluation.

Das Merck Manual (Oktober 2025, Nachtrag April 2026) nennt als weitere Anlässe Patienten, die nach Infarkt oder Herzoperation nicht von einer temporären Pumpe herunterkommen, sowie seltene Fälle, in denen ein Lungenleiden mit Herzfolgen eine kombinierte Transplantation nahelegt. Mayo Clinic ergänzt, dass an ausgewählten Zentren Herz plus Niere, Leber oder Lunge möglich sind, wenn zwei Organe gleichzeitig versagen. Das ändert die Logik der Auswahl, weil das zweite Organ eigene Grenzen mitbringt.

[Ein Arzt hält ein Herz]

Wann sollte man ein Spezialzentrum aufsuchen?

Wiederholte Klinikaufenthalte, Unverträglichkeit der Herzschwäche-Medikamente oder der Bedarf an intravenösen Kreislaufmitteln sind Gründe, früh ein Zentrum für fortgeschrittene Herzinsuffizienz zu fragen, nicht erst im Schock. Die Leitlinie der American Heart Association, des American College of Cardiology und der Heart Failure Society of America von 2022 empfiehlt die Überweisung an ein spezialisiertes Team, wenn jemand die Lebenszeit verlängern möchte und die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist.

Als Gedächtnisstütze hat sich der englische Merkspruch I NEED HELP etabliert, den Kittleson 2025 und die American Heart Association in ihrer Stellungnahme zur rechtzeitigen Überweisung nutzen. Die Buchstaben stehen für intravenöse Inotropika, anhaltende Beschwerden der Klasse III oder IV nach der New York Heart Association oder dauerhaft hohe natriuretische Peptide, nachlassende Nieren- oder Leberwerte, sehr niedrige Auswurffraktion, Schocks eines Defibrillators, mehr als eine Klinikaufnahme in zwölf Monaten, hartnäckige Ödeme trotz steigender Diuretikadosis, systolischen Blutdruck oft unter 90 bis 100 mmHg und die Notwendigkeit, bewährte Herzschwächemittel zu reduzieren.

Das Zeitfenster, das die American Heart Association 2021 als goldenes Fenster beschreibt, liegt zwischen „schwer genug für eine Spezialtherapie“ und „noch ohne unumkehrbare Organschäden“. Ein niedriger Herzindex ohne Blutdruckkollaps und ohne fortschreitendes Nieren- oder Leberversagen gehört in dieses Fenster. Kommt die Überweisung erst, wenn Kachexie, Multiorganversagen oder eine fixe pulmonale Hypertonie das Bild beherrschen, kann die Transplantation selbst zu riskant werden.

Hausärztinnen, Kardiologen und Angehörige sollten nicht warten, bis alle Buchstaben des Merkspruchs erfüllt sind. Schon zwei oder drei Warnzeichen rechtfertigen ein Gespräch mit einem Zentrum. Dort prüft das Team, ob zuerst die Medikamente neu justiert werden, ob ein Unterstützungssystem als Brücke hilft oder ob die Listung der nächste Schritt ist. Palliative Beratung gehört nach der Leitlinie von 2022 ebenfalls dazu, wenn sie zu den Zielen der Betroffenen passt.

Was hat sich seit den Regeln von 2016 geändert?

Die ISHLT-Leitlinie von August 2024 ersetzt die Dokumente von 2006 und 2016 vollständig und bewertet Kandidatur nicht mehr über einzelne Ausschlusszahlen, sondern über das Zusammenspiel von Herzstatus, Begleiterkrankungen und Betreuung. Yael Peled, Anique Ducharme und Mitautorinnen beschreiben drei Arbeitsfelder: Auswahl der Patienten, Versorgung besonderer Gruppen und dauerhafte mechanische Unterstützung während der Wartezeit.

Das Update von 2016 unter Leitung von Mandeep Mehra hatte bereits HIV, Hepatitis, Chagas und Tuberkulose unter strengen Bedingungen geöffnet und empfohlen, den BMI eher unter 35 als unter 30 zu senken. Ältere deutschsprachige Zusammenfassungen verdrehten diese BMI-Änderung oft: nicht die Schwelle wurde verschärft, sondern gelockert, weil Werte zwischen 30 und 35 kg/m² in den damaligen Daten kein so schlechtes Ergebnis zeigten wie zuvor angenommen. Prognosescores wie der Heart Failure Survival Score durften schon 2016 nicht allein über die Listung entscheiden.

Die Fassung von 2024 geht weiter. Statt fester Alters- oder Gewichtskappungen verlangt sie eine integrierte Beurteilung, Flow-Diagramme für die Wartezeit und eine eigene pädiatrische Spur in jeder Arbeitsgruppe. Scores dürfen laut der Zusammenfassung, die Kittleson 2025 zitiert, nur zusammen mit Klinik, Spiroergometrie und Hämodynamik die Entscheidung stützen. Eine geschätzte Ein-Jahres-Überlebensrate unter 85 Prozent kann bei Unklarheit helfen, ersetzt aber weder Belastungstest noch Rechtsherzkatheter.

Thema Übliche Praxis nach ISHLT 2016 Bewertung 2024/2025
Körpergewicht Gewichtsverlust auf BMI unter 35 kg/m² empfohlen Keine starre Grenze; unter 35 kg/m² oft bevorzugt
Alter Ausgewählte Menschen über 70 Jahren möglich Biologisches Alter und Gebrechlichkeit zählen stärker
HIV und Hepatitis Stabile, behandelte Infektion konnte ausreichen Weiter möglich bei kontrollierter Viruslast
Krebsgeschichte Keine feste Fünf-Jahres-Wartefrist Onkologische Einzelfallentscheidung
Prognosescores Nicht alleinige Grundlage der Listung Nur ergänzend zu Klinik und Tests
Rechtsherzkatheter Vor der Listung bei Erwachsenen Weiter vor der Listung vorgesehen

National ändern sich außerdem die Regeln, nach denen Spenderherzen verteilt werden. In den Vereinigten Staaten gilt seit Oktober 2018 ein sechsstufiges Dringlichkeitssystem statt der früheren drei Stufen. Der OPTN/SRTR-Jahresbericht 2024 hält fest, dass dieses Schema im achten Jahr läuft, während ein geplantes punktbasiertes Modell vorerst zurückgestellt wurde. Deutsche und europäische Zuteilung folgen eigenen Katalogen; die medizinischen Auswahlkriterien der ISHLT bleiben trotzdem die gemeinsame Fachsprache.

Alter, Körpergewicht und Gebrechlichkeit

Ein kalendarisches Alter über 70 Jahren ist eine relative, keine automatische Gegenanzeige; entscheidender sind Begleiterkrankungen, Muskelschwund und die Fähigkeit zur Rehabilitation. Das Merck Manual nennt Alter über 70 als relative Grenze. Kittleson schreibt 2025, dass Überlebende über 70 Jahren vergleichbare Ergebnisse erreichen können, wenn das übrige Risikoprofil passt, dass aber Infekte, Nierenschäden und Krebs nach der Transplantation häufiger werden.

Physiologisches Alter schlägt das Geburtsdatum. Viele Programme prüfen, ob große Organsysteme tragfähig sind und ob der Mensch nach Wochen auf der Intensivstation wieder gehen und essen kann. Gebrechlichkeit, oft mit Kriterien wie ungewolltem Gewichtsverlust, Muskelschwund, Erschöpfung, langsamer Gehgeschwindigkeit und geringer Aktivität erfasst, sagt mehr über das Operationsrisiko aus als die Jahreszahl allein. Untergewicht und Kachexie sind ebenfalls ungünstig, weil Reserve für Wundheilung und Infektabwehr fehlt.

Beim Gewicht bleibt ein BMI von 35 kg/m² oder mehr mit längerer Verweildauer auf der Liste, höherer Sterblichkeit vor der Operation und schlechteren Ergebnissen danach verbunden, wie Registeranalysen und Metaanalysen zeigen, die Kittleson 2025 zusammenfasst. Akzeptable Resultate gibt es häufig zwischen 30 und 35 kg/m²; optimal bleiben Werte im Normalbereich. Die ISHLT von 2016 hatte deshalb den älteren Zielwert unter 30 kg/m² auf unter 35 angehoben. Heute kann ein Zentrum Incretin-Wirkstoffe, Ernährungstherapie oder in stabilen Fällen eine bariatrische Operation prüfen, statt die Tür sofort zu schließen.

SRTR-Daten von 2024 zeigen, dass der Anteil erwachsener Listungskandidaten mit BMI von 35 kg/m² oder mehr seit 2013 um etwa 31 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig sinkt der Anteil sehr schlanker Kandidaten. Das spiegelt die Epidemiologie der Herzinsuffizienz, ändert aber nichts daran, dass extremes Übergewicht die Operation und die Nachsorge erschwert. Wer abnehmen soll, braucht realistische Ziele und Zeit; eine linksventrikuläre Unterstützungspumpe kann diese Zeit manchmal überbrücken.

Infektionen, die früher automatisch ausschlossen

Gut kontrolliertes HIV, Hepatitis B oder C schließen eine Herztransplantation nicht mehr grundsätzlich aus, solange keine aktive opportunistische Infektion vorliegt und die Viruslast nach den Kriterien des Zentrums beherrscht ist. Die ISHLT öffnete diesen Weg 2016 für ausgewählte HIV-positive Menschen ohne schwere opportunistische Infekte, mit stabiler Kombinationstherapie über mehr als drei Monate, nicht nachweisbarer HIV-RNA und CD4-Zahlen über 200 Zellen pro Mikroliter über denselben Zeitraum.

Kittleson fasst 2025 den heutigen Konsens so: HIV, Hepatitis B und C sind keine Gegenanzeigen, wenn die Infektion nicht aktiv ist und Laborwerte die Kontrolle belegen. Latente Tuberkulose und Chagas-Krankheit (Nachweis von Trypanosoma cruzi, vor allem bei Herkunft aus Mittel- oder Südamerika) schließen ebenfalls nicht von vornherein aus, erfordern aber Infektiologie und oft eine Behandlung vor der Listung. Akute bakterielle Infekte, die noch Antibiotika brauchen, bleiben ein Aufschubgrund, mit der Ausnahme mancher Infekte an einem implantierten Unterstützungssystem.

Impfungen gehören zur Vorbereitung. Die Antwort auf Impfstoffe fällt nach der Transplantation schwächer aus, weil die Immunabwehr gedämpft wird. Deshalb sollen fehlende Impfungen möglichst mindestens zwei Wochen vor dem Eingriff nachgeholt werden; Lebendimpfstoffe brauchen nach gängigen transplantationsinfektiologischen Empfehlungen etwa vier Wochen Abstand. Welche Präparate im Einzelfall sinnvoll sind, richtet sich nach dem nationalen Impfplan und dem Infektionsstatus, nicht nach einer Laien-Checkliste.

Aktiver, unkontrollierter Substanzkonsum bleibt ein schweres Hindernis. Mayo Clinic nennt fehlende Bereitschaft, auf Rauchen, Drogen und übermäßigen Alkohol zu verzichten, als Grund gegen die Aufnahme. Viele Programme erwarten etwa sechs Monate Abstinenz und prüfen das laborchemisch, etwa über Cotinin beim Tabak. In der Notfalllistung, wenn diese Frist medizinisch nicht haltbar ist, müssen Psychiatrie und Sozialdienst die Chance auf dauerhafte Abstinenz einschätzen. Gerauchtes Cannabis verknüpfen Berichte mit Pilzinfekten der Lunge und mit Wechselwirkungen der Immunsuppressiva; Zentren legen dazu eigene Regeln fest.

Krebs, Niere und Zuckerkrankheit

Aktiver oder metastasierter Krebs, ausgenommen viele nicht-melanozytäre Hauttumoren, bleibt eine absolute Gegenanzeige, weil die Immunsuppression das Tumorwachstum beschleunigen kann. Für behandelte frühe Stadien gilt seit den ISHLT-Dokumenten von 2006 und 2016 keine pauschale Fünf-Jahres-Wartefrist mehr. Kittleson 2025 und die ISHLT 2024 verlangen eine onkologische Einzelfallentscheidung: Risiko eines Rückfalls, geplante Nachsorge und die Frage, ob der Tumor unter Immunhemmung rascher fortschreiten würde.

Niedrigrisikotumoren nach vollständiger Entfernung, etwa bestimmte Prostata-, Nieren-, Gebärmutterhals- oder Blasenkarzinome, können kurze oder gar keine Beobachtungszeit vor der Listung brauchen. Screening folgt den Regeln der Allgemeinbevölkerung für Darm, Brust und Prostata; zusätzlich ist eine Ganzkörperhautuntersuchung sinnvoll, weil Hautkrebs nach Herztransplantation häufig ist. Willkürliche Wartezeiten ohne Tumorboard verzögern die Listung, ohne die Sicherheit zu erhöhen.

Die Niere entscheidet mit. Eine geschätzte Filtrationsrate unter 30 Milliliter pro Minute und 1,73 m² gilt oft als relative Grenze für eine alleinige Herztransplantation. In den USA gelten seit September 2023 klarere Regeln für Herz-plus-Niere sowie ein Sicherheitsnetz, das in den ersten zwölf Monaten nach der Herzoperation eine vorrangige Nierenlistung erlaubt, wenn die Filtration auf 20 oder darunter fällt oder Dialyse nötig wird. Europäische Zentren nutzen eigene Schwellen, folgen aber derselben medizinischen Logik: irreversible Nierenschäden und ein Spenderherz gleichzeitig zu belasten, verschlechtert die Bilanz.

Unkomplizierter Diabetes schließt nicht aus. Komplikationen wie fortgeschrittene Nierenschäden, schwere Gefäßkrankheit oder proliferative Netzhautschäden erhöhen Infekt- und Nierenrisiko nach der Transplantation. Calcineurininhibitoren und Kortikosteroide können den Zucker weiter anheben. Viele Programme streben vor der Listung einen HbA1c-Bereich um 7 bis 8 Prozent an, ohne eine einzelne Laborzahl zum Dogma zu machen. Schlecht eingestellter Diabetes kann außerdem ein Hinweis auf lückenhafte Medikamententreue sein, was das Team gesondert klären muss.

Lungenhochdruck und Rechtsherzkatheter

Ein Rechtsherzkatheter gehört bei erwachsenen Anwärtern vor die Listung, weil er prüft, ob der Lungenkreislauf das neue Herz überlasten würde. Die ISHLT von 2024 formuliert das als starke Empfehlung. Gemessen werden unter anderem systolischer Druck in der Lungenarterie, transpulmonaler Gradient und Lungengefäßwiderstand in Wood-Einheiten. Absolute Verbote gibt es kaum; das Risiko steigt stetig mit höheren Werten.

Als praktische Schwelle gilt oft: systolischer Pulmonalarteriendruck von 50 mmHg oder mehr plus entweder ein Gradient von 15 mmHg oder mehr oder ein Widerstand von 3 Wood-Einheiten oder mehr, bei einem arteriellen Systolikum über 85 mmHg. Dann folgt ein Stufenplan. Zuerst ein akuter Vasodilatatortest, etwa mit inhaliertem Stickstoffmonoxid oder Nitroprussid. Reagieren Gradient und Widerstand, ohne dass der Systemdruck unter 85 mmHg fällt, kann die Listung vertretbar sein. Bleibt der Widerstand hoch, folgen oft 24 bis 48 Stunden Überwachung mit Entwässerung, Inotropika und Gefäßerweiterung.

Hilft das nicht, kann eine temporäre oder dauerhafte Entlastung der linken Kammer den Lungenkreislauf nach Wochen bis Monaten senken. Das Merck Manual nennt eine schwere pulmonale Hypertonie, die auf Vorbehandlung nicht anspricht, weiterhin als absolute Gegenanzeige für eine alleinige Herztransplantation; in solchen Fällen bleibt manchmal nur die kombinierte Herz-Lungen-Transplantation. Bei Kindern rät Kittleson 2025 von einer routinemäßigen Wiederholung des Katheters ab, wenn der klinische Verlauf stabil ist.

Ältere Lehrbücher zitieren noch PASP über 60 mmHg, transpulmonalen Gradienten über 15 mmHg oder Widerstand über 5 bis 6 Wood-Einheiten als hartes Aus. StatPearls (2023/2024) verwendet solche Zahlen noch als grobe Orientierung. Die aktuelle Bewertung behandelt sie als Startpunkt für den Stufenplan, nicht als endgültiges Nein. Wer einen alten Arztbrief mit „fixe pulmonale Hypertonie“ besitzt, sollte das mit aktuellen Messungen und einem Entlastungsversuch abgleichen lassen.

Mechanische Kreislaufunterstützung als Brücke

Eine linksventrikuläre Unterstützungspumpe kann Zeit kaufen, damit reversierbare Probleme wie behandelbarer Krebs, Übergewicht, Nierenschwäche, Tabakkonsum oder medikamentös starre pulmonale Hypertonie sich bessern, bevor die Listung entschieden wird. Schon 2016 empfahl die ISHLT diese Brücke zur erneuten Prüfung. Die Fassung von 2024 stellt dauerhafte mechanische Systeme gleichberechtigt neben die Auswahlkriterien, weil viele Menschen Monate oder Jahre mit einer Pumpe leben, bevor ein Organ angeboten wird.

Mayo Clinic und NHLBI unterscheiden drei Rollen. Brücke zur Transplantation hält den Kreislauf, bis ein Spenderherz kommt. Zieltherapie bleibt die Pumpe, wenn eine Transplantation dauerhaft ausscheidet. Brücke zur Entscheidung schafft Zeit, bis Infekt, Ernährung oder psychosoziale Lage klarer sind. Risiken sind Infekte am Antriebskabel, Rechtsherzversagen, Thrombosen, Blutungen unter Gerinnungshemmern und Geräteversagen. Trotzdem leben manche Menschen mehrere Jahre gut mit einem solchen System.

In den USA hat die Zuteilung von 2018 die Praxis verschoben. SRTR 2024 berichtet, dass 2017 nur 8,8 Prozent der Transplantationen unter alleiniger ECMO- oder intraaortaler Ballonpumpenstützung stattfanden, 2019 bereits 33,1 Prozent. Impella-Systeme überholten 2024 die Ballonpumpe als häufigste temporäre Stütze. Gleichzeitig sank die Zahl der Transplantationen direkt von einer entlassbaren dauerhaften Pumpe: von 1288 im Jahr 2016 auf 600 im Jahr 2024. Höhere Dringlichkeitsstufen belohnen akute Geräte, was die Wartezeit dort verkürzt, ambulante Pumpenpatienten aber länger warten lässt.

Cleveland Clinic nennt ECMO, ein Kunstherz oder eine Kammerpumpe als mögliche Brücken, solange andere Organe nicht unumkehrbar geschädigt werden. Wer ein Gerät trägt, bleibt Kandidat nur, wenn das Team regelmäßig neu bewertet: Infekte, Antikörper gegen Gewebeantigene, Rechtsherzfunktion und die Frage, ob die Pumpe selbst schon eine tragfähige Dauerlösung ist. Ein Gerät ersetzt die sorgfältige Auswahl nicht, es verschiebt sie.

Welche Tests stehen vor der Listung?

Die Evaluation dauert oft mehrere Tage und verbindet Herzmessungen, Organsuche, Infektionsstatus, Krebsvorsorge und eine psychosoziale Prüfung. Cleveland Clinic beschreibt eine drei- bis viertägige Station mit Labor, Bildgebung und Gesprächen mit Chirurgie, Kardiologie, Pflege, Psychologie und Sozialdienst. Ziel ist nicht eine einzelne Zahl, sondern das Gesamtbild.

Zur Herzschwere gehören Echokardiografie, oft eine Spiroergometrie und der Rechtsherzkatheter. Für gehfähige Erwachsene stützen Peak-VO2-Werte um 13 bis 14 Milliliter pro Kilogramm und Minute unter Betablocker, etwas höhere Schwellen ohne Betablocker, ein VE/VCO2-Quotient über 35 oder eine Leistung unter 50 Prozent des Sollwerts die Listung, besonders bei Frauen sowie bei Jüngeren oder Älteren. Bei Adipositas wird die Aufnahme manchmal auf die magere Körpermasse bezogen, mit einer Schwelle um 19 Milliliter pro Kilogramm magere Masse. Kein einzelner Wert listet allein.

Labor und Bildgebung suchen nach Nieren-, Leber- und Lungengrenzen, nach Gefäßkrankheit und nach versteckten Infekten. Typisch sind Blutbild, Stoffwechsel, Urin plus Toxikologie, Hepatitis- und HIV-Serologie, Cytomegalie- und Epstein-Barr-Status, bei entsprechender Herkunft Chagas-Serologie, Lungenfunktion, Ultraschall des Bauches und bei Menschen über 50 oder mit ischämischer Ursache oft Halsschlagader-Doppler und Knöchel-Arm-Index. Zahnstatus und, bei Diabetes, eine Augenuntersuchung gehören dazu, weil Infektquellen nach der Immunsuppression gefährlich werden.

Psychosozial zählt ebenso schwer wie die Hämodynamik. Wiederholte Non-Adhärenz und fehlende Betreuungsperson gelten als absolute Hindernisse, weil Abstoßung und Infekt ohne zuverlässige Medikamenteneinnahme wahrscheinlicher werden. Kittleson 2025 nennt standardisierte Instrumente wie die Stanford Integrated Psychosocial Assessment. Leichte Angst oder Depression allein sollen nach StatPearls niemanden automatisch ausschließen. Finanzielle Klärung der Nachsorge, inklusive der lebenslangen Immunsuppressiva, gehört in Ländern ohne volle Kostenübernahme zur ehrlichen Aufklärung.

Wie lange dauert die Wartezeit und wie sind die Chancen?

Die Wartezeit hängt von Blutgruppe, Körpergröße, Immunisierung und Dringlichkeit ab und kann von Stunden bis zu Jahren reichen; ein festes Datum gibt es nicht. Mayo Clinic betont, dass mehr Menschen ein Herz brauchen, als Spender zur Verfügung stehen, und dass das Organ meist binnen etwa vier Stunden nach der Entnahme transplantiert werden muss. Cleveland Clinic ergänzt, dass in den USA die Position auf der Liste den Status 1 (höchste Dringlichkeit) bis 6 (stabiler) folgt, plus Blutgruppe und Verweildauer in diesem Status.

US-Zahlen dienen als Maßstab, nicht als deutsche Prognose. SRTR zählte 2024 insgesamt 4636 Herztransplantationen, darunter 4146 bei Erwachsenen, ein Anstieg um 81,5 Prozent gegenüber 2013. Die Sterblichkeit auf der Erwachsenenliste lag bei 8,4 Todesfällen je 100 Patientenjahre, nach 14,9 im Jahr 2013. Unter den 2021 neu Gelisteten waren nach drei Jahren 75,8 Prozent transplantiert, 4,0 Prozent vor der Operation gestorben, 14,2 Prozent abgemeldet; 6,0 Prozent warteten noch. 60,6 Prozent der 2023 Gelisteten erhielten binnen drei Monaten ein Organ.

Nach der Operation bleiben die US-Ergebnisse über ein Jahrzehnt stabil. Für Erwachsene der Kohorte 2017 bis 2019 nennt SRTR 91,2 Prozent Überleben nach einem Jahr, 85,6 Prozent nach drei und 80,1 Prozent nach fünf Jahren. Bei Kindern derselben Jahre liegen die Werte bei 92,3, 87,8 und 83,9 Prozent. Cleveland Clinic berichtet für Nordamerika etwa 91 Prozent nach einem Jahr und eine mediane Überlebenszeit um 14 Jahre. Das Merck Manual schätzt rund 90 Prozent nach einem und 80 Prozent nach fünf Jahren. Mayo Clinic nennt weltweit etwa 80 Prozent nach einem und 70 Prozent nach fünf Jahren; die Diskrepanz erklärt sich durch unterschiedliche Kohorten und den Einschluss älterer internationaler Serien.

Frühe Todesursachen sind vor allem primäres Transplantatversagen, Abstoßung und Infekt. Später dominieren die transplantatvaskuläre Erkrankung der Kranzgefäße und lymphoproliferative Erkrankungen. MedlinePlus stellt klar, dass die Operation die letzte Option bleibt, wenn andere Therapien versagt haben, und dass weniger als 30 Prozent der Empfänger aus vielen Gründen wieder in Lohnarbeit gehen, obwohl die meisten Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen. Mehr als 90 Prozent der Überlebenden nach einem Jahr erreichen laut Merck die Beschwerdeklasse I der New York Heart Association. Das sind Durchschnittswerte, keine individuelle Zusage.

Spenderprofile haben sich geweitet. SRTR 2024 weist 17,9 Prozent Herzen nach Kreislaufstillstand (Donation after Circulatory Death) aus, gegenüber 0,2 Prozent im Jahr 2019, und 8,5 Prozent von Spendern mit Hepatitis-C-Markern. Ex-situ-Perfusion, die das entnommene Herz außerhalb des Körpers durchblutet, kann die klassische Frist von vier bis sechs Stunden verlängern und solche Organe nutzbar machen, schreibt das Merck Manual. Das vergrößert den Pool, ändert aber nichts an der Notwendigkeit, Empfänger sorgfältig auszuwählen.

Häufige Fragen

Wer kommt für eine Herztransplantation infrage?

Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche, lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen oder anders nicht stillbarer Angina, bei denen Medikamente und Geräte ausgereizt sind. Gleichzeitig dürfen keine absoluten Gegenanzeigen wie unkontrollierter Krebs, unbeherrschbarer Lungenhochdruck oder fehlende Betreuung bestehen. Das Zentrum entscheidet nach dem Gesamtbild, nicht nach einer einzelnen Laborzahl.

Schließt Übergewicht die Aufnahme aus?

Ein BMI von 35 kg/m² oder mehr erschwert Listung und Ergebnis, ist aber keine automatische Tür zu. Viele Teams streben weiter Werte unter 35 an und können Ernährungstherapie, Medikamente oder in stabilen Fällen eine Magenoperation vorschalten. Zwischen 30 und 35 kg/m² sind die Resultate oft akzeptabel, bleiben aber schlechter als im Normalgewicht.

Können Menschen mit HIV ein Spenderherz erhalten?

Ja, wenn die Infektion stabil behandelt ist, die Viruslast nicht nachweisbar bleibt und keine schweren opportunistischen Infekte vorliegen. Die ISHLT öffnete diesen Weg 2016; aktuelle Reviews behandeln kontrolliertes HIV analog zu behandelter Hepatitis B oder C. Die Entscheidung trifft das Zentrum zusammen mit der Infektiologie.

Welche Untersuchungen braucht die Listung?

Mindestens Echokardiografie, meist Spiroergometrie, Rechtsherzkatheter, umfassendes Labor inklusive Infektionsserologie, Organsuche und eine psychosoziale Bewertung. Zusätzlich folgen Krebsvorsorge nach Altersregeln, Zahnstatus und oft Gefäßdiagnostik. Ohne Betreuungsperson und ohne nachvollziehbare Medikamententreue kommt die Listung in der Regel nicht zustande.

Wie lange wartet man auf ein Spenderherz?

Manche erhalten das Organ am Tag der Listung, andere warten Monate oder Jahre. Blutgruppe, Größe, Antikörper und Dringlichkeit steuern das Angebot. In den USA bekamen 2023 rund 61 Prozent der neu Gelisteten binnen drei Monaten ein Herz; das überträgt sich nicht eins zu eins auf Europa.

Wann sollte man ein Herzinsuffizienz-Zentrum aufsuchen?

Bei wiederholten Klinikaufenthalten, Unverträglichkeit der Standardtherapie, häufigen Defibrillator-Schocks, anhaltenden Ödemen oder dem Bedarf an Infusions-Kreislaufmitteln. Die American Heart Association rät, nicht bis zum Multiorganversagen zu warten. Wer unsicher ist, kann den Fall telefonisch mit einem Zentrum besprechen, ohne sofort die volle Evaluation zu starten.

Fazit

Ob jemand auf die Liste kommt, hängt 2024 nicht mehr an einzelnen Ausschlusszahlen von 2006 oder 2016, sondern daran, ob das Herzleiden trotz voller Therapie das Leben begrenzt und ob der übrige Körper sowie das soziale Netz die Operation tragen können. HIV, behandelte Hepatitis, ausgewählte Krebsgeschichten und ein BMI zwischen 30 und 35 kg/m² sind oft verhandelbar. Aktiver Krebs mit Metastasen, ein Lungenhochdruck, der sich nicht senken lässt, und fehlende Betreuung bleiben harte Grenzen.

Wer zu Hause immer häufiger entwässert werden muss, Medikamente nicht mehr verträgt oder zweimal in einem Jahr wegen Herzschwäche stationär lag, sollte das Gespräch mit einem spezialisierten Team nicht aufschieben. Dort lässt sich klären, ob zuerst die Therapie neu justiert wird, ob eine Pumpe Zeit schafft oder ob die volle Evaluation startet. Mitgebrachte ältere Arztbriefe mit festen Alters-, BMI- oder Krebsfristen gehören auf den Prüfstand.

Nach einer erfolgreichen Transplantation bleiben lebenslange Immunsuppressiva, Biopsien und Infektvorsorge Pflicht. Die US-Registerzahlen der letzten Jahre zeigen etwa neun von zehn Erwachsenen am Leben nach einem Jahr und acht von zehn nach fünf Jahren, bei steigendem Anteil älterer und kränkerer Empfänger. Das ist ein statistischer Rahmen, kein Versprechen für den einzelnen Verlauf.

Quellen

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  2. Mehra MR, Canter CE et al.: The 2016 International Society for Heart Lung Transplantation listing criteria for heart transplantation: A 10-year update. The Journal of Heart and Lung Transplantation, 1. Januar 2016.
  3. Kittleson MM: Who is the Candidate? The Heart Transplant Evaluation Process. Methodist DeBakey Cardiovascular Journal, 15. Mai 2025.
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  5. Mayo Clinic Staff: Heart transplant. Mayo Clinic, 8. Juli 2026.
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  7. Colvin MM, Smith JM et al.: OPTN/SRTR 2024 Annual Data Report: Heart. Scientific Registry of Transplant Recipients, Stand: 2026.
  8. National Library of Medicine: Heart Transplantation. MedlinePlus, Stand: 2026.
  9. Heidenreich PA, Bozkurt B et al.: 2022 AHA/ACC/HFSA Guideline for the Management of Heart Failure. Circulation, 1. April 2022.
  10. Brown KN, Abraham J et al.: Heart Transplantation Patient Selection. StatPearls, 31. Mai 2024.
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