
Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) ist die schwere, eigenständige Form zyklischer Beschwerden vor der Regelblutung. Sie gehört im DSM-5 zu den depressiven Störungen und verlangt mindestens fünf Symptome, darunter eines der vier Kerngefühle Traurigkeit, Angst, Stimmungssprung oder Reizbarkeit, plus eine klare Beeinträchtigung von Alltag, Arbeit oder Beziehungen.
Die Beschwerden beginnen in der zweiten Zyklushälfte, oft in der letzten Woche vor der Blutung, und klingen nach Einsetzen der Menstruation binnen weniger Tage wieder ab. Ein Bluttest beweist die Diagnose nicht; laut StatPearls (Aktualisierung August 2026) und der American Academy of Family Physicians (April 2025) braucht es ein prospektives Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können bei vielen Betroffenen binnen Tagen entlasten. Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung gehören in die Notfallhilfe, nicht in ein Abwarten bis zum nächsten Termin.
Was PMDD von PMS unterscheidet
PMDD ist nicht einfach ein „sehr starkes PMS“. Beide Bilder sitzen in derselben lutealen Fensterzeit, aber die dysphorische Störung verlangt nach DSM-5 eine klinisch relevante Beeinträchtigung und ein festes Symptomcluster, das die American Psychiatric Association 2013 als eigene Diagnose festgeschrieben hat.
PMS diagnostiziert man klinisch, wenn mindestens ein körperliches oder affektives Symptom in den fünf Tagen vor der Blutung in wenigstens zwei Zyklen auftritt und binnen vier Tagen nach Beginn der Menstruation wieder verschwindet, so die AAFP 2025 mit den älteren Mortola-Kriterien. Bis zu 90 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter spüren irgendein prämenstruelles Zeichen; PMS selbst trifft nach derselben Übersicht etwa 20 bis 30 Prozent. Die Office on Women’s Health (Stand September 2025) schätzt PMDD auf bis zu 5 Prozent.
Ältere populäre Zahlen von 3 bis 8 Prozent bezogen sich oft auf Rückblickfragen. Die Metaanalyse von Reilly und Kollegen (2024, 44 Studien, 50.659 Personen) trennt das sauber: bei bestätigter Diagnose nach prospektiver Erfassung lag die Punktprävalenz bei 3,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,7–5,9), bei nur vorläufiger Diagnose bei 7,7 Prozent. In gemeindenahen Stichproben mit bestätigter Diagnose blieben 1,6 Prozent (1,0–2,5). Wer sich also nur an schlechte Tage erinnert, überschätzt die Häufigkeit; das Tagebuch filtert andere psychische Erkrankungen und zufällige schlechte Wochen heraus.
Cleveland Clinic (Februar 2023) betont denselben klinischen Schnitt: PMS bringt vor allem Blähung, Kopfschmerz und Brustspannen, PMDD zusätzlich schwere Angst, Depression und Stimmungsumschwünge, die Arbeit und Bindungen sprengen können. Nach der Menopause verschwinden die Attacken in der Regel, weil der ovulatorische Zyklus endet; bis dahin können sie jeden Monat erneut auftreten.

Welche Symptome zur Diagnose gehören
Für die Diagnose müssen in der Mehrzahl der Zyklen des vergangenen Jahres mindestens fünf von elf DSM-5-Merkmalen vorliegen, darunter mindestens eines der vier Kernsymptome. StatPearls listet als Kern: deutlich gedrückte Stimmung oder Hoffnungslosigkeit; ausgeprägte Angst oder das Gefühl, „unter Strom“ zu stehen; starke Stimmungslabilität; anhaltende Wut, Reizbarkeit oder mehr Konflikte.
Dazu können kommen: nachlassendes Interesse an Arbeit, Schule, Freundschaften oder Hobbys; subjektive Konzentrationsstörung; bleierne Müdigkeit; Appetitänderung, Heißhunger oder Essanfälle; zu viel oder zu wenig Schlaf; das Gefühl, überfordert oder steuerlos zu sein; körperliche Zeichen wie Brustspannen, Kopfschmerz, Gelenk- oder Muskelschmerz, Blähung oder Gewichtszunahme. Mindestens ein Stimmungssymptom ist Pflicht; fünf rein körperliche Beschwerden reichen nicht.
Der zeitliche Rahmen ist ebenso hart wie die Liste. Symptome müssen in der letzten Woche vor der Blutung auftreten, sich in den ersten Tagen der Menstruation bessern und in der Woche danach weitgehend fehlen. StatPearls zitiert Verlaufsdaten, nach denen die Intensität bei den meisten Betroffenen etwa sechs Tage vor der Blutung steigt und in den zwei Tagen davor am höchsten liegt. Wut und Reizbarkeit beginnen oft etwas früher als die übrigen Zeichen und belasten Partnerschaft und Team am stärksten.
MedlinePlus (Review 15. Oktober 2024) nennt zusätzlich Panikattacken, sozialen Rückzug und Suizidgedanken als mögliche schwere Ausprägung. Cleveland Clinic ergänzt, dass eine Episode zehn bis vierzehn Tage dauern kann; wer jeden Monat zwei Wochen kaum arbeitsfähig ist, verliert im Jahr mehrere Arbeitswochen. Körperliche Begleiter wie Akne oder verstopfte Nase kommen häufig vor, ersetzen aber keines der Pflichtkriterien. Ältere Symptomlisten mit Ohnmacht, Sehstörung oder „Paranoia“ als Leitzeichen gehören nicht zum DSM-5-Katalog.
Wie die Diagnose gesichert wird
Kein Laborwert und keine Bildgebung beweisen PMDD. Die Sicherung steht und fällt mit dem zeitlichen Muster und dem Ausschluss anderer Ursachen. AAFP 2025 und MedlinePlus empfehlen, Stimmung, Schlaf, Appetit und körperliche Beschwerden täglich über mindestens zwei Zyklen zu notieren, zusammen mit Anfang und Ende der Blutung.
Das am besten geprüfte Instrument ist der Daily Record of Severity of Problems (DRSP) mit 24 Punkten, darunter 21 Symptomfragen und drei Fragen zur Beeinträchtigung, jeweils von 1 (gar nicht) bis 6 (extrem). Alternativen sind das Premenstrual Symptom Screening Tool (PSST) und der Calendar of Premenstrual Experiences. Eine vorläufige Diagnose darf die Ärztin oder der Arzt schon nach der ersten Anamnese stellen, damit die Behandlung nicht zwei Monate wartet; Kriterium F des DSM-5 verlangt die prospektive Bestätigung trotzdem nach.
Körperliche Untersuchung, gynäkologische Anamnese und gezielte Tests dienen dem Ausschluss, nicht dem Beweis. MedlinePlus nennt Schilddrüsenwerte, Beckenuntersuchung und psychiatrische Einschätzung. AAFP 2025 rät zur erneuten Suche nach einer durchgehenden Stimmungsstörung, wenn Mittel nicht greifen oder die Symptome den ganzen Monat anhalten. StatPearls warnt, dass etwa die Hälfte der Betroffenen zusätzlich die Kriterien einer Depression erfüllen kann; dann verschlechtert sich die Grundkrankheit in der Lutealphase, statt in der Follikelphase zu verschwinden.
Andere Verwechslungen sind Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, generalisierte Angst und isolierte Mastalgie. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal bleibt die symptomfreie Woche nach der Blutung. Bleibt die Niedergeschlagenheit auch in Zyklusmitte, spricht das gegen eine reine PMDD und für eine andere oder zusätzliche Diagnose.
Warum normale Hormone das Befinden kippen
Ursache ist nach heutigem Stand keine falsche Hormonmenge, sondern eine übersteigerte Reaktion des Gehirns auf den normalen Wechsel von Östradiol und Progesteron nach dem Eisprung. StatPearls fasst zusammen, dass die Blutspiegel dieser Hormone bei Betroffenen und Nichtbetroffenen kaum differieren.
Im Mittelpunkt steht Allopregnanolon, ein neuroaktiver Progesteron-Metabolit und positiver allosterischer Modulator am GABA-A-Rezeptor. Bei PMDD bleibt der Spiegel oft im Normbereich, die funktionelle Empfindlichkeit des Rezeptors aber nicht. Sinkt Allopregnanolon gegen Ende der Gelbkörperphase rasch, kann die hemmende GABA-Wirkung nachlassen; Reizbarkeit, Angst und Schlafstörung werden dann erklärbar, ohne dass ein „Hormonmangel“ im Blutschein steht. Kleine Studien mit Hemmung der Allopregnanolon-Synthese oder mit Isoallopregnanolon als Gegenspieler haben Stimmungssymptome gemindert; das bleibt Forschung, kein Standardrezept.
Serotonin koppelt sich an denselben Kreis. Sexsteroide steuern serotonerge Bahnen, und Mittel, die Serotonin im Spalt halten, bessern PMDD oft schon in Tagen, viel schneller als bei einer klassischen Major Depression. StatPearls erwähnt, dass SSRI Enzyme der Progesteron-Verstoffwechselung beeinflussen und so Neurosteroide mitverändern. Ein Tryptophanentzug oder ein Serotonin-Antagonist kann prämenstruelle Zeichen experimentell verstärken.
Rauchende haben laut StatPearls ein relatives Risiko von 2,1 für mittelschweres bis schweres PMS gegenüber Nie-Rauchenden, ehemalige Rauchende immer noch 1,8. Ein Body-Mass-Index über 35 kg/m² war mit einem relativen Risiko von 1,66 für PMS verbunden. Trauma und vorbestehende Angststörungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für PMDD. Zwillingsdaten und Varianten im Serotonin-1A-Rezeptor-Gen sowie im Östrogenrezeptor-alpha-Gen (ESR1) deuten auf eine erbliche Komponente, ersetzen aber keine klinische Diagnose.
Wer häufiger betroffen ist
Jede Person mit ovulatorischem Zyklus zwischen Menarche und Menopause kann erkranken, einschließlich trans Personen mit erhaltenem Zyklus, so StatPearls. Häufung sieht man bei eigener oder familiärer Depression, postpartaler Depression, Angststörung, vorausgegangenem Trauma und starkem PMS in der Vorgeschichte.
Cleveland Clinic nennt außerdem Missbrauch und anhaltenden Stress als Risikokonstellation. Alkohol geht in Metaanalysen mit mehr PMS einher; unklar bleibt, ob das Trinken die Störung fördert oder umgekehrt der Versuch ist, Spannung zu dämpfen. Office on Women’s Health weist darauf hin, dass viele Betroffene zugleich Angst oder Depression haben. Das erklärt Fehldiagnosen in beide Richtungen: eine zyklische Krise wird als „nur PMS“ abgetan, oder eine durchgehende Depression wird übersehen, weil sie vor der Blutung lauter wird.
Nach der Geburt und in der Perimenopause können sich Muster verschieben, weil die Zyklen unregelmäßiger werden. Schwangerschaft unterbricht die Attacken, weil kein lutealer Abfall mehr stattfindet; das ist Beobachtung, kein Therapieangebot. StatPearls erwähnt eine Lebenszeitkomorbidität psychischer Störungen von etwa 70 Prozent und lebenslange Suizidgedanken bei rund 72 Prozent in einer untersuchten Gruppe mit prämenstruellen Störungen. Solche Zahlen gelten für klinische Kohorten, nicht für jede Frau mit prämenstrueller Gereiztheit.
Wann zum Arzt, wann Notfallhilfe
Zum Arztbesuch reicht, wenn zyklische Stimmung, Angst oder körperliche Beschwerden Arbeit, Schule, Partnerschaft oder die eigene Sicherheit regelmäßig untergraben und Hausmaßnahmen nicht tragen. Mayo Clinic (Februar 2022) formuliert dasselbe für schweres PMS: wenn der Alltag leidet, gehört die Abklärung in die Sprechstunde, nicht in ein weiteres Jahr stillen Durchhaltens.
Sofortige Hilfe, in Deutschland über den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, ist angezeigt bei konkreten Suizidgedanken, Plänen, Selbstverletzung oder dem Impuls, anderen zu schaden. Cleveland Clinic listet als Alarmzeichen außerdem extreme Angst und Panikattacken, das Gefühl völliger Kontrollelosigkeit, schwere Depression und enthemmte Wut. MedlinePlus erinnert, dass Suizid bei depressiven Frauen in der zweiten Zyklushälfte wahrscheinlicher ist; die luteale Enge ist also kein Grund, die Gedanken weniger ernst zu nehmen.
StatPearls beziffert das Risiko hart. Mehr als 15 Prozent der Betroffenen sollen im Leben einen Suizidversuch unternehmen. Eine systematische Übersicht von 2021 fand etwa vierfach höhere Odds für Suizidgedanken und etwa siebenfach höhere Odds für Versuche gegenüber Menschen ohne PMDD. Das rechtfertigt die Frage nach Suizidalität in jeder Abklärung, auch wenn jemand „nur wegen der Periode“ kommt.
Wer bereits Antidepressiva nimmt und merkt, dass die zweite Zyklushälfte jedes Mal einbricht, sollte das ansprechen. Dann kann die Dosis, der Einnahmezeitraum oder die Diagnose selbst neu bewertet werden, statt still eine durchgehende Depression als PMDD zu behandeln.

Wie SSRI bei PMDD eingesetzt werden
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind laut AAFP 2025 und ACOG-Leitlinie Nr. 7 (Dezember 2023) die medikamentöse Erstlinie bei mittelschwerer bis schwerer PMDD. Die Cochrane-Aktualisierung von Jespersen und Kollegen (August 2024, 34 randomisierte Studien) fand eine mittlere Symptomreduktion gegenüber Placebo von SMD −0,57 (95-Prozent-KI −0,72 bis −0,42; 12 Studien, 1742 Personen; mittlere Evidenzsicherheit).
Im Gegensatz zur Depression von 2013, als luteale und durchgehende Einnahme noch als gleichwertig galten, war 2024 die Dauertherapie wirksamer (SMD −0,69 versus −0,39, p = 0,03 für den Gruppenunterschied). Körperliche Symptome profitierten in der Cochrane-Auswertung vor allem von der täglichen Einnahme, Reizbarkeit von beiden Schemata. Der Wirkeintritt liegt oft bei wenigen Tagen, nicht bei zwei bis vier Wochen. Deshalb sind drei Regime üblich: jeden Tag; nur in der Lutealphase ab etwa Tag 14; oder ab Symptombeginn bis zum Blutungseintritt.
In den USA hat die FDA Fluoxetin, Sertralin und Paroxetin für PMDD zugelassen; Citalopram und Escitalopram wirken in Studien ähnlich, ohne eigene Zulassung für diese Indikation. DailyMed nennt für Fluoxetin 20 mg täglich durchgehend oder intermittierend (14 Tage vor dem erwarteten Blutungsbeginn bis zum ersten vollen Blutungstag). 60 mg brachten in der Zulassungsstudie keinen statistisch greifbaren Zusatzgewinn gegenüber 20 mg; über 60 mg fehlt systematische PMDD-Evidenz, die Obergrenze liegt bei 80 mg täglich. Für Sertralin startet DailyMed bei 50 mg; durchgehend darf bis 150 mg in 50-mg-Schritten pro Zyklus titriert werden, intermittierend bis 100 mg.
Unerwünschte Wirkungen sind häufig und der Grund, warum manche das Mittel wieder absetzen. Cochrane beziffert unter anderem Übelkeit (Odds Ratio 3,30), Schlaflosigkeit (1,99), sexuelle Funktionsstörung (2,32) und verminderte Energie (3,28). AAFP nennt als Number needed to harm 8 für Übelkeit und 16 für Libidoverlust. Übelkeit klingt oft nach wenigen Tagen ab. Venlafaxin und Duloxetin haben begrenzte Daten und gelten als Zweitlinie, nicht als FDA-Standard für PMDD.
| Mittel oder Verfahren | Typische Rolle | Evidenzstand |
|---|---|---|
| Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin | medikamentöse Erstlinie, oft binnen Tagen | Cochrane 2024, DailyMed-Zulassung |
| Citalopram, Escitalopram | wirksam in Studien, ohne eigene PMDD-Zulassung | AAFP 2025, StatPearls |
| Drospirenon plus Ethinylestradiol | Option bei Wunsch nach Verhütung | FDA, AAFP 2025 |
| Kognitive Verhaltenstherapie | Affekt, allein oder mit Medikament | ACOG 2023 |
| GnRH-Agonist mit Add-back | Drittlinie bei refraktärem Verlauf | AAFP 2025 |
| Kalzium bis 1200 mg täglich | ergänzend, geringes Schadensrisiko | ACOG laut StatPearls |
Die Tabelle ordnet Optionen, ersetzt aber keine individuelle Abwägung zu Schwangerschaftswunsch, Wechselwirkungen und Begleiterkrankungen.
Pille, Eisprunghemmung und letzte Stufen
Kombinierte orale Kontrazeptiva können das Gesamtbild des PMS lindern, die Stimmung aber weniger zuverlässig als SSRI. Eine Metaanalyse von 2021, von der AAFP 2025 zitiert, fand für kombinierte Pillen eine moderate Besserung gesamter PMS-Symptome (SMD 0,41), ohne klaren Vorteil bei rein affektiven Zeichen gegenüber Placebo. Zwei Studien zu Drospirenon plus Ethinylestradiol (n = 514) senkten DRSP-Werte und funktionelle Beeinträchtigung; die Evidenzqualität war niedrig.
Die FDA hat eine Drospirenon-Ethinylestradiol-Pille für PMDD zugelassen, so die Office on Women’s Health. Formulierungen mit wenigen oder keinen hormonfreien Tagen können Symptome in der Pause abschwächen, weil der erneute Hormonabfall entfällt. Rein gestagenhaltige Mittel haben nach AAFP keine überzeugende PMDD-Wirkung. Progesteron allein heilt die Störung nicht; das widerlegt die ältere Idee, ein schlichter Progesteronmangel sei die Ursache.
Greifen SSRI und Pille nicht, nennen AAFP und StatPearls GnRH-Agonisten als Drittlinie. Sie legen den Zyklus still und erzeugen eine medikamentöse Wechseljahreslage mit Hitzewallungen und Knochendichteverlust. Eine Add-back-Therapie mit Östrogen und Gestagen mindert diese Schäden und hat in einer älteren Metaanalyse die Wirkung von Leuprolid auf PMS-Symptome nicht aufgehoben (SMD −1,19 für Leuprolid). Manche bekommen unter Add-back die PMDD-Zeichen zurück.
Eine Hysterektomie mit beidseitiger Entfernung der Eierstöcke bleibt die letzte Stufe für schwerste, rezidivierende Verläufe, die zuvor auf GnRH angesprochen haben, einschließlich Situationen mit Suizidalität. Danach kann eine Östrogengabe nötig sein, um vorzeitige Wechseljahresfolgen zu begrenzen. Selektive Progesteronrezeptormodulatoren wie Ulipristal 5 mg täglich besserten in einer kleinen Studie von 2021 Wut, Reizbarkeit und Depression bei 85 Prozent, nicht aber die Körperzeichen; AAFP 2025 stuft das als Forschungsansatz ein, nicht als Empfehlung.
Was Alltag, KVT und Ergänzungen leisten
Kognitive Verhaltenstherapie gehört seit der ACOG-Leitlinie 2023 fest in den Plan, nicht nur als „wenn Sie möchten“. Eine Metaanalyse psychologischer Verfahren zeigte mittelgroße Effekte auf Angst, Depression, störendes Verhalten und Alltagsbeeinträchtigung; in einer randomisierten Studie mit 108 PMDD-Patientinnen wirkte Fluoxetin schneller, nach sechs Monaten lagen KVT, Fluoxetin und die Kombination nah beieinander, nach einem Jahr erfüllten in der KVT-Gruppe weniger Personen die Diagnosekriterien.
Bewegung senkte in einer Metaanalyse von sieben randomisierten Studien körperliche und psychische PMS-Zeichen (SMD −1,08 bzw. −1,67), die Trainingsformen waren jedoch bunt gemischt. ACOG empfiehlt trotzdem regelmäßige moderate Aktivität, weil der allgemeine Nutzen klar und der Schaden gering ist. Mayo Clinic rät zu mindestens 30 Minuten zügigen Gehens, Radfahrens oder Schwimmens an den meisten Tagen, kleineren häufigeren Mahlzeiten, weniger Salz, Kaffee und Alkohol sowie zu komplexen Kohlenhydraten aus Obst, Gemüse und Vollkorn.
Kalzium in einer Dosis von 1200 mg täglich hat in Studien Symptomschwere bei PMDD gesenkt; ACOG empfiehlt die Gabe auch wegen des Knochennutzens und des geringen Risikos, so StatPearls. AAFP 2025 ist zurückhaltender und sieht für Diät und Kalzium keine hohe Evidenz speziell gegen PMS, hält die Zufuhr aber für vertretbar. Vitamin B6 erwähnen RCOG und einige Fachgesellschaften trotz dünner Daten; hohe Dosen können eine periphere Neuropathie auslösen, deshalb gehört die Menge in ärztliche Hand. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) senkte in Metaanalysen 2017 und 2019 PMS-Werte, die Studien waren heterogen; ACOG spricht deshalb keine Routineempfehlung aus, AAFP lässt den Versuch zu.
Akupunktur und Akupressur haben in einer Cochrane-Arbeit von 2018 und in der AAFP-Zusammenfassung Hinweise auf Nutzen bei niedriger Evidenzqualität; ACOG hält den Versuch wegen geringen Schadens für diskussionswürdig. Johanniskraut kann die Pille abschwächen, warnt Mayo Clinic. Entspannungsübungen, Schlafhygiene und das Führen des Tagebuchs selbst können Auslöser sichtbar machen, ersetzen aber bei PMDD keine wirksame Therapie, wenn Arbeit und Sicherheit schon leiden.
Häufige Fragen
Ist PMDD dasselbe wie starkes PMS?
Nein. PMS braucht nur ein typisches luteales Symptom mit Alltagsstörung, PMDD mindestens fünf DSM-5-Merkmale inklusive eines Kernaffekts und eine deutliche Beeinträchtigung. Beide enden nach Beginn der Blutung; bleibt die Depression den ganzen Monat, liegt eher eine andere Störung vor oder zusätzlich.
Kann man PMDD im Blut oder per Ultraschall sehen?
Nein. Hormone, Blutbild und Ultraschall schließen andere Ursachen aus, beweisen die Diagnose aber nicht. Entscheidend bleibt das Tagebuch über zwei Zyklen plus die symptomfreie Woche nach der Menstruation, wie MedlinePlus und AAFP beschreiben.
Wie schnell wirken Antidepressiva bei PMDD?
Oft innerhalb weniger Tage, nicht erst nach mehreren Wochen wie bei einer Major Depression. Deshalb sind luteale oder symptombezogene Schemata überhaupt möglich. Ob Dauertherapie oder Pause, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Symptomlage, Nebenwirkungen und Cochrane-Hinweis, dass die tägliche Einnahme insgesamt stärker wirken kann.
Hilft die Antibabypille gegen PMDD?
Sie kann körperliche Zeichen und das Gesamt-PMS lindern, besonders Präparate mit Drospirenon und wenigen pausenfreien Tagen. Für reine Stimmungssymptome bleiben SSRI in den Übersichten zuverlässiger. Wer schwanger werden will, braucht ein anderes Konzept.
Geht PMDD nach den Wechseljahren weg?
In der Regel ja, weil ohne Eisprung der luteale Trigger entfällt, so Cleveland Clinic. Bis dahin bleibt die Störung oft chronisch und behandlungsbedürftig. Unregelmäßige Zyklen in der Perimenopause erschweren die Zuordnung und das Timing einer intermittierenden Tablette.
Was tun bei Suizidgedanken vor jeder Periode?
Das ist ein Notfall, auch wenn die Gedanken zyklisch wiederkehren. Notruf 112, Telefonseelsorge oder die nächste Notaufnahme; niemanden mit einem Plan allein lassen. Danach gehört die PMDD-Behandlung auf eine wirksame Stufe, nicht auf den Rat, „es gehe ja nächste Woche vorbei“.
Sind Nahrungsergänzungen ein Ersatz für Medikamente?
Kalzium bis 1200 mg täglich kann ergänzen und hat ACOG-Rückhalt. B6, Magnesium, Vitamin E und Mönchspfeffer haben dünnere oder widersprüchliche Daten. Bei fünf schweren Symptomen und Funktionsverlust ersetzen sie SSRI oder KVT nicht.
Fazit
Wer Monat für Monat in der Woche vor der Blutung die Fassung, den Schlaf oder die Arbeit verliert, hat Anspruch auf eine saubere Diagnose statt auf den Satz, das sei halt so vor der Periode. Ab morgen reicht ein einfaches Raster: Stimmung, Angst, Reizbarkeit, Schlaf, Appetit und Beeinträchtigung täglich notieren, Blutungstage markieren, nach zwei Zyklen mit dem Protokoll zur Haus- oder Frauenärztin gehen.
Die Therapie hat sich seit den Texten um 2018 verschoben. Bestätigte PMDD ist seltener als die alten 3-bis-8-Prozent-Zahlen, der Mechanismus zielt auf Allopregnanolon und GABA, nicht auf einen messbaren Hormonmangel, und die Erstlinie verbindet SSRI, bei Bedarf eine Drospirenon-Pille und KVT. Cochrane 2024 spricht der Dauereinnahme der SSRI den größeren Effekt zu; das ändert die frühere Gleichsetzung mit der reinen Lutealphase.
Gedanken an den Tod in der zweiten Zyklushälfte sind Teil des Krankheitsbildes und trotzdem ein Grund für sofortige Hilfe. PMDD lässt sich bei den meisten so weit drücken, dass der Monat wieder planbar wird; ein Versprechen auf dauerhaftes Verschwinden vor der Menopause gibt keine Leitlinie.
Quellen
- Miller C, Carlson K: Premenstrual Disorders. StatPearls, Stand: 9. August 2026.
- Biggs WS, Romeu JM et al.: Premenstrual Syndrome and Premenstrual Dysphoric Disorder: Common Questions and Answers. American Family Physician, April 2025.
- Reilly TJ, Patel S et al.: The prevalence of premenstrual dysphoric disorder: Systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders, 15. März 2024.
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Management of Premenstrual Disorders: ACOG Clinical Practice Guideline No. 7. Obstetrics and Gynecology, 1. Dezember 2023.
- Jespersen C, Lauritsen MP et al.: Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews, 14. August 2024.
- Cleveland Clinic: Premenstrual Dysphoric Disorder (PMDD): Causes & Treatment. Cleveland Clinic, Stand: 2. Februar 2023.
- MedlinePlus: Premenstrual dysphoric disorder. MedlinePlus, Stand: 15. Oktober 2024.
- Mayo Clinic: Premenstrual syndrome (PMS) – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 25. Februar 2022.
- Office on Women’s Health: Premenstrual dysphoric disorder (PMDD). Office on Women’s Health, Stand: 26. September 2025.
- DailyMed: FLUOXETINE tablets for oral use prescribing information. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: 2024.
- DailyMed: SERTRALINE HYDROCHLORIDE tablet, film coated. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: 2025.
