
Eine Thorakotomie ist der offene chirurgische Zugang in den Brustkorb. Der Operateur trennt die Rippen so weit, dass Lunge, Herz, große Gefäße oder Speiseröhre direkt sichtbar und behandelbar werden.
Geplant steht der Schnitt vor allem bei Lungenkrebs, Verletzungen und seltenen Herz- oder Speiseröhreneingriffen. Seit der britischen VIOLET-Studie 2022 und den ERAS-Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Thoraxchirurgie von 2019 gilt die videoassistierte Thorakoskopie bei vielen frühen Tumoren als schonender Weg mit vergleichbarer onkologischer Sicherheit. Der offene Zugang bleibt, wenn Narben, Blutung oder die Anatomie den Kamerazugang unmöglich machen, und in der Notaufnahme bei ausgewählten Kreislaufstillständen nach Brusttrauma.
Was eine Thorakotomie ist
Der Name beschreibt einen Schnitt in die Brustwand, nicht die eigentliche Organoperation. Zwischen zwei Rippen öffnet das Team die Brusthöhle, spreizt den Spalt und arbeitet an den Organen, die dort liegen. Die Cleveland Clinic (Aktualisierung 12. Februar 2026) zählt Lunge, Herz, Aorta, Speiseröhre, Zwerchfell und Luftröhre dazu; gelegentlich erreicht derselbe Weg die Vorderseite der Wirbelsäule.
Offen heißt der Eingriff, weil er kein Schlüssellochverfahren ist. Die videoassistierte Thorakoskopie nutzt ein bis vier kleine Zugänge und eine Kamera, ohne die Rippen spreizen zu müssen. Genau diese Spreizung macht den klassischen Schnitt schmerzhafter und die Erholung langsamer. StatPearls (Aktualisierung 24. Juli 2023) unterscheidet grob anterolaterale Schnitte vorn-seitlich und posterolaterale Schnitte hinten-seitlich; beide können rechts oder links liegen.
Eine mediane Sternotomie durchtrennt das Brustbein und ist ein anderer Zugang, kein Synonym. Die Cleveland Clinic grenzt sie klar ab. Eine Clamshell-Inzision kombiniert beidseits seitliche Eröffnung mit der Teilung des Brustbeins, wenn das Team vorn und seitlich gleichzeitig sehen muss. Welcher Weg gewählt wird, hängt vom Zielorgan ab, nicht von einer festen Mode.

Wann der offene Schnitt nötig wird
Geplant kommt die Thorakotomie infrage, wenn Gewebe entfernt, eine Blutung gestillt, eine Probe entnommen oder ein Organ repariert werden muss und der Kamerazugang nicht ausreicht. Häufigster Anlass bleibt Lungenkrebs. Die American Cancer Society schätzt für die USA im Jahr 2026 rund 229410 neue Fälle; Lungenkrebs ist dort die zweithäufigste Krebsart und die häufigste Krebstodesursache.
MedlinePlus (Review 13. April 2026) nennt weitere Gründe für offene oder videoassistierte Lungenchirurgie. Dazu gehören unklare Herde zur Biopsie, Empyem, Blut im Brustkorb nach Trauma, geplatzte Lungenblasen mit Kollaps, Pleurodese gegen wiederkehrende Flüssigkeit und selten ein Gerinnsel in der Lungenarterie. Die Cleveland Clinic ergänzt Herz- und Gefäßverletzungen, Zwerchfelldefekte, Herzbeutelerguss und Speiseröhrenerkrankungen einschließlich Krebs.
Nicht jeder dieser Befunde braucht heute den großen Schnitt. StatPearls hält fest, dass Lungenoperationen überwiegend videoassistiert geplant werden. Offen wird umgeschwenkt, wenn Verwachsungen, eine starke Blutung oder ein zentraler Tumor die Übersicht rauben. Relativ kontraindiziert ist der geplante Zugang bei Menschen, die eine Narkose nicht verkraften, bei denen eine erneute Eröffnung derselben Seite unsicher wäre oder bei denen der Eingriff keinen Nutzen mehr bringen kann.
Welche Zugänge Chirurgen wählen
Die Lage des Schnitts folgt dem Organ, das erreicht werden soll, und der Dringlichkeit. Posterolateral, oft unter der Schulterblattspitze im fünften oder sechsten Zwischenrippenraum, gibt den besten Blick auf die Lunge. Die American Lung Association (Stand 20. November 2024) beschreibt diesen Weg als etwa 15 Zentimeter langen Schnitt unter der Schulterblattspitze, typisch zwischen fünfter und sechster Rippe.
Anterolateral sitzt der Schnitt vorn-seitlich. Im Notfall ist das der Standardweg auf der verletzten Seite, weil das Herz und die Aorta rasch erreichbar sind. StatPearls beschreibt zusätzlich einen senkrechten, muskelschonenden Zugang in der mittleren Achselhöhle, bei dem Latissimus und Serratus eher zur Seite gehalten als durchtrennt werden. Die ERAS-Leitlinie von 2019 rät, falls offen operiert werden muss, Muskeln und das Zwischenrippenbündel zu schonen, weil das den Schmerz mindern kann.
| Zugang | Typische Lage | Häufiges Ziel |
|---|---|---|
| Posterolateral | unter der Schulterblattspitze, 5. oder 6. ICR | Lunge, Speiseröhre, große Lungenresektion |
| Anterolateral | vorn-seitlich, oft 4. oder 5. ICR | Notfall, Herzbeutel, vordere Lunge |
| Muskelschonend axillär | senkrecht in der Achsel | ausgewählte Lungen- und Pleuraeingriffe |
| Mediane Sternotomie | durch das Brustbein | Herz, aufsteigende Aorta, große Gefäße |
| Clamshell | beidseits seitlich plus Brustbein | maximale Übersicht im Trauma |
Das Zwischenrippenbündel verläuft am Unterrand jeder Rippe. Wer den Spalt am Oberrand der unteren Rippe eröffnet, senkt das Risiko für Blutung und Nervenschaden. Eine kleine Rippenresektion kann die Sicht verbessern; sie ist kein Selbstzweck.
Wie eine geplante Thorakotomie abläuft
Vor einem Wahleingriff stehen Untersuchungen der Herz- und Lungenreserve, Bildgebung und oft ein Gespräch über Rauchstopp. MedlinePlus rät, das Rauchen mehrere Wochen vorher zu beenden, weil das die Wund- und Lungenheilung stützt. Gerinnungshemmende Mittel, Vitamin E und manche Schmerztabletten setzt das Team meist in der Woche vor der Narkose ab, aber erst nach ausdrücklicher Anweisung. Fasten beginnt in der Regel ab Mitternacht, sofern nichts anderes festgelegt ist.
Die Operation selbst läuft in Vollnarkose. Häufig liegt ein Epiduralkatheter schon vor dem Hautschnitt, damit der Brustschmerz danach steuerbar bleibt. Ein Doppellumentubus belüftet die Gegenseite, während die operierte Lunge zusammenfällt. Der Patient liegt auf der Seite, der Arm der Schnittseite oben. Laut MedlinePlus dauert die offene Lungenoperation oft zwei bis sechs Stunden; die Cleveland Clinic nennt für viele Thorakotomien zwei bis vier Stunden. Nach der Arbeit am Organ liegen eine oder mehrere Drainagen im Pleuraspalt, dann werden Rippen, Muskel und Haut schichtweise geschlossen.
Auf Station oder Intensivstation zählen Frühmobilisation, Thromboseprophylaxe mit Kompressionsstrümpfen und Spritzen sowie tiefe Atemzüge. Die Drainage bleibt, bis Luftleck und Flüssigkeit nachlassen und das Röntgen eine entfaltete Lunge zeigt. Die Cleveland Clinic rechnet mit mindestens zwei Tagen Drainage. Schmerzmittel kommen als Tablette, Infusion, patientenkontrollierte Pumpe oder über den Rückenkatheter. Ohne ausreichende Analgesie bleibt das Abhusten flach, und das Risiko für Atelektase und Pneumonie steigt.
Lungenkrebs und der Wandel zur Videochirurgie
Welche Lungenmenge entfernt wird, entscheidet die Lage und das Stadium, nicht der Hautschnitt. Das National Cancer Institute nennt die Operation die Therapie der Wahl beim Stadium I des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms. Eine Lobektomie nimmt einen ganzen Lappen; Segment- oder Keilresektion schonen Gewebe bei kleiner Reserve oder sehr frühen Herden; eine Pneumonektomie entfernt die ganze Lunge, wenn der Tumor zentral sitzt. Das NCI beziffert die unmittelbare Sterblichkeit einer Lobektomie auf etwa 3 bis 5 Prozent, die einer Pneumonektomie auf 5 bis 8 Prozent. Diese Zahlen sind Durchschnitte und ersetzen keine individuelle Risikoabschätzung.
Ältere Texte um 2018 stellten den offenen Schnitt noch als den üblichen Weg zur Lungenkrebsoperation dar. Die randomisierte britische VIOLET-Studie (503 Erwachsene, neun Kliniken, Rekrutierung 2015 bis 2019, Bericht 2022) hat das Bild verschoben. Videoassistierte Lobektomie ohne Rippenspreizung verbesserte die körperliche Funktion nach fünf Wochen (Mittelwertdifferenz 4,65 Punkte im Fragebogen QLQ-C30). Der Klinikaufenthalt lag im Median bei 4 statt 5 Tagen, Komplikationen vor Entlassung sanken (Relatives Risiko 0,74), anhaltender Schnittschmerz war seltener (Relatives Risiko 0,82). Progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben nach einem Jahr unterschieden sich nicht.
Die ERAS- und ESTS-Empfehlungen von 2019 fordern deshalb, wo onkologisch sicher, den minimalinvasiven Weg, dazu Regionalanästhesie, opioidarme Analgesie, frühe Drainagenentfernung und Gehen am Operationstag. Robotische Assistenz wird in manchen Zentren angeboten; VIOLET hat sie nicht geprüft. Bleibt der Tumor groß, zentral oder fest mit Gefäßen verwachsen, oder muss intraoperativ umgestiegen werden, ist die offene Thorakotomie weiter der richtige Zugang. Der Schnitt entscheidet nicht über Heilung, das Resektionsausmaß und die Lymphknotenarbeit tun das.
Notfallthorakotomie nach Verletzung
In der Notaufnahme ist die Thorakotomie ein letzter Versuch, eine stillbare Ursache des Kreislaufstillstands zu finden. StatPearls (Aktualisierung 18. Juni 2026) nennt als Ziele die Entlastung eines Herzbeutelergusses, offene Herzmassage, Abklemmen der absteigenden Aorta und die vorläufige Versorgung von Herz- oder Lungenverletzungen. Die Gesamtüberlebensrate liegt bei etwa 7,4 Prozent; unter den Überlebenden erreichen rund 92,4 Prozent eine neurologisch intakte Erholung. Die niedrige Quote spiegelt den Zustand der Patienten, nicht eine Nachlässigkeit des Teams.
Die Leitlinie der Eastern Association for the Surgery of Trauma, die StatPearls zusammenfasst, empfiehlt den Eingriff am stärksten nach penetrierender Brustverletzung mit Lebenszeichen (Pupillenreaktion, Bewegung, elektrische Herzaktivität oder Atembewegung) ohne tastbaren Puls. Bedingt kommt er infrage nach kurzer Reanimation, etwa unter 15 Minuten bei penetrierendem Trauma oder unter 10 Minuten bei stumpfem Trauma mit Lebenszeichen. Ohne Lebenszeichen nach stumpfem Unfall, nach isolierter Schädelverletzung oder nach langer erfolgloser Reanimation gilt der Versuch meist als aussichtslos.
Der Standardzugang ist links anterolateral im vierten oder fünften Zwischenrippenraum. Reicht die Sicht nicht, wird der Schnitt zur Clamshell-Öffnung nach rechts verlängert. Der Europäische Rat für Wiederbelebung verlangt vier Bedingungen: Erfahrung, Instrumente, geeignete Umgebung und kurze Zeit seit dem Stillstand. Fehlt eines davon, schadet der Versuch eher, weil Ressourcen gebunden und Infektionsrisiken für das Team steigen. Eine geplante Lungenoperation und diese Reanimationssituation haben außer dem Namen wenig gemeinsam.

Welche Komplikationen möglich sind
Jede Thorakotomie trägt die Risiken einer großen Brustoperation. MedlinePlus listet unvollständige Lungenentfaltung, Verletzung von Lunge oder Gefäßen, anhaltendes Luftleck, erneute Flüssigkeit, Blutung, Infektion, Herzrhythmusstörungen, Schäden an Zwerchfell, Speiseröhre oder Luftröhre und den Tod. Die American Lung Association nennt als unmittelbare Probleme Infekt, Blutung, persistierendes Luftleck und Schmerz; lebensbedrohliche Verletzungen durch den Schnitt selbst bleiben selten.
Blutungen entstehen am Zwischenrippenbündel, an der Brustwandarterie oder an Lungengefäßen. Infekte können die Haut, die Lunge (Pneumonie) oder den Pleuraspalt (Empyem) betreffen. Ein Pneumothorax nach Drainagenentfernung entsteht, wenn Luft zwischen Lunge und Brustwand nachläuft. Tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien sind nach Bettlägerigkeit möglich; deshalb stehen Frühmobilisation, Strümpfe und Spritzen auf dem Stationsplan. Schultersteifigkeit folgt, wenn Muskeln und Nerven am klassischen posterolateralen Schnitt durchtrennt wurden.
Schmerz, der das tiefe Atmen verhindert, ist selbst ein Risikofaktor. Wer flach atmet, belüftet die Unterlappen schlecht und bekommt leichter eine Pneumonie. Deshalb gehört Analgesie zur Komplikationsvorbeugung, nicht nur zum Komfort. Nach der Entlassung sollen Fieber, blutig-eitrige Wunde, zunehmende Luftnot, Husten von Blut oder Schmerz, der trotz verordneter Mittel zunimmt, noch am selben Tag gemeldet werden. Die Cleveland Clinic nennt genau diese Zeichen als Anlass, das Team zu rufen.
Thorakotomie oder Thorakostomie
Beide Wörter klingen ähnlich und meinen verschiedene Eingriffe. Die Thorakotomie öffnet den Brustkorb für eine Operation am Organ. Die Thorakostomie, von MedlinePlus auch als Einlage einer Thoraxdrainage beschrieben, schafft nur einen schmalen Kanal für einen Schlauch in den Pleuraspalt.
Der Schlauch zieht Luft, Blut oder Flüssigkeit ab, damit die Lunge sich wieder an die Brustwand legen kann. Typische Anlässe sind Pneumothorax, Erguss, Empyem, Blutung nach Unfall und die Drainage nach jeder größeren Brustoperation. Die Einlage gelingt oft in örtlicher Betäubung, der Patient liegt seitlich oder halb aufrecht. Nach einer großen Lungen- oder Herzoperation liegt dieselbe Drainage schon in Narkose.
Ein Hemothorax, den die Drainage nicht stoppt, kann zur Thorakotomie führen, weil die Blutungsquelle dann direkt versorgt werden muss. Umgekehrt endet fast jede offene Brustoperation mit einer Thorakostomie. Wer den Unterschied kennt, versteht den Entlassungsbrief besser. Ein kleiner Hautschnitt mit Schlauch ist keine Organoperation; ein langer Rippenschnitt ohne Drainage wäre unvollständig, weil Luft und Wundflüssigkeit sonst den Pleuraspalt füllen.
Schmerzen nach dem Eingriff
Schmerz an Rippen und Wunde ist in den ersten Tagen erwartet. Er nimmt beim Husten und tiefen Einatmen zu und soll mit der verordneten Kombination aus Regionalverfahren, Paracetamol, entzündungshemmenden Mitteln (falls erlaubt) und bedarfsweise Opioiden so weit sinken, dass Gehen und Abhusten möglich bleiben. Die ERAS-Leitlinie 2019 stellt Regionalanästhesie und opioidarme Schemata vor Epiduralkatheter allein oder vor hohen Opioiddosen.
Hält der Schmerz entlang des Schnitts länger als zwei Monate an, spricht man vom Postthorakotomie-Schmerzsyndrom. Cleveland Clinic und StatPearls verwenden diese Schwelle. Ursache ist oft eine Reizung oder Verletzung des Zwischenrippennervs. Die American Lung Association beschreibt anhaltenden nervenbedingten Brustschmerz über Monate. Videozugänge senken das Risiko, löschen es nicht; VIOLET fand weniger, aber nicht null, prolongierten Schnittschmerz.
Was zu Hause hilft, ist nüchtern und begrenzt. Eis oder Wärme nur nach Rücksprache, Schulter- und Armübungen wie verordnet, kein schweres Heben, bis die Klinik es freigibt. Neue Schwäche in den Beinen, Störungen beim Wasserlassen oder zunehmendes Taubheitsgefühl nach Epiduralanalgesie gehören in die Notaufnahme, weil sie auf eine seltene Komplikation im Wirbelkanal hinweisen können. Chronischer Schmerz braucht eine gezielte Sprechstunde, nicht eine stillschweigende Dosissteigerung.
Genesung zu Hause und Warnzeichen
Die ersten Wochen gehören dem Wiederaufbau von Kraft und Atemvolumen, nicht dem sportlichen Leistungsbeweis. MedlinePlus nennt für die offene Thorakotomie meist 5 bis 7 Kliniktage, die Cleveland Clinic etwa eine Woche und rund zwei Monate bis zur Arbeitsfähigkeit. Videoassistierte Eingriffe verkürzen den Aufenthalt oft. Müdigkeit in dieser Phase ist häufig. Essen darf in der Regel wie zuvor erfolgen; Ballaststoffe und Flüssigkeit mindern die Verstopfung durch Schmerzmittel.
Tägliches Gehen fördert den Blutfluss und kann einer Pneumonie vorbeugen. Ein Atemtrainer (Incentive-Spirometer) und das Abstützen der Wunde mit einem Kissen beim Husten gehören zum Standardrat. Die American Lung Association empfiehlt beides ausdrücklich. Heben, Sport und Geschlechtsverkehr gibt das Operationsteam individuell frei. Die Wunde soll trocken und sauber bleiben; nässende oder gerötete Ränder sind kein Hausmittelproblem.
| Lage | Typische Zeichen | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Erwarteter Verlauf | ziehender Wundschmerz, Müdigkeit, flacher Atem | verordnete Mittel, Gehen, Atemübungen |
| Wunde auffällig | Eiter, Schwellung, Farbwechsel, Fieber | noch am selben Tag das Team anrufen |
| Atmung schlechter | neue Luftnot, blutig husten, Enge | sofort ärztlich klären, bei schwerer Not Notruf |
| Drainageproblem | Schlauch rutscht, System fällt um, plötzlicher Schmerz | Notaufnahme, System nicht selbst neu verbinden |
| Schmerz außer Kontrolle | Mittel wirken nicht, Nachtschmerz nimmt zu | Termin vorziehen, Dosis nicht allein erhöhen |
| Neurologische Warnung | Beinschwäche, Harnverhalt nach Rückenkatheter | Notaufnahme ohne Verzug |
Die Prognose hängt vom Grund des Eingriffs ab, nicht vom Schnitt allein. Nach einer Krebsoperation bestimmt das Stadium den weiteren Weg. Nach Trauma zählt, ob Herz, Lunge und Gefäße dauerhaft versorgt werden konnten. Wer den Entlassungsbrief, die Medikamentenliste und die nächsten Termine kennt, kann Warnzeichen früher einordnen als jemand, der nur auf das Verschwinden des Schmerzes wartet.
Häufige Fragen
Ist eine Thorakotomie dasselbe wie eine Sternotomie?
Nein. Bei der Thorakotomie liegt der Schnitt zwischen den Rippen, bei der Sternotomie wird das Brustbein geteilt und später wieder vereinigt. Die Cleveland Clinic trennt beide Zugänge klar. Welcher Weg gewählt wird, richtet sich nach Herz, Gefäßen oder Lunge, nicht nach einer allgemeinen Hierarchie.
Wie lange dauert der Klinikaufenthalt nach einer Thorakotomie?
Nach offener Lungenoperation bleiben die meisten Menschen 5 bis 7 Tage, so MedlinePlus. Die Cleveland Clinic nennt etwa eine Woche. In der VIOLET-Studie lag der Median nach videoassistierter Lobektomie bei 4 Tagen gegenüber 5 Tagen nach offenem Zugang. Die Drainage verzögert die Entlassung, solange Luft oder Flüssigkeit nachlaufen.
Bleibt der Brustschmerz nach der Operation dauerhaft?
Bei den meisten nimmt er über Wochen ab. Hält er länger als zwei Monate an, kann ein Postthorakotomie-Schmerzsyndrom vorliegen. Videozugänge und Regionalanalgesie senken dieses Risiko, schließen es aber nicht aus. Anhaltender Schmerz gehört in die Nachsorge, nicht in die stille Selbstmedikation.
Kann statt des offenen Schnitts eine Video-Operation gemacht werden?
Bei vielen frühen Lungenkarzinomen ja, sofern Anatomie und onkologische Regeln das zulassen. VIOLET zeigte weniger Schmerz, weniger Komplikationen und bessere Funktion nach fünf Wochen bei gleicher onkologischer Kurzzeitsicherheit. Narben, starke Blutung, zentrale Tumoren oder instabiler Kreislauf können den offenen Weg erzwingen, auch intraoperativ.
Wann muss ich nach der Entlassung den Arzt anrufen?
Fieber, Eiter oder Farbwechsel der Wunde, neue Luftnot, Bluthusten und Schmerz, der trotz Mittel zunimmt, sollen noch am selben Tag gemeldet werden. Die Cleveland Clinic listet genau diese Zeichen. Bei plötzlicher schwerer Atemnot oder Kreislaufschwäche ist der Notruf richtig, nicht die nächste Sprechstunde.
Was unterscheidet Thorakotomie und Thorakostomie?
Die Thorakotomie öffnet den Brustkorb für eine Organoperation. Die Thorakostomie legt nur eine Drainage in den Pleuraspalt, oft in örtlicher Betäubung. Fast jede große Brustoperation endet mit einer solchen Drainage. Ein Schlauch allein ersetzt keine Tumor- oder Gefäßoperation.

Fazit
Der offene Brustkorbschnitt bleibt ein großes Verfahren mit Klinikaufenthalt, Drainage und wochenlanger Rekonvaleszenz. Gleichzeitig ist er nicht mehr der selbstverständliche Standard bei jedem frühen Lungenkarzinom. Videoassistierte Lobektomie hat in einer großen randomisierten Studie die Erholung verbessert, ohne die onkologische Kurzzeitsicherheit zu schwächen. ERAS-Pfade setzen auf Rauchstopp, Regionalanalgesie, frühes Gehen und rasche Drainagenentfernung.
Wer eine geplante Operation vor sich hat, kann das Team nach dem geplanten Zugang, nach Alternativen und nach dem Schmerzkonzept fragen. Wer schon operiert wurde, hält die Wunde sauber, geht täglich und nutzt die Atemübungen, solange der Schmerz das zulässt. Fieber, Eiter, neue Luftnot oder unkontrollierbarer Schmerz sind keine Wartezeichen.
Die Prognose folgt der Krankheit, die den Schnitt nötig machte. Nach Krebs zählt das Stadium und die vollständige Entfernung, nach Trauma die stillbare Verletzung. Der Schnitt ist das Tor, nicht das Ziel.
Quellen
- Cleveland Clinic: Thoracotomy: Purpose, Procedure, Risks & Recovery. Cleveland Clinic, Stand: 12. Februar 2026.
- MedlinePlus: Lung surgery (Thoracotomy; Lobectomy; Pneumonectomy). MedlinePlus, 13. April 2026.
- MedlinePlus: Chest tube insertion. MedlinePlus, 1. April 2025.
- Chang B, Tucker WD, Burns B: Thoracotomy – StatPearls. StatPearls, 24. Juli 2023.
- Weare S, Thiesen J et al.: Emergency Department Thoracotomy. StatPearls, 18. Juni 2026.
- American Lung Association: Thoracotomy | American Lung Association. American Lung Association, 20. November 2024.
- American Cancer Society: Key Statistics for Lung Cancer. American Cancer Society, 13. Januar 2026.
- Lim E, Harris RA et al.: Impact of video-assisted thoracoscopic lobectomy versus open lobectomy for lung cancer on recovery assessed using self-reported physical function: VIOLET RCT. Health Technology Assessment, Dezember 2022.
- Batchelor TJP, Rasburn NJ et al.: Guidelines for enhanced recovery after lung surgery: recommendations of the Enhanced Recovery After Surgery (ERAS®) Society and the European Society of Thoracic Surgeons (ESTS). European Journal of Cardio-Thoracic Surgery, 1. Januar 2019.
- National Cancer Institute: Non-Small Cell Lung Cancer Treatment (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, Stand: 2026.
