
Die eigene Plazenta nach der Geburt zu essen ist kein Superfood und keine Diät mit nachgewiesenem Nutzen. Randomisierte Pilotstudien fanden keinen belastbaren Vorteil für Stimmung, Eisenstatus oder Milchbildung, während die US-Seuchenbehörde CDC 2017 wegen eines Säuglings mit wiederkehrender Infektion durch Gruppe-B-Streptokokken von Kapseln abriet.
Wer Kapseln, Smoothies oder gegartes Gewebe erwägt, trifft auf Werbeversprechen zu Energie, weniger Blutungen und Schutz vor Wochenbettdepression. Die Mayo Clinic stellte im Juli 2024 fest, dass solche Wirkungen nicht belegt sind und die Zubereitung Krankheitserreger nicht zuverlässig zerstört. Sinnvoller als ein unreguliertes Pulver sind Screening auf Stimmungskrisen, Kontrolle des Eisenwerts und ärztliche Beratung, sobald Fieber, anhaltende Traurigkeit oder ein krankes Neugeborenes auftreten.
Was die Plazenta in der Schwangerschaft leistet
Die Plazenta versorgt das Kind über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nährstoffen und führt Abbauprodukte zurück ins mütterliche Blut. Sie entsteht an der Gebärmutterwand und arbeitet nur in dieser einen Schwangerschaft.
Nach der Geburt des Kindes folgt bei einer vaginalen Entbindung meist die Nachgeburt; dauert das länger als etwa 30 Minuten, spricht man von einer retinierten Plazenta, die behandelt werden muss. Beim Kaiserschnitt entfernt das Team das Organ während der Operation. Die Mayo Clinic beschreibt daneben seltene Lage- und Haftstörungen wie eine tiefliegende Plazenta vor dem Muttermund oder eine zu fest verwachsene Plazenta, die starke Blutungen auslösen können. Das sind klinische Probleme des Organs im Mutterleib, keine allgemeine Einladung, es später zu essen.
Viele Kliniken entsorgen das Gewebe als medizinischen Abfall. Manche Familien wollen es behalten, um es zu begraben oder weiterzuverarbeiten. Aus der Tatsache, dass das Organ Hormone bildete und Stoffwechselaufgaben übernahm, folgt nicht, dass dieselben Stoffe nach Trocknung und Kapselung noch therapeutisch wirken. Farr und Kollegen schrieben 2018 im American Journal of Obstetrics and Gynecology, dass nach der üblichen Verkapselung weder Nährstoffe noch Hormone in Mengen übrig bleiben, die der Mutter postpartal nützen könnten.

Warum manche Mütter die Nachgeburt essen
Die häufigste Hoffnung ist, einer Wochenbettdepression vorzubeugen und sich schneller zu erholen. In einer US-Auswertung von Haus- und Geburtshausgeburten nannten rund 73 Prozent der Konsumentinnen genau dieses Motiv.
Viele Säugetiere fressen die Nachgeburt. Beim Menschen gehört das Essen des eigenen Organs nicht zur überlieferten Alltagskultur; der Trend kam in Industrieländern vor allem seit den 1970er Jahren über Hausgeburtsszenen und später über soziale Medien. Selander und andere Umfragen (zusammengefasst bei Benyshek 2023) nennen zusätzlich mehr Energie, mehr Milch und weniger Nachblutungen. Die Cleveland Clinic betonte 2025, dass solche Berichte oft auf Selbstauskünften beruhen und keine kontrollierte Wirkung belegen.
Wer das Organ isst, entscheidet das meist selbst, nicht das Geburtsteam. Genau deshalb bleiben Infektionen, Eisenmangel und Stimmungskrisen leicht unsichtbar, bis jemand gezielt nachfragt. Farr rät Ärztinnen und Ärzten, bei einer Infektion von Mutter oder Kind nach der Einnahme zu fragen und Interessentinnen die fehlenden Nutzenbelege plus die bekannten Risiken zu nennen.
Kapseln, roh oder gekocht: wie die Verarbeitung abläuft
Am häufigsten wird das Gewebe getrocknet, gemahlen und in Gelatinekapseln gefüllt. Rohstücke, Smoothies, Tinkturen und gegarte Gerichte kommen seltener vor.
Laut CDC-Fallbericht von 2017 warb ein Anbieter mit Reinigen, Schneiden und Trocknen bei 46 bis 71 Grad Celsius, danach 115 bis 200 Kapseln, gelagert bei Zimmertemperatur. In Studienprotokollen der University of Nevada, Las Vegas, lagen typische Mengen bei zwei Kapseln dreimal täglich in den ersten Tagen, später seltener; das sind Versuchsschemata, keine zugelassene Dosierung. Johnson und Kollegen unterschieden 2022 Rohgewebe, bloßes Dörren bei etwa 55 Grad über mindestens acht Stunden und Dämpfen, bis der Kern 70 Grad erreicht, plus anschließendes Trocknen.
Kein Verfahren ist als Arzneimittel zugelassen. Die Cleveland Clinic weist darauf hin, dass die US-Arzneimittelbehörde die Herstellung nicht überwacht und Kliniken das Organ oft nicht lebensmittelhygienisch lagern. Wer zu Hause mixt oder brät, kann ebenfalls nicht prüfen, ob Viren oder Bakterien tot sind. Die Mayo Clinic schreibt klar: Es gibt keinen standardisierten, sicheren Weg, die Plazenta zum Essen zuzubereiten.
Hormone und Nährstoffe in den Kapseln
Getrocknetes Gewebe enthält messbare Hormone und Spurenelemente, aber die Mengen reichen in den vorliegenden Studien nicht für einen klinischen Effekt. Dämpfen und Trocknen senken die Konzentrationen zusätzlich.
Young und Team beschrieben in verkapseltem Gewebe messbare Steroidhormone, darunter Progesteron und Östradiol. In der verblindeten Pilotstudie 2018 reichte das nicht, um Stimmung oder Müdigkeit klar vom Placebo zu trennen. Farr zog im selben Jahr den Schluss, dass nach der Verkapselung keine klinisch nützlichen Hormon- oder Nährstoffmengen bleiben.
Eisen ist das meist beworbene Mineral. Gryder und Kollegen maßen 2017 im Plazentapulver im Mittel 0,664 Milligramm Eisen pro Gramm, deutlich mehr als im Rindfleisch-Placebo. Selbst die höchste Tagesmenge der Studie deckte aber nur etwa 24 Prozent der empfohlenen Zufuhr für stillende Frauen. Schwermetalle lagen in den untersuchten Proben unter toxischen Schwellen; das ersetzt keine individuelle Prüfung bei Rauchen in der Schwangerschaft oder bekannten Belastungen.
| Behauptung | Was geprüft wurde | Ergebnis |
|---|---|---|
| Schützt vor Wochenbettdepression | Zufallsstudie n = 27; EPDS-Kohorte n = 6038 | kein Nutzen; nach Abgleich eher höhere EPDS-Werte |
| Mehr Muttermilch | Prolaktin und Säuglingsgewicht, n = 27 | kein Unterschied in den ersten drei Wochen |
| Deckt den Eisenbedarf | Hämoglobin, Ferritin, Transferrin, n = 23 | kein Unterschied zum Placebo; höchstens rund 24 % der Zufuhrempfehlung |
| Kapseln sind keimfrei | CDC-Fall 2016; Laborhitze 2022 | CDC rät ab; striktes Dämpfen senkt Keime, Alltag bleibt ungeregelt |
Hilft die Plazenta gegen Stimmungstief und Erschöpfung?
Kontrollierte Daten zeigen keinen belastbaren Schutz vor Wochenbettdepression. Eine große Beobachtungsstudie fand bei Konsumentinnen sogar etwas höhere Werte auf der Edinburgh-Skala.
Young, Gryder und Cross randomisierten 27 Frauen zu gedämpften, getrockneten eigenen Kapseln oder einem ähnlich aussehenden Placebo. Über mehrere Zeitpunkte in der späten Schwangerschaft und den ersten Wochen danach unterschieden sich Stimmung, Bindung und Müdigkeit zwischen den Gruppen nicht als Haupteffekt. Einzelne Zeitfenster deuteten auf leichte Unterschiede, die die Autorinnen selbst als vorläufig und statistisch zu klein besetzt einordneten. Das ersetzt keine Behandlung.
Benyshek, Bovbjerg und Cheyney glichen 2023 in US-Gemeinschaftsgeburten 1876 Konsumentinnen mit 1876 Nichtkonsumentinnen über mehr als 90 Merkmale ab. EPDS-Werte von mindestens 11 hatten 9,9 Prozent der Essenden und 8,4 Prozent der anderen; bei der strengeren Schwelle 13 lagen die Anteile bei 5,5 und 4,8 Prozent. Nach Adjustierung blieb ein um 15 bis 20 Prozent höheres Risiko für einen auffälligen Test. Die Autoren vermuten vor allem umgekehrte Kausalität: Wer sich besonders vor einer Depression fürchtet, greift eher zum Organ. Ein Schutzeffekt ist daraus nicht ableitbar.
Die ACOG-Leitlinie von Juni 2023 verlangt Screening auf Depression und Angst bei der ersten Schwangerschaftsvorsorge, später in der Schwangerschaft und nach der Geburt. MedlinePlus unterscheidet den kurzen Baby-Blues der ersten Tage von einer Episode, die länger als zwei Wochen anhält, den Alltag blockiert oder Gedanken an Selbst- oder Kindesverletzung enthält. Solche Zeichen gehören in die Sprechstunde, nicht in eine Kapseldose.
Steigt die Milchmenge durch Plazentakapseln?
Ein Anstieg der Milchmenge durch verkapselte Plazenta ist in modernen Studien nicht gezeigt. Prolaktin im Blut und die Gewichtszunahme der Säuglinge unterschieden sich im Placebovergleich nicht.
Young und Kollegen maßen 2019 in derselben Pilotkohorte (12 Plazenta, 15 Placebo) das Prolaktin viermal von der späten Schwangerschaft bis in die frühen Wochen danach und wogen die Kinder dreimal in den ersten drei Wochen. Weder der Hormonwert noch die Gewichtskurve trennten die Gruppen statistisch. Ältere Arbeiten aus dem frühen 20. Jahrhundert und eine Erhebung der 1950er Jahre werden oft als Beleg für mehr Milch zitiert; sie erfüllen heutige Maßstäbe für Verblindung und Kontrollgruppen nicht.
Wer zu wenig Milch hat, braucht eine Stillberatung, Gewichtskontrollen des Kindes und manchmal eine Abklärung von Schilddrüse, Anämie oder Medikamenten, nicht ein ungeregeltes Pulver. Bei einer Brustentzündung gilt ohnehin ärztliche Behandlung statt Selbstversuche mit Gewebe unklarer Keimbelastung. Ein laktationsfördernder Effekt bleibt unbelegt und darf eine Mastitis nicht verzögern.

Eisen nach der Geburt: reicht die Plazenta?
Plazentakapseln ersetzen kein Eisenpräparat und heben Hämoglobin, Ferritin oder Transferrin in der vorliegenden Pilotstudie nicht über ein Fleisch-Placebo. Wer nach der Geburt blass, kurzatmig oder sehr müde ist, braucht Laborkontrollen.
Gryder randomisierte 23 gesunde Frauen mit unauffälliger Schwangerschaft. Blutwerte lagen in der 36. Woche, innerhalb von 96 Stunden nach der Geburt, an Tag fünf bis sieben und in der dritten Woche vor. 18 von 23 hatten in der Spätschwangerschaft ein Hämoglobin von mindestens 11,0 Gramm pro Deziliter, also oberhalb der WHO-Schwelle für Eisenmangel in der Schwangerschaft. Zwischen Plazenta- und Placebogruppe unterschieden sich Hämoglobin (p = 0,603), Ferritin (p = 0,852) und Transferrin (p = 0,936) nicht. Der natürliche Wiederanstieg in der ersten Woche verlief in beiden Armen ähnlich.
Für Frauen mit echtem postpartalem Eisenmangel ist das Ergebnis unbequem: Wer nur Kapseln nimmt, deckt selbst im Studienmaximum nur etwa ein Viertel der empfohlenen Zufuhr für Stillende. Die Cleveland Clinic und die Mayo Clinic raten deshalb, nach belegten Wegen zu fragen: Ernährung, orale oder intravenöse Eisenpräparate nach Labor und, bei starkem Blutverlust, die Behandlung der Ursache.
Infektionsrisiko und fehlende Hygienestandards
Kapseln können Krankheitserreger enthalten, weil Trocknen allein Bakterien nicht zuverlässig abtötet. Die CDC empfiehlt deshalb, auf die Einnahme zu verzichten, besonders nach Besiedlung mit Gruppe-B-Streptokokken, nach Fruchtwasserentzündung oder nach einer frühen Neugeboreneninfektion.
Im September 2016 erkrankte in Oregon ein reifes Kind erst an einer frühen, dann fünf Tage nach Therapieende erneut an einer späten Blutstrominfektion mit Streptococcus agalactiae. Der Abstrich der Mutter in Woche 37 war negativ gewesen. Muttermilch blieb ohne Nachweis. Drei Tage nach der Geburt hatte die Mutter zwei Kapseln dreimal täglich begonnen; eine Probe der Kapseln wuchs denselben Stamm, den die Sequenzierung im Blut des Kindes fand. Die CDC schloss auf eine hohe mütterliche Besiedlung durch kontaminiertes Gewebe. Für eine 7-log-Reduktion von Salmonellen nennt der Bericht 54 Grad Celsius über 121 Minuten; diese Zeit-Temperatur-Kombination war beim Anbieter nicht gesichert.
Johnson und Kollegen zeigten 2022 im Labor ein differenzierteres Bild. Von 24 klinisch verarbeiteten Plazenten blieb keine mit kultivierbaren Gruppe-B-Streptokokken übrig. Nach künstlicher Beimpfung senkte Hitze die Keimzahlen stark; gedämpftes und anschließend getrocknetes Gewebe blieb ohne Wachstum von GBS und E. coli, bloßes Rohdörren nicht immer. Die Autorinnen folgerten, verarbeitetes Gewebe sei ein unwahrscheinlicher Infektionsweg. Das widerspricht nicht der CDC-Warnung, sondern beschreibt Idealbedingungen: definierte Kerntemperatur, Laborhygiene, kleine Fallzahl. Kommerzielle Küchen arbeiten ohne solche Auflagen.
Fieber, Trinkschwäche, Reizbarkeit oder eine gespannte Fontanelle beim Säugling in den ersten drei Lebensmonaten sind Gründe für sofortige pädiatrische Hilfe. Erzählen Sie dem Team, falls Kapseln oder rohes Gewebe eingenommen wurden. Dasselbe gilt bei mütterlichem Fieber, übel riechendem Wochenfluss oder Wundinfektion.
Wann zum Arzt und welche Alternativen belegt sind
Suchen Sie zeitnah die Frauenarztpraxis, die Hausarztpraxis oder die Hebamme auf, wenn Niedergeschlagenheit länger als zwei Wochen bleibt, der Alltag kippt oder das Kind schlecht gedeiht. Bei Gedanken, sich oder dem Kind zu schaden, wählen Sie den Notruf 112.
MedlinePlus nennt als behandelte Wege Gesprächspsychotherapie und, nach Abwägung inklusive Stillen, Antidepressiva. Die ACOG verlangt strukturiertes Nachfragen statt Warten auf den Zusammenbruch. Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen und Schlafmangel können Erschöpfung nachahmen; Blutbild und TSH klären das gezielter als ein Pulver unklarer Herkunft.
Die folgenden Punkte ersetzen keine Diagnose, verdichten aber den nächsten Schritt.
- Stimmung, Angst oder Leere halten über zwei Wochen an oder werden stärker statt schwächer.
- Das Kind nimmt nicht zu, trinkt schlecht oder wirkt fiebrig, schlaff oder ungewöhnlich reizbar.
- Nachblutungen nehmen zu, der Wochenfluss stinkt, oder es tritt Fieber mit Unterbauchschmerz auf.
- Sie haben bereits Kapseln genommen und es tritt bei Ihnen oder dem Kind eine Infektion auf.
- Ein früherer Eisenmangel, eine starke Blutung oder Schwindel nach dem Aufstehen bleiben unbehandelt.
Die Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada erklärte 2019 in der Stellungnahme Nr. 378, es gebe keinen Nutzenbeleg und ein Schadenspotenzial; die Praxis werde nicht empfohlen. Die Mayo Clinic und die Cleveland Clinic formulieren 2024 und 2025 dasselbe für Patientinnen: das Organ hat seine Aufgabe mit der Geburt erfüllt. Wer Erholung will, braucht Schlafhilfen im Umfeld, Stillberatung, Screening und bei Bedarf eine Therapie, die in Studien geprüft wurde.
Häufige Fragen
Ist Plazenta essen nach der Geburt gesund?
Nein, ein gesundheitlicher Nutzen ist nicht belegt. Die Mayo Clinic und die Übersicht von Farr 2018 finden weder für Stimmung noch für Nährstoffe eine klinisch relevante Wirkung. Mögliche Infektionen wiegen schwerer als Anekdoten.
Können Plazentakapseln eine Wochenbettdepression verhindern?
Das ist nicht gezeigt. Die verblindete Pilotstudie 2018 fand keinen Haupteffekt auf die Stimmung, und die abgeglichene Kohorte 2023 zeigte bei Konsumentinnen eher höhere EPDS-Werte. Screening und Behandlung folgen der ACOG-Leitlinie 2023, nicht einer Kapselkur.
Sind gekaufte Kapseln keimfrei?
Nicht zuverlässig. Die CDC beschrieb 2017 denselben GBS-Stamm in Kapseln und im Blut eines Säuglings und schrieb, der Prozess tilge Erreger nicht von selbst. Laborhitze mit 70 Grad Kerntemperatur senkte 2022 Keime stark, ohne dass Alltagsanbieter das garantieren.
Darf ich die Plazenta aus der Klinik mitnehmen?
Viele Häuser geben das Organ auf Wunsch heraus, behandeln es aber zunächst als Abfall. Fragen Sie vor der Geburt nach Hausregeln, Kühlung und Pathologie, falls das Gewebe untersucht werden muss. Mitnehmen heißt nicht, dass Essen sicher oder nützlich wäre.
Hilft die eigene Plazenta beim Stillen?
In der Pilotstudie 2019 veränderten gedämpfte Kapseln weder Prolaktin noch das Säuglingsgewicht in den ersten drei Wochen. Bei zu wenig Milch helfen Anlegen, Frequenz, Gewichtskontrolle und fachliche Beratung.
Was tun, wenn das Baby Fieber hat und ich Kapseln nehme?
Stoppen Sie die Einnahme und lassen Sie das Kind noch am selben Tag pädiatrisch untersuchen. Nennen Sie die Kapseln, weil die CDC bei später GBS-Erkrankung gezielt danach fragt. Rufen Sie 112, wenn das Kind schlecht trinkt, schlaff wirkt oder Krämpfe hat.

Fazit
Die Nachgeburt ist kein Nahrungsergänzungsmittel. Seit dem CDC-Fall 2016/2017 und der AJOG-Übersicht 2018 raten große Fachstellen vom Essen ab: Die kanadische SOGC 2019, die Mayo Clinic 2024 und die Cleveland Clinic 2025 wiederholen, dass Nutzen fehlt und Infektionen möglich bleiben. Die Las-Vegas-Pilotstudien 2017 bis 2019 änderten Eisenwerte, Stimmung und Prolaktin nicht gegenüber Placebo; die große EPDS-Auswertung 2023 fand keinen Schutz vor depressiven Symptomen.
Wer sich nach der Geburt schwach, traurig oder überfordert fühlt, gewinnt mehr durch ein Gespräch in der Praxis, einen EPDS-Fragebogen, ein Blutbild und Hilfe im Alltag als durch Pulver ohne Zulassung. Bewahren Sie das Organ nur auf, wenn Sie das bewusst wollen, und essen Sie es nicht in der Erwartung, Superfood oder Diät zu ersetzen. Bei Fieber des Kindes, anhaltender Niedergeschlagenheit oder Gedanken an Verletzung zählt der direkte Weg zur medizinischen Hilfe.
Quellen
- Buser GL, Mató S et al.: Notes from the Field: Late-Onset Infant Group B Streptococcus Infection Associated with Maternal Consumption of Capsules Containing Dehydrated Placenta — Oregon, 2016. Morbidity and Mortality Weekly Report, 30. Juni 2017.
- Mayo Clinic Staff: Eating the placenta: A good idea?. Mayo Clinic, 9. Juli 2024.
- Cleveland Clinic: What To Know About Consuming Placenta and Placenta Pills. Cleveland Clinic, 12. Mai 2025.
- Farr A, Chervenak FA et al.: Human placentophagy: a review. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2018.
- Gryder LK, Young SM et al.: Effects of Human Maternal Placentophagy on Maternal Postpartum Iron Status: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Study. Journal of Midwifery & Women’s Health, 2017.
- Young SM, Gryder LK et al.: Placentophagy’s effects on mood, bonding, and fatigue: A pilot trial, part 2. Women and Birth, 2018.
- Young SM, Gryder LK et al.: Ingestion of Steamed and Dehydrated Placenta Capsules Does Not Affect Postpartum Plasma Prolactin Levels or Neonatal Weight Gain: Results from a Randomized, Double-Bind, Placebo-Controlled Pilot Study. Journal of Midwifery & Women’s Health, Juli 2019.
- Elwood C, Money D et al.: No. 378-Placentophagy. Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada, 2019.
- Benyshek DC, Bovbjerg ML et al.: Comparison of placenta consumers‘ and non-consumers‘ postpartum depression screening results using EPDS in US community birth settings (n=6038): a propensity score analysis. BMC Pregnancy and Childbirth, 22. Juli 2023.
- Johnson SK, Pastuschek J et al.: Impact of tissue processing on microbiological colonization in the context of placentophagy. Scientific Reports, 29. März 2022.
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Screening and Diagnosis of Mental Health Conditions During Pregnancy and Postpartum. Obstetrics & Gynecology, Juni 2023.
- MedlinePlus: Postpartum Depression. MedlinePlus, Stand: 2025.
