
Zelltherapie kann eine Lebertransplantation bei Leberversagen nicht ersetzen. Die Leitlinien der European Association for the Study of the Liver von 2023 und des American College of Gastroenterology von 2023 halten an der Organvergabe fest, sobald das eigene Organ die Entgiftung, Gerinnung und Hirnfunktion nicht mehr trägt.
Was 2015 in schwer verletzten Mäuselebern mit gezüchteten Vorläuferzellen gelang, ist 2026 beim Menschen weiterhin Versuch. Brennan und Kollegen verfehlten 2025 in der schottischen MATCH-Studie den geplanten Unterschied im MELD-Score nach 90 Tagen. Eine vierjährige Nachbeobachtung derselben Gruppe zeigte später weniger Todesfälle und Organvergaben unter Makrophageninfusion, bei kleiner Zahl und offenem Design. Mesenchymale Stromazellen senkten in gepoolten Studien Laborwerte, ohne dass ein einheitliches Schema existiert. Gelbsucht plus Verwirrtheit gehört in eine Klinik mit Transplantationsanschluss, nicht in eine private Infusionspraxis.
Ersetzt Zelltherapie die Lebertransplantation?
Nein. Bei fortgeschrittenem Organversagen bleibt die Transplantation die einzige fest etablierte Rettung, wenn Ursache und Intensivmedizin nicht ausreichen. Die Cleveland Clinic schreibt Stand Juni 2024, dass das chronische Endstadium ohne neues Organ tödlich enden kann. Die Mayo Clinic nennt im Oktober 2024 dieselbe Grenze für das akute Versagen: Lässt sich die Schädigung nicht umkehren, ersetzt der Chirurg das Organ.
Die European Association for the Study of the Liver verlangt 2023 eine frühe Prüfung der Organliste bei schwerem akut-auf-chronischem Versagen der Stufen 2 und 3. In der von der Leitlinie zitierten Beobachtung überlebten nach früher Vergabe 80,9 Prozent der Schwerkranken sechs Monate, ohne Organ nur 10 Prozent. Das American College of Gastroenterology schätzt 2023, dass etwa die Hälfte der Menschen mit akutem Versagen ein Organ erhält; die Einjahresüberlebensrate nach Eingriff lag in Europa bei 79 Prozent, in den Vereinigten Staaten bei 84 Prozent.
Zellinfusionen treten in diesen Texten als Forschungsfeld auf, nicht als Ersatzprodukt. Brennan und Team halten 2025 fest, dass für die Zirrhose neben der Behandlung der Ursache keine zugelassene Medizin existiert, die das Narbenorgan heilt. Wer ein Angebot liest, das die Warteliste überflüssig machen soll, liest Werbung, nicht die Leitlinie.
Der Bedarf bleibt groß. Dieselbe MATCH-Arbeit beziffert die weltweite Sterblichkeit an Leberkrankheiten auf etwa zwei Millionen Menschen pro Jahr, rund jeden 25. Tod. 2017 lebten schätzungsweise 10,6 Millionen Menschen mit dekompensierter und 112 Millionen mit kompensierter Zirrhose. Die mediane Lebenserwartung fällt mit der ersten Entgleisung von mehr als zwölf Jahren auf ungefähr zwei Jahre. Genau diese Lücke soll Zellforschung schließen. Geschlossen hat sie sie nicht.

Welche Zelltypen werden bei Leberversagen geprüft?
Geprüft werden mindestens fünf Familien, und sie tun sehr Verschiedenes. Reife Leberzellen sollen fehlende Stoffwechselleistung ersetzen. Vorläuferzellen sollen neues Gewebe bilden. Mesenchymale Stromazellen und Makrophagen wirken vor allem über Entzündung und Narbenumbau, nicht als Mini-Organ. Organoide aus umprogrammierten Zellen bleiben im Tierversuch.
Die alte Hoffnung, eine Spritze ersetze das Skalpell, vermischt diese Wege. Eine Infusion, die Zytokine senkt, kann Laborwerte bewegen und trotzdem kein lebensfähiges Parenchym liefern. Umgekehrt braucht eine echte Wiederbesiedlung Mengen an sicheren, ausgereiften Zellen, die niemand in der Notfallnacht bereithält.
| Zelltyp | Bisherige Prüfung | Klinischer Stand |
|---|---|---|
| Lebervorläuferzellen | Mauslebern mit schwerer Schädigung | kein Routineeinsatz beim Menschen |
| reife Hepatozyten | Stoffwechselkrankheiten, vereinzelte Brücken | Spendermangel, für Vollversagen wenig geeignet |
| mesenchymale Stromazellen | randomisierte Studien, oft Hepatitis B | Phase 3 läuft, kein Leitlinienstandard |
| körpereigene Makrophagen | MATCH Phase 2, MELD 10 bis 17 | primärer Endpunkt verfehlt, Nachbeobachtung offen |
| iPS-Organoide | Nager- und Fibrosemodelle | präklinisch |
Die Mayo Clinic beschreibt die Hepatozytenverpflanzung 2024 als möglichen zeitlichen Aufschub, begrenzt durch knappe Spenderorgane derselben Qualität, die auch für die Volltransplantation fehlen. Eine Übersicht von 2020 im PMC hielt fest, dass für das Vollversagen riesige, sicher anwachsende Mengen nötig wären; für angeborene Stoffwechselfehler reichen kleinere Dosen. Mesenchymale Zellen und Makrophagen umgehen diesen Engpass, weil sie nicht das Organ ersetzen sollen. Genau deshalb können sie die Transplantation auch nicht ersetzen.
Was zeigten Lebervorläuferzellen in Tierversuchen?
In schwer geschädigten Mäuselebern können Vorläuferzellen aus dem Gallengangsepithel fehlendes Parenchym nachbilden. Lu, Bird und Forbes zeigten das 2015 in Nature Cell Biology: Die Zellen ließen sich im Labor vermehren und besiedelten das verletzte Organ, während reife Hepatozyten unter Kulturstress rasch an Kraft verloren.
Das war der Kern der älteren Berichterstattung. Die Gruppe selbst schrieb damals, der Weg zum Menschen brauche erst den Nachweis mit menschlichen Zellen. Dieser Nachweis als zugelassene Therapie liegt 2026 nicht vor. Dieselbe Arbeitsgruppe in Edinburgh hat den klinischen Schwerpunkt verschoben: statt gezüchteter Vorläufer als Organersatz prüft sie inzwischen Makrophagen, die Narben und Entzündung beeinflussen.
Zwei biologische Grenzen erklären den Abstand. Erstens regeneriert die gesunde Leber über Teilung der Hepatozyten; erst wenn diese Teilung stockt, etwa bei Zirrhose oder fulminanter Nekrose, treten Vorläufer ins Bild. Zweitens muss eine transplantierte Zelle anwachsen, sich richtig differenzieren und darf keine Cholangiokarzinome oder teratomähnlichen Herde bilden. Mausmodelle mit genetisch gebremster Eigenregeneration beantworten diese Sicherheitsfrage nicht.
Organoide aus induzierten pluripotenten Stammzellen modellieren Entwicklung und Fibrose und werden als mögliche Transplantatquelle diskutiert. Menschliche Wirksamkeitsstudien, die ein Organ ersetzen, fehlen. Wer 2018 las, der Tag der zellbasierten Organrettung sei nah, muss die Distanz zwischen gelungener Mausleber und europäischer Leitlinie neu messen.
Was hat die MATCH-Studie zu Makrophagen ergeben?
Sie hat den geplanten Laborendpunkt verfehlt und trotzdem ein Sicherheits- und Verlaufssignal geliefert, das größere Prüfungen begründet, aber keine Zulassung. Brennan, MacMillan und Forbes randomisierten 51 Erwachsene mit kompensierter Zirrhose und MELD-Score zwischen 10 und 17 auf eine Infusion körpereigener, aus Monozyten gereifter Makrophagen oder auf erweiterte Standardbetreuung. Der Unterschied der MELD-Änderung nach 90 Tagen lag bei −0,87 Punkten (95-Prozent-Konfidenzintervall −1,79 bis 0,0; p = 0,06).
Die Dosis war die maximal erzeugbare Menge, höchstens eine Milliarde Zellen, mindestens 125 Millionen nach Freigabekriterium der britischen Arzneimittelbehörde. Drei frühe Teilnehmende erhielten drei Infusionen, alle späteren eine. Das Design blieb offen, weil eine Schein-Apherese als unethisch galt. Genau dieses offene Design begrenzt jede Aussage über Symptome und Lebensqualität.
Im ersten Jahr starben in der Kontrollgruppe drei Menschen, zwei leberbezogen; vier der zehn schweren Ereignisse betrafen die Leber. In der behandelten Gruppe trat kein leberbezogenes schweres Ereignis und kein Tod auf. Transfusionsreaktionen in den ersten zwölf Stunden fehlten. Biomarker der Fibrose und Fragebögen zur Lebensqualität trennten die Arme nicht. Eine vorübergehende Steifung in der Elastografie nach Tag 56 kehrte zurück; die Autoren warnen vor Überdeutung.
Die vierjährige Nachbeobachtung in Cell Stem Cell 2026 zählte Tod oder Organvergabe bei 8 von 26 Behandelten (30,8 Prozent; acht Todesfälle, keine Transplantation) gegenüber 14 von 24 Kontrollen (58,3 Prozent; neun Todesfälle, fünf Transplantationen). Die beschränkte mittlere Überlebenszeit lag um 252 Tage höher. Schwere Ereignisse, die sich der Infusion zuschreiben ließen, fehlten. Die Auswertung war nicht von Anfang an festgelegt, die Gruppen klein, das Label offen. Ein solches Signal begründet Phase-3-Programme, es beweist nicht, dass Makrophagen das Organ ersetzen.
Dieselbe Nature-Arbeit erinnert an REALISTIC: Weder der Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktor allein noch die Kombination mit CD133-positiven Blutstammzellen besserte die Leberfunktion, die Nebenwirkungen häuften sich. Wer „Stammzellen bei Zirrhose“ als einheitliche Methode liest, vermischt gescheiterte und noch offene Ansätze.
Helfen mesenchymale Stromazellen beim akut-auf-chronischen Versagen?
Sie können Laborwerte senken, ein festes Schema fehlt, und die Organvergabe bleibt die Rettung bei raschem Organversagen. Lu, Yan und Kollegen werteten 2025 sieben randomisierte Studien aus, Suche bis Oktober 2021, Fallzahlen zwischen 9 und 158, vier davon mit Nabelschnurzelen, die übrigen mit Knochenmark, überwiegend Hepatitis-B-Kollektive aus China. Der MELD-Score fiel gegenüber der Kontrolle um 1,78 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall −2,89 bis −0,68); nach vier Wochen um 2,57, nach 24 Wochen um 4,12. Albumin stieg (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,72).
Dosierungen lagen meist zwischen einer und hundert Millionen Zellen pro Kilogramm Körpergewicht, die Wege zwischen Vene und Leberarterie. Eine Leitlinie für Dosis, Quelle und Abstand gibt es nicht. Schwere, der Infusion klar zuzuordnende Katastrophen waren in den eingeschlossenen Arbeiten selten; einzelne Berichte nannten Hypernatriämie, Magenblutung oder Plasmaallergien im Rahmen begleitender Verfahren. Peng und Team hatten zuvor keinen langfristigen Prognosegewinn bei Hepatitis-B-Versagen gesehen, andere Gruppen berichteten bessere Werte nach drei und 24 Monaten. Die Metaanalyse glättet diesen Widerspruch nicht.
Eine laufende Phase-3-Prüfung (NCT04689152, Cellgram-LC) plant 200 Menschen mit alkoholischer Zirrhose. Innerhalb eines Monats nach Knochenmarkentnahme sollen 70 Millionen körpereigene mesenchymale Zellen über die Leberarterie gegeben werden; primärer Endpunkt ist das Überleben ohne Transplantation über drei Jahre, geplante Fertigstellung 2028. Eine adaptive Phase-IIb/III-Studie zu Nabelschnurzellen bei akut-auf-chronischem Versagen (NCT06884904) prüft 2,0 oder 4,0 Millionen Zellen pro Kilogramm gegen Scheininfusion, geplant 96 Teilnehmende, Start 2025, Ende 2028, Status bei Registrierung noch ohne Rekrutierung.
Solange diese Endpunkte fehlen, bleibt die Infusion Forschung. Die Metaanalyse selbst nennt die Transplantation weiterhin die letztlich wirksame Therapie und die Zellgabe einen möglichen Baustein, nicht den Ersatz.
Was haben Leitlinien seit 2018 geändert?
Sie haben die Mobilisierung körpereigener Stammzellen per Wachstumsfaktor als Routine gestrichen und die frühe Organprüfung bei schwerem akut-auf-chronischem Versagen geschärft. Die EASL-Leitlinie 2023 empfiehlt G-CSF bei ACLF ausdrücklich nicht (starke Empfehlung, starker Konsens). Die europäische GRAFT-Studie endete vorzeitig: Das überlebensfreie Intervall ohne Organ lag nach 90 Tagen bei 34,1 Prozent unter G-CSF und 37,5 Prozent unter Standard; in der Zwischenanalyse von 176 Menschen häuften sich schwere Ereignisse.
Ältere Einzelzentrumstudien aus Indien und China hatten weniger Infekte und bessere Überlebenszahlen berichtet. Dort gilt G-CSF unter der asiatischen ACLF-Definition teilweise als Alltag. Europa verwendet die EASL-CLIF-Kriterien und folgt GRAFT. Wer 2018 noch las, ein Wachstumsfaktor hole Stammzellen aus dem Knochenmark und ersetze bald das Organ, muss diese Kehrtwende kennen.
Für das akute Versagen ohne Vorerkrankung hat das American College of Gastroenterology 2023 die Definition geschärft: Krankheit unter 26 Wochen, INR mindestens 1,5, Enzephalopathie, in der Regel keine vorbestehende Zirrhose. Ausnahmen bleiben Morbus Wilson, Autoimmunhepatitis und Budd-Chiari, die auf schon vernarbtem Boden akut entgleisen können. Grad 2 der West-Haven-Skala soll auf die Intensivstation, Grad 3 und 4 zur Atemwegssicherung. Eine frühe Rücksprache mit einem Transplantationszentrum gehört zur Erstversorgung, weil der Transport Zeit kostet und sich der Zustand stündlich ändern kann.
Künstliche und bioartifizielle Leberverfahren bleiben in der EASL-Schrift 2023 ohne klaren Überlebensbeweis. Hochvolumiger Plasmaaustausch erscheint in der Mayo-Darstellung 2024 als experimentelle Brücke mit gemischter Evidenz. Keines dieser Geräte macht die Zelltherapie überflüssig, und keines ersetzt die Organliste.
Wie sieht die Standardtherapie heute aus?
Ursache behandeln, Komplikationen stützen, früh an ein Zentrum mit Organprogramm überweisen. Beim Paracetamolversagen gibt die Mayo Clinic Acetylcystein; derselbe Stoff kann nach Klinikangabe auch bei anderen Ursachen erwogen werden. Virales Versagen braucht die passende antivirale Strecke. Bei Hepatitis-B-getriggertem ACLF sollen Nukleos(t)idanaloga laut EASL 2023 sofort beginnen, ohne auf die Viruslast zu warten; ein kleines randomisiertes Tenofovir-Signal und eine Metaanalyse stützten kürzeres Überleben unter früher Hemmung.
Die Cleveland Clinic listet als Stütze Infusionen, Glukosekontrolle, Antibiotika oder Virostatika, Blutprodukte, Sauerstoff oder Beatmung, Kreislaufmittel, Blutstillung und Dialyse bei Nierenversagen. Das MSD Manual beziffert das akute Nierenversagen auf bis zu 70 Prozent der ALF-Fälle, etwa 30 Prozent brauchen ein Nierenersatzverfahren. Ammoniak, Hirndruck und Infekte bestimmen die nächsten Stunden stärker als jede Zelldebatte.
Eine Checkliste für den nächsten Werktag, wenn die Lage stabil ist, sieht nüchtern aus.
- Die Ursache der Leberkrankheit muss benannt und, wo möglich, gestoppt werden, etwa Alkohol, Virus oder Stoffwechsel.
- Impfungen gegen Hepatitis A und B gehören zur Vorsorge, die Cleveland Clinic nennt sie ausdrücklich.
- Paracetamol und andere Freihandmittel nur in der verordneten Menge, nie mit Alkohol kombiniert.
- Eine Zweitmeinung in einem Haus mit Organprogramm klärt, ob die Liste schon jetzt sinnvoll ist.
- Kommerzielle Stammzellangebote ersetzen weder Warteliste noch Intensivplan.
Ursachenbehandlung kann Narben zurückbilden. Antivirale Heilung und anhaltende Alkoholkarenz können nach der MATCH-Einleitung sogar eine Rekompensation erlauben. Nichtselektive Betablocker senken das Risiko weiterer Entgleisungen. Das ist Alltagmedizin, keine Schlagzeile, und sie wirkt früher als jede ungeprüfte Infusion.
Welche Risiken hat eine Zellinfusion?
Die dokumentierten Risiken liegen bei Infusion, Gerinnung, Infektlage und theoretischer Tumorförderung, nicht bei einer garantierten Organrettung. In MATCH fehlten Transfusionsreaktionen in den ersten zwölf Stunden, eine Dosis-Giftigkeitskurve trat nicht auf. Trotzdem zählte der Behandlungsarm im ersten Jahr mehr leichte Ereignisse als die Kontrolle, bei gleicher Quote mindestens eines Ereignisses pro Person. Offene Studien überschätzen Wohlbefinden und unterschätzen Alltagsbeschwerden.
Mesenchymale Zellen können Gewebefaktor tragen. Menschen mit Zirrhose neigen bereits zu Thrombosen; eine venöse Hochdosis kann dieses Risiko theoretisch steigern. Übersichten von 2025 mahnen zur Überwachung auf Lungenembolien und raten, aktive bösartige Tumoren auszuschließen, weil Wachstumsfaktoren ein Mikromilieu begünstigen könnten. Klinisch ist eine Entartung der Infusionszellen selbst in den Leberstudien selten beschrieben, die Nachbeobachtung war oft kurz. Allogene, also fremde, Zellen können bei Wiederholung immunogen werden.
Infekte bleiben die häufigste Todesursache im ACLF. Eine immunmodulierende Infusion kann theoretisch Virusreplikation lockern; einzelne Hepatitis-B-Studien sahen das nicht, die Leitlinie verlangt trotzdem eine antivirale Abdeckung. G-CSF, oft als „körpereigene Stammzellmobilisierung“ verkauft, brachte in GRAFT schwere Ereignisse ohne Nutzen. Wer diesen Stoff außerhalb einer Studie als Ersatz für die Organliste nimmt, handelt gegen die europäische Empfehlung von 2023.
Keine der genannten Arbeiten gibt eine Hausdosis. Die Zahlen eine Milliarde Makrophagen, 70 Millionen Knochenmarkzellen in die Arterie oder zwei bis vier Millionen Nabelschnurzellen pro Kilogramm gehören in Prüfprotokolle mit Ethikvotum, nicht in den Reisekoffer.
Wann in die Klinik, wann zum Hepatologen?
Gelbsucht zusammen mit Verwirrtheit, ausgeprägter Müdigkeit oder Druckschmerz rechts oben ist ein Notfall, kein Termin in drei Wochen. Die Cleveland Clinic nennt das akute Versagen ausdrücklich einen medizinischen Notfall; es kann innerhalb von Tagen oder Wochen entstehen, oft nach Gift, Überdosis oder Virus, bei Menschen ohne bekannte Leberkrankheit. Das MSD Manual verlangt für die Diagnose die Trias Gelbsucht, Gerinnungsstörung und Enzephalopathie.
Diese Zeichen rechtfertigen den Notruf oder die Notaufnahme, nicht das Warten auf eine Stammzellberatung.
- Plötzliche Gelbfärbung von Haut oder Augen plus Wesensänderung oder unstillbare Schläfrigkeit.
- Bluterbrechen oder Kaffeesatz, schwarzer Stuhl, rasch wachsender Bauchumfang.
- Zittern, unstillbares Nasenbluten, sehr wenig Urin, Luftnot in Ruhe.
- Fieber mit Schüttelfrost bei bekannter Zirrhose, Verdacht auf Spontanperitonitis.
Bei bekannter Zirrhose ohne diese Eskalation bleibt der Hepatologe der richtige Ort: Impfstatus, Varizen, Aszites, Entzugshilfe, Stoffwechsel und die Frage, ob der MELD die Liste schon jetzt begründet. Die Cleveland Clinic erinnert daran, dass viele chronische Verläufe erst spät auffallen; Vorsorgeuntersuchungen und das Absetzen von Alkohol und Tabak ändern die Kurve früher als jede Infusion. Schwangere mit ungewöhnlichen Oberbauchzeichen brauchen sofort eine geburtshilfliche Klinik, weil HELLP, Präeklampsie und akute Schwangerschaftsfettleber selten, aber organbedrohend sind.
Wer bereits auf der Liste steht, soll eine Zellstudie nur mit dem Transplantationszentrum abstimmen. Eine Infusion, die eine Listung verzögert, kann die einzige rettende Lücke schließen.
Häufige Fragen
Kann Stammzelltherapie eine Lebertransplantation ersetzen?
Nein. EASL 2023 und ACG 2023 nennen die Organvergabe weiter als lebensrettende Standardoption, wenn das eigene Organ versagt. Zellstudien prüfen Brücken und Narbenhemmung, nicht den Ersatz des chirurgischen Eingriffs.
Sind Infusionen mit mesenchymalen Stromazellen zugelassen?
Als Alltagsbehandlung gegen Leberversagen in europäischen Leitlinien nicht. Eine Metaanalyse von 2025 fand bessere MELD- und Albuminwerte ohne festes Dosis- oder Wegschema. Phase-3-Studien laufen noch; Ergebnisse zur transplantationsfreien Lebenszeit stehen aus.
Was hat die MATCH-Studie wirklich gezeigt?
Den geplanten MELD-Unterschied nach 90 Tagen hat sie nicht erreicht (p = 0,06). Im ersten Jahr fehlten leberbezogene schwere Ereignisse und Todesfälle unter Makrophagen, in der Kontrolle nicht. Die Vierjahresdaten von 2026 bleiben durch kleine Zahl und offenes Design begrenzt.
Hilft G-CSF, eigene Stammzellen zu mobilisieren?
Routinehaft nein. GRAFT endete vorzeitig ohne Vorteil (34,1 gegen 37,5 Prozent überlebensfrei ohne Organ nach 90 Tagen) und mit mehr schweren Ereignissen. Die EASL-Leitlinie 2023 spricht eine starke Empfehlung gegen den Routineeinsatz bei ACLF aus.
Wann muss ich mit Leberzeichen in die Klinik?
Sofort bei Gelbsucht plus Verwirrtheit, Bluterbrechen, rasch wachsendem Bauch oder kaum noch Urin. Das American College of Gastroenterology will bei Enzephalopathie Grad 2 die Intensivstation und früh den Kontakt zum Transplantationszentrum.
Darf ich Stammzellen privat oder im Ausland spritzen lassen?
Das ersetzt weder Diagnostik noch Organliste. Dosis, Zellherkunft und Nachsorge kommerzieller Angebote liegen außerhalb der Leitlinien. Wer teilnehmen will, fragt das behandelnde Zentrum nach registrierten Studien, nicht nach Reiseangeboten.
Fazit
Wer 2018 auf eine Spritze hoffte, die das Spenderorgan überflüssig macht, muss die Lage neu lesen. Die Mausarbeit zu Lebervorläuferzellen bleibt ein mechanistischer Meilenstein. In der Klinik haben Makrophagen und mesenchymale Stromazellen seither Sicherheitsdaten und Laborbewegungen geliefert, aber keinen Leitlinienstatus. G-CSF, oft als sanfte Stammzellmobilisierung erzählt, ist in Europa nach GRAFT aus der Routine verschwunden.
Morgen zählt anderes als eine Infusionsbroschüre. Ursache behandeln, Alkohol und Überdosen lassen, Impfungen prüfen, bei Gelbsucht plus Wesensänderung die Notaufnahme wählen. Steht eine Zirrhose schon fest, gehört die Frage nach der Organliste in ein Haus, das transplantiert, nicht in ein Institut, das Zellen verkauft.
Studienplätze können für ausgewählte Menschen mit noch kompensierter Krankheit sinnvoll sein. Sie laufen neben der Standardtherapie, nicht statt ihrer. Solange Phase-3-Endpunkte zur transplantationsfreien Lebenszeit fehlen, bleibt die ehrliche Auskunft dieselbe: Zelltherapie forscht, das Organ rettet.
Quellen
- Brennan PN, MacMillan M et al.: Autologous macrophage therapy for liver cirrhosis: a phase 2 open-label randomized controlled trial. Nature Medicine, 10. Januar 2025.
- Brennan PN, Kilpatrick AM et al.: Autologous macrophage therapy increases transplant-free survival in cirrhosis: Long-term follow-up of a phase 2 clinical trial. Cell Stem Cell, April 2026.
- European Association for the Study of the Liver: EASL Clinical Practice Guidelines on acute-on-chronic liver failure. Journal of Hepatology, August 2023.
- Shingina A, Mukhtar N et al.: Acute Liver Failure Guidelines. The American Journal of Gastroenterology, Juli 2023.
- Mayo Clinic: Acute liver failure – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 15. Oktober 2024.
- Cleveland Clinic: Signs and Symptoms of Liver Failure, Causes, Treatments. Cleveland Clinic, 14. Juni 2024.
- Lu W, Yan L et al.: Efficacy and safety of mesenchymal stem cell therapy in acute on chronic liver failure: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled clinical trials. Stem Cell Research & Therapy, 20. April 2025.
- ClinicalTrials.gov: A Multicenter, Randomized, Open-label Phase III Clinical Trial to Evaluate Efficacy and Safety of the Cellgram-LC in Patients With Alcoholic Liver Cirrhosis. ClinicalTrials.gov, Stand: 2026.
- Tholey D: Acute Liver Failure. MSD Manual Professional Edition, Mai 2026.
- Lu WY, Bird TG et al.: Hepatic progenitor cells of biliary origin with liver repopulation capacity. Nature Cell Biology, 20. Juli 2015.
