Vaginales Progesteron-Gel bei kurzem Gebärmutterhals

Vaginales Progesteron-Gel bei kurzem Gebärmutterhals

Vaginales Progesteron-Gel kann bei einer Einlingsschwangerschaft und einem im zweiten Trimenon gemessenen kurzen Gebärmutterhals die Wahrscheinlichkeit einer sehr frühen Geburt senken. In der Einzeldatenanalyse von Romero und Kollegen aus dem Jahr 2018 lag die Rate der Geburten vor der 33. Woche bei 14 statt 22 Prozent; das relative Risiko betrug 0,62, zwölf behandelte Frauen entsprachen einer vermiedenen Frühgeburt dieses Zeitpunkts.

Der Nutzen gilt nicht pauschal für jedes Risiko. Das American College of Obstetricians and Gynecologists stellte 2023 klar, dass die vaginale Gabe kein Ersatz für die frühere Spritze ist und bei alleiniger Vorgeschichte einer Frühgeburt ohne verkürzten Muttermund nicht angeboten werden soll. Die britische NICE-Leitlinie lässt die Therapie dagegen auch bei Vorgeschichte oder kurzer Zervix erwägen und nennt als Rahmen den Beginn zwischen 16+0 und 24+0 Schwangerschaftswochen bis mindestens zur 34. Woche.

Weltweit kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2020 rund 13,4 Millionen Kinder vor vollendeten 37 Wochen zur Welt. Komplikationen der Frühgeburt waren 2019 die häufigste Todesursache vor dem fünften Geburtstag. Wer ein Gel verschrieben bekommt, braucht deshalb Zahlen, Grenzen und klare Alarmzeichen, nicht die Hoffnung auf eine Garantie.

Wie wirkt vaginales Progesteron am Gebärmutterhals?

Lokales Progesteron soll die Gebärmutter ruhiger halten, Entzündungswege dämpfen und das vorzeitige Reifen des Muttermunds verzögern. Ein kurzer Gebärmutterhals ist dabei ein Messwert für erhöhtes Risiko, kein sicherer Beweis für einen Hormonmangel, den man im Blut nachmessen und „auffüllen“ könnte.

Progesteron entsteht in der zweiten Zyklushälfte im Gelbkörper und später in der Plazenta. In der Schwangerschaft trägt es dazu bei, dass sich die Muskulatur der Gebärmutter nicht vorzeitig zusammenzieht und dass das untere Uterinsegment geschlossen bleibt. Die vaginale Gabe bringt den Wirkstoff nah an Zervix und untere Gebärmutter, während der Blutspiegel niedriger bleibt als nach einer intramuskulären Injektion. Genau deshalb taucht das Gel in Studien zur Frühgeburtsvermeidung auf und nicht als Allzweckhormon für jeden Zyklus.

Ältere Texte vermischten diese geburtshilfliche Anwendung mit der Gelbkörperschwäche, dem prämenstruellen Syndrom oder der Unterstützung nach künstlicher Befruchtung. Die US-Zulassung des 8-Prozent-Gels gilt laut DailyMed für die Hormonergänzung in der assistierten Reproduktion, nicht für die Verhinderung einer Frühgeburt. Wer das Präparat nach der 16. Woche wegen einer kurzen Zervix erhält, nutzt es damit außerhalb dieser Kennzeichnung, so wie es NICE 2019 ausdrücklich festgehalten hat.

Mechanisch ersetzt das Gel weder eine Cerclage noch eine Infektionsbehandlung. Bleibt der Muttermund unter der Therapie weiter kürzer oder öffnet sich, ändert sich die Lage. Dann zählen Wehen, Blutung, Abgang von Fruchtwasser und die Frage, ob eine Naht am Gebärmutterhals noch sinnvoll ist.

Für wen lohnt sich das Gel wirklich?

Am klarsten ist der Nutzen bei einer Einlingsschwangerschaft, wenn vor der 24. Woche transvaginal höchstens 20 Millimeter gemessen werden und keine Wehen bestehen. Die Society for Maternal-Fetal Medicine stuft diese Verordnung 2024 mit der höchsten Empfehlungsstufe ein.

Zwischen 21 und 25 Millimetern soll dieselbe Fachgesellschaft die Therapie nur nach einem Gespräch über Nutzen und Unsicherheit erwägen. Als kurzen Muttermund definiert sie in der Mitte der Schwangerschaft 25 Millimeter oder weniger. NICE setzt dieselbe Schwelle und knüpft die stärkste Empfehlung an die Kombination aus früher spontaner Frühgeburt oder Schwangerschaftsverlust ab 16+0 Wochen plus einer Zervix von höchstens 25 Millimetern zwischen 16+0 und 24+0 Wochen. Fehlt eines der beiden Merkmale, spricht NICE nur von „erwägen“.

Klinische Lage Was Leitlinien 2022–2024 empfehlen Quelle
Einling, Zervix ≤20 mm vor 24 SSW, keine Wehen vaginales Progesteron anbieten SMFM 2024
Einling, Zervix 21–25 mm gemeinsame Entscheidung, kein Automatismus SMFM 2024
Frühere Frühgeburt und Zervix ≤25 mm NICE bietet Gel oder Cerclage zur Wahl NICE NG25
Frühere Frühgeburt, Zervix >25 mm ACOG rät 2023 vom Gel als Standard ab ACOG 2023
Zwillinge ohne kurze Zervix kein Routine-Progesteron SMFM 2024

Conde-Agudelo und Romero formulierten 2022 ähnlich eng. Sie rieten zu 90 bis 100 Milligramm täglich von Woche 18 bis 24 bis zur 36. Woche, wenn ein Einling und eine transvaginale Länge von höchstens 25 Millimetern vorliegen, unabhängig von einer früheren Frühgeburt. Allein die Vorgeschichte ohne Verkürzung reichte ihnen nicht. Zwillinge ohne Screening, Drillinge, ein positives fetales Fibronektin plus andere Risiken, Gebärmutterfehlbildungen oder Myome nannten sie als Lagen ohne überzeugende Daten.

Praktisch heißt das. Ein kurzer Muttermund bei einem Kind ist der Kern der Indikation. Eine frühere Frühgeburt ändert die Überwachung und kann eine Cerclage in den Raum stellen, ersetzt aber nicht die Messung.

Wie wird ein kurzer Gebärmutterhals festgestellt?

Die therapeutische Entscheidung stützt sich auf eine transvaginale Messung nach festem Protokoll, nicht auf Tasten und nicht auf ein unscharfes Bauchbild allein. SMFM verlangt 2024, dass Längen, die eine Behandlung auslösen, vaginal und nach den Regeln der Perinatal Quality Foundation oder der Fetal Medicine Foundation erhoben werden.

Im Rahmen der Fehlbildungsultraschalluntersuchung um Woche 18 bis 22 versuchen viele Teams zuerst den Blick von außen. Ein kurzer Befund oder eine schlecht sichtbare Zervix führt zur vaginalen Sonografie. Ein Schwellenwert von unter 36 Millimetern von außen fing in einer zitierten Arbeit 96 Prozent der Frauen mit höchstens 25 Millimetern vaginal ein und sparte bei etwa 40 Prozent die zweite Sonde. Die Korrelation bleibt unvollständig; die Leitlinie belässt die Goldstandardmessung deshalb bei der vaginalen Einstellung.

Ein Wert von höchstens 25 Millimetern in der Schwangerschaftsmitte entspricht ungefähr dem zweiten bis dritten Perzentil. Die Vorhersagekraft hängt stark von der Vorgeschichte ab. SMFM nennt für eine Zervix unter 25 Millimetern und eine Geburt vor Woche 34 bis 35 in Hochrisikokollektiven positive Vorhersagewerte bis 81 Prozent, in der allgemeinen Geburtshilfe nur etwa 26 bis 39 Prozent. Bei Erstgebärenden ohne Risiko erfasste eine Länge von 25 Millimetern in einer Beobachtungsstudie nur 8 Prozent der späteren spontanen Frühgeburten vor Woche 37. Spezifität und Vorhersagewert steigen, wenn die Schwelle auf 20 Millimeter fällt.

Sehr kurze Werte unter 11 bis 15 Millimetern gehen häufig mit einer bereits tastbaren Öffnung einher. Dann gehört die digitale Untersuchung dazu, weil eine Cerclage nach Befund möglich wird. Die Diagnose „kurz“ gilt nur, solange der Muttermund nicht schon offen ist.

Welche Dosis und wie lange die Therapie dauert

In den großen Studien zur kurzen Zervix wurden vor allem 90 Milligramm Gel mit 8 Prozent und 200 Milligramm mikronisierte Kapseln geprüft. SMFM schreibt 2024, dass die Daten nicht ausreichen, eine der beiden Formen oder eine genaue Milligrammzahl als überlegen festzulegen.

Die PREGNANT-Studie von Hassan und Mitarbeitern gab das 90-Milligramm-Gel bei Längen von 10 bis 20 Millimetern, gemessen zwischen 19+0 und 23+6 Wochen, bis 36+6 Wochen, Blasensprung oder Geburt. Fonseca und das Team der Fetal Medicine Foundation nutzten 200 Milligramm Kapseln bei höchstens 15 Millimetern und behandelten von Woche 24 bis 34. NICE vereinheitlicht den Kalender für die Versorgung. Start zwischen 16+0 und 24+0 Wochen, Fortsetzung mindestens bis Woche 34. Conde-Agudelo nannte 2022 ein etwas längeres Fenster bis Woche 36 bei 90 bis 100 Milligramm täglich.

Das DailyMed-Label des 8-Prozent-Gels beschreibt eine andere Welt. Ein Applikator liefert 1,125 Gramm Gel mit 90 Milligramm Wirkstoff. Für die Zulassung in der Reproduktionsmedizin gilt einmal täglich 90 Milligramm zur Ergänzung oder zweimal täglich bei ausgefallenem Eierstock, höchstens bis zur plazentaren Autonomie um Woche 10 bis 12. Diese Kennzeichnung darf man nicht mit dem Schema der Frühgeburtsstudien verwechseln. Eine höhere Menge desselben 4-Prozent-Gels ersetzt das 8-Prozent-Präparat nicht, weil mehr Volumen die aufgenommene Dosis nicht steigert.

Andere vaginale Arzneimittel sollen laut Label mindestens sechs Stunden Abstand halten. Weiße Gelreste in der Scheide sind vorgesehen und kein Zeichen, dass die Dosis verloren ging. Über Höhe und Dauer entscheidet die Frauenärztin oder der Geburtshelfer, nicht die Packungsbeilage der Kinderwunschzulassung.

Was Studien für Mutter und Kind belegen

Gepoolte Einzeldaten, nicht eine einzelne Pressemitteilung, tragen die heutige Empfehlung. Romero, Nicolaides, Conde-Agudelo und Mitautoren werteten 2018 fünf randomisierte Versuche mit 974 Frauen und einer Zervix von höchstens 25 Millimetern aus. Vor Woche 33 gebaren 14 Prozent unter Progesteron und 22 Prozent unter Placebo, relatives Risiko 0,62 bei einem Konfidenzintervall von 0,47 bis 0,81. Die Zahl der zu Behandelnden lag bei 12.

Denselben Datensatz senkte die Häufigkeit von Geburten vor Woche 28, 30, 32, 34, 35 und 36 sowie von spontanem Wehenbeginn vor Woche 33 und 34. Das mittlere Schwangerschaftsalter bei der Geburt stieg um 0,74 Wochen. Vor vollendeten 37 Wochen blieb der Unterschied ohne statistische Last. Kinder unter 1500 Gramm wurden seltener geboren, relatives Risiko 0,62. Aufnahmen auf die neonatologische Intensivstation sanken mit einem relativen Risiko von 0,68. Das Atemnotsyndrom und ein zusammengesetzter Endpunkt aus schweren Komplikationen und Tod lagen ebenfalls niedriger. Sieben Neugeborene starben in der Progesterongruppe (1,4 Prozent), 15 in der Placebogruppe (3,2 Prozent); dieser Unterschied verfehlte die übliche Schwelle.

Hassan, Romero und die PREGNANT-Zentren hatten das Gel selbst geprüft. Vor Woche 33 lagen 8,9 gegen 16,1 Prozent, relatives Risiko 0,55. Vor Woche 28 halbierte sich die Rate näherungsweise, relatives Risiko 0,50. Das Atemnotsyndrom trat seltener auf, relatives Risiko 0,39. Nur 16 Prozent der Teilnehmerinnen hatten schon einmal zu früh geboren; ohne sie blieb der Vorteil bei isoliert kurzer Zervix erkennbar.

Fonseca zeigte mit Kapseln bei höchstens 15 Millimetern 19,2 gegen 34,4 Prozent Geburten vor Woche 34, relatives Risiko 0,56. Nachdem 2024 eine ältere Arbeit zurückgezogen worden war, aktualisierten Romero und Kollegen 2025 die Einzeldaten. Vier Versuche mit 966 Frauen ergaben für Geburten vor Woche 33 ein relatives Risiko von 0,63. Mütterliche Nebenwirkungen und Fehlbildungen unterschieden sich in der Analyse von 2018 nicht von Placebo. Eine US-Zulassung für diese Indikation folgte trotzdem nicht, unter anderem weil die amerikanische Untergruppe von PREGNANT den Effekt nicht trug.

Wo Progesteron nicht hilft

Bei Zwillingen ohne nachgewiesene kurze Zervix senkt vaginales Progesteron die Frühgeburt in den vorliegenden Übersichten nicht. SMFM rät 2024 ausdrücklich gegen die routinemäßige Gabe von Progesteron, Pessar oder Cerclage bei Zwillingsverkürzung außerhalb von Studien.

Eine Metaanalyse zu Mehrlingen aus dem Jahr 2023, die SMFM und Conde-Agudelo aufgreifen, fand in unausgewählten Zwillingskollektiven keinen Gewinn unabhängig von Dosis und Startzeitpunkt. Hinweise auf weniger sehr frühe Geburten und weniger neonatale Komplikationen bei Zwillingen mit höchstens 25 oder 30 Millimetern bleiben schwach, weil die Fallzahlen klein sind und eine einzelne Studie mit 600 Milligramm ab Woche 11 bis 14 einen großen Teil der Daten stellt. Drillinge und höhere Mehrlinge haben keine belastbare Grundlage.

Die Spritze mit 17-alpha-Hydroxyprogesteroncaproat, in den USA als Makena bekannt, gehört nicht mehr zur Standardversorgung. Die Food and Drug Administration zog die Zulassung am 6. April 2023 zurück, weil die bestätigende Studie den klinischen Nutzen nicht belegte. ACOG und SMFM raten seither von der intramuskulären Gabe ab, auch in Rezepturform. Vaginales Progesteron ist laut ACOG-Advisory vom April 2023, zuletzt im April 2025 nachgeführt, kein Ersatz für diese Spritze.

Nach einer früheren spontanen Frühgeburt zwischen Woche 20 und 37, aber mit einer Zervix über 25 Millimetern, soll ACOG das Gel nicht mehr als Vorbeugung anbieten. NICE bleibt hier weicher und lässt die vaginale Gabe bei Vorgeschichte auch ohne gemessene Verkürzung erwägen. Wer in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum behandelt wird, trifft auf beide Logiken. Die Messung der Zervix und ein offenes Gespräch über die widersprüchlichen Texte ersetzen die automatische Rezeptausstellung.

Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Anwendung

In den Frühgeburtsstudien war das Nebenwirkungsprofil dem Placebo ähnlich. Das US-Label des Gels listet dennoch Risiken, die für jedes Gestagenpräparat gelten, und sie müssen vor der ersten Dosis genannt werden.

DailyMed nennt als Gegenanzeigen ungeklärte Scheidenblutung, bestehende Thrombophlebitis oder Thromboembolie sowie eine frühere hormonassoziierte Gerinnselkrankheit. Treten Wadenschmerz, plötzliche Luftnot, Bluthusten, starke Kopfschmerzen, Seh- oder Sprachstörungen oder einseitige Schwäche auf, ist das Präparat sofort zu stoppen und notfallmedizinisch zu klären. In Studien zur Kinderwunschbehandlung wurden unter anderem Unterbauchschmerz, Dammbeschwerden, Kopfschmerz, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Gelenkschmerz, Brustspannen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und vermehrter Ausfluss berichtet. Schläfrigkeit kommt vor, weil Progesteron zentral dämpfen kann.

Die Packungsbeilage erwähnt seltene Berichte über Bauchwanddefekte und Gaumenspalten nach früher Anwendung; ein Ursachenzusammenhang ist nicht belegt. Romero 2018 fand in den gepoolten Frühgeburtsversuchen keinen Anstieg von Fehlbildungen. Andere lokale Scheidentherapien sollen sechs Stunden Abstand halten. Ein Teil des Gels kann als weiße Krümel wiedererscheinen, das ist vorgesehen.

Selbst ansetzen, die Dosis verdoppeln oder das Präparat nach dem 34. oder 36. Wochenziel eigenmächtig weiterführen, gehört nicht zur sicheren Anwendung. Wer eine Dosis vergessen hat, holt sie nicht als Doppelung nach, sondern fragt das betreuende Team nach der nächsten Einlage.

Wann muss ich trotz Gel in die Klinik?

Regelmäßige Wehen, Abgang von Flüssigkeit, Blutung oder weniger Kindsbewegungen sind Gründe, noch am selben Tag die Kreißsaaltriage aufzusuchen, auch wenn das Gel planmäßig läuft. Das NHS nennt Fieber oder Schüttelfrost, grünlichen oder übelriechenden Ausfluss, Blutung, Unterbauch- oder Rückenschmerz mit Kontraktionen und jede Änderung des Bewegungsmusters als Sofortgründe.

Das MSD Manual beschreibt vorzeitige Wehen als Geburtsbeginn vor vollendeten 37 Wochen. Viele Frauen spüren Kontraktionen, ohne dass die Geburt fortschreitet; umgekehrt kann eine diagnostizierte Frühgeburtsbestrebung trotzdem in eine Geburt münden. Abstriche von Zervix, Scheide und Analkanal können eine Infektion als Auslöser zeigen. Blutung oder geöffnete Fruchtblase verschieben das Ziel oft vom Aufhalten der Wehen zur Vorbereitung des Kindes.

Folgende Zeichen rechtfertigen denselben Weg in die Klinik, nicht das Warten auf die nächste Sprechstunde.

  • Kontraktionen, die regelmäßig kommen, den Bauch hart machen und in den Rücken ziehen, besonders vor Woche 37.
  • Flüssigkeit, die unwillkürlich abgeht, oder Ausfluss, der grün, blutig oder faulig riecht.
  • Fieber, Schüttelfrost oder das Gefühl, fiebrig zu sein, zusammen mit Unterbauchschmerz.
  • Weniger oder fehlende Kindsbewegungen gegenüber dem gewohnten Muster der letzten Tage.
  • Plötzliche einseitige Wadenschmerzen, Luftnot oder Sehstörungen unter der Hormontherapie.

Zwischen Woche 23 und 34, manchmal bis 37, kommen Kortikosteroide zur Lungenreife in Betracht, wenn eine Geburt droht. Magnesiumsulfat kann laut NHS zwischen Woche 24 und 29, einzeln auch bis 33, das kindliche Gehirn schützen. Diese Mittel ersetzt das Gel nicht. Sie gehören in die Klinik, sobald Wehen oder Blasensprung das Bild bestimmen.

Cerclage oder Pessar statt Gel?

Eine Cerclage ist bei Frauen ohne frühere Frühgeburt und ohne tastbare Öffnung in der Regel keine Alternative zum Gel. SMFM rät 2024 in dieser Gruppe bei sonographisch 10 bis 25 Millimetern gegen die Naht.

NICE stellt Gel und Cerclage gleichrangig zur Wahl, wenn beides zusammenkommt. Frühere spontane Frühgeburt bis 34+0 oder Verlust ab 16+0 Wochen plus eine Zervix von höchstens 25 Millimetern zwischen 16+0 und 24+0 Wochen. Ein Vorteil der einen Methode über die andere ist nicht belegt. Nach früher Frühgeburt und sehr kurzer Zervix, oft unter 15 Millimetern vor Woche 24, bleibt die ultraschallindizierte Cerclage in vielen Protokollen eine eigene Option und schließt Progesteron nicht automatisch aus.

Ob nach Beginn des Gels weiter gemessen werden soll, ob bei einem Abrutschen unter 10 Millimeter nachgenäht wird und ob das Hormon nach der Naht weiterläuft, ist nach SMFM 2024 nicht durch starke Studien geklärt. Rückblickende Serien berichten längere Latenz, wenn bei extremer Verkürzung eine Cerclage ergänzt wurde; das ist kein Beweis aus einem großen Losverfahren. Sichtbare Eihäute oder eine bereits offene Zervix ändern die Lage und gehören in die Untersuchung, nicht in die alleinige Rezeptur.

Das Arabin-Pessar, ein Silikonring um den Muttermund, hat SMFM 2024 für Einlinge mit kurzer Zervix nicht empfohlen. Die Fachgesellschaft sieht keinen Platz für die routinemäßige Kombination aus Progesteron, Pessar und Cerclage bei Zwillingen außerhalb von Studien. Bettruhe als Dauerverordnung ersetzt keines dieser Verfahren.

Häufige Fragen

Hilft vaginales Progesteron-Gel wirklich gegen Frühgeburt?

Ja, bei Einling und sonographisch kurzer Zervix senken Gel und Kapseln in gepoolten Einzeldaten die Rate sehr früher Geburten. Romero 2018 und das Update 2025 nach Ausschluss einer zurückgezogenen Studie zeigten relative Risiken um 0,62 bis 0,63 für die Geburt vor Woche 33. Eine Garantie, dass das eigene Kind reif geboren wird, folgt daraus nicht.

Ab welcher Muttermundlänge wird das Gel empfohlen?

SMFM empfiehlt die Gabe klar bei höchstens 20 Millimetern vor Woche 24 und erwägt sie bei 21 bis 25 Millimetern. NICE nutzt 25 Millimeter als Schwelle und knüpft die stärkste Empfehlung an die Kombination mit einer früheren Frühgeburt oder einem späten Verlust. Die Messung muss transvaginal und standardisiert sein.

Ist das 90-Milligramm-Gel besser als die 200-Milligramm-Kapsel?

Einen belastbaren Vergleich, der eine Form zur Pflicht macht, gibt es nicht. SMFM nennt beide als die am besten untersuchten Zubereitungen und verzichtet auf eine Dosisvorgabe. Die Wahl folgt Verfügbarkeit, Verträglichkeit und der Erfahrung der Praxis, nicht dem Markennamen.

Darf ich das Gel bei Zwillingen nutzen?

Als Routine bei unausgewählten Zwillingen nein. SMFM lehnt 2024 die regelhafte Gabe bei Mehrlingen mit verkürzter Zervix außerhalb von Studien ab. Einzelne Auswertungen zu Zwillingen mit kurzem Muttermund bleiben zu klein, um daraus eine Standardtherapie zu machen.

Welche Nebenwirkungen sind häufig, und wann ist das Gel verboten?

In den Frühgeburtsstudien glichen die Beschwerden oft dem Placebo. Das Label nennt Unterbauchschmerz, Ausfluss, Kopfschmerz, Übelkeit, Brustspannen und Müdigkeit; Gerinnselzeichen sind ein Notfall. Ungeklärte Blutung und eine hormonassoziierte Thrombose in der Vorgeschichte stehen im DailyMed-Text als Gegenanzeigen.

Wann muss ich trotz laufender Therapie in die Klinik?

Bei regelmäßigen Wehen, Flüssigkeitsabgang, Blutung, Fieber oder weniger Kindsbewegungen noch am selben Tag. Das NHS listet dieselben Warnzeichen und erinnert an Steroide und Magnesium in der Klinik. Das Gel hält eine begonnene Frühgeburt nicht zuverlässig auf.

Ersetzt das Gel eine Cerclage?

Nein. Bei früher Frühgeburt plus kurzer Zervix stellt NICE beide Verfahren zur Wahl. Ohne Vorgeschichte und ohne Öffnung rät SMFM gegen die Naht. Sichtbare Eihäute oder eine Dilatation gehören zur Untersuchung, nicht zur alleinigen Gelverordnung.

Fazit

Wer in der Mitte der Schwangerschaft einen kurzen Gebärmutterhals hat und ein Kind trägt, kann vaginales Progesteron als eine der wenigen Maßnahmen erwarten, die in großen Losverfahren die sehr frühe Geburt und schwere neonatale Komplikationen seltener gemacht haben. Die Schwelle, der Start zwischen Woche 16 und 24 und das Ende um Woche 34 bis 36 gehören ins Gespräch mit der betreuenden Praxis, ebenso die Frage, ob eine frühere Frühgeburt eher zur Cerclage als zum alleinigen Gel führt.

Was 2018 noch oft als breite Hormonprophylaxe erzählt wurde, ist enger geworden. Die Spritze gegen wiederholte Frühgeburt ist in den USA vom Markt, das Gel ersetzt sie nicht, und eine lange Zervix nach früher Frühgeburt ist für ACOG kein Rezeptgrund mehr. Zwillinge bleiben ohne überzeugende Routineindikation.

Für den nächsten Tag zählt weniger die Marke des Applikators als drei konkrete Schritte. Die Zervixlänge nachfragen, falls sie noch nicht vaginal gemessen wurde. Das Rezept nur nach Indikation und mit klarem Stoppdatum mitnehmen. Wehen, nasse Wäsche, Blutung oder ruhigeres Kind nicht zu Hause beobachten, sondern in der Geburtshilfe vorstellen.

Quellen

  1. Society for Maternal-Fetal Medicine: SMFM Consult Series #70: Management of short cervix in individuals without a history of spontaneous preterm birth. American Journal of Obstetrics & Gynecology, 15. Mai 2024.
  2. NICE: Preterm labour and birth. National Institute for Health and Care Excellence / NCBI Bookshelf, Stand: 2022.
  3. American College of Obstetricians and Gynecologists: Updated Clinical Guidance for the Use of Progestogen Supplementation for the Prevention of Recurrent Preterm Birth. American College of Obstetricians and Gynecologists, 11. April 2025.
  4. Romero R, Conde-Agudelo A et al.: Vaginal progesterone for preventing preterm birth and adverse perinatal outcomes in singleton gestations with a short cervix: a meta-analysis of individual patient data. American Journal of Obstetrics & Gynecology, Februar 2018.
  5. Romero R, Conde-Agudelo A et al.: Vaginal progesterone reduces the risk of preterm birth and adverse perinatal outcomes in singleton gestations with a midtrimester sonographic short cervix (≤25 mm): an updated individual patient data meta-analysis. American Journal of Obstetrics & Gynecology, 13. März 2025.
  6. Conde-Agudelo A, Romero R: Vaginal progesterone for the prevention of preterm birth: who can benefit and who cannot? Evidence-based recommendations for clinical use. Journal of Perinatal Medicine, 2022.
  7. AbbVie: CRINONE- progesterone gel. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: 2024.
  8. U.S. Food and Drug Administration: FDA Commissioner and Chief Scientist Announce Decision to Withdraw Approval of Makena. U.S. Food and Drug Administration, 6. April 2023.
  9. World Health Organization: Preterm birth fact sheet. World Health Organization, 10. Mai 2023.
  10. NHS: Premature labour and birth. National Health Service, Stand: 2024.
  11. MSD Manuals: Preterm Labor – Women’s Health. MSD Manual Consumer Version, Stand: 2024.
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