Ursache des Burkitt-Lymphoms entdeckt

Das Burkitt-Lymphom ist eine extrem schnell wachsende Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, das aus einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten des Immunsystems, stammt. Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben nun eine wichtige Komponente entdeckt, die die Immunzellen in bösartige Lymphomzellen umwandelt.

Laut Dr. Sandrine Sander und Professor Klaus Rajewsky stammt Burkitt-Lymphom aus Keimzentren der lymphatischen Organe (Peyer-Plaques im Dünndarm, Milz und Lymphknoten). Die Reaktion durch das Keimzentrum wird durch die B-Zellen ausgelöst, wenn Antigene nachgewiesen werden. Sobald die Reaktion eintritt, verändern die B-Zellen ihre DNA, was eine hochspezifische Antikörperantwort gegen das Antigen verursacht.

Der B-Zell-Rezeptor (BCR) spielt eine entscheidende Rolle im Reaktionsprozess. Um das Antigen vollständig zu erkennen und eine geeignete Immunantwort auszulösen, müssen die für den Antikörper kodierenden DNA-Abschnitte verändert und neu geordnet werden. Während dieses komplizierten Prozesses können DNA-Brüche auftreten und fehleranfällige Reparaturmechanismen können zu genetischen Mutationen im Zusammenhang mit der Krebsentwicklung führen.

Beim Burkitt-Lymphom führen DNA-Reparaturfehler zur Translokation des c-MYC-Onkogens, eines Gens, das die Zellteilung steuert. Die c-MYC-Translokation bewirkt, dass sich betroffene Zellen unreguliert teilen und die Überexpression des c-MYC zu massivem Zelltod führt. Als Ergebnis kann die c-MYC-Deregulierung allein keine normalen Zellen in Krebszellen umwandeln. Beim Burkitt-Lymphom muss die Apoptoseinduktion erhöhter c-MYC-Expression durch zusätzliche Mutationen überwunden werden, die den Zelltod verhindern.

In einer aktuellen Studie demonstrierten Professor Rejewsky und sein Team, dass das Enzym PI3K für das Überleben von reifen B-Zellen unerlässlich ist. PI3K stimuliert einen Signalweg, der das Zellwachstum steuert und dem programmierten Zelltod entgegenwirkt.

Dr. Sander und Professor Rajewsky basierten ihre aktuelle Studie auf diesen Befunden. Sie untersuchten die Interaktion von c-MYC und PI3K in der Tumorgenese von Mäusen. Das Team zeigte, dass PI3K eine wichtige Komponente in der Entwicklung des Burkitt-Lymphoms ist. Sie fanden heraus, dass PI3K es c-MYC ermöglicht, Keimzentrums-B-Lymphozyten in Lymphomzellen umzuwandeln, die sich kontinuierlich teilen und Apoptose vermeiden.

Die Forscher glauben jedoch, dass andere genetische Mutationen eine Rolle in der Burkitt-Lymphomagenese spielen, da nicht alle B-Zellen, die c-MYC co-exprimieren und PI3K sich in eine Lymphomzelle umwandeln. Solche Aberrationen konnten in ihrem Mausmodell identifiziert werden. Darüber hinaus zeigte eine Studie von Professor Louis Staudt vom National Cancer Institute, Bethesda, Maryland, USA, dass Individuen, die an Burkitt-Lymphom leiden, genetische Mutationen tragen, die denen in der Maus ähneln.

Dr. Sander und Professor Rajewsky erklärten:

"Neben der c-MYC-Deregulierung ist die Aktivierung des PI3K-Signalwegs ein Schlüsselelement in der Entwicklung des Burkitt-Lymphoms. Die Hemmung dieses Signalwegs könnte daher eine wirksame Strategie zur Behandlung der Krankheit sein."
Geschrieben von Grace Rattue

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