Kann Vitamin D3 Herzschäden wirklich umkehren?

Kann Vitamin D3 Herzschäden wirklich umkehren?

Vitamin D3 kehrt bereits entstandene Herzschäden nicht um und senkt in großen randomisierten Studien das Risiko für Infarkt, Schlaganfall oder Herztod nicht zuverlässig. Die Zellarbeit von 2018, die diese Hoffnung auslöste, prüfte das bereits aktivierte Hormon Calcitriol an gezüchteten Gefäßzellen, nicht Colecalciferol-Kapseln am Menschen. Beobachtungsstudien hatten niedrige Blutspiegel mit mehr Herzereignissen verknüpft; als Forscher Präparate gegen Placebo stellten, blieb der Schutz aus.

Das ändert nichts daran, dass Colecalciferol für Knochen, Calciumaufnahme und Muskeln nötig bleibt. Die US-Nährstoffbehörde ODS nennt für Erwachsene 15 Mikrogramm (600 Internationale Einheiten) täglich bis zum 70. Lebensjahr und 20 Mikrogramm (800 IE) danach. Die Endocrine Society riet 2024 Gesunden unter 75 Jahren von Extra-Dosen oberhalb dieser Referenz ab und von Routine-Bluttests. Wer Brustschmerz, plötzliche Luftnot oder halbseitige Schwäche spürt, gehört in die Notaufnahme, nicht an das Supermarktregal.

Kann Vitamin D3 Herzschäden wirklich umkehren?

Nein. Weder zerstörtes Herzmuskelgewebe nach einem Infarkt noch verkalkte Plaques in Arterien lassen sich mit Colecalciferol-Kapseln zurückdrehen. Das Merck Manual hält 2026 fest, dass eine Ergänzung Herzkrankheit weder wirksam behandelt noch verhindert. Das Fachblatt der US-Nährstoffbehörde kommt nach den großen Versuchen zum selben Schluss: Präparate senken das Risiko, eine Herzkrankheit zu bekommen oder daran zu sterben, auch dann nicht, wenn der Blutspiegel niedrig war.

Die ältere Botschaft, das Sonnenvitamin könne das Herz „reparieren“, stammte aus einem Zellmodell und aus Interviews, nicht aus Patientenstudien mit harten Endpunkten. Khan, Dawoud und Malinski maßen 2018 an einzelnen Endothelzellen Stickstoffmonoxid und Peroxinitrit. Das ist ein Mechanismus-Hinweis. Ein Mechanismus erklärt, warum ein Stoff in der Schale etwas tut; er beweist nicht, dass Schlucken denselben Effekt im lebenden Kreislauf hat.

Wer nach einem Infarkt oder mit Herzschwäche lebt, braucht die etablierte Therapie: Blutdruck, Lipide, Gerinnung, Bewegung nach Reha-Plan, Nikotinverzicht. Ein Vitamin ersetzt keines dieser Ziele. Die American Heart Association riet nach der vorläufigen TARGET-D-Präsentation 2025 ausdrücklich, Dosisänderungen mit der Kardiologie zu besprechen statt selbst hochzudosieren.

Vitamin-D-Ergänzungen im Herzen

Was zeigte die Zellarbeit von 2018?

Die Arbeit zeigte, dass das aktive Hormon Calcitriol in einem Zellmodell die Balance zwischen schützendem Stickstoffmonoxid und schädlichem Peroxinitrit wiederherstellen kann. Sie zeigte nicht, dass eine Kapsel aus der Apotheke Narben im Herzmuskel auflöst. Die Autoren nutzten menschliche Nabelschnur-Endothelzellen, setzten sie Angiotensin II aus, um ein Bluthochdruck-ähnliches Schadenbild zu erzeugen, und maßen mit Nanosensoren.

Calcitriol ist 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D, die Form, die Leber und Niere erst nach zwei Hydroxylierungsschritten herstellen. Die NIH-Übersicht betont, dass Colecalciferol aus Sonne, Speisen oder Präparaten selbst biologisch inaktiv ist. In der Schale lag die Prüfkonzentration bei 1 Mikromol pro Liter. Das ist eine Laborbedingung, kein Blutspiegel nach 800 IE zum Frühstück.

Nach Angiotensin II fiel das Verhältnis von Stickstoffmonoxid zu Peroxinitrit stark. Unter Calcitriol stieg es wieder, in Zellen von Spendern europäischer und afroamerikanischer Herkunft. Ungekoppelte endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthase und NADPH-Oxidase trugen zum oxidativen Stress bei; das Hormon dämpfte diese Überproduktion. Die Autoren schrieben, der Befund könne für Bluthochdruck, Herzschwäche, Infarkt, Schlaganfall und Diabetes relevant sein. Das blieb eine Hypothese. Zwischen einer gewaschenen Zellschicht und einem Patienten mit Plaque, Thrombus und Narben liegen viele Schritte, die spätere Großstudien dann geprüft haben.

Was belegen große Herzstudien seit 2018?

Feste Dosen Colecalciferol senken in der Primärprävention Infarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod nicht zuverlässig. Die VITAL-Studie randomisierte 25.871 Erwachsene in den USA, Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren, auf 2000 IE Vitamin D3 täglich oder Placebo. Nach im Median 5,3 Jahren lag die Hazard Ratio für schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei 0,97 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,85 bis 1,12). Für den Infarkt betrug sie 0,96, für den Schlaganfall 0,95, für den Herztod 1,11. Keiner dieser Unterschiede war statistisch gesichert.

Barbarawi und Kollegen fassten 2019 einundzwanzig randomisierte Versuche mit 83.291 Teilnehmenden zusammen. Das relative Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse lag bei 1,00, für Infarkt bei 1,00, für Schlaganfall bei 1,06, für kardiovaskulären Tod bei 0,98. Die Autoren schrieben klar: Eine Ergänzung ist für den Herzschutz nicht angezeigt. Die NIH-Zusammenfassung zitiert zusätzlich die neuseeländische ViDA-Studie: monatliche Hochdosen veränderten Infarkt, Angina, Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Arteriosklerose, Schlaganfall oder venöse Thrombosen nicht.

Die australische D-Health-Studie prüfte 21.315 Personen zwischen 60 und 84 Jahren mit 60.000 IE einmal im Monat über bis zu fünf Jahre. Die Hazard Ratio für schwere Ereignisse lag bei 0,91 (0,81 bis 1,01), der Infarkt bei 0,81 (0,67 bis 0,98). Die absolute Differenz betrug minus 5,8 Ereignisse pro 1000 Teilnehmende; 172 Personen müssten behandelt werden, um ein Ereignis zu vermeiden. Das Konfidenzintervall für den Hauptendpunkt schloss die Null ein. Die Autorinnen selbst nannten den Unterschied klein und forderten weitere Prüfung, keine flächendeckende Hochdosis.

Studie Dosis und Dauer Was gemessen wurde Ergebnis
VITAL 2019 2000 IE täglich, 5,3 Jahre Infarkt, Schlaganfall, Herztod Hazard Ratio 0,97, kein gesicherter Nutzen
Barbarawi 2019 21 Versuche, ≥1 Jahr schwere kardiovaskuläre Ereignisse relatives Risiko 1,00
ViDA (laut NIH) 100.000 IE monatlich, 3,3 Jahre Infarkt, Herzschwäche, Schlaganfall kein Effekt auf diese Endpunkte
D-Health 2023 60.000 IE monatlich, 5 Jahre Infarkt, Schlaganfall, Revaskularisation Hazard Ratio 0,91, Intervall schließt Null ein

Die Tabelle ist keine Einnahmeempfehlung. Sie zeigt, warum 2018er-Hoffnung und heutige Leitlinie auseinanderliegen: Sobald Placebo und große Zahlen dazukommen, verschwindet der klare Herzschutz.

Warum Beobachtung und Versuch auseinanderlaufen

Niedrige 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel und mehr Herzereignisse treten oft gemeinsam auf, ohne dass der Mangel der Auslöser sein muss. Menschen mit schwerer Krankheit gehen seltener ins Freie, essen weniger fetten Fisch und tragen mehr Körpergewicht. Fettgewebe bindet das fettlösliche Vitamin; die Cleveland Clinic nennt einen Body-Mass-Index über 30 als Faktor für niedrigere Spiegel. Wer wenig läuft, hat zugleich weniger Muskelarbeit, schlechtere Blutfette und häufiger Diabetes.

Das NIH-Datenblatt beschreibt genau diese Lücke: Beobachtung knüpft höhere Spiegel an weniger Infarkte und Todesfälle, randomisierte Gaben bestätigen den Schutz nicht. Die Endocrine Society schreibt 2024, ein ursächlicher Zusammenhang zu vielen Erkrankungen sei nicht klar belegt, obwohl Assoziationen die Test- und Kapselwelle angetrieben haben. Mendel-Randomisierungen, die genetisch vorhergesagte Spiegel prüfen, haben in der Synthese zur Leitlinie ebenfalls keinen Nutzen bei Mangel gezeigt.

Ein zweiter Störfaktor ist der Test selbst. Labore nutzen Antikörper- oder Chromatographieverfahren; dasselbe Serum kann zu niedrig oder zu hoch ausfallen. Das NIH nennt das Vitamin-D-Standardisierungsprogramm als Antwort auf diese Streuung. Wer einen einzelnen Winterwert zur Therapie macht, behandelt oft die Jahreszeit, nicht das Herz.

Wie wirkt Vitamin D an Gefäßwand und Herz?

Colecalciferol selbst steuert das Herz nicht direkt; erst Calcitriol bindet den Vitamin-D-Rezeptor, der in vielen Geweben vorkommt, darunter Gefäßmuskel und Herzmuskel. Laut NIH-Fachinformation wirken Calcitriol-Signale auf Entzündung, Zellwachstum, Immunfunktion und Glucoseumsatz. Am Knochen sichert Calcitriol die Calcium- und Phosphataufnahme; ohne diese Mineralisierung werden Knochen weich, bei Kindern als Rachitis, bei Erwachsenen als Osteomalazie.

An der Gefäßinnenhaut kann Calcitriol im Labor Stickstoffmonoxid freisetzen und oxidativen Stress senken, wie die Ohio-Arbeit zeigte. Stickstoffmonoxid weitet Arteriolen und hemmt die Thrombozytenaggregation. Peroxinitrit entsteht, wenn Superoxid und Stickstoffmonoxid zusammentreffen, und schädigt Lipide und Proteine. Diese Biochemie erklärt, warum Forscher 2018 von einer „Reparatur“ sprachen. Sie erklärt nicht, warum 2000 IE täglich in VITAL den Infarkt nicht senkten.

Mögliche Gründe für die Lücke liegen auf der Hand. Orales Colecalciferol muss erst hydroxyliert werden; die Niere regelt Calcitriol eng über Parathormon, Calcium und Phosphat. Ein Großteil der VITAL-Teilnehmenden hatte zu Beginn bereits ausreichende Spiegel. Wer schon 20 Nanogramm pro Milliliter hat, gewinnt durch Extra-Kapseln wenig Rezeptorwirkung. Und Endothel in der Schale kennt weder Plaqueruptur noch Stent noch duale Hemmung der Thrombozyten.

Welche Blutwerte gelten als ausreichend?

Für Knochen und allgemeinen Bedarf gelten laut Food and Nutrition Board 50 Nanomol pro Liter (20 Nanogramm pro Milliliter) 25-Hydroxy-Vitamin-D als ausreichend. Unter 30 Nanomol (12 Nanogramm) steigt das Risiko für Rachitis und Osteomalazie. Zwischen 30 und 50 Nanomol gilt der Wert oft als unzureichend. Über 125 Nanomol (50 Nanogramm) verknüpft dasselbe Gremium mit möglichen Schäden, besonders jenseits von 150 Nanomol (60 Nanogramm).

Die Endocrine Society hat 2024 bewusst keine Zielkorridore für Gesunde neu festgezurrt und rät vom Routine-Test ab, auch bei Adipositas oder dunkler Haut. Das Merck Manual schreibt 2026, Screening bei Erwachsenen ohne Beschwerden sei nicht mehr empfohlen und habe keinen Nutzen gezeigt. TARGET-D zielte später auf 40 bis 80 Nanogramm; das liegt oberhalb der Schwelle, die das Food and Nutrition Board als möglichen Risikobereich markiert. Beide Angaben nebeneinanderlegen, nicht mitteln: Die eine ist eine vorläufige Infarkt-Sekundäranalyse, die andere eine Langzeit-Sicherheitsgrenze.

25(OH)D ng/ml Was das Food and Nutrition Board damit verbindet
unter 30 nmol/l unter 12 Mangelrisiko, Rachitis, Osteomalazie
30 bis unter 50 12 bis unter 20 für Knochen oft unzureichend
50 oder mehr 20 oder mehr für die meisten Menschen ausreichend
über 125 über 50 mögliche unerwünschte Effekte

Einheiten verwechseln leicht. Ein Nanogramm pro Milliliter entspricht 2,5 Nanomol pro Liter. Wer einen Laborzettel liest, sollte die Einheit prüfen, bevor eine Dosis steigt.

Wer braucht wie viel Vitamin D3?

Erwachsene zwischen 19 und 70 Jahren brauchen laut NIH 15 Mikrogramm (600 IE) pro Tag, ältere 20 Mikrogramm (800 IE), Schwangere und Stillende 15 Mikrogramm. Säuglinge erhalten 10 Mikrogramm (400 IE); die American Academy of Pediatrics empfiehlt das für gestillte Kinder kurz nach der Geburt, weil Muttermilch wenig enthält. Die Endocrine Society schlägt 2024 empirische Ergänzung für Kinder und Jugendliche, für Menschen ab 75, in der Schwangerschaft und bei hohem Prädiabetes-Risiko vor, jeweils zusätzlich zur Lebensstiltherapie wo sie gilt.

Gesunde unter 75 Jahren sollen die Referenzdeckung einhalten, nicht automatisch höher gehen. Tägliche kleine Mengen sind der intermittierenden Hochdosis vorzuziehen, weil Bolusgaben in der Leitlinien-Übersicht Stürze vermehren können. D3 hebt den Blutspiegel stärker und länger als D2; MedlinePlus und die Cleveland Clinic nennen diesen Unterschied. Beide Formen heilen Rachitis, D3 ist in den meisten frei verkäuflichen Präparaten die Standardwahl.

Fettige Fische liefern natürlich Colecalciferol. Das NIH listet für 85 Gramm gegarte Regenbogenforelle 16,2 Mikrogramm (645 IE) und für Sockeye-Lachs 14,2 Mikrogramm (570 IE). Ein großer Rührei enthält etwa 1,1 Mikrogramm, vor allem im Dotter. Viele Milchsorten und PflanzenDrinks sind angereichert, Käse und Speiseeis meist nicht. Sonne bildet in unbedeckter Haut Vorstufen, Glas blockiert UVB, und Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 15 bleibt wegen Hautkrebs trotzdem sinnvoll.

  • Fetten Seefisch ein- bis zweimal pro Woche auf den Teller zu legen, deckt einen Teil des Tagesbedarfs, ersetzt aber bei wenig Sonne selten die volle Referenz.
  • Ein Präparat mit 600 bis 800 IE zum fetthaltigen Essen zu nehmen, entspricht der Referenz für die meisten Erwachsenen ohne nachgewiesenen Mangel.
  • Hochdosen über der Obergrenze von 100 Mikrogramm (4000 IE) gehören nur in ärztlich geplante Mangeltherapie, nicht in die Selbstmedikation.

Wann zum Arzt und wann testen?

Brustschmerz, Luftnot in Ruhe, kalter Schweiß, plötzliche Schwäche einer Körperseite oder Sprachstörung sind Notfälle; dort zählt die Minute, nicht der Vitaminwert. Knochen- und Muskelschmerz, proximaler Kraftverlust oder Krämpfe bei niedrigem Calcium können auf Osteomalazie oder schweren Mangel weisen und gehören in die Sprechstunde. Die Cleveland Clinic nennt Müdigkeit, Knochenschmerz, Muskelkrämpfe und Stimmungsschwankungen als mögliche, aber unspezifische Zeichen; viele Betroffene haben gar keine Beschwerden.

Die Endocrine Society rät 2024 bei gesunden Erwachsenen gegen den Routine-25-Hydroxy-Test, auch jenseits von 75 Jahren, wenn kein etablierter Anlass vorliegt. Etablierte Anlässe bleiben Hypocalcämie, klinischer Verdacht auf Osteomalazie, schwere Malabsorption, bestimmte Nieren- und Lebererkrankungen oder Medikamente, die den Stoffwechsel stören. Das Merck Manual listet unzureichende Sonne plus arme Kost als häufigste Ursache und warnt vor Tests ohne Symptom oder Risiko.

Nach einem Infarkt oder bei bekannter koronarer Krankheit entscheidet die behandelnde Kardiologie, ob ein Spiegel sinnvoll ist. TARGET-D hat 630 Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom eingeschlossen; das ist eine andere Population als die gesunden VITAL-Teilnehmenden. Solange die Vollpublikation fehlt und der primäre Endpunkt (schwere Ereignisse inklusive Tod, Herzschwäche und Schlaganfall) nicht signifikant war, bleibt ein „Treat-to-target“-Schema Forschungsfrage, keine Leitlinienpflicht.

Welche Risiken und Wechselwirkungen gelten?

Mehr als 4000 IE täglich können laut Mayo Clinic Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Muskelschwäche, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen sowie Nierensteine und Nierenschäden auslösen. Das NIH beschreibt toxische Spiegel typischerweise über 375 Nanomol (150 Nanogramm) mit Hypercalcämie, viel Durst, viel Urin und im Extremfall Nierenversagen, Weichteilverkalkung einschließlich Herzklappen und Tod. Sonne allein erzeugt diese Toxizität nicht, weil die Haut die Bildung begrenzt; fast immer sind überdosierte Präparate die Ursache.

Die Endocrine-Society-Übersicht fand in randomisierten Versuchen ein relatives Risiko von 1,10 für Nierensteine. In der Women’s-Health-Initiative erhöhte die Kombination aus 1000 Milligramm Calcium und 400 IE Vitamin D über sieben Jahre das Steinrisiko um 17 Prozent. Bei Übergewicht plus Calcium plus mehr als 800 IE täglich kann laut NIH-Verbraucherblatt der Blutdruck steigen statt fallen. Das Food and Nutrition Board knüpft selbst Spiegel zwischen etwa 75 und 120 Nanomol an mehr Gesamtsterblichkeit, einzelne Krebsarten, Herzereignisse sowie Stürze und Brüche bei Älteren.

Wechselwirkungen betreffen den Alltag der Herzmedizin. Hohe Dosen plus Digoxin erhöhen über Hypercalcämie das Risiko gefährlicher Rhythmusstörungen. Diltiazem und Verapamil können bei zu viel Calcium schlechter wirken. Thiaziddiuretika halten Calcium in der Niere zurück; zusammen mit Colecalciferol steigt die Hypercalcämie-Gefahr, besonders bei älterer Niere. Orlistat und Gallensäurebinder senken die Aufnahme. Prednison stört den Vitamin-D-Stoffwechsel. Hochdosen können Atorvastatin, Simvastatin und Lovastatin um dasselbe Enzym konkurrieren.

  • Wer Digoxin, Verapamil, Diltiazem oder ein Thiazid nimmt, sollte eine neue Hochdosis nicht allein beginnen.
  • Wer Gallensteine, Sarkoidose oder eine schwere Nierenkrankheit hat, braucht vor jeder Extra-Kapsel eine ärztliche Freigabe.
  • Wer mehrere Multivitamine stapelt, addiert unbemerkt IE und kann die Obergrenze überschreiten, ohne eine einzelne „Megadosis“ zu merken.

Häufige Fragen

Hilft Vitamin D3 nach einem Herzinfarkt?

Als Standardtherapie nach dem Infarkt ist Colecalciferol nicht belegt. VITAL prüfte vor allem Menschen ohne bekannte Herzkrankheit und fand keinen Schutz. TARGET-D, vorgestellt im November 2025, senkte den zusammengesetzten Hauptendpunkt nicht signifikant; nur der sekundäre Infarkt war in der Intention-to-treat-Auswertung seltener. Die American Heart Association kennzeichnet Kongressabstracts als vorläufig, bis eine begutachtete Arbeit erscheint.

Soll ich ohne Blutwert ein Präparat nehmen?

Gesunde unter 75 Jahren sollen laut Endocrine Society 2024 die Referenz von 600 bis 800 IE decken, nicht automatisch höher dosieren und nicht routinemäßig messen. Ab 75 Jahren, in der Schwangerschaft, bei Kindern und bei hohem Prädiabetes-Risiko hält dieselbe Leitlinie eine empirische Ergänzung für vertretbar. Ein Test bleibt sinnvoll, wenn Knochen- oder Calciumkrankheit, schwere Malabsorption oder eine Therapieplanung das erfordern.

Ist Vitamin D2 oder D3 besser fürs Herz?

Für den Herzschutz ist keine der beiden Formen in großen Versuchen überlegen, weil der Herzschutz selbst fehlt. D3 hebt den 25-Hydroxy-Spiegel stärker und hält ihn länger als D2; MedlinePlus und die Cleveland Clinic beschreiben das. Rachitis heilen beide. Wer pflanzlich leben will, findet D2 aus Hefe oder D3 aus Flechten; der Herzbefund ändert sich dadurch nicht.

Kann Sonnenlicht den Herzschutz ersetzen?

Sonne bildet Colecalciferol in der Haut, ersetzt aber weder Statine noch Blutdruckmittel noch einen gerufenen Notarzt. UVB durchs Fenster wirkt nicht. Dunkle Haut und höheres Alter bilden weniger. Dermatologische Leitlinien setzen Sonnenschutz gegen Hautkrebs; das NIH nennt Lichtschutzfaktor 15 oder mehr bei längerem Aufenthalt im Freien. Ein Sonnenbrand ist kein Therapieplan.

Welche Dosis ist zu hoch?

Für Erwachsene liegt die tolerable Obergrenze bei 100 Mikrogramm (4000 IE) aus allen Quellen zusammen, sofern niemand einen dokumentierten Mangel unter Aufsicht behandelt. Mayo Clinic warnt oberhalb dieser Grenze vor Rhythmusstörungen und Nierenschäden. TARGET-D titrierte bei einem Teil auf über 5000 IE täglich; das lag in einem überwachten Protokoll mit Calciumkontrolle, nicht in der Hausapotheke.

Senkt Vitamin D3 den Blutdruck?

Manche kleinen Arbeiten sahen niedrigere Cholesterin- oder Druckwerte, andere nicht. Das NIH-Verbraucherblatt nennt gemischte Befunde und warnt, dass Übergewicht plus Calcium plus mehr als 800 IE den Druck sogar erhöhen kann. VITAL und die Barbarawi-Metaanalyse senkten schwere Herzereignisse nicht; ein alltagstauglicher Blutdruckeffekt als Ersatz für ACE-Hemmer oder Sartane folgt daraus nicht.

Fazit

Colecalciferol bleibt ein Knochen- und Muskelvitamin mit klarer Referenzdosis, nicht ein Mittel, das Herzschäden rückgängig macht. Die Zelldaten von 2018 erklären einen möglichen Gefäßmechanismus. Die Großstudien ab 2019 und die Leitlinie der Endocrine Society von 2024 haben daraus keinen Auftrag gemacht, Gesunde hoch zu dosieren oder jeden Winterwert zu jagen.

Praktisch heißt das: 600 bis 800 IE über Speisen, Anreicherung oder ein einfaches Präparat decken den Bedarf der meisten Erwachsenen. Tests und höhere Mengen gehören zu Mangel, Knochenkrankheit, bestimmten Darm- und Nierenleiden oder in ein Studienprotokoll. Brustschmerz, Luftnot und neurologische Ausfälle bleiben Notfälle. Wer bereits Herzmedikamente nimmt, spricht eine neue Kapsel mit der Praxis ab, bevor die Dosis die Obergrenze streift.

Quellen

  1. NIH Office of Dietary Supplements: Vitamin D – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health Office of Dietary Supplements, Stand: 2025.
  2. Endocrine Society: Vitamin D for the Prevention of Disease. Endocrine Society, 3. Juni 2024.
  3. Manson JE, Cook NR, Lee IM et al.: Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease. New England Journal of Medicine, 3. Januar 2019.
  4. Khan A, Dawoud H, Malinski T: Nanomedical studies of the restoration of nitric oxide/peroxynitrite balance in dysfunctional endothelium by 1,25-dihydroxy vitamin D3 – clinical implications for cardiovascular diseases. International Journal of Nanomedicine, 19. Januar 2018.
  5. Thompson B, Waterhouse M, English DR et al.: Vitamin D supplementation and major cardiovascular events: D-Health randomised controlled trial. The BMJ, 28. Juni 2023.
  6. Barbarawi M, Kheiri B, Zayed Y et al.: Vitamin D Supplementation and Cardiovascular Disease Risks in More Than 83 000 Individuals in 21 Randomized Clinical Trials. JAMA Cardiology, 1. August 2019.
  7. Mayo Clinic Staff: Vitamin D: Uses, side effects, and interactions. Mayo Clinic, 21. März 2025.
  8. Cleveland Clinic: Vitamin D Deficiency. Cleveland Clinic, 2. August 2022.
  9. Johnson LE: Vitamin D Deficiency. Merck Manual Consumer Version, Juni 2026.
  10. National Library of Medicine: Vitamin D (Cholecalciferol, Ergocalciferol). MedlinePlus, Stand: 2025.
  11. American Heart Association: Heart attack risk halved in adults with heart disease taking tailored vitamin D doses. American Heart Association Newsroom, 9. November 2025.
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