
Eine Injektion von Spenderzellen ins Gehirn kann nach einem Schlaganfall das Gehen nicht zuverlässig zurückbringen. Die große, verblindete Phase-2b-Studie zu SB623-Zellen verfehlte 2019 den geplanten motorischen Endpunkt; zugelassen ist das Verfahren für den Schlaganfall weder in den USA noch in der Europäischen Union.
Die Hoffnung entstand 2016 aus einer offenen Pilotstudie ohne Vergleichsgruppe. Darin verbesserten sich Skalenwerte der Arm- und Beinfunktion, während die Alltagsabhängigkeit auf der modifizierten Rankin-Skala gleich blieb. Wer im Rollstuhl saß und später Schritte machte, blieb eine Beobachtung ohne Kontrollarm. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC zählt weiter mehr als 795 000 Schlaganfälle pro Jahr in den Vereinigten Staaten; etwa 87 Prozent sind Hirninfarkte, und bei mehr als der Hälfte der Überlebenden ab 65 Jahren bleibt die Beweglichkeit eingeschränkt.
Was heute trägt, ist die Akutversorgung in Stunden und die Rehabilitation über Monate. Stammzellen gehören in registrierte Studien, nicht in die Preisliste einer Privatklinik. Die folgenden Abschnitte trennen die kleine Stanford-Serie, die gescheiterte Bestätigungsstudie, die aktuelle Leitlinie zur Lyse und Thrombektomie und die Warnung der US-Arzneimittelbehörde vor unbelegten Regenerativangeboten.
Was zeigte die kleine Stanford-Studie wirklich?
Die Pilotstudie zu SB623 war eine Sicherheitsarbeit an 18 Erwachsenen mit stabilem, chronischem Hirninfarkt, nicht der Beweis, dass Gelähmte wieder gehen. Steinberg und Kollegen veröffentlichten 2016 in Stroke eine offene Phase-1/2a-Serie ohne Scheinoperation. Die Teilnehmenden waren im Mittel 61 Jahre alt und lagen im Schnitt 22 Monate nach dem Infarkt; die motorischen Defizite galten als fest.
SB623-Zellen sind allogene mesenchymale Stromazellen aus dem Knochenmark gesunder Spender, vorübergehend mit einem Notch-1-Fragment behandelt. Neurochirurgen manövrierten die Zellen stereotaktisch an den Rand des alten Infarkts, über ein Bohrloch und drei Kanülenbahnen. Dosen lagen bei 2,5, 5 oder 10 Millionen Zellen. Niemand erhielt eine Immunsuppression. Die Zellen überleben in Tiermodellen nur etwa einen Monat; anhaltende Effekte würden also über Botenstoffe laufen, nicht über eingewachsene Ersatzneurone.
Nach zwölf Monaten, bei 16 auswertbaren Personen, stieg der motorische Fugl-Meyer-Wert im Mittel um 11,4 Punkte, die European Stroke Scale um 6,88 Punkte, der NIHSS fiel um 2,0 Punkte. Die modifizierte Rankin-Skala, die misst, wie selbstständig jemand im Alltag ist, rührte sich nicht. Genau diese Lücke erklärt, warum Pressebilder vom wiedergewonnenen Gehen die Studie überzeichneten. Sieben der 18 Personen erreichten eine als klinisch bedeutsam geltende Zehn-Punkte-Schwelle auf der motorischen Fugl-Meyer-Skala. Ohne Kontrollgruppe bleibt unklar, wie viel Übung, Erwartung oder natürliche Schwankung dazu beitrug.
Alle 18 erlebten mindestens ein unerwünschtes Ereignis. Kopfschmerz nach dem Eingriff betraf 14 von 18. Sechs schwere Ereignisse heilten ohne Folgeschaden; zwei hingen wahrscheinlich oder sicher mit der Operation zusammen, darunter ein subdurales Hygrom und ein Krampfanfall. Kein schweres Ereignis wurde den Zellen selbst zugeordnet. Die abgeschlossene Zwei-Jahres-Auswertung von 2018 im Journal of Neurosurgery zeigte dasselbe Muster. Die Skalengewinne hielten auf dem Plateau des ersten Jahres, die Rankin-Skala blieb stumm, Kopfschmerz blieb die häufigste Begleiterscheinung.
![[Ein CT-Scan eines Schlags]](https://demedbook.com/images/1/stroke-patients-able-to-walk-again-after-stem-cell-transplant.jpg)
Warum verfehlte die größere Studie den Endpunkt?
ACTIsSIMA, die Phase-2b-Prüfung, sollte den Pilotbefund unter Scheinoperation und Verblindung prüfen und tat das nicht. SanBio schloss 163 Erwachsene zwischen 18 und 75 Jahren ein, sechs Monate bis 7,5 Jahre nach einem subkortikalen Infarkt im Stromgebiet der mittleren Hirnarterie, mit Rankin-Werten 2 bis 4. Die Zuteilung erfolgte 1:1:1 auf 2,5 Millionen Zellen, 5 Millionen Zellen oder eine Scheinoperation. Primärer Endpunkt war der Anteil mit mindestens zehn Punkten Gewinn auf der motorischen Fugl-Meyer-Skala nach sechs Monaten.
Die Ergebnisse auf ClinicalTrials.gov sind eindeutig. In der Gruppe mit 2,5 Millionen Zellen erreichten 7 von 55 diesen Sprung, bei 5 Millionen Zellen 9 von 56, nach Scheinoperation 7 von 52. Die Anteile liegen nah beieinander. Sekundäre Maße wie Gehtempo um eine Funktionsklasse, Armfunktion im Action Research Arm Test und ein Punkt auf der Rankin-Skala trennten die Arme ebenfalls nicht überzeugend. Der Hersteller hatte 2016 eine Studie an rund 156 Personen angekündigt; die tatsächlich abgeschlossene Prüfung mit 163 Teilnehmenden und Scheinoperation ist die Antwort auf jene Ankündigung.
Eine Nachanalyse kleinerer Infarkte, die der Sponsor später öffentlich machte, ist keine vorab festgelegte Bestätigung. Solche Untergruppen erzeugen leicht Zufallstreffer. Für die Versorgung zählt der präspezifizierte Endpunkt, und der blieb negativ. Die Zellen gelten in dieser Prüfung als verträglich; das ersetzt keinen nachgewiesenen Alltagsnutzen. Wer 2016 las, Rollstuhlfahrer gingen wieder, muss 2019 und 2020 gegenlesen. Die Hoffnung der offenen Serie hat die kontrollierte Prüfung nicht getragen.
Wie sollen Stammzellen nach dem Infarkt wirken?
Die Zellen sollen das verletzte Netz stützen, nicht abgestorbene Hirnareale neu aufbauen. In der Stanford-Arbeit überlebten SB623-Zellen in Nagetiermodellen nur etwa einen Monat, während Messwerte beim Menschen länger stiegen. Die Autoren vermuten daher ausgeschüttete Wachstums- und Matrixfaktoren, weniger eine echte Zellintegration. Entzündung, neue kleine Gefäße und die Wanderung körpereigener Vorläuferzellen stehen im Verdacht, nicht der Ersatz eines Infarktkerns.
Genau deshalb bleibt der Zeitpunkt heikel. In den ersten Tagen nach einem Hirninfarkt ist das Gewebe entzündet und formbar. Monate später ist die Narbe fest, die Spastik oft organisiert, der Alltag an Hilfsmittel gewöhnt. Eine Injektion in diese Narbe muss mehr leisten als eine Infusion in der Frühphase. Intravenöse oder intraarterielle Gaben zielen auf Immunmodulation im ganzen Körper. Die stereotaktische Bahn zielt lokal und verlangt eine Hirnoperation. Beides sind verschiedene Fragen, auch wenn beide das Wort Stammzelle tragen.
Der Cochrane-Review von 2019 fasste sieben randomisierte Studien mit 401 Personen zusammen, Zellen aus Knochenmark oder verwandtem adultem Gewebe, intravenös, intraarteriell, ins Gehirn oder in den Lumbalkanal, in akuter, subakuter oder chronischer Phase. Ein einheitliches Protokoll gab es nicht. Die Autoren schrieben ausdrücklich, dass die Studien zugunsten der Zellen im Schnitt kleiner und anfälliger für Verzerrung waren. Wer „Stammzellen nach Schlaganfall“ sucht, findet also ein Bündel aus Zelltyp, Dosis, Weg und Zeitpunkt, kein einzelnes Arzneimittel.
Was sagen Cochrane und neuere Übersichten?
Cochrane 2019 fand eine etwas bessere NIHSS-Punktzahl, aber keinen sicheren Gewinn an Selbstständigkeit. Der Unterschied auf der NIHSS lag bei minus 1,49 Punkten gegenüber Kontrolle, Evidenz niedrig. Die modifizierte Rankin-Skala und der Barthel-Index, die Alltag und Pflegebedarf abbilden, blieben ohne belastbaren Vorteil, Evidenz sehr niedrig. Zur Sterblichkeit gab es keinen Alarm, aber auch keinen Schutzbeweis. Die Autoren forderten größere, sauberer geplante Studien.
Eine Metaanalyse in Scientific Reports von 2025 begrenzte sich auf Zellen innerhalb eines Monats nach dem Infarkt und 13 randomisierte Studien mit 872 Personen. Nach einem Jahr hatten mehr Behandelte einen Rankin-Wert 0 oder 1 als Kontrollen, Relatives Risiko 1,74. Nach 90 Tagen lag der Anteil mit Rankin 0 bis 2 etwas höher. Schwere unerwünschte Ereignisse und Todesfälle unterschieden sich nicht signifikant. Die Autoren schreiben zugleich, das Verfahren sei weltweit nicht als Standard zugelassen und bleibe Studien vorbehalten. Die Heterogenität von Zelltyp, Dosis und Gabe blieb groß.
Das ist kein Widerspruch zur gescheiterten SB623-Prüfung, sondern eine andere Population. ACTIsSIMA behandelte Menschen mit festem Defizit, oft Jahre nach dem Ereignis, mit einer Hirnoperation. Die Übersichtsarbeit von 2025 prüfte vor allem frühe, oft intravenöse Gaben. Wer chronisch gelähmt ist, darf die Jahreszahl 2025 nicht als Freibrief für eine private Infusion lesen. Ältere Empfehlungen, die 2016 aus der offenen Serie „lebensverändernde Therapien“ ableiteten, sind durch die kontrollierte Negativstudie und durch Cochrane überholt.
Was zählt in den ersten Stunden nach dem Schlaganfall?
In den ersten Stunden entscheiden Lyse und, bei großen Gefäßverschlüssen, die mechanische Thrombektomie, nicht Stammzellen. Die Mayo Clinic nennt eine intravenöse Rekanalisation mit rekombinantem Gewebeplasminogenaktivator den etablierten Standard beim ischämischen Infarkt, sofern keine Kontraindikation vorliegt. Alteplase und Tenecteplase sind die zwei genannten Wirkstoffe. Der Nutzen ist am größten, je früher die Infusion beginnt; das übliche Fenster liegt bei 4,5 Stunden nach Symptombeginn.
Die Leitlinie der American Heart Association und American Stroke Association von 2026 aktualisiert die Linie von 2018/2019. Tenecteplase gilt im 4,5-Stunden-Fenster als ebenbürtige Option neben Alteplase. Bei ausgewählten Personen mit nachweisbar rettbarer Penumbra in der Perfusionsbildgebung kann eine Lyse auch zwischen 4,5 und 9 Stunden oder bei unklarem Beginn erwogen werden. Die mechanische Thrombektomie bleibt bei proximalem Verschluss der vorderen Strombahn in den ersten sechs Stunden fest empfohlen und reicht bei geeigneter Bildgebung in ausgewählten Fällen bis 24 Stunden. Das ist der eigentliche Fortschritt seit der alten Artikelversion, die nur ein kurzes tPA-Fenster kannte.
MedlinePlus erinnert daran, dass viele Menschen das Krankenhaus zu spät erreichen oder die Lyse wegen Blutungsrisiko nicht bekommen. Dann bleibt die frühe Mobilisierung, die Schluckprüfung, die Blutdruck- und Zuckerführung und der rasche Beginn von Physiotherapie. Cleveland Clinic beschreibt dieselbe Reihenfolge. Zuerst Blutfluss retten, dann Funktionen üben. Eine Zelltherapie in der Notaufnahme ist kein Bestandteil dieser Kette.
| Maßnahme | Typisches Fenster | Rolle 2026 |
|---|---|---|
| Alteplase oder Tenecteplase in die Vene | meist bis 4,5 Stunden, selten länger mit Bildgebung | Standard bei geeignetem ischämischem Infarkt |
| Mechanische Thrombektomie | oft bis 6 Stunden, ausgewählt bis 24 Stunden | Standard bei großem Gefäßverschluss |
| SB623-Zellen ins Gehirn | Monate bis Jahre nach dem Infarkt | Studie, primärer Endpunkt verfehlt |
| Andere Stammzellgaben | meist Tage bis Wochen, nur Prüfprotokoll | kein zugelassener Standard |
| Multidisziplinäre Reha | ab der Stabilisierung, über Monate | tragende Versorgung bei Behinderung |
Welche Rehabilitation hilft, wenn die Lähmung bleibt?
Gezieltes Üben bleibt die Behandlung, die nach der Akutphase den Alltag am ehesten verändert. Mayo Clinic und Cleveland Clinic beschreiben ein Team aus Neurologie, Physiatrie, Krankenpflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie. Der rechte Arm hängt, wenn die linke Hirnhälfte getroffen ist; Sprache und Schlucken leiden oft mit. Die Gegenseite gilt für die rechte Hirnhälfte und das linke Bein. Ohne Wiederholung baut das Gehirn die Ersatzwege schlechter aus.
Die CDC nennt den Schlaganfall eine führende Ursache schwerer Langzeitbehinderung. Mehr als die Hälfte der Überlebenden ab 65 Jahren verliert Beweglichkeit. Das ist die Gruppe, für die 2016 die Zellhoffnung formuliert wurde. Reha beginnt oft schon auf der Stroke Unit, geht in eine Station, eine Tagesklinik oder nach Hause weiter. Ziele sind Transfer, Gehstrecke, Armgebrauch, sicheres Schlucken und die Rückkehr in den eigenen Wohnraum, nicht ein Punktwert auf einer Forschungsskala.
Spastik, Schulterschmerz, Sturzangst und Depression bremsen den Fortschritt. MedlinePlus nennt die Depression nach dem Infarkt häufig und behandelbar; unbehandelt verlangsamt sie das Üben. Hilfsmittel, Orthesen und ein angepasster Wohnraum sind Therapie, kein Eingeständnis. Wer Monate nach dem Ereignis neue Schritte macht, tut das meist in kleinen Raten unter Anleitung, nicht nach einer einzelnen Injektion. Die AHA-Reha-Leitlinie von 2016, die fachlich weiter zitiert wird, stellt genau diese koordinierte, ausreichend dosierte Therapie in den Mittelpunkt, nicht Zellprodukte.
Welche Risiken haben Hirninjektion und private Angebote?
Die stereotaktische Gabe verlangt eine Hirnoperation mit den Risiken einer Bohrlochtrepanation. In der Pilotstudie war der verfahrensbedingte Kopfschmerz die Regel. Schwere, der Operation zugeordnete Ereignisse waren selten, aber real: Flüssigkeitsansammlung unter der Dura, die entlastet werden musste, und ein als lebensbedrohlich gewerteter Anfall. Übelkeit und Erbrechen kamen vor. Laborkontrollen zeigten keine klinisch bedeutsame Abstoßung der allogenen Zellen. Das spricht für eine gewisse immunologische Ruhe dieser Stromazellen, nicht für Harmlosigkeit des Zugangs.
Unbelegte Angebote außerhalb von Studien sind eine zweite, oft unterschätzte Gefahr. Die US-Arzneimittelbehörde FDA schreibt seit 2021 klar, dass Regenerativprodukte für neurologische Krankheiten einschließlich Schlaganfall nicht zugelassen sind. Wer dafür Geld verlangt oder das Angebot außerhalb einer von der Behörde beaufsichtigten Studie macht, handelt nach dieser Linie illegal. Gemeldete Schäden anderer Produkte umfassen Infektionen, unerwünschte Immunantworten, Tumoren und den Verlust der Zeit für wirksame Standardtherapie. Ein Eintrag auf ClinicalTrials.gov allein beweist keine Legalität.
- Kopfschmerz nach dem Bohrloch war in der Pilotstudie die häufigste Begleiterscheinung und klang in der Regel wieder ab.
- Seltene schwere Operationsfolgen betrafen Blut- oder Flüssigkeitsansammlungen und Krampfanfälle, die behandelt werden mussten.
- Private Infusionen aus Fett, Nabelschnur oder Fruchtwasser sind für den Schlaganfall nicht zugelassen und können infizieren.
- Ein Werbeversprechen, Gelähmte würden wieder laufen, überschreitet das, was ACTIsSIMA und Cochrane belegen.
Wer ein Angebot prüft, fragt nach der EudraCT- oder NCT-Nummer, nach Scheinbehandlung oder Kontrolle, nach unabhängiger Ethikkommission und danach, ob jemand für die Zellen bezahlen soll. Eine Rechnung vor der ersten Nadel ist ein Warnzeichen, kein Qualitätsmerkmal.
Wann gilt nach dem Schlaganfall der Notruf?
Neue oder wiederkehrende FAST-Zeichen sind ein Notfall, auch Monate nach dem ersten Ereignis. Cleveland Clinic nutzt die Merkhilfe BE FAST. Plötzlicher Gleichgewichtsverlust, Sehstörung, hängende Gesichtshälfte, kraftloser Arm, undeutliche Sprache. Die Zeitangabe, wann die Zeichen begannen, steuert Lyse und Thrombektomie. MedlinePlus nennt dasselbe Kernset als FAST und verlangt den Notruf, nicht die Fahrt im eigenen Auto, sofern Hilfe erreichbar ist.
Ein zweiter Infarkt ist in den ersten Wochen und Monaten wahrscheinlicher als später. MedlinePlus beschreibt genau diese frühe Häufung. Wer bereits einen Infarkt hatte, braucht bei erneutem Hängen des Mundwinkels, bei neuem Wortfindungsstau oder bei plötzlicher Beinschwäche dieselbe Eile wie beim ersten Mal. Begleitend zählen vernichtender Kopfschmerz, steifer Nacken, Bewusstseinsverlust und Krampfanfall zur sofortigen Hilfe, weil eine Blutung anders behandelt wird als ein Verschluss.
Nach der Entlassung gelten andere Schwellen, die trotzdem nicht warten dürfen. Fieber mit Bewusstseinstrübung, ein heißes geschwollenes Bein, plötzliche Luftnot und Brustschmerz können auf Infekt, Thrombose oder Lungenembolie weisen. Cleveland Clinic listet diese Komplikationen ausdrücklich. Der Hausbesuch am nächsten Werktag reicht dort nicht. Der Notruf in Deutschland ist 112. Stammzellpläne ändern an dieser Reihenfolge nichts.
Für wen kommen Studien noch infrage?
Eine Studie kommt infrage, wenn das Defizit stabil ist, die Standardreha läuft und niemand eine Zulassung vorspiegelt. ACTIsSIMA verlangte unter anderem Alter 18 bis 75, einen dokumentierten ischämischen Infarkt, Rankin 2 bis 4, Restmotorik in einem mittleren Fenster und die Fähigkeit zu MRT mit Kontrast. Ausgeschlossen waren unter anderem große Infarkte über 150 Kubikzentimeter, primäre Hirnblutung, frischer Herzinfarkt, aktive Krebserkrankung, unkontrollierte Begleiterkrankungen und jede frühere Stammzellbehandlung. Solche Listen schützen die Auswertung, sie beschreiben nicht den typischen Rehabilitanden.
Wer Interesse hat, spricht zuerst mit der behandelnden Neurologie, nicht mit einer Werbehotline. In der EU und in den USA müssen Prüfungen in öffentlichen Registern stehen. Kostenfreiheit der Prüfsubstanz, eine Kontrolle und eine unabhängige Sicherheitssicht sind Mindestspuren seriöser Arbeit. Die Metaanalyse von 2025 schlägt vor, künftige Studien auf den Funktionsstatus nach einem Jahr auszurichten, weil frühe Unterschiede klein bleiben können. Das gilt vor allem für die akute und subakute Phase, nicht als Einladung zur Selbstüberweisung in eine chronische Hirnoperation.
Japan hat ein verwandtes SB623-Produkt für bestimmte Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas diskutiert; das ist keine Zulassung für den ischämischen Schlaganfall in Europa. Wer beide Diagnosen vermischt, kauft eine Erzählung. Solange EMA und FDA kein Schlaganfallprodukt lizenzieren, bleibt jede Gabe ein Versuch. Der Versuch kann gerechtfertigt sein, wenn er Daten erzeugt. Er ist es nicht, wenn er nur Hoffnung gegen Vorkasse tauscht.
Was stützt Alltag und Schutz vor dem nächsten Infarkt?
Blutdruck, Vorhofflimmern, Rauchen, Zucker und Cholesterin entscheiden mit, ob ein zweiter Infarkt kommt. Die CDC nennt Bluthochdruck, Fettstoffwechsel, Tabak, Adipositas und Diabetes als führende, oft gemeinsam vorkommende Faktoren. Ein Drittel der Erwachsenen in den USA trägt mindestens einen davon. Die AHA-Leitlinie zur Primärprävention von 2024, die MedlinePlus zitiert, setzt genau hier an. Nach einem ersten Ereignis gelten die Regeln der Sekundärprävention noch strenger. Tabletten wegzulassen, weil eine Zellstudie lockt, ist ein schlechter Tausch.
Im Alltag zählen die Termine, die niemand auf Social Media feiert. Physiotherapie nicht absagen, Blutdruck messen, das Antikoagulans bei Vorhofflimmern nicht pausieren, außer die Klinik ordnet das vor einem Eingriff an. Schluckstörungen brauchen eine angepasste Kost, nicht den Ehrgeiz, „wieder normal“ zu essen. Stürze nachts auf dem Weg zur Toilette sind eine häufige Ursache neuer Knochenbrüche. Ein Nachtlicht und ein freier Weg nützen mehr als ein unbelegtes Serum.
Angehörige halten den Fortschritt oft besser aus, wenn Ziele klein und kalendarisch sind. Zehn Meter mit Rollator in diesem Monat, der Transfer ins Bett ohne zwei Helfer im nächsten. Mayo Clinic betont, dass sich Erholung über viele Monate und manchmal länger als ein Jahr zieht. Aufgeben nach der sechsten Woche ist zu früh. Gleichzeitig ersetzt Hoffnung keine Messung. Wer nach zwei Jahren plötzlich eine teure Infusion bucht, weil das Gehen stockt, wiederholt den Fehler der frühen Berichterstattung. Die kontrollierte Studie hat diese Wette bereits verloren.
Häufige Fragen
Können Schlaganfallpatienten nach einer Stammzelltransplantation wieder gehen?
Einzelne Personen in der offenen Pilotstudie gewannen motorische Punkte, manche auch Schritte. Die große verblindete Prüfung mit Scheinoperation zeigte nach sechs Monaten keinen überlegenen Anteil mit einem klinisch bedeutsamen Fugl-Meyer-Sprung. Gehen wiederzulernen bleibt deshalb Aufgabe der Rehabilitation, nicht einer zugelassenen Zelltherapie.
Ist die Behandlung mit SB623 oder ähnlichen Zellen zugelassen?
Nein. Die FDA stellt fest, dass Regenerativprodukte für den Schlaganfall nicht lizenziert sind. In der EU gibt es ebenfalls keine Standardzulassung für diese Hirninjektion. Angebote gegen Bezahlung außerhalb einer behördlich beaufsichtigten Studie sind nach der US-Behörde in der Regel unzulässig.
Wie gefährlich ist die Spritze ins Gehirn?
In der Pilotstudie erlebten alle Teilnehmenden unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Kopfschmerz nach dem Bohrloch. Schwere Folgen waren selten und betrafen vor allem die Operation, nicht nachweisbar die Zellen. Eine Scheinoperation in ACTIsSIMA unterstreicht, dass schon der Zugang belastet. Ohne klaren Nutzen bleibt dieses Risiko schwer zu rechtfertigen.
Was hilft, wenn der Schlaganfall schon Monate her ist?
Übung mit Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie, Hilfsmittel und die Behandlung von Spastik, Schmerz und Depression. Gleichzeitig laufen Blutdruck-, Gerinnungs- und Lebensstilmaßnahmen gegen den nächsten Infarkt. Stammzellen ändern an diesem Alltag nichts, solange sie nur in Studien existieren.
Wo erkenne ich eine seriöse Studie?
An einer öffentlichen Registriernummer, an Kontrolle oder Verblindung, an einer Ethikkommission und daran, dass die Prüfsubstanz nicht verkauft wird. Die behandelnde Neurologie kann prüfen, ob Einschlusskriterien passen. Ein Werbevideo mit gehenden Ex-Rollstuhlfahrern ersetzt keines dieser Merkmale.
Wann muss ich den Notruf 112 wählen?
Bei plötzlich hängendem Gesicht, kraftlosem Arm, undeutlicher Sprache, Seh- oder Gleichgewichtsstörung, vernichtendem Kopfschmerz oder Bewusstseinsverlust. Dieselben Zeichen gelten erneut, wenn schon ein Infarkt hinter einem liegt. Minuten entscheiden über Lyse und Thrombektomie.
Fazit
Die Geschichte von Schlaganfallpatienten, die nach einer Stammzelltransplantation wieder gehen, stammt aus einer kleinen, offenen Serie. Die kontrollierte Folgestudie mit 163 Personen und Scheinoperation hat den primären motorischen Endpunkt nicht erreicht. Cochrane 2019 und die Zulassungsbehörden ziehen dieselbe praktische Folgerung. Zellen können Skalen rühren, sie haben den Alltag der Mehrheit nicht nachweisbar zurückgegeben.
Morgen zählt deshalb etwas Unspektakuläres. Den nächsten Rehatermin wahrnehmen, Blutdruck und verordnete Gerinnungshemmer nicht aussetzen, Wohnraum sturzsicher machen. Wer FAST-Zeichen sieht, wählt 112 und nennt die Uhrzeit des Beginns. Interesse an Forschung gehört in das Gespräch mit der Neurologie und in ein Register, nicht auf eine Rechnung.
Wer 2016 Hoffnung aus Stanford mitgenommen hat, muss sie nicht in Zynismus umtauschen. Die Akutmedizin ist seitdem weiter. Tenecteplase steht neben Alteplase, die Thrombektomie reicht bei passender Bildgebung länger. Genau dort, in Stunden und in der Reha, liegt der belegte Hebel. Die Zelle im Bohrloch bleibt vorerst Forschung.
Quellen
- Steinberg GK, Kondziolka D et al.: Clinical Outcomes of Transplanted Modified Bone Marrow-Derived Mesenchymal Stem Cells in Stroke: A Phase 1/2a Study. Stroke, 2. Juni 2016.
- Steinberg GK, Kondziolka D et al.: Two-year safety and clinical outcomes in chronic ischemic stroke patients after implantation of modified bone marrow-derived mesenchymal stem cells (SB623): a phase 1/2a study. Journal of Neurosurgery, 23. November 2018.
- SanBio, Inc.: Study of Modified Stem Cells (SB623) in Patients With Chronic Motor Deficit From Ischemic Stroke. ClinicalTrials.gov, Stand: 2020.
- Boncoraglio GB, Ranieri M et al.: Stem cell transplantation for ischemic stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews, 5. Mai 2019.
- Osanai T, Takamiya S et al.: Efficacy and safety of stem cell therapy for acute and subacute ischemic stroke: a systematic review and meta-analysis. Scientific Reports, 1. Juli 2025.
- U.S. Food and Drug Administration: Important Patient and Consumer Information About Regenerative Medicine Therapies. U.S. Food and Drug Administration, 3. Juni 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: Stroke Facts | Stroke | CDC. Centers for Disease Control and Prevention, 24. Oktober 2024.
- Prabhakaran S, Gonzalez NR et al.: 2026 Guideline for the Early Management of Patients With Acute Ischemic Stroke: A Guideline From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke, 26. Januar 2026.
- Mayo Clinic: Stroke: Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Stroke: What It Is, Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 27. Januar 2025.
- MedlinePlus: Stroke – MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 16. April 2025.
