Retinoid-Creme und Sterberisiko: was die VATTC zeigte

Retinoid-Creme und Sterberisiko: was die VATTC zeigte

Eine Tretinoin-Creme hat in der US-Veteranenstudie VATTC mehr Todesfälle gezeigt als eine wirkstofffreie Vergleichscreme. Die Studienärzte leiteten 2009 daraus keinen Ursachenzusammenhang ab und sahen in dem Signal keinen Grund, die Creme in der Praxis wegzulassen.

Gezählt wurde das in einer Gruppe älterer Männer, die 0,1 Prozent Tretinoin bis zu zweimal täglich ins Gesicht und auf die Ohren auftrugen, also deutlich mehr Wirkstoff als bei einer üblichen Aknebehandlung abends. Dieselbe Studie zeigte später, dass die Creme Basalzell- und Plattenepithelkarzinome nicht verhütet. Die Akneleitlinie der American Academy of Dermatology von 2024 empfiehlt topische Retinoide weiter; die häufigen Probleme bleiben lokale Reizung und Lichtempfindlichkeit, nicht eine nachgewiesene Übersterblichkeit.

Erhöht eine Retinoid-Creme wirklich das Sterberisiko?

Ein statistischer Unterschied in der Sterblichkeit wurde beobachtet, ein ursächlicher Zusammenhang mit der Creme gilt nach der Auswertung als unwahrscheinlich. Weinstock und Kollegen schrieben 2009 in den Archives of Dermatology, sie hätten eine Assoziation gesehen, folgerten daraus aber keine Kausalität.

Die Zahl kam in der Veterans Affairs Topical Tretinoin Chemoprevention Trial zustande, kurz VATTC, einer verblindeten Zufallszuteilung an sechs Veteranenkliniken. Geplant war der Schutz vor neuem weißem Hautkrebs im Gesicht und an den Ohren. Der Tod war kein festgelegter Endpunkt. Als die Aufsichtsgremien mehr Tote im Tretinoin-Arm sahen, stoppten sie die Creme-Gabe sechs Monate vor dem geplanten Schluss und werteten die Akten nach.

Für die heutige Anwendung zählt der Abstand zwischen Signal und Beweis. Die Creme ist seit Jahrzehnten gegen Akne und lichtbedingte Hautveränderungen zugelassen. In diesen jüngeren, oft kleineren Studien fällt ein Todesfall selten auf, weil die Teilnehmer jünger sind und kürzer behandelt werden. VATTC betraf vor allem Männer um die 70 mit mehreren Vorerkrankungen. Genau diese Mischung macht ein einzelnes Sterblichkeitssignal schwer lesbar.

Was die VATTC-Studie untersucht hat

Geprüft wurde, ob hoch dosiertes topisches Tretinoin neue Basalzell- und Plattenepithelkarzinome im Gesicht und an den Ohren hinauszögert. Eingeschlossen wurden 1131 Veteranen mit mindestens zwei solchen Tumoren in den fünf Jahren vor der Zuteilung; bei der Aufnahme durfte aktuell kein Hautkrebs sichtbar sein.

Das mittlere Alter lag bei 71 Jahren, 97 Prozent waren Männer. 566 Personen erhielten Tretinoin 0,1 Prozent, 565 eine identisch aussehende Trägercreme. Aufgetragen wurde auf Gesicht und Ohren, so oft wie verträglich bis zu zweimal täglich; bei Dermatitis durfte die Häufigkeit sinken. Die Rekrutierung lief von November 1998 bis November 2002, die letzte Zuteilung im Januar 2003. Geplant war die Anwendung bis zum 15. November 2004. Das Register führt die Studie unter NCT00007631.

Ausgeschlossen waren Menschen mit sehr hohem Sterberisiko in den nächsten Jahren, etwa nach invasivem Nicht-Hautkrebs, nach systemischen Retinoiden in den letzten sechs Monaten, nach Organtransplantation oder bei Krankheiten wie Xeroderma pigmentosum. Sterblichkeit wurde zunächst nur mitgezählt, wenn Angehörige Bescheid sagten oder die Akte einen Todesfall zeigte. Nach dem Abbruch suchte das Team zusätzlich in den Veteranen- und Sozialversicherungsdateien.

Orale Retinoide können bei Hochrisikopatienten Hornzellenkarzinome seltener machen, belasten aber Leber, Lipide und das ungeborene Kind. Die Hoffnung der VATTC war eine lokale Alternative ohne diese Last. Genau diese Hoffnung hat die Studie später nicht bestätigt.

Warum die Creme-Gabe vorzeitig endete

Ein Jahresbericht vom April 2004 zeigte 82 Tote unter Tretinoin und 53 unter Trägercreme, bei damals 135 bekannten Todesfällen insgesamt. Das zentrale Ethikgremium des Cooperative Studies Program stimmte für den Abbruch der Creme, das Data-and-Safety-Monitoring-Board wollte erst tiefer nachrechnen. Der Sponsor beendete die Anwendung in der Woche vom 10. Mai 2004 und ließ die Nachbeobachtung bis November weiterlaufen.

Später vervollständigte das Team die Zählung. Vor dem Ende der Creme-Gabe waren 108 der 566 Tretinoin-Teilnehmer gestorben (19 Prozent) und 76 der 565 Kontrollpersonen (14 Prozent). Bis zum Studienende lagen die Zahlen bei 122 gegen 90. Eine vorab festgelegte Stoppregel für Sterblichkeit gab es nicht; das Ethikgremium handelte, als der p-Wert von 0,19 auf 0,01 gefallen war.

Zeitpunkt der Zählung Tretinoin, 566 Personen Trägercreme, 565 Personen p-Wert
April 2004, Anlass zum Stopp 82 (14 Prozent) 53 (9 Prozent) 0,01
Vor Ende der Creme-Gabe 108 (19 Prozent) 76 (14 Prozent) 0,01
Bis Studienende November 2004 122 (22 Prozent) 90 (16 Prozent) 0,02

Die Tabelle folgt Weinstock und Kollegen 2009. Unerwartet lokale Nebenwirkungen wurden während der Laufzeit nicht gemeldet. Der Abbruch betraf nur die Studiencreme, nicht die dermatologische Nachsorge.

Wer heute eine Packung Tretinoin in der Hausapotheke hat, liest daraus keine akute Warnung für die nächste Abenddosis. Die Studie prüfte eine hohe Last über Jahre bei alten, vorerkrankten Männern. Das ist nicht dasselbe Setting wie Akne mit einer erbsengroßen Menge einmal abends.

Warum ein Ursachenzusammenhang unwahrscheinlich bleibt

Es fehlte ein Dosis-Wirk-Muster, die Todesursachen streuten, und ein biologisch schlüssiger Weg von der Gesichtshaut zum Tod ließ sich nicht bauen. Weinstock und Kollegen nannten genau diese Punkte als Gründe gegen Kausalität.

Die Menge verbrauchter Tuben hing nicht klar mit dem Sterberisiko zusammen. Beim selbst berichteten Auftragen war der Unterschied in der einmal täglichen Schicht am deutlichsten, in der zweimal täglichen Schicht schwächer und bei seltenerer Anwendung kaum sichtbar. Wäre die Creme die Ursache, würde man eher den umgekehrten Gradienten erwarten.

Alter, Begleiterkrankungen nach Charlson-Index und Raucherstatus sagten den Tod zuverlässig voraus. Im Tretinoin-Arm lagen diese Faktoren geringfügig ungünstiger: Charlson-Mittel 1,64 gegen 1,61, Alter 70,9 gegen 70,6 Jahre, aktuelle Raucher 18,1 gegen 15,8 Prozent. Nach statistischer Anpassung blieb ein Unterschied, das untere Ende des Vertrauensbereichs näherte sich aber der 1. Unadjustiert lag das Risikoverhältnis bei 1,45 (1,08 bis 1,95) bis zum Ende der Creme-Gabe.

Bei den Todesursachen bis Studienende stachen Gefäßleiden hervor (12 gegen 3), außerdem nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (15 gegen 8) und Atemwegsleiden (15 gegen 7). Herzinfarkte waren ausgeglichen. Infektionen lagen häufiger in der Kontrollgruppe. Keine einzelne Ursache erklärte den Gesamtunterschied. Eine Wechselwirkung mit dem Rauchen, analog zu oralem Isotretinoin, fand sich nicht.

Die perkutane Aufnahme von Tretinoin liegt in veröffentlichten Messungen meist zwischen 1 und 8 Prozent der aufgetragenen Menge; nach längerer Anwendung wurden unter 2 Prozent beschrieben. Die aufgenommenen Spiegel verändern die körpereigene Tretinoin-Konzentration kaum und liegen in der Größenordnung von etwa einem Prozent des Eigenwerts. Das von oralem All-trans-Retinsäure bekannte Retinsäure-Syndrom mit Atemnot und Fieber entsteht in der Leukämiebehandlung binnen weniger Tage und passt zeitlich und klinisch nicht zu den VATTC-Todesfällen über Jahre.

Das Ethikgremium prüfte die Sterblichkeit mehrfach ohne feste Schwelle. Allein durch wiederholtes Nachsehen kann ein scheinbar signifikantes Signal entstehen, auch wenn kein wahrer Unterschied existiert. Die Autoren schlossen ausdrücklich, die Studie gebe ohne weitere Belege keinen angemessenen Grund, topisches Tretinoin in der Praxis zurückzuhalten.

Was systemische Retinoide bei Rauchern zeigten

Die Sorge um Lunge und Tod stammt vor allem aus Tabletten und hoch dosierten Antioxidantien, nicht aus der Gesichtshaut. Während der VATTC-Laufzeit erschien eine große Studie zu oralem Isotretinoin nach operiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium I.

Lippman und Kollegen randomisierten 1166 Patientinnen und Patienten auf 30 Milligramm Isotretinoin täglich oder Placebo über drei Jahre. Insgesamt unterschieden sich Zweitumoren, Rückfälle und Sterblichkeit nicht. In der Untergruppe der aktuellen Raucher war Isotretinoin mit mehr Rückfällen und mehr Todesfällen verknüpft, bei Nie-Rauchern eher mit einem günstigeren Verlauf. Genau diese Wechselwirkung suchte VATTC bei der Creme und fand sie nicht.

Ältere Vorbeugestudien mit Beta-Carotin bei männlichen Rauchern, namentlich die finnische ATBC-Studie von 1994, hatten ebenfalls mehr Lungenkrebs und eine um 8 Prozent höhere Gesamtmortalität unter dem Supplement gezeigt. Weinstock und Kollegen zitierten diese Linie, weil orale Retinoide und Carotinoide systemisch wirken. Eine Creme, die den Blutspiegel kaum verschiebt, steht auf einer anderen pharmakologischen Stufe.

Orales Tretinoin (All-trans-Retinsäure) bleibt ein Krebsmittel gegen die akute Promyelozytenleukämie. Dort drohen Differenzierungssyndrom, Leberwerte und hohe Triglyceride; Stillen ist kontraindiziert. Diese Risiken gehören nicht zur Abendcreme gegen Mitesser. Wer Tabletten und Creme im Kopf vermischt, überschätzt die systemische Last der Hautanwendung.

Schützt Tretinoin-Creme vor weißem Hautkrebs?

Hoch dosiertes topisches Tretinoin hat in der VATTC das Risiko neuer Basalzell- und invasiver Plattenepithelkarzinome nicht gesenkt. Weinstock und Kollegen veröffentlichten diesen geplanten Hauptbefund 2012 im Journal of Investigative Dermatology.

Nach fünf Jahren hatten 53 Prozent im Tretinoin-Arm und 54 Prozent in der Kontrolle ein neues Basalzellkarzinom im Gesicht oder an den Ohren (p = 0,3). Ein invasives Plattenepithelkarzinom trat bei 28 bzw. 31 Prozent auf (p = 0,4). Die Differenzen lagen innerhalb der Zufallsbreite. Aktinische Keratosen wurden ebenfalls nicht seltener. Der einzige Lebensqualitätsunterschied war stärkere Hautbeschwerden unter Tretinoin zwölf Monate nach der Zuteilung.

Damit entfällt das Argument, die Creme lohne sich trotz des Sterblichkeitssignals als Krebsvorbeugung im Gesicht. Für Hochrisikopatienten mit vielen vorangegangenen Hornzellenkarzinomen bleiben Sonnenschutz, regelmäßige Hautkontrolle und, in engen Indikationen, systemische Retinoide die belegten Wege. Eine 0,1-Prozent-Creme zweimal täglich über Jahre ersetzt das nicht.

Off-Label-Hoffnungen auf aktinische Keratosen oder Feldkanzerisierung stützen sich nicht auf diesen Datensatz. StatPearls nennt solche Anwendungen als erweiterte Praxis, nicht als gesicherten Standard. Wer Tretinoin gegen Falten oder Pigment nutzt, entscheidet über Hautbild und Verträglichkeit, nicht über eine Krebsprophylaxe.

Wofür topisches Tretinoin zugelassen ist

Zugelassen ist die Creme gegen Akne vulgaris und, in eigenen Zubereitungen, als unterstützende Behandlung feiner Falten, rauer Haut und fleckiger Pigmentierung nach Sonnenlast. StatPearls (Aktualisierung 2023) beschreibt die Wirkung über Retinsäurerezeptoren: die Verhornung im Follikel normalisiert sich, Mikrokomedonen lösen sich, die Zellteilung in der Oberhaut steigt.

Die US-Arzneimittelbehörde nennt im Label die Unsicherheit der Langzeitanwendung bei anderen Leiden. Mayo Clinic (Stand Februar 2026) betont, tiefe Falten und die natürliche Alterung verschwinden nicht dauerhaft. MedlinePlus (Dezember 2025) schreibt, sichtbare Besserung der Akne oft nach zwei bis drei Wochen, manchmal erst nach mehr als sechs Wochen; bei Falten können drei bis sechs Monate vergehen, und der Gewinn kann nach dem Absetzen wieder schwinden.

Vier topische Retinoide sind in den USA gegen Akne zugelassen: Tretinoin, Adapalen, Tazaroten und Trifaroten. Die AAD-Leitlinie 2024 findet keine klare Überlegenheit eines Stoffs über die anderen; Konzentration und Grundlage entscheiden über Reizung. Adapalen 0,1 Prozent Gel ist dort frei verkäuflich, die übrigen meist rezeptpflichtig. Klassisches Tretinoin ist lichtempfindlich und soll abends aufgetragen werden; gleichzeitig mit Benzoylperoxid kann es oxidieren, sofern keine Mikrosphäre-Formulierung vorliegt.

Kinder unter zwölf Jahren haben für viele Gele keine belastbare Zulassungsbasis, Lotionen oft erst ab neun Jahren. Bei älteren Erwachsenen sieht Mayo Clinic keine altersbedingte Grenze, die den Nutzen grundsätzlich infrage stellt. Genau diese geriatrische Offenheit macht die VATTC-Frage relevant und zugleich schwer übertragbar auf Teenager mit Akne.

Anwendung, Dosis und Hautreaktionen laut Zulassung

Für die zugelassene Aknebehandlung gilt eine dünne Schicht einmal täglich vor dem Schlafengehen, nicht die VATTC-Last von bis zu zwei Anwendungen. Das FDA-Label und Mayo Clinic beschreiben dasselbe Grundmuster.

Die Haut wird mit milder Seife gewaschen und 20 bis 30 Minuten getrocknet; nasse Haut reizt stärker. Eine erbsengroße Menge reicht für das ganze Gesicht. Augenwinkel, Mund, Nasenflügel und Schleimhäute bleiben frei, ebenso offene Wunden, Sonnenbrand und ekzematöse Stellen. Mehr Creme beschleunigt die Wirkung nicht, verstärkt aber Rötung und Schuppung. Gelpräparate sind oft entzündlich; offene Flammen meiden.

In den ersten Wochen kann die Akne aufflackern, weil zuvor verborgene Komedonen nach oben treten. MedlinePlus nennt sieben bis zehn Tage mit mehr Rötung und Pusteln als häufiges Muster. Das Label spricht von zwei bis drei Wochen bis zu ersten Zeichen und von mehr als sechs Wochen bis zur klaren Besserung. Mayo Clinic rät nach acht bis zwölf Wochen ohne Fortschritt oder bei sehr starker Reizung zum Arztkontakt.

Häufig sind Brennen, Jucken, Trockenheit, Schuppung, Rötung und ein Wärmegefühl. Seltener entstehen Blasen, Krusten, Schwellung oder vorübergehende Hell- und Dunkelflecken. Eine echte Kontaktallergie ist laut Label selten; die beschriebenen Hautreaktionen gingen nach dem Absetzen zurück. Wer Schwefel, Resorcin, Salicylsäure oder stark alkoholische Tonika kurz zuvor genutzt hat, soll die Haut erst beruhigen lassen. Andere schälende Mittel in derselben Stunde erhöhen die Reizung.

Licht, Wind und Kälte treffen behandelte Haut empfindlicher. Sonnenbänke entfallen. Draußen gehören Sonnenschutzmittel und bedeckende Kleidung dazu, auch bei bedecktem Himmel. Ein rückfettendes, nicht komedogenes Pflegeprodukt morgens mindert die Trockenheit. Bei starker Unverträglichkeit senkt man die Häufigkeit oder pausiert, statt die Menge zu steigern.

Schwangerschaft, Stillzeit und wann zum Arzt

In der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch bleibt topisches Tretinoin tabu, obwohl die Aufnahme durch die Haut gering ist. Die EMA schloss 2018, die systemische Last nach Auftragen sei vernachlässigbar und ein Fruchtschaden unwahrscheinlich; als Vorsicht gilt die Creme trotzdem als kontraindiziert, ebenso bei geplanter Schwangerschaft.

Das US-Label führt Schwangerschaftskategorie C: orale Gaben waren in Tierversuchen in Vielfachen der Hautdosis fehlbildend, topische Gaben in hohen Vielfachen verzögerten die Knochenreifung, ohne klassische Fehlbildung. Kontrollierte Daten bei Schwangeren fehlen. Die AAD-Leitlinie 2024 bevorzugt in der Schwangerschaft andere Topika wie Benzoylperoxid, Azelainsäure, Erythromycin oder Clindamycin; Tazaroten ist dort wegen möglicher Aufnahme ausdrücklich kontraindiziert. Stillen ist nicht gut untersucht; das Label rät zur Zurückhaltung, weil viele Stoffe in die Milch übergehen.

Zur Ärztin oder zum Arzt gehört, wer Blasen, nässende Krusten, starkes Ödem oder eine Reaktion entwickelt, die den Alltag blockiert. Gleiches gilt, wenn die Akne nach acht bis zwölf Wochen regelmäßiger Anwendung nicht besser wird oder wenn eine Schwangerschaft eintritt. Bei verschluckter Creme zählt Giftnotruf, nicht weiteres Auftragen.

Rote Flaggen, die nicht zur Creme gehören, aber in derselben Altersgruppe wie VATTC vorkommen, bleiben Raucherhusten mit Gewichtsabnahme, plötzliche Brustschmerzen und zunehmende Luftnot. Das sind Gründe für eine rasche Abklärung, unabhängig davon, ob abends Tretinoin auf dem Nachttisch steht. Die Creme selbst erzeugt laut Label und Mayo Clinic keine systemische Atemnot.

Was Leitlinien seit 2018 zur Creme sagen

Seit der EMA-Retinoid-Prüfung 2018 und der AAD-Aktualisierung 2024 steht topisches Tretinoin weiter in der ersten Reihe gegen Akne, nicht auf einer Mortalitäts-Warnliste. Ältere, an die VATTC geknüpfte Zurückhaltung gegenüber älteren Männern hat sich in diesen Dokumenten nicht zu einem Verbot verdichtet.

Die AAD-Leitlinie 2024 gibt topischen Retinoiden eine starke Empfehlung bei mäßiger Evidenz. In vier randomisierten Studien erreichten nach zwölf Wochen mehr Behandelte eine ärztlich bewertete Besserung als unter Trägercreme, Risikoverhältnis 1,57. Therapieabbrüche wegen unerwünschter Wirkungen lagen in drei Studien bei 1,4 Prozent. Genannt werden Brennen, Trockenheit, Rötung, Schuppung und Schmerz, nicht Tod oder Lungenkrebs. Feste Kombinationen mit Benzoylperoxid oder einem topischen Antibiotikum erhalten ebenfalls starke Empfehlungen; Benzoylperoxid soll Resistenz mindern, wenn ein Antibiotikum mitläuft.

Gegenüber der Leitlinie von 2016 sind neue Stoffe hinzugekommen, darunter Trifaroten und Clascoteron. Am Kern hat sich nichts gedreht: Retinoide bleiben komedolytisch und entzündungshemmend, Lichtschutz bleibt Pflicht, in der Schwangerschaft weicht man auf andere Topika aus. Die EMA ergänzte 2018 Warnungen zu Stimmung nur für orale Retinoide; für Cremes und Gele sah sie keine zusätzliche psychiatrische Last, weil kaum Wirkstoff ins Blut geht.

Mayo Clinic nennt für ältere Menschen keine grundsätzliche Nutzenschranke. Das ändert nichts daran, dass VATTC eine andere Frage gestellt hat als eine Aknesprechstunde. Wer 0,1 Prozent über Jahre großflächig nutzt, tut das off-label als kosmetische oder feldbezogene Praxis, nicht als belegte Krebsvorbeugung.

Häufige Fragen

Sterbe ich eher, wenn ich Tretinoin-Creme benutze?

Ein erhöhtes Sterberisiko durch die übliche Abendcreme ist nicht belegt. VATTC fand mehr Tote unter hoher Dosis bei alten Veteranen, die Autoren verwarfen aber eine Ursache durch die Creme. Aktuelle Akneleitlinien führen Tretinoin weiter als Standard, ohne Mortalitätshinweis.

War die Studie wirklich wegen Todesfällen gestoppt?

Ja, die Creme-Gabe endete im Mai 2004 sechs Monate früher, weil 82 gegen 53 Tote gemeldet waren. Die Nachbeobachtung lief bis November 2004. Spätere Vollzählung ergab 108 gegen 76 Tote vor dem Absetzen.

Hilft die Creme gegen Hautkrebs im Gesicht?

In der VATTC senkte 0,1 Prozent Tretinoin über Jahre weder Basalzell- noch invasive Plattenepithelkarzinome. Auch aktinische Keratosen wurden nicht seltener. Sonnenschutz und Hautkontrolle bleiben die belegten Schutzschritte.

Ist die Creme dasselbe Risiko wie Isotretinoin-Tabletten?

Nein. Tabletten wirken im ganzen Körper, die Creme kaum im Blut. Orales Isotretinoin zeigte bei aktuellen Rauchern nach Lungenkrebsoperation ungünstigere Verläufe; die Creme-Studie fand keine solche Wechselwirkung. Schwangerschaftsregeln gelten für beide, bei Tabletten strenger.

Wie trage ich Tretinoin richtig auf?

Eine dünne Schicht einmal abends auf trockene Haut, etwa eine Erbse für das ganze Gesicht. Zwanzig bis dreißig Minuten nach dem Waschen warten. Augen, Mund und offene Stellen freihalten, tagsüber Sonnenschutz nutzen.

Wann muss ich mit der Creme zum Arzt?

Bei Blasen, starker Schwellung, nässenden Krusten oder einer Reizung, die nicht abklingt, die Anwendung unterbrechen und ärztlich klären. Ebenso, wenn nach acht bis zwölf Wochen keine Besserung eintritt oder eine Schwangerschaft möglich ist.

Fazit

Das VATTC-Signal von 2009 bleibt ein Warnblinker aus einer speziellen Gruppe, kein Beweis, dass Tretinoin-Creme tötet. 108 gegen 76 Tote vor dem Abbruch verdienen Respekt, ebenso die fehlende Dosisbindung, die gemischten Todesursachen und die winzige Blutspiegeländerung. Wer die Creme gegen Akne oder feine Lichtschäden nutzt, entscheidet sich für ein Mittel mit belegter lokaler Wirkung und belegter lokaler Reizung.

Für die Krebsvorbeugung im Gesicht hat dieselbe Studie 2012 die Hoffnung begraben. Hohe Dosis über Jahre hat Basalzell- und Plattenepithelkarzinome nicht seltener gemacht. Sonnenschutz, Hautarzttermine und, wo nötig, systemische Retinoide unter Kontrolle bleiben die ehrlichen Werkzeuge.

Praktisch heißt das für morgen: die verordnete Menge einmal abends, Haut trocken, Licht meiden, bei Blasen pausieren. Schwangerschaft und Kinderwunsch schließen die Creme aus, auch wenn die Aufnahme gering ist. Ältere Männer mit vielen Vorerkrankungen können das VATTC-Kapitel mit der Hautärztin besprechen, ohne deswegen eine gut verträgliche Aknebehandlung aus Angst vor Sterblichkeit zu streichen.

Quellen

  1. Weinstock MA, Bingham SF et al.: Topical Tretinoin Therapy and All-Cause Mortality. Archives of Dermatology, Januar 2009.
  2. Weinstock MA, Bingham SF et al.: Tretinoin and the prevention of keratinocyte carcinoma (Basal and squamous cell carcinoma of the skin): a veterans affairs randomized chemoprevention trial. Journal of Investigative Dermatology, 9. Februar 2012.
  3. Reynolds RV et al.: Guidelines of care for the management of acne vulgaris. Journal of the American Academy of Dermatology, 2024.
  4. Mayo Clinic: Tretinoin (topical route) – Side effects & dosage. Mayo Clinic, 1. Februar 2026.
  5. MedlinePlus: Tretinoin Topical. MedlinePlus, 15. Dezember 2025.
  6. Preferred Pharmaceuticals, Inc.: TRETINOIN CREAM TRETINOIN GEL – FOR TOPICAL USE ONLY. DailyMed, Stand: 2013.
  7. European Medicines Agency: Updated measures for pregnancy prevention during retinoid use. European Medicines Agency, 23. März 2018.
  8. VA Office of Research and Development: Determine the Efficacy of Topical Tretinoin Cream for the Prevention of Nonmelanoma Skin Cancer. ClinicalTrials.gov, Stand: 2006.
  9. Yoham AL, Casadesus D: Tretinoin – StatPearls NCBI Bookshelf. StatPearls, 27. März 2023.
  10. Lippman SM, Lee JJ et al.: Randomized phase III intergroup trial of isotretinoin to prevent second primary tumors in stage I non-small-cell lung cancer. Journal of the National Cancer Institute, 18. April 2001.
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