Verstopfte Arterien trotz Übung: Kalkscore einordnen

Verstopfte Arterien trotz Übung: Kalkscore einordnen

Regelmäßiges Training verhindert Arterienverkalkung nicht vollständig und kann den messbaren Koronarkalk bei manchen Vieltrainierenden sogar erhöhen. Der höhere Calcium-Score bedeutet nach den Daten seit 2019 aber nicht automatisch mehr Todesfälle; oft handelt es sich um festere, verkalkte Ablagerungen, während Leitlinien Bewegung weiter als Schutz vor Herzinfarkt und Sterblichkeit empfehlen.

Die ältere Schlagzeile, Sport schütze die Kranzgefäße nicht, stammt aus der CARDIA-Kohorte von 2017. Seitdem haben große Beobachtungsarbeiten und eine Metaanalyse von 2025 den Befund eingeordnet: Der Scan zählt Kalk, nicht die Neigung einer Plaque zu reißen. Wer Brustdruck, Atemnot oder ausstrahlenden Schmerz bemerkt, wählt den Notruf 112 und diskutiert den Score später in Ruhe.

Was die CARDIA-Studie über 25 Jahre gemessen hat

Die CARDIA-Auswertung von Laddu und Kollegen zeigte 2017, dass sehr hohe Aktivität über Jahrzehnte mit häufiger nachweisbarem Koronarkalk im mittleren Alter zusammenhing, vor allem bei weißen Männern. Sie ersetzte keine Aussage über Infarkte, weil Ereignisse nicht das Ziel der Analyse waren.

Zwischen 1985 und 1986 wurden 5115 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren in vier US-Städten aufgenommen. Für die Kalkfrage blieben 3175 Personen mit mindestens drei Aktivitätsfragebögen und einem Computertomogramm nach 25 Jahren. Die Forscher bildeten drei Bahnen: unter der damaligen US-Empfehlung, genau im Zielkorridor und etwa dreimal so viel. Dreihundert „Exercise Units“ auf dem CARDIA-Fragebogen entsprechen grob 150 Minuten moderater Belastung pro Woche. Die oberste Bahn lag damit bei rund 450 Minuten, also siebeneinhalb Stunden.

Nach voller Anpassung an Alter, Herkunft, Geschlecht, Blutdruck, Diabetes, Rauchen, Body-Mass-Index, Bildung und Blutfette lag das Chancenverhältnis für einen Calcium-Score über null bei manchen in der obersten Bahn bei 1,27 gegenüber der untersten. Das Vertrauensintervall reichte von 0,95 bis 1,70 und kreuzte die Eins. Die Schlagzeile „27 Prozent mehr Kalk“ gilt also für das Punktschätzer, nicht für einen sicheren Gesamteffekt.

Nach Herkunft und Geschlecht getrennt war das Bild klarer. Weiße Teilnehmende in der obersten Bahn hatten eine Odds Ratio von 1,80. Bei weißen Männern lag sie bei 1,86; 58,3 Prozent von ihnen hatten Kalk, verglichen mit 49,0 Prozent der weniger aktiven weißen Männer. Bei schwarzen Männern und bei Frauen blieb der Unterschied statistisch unsicher, teils wegen kleiner Zellen. Ein Score über 100 hing in der gesamten Stichprobe nicht signifikant mit der Aktivitätsbahn zusammen.

Die Autorinnen und Autoren selbst schrieben, Mechanismen und klinische Folgen müssten erst geprüft werden. Sie rieten ausdrücklich nicht zum Trainingsstopp. Wer die Seite von 2018 noch im Kopf hat, sollte diesen Vorbehalt mitlesen: CARDIA hat einen Bildbefund beschrieben, kein Urteil über Nutzen oder Schaden von Sport.

reifer Mann joggen

Bedeutet mehr Kalk im Scan mehr Herzinfarkte?

Ein höherer Calcium-Score sagt in der Allgemeinbevölkerung mehr über künftige Herzereignisse aus, bei sehr aktiven Menschen aber nicht automatisch über eine höhere Sterblichkeit. Die Cooper-Center-Arbeit von DeFina aus dem Jahr 2019 hat genau diese Lücke von CARDIA geschlossen.

21 758 Männer ohne bekannte Herzkrankheit, im Mittel 51,7 Jahre alt, gaben ihre Aktivität an und ließen den Kalk messen. Wer mindestens 3000 metabolische Äquivalente mal Minuten pro Woche sammelte, hatte ein relatives Risiko von 1,11 für einen Score von 100 oder mehr. Nach durchschnittlich 10,4 Jahren starben 759 Männer insgesamt und 180 an Herz-Kreislauf-Ursachen.

In der Gruppe mit Score unter 100 und sehr hoher Aktivität lag die Hazard Ratio für den Tod bei 0,52 gegenüber Männern mit weniger als 1500 MET-Minuten. Bei Score von mindestens 100 blieb die Sterblichkeit der Vieltrainierenden numerisch niedriger (Hazard Ratio 0,77) und stieg nicht signifikant. Unter den wenig Aktiven verdoppelte ein Score von 100 oder mehr annähernd die herzbedingte Sterblichkeit (Hazard Ratio 1,93).

Der Scan misst Dichte und Fläche von Kalk, nicht die weiche Kappe, die reißt und einen Thrombus auslöst. Mehrere Arbeitsgruppen halten es für plausibel, dass wiederholte Druck- und Scherspitzen im Training Kalk einlagern und die Plaque dadurch stabiler machen. CARDIA hatte diese Idee schon als Hypothese genannt. MARC-2 hat 2023 gezeigt, dass gerade sehr intensive Einheiten mit mehr verkalkten, nicht mit mehr vulnerablen Plaques einhergingen.

Praktisch heißt das: Ein auffälliger Wert bei einem Marathonläufer ist kein Freibrief, Risikofaktoren zu ignorieren. Er ist auch kein Beleg, dass das Laufen den Infarkt wahrscheinlicher gemacht hat. Die Zahl gehört neben Blutdruck, LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes und Familiengeschichte, nicht an ihre Stelle.

Was der Calcium-Score zeigt und was er auslässt

Der Calcium-Score (Agatston-Einheiten) zählt nur verkalkte Ablagerungen in den Kranzgefäßen und übersieht weiche Plaques vollständig. Null bedeutet deshalb „kein sichtbarer Kalk“, nicht „keine Atherosklerose“.

Die Mayo Clinic beschreibt den Test als spezielles Herz-CT ohne Kontrastmittel. Er dauert etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Die Cleveland Clinic nennt eine Strahlenmenge in der Größenordnung der natürlichen Jahresbelastung. Schwangere sollen den Scan nicht bekommen. Koffein und Tabak entfallen einige Stunden vorher, damit der Puls ruhig bleibt.

Die Zahl allein steuert keine Therapie. Die Mayo Clinic ordnet 2025 grob so: Score null spricht für ein niedriges Infarktrisiko in den Folgejahren. Werte von 100 bis 300 stehen für mäßige Ablagerungen und ein vergleichsweise hohes Risiko in den nächsten drei bis fünf Jahren. Über 300 gilt als ausgedehnte Erkrankung. Die Cleveland Clinic fasst milde Befunde bis 100, mäßige bis 400 und starke Hinweise über 400. Beide betonen, dass Alter, Geschlecht und übrige Risiken mitgelesen werden müssen.

Ein Wiederholungs-CT nützt vor allem, wenn der erste Score null war und nach drei bis fünf Jahren geprüft werden soll, ob das Risiko niedrig bleibt. War Kalk einmal da, ändert ein zweiter Scan die Strategie selten, weil der Kalk nicht wieder verschwindet. Statine können den Score sogar steigen lassen, während sie die Plaque beruhigen. Wer den Wert als Erfolgskontrolle der Tablette benutzt, liest ihn falsch.

Andere Tests beantworten andere Fragen. Ein Belastungs-EKG oder eine Perfusionsbildgebung prüft, ob der Herzmuskel unter Last genug Blut bekommt. Eine Koronarangiographie zeigt Engstellen, die den Fluss behindern. Der Kalkscore ersetzt keines davon, wenn Symptome da sind.

Wie viel Bewegung aktuelle Leitlinien verlangen

Erwachsene sollen nach CDC (Stand Dezember 2023) mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Ausdauerarbeit pro Woche plus an zwei Tagen Kraft für die großen Muskelgruppen leisten. Die WHO-Leitlinie von 2020 zieht denselben Korridor auf 150 bis 300 Minuten moderat oder 75 bis 150 Minuten intensiv und nennt zusätzlichen Nutzen jenseits von 300 Minuten.

Ältere Ratgeber, auch die CARDIA-Einteilung, arbeiteten oft mit der Marke „150 Minuten oder nichts“. Die aktuelle Botschaft lautet anders: Jede Minute zählt, Sitzen unterbrechen hilft, und wer über 150 Minuten hinausgeht, gewinnt in der Regel weiter, statt in eine Gefahrenzone zu kippen. Menschen mit zu wenig Bewegung haben laut WHO ein um 20 bis 30 Prozent höheres Sterberisiko als ausreichend Aktive. 2022 verfehlten 31 Prozent der Erwachsenen weltweit das 150-Minuten-Ziel.

Die Leitlinie zu chronischer Koronarerkrankung von 2023 hält Bewegung für alle Betroffenen ohne Gegenanzeige fest, einschließlich weniger Sitzzeit und Krafttraining an mindestens zwei Tagen. Kardiale Rehabilitation nach Ereignis oder Eingriff senkt Krankheit und Sterblichkeit. Die Dosis bleibt ≥150 Minuten moderat oder ≥75 Minuten höherer Intensität. Kein Kapitel rät, wegen eines isoliert erhöhten Kalkscores mit dem Training aufzuhören.

Wer die CARDIA-Oberbahn (rund 450 Minuten) mit „zu viel Sport“ gleichsetzt, vermischt zwei Welten. Die Leitlinie beschreibt den Sockel für die Bevölkerung. 3000 MET-Minuten pro Woche, die Schwelle in Cooper und in der Metaanalyse 2025, entsprechen grob sieben bis acht Stunden zügigem Training und betreffen eine Minderheit, nicht den Spaziergang nach Feierabend.

Macht extremes Ausdauertraining die Arterien kalkiger?

Sehr hohe Trainingsmengen können bei Männern den mittleren Calcium-Score anheben; die Intensität scheint dabei stärker zu wirken als die reine Stundenanzahl. Frauen zeigen in der gepoolten Evidenz diesen Abstand bisher nicht.

Aengevaeren und Kollegen begleiteten 289 Männer der MARC-Kohorte im Median 54 Jahre alt über 6,3 Jahre mit CT-Angiographie. Die Prävalenz von Kalk stieg von 52 auf 71 Prozent, der Median-Score von 1 auf 31. Das Wochenvolumen in MET-Stunden hing nicht mit der Veränderung zusammen. Je zehn Prozent mehr „vigorous“ Belastung (etwa 6 bis 9 MET) fiel der Kalkanstieg kleiner aus. Je zehn Prozent mehr „very vigorous“ (≥9 MET, etwa hartes Intervall oder steile Fahrten) stieg er. Denselben sehr intensiven Anteil begleitete eine höhere Chance auf Plaquefortschritt, und zwar vor allem verkalkte Plaques (Odds Ratio 2,09 im obersten versus untersten Drittel).

Die Metaanalyse von Abdelaziz und Kollegen (2025) fasste neun Beobachtungsstudien mit 61 150 Personen zusammen, darunter 27 830 Sportlerinnen und Sportler. Männliche Athleten über 3000 MET-Minuten pro Woche lagen im Mittel 31,62 Agatston-Punkte über männlichen Nichtathleten. Zwischen 1500 und 3000 MET-Minuten verschwand der Unterschied. Bei Frauen ab 1500 MET-Minuten fand sich kein belastbarer CAC-Abstand.

Zwei Lesarten bleiben offen. Entweder erzeugt wiederholte Spitzenbelastung Mikroverletzungen der Gefäßwand, die mit Kalk repariert werden. Oder Menschen, die Jahrzehnte hart trainieren, tragen ungemessene Faktoren mit, etwa früheres Rauchen, familiäre Last oder zeitweise hohen Blutdruck unter Last. MARC-2 spricht eher für die Intensitätshypothese, weil das Volumen allein den Verlauf nicht erklärte. Eine randomisierte Antwort auf „wie viele harte Intervalle sind zu viel“ gibt es nicht.

  • Sehr hartes Ausdauertraining kann bei Männern den Kalkscore anheben, ohne dass Leitlinien deshalb vom Sport abraten.
  • Mäßig-intensive Ausdauerarbeit im Leitlinienkorridor blieb in der Metaanalyse ohne CAC-Mehrbefund gegenüber Inaktiven.
  • Ein steigender Score unter Statin oder nach Jahren Training beweist nicht, dass die Plaque gefährlicher geworden ist.

Warum der Effekt bei Männern stärker erscheint

Der Zusammenhang zwischen sehr hoher Aktivität und sichtbarem Koronarkalk ist in den vorliegenden Kohorten bei Männern, besonders bei weißen Männern, klarer als bei Frauen. Das ist kein Beweis für Schutz durch weibliches Geschlecht, sondern vor allem ein Datenproblem plus Biologie.

CARDIA hatte in der obersten Bahn 108 weiße Männer, aber nur 47 weiße Frauen und 14 schwarze Frauen. Schwarze Männer in derselben Bahn zeigten kein höheres Chancenverhältnis. Die Autorinnen diskutierten Unterschiede im Kalkgehalt von Plaques, im HDL-Cholesterin und in der Knochen- und Vitamin-D-Regulation, ohne einen Mechanismus zu belegen. Zusätzliche Anpassung für HDL änderte die Schätzung kaum.

Die Metaanalyse 2025 bestätigt das Muster auf größerer Fläche: Der CAC-Mehrbefund sitzt bei Männern über 3000 MET-Minuten, nicht bei Frauen mit vergleichbarem Volumen. Frauen entwickeln koronare Plaques später und oft mit anderem Mischungsverhältnis aus Kalk und Weichgewebe. Studien zu Master-Athletinnen bleiben klein. Roberts und andere berichteten in älteren Arbeiten eher wenig Plaque bei langjährigen Marathonläuferinnen; die Zellen sind zu klein für feste Schlüsse.

Für die Praxis folgt daraus keine Sonderregel „Frauen dürfen alles, Männer müssen kürzen“. Es folgt, dass ein hoher Score bei einem 55-jährigen Radsportler häufiger vorkommt als bei einer gleich alten Läuferin und trotzdem mit der übrigen Risikolage gelesen werden muss. Familiäre frühe Herzkrankheit, LDL-Cholesterin, Blutdruck und Tabak bleiben die größeren Hebel als die Frage, ob jemand 180 oder 420 Minuten trainiert.

Für wen ein Kalkscore sinnvoll ist

Der Calcium-Score hilft vor allem symptomfreien Erwachsenen zwischen etwa 40 und 75 Jahren, deren Zehn-Jahres-Risiko im mittleren oder unklaren Bereich liegt und bei denen eine Statinentscheidung wackelt. Er ist kein Screening für Gesunde ohne Risikofaktoren und kein Test bei Brustschmerz.

Die Cholesterinleitlinie von AHA und ACC aus dem Jahr 2018 nennt den Score ausdrücklich bei 40- bis 75-Jährigen ohne Diabetes, mit LDL-Cholesterin von 70 bis 189 mg/dl (1,8 bis 4,9 mmol/l) und einem gerechneten Risiko von 7,5 bis 19,9 Prozent. Score null kann den Statinstart aufschieben, außer bei Rauchen, Diabetes oder starker familiärer Last. Werte von 1 bis 99 sprechen eher für eine Therapie, besonders ab 55 Jahren. Ab 100 Agatston-Einheiten oder ab der 75. Alters- und Geschlechtsperzentile gilt ein Statin als indiziert, sofern das Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten nichts anderes ergibt.

Die Mayo Clinic rät vom Routinescan ab, wenn das Risiko bereits hoch ist oder ein Infarkt, ein Stent oder eine Bypass-Operation hinter der Person liegt. Dann haben andere Untersuchungen die Gefäße bereits beschrieben. Die Cleveland Clinic nennt zusätzlich Schwangerschaft, bekannte Koronarerkrankung und Symptome als Gründe, den Test nicht als Entscheidungskrücke zu nutzen.

Sportlerinnen und Sportler mit niedrigem klassischen Risiko, aber jahrzehntelang sehr hartem Training, fallen in eine Grauzone. Der Score kann Plaque aufdecken, die der Risiko-Rechner unterschätzt. Er kann auch Kalk zeigen, der klinisch ruhig bleibt. Die Entscheidung bleibt individuell und gehört in eine sportkardiologische Sprechstunde, nicht in ein Messergebnis ohne Gespräch.

Agatston-Wert Typische Lesart Häufige nächste Überlegung
0 Kein sichtbarer Kalk Statin oft aufschiebbar, außer Rauchen, Diabetes, starke Familie
1–99 Milde Verkalkung Lebensstil plus Statin-Gespräch, besonders ab 55 Jahren
100–300 Mäßige Last, höheres 3-bis-5-Jahres-Risiko Statin meist ja, weitere Risiken behandeln
über 300 Ausgedehnte Erkrankung Engere Betreuung, Medikamente, keine Sportpause ohne Arzt

Wann zum Arzt, wann den Notruf wählen

Brustschmerz mit Druck, Enge oder Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch plus Atemnot oder kaltem Schweiß ist ein Notfall, kein Anlass für einen Kalkscore. MedlinePlus und die Mayo Clinic raten, den Rettungsdienst zu rufen, auch wenn unsicher ist, ob es ein Infarkt ist. In Deutschland ist das die 112.

Frauen, ältere Menschen und Personen mit Diabetes spüren oft weniger klassische Enge und mehr Übelkeit, ungewöhnliche Erschöpfung oder kurzen Nackenschmerz. Manche Infarkte bleiben fast stumm und fallen erst später im EKG auf. Warten auf „typischen“ Schmerz kostet Muskel.

Ein geplanter Arzttermin reicht, wenn keine akuten Beschwerden da sind, aber Blutdruck, Blutzucker oder LDL-Cholesterin schlecht eingestellt sind, nahe Verwandte früh Herzinfarkte hatten oder der Wunsch nach einem Score zur Statinfrage besteht. Neu aufgetretene Angina beim Treppensteigen, sinkende Belastbarkeit oder Rhythmusstörungen unter dem Training gehören zeitnah abgeklärt, nicht erst nach dem nächsten Wettkampf.

Der Calcium-Score selbst erzeugt keine roten Flaggen. Ein hoher Wert ohne Symptome ändert Medikamente und Ziele, nicht den Weg in die Notaufnahme. Umgekehrt beruhigt ein Score von null niemanden, der gerade Druck hinter dem Brustbein hat. Weiche Plaques bleiben unsichtbar.

  • Rufen Sie 112 bei anhaltendem Brustdruck, Atemnot, kaltem Schweiß oder plötzlicher Schwäche.
  • Lassen Sie Belastungsabfall, neuen Brustschmerz beim Gehen oder unklare Ohnmacht zeitnah kardiologisch prüfen.
  • Besprechen Sie einen Kalkscore in Ruhe, wenn das Rechner-Risiko mittel ist und eine Statinentscheidung offen bleibt.

Was bei erhöhtem Score trotz regelmäßigem Sport bleibt

Ein erhöhter Calcium-Score bei trainierten Menschen ändert die Prävention, nicht automatisch den Sportplan. Blutdruck, LDL-Cholesterin, Tabak, Gewicht und Diabetes bleiben die Stellschrauben, die Ereignisse senken.

Die Leitlinie von 2023 hält Ernährung, Bewegung und – wo angezeigt – kardiale Rehabilitation für alle mit chronischer Koronarerkrankung fest. Statine bleiben Erstlinie zur Lipidsenkung. Wer bereits ein Ereignis, eine verminderte Pumpfunktion oder eine andere zwingende Indikation hat, bekommt zusätzlich die jeweilige Medikation; das entscheidet die behandelnde Praxis, nicht der Score allein. Dosierungen gehören auf den Beipackzettel und in die Verordnung, nicht in einen Ratgebertext.

Training umbauen statt streichen ist die übliche Linie, solange keine Ischämie-Symptome bestehen. Viele Sportkardiologien belassen lockere bis zügige Ausdauerarbeit und prüfen sehr harte Intervalle, wenn der Score hoch ist, der Blutdruck unter Last entgleist oder Rhythmusprobleme auftreten. MARC-2 liefert dafür eine Begründung: Der Kalkzuwachs hing an sehr intensiven Anteilen, nicht an der Stundenanzahl. Ein Beweis, dass das Senken der Intervalle Infarkte verhindert, fehlt.

Wer neu startet, folgt dem Sockel von 150 Minuten und zwei Krafttagen. Wer schon im oberen Bereich lebt, braucht keinen Schuldkomplex wegen CARDIA. Sinnvoll ist ein Gespräch über Blutdruckmessung, Lipidziel, familiäre Last und – falls der Risiko-Rechner unscharf bleibt – einen einmaligen Score. Der nächste sinnvolle Schritt morgen ist oft der Termin, nicht das Abschaffen der Laufschuhe.

Häufige Fragen

Soll ich mit dem Training aufhören, wenn der Kalkscore hoch ist?

Nein, ein hoher Score allein ist kein Grund, das Training zu streichen. DeFina fand 2019 bei sehr aktiven Männern trotz häufigerem Score von 100 oder mehr keine höhere Sterblichkeit. Die Leitlinie von 2023 empfiehlt Bewegung weiter. Ändern Sie Intensität oder Wettkämpfe nur nach kardiologischer Einschätzung, besonders bei Beschwerden unter Last.

Verhindert Sport verstopfte Arterien überhaupt?

Sport verhindert Atherosklerose nicht vollständig und senkt trotzdem Blutdruck, Gewicht, Diabetesrisiko und Sterblichkeit. CARDIA hat Kalk im CT gezählt, nicht verstopfte Gefäße im Alltag. Die WHO beziffert das Sterberisiko Unzureichend-Aktiver 20 bis 30 Prozent höher. Der Nutzen sitzt in Ereignissen, nicht in einem Score von null.

Ist der Kalkscore bei Sportlern falsch positiv?

Der Test zählt echten Kalk, er erfindet keine Zahlen. Falsch ist die Gleichsetzung „mehr Kalk gleich mehr reißende Plaque“. Bei Vieltrainierenden liegt oft ein höherer, aber stärker verkalkter Befund vor. Weiche Plaques sieht der Score nie, deshalb kann ein niedriger Wert trügen, wenn Symptome da sind.

Ab welchem Wert brauche ich ein Statin?

Die Cholesterinleitlinie von 2018 sieht ab 100 Agatston-Einheiten oder ab der 75. Perzentile in der Regel ein Statin vor, wenn das Zehn-Jahres-Risiko zuvor im mittleren Bereich lag. Score null kann den Start verzögern, außer bei Rauchen, Diabetes oder starker Familie. Die Entscheidung fällt im Gespräch, nicht am Ausdruck allein.

Wie viel Training ist zu viel für die Arterien?

Einen festen Stunden-Deckel kennt keine Leitlinie. Der CAC-Mehrbefund sitzt in Studien bei Männern jenseits von etwa 3000 MET-Minuten pro Woche und bei sehr intensiven Anteilen. Der Leitlinienkorridor 150 bis 300 Minuten moderat bleibt die Zielzone für die allermeisten. Extremes Intervalltraining gehört bei hohem Score und Risikofaktoren in eine gezielte Beratung.

Wann sollte ich einen Calcium-Score machen lassen?

Sinnvoll ist der Scan vor allem zwischen 40 und 75 Jahren, ohne Symptome, bei mittlerem oder unklarem Risiko und offener Statinfrage. Unnötig ist er nach Stent oder Infarkt und bei klar sehr hohem Risiko. Schwangere sollen ihn nicht bekommen. Die Überweisung klärt, ob der Wert die Therapie ändern würde.

Fazit

CARDIA hat 2017 einen unbequemen Bildbefund geliefert: Wer über Jahrzehnte weit über die 150-Minuten-Marke trainiert, kann im mittleren Alter häufiger Koronarkalk zeigen, besonders als weißer Mann. Cooper 2019, MARC-2 2023 und die Metaanalyse 2025 haben daraus keinen Trainingsstopp gemacht. Der Score steigt mit sehr hoher, oft sehr intensiver Belastung, die Sterblichkeit der Aktiven steigt dadurch in den vorliegenden Daten nicht.

Für den Alltag bleibt der Sockel der Leitlinien gültig: 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Ausdauerarbeit, zwei Krafttage, weniger Sitzen, Blutdruck und LDL behandeln, Tabak lassen. Ein Kalkscore ist ein Entscheidungskrücke bei unklarem Risiko, kein Urteil über den Charakter des Trainings.

Wer neu auftretenden Brustdruck, Atemnot oder kalten Schweiß bemerkt, wählt 112. Wer unklare Werte und viel Sport unter einen Hut bringen will, nimmt die Zahlen mit in die Sprechstunde und lässt die Laufschuhe an, bis dort etwas anderes vereinbart wird.

Quellen

  1. Laddu DR, Rana JS et al.: 25-Year Physical Activity Trajectories and Development of Subclinical Coronary Artery Disease as Measured by Coronary Artery Calcium: The Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) Study. Mayo Clinic Proceedings, 16. Oktober 2017.
  2. DeFina LF, Radford NB et al.: Association of All-Cause and Cardiovascular Mortality With High Levels of Physical Activity and Concurrent Coronary Artery Calcification. JAMA Cardiology, 1. Februar 2019.
  3. Aengevaeren VL, Mosterd A et al.: Exercise Volume Versus Intensity and the Progression of Coronary Atherosclerosis in Middle-Aged and Older Athletes: Findings From the MARC-2 Study. Circulation, 4. Januar 2023.
  4. Abdelaziz A, Elshahat A et al.: Sex Differences in the Impact of Exercise Volume on Subclinical Coronary Atherosclerosis: A Meta-Analysis. JACC: Advances, 14. Mai 2025.
  5. Virani SS, Newby LK et al.: 2023 AHA/ACC/ACCP/ASPC/NLA/PCNA Guideline for the Management of Patients With Chronic Coronary Disease. Journal of the American College of Cardiology, 20. Juli 2023.
  6. Grundy SM, Stone NJ et al.: 2018 AHA/ACC/AACVPR/AAPA/ABC/ACPM/ADA/AGS/APhA/ASPC/NLA/PCNA Guideline on the Management of Blood Cholesterol. Circulation, 10. November 2018.
  7. World Health Organization: Physical activity. World Health Organization, Stand: 2024.
  8. Centers for Disease Control and Prevention: Adult Activity: An Overview. Centers for Disease Control and Prevention, 20. Dezember 2023.
  9. Mayo Clinic: Coronary calcium scan. Mayo Clinic, 31. Mai 2025.
  10. Cleveland Clinic: Calcium Score Test. Cleveland Clinic, 3. Mai 2023.
  11. National Heart, Lung, and Blood Institute: Heart Tests | NHLBI, NIH. National Heart, Lung, and Blood Institute, 24. März 2022.
  12. MedlinePlus: Heart Attack | MedlinePlus. MedlinePlus, Stand: 2025.
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