Saisonale Depression trifft Frauen häufiger als Männer

Saisonale Depression trifft Frauen häufiger als Männer

Frauen entwickeln eine saisonale Depression deutlich häufiger als Männer. Das gilt für klinische Schätzungen und für große Bevölkerungsdaten wie die UK-Biobank-Auswertung von Lyall, Smith und Kollegen aus dem Jahr 2018. Im DSM-5-TR ist die Störung keine eigene Krankheit, sondern ein saisonales Muster einer Major Depression oder einer bipolaren Erkrankung, meist mit Beginn im Herbst und Besserung im Frühling.

Die National Institute of Mental Health-Broschüre (überarbeitet 2023) beschreibt Episoden, die oft vier bis fünf Monate dauern und Denken, Schlaf und Alltag belasten. Wer länger als zwei Wochen antriebslos, hoffnungslos oder suizidal ist, braucht eine ärztliche Abklärung statt einer ungeprüften Lampe. Lichttherapie, eine an die Saison angepasste kognitive Verhaltenstherapie und in ausgewählten Fällen Bupropion können die Last senken; keine dieser Optionen heilt die Störung und ersetzt die Diagnose nicht.

Was ist saisonale Depression und wie häufig ist sie?

Saisonale Depression ist eine wiederkehrende depressive Episode, die an eine bestimmte Jahreszeit gebunden ist und außerhalb dieser Zeit abklingt. Die American Psychiatric Association führt sie als Major Depression oder bipolare Störung mit saisonalem Muster, nicht als eigenständigen Code. Zwei aufeinanderfolgende Jahre mit demselben Kalenderrhythmus, vollständige oder deutliche Besserung danach und ein Übergewicht saisonaler gegenüber nicht saisonaler Episoden gehören laut NIMH und DSM-5-TR zur Diagnose. Stress durch Feiertage, Schulstart oder saisonale Arbeitslosigkeit zählt nicht, wenn das Licht nicht der Taktgeber ist.

Wie viele Menschen betroffen sind, hängt von der Messlatte ab. Interviews nach Diagnosekriterien in den USA, Kanada und Großbritannien ergaben laut der Übersicht im American Family Physician von 2020 eine Lebenszeitprävalenz von 0,5 bis 2,4 Prozent. Unter Menschen mit Major Depression trägt etwa jeder Zehnte bis Fünfte ein saisonales Muster. APA und Cleveland Clinic nennen für die USA rund 5 Prozent der Erwachsenen und eine Dauer von etwa 40 Prozent des Jahres; das sind Screening- und Praxiszahlen, keine Interviewdiagnosen. StatPearls (Stand April 2024) fasst ältere US-Karten zusammen: 9,7 Prozent in New Hampshire gegen 1,4 Prozent in Florida. Dieselben Autoren schreiben, die weltweiten Raten seien oft zwei Jahrzehnte alt und brauchen neue Erhebungen.

Europa liegt in einer Nutrients-Übersicht von 2024 bei 1,3 bis 3,0 Prozent, Nordamerika bei 1,4 bis 9,7 Prozent. Winterdepression wird häufiger beschrieben als die Sommerform; StatPearls zitiert Raten um 3 Prozent gegen 0,1 Prozent. Subsyndromale Wintermüdigkeit, oft „Winterblues“ genannt, bleibt unter der Schwelle einer Major Depression, kann aber Schlaf und Antrieb schon stören. Cleveland Clinic schätzt für die USA 10 bis 20 Prozent mit dieser milderen Form. Wer nur im Januar unlustig ist und im Februar wieder funktioniert, hat damit noch keine Diagnose.

eine traurige Frau, die aus dem Fenster schaut

Warum trifft sie Frauen häufiger als Männer?

Frauen tragen das höhere Risiko, und der Abstand ist größer als bei vielen anderen depressiven Bildern. Cochrane schreibt in der Patientenfassung zur Wintervorbeugung, rund drei Viertel der Betroffenen seien Frauen. Ältere Übersichten, die StatPearls und eine Nutrients-Arbeit von 2024 zitieren, nennen Verhältnisse von etwa 2:1 bis 9:1. Die AAFP-Zusammenfassung von 2020 stuft weibliches Geschlecht als Risikofaktor ein, nennt die Datenlage aber schwach, weil viele Erhebungen Fragebögen statt Interviews nutzten. Jüngeres Erwachsenenalter, Wohnort weit nördlich oder südlich des Äquators und eine familiäre Belastung mit Depression oder bipolarer Störung kommen hinzu.

Zhang und Volkow werteten 2023 in Translational Psychiatry saisonale Hirn- und Stimmungsbefunde aus. Frauen hatten demnach ein etwa 1,5-fach höheres Risiko für jahreszeitliche Stimmungsschwankungen und stärkere jahreszeitliche Schwankungen grundlegender kognitiver Prozesse. Die Autorinnen und Autoren führen das unter anderem auf eine höhere Empfindlichkeit der inneren Uhr gegenüber Lichtwechseln zurück. In Bildgebungsarbeiten schwankte der Serotonintransporter bei gesunden Frauen über das Jahr deutlicher als bei Männern; dasselbe galt für das Hippocampusvolumen, eine Projektionsregion des Serotoninsystems.

Ein rein sozialer Erklärungsversuch reicht nicht. Lyall und Kollegen fanden den Wintergipfel bei Frauen auch nach Kontrolle von Rauchen, Alkohol und Bewegung. Hormone der Fortpflanzungsjahre, serotonerge Schwankungen im Zyklus und eine andere Lichtempfindlichkeit der circadianen Steuerung sind plausible, aber nicht endgültig bewiesene Wege. Männer können dieselbe Störung haben; sie bleiben in Screeningstudien und in der UK-Biobank seltener sichtbar. Wer als Mann im November denselben Einbruch erlebt, verdient dieselbe Abklärung, nicht den Satz, das sei ein Frauenthema.

Was zeigte die UK-Biobank-Auswertung von 2018?

Die Querschnittsanalyse von Lyall, Wyse, Smith und Kollegen im Journal of Affective Disorders (online 4. Januar 2018) fand saisonale Schwankungen depressiver Symptome bei Frauen, nicht bei Männern. Mehr als 150 000 Teilnehmende der UK Biobank beantworteten vier Fragen zu den vorangegangenen zwei Wochen: Niedergeschlagenheit, Anhedonie, Anspannung und Müdigkeit. Die Items stammen aus dem Patient Health Questionnaire-9. Mit einem Cosinor-Modell, das eine jährliche Sinuskurve prüft, suchte das Team nach echter Periodizität statt nach einem groben Winter-Sommer-Vergleich.

Bei Frauen stiegen der Gesamtscore sowie Anhedonie und Müdigkeit im Winter. Längere Tage hingen mit weniger Niedergeschlagenheit und Anhedonie zusammen, zugleich mit mehr Müdigkeit. Diese Bezüge überlebten die Kontrolle von Alter, Ethnie, Deprivation, Untersuchungszentrum, Bewegung, Rauchen und Alkohol. Sie überlebten nicht die Kontrolle der mittleren Außentemperatur der drei Wochen vor dem Termin. Tageslänge allein erklärt den Kurvenverlauf also nicht; Kälte, Bewegungsmuster und andere Umweltfaktoren laufen parallel. Bei Männern blieb das saisonale Signal aus.

Zwei Grenzen gehören zur Lesart, die Pressetexte von 2018 oft wegließen. Erstens ist die UK Biobank eine Kohorte von 37- bis 73-Jährigen; der typische Beginn einer saisonalen Depression liegt laut NIMH und AAFP eher zwischen 18 und 30 Jahren. Ein Befund in der Lebensmitte unterschätzt möglicherweise jüngere Frauen und sagt wenig über Jugendliche. Zweitens war die Erhebung querschnittlich, die Symptome selbst berichtet und auf vier Fragen begrenzt. Die Autoren selbst fordern Längsschnitte derselben Person über mehrere Winter. Für die Sprechstunde bleibt der Kern: Im Winter bei Frauen gezielt nach Antrieb, Genussfähigkeit und Schlaf fragen, auch wenn noch keine volle Episode vorliegt.

Welche Mechanismen erklären den Wintereinbruch?

Kürzeres Tageslicht kann die innere Uhr, Serotonin und Melatonin aus dem Takt bringen; ein einzelner Schalter ist nicht gefunden. Das NIMH beschreibt für das Wintermuster niedrigere Serotoninaktivität. Sonnenlicht beeinflusst Moleküle, die den Serotoninspiegel halten; kürzere Tage können diese Regelung stören. Dieselbe Broschüre nennt einen Melatoninüberschuss, der Müdigkeit und Hypersomnie fördert. Vitamin D, das die Haut unter UV-B bildet, kann die Serotoninwirkung stützen; im Winter fällt die körpereigene Produktion. Ob ein niedriger Spiegel die Episode auslöst oder nur mitläuft, ist offen.

Zwei circadiane Modelle stehen nebeneinander, wie StatPearls 2024 zusammenfasst. Die Photoperioden-Hypothese sieht in der längeren Melatoninnacht den Auslöser bei Empfindlichen. Die Phasenverschiebungs-Hypothese vermutet eine Entkopplung zwischen Schlaf-Wach-Rhythmus und der inneren Uhr. Der Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus empfängt Licht über spezielle Netzhautzellen und verteilt das Zeitsignal. Zhang und Volkow ergänzen 2023 saisonale Schwankungen von Serotonintransporter, Monoaminooxidase A und dopaminergen Markern; bei Menschen mit saisonaler Depression wirkten einige dieser Anpassungen abgeflacht. Helllicht senkte in einer zitierten PET-Arbeit die MAO-A-Aktivität, ein Hinweis, warum Lampen biochemisch greifen können.

Psychologische Anteile fehlen nicht. Negative automatische Gedanken über Dunkelheit, Kälte und sozialen Rückzug hält das NIMH für häufig; unklar bleibt, ob sie Ursache oder Folge sind. Die an die Saison angepasste kognitive Verhaltenstherapie zielt genau darauf und auf den Verlust angenehmer Tätigkeiten. Familiäre Häufung und Zwillingsdaten deuten auf eine erbliche Komponente, ohne dass ein einzelnes Gen die Störung trägt. Die AAFP erwähnt eine Metaanalyse von 2018 zu ZBTB20 als möglichen Empfindlichkeitsort, ohne daraus einen Test abzuleiten.

Wintermuster oder Sommermuster: welche Symptome zählen?

Das Wintermuster beginnt meist im späten Herbst, das seltenere Sommermuster im späten Frühling; beide brauchen die Symptome einer Depression plus saisonaltypische Zusätze. Gemeinsam sind anhaltend gedrückte oder leere Stimmung an den meisten Tagen über mindestens zwei Wochen, Hoffnungslosigkeit, Schuld, Konzentrationsschwäche, veränderter Schlaf oder Appetit und Gedanken an den Tod. Für den Winter listet das NIMH zusätzlich Hypersomnie, Heißhunger auf Kohlenhydrate mit Gewichtszunahme und den Wunsch, sich „einzuigeln“. Für den Sommer nennt es Einschlafstörungen, Appetitverlust mit Gewichtsabnahme, Unruhe, Angst und in manchen Beschreibungen aggressives Verhalten.

Nicht jede Person trägt die volle Liste. Mayo Clinic beschreibt einen schleichenden Start, der sich über die Saison verschärft. Bipolare Erkrankungen verdienen eine eigene Nachfrage: Frühling und Sommer können Manie oder Hypomanie anstoßen, Herbst und Winter die Depression. StatPearls schätzt, dass 15 bis 25 Prozent der Menschen mit bipolarer Störung ein saisonales Muster haben, häufiger bei Frauen und bei Bipolar-II. Licht und Antidepressiva können dort eine (Hypo-)Manie anstoßen; die Therapieplanung gehört in fachärztliche Hand.

Merkmal Wintermuster Sommermuster
Typischer Beginn später Herbst bis Winter später Frühling bis Sommer
Schlaf oft zu viel Schlaf oft Einschlafstörung
Appetit und Gewicht Kohlenhydrate, Zunahme wenig Appetit, Abnahme
Antrieb Rückzug, „Überwintern“ Unruhe, Reizbarkeit
Spezifische Therapie Licht und Vitamin-D-Prüfung möglich keine eigene Lichtindikation laut NIMH

Feiertagsstimmung und SAD sind nicht dasselbe. Das NIMH trennt den Kalenderstress von der Photoperiode: Wer nur zwischen den Jahren belastet ist und bei gleichbleibendem Licht im Februar wieder klar denkt, erfüllt das saisonale Muster nicht. Umgekehrt kann eine echte Episode mitten im Dezember beginnen, ohne dass Geschenke oder Familienbesuche die Ursache sind.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Zwei Wochen anhaltende Symptome, die Arbeit, Schule oder Pflege erschweren, sind ein Arztanlass; Suizidgedanken sind ein Notfall. Das NIMH rät bei leichten Zeichen unter zwei Wochen zuerst zu Tageslicht, Kontakt und Bewegung, bei Verschlechterung zur Praxis. Mayo Clinic nennt ausdrücklich veränderten Schlaf und Appetit, Alkohol als Trost und das Gefühl, nicht mehr leben zu wollen. Cleveland Clinic erinnert daran, Schilddrüse und andere körperliche Ursachen auszuschließen, bevor die Diagnose feststeht. Eine Selbstzuordnung nach einem Online-Fragebogen ersetzt das Gespräch nicht.

Die Seasonal Pattern Assessment Questionnaire (SPAQ) wird in Studien genutzt, für die Diagnose ist sie laut AAFP zu unscharf. Sensitivität und Spezifität schwanken stark. Entscheidend bleiben Anamnese, psychischer Befund und die DSM-Kriterien. Rezidive von einem Winter zum nächsten liegen nach StatPearls oft bei 50 bis 70 Prozent; wer schon zwei Winter hinter sich hat, sollte den nächsten Herbst nicht abwarten, bis der Antrieb weg ist.

Lage Typische Zeichen Nächster Schritt
Kurze Delle wenige Tage, Alltag bleibt machbar Tageslicht, Bewegung, Beobachtung
Verdacht auf saisonale Depression über zwei Wochen, Funktion leidet Hausarzt, Ausschluss Schilddrüse und anderer Ursachen
Notfall Suizidgedanken, akute Hoffnungslosigkeit 112, Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

In den USA nennt das NIMH die 988 Suicide and Crisis Lifeline. In Deutschland gelten die Telefonseelsorge rund um die Uhr und der Notruf 112. Wer Angehörige beobachtet, die sich zurückziehen, den Haushalt aufgeben oder von Auslöschung sprechen, sollte die Person nicht allein lassen und Hilfe holen. Eine saisonale Depression kann wie jede schwere Depression in sozialen Rückzug, Arbeitsunfähigkeit, Suchtmittelkonsum und Suizidalität münden, wenn sie unbehandelt bleibt.

Welche Behandlungen sind belegt?

Erstlinie für das Wintermuster sind Lichttherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Antidepressiva, einzeln oder kombiniert; die Wahl folgt Schwere, Vorerfahrung und Sicherheit. Die AAFP bewertet Licht, Dämmerungssimulation und kognitive Verhaltenstherapie mit hoher Empfehlungsstärke. Die kanadische CANMAT-Leitlinie von 2016 führt Helllicht als Erstlinien-Monotherapie der saisonalen Major Depression. Das NIMH nennt vier Säulen: Licht, Psychotherapie, Antidepressiva und Vitamin D, wobei Licht und Vitamin D vor allem das Wintermuster betreffen.

Lichttherapie ersetzt fehlendes Tageslicht durch eine sehr helle, UV-gefilterte Box. Das NIMH beschreibt 10 000 Lux über etwa 30 bis 45 Minuten, meist morgens von Herbst bis Frühling. StatPearls nennt 60 bis 80 Zentimeter Abstand oder die Herstellerangabe; 2500 Lux über zwei Stunden oder 5000 Lux über eine Stunde können ebenfalls wirken, brauchen aber länger. Cleveland Clinic warnt vor direktem Starren und vor Solarien, die UV-Schäden setzen statt therapeutisches Weißlicht. Kopfschmerz, Augenbrennen und Schlaflosigkeit bei abendlicher Nutzung kommen vor. Netzhauterkrankungen, photosensibilisierende Arzneimittel und eine bipolare Störung brauchen vorherige ärztliche Freigabe, weil Licht eine (Hypo-)Manie anstoßen kann.

KVT, die an die Saison angepasst ist (KVT-SAD), ersetzt winterbezogene Gedanken und plant wieder Tätigkeiten, die Genuss oder Sinn tragen. Das NIMH beschreibt typisch zwei Gruppensitzungen pro Woche über sechs Wochen. Im direkten Vergleich besserte Licht die Symptome etwas schneller, die KVT hielt in einer Nachbeobachtung über zwei Winter länger. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können die Episode behandeln; Fluoxetin war in einer von der AAFP zitierten Cochrane-Auswertung der Lichttherapie statistisch ähnlich. Wirkung braucht laut NIMH oft vier bis acht Wochen. Bupropion in retardierter Form ist in den USA zur Vorbeugung zugelassen, nicht als alleiniger Alltagsstart ohne Arzt.

Vitamin D bleibt unsicher. Manche Arbeiten fanden ähnliche Effekte wie Licht, andere keinen. Das NIMH rät zur Absprache, weil das Vitamin mit Arzneimitteln wechselwirken kann. Ein nachgewiesener Mangel darf ersetzt werden; eine Drogeriedosis ersetzt weder Lampe noch Gespräch.

Lässt sich die nächste Winterepisode vorbeugen?

Vorbeugend belastbar belegt ist vor allem Bupropion XL, das im Herbst begonnen wird; Licht und KVT zur Prophylaxe bleiben unsicher. Cochrane fasste 2019 drei randomisierte Studien mit 1100 Personen zusammen. Bupropion XL senkte das Risiko einer neuen Winterepisode (Risikoverhältnis 0,56). Bei einer jährlichen Rückfallrate von 30 Prozent müssen acht Menschen behandelt werden, damit eine Episode ausbleibt; bei 50 und 60 Prozent sinkt diese Zahl auf fünf bzw. vier. Selbst in einer Hochrisikogruppe profitieren drei von vier nicht und tragen das Risiko von Kopfschmerz, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Andere Antidepressiva wurden für diese Frage nicht ausreichend geprüft.

Licht zur Vorbeugung bewerteten Cochrane-Arbeiten als unzureichend. StatPearls schließt daraus, Helllicht sei zur Prophylaxe nicht belegt, während Bupropion XL die Zulassung zur Verhinderung trägt. Wer im Vorjahr auf Licht angesprochen hat, darf die Box trotzdem früh im Herbst wieder aufstellen; das ist klinischer Pragmatismus, kein Beweis. KVT im Sommer vor der nächsten Saison wurde in kleinen Arbeiten geprüft; die AAFP nennt die Lage für Psychotherapie und Vitamin D zur Vorbeugung unschlüssig.

Ein fester Starttermin ohne Symptomatik braucht ein Gespräch über Nutzen und Schaden. Manche Menschen beginnen Licht oder ein bekanntes Antidepressivum im September, andere warten auf die ersten Zeichen. Mayo Clinic schreibt, es gebe keine gesicherte Primärprävention der ersten Episode, wohl aber die Chance, eine bekannte Kurve früher zu knicken. Das Rezidivrisiko von 50 bis 70 Prozent von Winter zu Winter macht diese Planung für Wiederkehrer sinnvoller als für Erstbetroffene.

Was hilft im Alltag ohne Selbstmedikation?

Mehr natürliches Licht, Bewegung und gehaltene soziale Termine können Symptome mildern, ersetzen aber keine Behandlung, sobald die Funktion bricht. Die AAFP nennt Spaziergänge bei Tageslicht, einen Arbeitsplatz näher am Fenster, Schlafhygiene und aerobes Training als risikoarme Ergänzung, auch wenn große Winterstudien dazu dünn sind. Cleveland Clinic rät zu etwa 30 Minuten Bewegung an mindestens drei Tagen pro Woche, zu Mahlzeiten ohne dauerhafte Zucker- und Weißmehlwelle trotz Heißhunger und zum Festhalten an Treffen, auch wenn der Impuls zum Rückzug stark ist.

Praktisch hilft ein Kalender, der den eigenen Beginn der Vorjahre markiert. Wer weiß, dass der Einbruch Mitte Oktober kommt, kann in der ersten Oktoberwoche die Lichtbox aufbauen, den Sporttermin festziehen und den Hausarzttermin legen, bevor die Initiative weg ist. Alkohol und nicht verordnete Beruhigungsmittel können Stimmung und Schlaf weiter senken und mit Antidepressiva kollidieren. Solarien bleiben ungeeignet.

Drei Alltagsregeln, die ohne Rezept auskommen:

  • Morgens nach draußen gehen, auch bei Bewölkung, statt die Vorhänge bis zum Mittag geschlossen zu lassen.
  • Bildschirme spätabends dimmen, damit die innere Uhr nicht zusätzlich nach hinten rutscht.
  • Einen Menschen benennen, der im November nachfragt, wenn Anrufe ausbleiben.

Wer trotz dieser Schritte zwei Wochen kaum aus dem Bett kommt, braucht die Praxis, nicht eine teurere Lampe aus dem Netz. Geräte sollten UV filtern und die Lux-Angabe nachvollziehbar machen; eine Kosmetikleuchte ist kein Medizinprodukt.

Häufige Fragen

Ist saisonale Depression dasselbe wie Winterblues?

Nein. Winterblues bleibt meist milder und lässt Alltag und Arbeit weitgehend zu. Saisonale Depression erfüllt die Kriterien einer Major Depression oder einer bipolaren Episode mit klarem Jahreszeitenmuster über mindestens zwei Jahre. Cleveland Clinic schätzt die milde Form in den USA auf 10 bis 20 Prozent, die volle Störung auf etwa 5 Prozent der Erwachsenen.

Reicht eine Tageslichtlampe aus dem Versandhandel?

Nur wenn Helligkeit, Abstand und Nutzungszeit zur Evidenz passen und keine Gegenanzeige vorliegt. Das NIMH beschreibt 10 000 Lux, 30 bis 45 Minuten am Morgen, UV-gefiltert. Augenkrankheiten, photosensibilisierende Mittel und eine bipolare Störung brauchen ärztliche Klärung. Solarien sind ungeeignet.

Sollen Frauen vorbeugend Vitamin D nehmen?

Nicht als Standard gegen saisonale Depression. Das NIMH nennt gemischte Studienergebnisse; ein nachgewiesener Mangel darf ersetzt werden. Dosis und Wechselwirkungen gehören in die Praxis, nicht in eine Internetdosis. Licht, Gespräch und bei Bedarf ein Antidepressivum bleiben die tragenden Säulen.

Wie lange dauert eine typische Episode?

Oft vier bis fünf Monate, bis das Licht im Frühling zurückkehrt, so das NIMH. Ohne Behandlung kann die nächste Saison denselben Block wiederholen; StatPearls nennt Rezidive von 50 bis 70 Prozent von Winter zu Winter. Eine laufende Therapie kann die Dauer und die Tiefe verkürzen, ohne den Kalender zu löschen.

Kann die Störung auch im Sommer auftreten?

Ja, seltener. Das Sommermuster bringt eher Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Unruhe und Angst statt Hypersomnie und Kohlenhydrathunger. Lichttherapie ist dafür nicht die spezifische Behandlung. NIMH und StatPearls betonen, dass diese Form schlechter untersucht ist.

Hilft Sport gegen den Wintereinbruch?

Bewegung kann Antrieb und Angst etwas senken und hat geringen Schaden, ist aber kein Ersatz für Licht, KVT oder Arzneimittel bei einer vollen Episode. Die AAFP nennt aerobes Training als sinnvolle Ergänzung ohne starke Winter-Studiendaten. Dreißig Minuten an mehreren Tagen, möglichst bei Tageslicht, sind ein realistischer Start.

Fazit

Frauen tragen das deutlich höhere Risiko für eine saisonale Depression, und das bleibt nach der UK-Biobank-Arbeit von 2018 und der Hirnübersicht von 2023 kein reiner Meldeartefakt. Die Störung ist ein saisonales Muster einer Depression oder bipolaren Erkrankung, kein Charakterzug und kein unvermeidlicher November. Zwei Wochen Funktionsverlust, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken gehören in die Sprechstunde oder an den Notruf, nicht in den Warteraum bis Ostern.

Für den nächsten Herbst zählt ein konkreter Plan: Lichtbox mit 10 000 Lux am Morgen nach ärztlicher Freigabe, Termine für eine an die Saison angepasste kognitive Verhaltenstherapie, und bei wiederholten Wintern das Gespräch über Bupropion XL als Vorbeugung mit ehrlicher Zahl: Viele zahlen Nebenwirkungen, ohne eine Episode zu verhindern. Vitamin D und Solarium ersetzen das nicht.

Wer die eigene Kurve kennt, kann den Kalender früher stellen als die Stimmung. Wer sie nicht kennt, holt sich eine Diagnose, bevor die vierte dunkle Woche vorbei ist.

Quellen

  1. National Institute of Mental Health: Seasonal Affective Disorder. National Institute of Mental Health, Stand: 2023.
  2. Galima SV, Vogel SR, Kowalski AW: Seasonal Affective Disorder: Common Questions and Answers. American Family Physician, 1. Dezember 2020.
  3. Gartlehner G, Nussbaumer-Streit B et al.: Antidepressants for prevention of winter depression. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019.
  4. Munir S, Gunturu S, Abbas M: Seasonal Affective Disorder. StatPearls, 20. April 2024.
  5. Mayo Clinic Staff: Seasonal affective disorder (SAD). Mayo Clinic, 14. Dezember 2021.
  6. Cleveland Clinic: Seasonal Depression (Seasonal Affective Disorder). Cleveland Clinic, 10. April 2022.
  7. Lyall LM, Wyse CA et al.: Seasonality of depressive symptoms in women but not in men: a cross-sectional study in the UK Biobank cohort. Journal of Affective Disorders, 4. Januar 2018.
  8. Zhang R, Volkow ND: Seasonality of brain function: role in psychiatric disorders. Translational Psychiatry, 22. Februar 2023.
  9. MedlinePlus: Seasonal Affective Disorder. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2024.
  10. American Psychiatric Association: Seasonal Affective Disorder (SAD). American Psychiatric Association, Stand: 2024.
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