
Der Spendermangel entsteht nicht, weil die Mehrheit Organspende ablehnt. Er entsteht, weil nur wenige Sterbefälle medizinisch für eine Entnahme geeignet sind, weil Zustimmung oft ungeschrieben bleibt und weil Angehörige im Schock häufig widersprechen.
Die US-Gesundheitsbehörde HRSA befragte von September 2024 bis Februar 2025 genau 10.008 Erwachsene. Dabei unterstützten 93 Prozent Organspende, eingetragen waren jedoch nur 53 Prozent, weitere 5 Prozent kannten ihren Status nicht. Von den Nicht-Eingetragenen wollte fast die Hälfte trotzdem, dass ihre Organe nach dem Tod verwendet werden.
2024 fanden in den Vereinigten Staaten 48.149 Transplantationen statt, weltweit 173.727. Trotzdem starben nach Angaben der Mayo Clinic 2026 täglich etwa 13 Menschen auf der Warteliste. Eine bloße Gesetzesumstellung auf mutmaßliche Einwilligung hat in Längsschnitten die Spenderzahlen nicht angehoben.
Warum der Mangel trotz Zustimmung bleibt
Die Lücke entsteht vor allem durch drei Filter, nämlich wenige geeignete Todesumstände, fehlenden schriftlichen Willen und Ablehnung durch Angehörige. Hohe Umfragewerte ändern daran wenig, solange diese Filter greifen.
Nur ein kleiner Teil der Sterbefälle ereignet sich unter Bedingungen, unter denen Organe noch durchblutet und zeitnah entnommen werden können. Das US-Altersinstitut hält fest, dass eine Spende vitaler Organe zu Hause logistisch meist unmöglich ist, weil Herz, Lunge, Leber und Nieren ohne Sauerstoff nur kurz brauchbar bleiben. Gewebe und Hornhaut können länger warten. Cleveland Clinic beschreibt den Ablauf nach dem Tod als Sache von Stunden, nicht von Tagen.
Selbst wer zustimmt, handelt oft nicht. In der HRSA-Erhebung 2025 nannten Menschen, die spenden wollten, aber nicht eingetragen waren, am häufigsten Gesundheitsbedenken (30 Prozent), Informationsbedarf (21 Prozent) und die Furcht, Ärztinnen und Ärzte würden sie im Notfall weniger energisch behandeln (16 Prozent). Nur 4 Prozent der klar Ablehnenden sagten, nichts könne sie umstimmen. Der Engpass sitzt also selten in einer festen Nein-Haltung.
Angehörige bleiben der dritte Filter. Hatte die Familie den Wunsch des Verstorbenen besprochen, würden laut HRSA 85 Prozent Organe freigeben. War der Wunsch unbekannt, sank der Anteil auf 69 Prozent. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) hatte überhaupt mit Verwandten über das Thema gesprochen. Ein Registereintrag ohne Gespräch lässt sich im Trauerfall leichter anzweifeln.
Mehrere Organe eines einzelnen Verstorbenen können nach Mayo Clinic bis zu acht Leben retten und Gewebe für etwa 75 weitere Menschen liefern. Das hebt die Bedeutung jedes geeigneten Falls, ändert aber nichts daran, dass geeignete Fälle selten bleiben. Solange Zustimmung, Gespräch und klinische Eignung nicht zusammenfallen, wächst die Warteliste weiter, auch wenn Umfragen freundlich aussehen.
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Wie groß die Lücke heute wirklich ist
In den USA warteten im Oktober 2024 nach HRSA-Angaben 103.223 Erwachsene und Kinder auf ein Organ. Cleveland Clinic nannte Ende 2025 weiter mehr als 100.000 Wartende bei rund 48.000 Transplantationen im Jahr. Die Niere trägt den größten Teil der ungedeckten Nachfrage.
Vorläufige OPTN-Zahlen der HRSA für 2024 zählen 48.149 Transplantationen, 3,3 Prozent mehr als 2023 und 23,3 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. 16.988 verstorbene und 7.030 lebende Spender machten das möglich. 41.119 Eingriffe stammten von Verstorbenen, erstmals über 40.000 in einem Jahr. Niere (27.759), Leber (11.458), Herz (4.572) und Lunge (3.340) bildeten die großen Gruppen. Die Lunge wuchs prozentual am stärksten (+10,4 Prozent).
Global meldete das Gemeinschaftsregister von Weltgesundheitsorganisation und spanischer Transplantationsbehörde GODT für 2024 einen Rekord von 173.727 festen Organtransplantaten in 92 Ländern, plus 2 Prozent zum Vorjahr. 47.180 tatsächlich verstorbene Spender wurden gezählt. 28 Prozent dieser postmortalen Aktivität liefen über den Kreislaufstillstand statt über den Hirntod. 110.467 Nierentransplantationen machten den größten Block aus, 37 Prozent davon von Lebendspendern. Die Autoren betonten zugleich anhaltende Knappheit und scharfe regionale Unterschiede.
| Spendeweg | Typische Organe | USA 2024 (HRSA) |
|---|---|---|
| Hirntod, postmortal | Herz, Lunge, Leber, Niere, Pankreas, Darm | 9.706 Spender, minus 7 Prozent |
| Kreislaufstillstand, postmortal | vor allem Niere, Leber, Lunge | 7.280 Spender, plus 23,5 Prozent |
| Lebendspende | eine Niere, Leberteil, selten Uterus | 7.030 Spender |
Die Warteliste wächst, weil Zugänge die Entnahmen überholen. HRSA rechnete 2024 mit etwa 31 Prozent Deckung durch vorhandene Spender und 53.068 Menschen ohne passende Chance, gegenüber 34 Prozent Deckung und 11.690 ungedeckten Fällen im Jahr 1988. Mehr Operationen heißen also nicht, dass der Rückstau schmilzt. Die Mayo Clinic bezifferte 2026 etwa 13 Todesfälle pro Tag auf der Liste. Ältere Texte nannten noch 20; die Richtung bleibt dieselbe, die Zahl ist kleiner, weil mehr Organe bewegt werden.
Wer nach dem Tod oder lebend spenden kann
Nach dem Tod kann fast jeder potenziell infrage kommen. Entscheidend sind Organzustand, Infektionen und die Umstände des Sterbens, nicht das Geburtsjahr. Lebend kommt nur infrage, wer gesund genug für eine große Operation ist und freiwillig einwilligt.
MedlinePlus nennt als spendbare innere Organe Nieren, Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Lungen, dazu Haut, Knochen, Knochenmark und Hornhaut. Cleveland Clinic ergänzt Herzklappen, Sehnen, Knorpel, Gefäße und Nerven. Lebend lassen sich vor allem eine Niere und ein Leberstück abgeben, seltener Uterus, Knochenmark oder Stammzellen, ganz selten Anteile von Lunge oder Pankreas. Unter 18 Jahren braucht die Registrierung in den USA die Erlaubnis der Eltern; stirbt ein Kind vor dem 18. Geburtstag, entscheiden die Sorgeberechtigten.
Das US-Altersinstitut stellte 2021 fest, dass ein Drittel der US-Organspender über 50 Jahre alt war. Der älteste dokumentierte Spender dort war 92. Mayo Clinic schreibt, es gebe keine feste Altersgrenze; das Team prüft die Organe im konkreten Fall. Aktiv streuender Krebs, schwere Infektion oder fortgeschrittene Herzkrankheit können einzelne Organe ausschließen, andere Gewebe aber offenlassen. Wer unsicher ist, kann sich trotzdem eintragen lassen, denn die Eignung wird erst im Todesfall geprüft.
Lebendspender sind nach Mayo Clinic meist zwischen 18 und 60 Jahren, körperlich und psychisch belastbar. Diabetes, manche Infektionen, Krebs oder Herzkrankheit können ausschließen. Cleveland Clinic verlangt Volljährigkeit, Einsicht in Risiken und das Fehlen von Druck. Blutgruppenunverträglichkeit muss heute nicht das Ende sein, weil Kreuzspenden und Ketten Paare tauschen können, die einzeln nicht zusammenpassen.
Gewebe und Hornhaut bleiben länger nutzbar als feste Organe. Wer zu Hause stirbt, kann deshalb oft noch Augen oder Gewebe spenden, auch wenn Herz oder Leber nicht mehr erreichbar sind. Das erklärt, warum ein Registereintrag nicht wertlos wird, wenn das Sterben außerhalb der Intensivstation liegt.
Hirntod und Spende nach Kreislaufstillstand
Postmortale Spende setzt den Tod voraus, festgestellt entweder als irreversibler Ausfall des gesamten Gehirns einschließlich Stamm oder als irreversibler Kreislauf- und Atemstillstand. Koma ist kein Hirntod. Die feststellenden Ärzte dürfen nach US-Leitlinie nicht zugleich über die Organvergabe entscheiden.
Die American Academy of Neurology hat 2023 mit Kinder- und Intensivfachgesellschaften eine gemeinsame Leitlinie für Kinder und Erwachsene veröffentlicht und damit getrennte Texte von 2010 und 2011 ersetzt. Der Kern blieb der dauerhafte Verlust der gesamten Hirnfunktion mit Koma, fehlenden Stammreflexen und Atemstillstand trotz ausreichendem Reiz, nach Ausschluss von Unterkühlung, starkem Blutdruckabfall, Stoffwechselentgleisung und Medikamenteneffekt. Neu sind unter anderem Hinweise zu Lungen-Herz-Maschinen, gezielter Temperatursteuerung und Verletzungen der hinteren Schädelgrube. Ziel der Vereinheitlichung war öffentliches Vertrauen, nicht eine lockerere Todesdefinition.
Spende nach Kreislaufstillstand (im Englischen oft DCD) hat das Volumen verschoben. HRSA zählte 2024 genau 7.280 solche Spender, 23,5 Prozent mehr als 2023, während Hirntodspender um 7 Prozent auf 9.706 sanken, der erste Rückgang seit 2013. Verbesserte Konservierung macht Niere, Leber und Lunge aus diesem Weg häufiger brauchbar. Weltweit entfielen 2024 laut GODT 28 Prozent der postmortalen Aktivität auf den Kreislaufweg.
Der Konflikt zwischen Sterbebegleitung und Organerhalt bleibt. StatPearls betont, dass die erste Pflicht gilt, das Leben des Patienten zu retten, nicht Organe zu sichern. Mayo Clinic widerspricht dem Irrtum, registrierte Spender würden in der Notaufnahme weniger behandelt. Das Team behandelt den liegenden Menschen, nicht einen künftigen Empfänger. Getrennte Teams für Feststellung des Todes und für die Entnahme sollen Interessenkonflikte begrenzen. Vorbereitung an Geräten vor der Todesfeststellung darf nur nach klaren Regeln und mit Information der Angehörigen erfolgen.
Wer den Hirntod nicht versteht, lehnt häufiger ab. Roza und Kollegen fanden in einer internationalen Übersicht 2024 Unwissen über den Ablauf als häufigsten persönlichen Ablehnungsgrund. Eine ruhige Erklärung, was Hirntod von Koma unterscheidet, gehört deshalb zur klinischen Arbeit, nicht erst zur Öffentlichkeitsarbeit.
Lebendspende von Niere und Leberlappen
Lebendspende verkürzt Wartezeit und kann die Funktion des Organs verbessern, belastet aber einen gesunden Menschen mit einer großen Operation. Die Entscheidung muss frei sein, prüfbar und jederzeit widerrufbar, ohne dass das Zentrum dem Empfänger den Grund nennt.
Mayo Clinic unterscheidet gerichtete Spende an eine bekannte Person und ungerichtete, altruistische Spende an Unbekannte. Kreuzspenden und Ketten verbinden unverträgliche Paare. Laparoskopische Nierenentnahme dauert etwa zwei bis drei Stunden, die offene Variante bleibt bei Voroperationen oder starkem Übergewicht. Die Leberoperation kann bis zu zehn Stunden dauern; 40 bis 70 Prozent des Spenderorgans werden entnommen, der Rest wächst binnen etwa zwei Monaten wieder auf übliche Größe.
Unmittelbare Operationsrisiken sind Schmerz, Infektion, Blutung, Hernie, Gerinnsel und selten Tod. Langfristig nennt Mayo Clinic für Nierenspender leicht höheres Risiko späteren Nierenversagens als bei ähnlich gesunden Nichtspendern, zugleich aber geringeres Risiko als in der Durchschnittsbevölkerung, weil Spender vorselektiert gesund sind. Lebenserwartung lag in langen Beobachtungen gleichauf. Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und geringere Filtrationsleistung kommen vor. Leberspender riskieren Galleleck, Engstellen der Gallenwege, Blutungen im Bauch und selten unzureichendes Nachwachsen. Psychische Belastung, Reue oder Wut sind möglich, wenn das Organ im Empfänger versagt.
KDIGO hat 2017 die internationale Leitlinie zur Bewertung von Lebendnierenspendern vorgelegt. Statt einzelner Ausschlussgrenzen soll ein Gesamtprofil aus Alter, Begleiterkrankungen und Nierenreserve das Risiko schätzen. Die Leitlinie bleibt der Rahmen; spätere Arbeiten diskutieren rassenneutrale Filtrationsformeln, gezielte Gentests wie APOL1 bei afrikanischer Abstammung und strengere Blutdruckschwellen. Ein unabhängiger Anwalt des Spenders ist in US-Zentren vorgeschrieben, oft als Sozialarbeit oder Beratung, damit Druck durch Familie oder Geld erkannt wird.
Nach Nierenspende kehren die meisten nach Mayo Clinic binnen vier bis sechs Wochen in den Alltag zurück, nach Leberspende oft erst nach zwei bis drei Monaten. Der Klinikaufenthalt dauert wenige Tage nach Niere, bis zu sieben Tage nach Leber. Schwangerschaft bleibt nach Nierenspende möglich, mit etwas höherem Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie; ein Abstand von mindestens sechs Monaten wird empfohlen. Kontaktsportarten mit Schlag auf die Restniere raten manche Teams zu meiden.
Warum Angehörige häufig ablehnen
Familien lehnen ab, wenn der Wille unbekannt ist, der Körper unverletzt bleiben soll, das Vertrauen in die Klinik brüchig ist oder religiöse Zweifel offenbleiben. Das gilt in Ländern mit Zustimmungslösung und in Ländern mit Widerspruchslösung.
Roza und Kollegen sichteten 92 Arbeiten und Länderberichte. Persönliche Ablehnung einer eigenen postmortalen Spende hing am häufigsten an Unwissen (16,5 Prozent der Nennungen), religiösen Überzeugungen (15,8 Prozent), Angst vor Entstellung (12,8 Prozent) und Konflikten oder Misstrauen gegenüber dem Personal (8,3 Prozent). Bei der Familienbefragung nach dem Tod standen vorn ein zuvor geäußerter Wille gegen Spende (10,1 Prozent), Furcht vor Entstellung (9,9 Prozent), Konflikte oder Misstrauen (9,2 Prozent), Religion (8,9 Prozent) und persönliche Motive (8,7 Prozent).
In England, wo seit Mai 2020 eine weiche mutmaßliche Einwilligung gilt, befragten McLaughlin und Kollegen 103 Angehörige zu 83 möglichen Spendefällen. Volle Unterstützung gab es in 37 Prozent, teilweise Freigabe einzelner Organe oder Gewebe in 49 Prozent, vollständige Ablehnung in 13 Prozent. Themen waren Unklarheit über die neue Rolle der Familie, Verwirrung über die mutmaßliche Einwilligung, Zweifel am geäußerten Willen, das Gefühl, die Operation sei ein zusätzlicher Schaden, und der harte Übergang vom Sterbegespräch zur Spendefrage. Viele fragten eher, ob der Verstorbene eine Operation gewollt hätte, als ob jemand auf der Liste leben könnte.
US-Recht behandelt den Registereintrag Erwachsener als bindende Zustimmung. Die NIA-Seite für ältere Erwachsene schreibt, die Familie könne einen dokumentierten Willen nicht aushebeln. Mayo Clinic ergänzt, Krankenhäuser müssten bei Eintrag im Staatsregister oder Vermerk im Ausweis nicht erneut um Erlaubnis bitten, rät aber trotzdem zum Gespräch, weil Kliniken Angehörige weiter informieren. In der englischen Praxis blieb die Familie faktisch entscheidend. Der Unterschied erklärt, warum ein Gesetz allein die Entnahmen nicht hebt.
Zeitdruck und ungeklärte Diagnosen erhöhen Ablehnung. Italienische Intensivdaten verknüpften längere Strecken zwischen Ereignis und Tod mit höherer Verweigerung. Roza nennt auch Wartezeit bis zur Freigabe des Körpers. Praktisch hilft, den Wunsch schriftlich festzuhalten, eine Vertrauensperson zu benennen und religiöse Fragen zu Lebzeiten mit Seelsorge zu klären, statt sie der Intensivstation zu überlassen.
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Was Zustimmung und Widerspruch in den Daten zeigen
Eine gesetzliche Voreinstellung ändert die Spenderzahlen allein kaum. Längsschnitte in Ländern, die von ausdrücklicher Zustimmung auf mutmaßliche Einwilligung wechselten, fanden im Mittel keinen Anstieg.
Dallacker und Kollegen (Max-Planck-Institut, 2024) werteten Zeitreihen aus Argentinien, Chile, Schweden, Uruguay und Wales aus. Der Wechsel zur Widerspruchslösung steigerte die Chance, dass ein Verstorbener Spender wurde, im Länderdurchschnitt nicht. Auch ein verzögerter, langsamer Anstieg war nicht erkennbar. Die Covid-19-Jahre senkten die Spendechance in allen fünf Ländern. Die Autoren folgerten, dass ohne Investitionen in Intensivkapazität, Aufklärung und Arbeit mit Angehörigen die gesetzliche Voreinstellung wirkungslos bleibt.
McLaughlin und Mays bewerteten 2024 das englische Gesetz von 2019, umgesetzt 2020 nach dem walisischen Modell von 2015. Die weiche mutmaßliche Einwilligung sollte Entscheidungen zu Lebzeiten stärken und Angehörige in eine unterstützende Rolle rücken. In der Praxis wurde die neue Regel auf das alte Zustimmungsverfahren gelegt; Formulare und Familienanhörung blieben. Die Zustimmungsraten stiegen weder in Wales noch in England. Eine begleitende Interviewstudie derselben Gruppe zeigte, dass Pflegekräfte sich durch das Gesetz nicht ermächtigt fühlten, Angehörige klarer zu führen.
HRSA fragte 2025 nach einem nationalen System mit Pflichtteilnahme und Widerspruch. 53 Prozent würden es unterstützen, 37 Prozent würden widersprechen. 2019 lagen die Werte bei 56 und 34 Prozent. Jüngere, einkommensstärkere und höher gebildete Befragte stimmten öfter zu. Zahlungen an sich selbst oder die Familie nach dem Tod hielten 41 bzw. 39 Prozent für einen Anreiz, dreimal so viele wie 1993. Das bleibt politisch umstritten, weil Verkauf und Druck das Vertrauen zerstören können.
Ältere Debatten, auch die deutsche um Zustimmung oder Widerspruch, rechneten oft mit einem Automatismus, wonach derjenige automatisch spendet, der nicht widerspricht. Die Daten seit 2018 widersprechen diesem Automatismus. Spanien und Portugal gelten weiter als leistungsfähig, weil Koordinatoren, Intensivkultur und Familienarbeit tragen, nicht weil ein Formular fehlt. Wer in Deutschland oder anderswo das Gesetz ändern will, muss diese Begleitung mitplanen.
Irrtümer, die Einträge verhindern
Die meisten Gründe, sich nicht einzutragen, beruhen auf falschen Annahmen zu Alter, Religion, Bestattung, Kosten und Behandlungsqualität. Mayo Clinic und die NIA-Seite für ältere Erwachsene widersprechen ihnen einzeln.
- Das Team in der Notaufnahme behandelt den liegenden Menschen, nicht einen künftigen Empfänger; Registrierung ändert die Rettungsversuche nicht.
- Hirntod wird nach festen Tests festgestellt, getrennt vom Entnahmeteam, und Koma gilt ausdrücklich nicht als Tod.
- Katholizismus, Islam, die meisten protestantischen Kirchen und viele jüdische Richtungen unterstützen Spende; Unsicherheit klärt ein Gespräch mit Seelsorge.
- Offener Sarg bleibt möglich, weil der Körper versorgt und bekleidet wird; Entnahme ist von außen nicht sichtbar.
- Es gibt keine feste Altersgrenze; 2021 war ein Drittel der US-Spender über 50, der älteste 92 Jahre.
- Krankheit schließt selten alles aus, weil einzelne Organe ungeeignet sein können, Hornhaut oder Gewebe aber trotzdem nutzbar bleiben.
- Die Familie des Spenders zahlt die Entnahme nicht; Empfängerversicherung oder Programme tragen diese Kosten, nicht das Begräbnis.
Reichtum oder Bekanntheit rücken niemanden auf der Liste nach vorn. Mayo Clinic beschreibt ein rechnergestütztes Verfahren nach Dringlichkeit, Blutgruppe, Körpergröße, Wartezeit und Entfernung. 80 Prozent der HRSA-Befragten 2025 wollten Zuteilung nach medizinischer Dringlichkeit statt nach Wohnort.
Zwei weitere Irrtümer halten sich. Erstens können nicht nur Verwandte lebend eine Niere geben, weil ungerichtete Spende und Ketten etabliert sind. Zweitens umfasst die Registrierung nicht automatisch das Gehirn für die Forschung. Die NIA-Seite trennt Organtransplantat und Hirnspende für die Wissenschaft. Wer beides will, muss beides festhalten.
Recht, Zuteilung und Infektionsschutz
Organspende ist in den USA eines der am stärksten geregelten Felder der Medizin. Das National Organ Transplant Act von 1984 schuf das Netz OPTN, das HRSA beaufsichtigt. Verkauf fester Organe bleibt verboten.
Das Rechnerverfahren sucht nach Blutgruppe, Gewebemerkmalen, Größe, Wartezeit, Schwere der Erkrankung und Distanz. Cleveland Clinic beschreibt, dass das Team des Empfängers das angebotene Organ annehmen oder ablehnen kann. Lokale Empfänger können Vorrang haben, wenn Transportzeit Organe gefährdet. 2023 änderte OPTN Regeln für Leber, um erwachsenen Frauen den Zugang zu erleichtern; 2024 stiegen Lebertransplantationen bei Frauen um 12,4 Prozent.
Lebende und verstorbene Spender werden auf Infektionen untersucht. Die CDC nennt HIV, Hepatitis B und C, Syphilis und Cytomegalie als Pflichttests, plus Anamnese zu Verhalten und Vorerkrankungen. Übertragene Infektionen gelten als selten. Behörden und Arbeitsgruppen verdächtigen etwa 1 Prozent der Transplantate, bestätigte Fälle liegen deutlich darunter. Trotzdem können solche Ereignisse das Transplantat zerstören oder tödlich enden. 57 Organbeschaffungsorganisationen arbeiten mit Kliniken; Gewebe unterliegt zusätzlich der Arzneimittelbehörde FDA.
HRSA startete 2023 eine Modernisierung von OPTN, mit öffentlichen Daten und schärferer Aufsicht. 2025 sanken verstorbene Spenderzahlen in vorläufigen Jahresberichten erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt, während die Lebendspende weiter stieg. Das zeigt, dass Organisation, Transport und Annahme angebotener Organe ebenso zählen wie neue Einträge im Register.
Wer lebend spendet, braucht eine eigene Absicherung. US-Zentren müssen über Risiken aufklären; die Krankenversicherung des Empfängers trägt in der Regel die Operation, nicht automatisch spätere eigene Erkrankungen des Spenders. Ein unabhängiger Beistand soll wirtschaftlichen Druck erkennen. Das bleibt der Unterschied zur postmortalen Spende, bei der der Spender keine Heilungserwartung mehr hat.
Was sich an der Versorgung seit 2018 geändert hat
Seit 2018 ist die Knappheit nicht verschwunden, aber die Quellen der Organe haben sich verschoben. Wachstum kam vor allem aus Spende nach Kreislaufstillstand, besserer Konservierung und mehr älteren Spendern, nicht aus einem Gesetzeshebel.
2018 argumentierten viele Texte, eine Widerspruchslösung werde Tausende Organe heben, und gedruckte oder gezüchtete Organe würden die Liste in zehn bis fünfzehn Jahren leeren. Dallacker 2024 und die englische Gesetzesbewertung 2024 widersprechen dem ersten Teil. Die gesetzliche Voreinstellung allein bewegt die Kurve nicht. Gedruckte ganze Organe sind klinisch nicht angekommen. Frühe Versuche mit genveränderten Schweinenieren laufen als Forschung, nicht als Regelversorgung.
Dafür ist der Kreislaufweg erwachsen. HRSA zählte 2024 genau 7.280 solche Spender, plus 23,5 Prozent. GODT meldete für 2024 einen Anteil von 28 Prozent an der weltweiten postmortalen Aktivität. Spender ab 50 Jahren stellten in den USA 48,2 Prozent der Verstorbenen. Lebendspender ab 65 Jahren waren 476, plus 14,2 Prozent, mehr als das Doppelte der Jahreswerte bis 2016. Hirntodspender sanken 2024 erstmals seit 2013.
Die Todesfeststellung ist klarer gefasst. Die gemeinsame Leitlinie von 2023 ersetzt getrennte Erwachsenen- und Kindertexte und verlangt, dass feststellende Kliniker nicht über Organvergabe entscheiden. Vertrauen in die Todesdiagnose bleibt der Hebel, an dem Familienablehnung hängt.
Öffentliche Meinung ist stabil hoch und praktisch halbherzig. Zustimmung lag in US-Erhebungen seit 1993 zwischen 90 und 95 Prozent. Eingetragen waren 2025 nur 53 Prozent, 89 Prozent davon über die Führerscheinstelle. Apps und Webseiten wachsen langsam. Wer den Mangel verstehen will, muss diese Lücke zwischen Ja in der Umfrage und Ja auf dem Formular ansehen, nicht nur das Gesetz.
Häufige Fragen
Kann ich mich eintragen, wenn ich krank bin oder älter werde?
Ja. Eintrag und tatsächliche Eignung sind zwei Schritte. Mayo Clinic und das US-Altersinstitut betonen, dass Alter allein nicht ausschließt und viele Krankheiten nur einzelne Organe sperren. Die Prüfung erfolgt im Todesfall anhand der dann vorliegenden Befunde. Wer unsicher ist, kann sich trotzdem registrieren und der Familie den Wunsch sagen.
Können Angehörige meinen dokumentierten Willen kippen?
In den USA gilt der Registereintrag Erwachsener als bindende Zustimmung; die NIA-Hinweise von 2022 schreiben, die Familie könne ihn nicht aufheben. Kliniken informieren Angehörige trotzdem und brauchen medizinische Vorgeschichte. In England blieb die Familie nach dem Gesetz von 2020 faktisch oft entscheidend. Ein Gespräch zu Lebzeiten senkt den Konflikt in beiden Systemen.
Hilft die Widerspruchslösung gegen den Mangel?
Bisher nicht als alleinige Maßnahme. Dallacker 2024 fand in fünf Ländern nach dem Wechsel keinen Anstieg der Spenderate. Die englische Bewertung 2024 sah keine höheren Zustimmungsraten. Nötig bleiben Intensivkoordination, Aufklärung und Arbeit mit Angehörigen. Eine gesetzliche Voreinstellung ohne diese Begleitung ändert die Kurve kaum.
Welche Risiken hat eine Lebendnierenspende?
Operationsrisiken sind Schmerz, Infektion, Blutung, Gerinnsel und selten Tod. Langfristig kann das Risiko späteren Nierenversagens gegenüber ähnlich gesunden Nichtspendern leicht steigen, bleibt aber nach Mayo Clinic unter dem Risiko der Durchschnittsbevölkerung. Bluthochdruck und Eiweiß im Urin kommen vor. KDIGO verlangt eine individuelle Risikobewertung statt einer einzelnen Ausschlusszahl. Druck durch Familie oder Geld soll ein unabhängiger Beistand erkennen.
Kostet die Spende die Familie etwas?
Die Entnahme selbst nicht. Mayo Clinic und die NIA-Hinweise halten fest, dass Empfängerseite oder Programme diese Kosten tragen. Die Familie zahlt weiter die Behandlung vor dem Tod und die Bestattung. Manche verwechseln Intensivrechnungen mit Spendekosten. Offener Sarg bleibt möglich.
Wann ist eine postmortale Spende überhaupt möglich?
Nur nach festgestelltem Tod, entweder als Hirntod einschließlich Stamm oder als irreversibler Kreislauf- und Atemstillstand, und nur wenn Organe noch durchblutet oder sehr rasch gekühlt werden können. Sterben zu Hause schließt vitale Organe meist aus, Gewebe und Hornhaut nicht unbedingt. Ein Eintrag bleibt sinnvoll, weil niemand den Sterbeort vorhersagt.
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Fazit
Wer Organspende bejaht, sollte den Willen schriftlich festhalten und der Familie sagen, nicht auf ein späteres Gesetz warten. Die HRSA-Zahlen von 2025 zeigen die eigentliche Lücke, nämlich 93 Prozent Zustimmung, 53 Prozent Eintrag und einen klaren Sprung der Freigabe, sobald Angehörige den Wunsch kennen. Das gilt unabhängig davon, ob das Land eine Zustimmungslösung oder eine Widerspruchslösung schreibt.
Lebendspende kann Wartezeit verkürzen, ist aber eine große Operation an einem Gesunden. KDIGO und Mayo Clinic beschreiben ein prüfbares Risiko, keinen risikofreien Freundschaftsdienst. Wer prüft, braucht Zeit, einen unabhängigen Beistand und die Freiheit, ohne Erklärung zu stoppen.
Gedruckte Organe und Tierorgane ersetzen die Liste heute nicht. Was die Zahlen seit 2018 wirklich bewegt hat, sind Kreislaufspende, ältere Spender und bessere Konservierung, dazu eine klarere Hirntod-Leitlinie. Bis Forschung das ändert, bleibt der wirksamste Schritt derselbe. Man macht eintragbar, was man ohnehin bejaht, und sagt es den Menschen, die im Ernstfall gefragt werden.
Quellen
- Health Resources and Services Administration: 2025 National Survey of Organ Donation Attitudes and Practices Report of Findings. Health Resources and Services Administration, Juli 2025.
- Health Resources and Services Administration: Organ Transplants Exceeded 48,000 in 2024; a 3.3 Percent Increase From the Transplants Performed in 2023. Health Resources and Services Administration, 15. Januar 2025.
- Mayo Clinic Staff: Organ donation: Don’t let these myths confuse you. Mayo Clinic, 9. Juli 2026.
- Mayo Clinic Staff: Living-donor transplant. Mayo Clinic, 31. Januar 2025.
- Cleveland Clinic: Organ Donation and Transplantation. Cleveland Clinic, 11. Dezember 2025.
- Martin F, Carmona M et al.: Organ Donation and Transplantation Worldwide: The Global Observatory on Donation and Transplantation 2024 Report. Transplantation, 10. Februar 2026.
- Roza BA, Schuantes-Paim SM et al.: Reasons for organ and tissue donation refusal and opposition: a scoping review. Revista Panamericana de Salud Pública, 20. Dezember 2024.
- McLaughlin L, Mays N: What Does the Evaluation of the Organ Donation (Deemed Consent) Act 2019 in England Tell Us About the Effectiveness of Deemed Consent Systems for Deceased Organ Donation?. Transplantation, 23. Oktober 2024.
- Dallacker M, Appelius L et al.: Opt-out defaults do not increase organ donation rates. Public Health, 20. September 2024.
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes: KDIGO Clinical Practice Guideline on the Evaluation and Care of Living Kidney Donors. KDIGO, Stand: 2017.
- Centers for Disease Control and Prevention: About Transplant Safety. Centers for Disease Control and Prevention, 26. Februar 2024.
- National Institute on Aging: Frequently Asked Questions About Organ Donation for Older Adults. National Institute on Aging, 28. Februar 2022.
