
Schlankheitstee lässt die Zahl auf der Waage oft innerhalb weniger Tage sinken, weil er Wasser und Stuhl austreibt, nicht weil er dauerhaft Fett abbaut. Für eine klinisch bedeutsame, gehaltene Gewichtsabnahme fehlt belastbare Evidenz, während Senna, konzentrierte Grüntee-Extrakte und nicht deklarierte Arzneistoffe Darm, Kaliumhaushalt und Leber belasten können.
Viele Mischungen versprechen Entgiftung oder einen angekurbelten Stoffwechsel. Leber und Niere erledigen die Entgiftung bereits, und eine Cochrane-Auswertung zu Grüntee-Zubereitungen fand nur einen winzigen, klinisch unwichtigen Effekt. Die britische Leitlinie NICE NG246 vom Januar 2026 setzt auf Kaloriendefizit, Bewegung und bei Bedarf zugelassene Medikamente, nicht auf Kräutertees. Wer trotzdem einen Beutel aufbrüht, sollte die Zutatenliste wie einen Beipackzettel lesen und bei Krämpfen, anhaltendem Durchfall oder Schwäche die Praxis aufsuchen.
Was steckt in einem Schlankheitstee?
Hinter dem Etikett „schlank“ stehen sehr unterschiedliche Pflanzen, oft in einer Mischung ohne geprüfte Dosis. Typisch sind Abführkräuter wie Senna, koffeinhaltige Blätter (grüner Tee, Mate, Guarana), harntreibende Kräuter und Aromen, die den Geschmack eines Alltagsgetränks vortäuschen.
Senna wirkt im Dickdarm. Bakterien spalten Sennoside; die Bruchstücke reizen die Schleimhaut, fördern die Peristaltik und halten Wasser im Stuhl. MedlinePlus (Stand Juni 2024) beschreibt das als Stimulanslaxans gegen gelegentliche Verstopfung, nicht als Mittel gegen Körperfett. Der Stuhl kommt meist nach sechs bis zwölf Stunden. Kalorien aus der Dünndarmschleimhaut zieht der Tee dadurch nicht ab.
Koffein und Catechine aus Camellia sinensis sollen den Energieumsatz heben. Das Office of Dietary Supplements der US-National Institutes of Health (Faktenblatt 2022) nennt für eine Tasse Aufguss grob 240 bis 320 Milligramm Catechine und etwa 45 Milligramm Koffein. Das ist ein Getränk, kein Konzentrat. Viele Abnehmtees stapeln dazu Mate oder Guarana, ohne die gesamte Koffeinmenge auf die Packung zu schreiben.
Harntreibende Kräuter und extra Flüssigkeit können das Gewicht spürbar senken, solange das Wasser fehlt. Sobald getrunken und gegessen wird, kehrt die Flüssigkeit. Eine Mini-Übersicht in Frontiers in Nutrition (April 2026) trennt genau deshalb Entgiftungstees (vor allem Wasser- und Stuhlverlust) von Diättees (Stimulanzien und Polyphenole). Beide Kategorien teilen dasselbe Marketing und dieselbe dünne Studienlage.

Hilft der Tee wirklich beim Abnehmen?
Nein, nicht in einem Ausmaß, das Ärztinnen und Ärzte als klinisch wichtig werten. Schnelle Kilos stammen fast immer aus dem Darm und dem Wasserhaushalt; Fettmasse braucht Wochen eines Kaloriendefizits.
Die Cochrane-Gruppe um Jurgens prüfte randomisierte Studien von mindestens zwölf Wochen. Fünfzehn Versuche maßen den Verlust, drei die Gewichtserhaltung, 1945 Personen schlossen ab. Außerhalb Japans lag der mittlere Unterschied bei minus 0,04 Kilogramm gegenüber der Kontrolle. In japanischen Arbeiten schwankten die Werte stärker, blieben aber klein. Die Autorinnen und Autoren schrieben 2012 (Aktualisierung der Datenbank 2021), der Verlust sei statistisch nicht bedeutsam und klinisch unwichtig. Auch die Erhaltung nach einer Diät gelang mit Grüntee-Zubereitung nicht besser als mit Scheinpräparat.
Das NIH-Faktenblatt rechnet eine ältere Gesamtschätzung von etwa 0,95 Kilogramm extra Verlust gegen Placebo vor, warnt aber: sobald nur die methodisch homogeneren Studien außerhalb Japans bleiben, verschwindet der Vorteil. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit lehnte 2010 eine gesundheitsbezogene Angabe ab, wonach Catechine ein normales Körpergewicht halten. Mayo Clinic (Juni 2024) zieht die Linie für Ergänzungen insgesamt: kaum Beleg für gesundes, dauerhaftes Abnehmen.
Wer nach drei Tagen Tee zwei Kilogramm weniger wiegt, hat fast nie zwei Kilogramm Fett verloren. Fettgewebe schrumpft langsam. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC (Januar 2025) nennt 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche als Tempo, das eher gehalten wird als ein Sturz. Ein Beutel, der das überholt, arbeitet mit Wasser und Stuhl.
Was können Grüntee und Catechine leisten?
Ein schlichter Aufguss ohne Abführkräuter kann ein kalorienarmes Getränk sein und das Gewicht allenfalls um Bruchteile eines Kilogramms verschieben. Konzentrierte Extrakte in Kapseln oder Stoffwechsel-Mischungen sind etwas anderes und tragen das Leberrisiko.
Catechine und Koffein können den Energieumsatz und die Fettoxidation leicht anheben, vor allem gemeinsam. Alleiniges Epigallocatechingallat (EGCG) steigerte in den vom ODS zitierten Versuchen den Ruheumsatz nicht zuverlässig. Das National Center for Complementary and Integrative Health (Aktualisierung Februar 2025) formuliert vorsichtig: ein bescheidener Effekt auf das Körpergewicht ist möglich, hängt aber von der Zusammensetzung und der Bewegung der trinkenden Person ab. Dieselbe Behörde schreibt auf ihrer Themenseite klar, Grüntee sei fürs Abnehmen nicht als wirksam belegt.
Eine Tasse ersetzt eine zuckerhaltige Limonade. Das spart Kalorien, ohne dass der Tee Fett „schmilzt“. Wer den Aufguss mit Honig, Sirup oder gesüßter Fertigmischung trinkt, holt die Ersparnis zurück. Schwarzer Tee, Kaffee und ungesüßter Kräutertee ohne Senna leisten denselben Kalorienschnitt, ohne das Versprechen „schlank“ auf der Packung.
NCCIH nennt zusätzlich kleine Senkungen von Gesamtcholesterin und LDL in Studien, meist mit Extrakt statt Beutel, ohne Effekt auf HDL oder Triglyceride. Das ist Stoffwechselhygiene, kein Abnehmprogramm. Wer Cholesterin senken will, braucht Ernährung, Bewegung und bei Bedarf zugelassene Lipidsenker, nicht eine 14-Tage-Kur.
Warum Senna das Gewicht auf der Waage täuscht
Senna entleert den Dickdarm. Die Waage fällt, weil Kot und Wasser fehlen, nicht weil Fettzellen schrumpfen. Als Abführmittel ist der Stoff in den USA zugelassen; als Schlankheitsmittel fehlt der Nachweis.
MedlinePlus warnt: häufiger oder fortgesetzter Gebrauch kann abhängig machen und die eigene Darmtätigkeit schwächen. Ohne Rücksprache mit der Praxis soll Senna nicht länger als eine Woche laufen. Kommt nach der Dosis kein Stuhl, ist Schluss und ärztlicher Rat fällig, statt die Menge zu verdoppeln. Rektale Blutung ist ein Stoppsignal.
Die LiverTox-Monografie (April 2020) nennt als übliche Arzneidosis 15 bis 30 Milligramm Sennoside zweimal täglich, ausdrücklich unter einer Woche. Langgebrauch kann den Dickdarm träge und überdehnt machen, mit Durchfall, Krämpfen, Gewichtsverlust und dunkler Schleimhautpigmentierung. Elektrolytverschiebungen, vor allem Kaliummangel, belasten Herz und Muskeln. Seltene Leberverletzungen traten nach Monaten hoher Dosen auf, mit rascher Besserung nach dem Absetzen.
In einer Stichprobe von zwölf Diättees in asiatischen Lebensmittelläden in Connecticut enthielten 91,7 Prozent Sennablätter, während die Packung Schlankheit und Natürlichkeit betonte. Die Frontiers-Übersicht 2026 zitiert diese Analyse. Wer „sanft entwässern“ liest und Senna in der Liste findet, trinkt ein Laxans, kein Stoffwechselmittel.
Koffein, harntreibende Kräuter und Elektrolyte
Koffein macht wach und kann ein paar Kilokalorien extra verbrennen; harntreibende Kräuter spülen Wasser. Beides erklärt kurze Waagenerfolge und echte Risiken, sobald Dosen steigen oder der Tee mit Tabletten kombiniert wird.
FDA und EFSA sehen laut ODS bis 400 Milligramm Koffein täglich bei gesunden Erwachsenen als unproblematisch. Eine Tasse Kaffee liefert grob 85 bis 100 Milligramm, eine Tasse Grüntee etwa 45. Mate, Guarana und mehrere Beutel addieren sich. Unruhe, Schlafstörung, Zittern und schneller Puls sind die üblichen Signale. Giftig wird es im Bereich von etwa 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht; tödliche Mengen liegen weit darüber, kommen aber bei konzentrierten Anregungsmischungen plus Kaffee näher.
Koffein wirkt harntreibend und steigert die Wärmeproduktion dosisabhängig. Hundert Milligramm hoben in einem vom ODS zitierten Versuch den Umsatz um gut neun Kilokalorien pro Stunde für mindestens drei Stunden. Über den Tag summiert sich das auf den Inhalt eines kleinen Keks, nicht auf eine Kleidergröße.
Fallberichte in der Frontiers-Übersicht zeigen, wie gefährlich die Flüssigkeitsverschiebung werden kann. Eine zuvor gesunde Frau entwickelte nach etwa vier Wochen Detox-Tee Krampfanfall und Natrium von 115 mmol/l. Ein Mann landete nach einem „Nieren-Reinigungsplan“ mit Natrium 111 mmol/l auf der Intensivstation. Ein 41-jähriger Mann erlitt nach fünf Tagen großen Mengen eines Abnehmtees mit Senna und anderen Kräutern Kammerflimmern bei schwerem Kaliummangel. Einzelfälle beweisen keine Häufigkeit, sie zeigen aber den Mechanismus.
Wann Grüntee-Extrakt die Leber belasten kann
Der klassische Aufguss gilt für Erwachsene als unauffällig. Hochkonzentrierte Extrakte in Kapseln, Pulvern und manchen Abnehm-Mischungen sind mit akuter Leberentzündung verknüpft, selten bis zum Leberversagen.
LiverTox (Aktualisierung November 2020) stuft Grüntee-Extrakt als gesicherte Ursache klinisch sichtbarer Leberverletzung ein. Mehr als hundert Fälle sind beschrieben, meist ein bis sechs Monate nach Beginn, mit einem hepatitisähnlichen Bild. Die meisten Menschen erholen sich nach dem Absetzen; tödliche Verläufe und Transplantationen kamen vor. Ein HLA-Merkmal (B*35:01) erhöht die Empfindlichkeit; NCCIH schätzt, dass fünf bis fünfzehn Prozent der US-Bevölkerung diese Variante tragen.
EFSA fand 2018 in Interventionsstudien ab 800 Milligramm EGCG pro Tag als Nahrungsergänzung einen statistisch greifbaren Anstieg der Transaminasen. Aufgüsse mit den in Europa üblichen Mengen (im Mittel 90 bis 300 Milligramm EGCG täglich) gelten danach als weitgehend unbedenklich, auch wenn seltene idiosynkratische Fälle nach starkem Teetrinken berichtet wurden. Die Minnesota Green Tea Trial, vom ODS zitiert, gab postmenopausalen Frauen zwölf Monate lang 1315 Milligramm Catechine inklusive 843 Milligramm EGCG; Leberwerte stiegen häufiger als unter Placebo.
Nüchtern eingenommen scheint der Extrakt schlechter verträglich. Die US-Pharmakopöe riet deshalb, Grüntee-Extrakt zum Essen zu nehmen. Übelkeit, Verstopfung, Bauchdruck und höherer Blutdruck sind die häufigeren, meist milden Effekte in den Cochrane-Studien. Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz oder Druck unter dem rechten Rippenbogen gehören nicht dazu; dann ist der Tee Geschichte und Labor fällig.

Versteckte Arzneistoffe in „natürlichen“ Mischungen
Nahrungsergänzungsmittel brauchen in den USA und ähnlich in vielen Ländern keine Zulassung vor dem Verkauf. Die Hersteller haften für Sicherheit und Etikett; Behörden greifen erst nach Schaden oder Zufallsfund ein.
Die US-Arzneimittelbehörde schreibt auf ihrer Seite zu Abnehmprodukten (fortlaufend aktualisiert, Funde bis 2026), viele Pillen, Mittel zum Fettverbrennen und Tees seien wahrscheinlich mit gefährlichen, nicht deklarierten Inhaltsstoffen verunreinigt. Die Liste der öffentlichen Warnungen enthält Kapseln, Bonbons, Kaffees und Tees. Sibutramin, ein vom Markt genommenes Appetitzügler mit Herz-Kreislauf-Risiko, taucht immer wieder auf, ebenso Phenolphthalein, Fluoxetin oder harntreibende Arzneistoffe. Fehlt ein Name in der Datenbank, heißt das ausdrücklich nicht, das Produkt sei sicher.
Analytik in der Frontiers-Übersicht fand in als pflanzlich verkauften Schlankheitsmitteln unter anderem Sibutramin und nicht deklariertes Koffein. Online-Angebote „ephedra-ähnlich“ nannten zum Teil weiter Ephedrin-Alkaloide, obwohl die FDA Ephedra 2004 wegen Schlaganfall, Herzinfarkt und Todesfällen verboten hat. Social-Media-Bewertungen ersetzen keine Chromatografie.
Mayo Clinic erinnert: natürlich ist kein Freibrief. Allergien, Wechselwirkungen und versteckte Rezeptstoffe bleiben möglich. Wer einen Tee aus dem Ausland, vom Marktplatz oder von Influencer-Shops bestellt, kauft ohne Chargenkontrolle. Ein unabhängiger Arzt oder eine Apotheke ohne Verkaufsinteresse ist die bessere Adresse als die Kommentarspalte unter dem Werbeclip.
Wer sollte Schlankheitstee meiden?
Schwangere, Stillende, Kinder, Menschen mit Essstörung und alle mit Herz-, Leber-, Nieren- oder chronischer Darmerkrankung sollten solche Tees nicht auf eigene Faust trinken. Dasselbe gilt, sobald regelmäßig Herz-, Gerinnungs- oder Blutdruckmittel fallen.
MedlinePlus rät bei Senna zur Vorsicht in der Schwangerschaft und Stillzeit und davon, das Mittel bei Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen oder einem plötzlichen Stuhlwechsel über zwei Wochen ohne Abklärung zu nehmen. Ältere Menschen sollen Stimulanslaxanzien nicht dauerhaft nutzen, weil sicherere Optionen existieren. Manche Senna-Produkte sollen mindestens zwei Stunden Abstand zu anderen oralen Arzneien halten, weil die Darmpassage die Aufnahme stört.
Grüntee in hoher Dosis senkt laut NCCIH den Blutspiegel des Betablockers Nadolol und kann Atorvastatin abschwächen. Eine NCCIH-finanzierte Studie zeigte eine Interaktion mit Raloxifen. Senna kann Estrogene schlechter verfügbar machen und bei Durchfall die Wirkung von Warfarin unberechenbar machen; zusammen mit Entwässerungstabletten oder Digoxin wird Kaliummangel gefährlicher. Durchfall kann außerdem die Aufnahme der Antibabypille verkürzen.
NCCIH weist darauf hin, dass Abnehmpräparate von Menschen mit Anorexie oder Bulimie missbraucht werden, um Gewicht zu drücken oder Erbrechen zu erzwingen. In dieser Lage ist jeder Laxans-Tee ein Alarm, kein Lifestyle. Jugendliche brauchen weder Koffeinbooster noch Senna-Kuren; die American Academy of Pediatrics rät vom Stimulanzienkonsum in diesem Alter ab, zitiert über das ODS-Blatt.
Wann zur Ärztin oder in die Notaufnahme?
Leichte Bauchkrämpfe nach dem ersten Senna-Beutel können vorkommen und sollten zum Sofortstopp führen, nicht zur höheren Dosis. Blut am After, Ohnmacht, Brustschmerz, Verwirrtheit, Gelbsucht oder ein Krampfanfall gehören in die Notaufnahme, nicht in den Teeshop.
MedlinePlus nennt rektale Blutung als Grund, Senna sofort zu beenden und ärztlich vorstellig zu werden. Anhaltender Durchfall, Erbrechen, das keine Flüssigkeit hält, sehr dunkler Urin, ausgeprägte Schwäche und Schwindel deuten auf Dehydratation und Elektrolytverlust. LiverTox beschreibt bei Grüntee-Extrakt ein akutes Hepatitisbild; Gelbfärbung, entfärbter Stuhl und Druck im rechten Oberbauch passen dazu.
Die folgende Übersicht ordnet typische Warnzeichen. Die Schwellen stammen aus Behörden- und Kliniktexten, nicht aus Werbeversprechen.
| Warnzeichen | Typische Ursache im Tee | Was tun |
|---|---|---|
| Wässriger Stuhl, Krämpfe, kein Blut | Senna oder andere Anthrachinone | Tee stoppen, trinken, bei mehr als einem Tag Praxis |
| Blut am After oder schwarzer Stuhl | Schleimhautschaden, andere Darmursache | Sofort ärztlich, Tee weg |
| Herzrasen, Brustdruck, Ohnmacht | Koffein, Kaliummangel, verstecktes Sibutramin | Notaufnahme |
| Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz | Grüntee-Extrakt oder unverträgliche Kräuter | Labor und Stopp aller Extrakte |
| Krampfanfall, schwere Verwirrtheit | Natriummangel nach Diurese und Wasserflut | Notfallmedizin |
Wer Digoxin, Entwässerungsmittel, Gerinnungshemmer oder Immunsuppressiva nimmt und trotzdem Tee getrunken hat, sollte der Praxis die Packung mitbringen. Ein einzelnes Ereignis kann der Behörde helfen; in den USA sammelt die FDA solche Meldungen, in Deutschland die zuständigen Pharmakovigilanzstellen.
Was beim Abnehmen wirklich trägt
Haltbares Abnehmen folgt einem Kaloriendefizit in einer Kost, die man lange essen kann, plus Bewegung, Schlaf und Behandlung von Krankheiten, die das Gewicht treiben. Schlankheitstee steht in keiner aktuellen Adipositas-Leitlinie als Baustein.
NICE NG246 (Januar 2026) bündelt ältere britische Texte und verlangt einen flexiblen, an Vorlieben und Begleiterkrankungen angepassten Plan. Die Energiezufuhr soll unter dem Verbrauch liegen, die Kost ausgewogen bleiben. Unausgewogene Restriktionen gelten als langfristig unwirksam und potenziell schädlich. Niedrigkalorische Phasen (800 bis 1200 Kilokalorien) gehören nur mit Langzeitbegleitung in spezialisierte Angebote, sehr niedrige Rationen unter 800 Kilokalorien nur bei medizinisch begründetem Tempo, höchstens zwölf Wochen.
Bewegung lohnt sich auch dann, wenn die Waage steht. NICE erinnert an die britischen Aktivitätsempfehlungen und nennt 45 bis 60 Minuten mäßige Intensität täglich, wenn das Gewicht gehalten oder Adipositas verhindert werden soll; nach größerem Verlust können 60 bis 90 Minuten nötig sein, um zuzunehmen. Krafttraining gehört dazu, weil Muskelmasse den Alltag trägt und den Grundumsatz stützt.
CDC (Januar 2025) übersetzt das in fünf Schritte: den eigenen Grund notieren, Essen, Bewegung und Schlaf ein paar Tage protokollieren, kleine erreichbare Ziele setzen, Unterstützung suchen und den Plan nachjustieren. Schon fünf Prozent weniger Körpergewicht können Blutdruck, Blutzucker und Blutfette bessern. Das NHS (Prüfung April 2026) nennt dasselbe Tempo von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche und verweist bei Bedarf auf Programme, Appetithemmer vom Typ GLP-1, Orlistat oder Operation. Keiner dieser Texte empfiehlt einen 14-Tage-Tee.
Ungesüßter grüner, schwarzer oder Kräutertee ohne Senna und ohne Konzentrat bleibt ein sinnvolles Getränk. Er füllt die Tasse, ersetzt Limonade und liefert, wenn überhaupt, den winzigen Catechin-Effekt der Cochrane-Lage. Das ist Alltagshygiene, keine Kur.
Häufige Fragen
Verbrennt Schlankheitstee Fett?
Nein. Senna und harntreibende Kräuter entfernen Stuhl und Wasser; Fettzellen schrumpfen nur bei anhaltendem Kaloriendefizit. Cochrane und das NIH-Faktenblatt sehen bei Grüntee-Zubereitungen höchstens einen winzigen, klinisch unwichtigen Unterschied. Wer in einer Woche mehrere Kilogramm verliert, hat fast sicher Flüssigkeit verloren, die zurückkommt.
Ist grüner Tee dasselbe wie Schlankheitstee?
Nein. Ein schlichter Aufguss aus Camellia sinensis ist ein koffeinhaltiges Getränk mit Catechinen. Schlankheitstee mischt oft Senna, Mate, Guarana oder Extrakte und wirbt mit Entgiftung. NCCIH hält den Alltagsaufguss für Erwachsene für unauffällig, warnt aber vor Extrakten und vor der Erwartung, damit bedeutsam abzunehmen.
Wie lange darf ich Senna-Tee trinken?
Ohne ärztlichen Auftrag höchstens etwa eine Woche, so MedlinePlus. Längerer Gebrauch kann den Darm träge machen, Kalium senken und selten die Leber treffen. Kommt kein Stuhl oder tritt Blut auf, ist Schluss. Senna behandelt Verstopfung, nicht Übergewicht.
Brauche ich einen Entgiftungstee?
Nein. Leber, Niere, Lunge und Darm entfernen Stoffwechselprodukte ständig. Frontiers (2026) und klinische Übersichten finden keinen Beleg, dass kommerzielle Tees „Giftstoffe“ besser ausleiten als der Körper selbst. Was die Waage senkt, ist Wasser und Stuhl, nicht eine gereinigte Leber.
Kann der Tee die Pille oder Herzmittel stören?
Ja, das ist möglich. Durchfall verkürzt die Aufnahme mancher Tabletten, darunter hormonelle Verhütung. Senna kann Estrogene und zusammen mit Entwässerungsmitteln das Kalium beeinflussen; Grüntee in hoher Dosis interagiert laut NCCIH mit Nadolol, Atorvastatin und Raloxifen. Packung zur Praxis oder Apotheke mitnehmen, bevor der nächste Beutel fällt.
Was ist die sicherere Alternative zum Abnehmtee?
Ungesüßter Tee ohne Abführkräuter, Wasser, ein ehrliches Kaloriendefizit und Bewegung im Tempo von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche, wie CDC und NHS es beschreiben. NICE NG246 nennt bei Bedarf begleitete Programme und zugelassene Medikamente. Wer schnell viele Kilos sucht, braucht Abklärung, nicht einen Onlineshop.

Fazit
Schlankheitstee ist ein Marketingname für Laxanzien, Koffein und manchmal Extrakte, nicht für ein geprüftes Abnehmverfahren. Die Waage kann lügen, weil Stuhl und Wasser fehlen. Cochrane, NIH und Mayo Clinic lassen für dauerhaftes Fettweg keinen belastbaren Nutzen. Dafür sind Senna-Übergebrauch, Elektrolytstürze, Leberentzündung durch Konzentrate und verstecktes Sibutramin in Behördenmeldungen bis 2026 dokumentiert.
Wer morgen etwas tun will, liest die Zutaten und lässt Beutel mit Senna, Cascara, Aloe zum Einnehmen oder „Detox 14 Tage“ stehen. Ein ungesüßter Aufguss ohne diese Stoffe darf bleiben. Das eigentliche Programm steht in NICE NG246 und den CDC-Schritten: weniger Energie als Verbrauch, Kost die sättigt, Bewegung auch wenn die Waage stockt, Schlaf, und bei BMI plus Begleiterkrankung das Gespräch über Programme oder zugelassene Arzneimittel.
Rote Flaggen nicht aussitzen. Blut am After, Ohnmacht, Herzrasen, Gelbsucht oder ein Anfall beenden jeden Selbstversuch. Die Packung mitnehmen. Natürlich auf dem Etikett schützt weder Darm noch Leber.
Quellen
- Jurgens TM, Whelan AM et al.: Green tea for weight loss and weight maintenance in overweight or obese adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021.
- U.S. Food and Drug Administration: Weight Loss Product Notifications. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2026.
- MedlinePlus: Senna: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, National Library of Medicine, 20. Juni 2024.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Green Tea – LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury. LiverTox, 20. November 2020.
- National Institute for Health and Care Excellence: Overweight and obesity management. NICE guideline NG246, 8. Januar 2026.
- Mayo Clinic Staff: Dietary supplements for weight loss. Mayo Clinic, 18. Juni 2024.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Green Tea: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: Februar 2025.
- Centers for Disease Control and Prevention: Steps for Losing Weight. Centers for Disease Control and Prevention, 17. Januar 2025.
- Office of Dietary Supplements: Dietary Supplements for Weight Loss. National Institutes of Health, 18. Mai 2022.
- Noor F, Chalise R, Tran A: Safety and effectiveness of diet and detox teas for weight loss: a mini-review. Frontiers in Nutrition, 9. April 2026.
