
Die Spirometrie misst, wie viel Luft Sie nach tiefem Einatmen möglichst rasch ausatmen können und wie schnell dieser Strom in der ersten Sekunde fließt. Ärztinnen und Ärzte nutzen den Test, um Asthma, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder eine steife Lunge von anderen Ursachen der Luftnot zu trennen und später zu prüfen, ob eine Therapie den Luftstrom verändert.
Der Vorgang selbst dauert in der Praxis oft eine Viertel- bis halbe Stunde, mit Bronchodilatator eher länger. Sie sitzen, eine weiche Klemme verschließt die Nase, und Sie blasen mehrfach so fest und so lange wie möglich in ein Mundstück. Die Mayo Clinic (Stand 14. Mai 2024) nennt den Test schmerzfrei, aber anstrengend. Schwindel, Husten und kurze Atemnot sind üblich und klingen rasch ab. Eine Diagnose liefert die Kurve allein nicht. Labor, Klinik, Rauchgeschichte und oft ein zweiter Test nach einem erweiternden Spray gehören dazu.
Ältere Ratgeber verglichen Werte noch mit dem US-Survey NHANES III und erklärten einen Anstieg von zwölf Prozent nach Spray für „reversibel“. Die gemeinsame Interpretationsnorm von Europäischer und Amerikanischer Atemwegsgesellschaft (ERS/ATS) von 2022 stellt auf Gleichungen der Global Lung Function Initiative, z-Werte und einen Anstieg über zehn Prozent des Sollwerts um. Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) hält 2025 für die COPD-Diagnose weiterhin den festen Quotienten unter 0,7 nach Bronchodilatator. Beide Sprachen stehen in Berichten nebeneinander. Die folgenden Abschnitte erklären, was Sie erwarten können und welche Zahl was bedeutet.
Was die Spirometrie tatsächlich misst
Die Spirometrie erfasst den maximalen Luftstrom und das ausgeatmete Volumen über die Zeit, nicht den Sauerstoffgehalt im Blut und nicht das Restvolumen, das nach dem Ausatmen in der Lunge bleibt. Zwei Zahlen tragen fast die ganze Last der ersten Beurteilung.
Die forcierte Vitalkapazität (FVC) ist die größte Luftmenge, die nach tiefer Inspiration in einem einzigen, möglichst vollständigen Stoß herauskommt. Die Einsekundenkapazität (FEV1) ist der Anteil davon, der in der ersten Sekunde das Mundstück passiert. Ihr Verhältnis FEV1/FVC zeigt, ob die Luft früh stockt oder ob eher zu wenig Volumen bewegt wird. Die Mayo Clinic (14. Mai 2024) verknüpft eine kleine FVC mit eingeschränkter Atmung und eine niedrige FEV1 mit stärkerer Verengung der Bronchien. Das ist ein physiologisches Muster, keine Krankheitsbezeichnung.
Gerätetechnik und Mitarbeit entscheiden über die Brauchbarkeit. Die Techniknorm von ATS und ERS aus dem Jahr 2019 verlangt mindestens drei akzeptable Manöver; die beiden besten FVC- und FEV1-Werte dürfen bei Menschen über sechs Jahren höchstens 0,150 Liter auseinanderliegen. Fehlt diese Wiederholbarkeit, folgen weitere Versuche, bei Erwachsenen höchstens acht in einer Sitzung. Der höchste akzeptable Wert zählt, nicht der Mittelwert. Kinder unter fünf Jahren schaffen den Stoß oft nicht zuverlässig. Das National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) setzt dort häufig Impulsoszillometrie ein, die bei ruhiger Atmung den Widerstand misst.
Die Kurve selbst verrät mehr als die Tabelle. Ein früher, spitzer Gipfel und ein glatter Abfall sprechen für gute Mitarbeit. Ein zögerlicher Start, Husten in der ersten Sekunde oder ein vorzeitiges Loslassen verfälschen FEV1 oder FVC. Deshalb sitzt jemand daneben, der den Stoß vormacht, korrigiert und notiert, wenn die Anstrengung nachlässt.

Wann der Test sinnvoll ist und wann nicht
Der Test gehört zu Menschen mit Luftnot, pfeifender Atmung, anhaltendem Husten, zähem Auswurf oder Enge in der Brust, nicht zur Reihenuntersuchung symptomfreier Erwachsener. Die Cleveland Clinic (Aktualisierung 8. Februar 2024) nennt Asthma, COPD, Mukoviszidose und Lungenfibrose als typische Anlässe, außerdem Verlaufskontrollen, die Frage nach dem Nutzen eines Inhalativums, berufliche Staub- oder Rauchbelastung und die Einschätzung vor einer Operation.
NICE erwartet in der Hausarztpraxis eine Spirometrie nach Bronchodilatator, wenn jemand über 35 Jahre alt ist, ein Risiko mitbringt (Rauchen, Stäube, Dämpfe) und mindestens eines der Kernzeichen hat: belastungsabhängige Luftnot, chronischer Husten, regelmäßiger Auswurf, häufige Infekte der unteren Atemwege oder Giemen. GOLD 2025 verlangt für die COPD-Diagnose denselben klinischen Rahmen plus den Nachweis einer nicht voll reversiblen Obstruktion. Symptome ohne Quotienten unter 0,7 nach Spray begründen den Verdacht, nicht die Diagnose. Umgekehrt bleibt ein isoliert niedriger Quotient bei alten Menschen ohne passende Beschwerden interpretationsbedürftig, weil das Verhältnis auch gesund mit dem Alter sinkt.
Die US Preventive Services Task Force hat 2022 die Empfehlung gegen ein COPD-Screening bei Erwachsenen ohne Atembeschwerden bekräftigt (Grad D). Das American Family Physician-Review vom Juni 2023 übernimmt diese Linie. Ältere Texte, die jedem Raucher über 40 automatisch den Test rieten, entsprechen dieser Bewertung nicht. GOLD spricht sich für gezieltes Aufspüren bei Symptomen und Exposition aus, nicht für das Durchtesten ganzer Belegschaften ohne Beschwerden. Der NHS (geprüft 19. Juni 2025) erwähnt in Großbritannien zusätzlich Angebote im Rahmen der Lungenkrebsfrüherkennung für Rauchende über 55; das ist ein nationales Programm, kein allgemeiner Standard.
Kontrollen nach gesicherter Diagnose folgen dem Verlauf, nicht einem starren Kalender. Die Cleveland Clinic nennt jährliche Messungen bei chronischer Lungenkrankheit als häufiges Muster. Nach Therapiewechsel, nach einer schweren Exazerbation oder wenn die Luftnot nicht zur letzten Zahl passt, kann der nächste Termin früher liegen.
Wie Sie sich auf den Termin vorbereiten
Die Vorbereitung soll den Luftstrom weder künstlich dämpfen noch aufweiten, außer das Team will genau diese Wirkung messen. Lose Kleidung, die Brust und Bauch nicht einengt, und keine große Mahlzeit in den zwei Stunden davor nennt MedlinePlus als Grundregel. Prothesen bleiben meist im Mund, weil sie die Lippen abdichten helfen; das Team sagt es an, wenn es anders sein soll.
Rauchverzicht wird unterschiedlich streng formuliert. Die ATS/ERS-Norm 2019 bittet, mindestens eine Stunde vor dem Test nicht zu rauchen, nicht zu vapen und keine Wasserpfeife zu nutzen, damit der akute Reiz die Bronchien nicht verengt. Sport soll in derselben Stunde unterbleiben. Rauschmittel sollen acht Stunden Pause haben, weil Koordination und Mitarbeit sonst leiden. Das NHLBI verlangt keinen Nikotinkonsum am gesamten Testtag, keinen Alkohol in den vier Stunden davor und keinen anstrengenden Sport in den letzten 30 Minuten. Der NHS bleibt bei 24 Stunden ohne Zigarette. Halten Sie die schriftliche Vorgabe der Praxis ein; im Zweifel gilt die längere Pause, sofern Sie das durchhalten.
Ob Inhalativa pausieren, hängt vom Ziel ab. Geht es um eine Erstdiagnose oder um die Frage, ob die Bronchien noch auf ein Spray ansprechen, setzt das überweisende Team die Mittel gezielt ab. Soll geprüft werden, wie gut die laufende Therapie den Alltag trägt, bleiben die gewohnten Dosen. Inhalative Kortikoide und Leukotrienhemmer müssen laut ATS/ERS 2019 nicht pausieren. Niemand setzt ein Notfallspray eigenmächtig ab, wenn die Luft knapp wird; dann gehört der Termin verschoben.
| Wirkstoffgruppe (Beispiele) | Pause vor dem Reversibilitätstest | Quelle |
|---|---|---|
| Kurz wirksames Betamimetikum (Salbutamol) | 4–6 Stunden | ATS/ERS 2019; NHLBI-Labor 6 Stunden |
| Kurz wirksames Anticholinergikum (Ipratropium) | 12 Stunden | ATS/ERS 2019 und NHLBI |
| Lang wirksames Betamimetikum (Formoterol, Salmeterol) | 24 Stunden | ATS/ERS 2019 und NHLBI |
| Ultralang wirksames Betamimetikum (Indacaterol, Vilanterol, Olodaterol) | 36 Stunden | ATS/ERS 2019 und NHLBI |
| Lang wirksames Anticholinergikum (Tiotropium, Umeclidinium, Aclidinium, Glycopyrronium) | 36–48 Stunden | ATS/ERS 2019; NHLBI nennt für Tiotropium 36 Stunden |
Kombinationspräparate folgen der längeren der beiden Komponenten. Bringen Sie eine Liste mit Wirkstoff, Dosis und letzter Einnahme mit. Das Team notiert Abweichungen, statt den Termin stillschweigend zu werten.
Wie die Untersuchung abläuft
Sie sitzen aufrecht, die Füße stehen fest, die Schultern dürfen nicht nach vorn sacken. Nach Größe, Gewicht, Geburtsgeschlecht und Alter, die später in die Sollwerte eingehen, erklärt die untersuchende Person den Stoß und macht ihn vor. Eine Klemme hält die Nase zu, damit keine Luft den Nebenweg nimmt.
Dann folgt der Ablauf, den Mayo Clinic, Cleveland Clinic, MedlinePlus und NHS nahezu gleich beschreiben. Sie atmen ruhig durch das Mundstück, füllen die Lunge vollständig, verschließen die Lippen dicht und stoßen die Luft so hart und so lange wie möglich heraus, oft mehrere Sekunden, bis wirklich nichts mehr kommt. Die ATS/ERS-Norm 2019 ergänzt bei Geräten, die auch die Einatmung messen, einen maximalen Zug zurück zur Totalkapazität. Drei brauchbare Versuche sind das Ziel. Weichen die besten Werte zu weit voneinander ab, kommen weitere hinzu. Zwischen den Stößen gibt es Zeit zum Erholen. Wer schwindelig wird oder Schmerzen hat, sagt das sofort.
Viele Termine enthalten einen zweiten Block nach einem erweiternden Spray. Die Mayo Clinic wartet etwa 15 Minuten, bevor erneut gemessen wird. NICE nennt für die COPD-Diagnose 15 bis 20 Minuten nach 400 Mikrogramm Salbutamol über einen Spacer; örtliche Protokolle können abweichen. Dieser Vergleich zeigt, ob sich FEV1 oder FVC unter dem Mittel heben. Er beweist weder Asthma noch schließt er COPD aus.
Ohne Bronchodilatator rechnet das NHLBI mit etwa 15 Minuten, mit Spray mit etwa 30. Der NHS plant den Besuch mit bis zu einer Stunde. Sofortige Deutung am Gerät ist unüblich. Eine Fachkraft prüft Qualität und Muster; das Ergebnis erreicht Sie oft nach einigen Tagen, beim NHS innerhalb weniger Wochen.
Typische Hinweise, die die Messung retten oder verderben, lauten so:
- Die Lippen müssen das Mundstück vollständig umschließen, sonst entweicht Luft und die FVC fällt falsch niedrig aus.
- Ein zögerlicher Start verfälscht die erste Sekunde; der Stoß soll sofort maximal sein, nicht anschwellen.
- Zu frühes Aufhören lässt Volumen in der Lunge, das als Restriktion missverstanden werden kann.
- Husten in der ersten Sekunde macht die FEV1 unbrauchbar, auch wenn der Rest der Kurve glatt wirkt.
Welche Risiken gelten und wann der Test ausfällt
Die Spirometrie gilt als sicheres Verfahren, verlangt aber einen kräftigen Druckanstieg in Brustkorb, Bauch und Kopf. Deshalb kann sie bei frischen Operationen, instabiler Herzlage oder ansteckender Atemwegsinfektion warten. Die Mayo Clinic nennt kurzen Schwindel und Atemnot als häufig, schwere Atemprobleme als selten und einen frischen Herzinfarkt oder eine andere akute Herzlage als Grund, den Test zu verschieben.
Die ATS/ERS-Norm 2019 führt relative Kontraindikationen, keine absoluten Verbote. Das anfordernde Team wägt Nutzen und Risiko ab; in einem Labor mit Notfallzugang kann ein Test stattfinden, den die Hausarztpraxis lieber vertagt. Zur Gruppe mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Bedarf gehören ein Infarkt in der letzten Woche, schwere Hypertonie oder Hypotonie, bedeutsame Rhythmusstörungen, nicht kompensierte Herzschwäche, unkontrollierter Lungenhochdruck, akutes Cor pulmonale, eine instabile Lungenembolie und Ohnmacht, die schon früher am Stoß hing. Hirnaneurysma, Hirnoperation in den letzten vier Wochen, anhaltende Beschwerden nach Gehirnerschütterung und Augenoperation in der letzten Woche gehören zur Druckgruppe Kopf und Auge. Pneumothorax, Thorax- oder Bauchoperation in den letzten vier Wochen und späte Schwangerschaft erhöhen den intraabdominalen und thorakalen Druck. Aktive oder vermutete übertragbare Infekte, einschließlich Tuberkulose, sowie blutiger Auswurf oder offene Mundläsionen sind Hygienegründe.
Eine Auswertung von 186 000 Lungenfunktionstests an einer Klinik, die die Norm 2019 zitiert, fand Zwischenfälle bei fünf von 10 000 Routineprüfungen, meist Ohnmacht, und ein insgesamt niedriges Schadensrisiko. Der Stoß wird abgebrochen, wenn Schmerzen auftreten oder die FEV1 um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Ausgangswert einbricht. Nach dem Termin dürfen die pausierten Mittel wieder genommen werden, Alltag und Sport sind frei, sofern das Team nichts anderes sagt.
Zum Hausarzt oder in die Notaufnahme gehört nicht der Test selbst, sondern die Beschwerde, die ihn auslöst. Blutiger Auswurf, plötzliche einseitige Brustschmerzen mit Luftnot, blaue Lippen oder Sprechen nur in Bruchstücken sind Notfallzeichen. Sie verschieben jede geplante Spirometrie, statt sie zu ersetzen.
Wie FEV1, FVC und der Quotient gelesen werden
Ihre Zahlen werden mit Werten gesunder Menschen gleichen Alters, gleicher Körpergröße und gleichen Geburtsgeschlechts verglichen, nicht mit einem Einheitsprozent. Die ERS/ATS-Interpretationsnorm von 2022 empfiehlt die Gleichungen der Global Lung Function Initiative und die untere Normgrenze am 5. Perzentil, also einen z-Wert von −1,645. Feste Schwellen wie „80 Prozent vom Soll“ oder „Quotient unter 0,7“ lehnt diese Norm für die physiologische Einordnung ab, weil die Streuung mit dem Alter wächst und Frauen, Kinder und Hochbetagte sonst systematisch falsch einsortiert werden.
Ein Beispiel aus derselben Norm macht den Unterschied greifbar. Bei einem Mann mittleren Wuchses liegt die untere FEV1-Grenze mit 22 Jahren bei rund 81 Prozent des Solls, mit 85 Jahren bei rund 68 Prozent. Wer beide Male „unter 80“ als krank wertet, überdiagnostiziert den Älteren und unterdiagnostiziert den Jüngeren. Die Cleveland Clinic nennt in ihrer Patienteninformation von 2024 noch die Faustregel „80 Prozent oder mehr ist normal“. Das ist die ältere Alltagssprache vieler Labore, nicht die aktuelle ERS/ATS-Logik. Fragen Sie auf dem Bericht nach z-Wert und verwendeter Gleichung, nicht nur nach der Prozentzahl.
GOLD und NICE bleiben für die COPD-Diagnose beim festen Quotienten unter 0,7 nach Bronchodilatator, weil er weltweit einfach und in Studien mit Prognose verknüpft ist. Die ERS/ATS-Norm 2022 hält fest, dass dieser Schnitt Junge unter- und Alte übererkennt. Beide Positionen stehen 2025 nebeneinander. Ein Quotient von 0,68 bei einer 82-Jährigen ohne Husten und ohne Exposition ist etwas anderes als derselbe Wert bei einem 50-jährigen Raucher mit Belastungsluftnot. Werte nahe der Grenze brauchen Wiederholung. GOLD 2025 rät, ein postbronchodilatatorisches Verhältnis zwischen 0,60 und 0,80 an einem zweiten Tag zu bestätigen, weil die biologische Streuung den Schnitt 0,7 überspringen kann.
Die Schwere einer Abweichung stuft die ERS/ATS-Norm 2022 nach dem z-Wert der FEV1 in drei Stufen. Zwischen −1,65 und −2,5 gilt die Einschränkung als leicht, zwischen −2,5 und −4 als mittel, darunter als schwer. NICE und GOLD nutzen für die COPD weiter die bekannten Stufen nach FEV1 in Prozent vom Soll (ab 80, 50–79, 30–49, darunter oder mit Atemversagen). Ein Laborbericht sollte nicht beide Skalen mischen, ohne zu sagen, welche gemeint ist.

Obstruktion, Restriktion und das PRISm-Muster
Obstruktion bedeutet, die Luft kommt zu langsam heraus, das Volumen kann trotzdem groß bleiben. Restriktion bedeutet, die Lunge oder der Brustkorb öffnet sich nicht weit genug; der Strom im Verhältnis zum Volumen bleibt oft erhalten. MedlinePlus nennt Asthma, Bronchitis und Emphysem als typische obstruktive Bilder und Sarkoidose, Sklerodermie, Lungenfibrose und andere interstitielle Erkrankungen als restriktive. Die Cleveland Clinic ergänzt Bronchiektasen und Mukoviszidose auf der einen, neuromuskuläre Leiden und Skoliose auf der anderen Seite.
Die ERS/ATS-Norm 2022 definiert das obstruktive Muster über ein FEV1/FVC unter der unteren Normgrenze, nicht über 0,7. Ein restriktives Muster darf die Spirometrie nur vermuten, wenn die FVC niedrig und der Quotient normal oder hoch ist. Bestätigt wird es durch eine totale Lungenkapazität unter der unteren Normgrenze, meist in der Ganzkörperplethysmographie. Ältere Texte erklärten eine FVC unter dem 5. Perzentil der NHANES-III-Daten oder unter 80 Prozent bei Jugendlichen schon zur restriktiven Krankheit. Das ersetzt die Volumenmessung nicht.
| Muster | Typischer Spirometriebefund | Was es oft bedeutet | Was als Nächstes kommt |
|---|---|---|---|
| Obstruktion | FEV1/FVC unter der unteren Normgrenze; GOLD nutzt unter 0,7 nach Spray | Asthma, COPD, Mukoviszidose, Bronchiektasen | Klinik, Verlauf, oft Bild und Diffusionsmessung |
| Restriktiver Verdacht | FVC niedrig, Quotient normal oder hoch | Fibrose, Adipositas, schwache Atemmuskeln, steife Brustwand | Totale Lungenkapazität, nicht die FVC allein |
| Gemischt | Quotient und FVC beide niedrig | COPD plus Stauung oder Adipositas, oder Luftfangen | Volumina; oft ist die Totalkapazität normal |
| PRISm | Quotient normal, FEV1 oder FVC niedrig | echte Restriktion, kleine Atemwege, unvollständiger Stoß | Volumina, Bronchodilatator, Verlaufskontrolle |
PRISm (Preserved Ratio Impaired Spirometry) bezeichnet genau dieses letzte Bild. GOLD 2025 führt es neben „Pre-COPD“ als Zustand mit Risiko, später eine Obstruktion zu entwickeln, ohne dass das bei allen eintritt. Pre-COPD meint Symptome, Strukturveränderungen oder raschen FEV1-Verlust bei noch normalem Quotienten nach Bronchodilatator. Beides ist kein Freibrief für Beruhigung und kein Automatismus für eine COPD-Therapie.
Ein niedriges Verhältnis allein trennt Asthma nicht von COPD. NICE rät bei COPD-Verdacht ausdrücklich davon ab, eine Reversibilitätsprüfung als Routine der Diagnose einzusetzen, weil sich FEV1 von allein bewegt und derselbe Test an verschiedenen Tagen anders ausfallen kann. Hinweis auf Asthma bleiben nächtliche Schwankungen, Allergie, Beginn vor 35 Jahren und fehlender Tabakkonsum. Beide Krankheiten können zusammenliegen.
Was der Bronchodilatator-Test nach den neuen Regeln bedeutet
Der Test nach einem erweiternden Spray prüft, wie stark sich FEV1 oder FVC heben, nicht ob eine Krankheit „heilbar“ ist. Die ATS/ERS-Norm 2019 hat den Begriff „Reversibilität“ bewusst durch „Bronchodilatator-Ansprechen“ ersetzt, weil niemand aus einem Anstieg schließen soll, die Verengung sei verschwunden.
Die alte Schwelle, die viele Berichte noch drucken, verlangte mindestens zwölf Prozent und 200 Milliliter Zuwachs gegenüber dem Ausgangswert. Die ERS/ATS-Norm 2022 setzt stattdessen einen Anstieg über zehn Prozent des individuellen Sollwerts. Diese Rechnung vermeidet, dass kleine Menschen und Frauen denselben Milliliter-Sprung schwerer erreichen als große Männer. Ein Beispiel. Liegt das FEV1-Soll bei 3,0 Litern, zählt ein Plus von mehr als 0,30 Litern, unabhängig davon, ob der Startwert 1,8 oder 2,4 Liter war. Liegt das Soll bei 4,0 Litern, liegt die Schwelle bei mehr als 0,40 Litern.
GOLD 2025 trennt die Frage „Spricht die Lunge an?“ von der Frage „Liegt COPD vor?“. Bestätigt wird COPD durch den Quotienten unter 0,7 nach Bronchodilatator. Fehlt die Obstruktion schon vor dem Spray, kann der zweite Block oft entfallen, außer Klinik oder eine auffällig kleine FEV1 legen einen „Volumenresponder“ nahe. Bei dem hebt sich nach dem Spray vor allem die FVC, weil gefangene Luft entweicht, und der Quotient kann erst dann unter 0,7 fallen. „Flussresponder“ heben vor allem die FEV1 und können den Quotienten über 0,7 schieben; sie brauchen Verlauf, weil viele später doch eine persistierende Obstruktion entwickeln. Kohorten, die das GOLD-Komitee 2025 ausgewertet hat, fanden in den meisten Fällen Übereinstimmung zwischen Messung vor und nach Spray, die COPD-Häufigkeit nach Spray aber um bis zu 36 Prozent niedriger.
NICE dosiert für die postbronchodilatatorische Messung in der COPD-Abklärung 400 Mikrogramm Salbutamol über einen Spacer und wartet 15 bis 20 Minuten. Das ist eine Untersuchungsdosis unter Aufsicht, keine Dauerverordnung für zu Hause. Inhalative Kortikoide bleiben. Wer das Notfallspray in den Stunden davor gebraucht hat, sagt das; der Befund bleibt lesbar, die Vergleichbarkeit sinkt.
Welche Tests folgen, wenn die Spirometrie nicht reicht
Die Spirometrie ist der häufigste Lungenfunktionstest, aber sie sieht weder den Gasaustausch noch das echte Residualvolumen. MedlinePlus und das NHLBI nennen als nächste Stufe die Messung der Lungenvolumina, meist in einer gläsernen Kabine (Ganzkörperplethysmographie). Druckänderungen in dem kleinen Raum zeigen, wie viel Luft nach dem Ausatmen bleibt und wie groß die totale Lungenkapazität ist. Wer beengt sitzt, kann das sagen; es gibt Gasmethoden ohne Kabine, die allerdings gefangene Luft schlechter erfassen.
Die Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO, in Europa oft Transferfaktor TLCO) prüft, wie gut ein Spurengas aus der Alveole ins Blut wandert. Sie trennt eine narbige oder emphysematöse Lunge von einer rein mechanischen Enge. Das NHLBI nennt etwa 15 Minuten, keinen Nikotin- und Alkoholkonsum am Testtag und keinen schweren Sport in den zwei Stunden davor. Arterielle Blutgase messen Sauerstoff und Kohlendioxid direkt, die Pulsoxymetrie schätzt die Sättigung über die Haut. Fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO) spiegelt eine eosinophile Entzündung der Atemwege und hilft vor allem in der Asthmaabklärung, nicht als COPD-Test.
Bildgebung gehört dazu, sobald die Klinik nicht zur Kurve passt. NICE verlangt bei COPD-Verdacht ein Röntgen der Brustorgane, um Tumor, Tuberkulose, Herzinsuffizienz oder Bronchiektasen nicht zu übersehen. Ein CT folgt, wenn die Beschwerden zur Spirometrie unverhältnismäßig sind oder das Röntgen einen Herd zeigt. Belastungstests, der Sechs-Minuten-Gehtest oder eine Methacholinprovokation bleiben speziellen Fragen vorbehalten. Die NHLBI-Vorbereitung für die Methacholinprovokation ist strenger als für die einfache Spirometrie; lang wirksame Anticholinergika können eine Woche Pause brauchen.
Kinder, verwirrte oder sehr geschwächte Menschen schaffen den Stoß oft nicht. Dann bleiben Oszillometrie, Sniff-Tests der Atemmuskeln oder klinische Verlaufsbeobachtung ehrlichere Wege als eine unbrauchbare Kurve mit schön gedruckter Prozentzahl.
Häufige Fragen
Tut die Spirometrie weh?
Nein, der Test ist nicht schmerzhaft. Anstrengung, Husten, kurzer Schwindel oder Herzklopfen sind üblich und sollen rasch nachlassen. Die Cleveland Clinic (8. Februar 2024) rät, eine Pause zu verlangen, sobald Ihnen unwohl wird. Stechender Brust- oder Bauchschmerz ist ein Abbruchgrund, kein Durchhaltezeichen.
Darf ich mein Asthmaspray vor dem Test nehmen?
Nur wenn das überweisende Team das ausdrücklich so geplant hat. Für eine Erstdiagnose oder ein Ansprechen auf Bronchodilatatoren pausieren kurz wirksame Sprays meist vier bis sechs Stunden, lang wirksame Mittel deutlich länger, so die ATS/ERS-Norm 2019. Bei drohender Atemnot hat das Notfallspray Vorrang vor der Messbarkeit. Sagen Sie jede Dosis, die Sie trotzdem genommen haben.
Was ist ein normaler FEV1-Wert?
Es gibt keine Zahl, die für alle gilt. Die ERS/ATS-Norm 2022 wertet einen z-Wert über −1,645 als im Bereich der gesunden Vergleichsgruppe, nicht „80 Prozent vom Soll“. Alter, Größe und Geburtsgeschlecht verschieben die Grenze. Ein Wert knapp darunter ist unsicher und braucht Klinik, nicht eine Sofortdiagnose.
Warum muss ich dreimal so fest pusten?
Weil ein einzelner Stoß Zufall sein kann. Drei akzeptable Manöver mit enger Wiederholbarkeit zeigen, dass Sie wirklich das Maximum erreicht haben. Die ATS/ERS-Norm 2019 erlaubt bis zu acht Versuche, wenn die besten Werte zu weit auseinanderliegen. Der höchste brauchbare Wert zählt.
Kann ich nach der Untersuchung Auto fahren und arbeiten?
In der Regel ja. Schwindel soll kurz sein; warten Sie, bis er weg ist, bevor Sie sich ans Steuer setzen. Pausierte Inhalativa dürfen danach wieder genommen werden, Alltagsbelastung und Sport ebenfalls, sofern niemand eine Provokation oder einen Belastungstest angeschlossen hat.
Wie oft brauche ich eine Spirometrie, wenn COPD oder Asthma feststehen?
So oft, wie sich Therapie oder Beschwerden ändern, oft etwa jährlich zur Verlaufskontrolle. NICE nennt die Messung bei Diagnosestellung, wenn die Diagnose neu bedacht wird, und zur Beobachtung von Schwere und Fortschritt. Eine sprunghafte Verschlechterung der Luftnot oder eine schwere Exazerbation holen den Termin vor.

Fazit
Die Spirometrie bleibt der schnellste Weg, Luftstrom und Volumen in Zahlen zu fassen, wenn Luftnot, Husten oder ein bekanntes Lungenleiden geklärt oder verfolgt werden sollen. Sie ersetzt weder Anamnese noch Bild und sie eignet sich nicht als Reihentest für Menschen ohne Beschwerden. Wer über 35 ist, geraucht hat oder Stäuben ausgesetzt war und belastungsabhängig außer Atem gerät, gehört in die Praxis, nicht an ein Kaufhausspirometer.
Lesen Sie den Befund mit der Gleichung und dem z-Wert, nicht nur mit der Prozentzahl. Die Norm von 2022 hat NHANES-III-Tabellen, die 80-Prozent-Faustregel und die alte Zwölf-Prozent-plus-200-Milliliter-Schwelle abgelöst; GOLD 2025 hält für die COPD den Quotienten unter 0,7 nach Spray und nutzt die Messung davor oft zum Ausschluss. Rasseneutrale GLI-Global-Gleichungen, die ATS seit 2023 empfiehlt, können dieselbe Kurve anders einstufen als die ethnisch getrennten Formeln von 2012. Fragen Sie, welche Gleichung das Labor verwendet hat, bevor Sie eine neue Therapie oder eine Berentung an eine einzelne Zahl hängen.
Zum nächsten Schritt gehört, was Sie selbst steuern. Halten Sie die Pause für Nikotin, Sport und Inhalativa so ein, wie das Team sie aufgeschrieben hat. Bringen Sie die Mittelliste mit. Brechen Sie den Stoß bei Schmerz ab. Und nehmen Sie blutigen Auswurf, plötzliche einseitige Brustschmerzen oder Luftnot in Ruhe als Notfall, nicht als Grund, den geplanten Test trotzdem durchzuziehen.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Spirometry – Mayo Clinic. Mayo Clinic, 14. Mai 2024.
- Cleveland Clinic: Spirometry: Purpose, Procedure, Risks & Results. Cleveland Clinic, 8. Februar 2024.
- MedlinePlus: Lung Function Tests. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2023.
- National Heart, Lung, and Blood Institute: Pulmonary Function Tests. National Heart, Lung, and Blood Institute, Stand: 2024.
- NHS: Spirometry test. National Health Service, 19. Juni 2025.
- Graham BL, Steenbruggen I et al.: Standardization of Spirometry 2019 Update. An Official American Thoracic Society and European Respiratory Society Technical Statement. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 15. Oktober 2019.
- Stanojevic S, Kaminsky DA et al.: ERS/ATS technical standard on interpretive strategies for routine lung function tests. European Respiratory Journal, 13. Juli 2022.
- NICE: Diagnosis – COPD. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2024.
- American Academy of Family Physicians: Chronic Obstructive Pulmonary Disease: Diagnosis and Management. American Family Physician, 15. Juni 2023.
- Singh D et al.: GOLD Science Committee recommendations for the use of pre- and post-bronchodilator spirometry for the diagnosis of COPD. European Respiratory Journal, 6. Februar 2025.
- Bowerman C, Bhakta NR et al.: A Race-neutral Approach to the Interpretation of Lung Function Measurements. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 15. März 2023.
