
Rothaarige entwickeln häufiger ein Melanom, weil Varianten im Melanocortin-1-Rezeptor (MC1R) die Haut vor allem Phäomelanin bilden lassen. Dieses rötlich-gelbe Pigment schirmt ultraviolette Strahlung schwächer ab als das dunkelbraune Eumelanin und kann zusätzlich oxidativen Stress in Melanozyten nähren. Cancer Research UK fasst Metaanalysen so zusammen, dass rotes oder rotblondes Haar das Melanomrisiko gegenüber dunklem Haar bis etwa verdreifachen kann.
Die Haarfarbe allein entscheidet nicht. Das US-amerikanische National Cancer Institute (NCI) hält fest, dass MC1R-Varianten das Risiko auch dann erhöhen können, wenn Haare und Haut nicht typisch rot und sehr hell wirken. Gleichzeitig bleibt UV-Licht der größte veränderbare Faktor: Die US-Seuchenschutzbehörde CDC nennt Sonnenbrände, Solarien und eine Haut, die rasch rötet, als klare Risikomerkmale. Wer rote Haare hat, braucht deshalb keinen Fatalismus, sondern einen nüchternen Plan aus Schutz, Selbstkontrolle und rechtzeitigem Hautarzttermin.
Warum rote Haare das Melanomrisiko erhöhen
Rote Haare markieren oft denselben biologischen Satz: helle Haut, Sommersprossen, Augen in Blau oder Grün und eine Haut, die eher verbrennt als bräunt. CDC und NCI führen genau diese Merkmale als Risikofaktoren für ein Melanom. Cancer Research UK rechnet den Hauttyp I, der häufig zu diesem Bild gehört, gegenüber Hauttyp IV mehr als doppelt so hoch.
Der gemeinsame Nenner ist selten „Pech mit der Sonne allein“. MC1R steuert, welches Melanin die Pigmentzellen herstellen. Fällt der Rezeptor schwach aus, entsteht vorwiegend Phäomelanin. Dann fehlt der dunkle Schirm, und die Haut sammelt UV-Schäden schneller. Robles-Espinoza und Kollegen schrieben 2016 in Nature Communications, Rothaarige machten weltweit etwa ein bis zwei Prozent der Menschen aus, stellten in den untersuchten Kohorten aber rund 16 Prozent der Melanompatienten.
Das relative Risiko ist ein Gruppenwert, kein individuelles Schicksal. Viele Rothaarige bleiben lebenslang ohne Melanom. Wer zusätzlich viele Muttermale, schwere Sonnenbrände in der Jugend oder Melanome in der engen Familie hat, liegt laut American Cancer Society (ACS) und Mayo Clinic klar über dem Durchschnitt. Umgekehrt senkt konsequenter UV-Schutz die Last, die auf einer genetisch empfindlichen Haut landet, auch wenn keine Creme das angeborene Risiko löscht.

Was MC1R, Eumelanin und Phäomelanin steuern
MC1R sitzt auf Melanozyten und antwortet auf das Hormon α-Melanozyten-stimulierendes Hormon. Springt der Rezeptor an, steigt der Botenstoff cAMP, die Zellen bilden dunkles Eumelanin und können DNA-Reparatur nach UV-Licht besser anschieben. Chen und Team beschrieben 2017 in Nature, dass dieser Schutz bei Rothaar-Varianten (RHC-Varianten) oft nur schwach läuft.
Eumelanin ist das braun-schwarze Pigment, das UV-Strahlung absorbiert und so die Erbsubstanz der Hautzellen abschirmen kann. Phäomelanin ist orange-rot und liefert die typische Haarfarbe. Es filtert UV-Licht deutlich schlechter. In Zellen mit viel Phäomelanin entstehen leichter reaktive Sauerstoffverbindungen, besonders wenn UVA dazukommt. Das NCI-PDQ zur Genetik des Hautkrebses betont, dass der Melanomzuwachs bei MC1R-Varianten nicht vollständig durch die sichtbare Pigmentierung erklärt wird.
Fachleute teilen häufige MC1R-Veränderungen grob in starke R-Allele und schwächere r-Allele. R-Allele hängen eng mit rotem Haar, heller Haut und schlechtem Bräunen zusammen. Williams, Olsen, Hayward und Whiteman kamen 2011 in einer Metaanalyse auf ein zusammengefasstes Odds Ratio von 2,44 für RHC-Varianten. Selbst Nicht-RHC-Varianten lagen bei 1,29. Der bevölkerungsbezogene Anteil, der auf RHC-Varianten entfiel, wurde mit etwa 16,8 Prozent beziffert.
- Starke R-Allele hängen typischerweise mit rotem Haar, heller Haut und schlechtem Bräunen zusammen.
- Schwächere r-Allele verändern die Haarfarbe oft kaum, können das Melanomrisiko aber trotzdem anheben.
- Zwei defekte Kopien verstärken den Rothaar-Phänotyp häufiger als eine einzelne Kopie.
- Der Rezeptor beeinflusst neben der Pigmentfarbe auch Reparaturwege nach UV-Schäden.
Kann Phäomelanin auch ohne Sonne schaden?
Ja, zumindest in einem Mausmodell, das den menschlichen Rothaar-Hintergrund nachbildet. Mitra und Kollegen zeigten 2012 in Nature, dass Tiere mit inaktivem Mc1r und dem Melanom-Onkoprotein BRAF V600E invasive Melanome entwickelten, ohne dass UV-Licht dazukam. Schalteten die Forscher die gesamte Pigmentbildung durch ein Albino-Allel aus, fiel die Melanomrate. Das spricht dafür, dass der Phäomelanin-Weg selbst oxidativen Schaden trägt, nicht nur die fehlende Bräune.
In der Haut der roten Mäuse lagen mehr oxidative DNA-Schäden und Lipidperoxide als in der albino Mc1r-Haut. Robles-Espinoza und Kollegen griffen diesen Befund 2016 auf: In menschlichen Melanomen trugen Träger eines R-Allels mehr klassische UV-Signaturen (C nach T) und zugleich andere Mutationsklassen. Das passt zu einem zweiten, oxidativen Pfad neben dem Sonnenbrand.
Für den Alltag heißt das nicht, dass Schatten nutzlos wäre. Mayo Clinic nennt UV-Licht weiter als führende Ursache der meisten Melanome. Gleichzeitig entstehen Melanome auch an Stellen, die kaum Sonne sehen. Wer nur den Sommerstrand meidet und den Rest des Jahres ungeschützt bleibt oder Solarien nutzt, unterschätzt beide Wege. Der Phäomelanin-Pfad erklärt, warum der Schutz ganzjährig und an bedeckten Arealen mitgedacht werden muss, nicht warum man die Sonne ignorieren dürfte.
Eine Genkopie ohne rotes Haar
Eine einzelne MC1R-Variante reicht oft nicht für knallrotes Haar, kann das Melanomrisiko aber trotzdem anheben. Williams und Kollegen fanden 2011 auch für Nicht-RHC-Varianten ein erhöhtes Odds Ratio. Das NCI-PDQ zitiert die internationale M-SKIP-Auswertung: Unter dunkler pigmentierten Menschen europäischer Herkunft ohne Sommersprossen und ohne rotes Haar lag das zusammengefasste Odds Ratio für MC1R-Varianten bei 3,14. Der Gen-Effekt wird dort sichtbarer, wo das Erscheinungsbild nicht schon selbst als Warnung dient.
Robles-Espinoza berichteten, dass schon ein R-Allel mit einer höheren somatischen Mutationslast im Tumor einherging. Für C>T-Mutationen lag die erwartete Zahl um 42 Prozent höher als ohne R-Allel. Dieser Zuwachs entsprach in ihrer Rechnung etwa 21 zusätzlichen Lebensjahren, nicht 21 Jahren Sonnenbaden. Zwischen einem und zwei R-Allelen zeigte sich kein klares Extra; viele Heterozygote ohne Rothaar-Phänotyp können also genetisch ähnlich empfindlich sein.
Praktisch folgt daraus eine einfache Regel. Wer in der Familie rote Haare, helle Haut oder Melanome hat, sollte sich nicht damit beruhigen, selbst brünett zu sein. ACS nennt eine familiäre Melanomvorgeschichte bei etwa jedem zehnten Betroffenen. Ein Gentest auf MC1R ist dafür nicht nötig. Sichtbare Merkmale, Muttermalzahl und UV-Biografie bleiben die Werkzeuge, mit denen Hautärzte das Risiko einschätzen.
Sonne, Solarium und Melanome unter der Kleidung
UV-Strahlung aus Sonne und Solarium bleibt der größte vermeidbare Treiber. CDC rät, die Haut ganzjährig zu schützen, weil UV-Strahlen auch bei Bewölkung und durch Reflexion an Wasser, Schnee oder Beton ankommen. Cancer Research UK führt rund 86 Prozent der Melanomfälle in Großbritannien auf zu viel UV zurück. Intermittierende, intensive Belastung, etwa Urlaubssonne oder Sonnenbäder, hängt enger mit Melanomen an Rumpf und Beinen zusammen als ständige Berufssonne.
Solarien sind kein Training für die Haut. Cancer Research UK beziffert das Melanomrisiko bei jemals genutztem Sonnenbett um 16 bis 25 Prozent höher, bei Erstnutzung vor dem 35. Lebensjahr um 59 Prozent. ACS warnt besonders, wenn das Solarium vor dem 30. Geburtstag beginnt. Ein „Grundbräunung“ schützt nicht vor Sonnenbrand; jede Farbänderung nach UV gilt laut CDC als Zeichen einer Verletzung, nicht als Gesundheitsbeweis.
Melanome wachsen nicht nur auf Stirn, Schultern und Unterarmen. Mayo Clinic beschreibt Tumoren an Fußsohlen, Handflächen, unter Nägeln, an der Kopfhaut und im Intimbereich. Bei dunklerer Haut sitzen solche versteckten Melanome relativ häufiger, sie kommen aber bei heller Haut ebenfalls vor. Der oxidative Phäomelanin-Weg macht plausibel, warum auch bedeckte Haut bei MC1R-Varianten nicht automatisch sicher ist. Selbstkontrolle muss deshalb den ganzen Körper umfassen, nicht nur die Sommerflächen.
Wie hoch ist das Risiko in Zahlen?
Gruppenzahlen helfen, die Größenordnung einzuordnen, ersetzen aber keine individuelle Beratung. Cancer Research UK und die Metaanalyse von Williams und Kollegen liefern die am besten belegten Relationen für Haarfarbe und MC1R. Das NCI ergänzt extreme Kombinationen aus Genotyp und Muttermalzahl aus einer australischen Studie.
| Merkmal | Größenordnung | Quelle |
|---|---|---|
| Rotes oder rotblondes Haar gegenüber dunklem Haar | bis etwa dreifach | Cancer Research UK (Olsen-Metaanalyse) |
| Blonde Haare gegenüber dunklem Haar | etwa zweifach | Cancer Research UK |
| Hauttyp I gegenüber Hauttyp IV | mehr als zweifach | Cancer Research UK |
| MC1R-RHC-Varianten | Odds Ratio 2,44 | Williams et al., 2011 |
| Nicht-RHC-MC1R-Varianten | Odds Ratio 1,29 | Williams et al., 2011 |
| Ein R-Allel und C>T-Mutationslast im Tumor | etwa 42 Prozent höher | Robles-Espinoza et al., 2016 |
In der australischen Arbeit, die das NCI-PDQ zitiert, hatten Menschen mit MC1R-R/R und mehr als 20 Muttermalen ein 25-fach höheres Melanomrisiko als Menschen mit Wildtyp-MC1R und null bis vier Muttermalen. Das absolute Risiko bis zum 75. Lebensjahr lag dort bei 23,3 Prozent für Männer und 19,3 Prozent für Frauen. Das ist eine Hochrisikokonstellation unter starker Sonne, kein Wert für Mitteleuropa.
Im Vereinigten Königreich schätzt Cancer Research UK das Lebenszeitrisiko auf etwa 1 zu 41 bei Frauen und 1 zu 35 bei Männern des Jahrgangs 1961. Wer rote Haare hat, liegt über diesem Mittel, bleibt aber weit entfernt von einer sicheren Diagnose. Relative Risiken multiplizieren sich mit anderen Faktoren; sie addieren sich nicht einfach wie Punkte auf einer Liste.
Welche weiteren Faktoren das Risiko steigern
Neben Haar- und Hautfarbe zählen Muttermale, Sonnenbrände, Familie, Alter und das Immunsystem. Cancer Research UK nennt bei mehr als 100 gewöhnlichen Muttermalen gegenüber sehr wenigen (0 bis 15) ein fast siebenfach höheres Melanomrisiko. Ungewöhnlich geformte oder große Muttermale (atypische Nävi) hängen mit dem Vier- bis Zehnfachen zusammen. Sommersprossen verdoppeln das Risiko in derselben Metaanalyse, unabhängig von der Muttermalzahl.
Ein oder mehrere blasenbildende Sonnenbrände, besonders in Kindheit und Jugend, gehören zu den klassischen Auslösern, die NCI und Mayo Clinic nennen. Cancer Research UK berichtet ein etwa dreifaches Risiko, wenn Sonnenbrände etwa alle zwei Jahre vorkamen. ACS hält fest, dass Melanome an Rumpf und Beinen eher mit solchen Schüben zusammenhängen, Melanome an Gesicht, Hals und Armen eher mit ständiger Sonne.
Familiäre Häufung, ein früheres eigenes Melanom oder bereits behandelte Basalzell- und Plattenepithelkarzinome erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Tumors. ACS nennt geschwächte Abwehr nach Organtransplantation, bei HIV oder bestimmten Blutkrebsformen als zusätzlichen Faktor. Männer ab etwa 50 Jahren tragen in den USA das höhere Risiko, zuvor Frauen. Keiner dieser Punkte ersetzt den MC1R-Effekt, jeder kann ihn verstärken.
Wann zum Hautarzt: ABCDE und versteckte Stellen
Ein Hautarzttermin ist fällig, sobald ein Fleck eines der ABCDE-Merkmale erfüllt oder sich neu, anders oder unruhig anfühlt. Die American Academy of Dermatology (AAD) definiert Asymmetrie, unregelmäßigen Rand, wechselnde Farben, einen Durchmesser von oft mehr als sechs Millimetern und jede Veränderung in Form, Größe oder Farbe. Melanome können kleiner sein; der Durchmesser allein beruhigt nicht.
Schmerz fehlt häufig. AAD und Mayo Clinic betonen, dass Jucken, Bluten, eine nicht heilende Stelle oder ein „hässliches Entlein“, das aus der übrigen Muttermalgruppe heraussticht, denselben Handlungsdruck haben. Unter dem Nagel kann ein dunkler Streifen sitzen. An Fußsohlen und zwischen den Zehen entstehen flache, dunkle, unscharf begrenzte Flecken. Wer den Rücken nicht selbst sieht, braucht einen Spiegel oder eine zweite Person.
Wie oft die professionelle Ganzkörperuntersuchung sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Risiko ab. ACS rät Menschen mit vielen Muttermalen oder familiärem Melanom zu regelmäßigen Kontrollen und monatlicher Selbstuntersuchung. Für Menschen ohne Extra-Risiko bleibt der Nutzen einer jährlichen Routineuntersuchung weniger klar belegt als bei hoher Muttermalzahl. Bei Rothaar-Phänotyp, vielen Sommersprossen oder früheren Verbrennungen spricht viel dafür, das Intervall mit der Hautärztin festzulegen, statt auf Zufallsfunde zu warten.
- Asymmetrie bedeutet, dass beide Hälften eines Flecks nicht zueinanderpassen.
- Ein ausgefranster oder unscharf in die Haut übergehender Rand verdient denselben Blick.
- Mehrere Braun-, Schwarz-, Rot- oder Blautöne in einem Fleck sind verdächtig.
- Wachstum, Jucken oder Bluten innerhalb weniger Wochen brauchen einen zeitnahen Termin.
- Ein Muttermal, das anders aussieht als alle übrigen, gilt als hässliches Entlein.
Was den Schaden im Alltag begrenzen kann
Kein Mittel löscht das angeborene MC1R-Risiko, mehrere Maßnahmen können die UV-Last senken. CDC nennt Schatten, bedeckende Kleidung, eine Krempe, die Gesicht, Ohren und Nacken trifft, und eine Sonnenbrille mit UVA- und UVB-Schutz. Liegt der UV-Index bei 3 oder höher, soll diese Kombination greifen. In den kontinentalen USA sind die Strahlen zwischen etwa 10 und 16 Uhr am stärksten, im Vereinigten Königreich nennt der NHS 11 bis 15 Uhr.
Beim Lichtschutzfaktor weichen die Behörden leicht voneinander ab. CDC nennt LSF 15 als Untergrenze für ein Breitbandpräparat. Mayo Clinic und NHS raten zu mindestens 30, der NHS zusätzlich zu mindestens vier UVA-Sternen. Großzügig auftragen und alle zwei Stunden nachcremen, öfter nach Schwimmen oder Schwitzen, gilt bei Mayo Clinic. NCI schreibt klar, dass Creme einen Sonnenbrand verhindern und aktinische Keratosen dämpfen kann, der Nachweis einer Melanom-Senkung aber fehlt. Creme ist deshalb ein Baustein, kein Freibrief für längere Mittagssonne.
Kinder brauchen denselben Schutz früher. ACS und NHS heben hervor, dass junge Haut empfindlicher ist und schwere Brände das spätere Melanomrisiko mitprägen. Solarien entfallen in jedem Alter. Wer bereits ein Melanom hatte, braucht laut ACS feste Nachsorgetermine, weil ein Zweitmelanom häufiger vorkommt. Die Selbstuntersuchung gehört in den Kalender: Gesicht, Kopfhaut, Ohren, Rumpf, Arme, Beine, Füße, Zehenzwischenräume, Gesäßfalte und Genitalhaut.
- Schatten und dicht gewebte, langärmelige Kleidung tragen mehr als eine dünne Creme-Schicht allein.
- Eine Krempe schützt Ohren und Nacken besser als ein Schirm nach vorn.
- Solarien und Sonnenbänke bleiben verzichtbar, auch vor einer Reise in den Süden.
- Nachcremen nach zwei Stunden verhindert, dass der Schutz unbemerkt abbröckelt.
- Monatliches Abtasten der eigenen Haut ersetzt den Hautarzt nicht, holt Veränderungen aber früher.
Gentest und Palmitoylierung gehören noch nicht in die Praxis
Ein MC1R-Gentest ist für die allermeisten Rothaarigen überflüssig. Das NCI-PDQ hält fest, dass die Genotyp-Information die Vorhersage aus Alter, Geschlecht und Pigmentdichte nur geringfügig verbessert. ACS empfiehlt genetische Beratung vor allem bei mehreren Melanomen in einer Familie, sehr frühem Erkrankungsalter oder zusätzlichen Tumoren wie Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dort geht es um hochpenetrante Gene wie CDKN2A, nicht um den alltäglichen Rothaar-Rezeptor.
In Melanomfamilien mit CDKN2A-Mutation können MC1R-Varianten die Durchschlagskraft erhöhen und das Diagnosealter vorziehen. Das NCI zitiert Arbeiten, in denen eine Variante das Risiko etwa verdoppelte und mehrere Varianten es vervier- bis sechsfachten. Solche Konstellationen gehören in eine spezialisierte Sprechstunde, nicht in einen Versandtest ohne Beratung.
Die Palmitoylierung von MC1R, 2017 von Chen und Kollegen in Mäusen beschrieben, bleibt ein Laboransatz. Ein chemischer Schub der Verankerung des Rezeptors senkte dort Melanomraten nach UVB. Nachfolgearbeiten an Depalmitoylierungs-Enzymen und am Stoffwechselregler AMPK (2023) blieben ebenfalls präklinisch. Es gibt kein zugelassenes Medikament, das Rothaar-MC1R im Menschen „wieder einschaltet“. Metformin oder Nahrungsergänzungen sind dafür keine Therapie. Wer 2017 von einem Durchbruch las, sollte das als Mausbefund lesen, nicht als Apothekenrezept.
Häufige Fragen
Haben alle Rothaarigen automatisch ein hohes Melanomrisiko?
Nein. Rotes Haar verschiebt die Gruppe nach oben, entscheidet aber nicht über den einzelnen Verlauf. Muttermalzahl, Sonnenbrände, Familie und Wohnort unter starker Sonne können das Risiko weiter anheben oder im Vergleich klein halten. Cancer Research UK und Williams und Kollegen beschreiben relative, keine sicheren Risiken.
Reicht eine Sonnencreme als einziger Schutz?
Nein. NCI schreibt, dass Creme das Melanom nicht bewiesenermaßen verhindert. CDC, Mayo Clinic und NHS setzen Schatten, Kleidung und Hut vor oder neben das Präparat. LSF 30 plus Nachcremen ist sinnvoll, ersetzt aber keine Mittagspause im Schatten.
Soll ich mein MC1R-Gen testen lassen?
In der Regel nein. NCI und ACS sehen in der Genotyp-Information wenig zusätzlichen Nutzen gegenüber Hauttyp, Muttermalen und Familienanamnese. Ein Test lohnt eher, wenn mehrere enge Verwandte Melanome oder verdächtige Begleittumoren hatten und eine Beratung das Ergebnis einordnen kann.
Können Melanome auch unter der Kleidung oder am Fuß entstehen?
Ja. Mayo Clinic beschreibt Melanome an Sohlen, Handflächen, Nägeln, Kopfhaut und Schleimhäuten. Mitras Mausarbeit zeigt einen UV-unabhängigen Phäomelanin-Pfad. Bedeckte Haut gehört deshalb in die Selbstkontrolle, auch wenn UV weiter der Hauptfaktor bleibt.
Wie oft sollte ich als Rothaarige oder Rothaariger zur Hautkrebsvorsorge?
Ein festes Intervall für alle gibt es nicht. ACS empfiehlt bei vielen Muttermalen oder familiärem Melanom engere ärztliche Kontrollen plus monatliche Selbstuntersuchung. Mit der Hautärztin lässt sich festlegen, ob jährlich oder dichter kontrolliert wird, sobald ABCDE-Zeichen auftreten sofort.
Schützt eine Vorbräune im Solarium vor dem Sommer?
Nein. CDC nennt jede Bräune nach UV einen Gewebeschaden. Cancer Research UK verknüpft Sonnenbänke mit einem höheren Melanomrisiko, besonders bei früher Erstnutzung. Ein Spray-Tan färbt nur die Hornschicht und ersetzt weder Kleidung noch Creme.
Fazit
Rote Haare sind ein sichtbares Zeichen für MC1R-Varianten und viel Phäomelanin. Das hebt das Melanomrisiko in Metaanalysen bis etwa auf das Dreifache gegenüber dunklem Haar und erklärt, warum auch eine einzelne Genkopie ohne roten Schopf zählen kann. UV-Licht bleibt der größte Hebel, den jemand selbst bewegt; der oxidative Phäomelanin-Weg begründet zusätzlich, warum bedeckte Haut und ganzjähriger Schutz dazugehören.
Für den morgigen Tag reicht ein konkretes Bündel. Mittagssonne meiden, Kleidung und Hut wählen, ein Breitbandpräparat mit LSF 30 auftragen, Solarien lassen, die eigene Haut einmal im Monat von Kopf bis Fuß ansehen. Jeder neue, unruhige oder andersfarbige Fleck gehört zum Hautarzt, nicht in die Warteschleife bis zum nächsten Sommer.
Palmitoylierung und Gentests ändern diesen Plan vorerst nicht. Sie bleiben Forschung oder Spezialsprechstunde. Wer rote Haare hat, braucht keine Angstkampagne, sondern wiederholbare Gewohnheiten und eine Adresse, die ABCDE-Zeichen ernst nimmt, bevor der Tumor in die Tiefe wächst.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: Skin Cancer Risk Factors. Centers for Disease Control and Prevention, 17. Juni 2026.
- PDQ Screening and Prevention Editorial Board: Skin Cancer Prevention (PDQ®)–Patient Version. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- PDQ Cancer Genetics Editorial Board: Genetics of Skin Cancer (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Mayo Clinic Staff: Melanoma – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 30. Dezember 2023.
- American Academy of Dermatology: What to look for: ABCDEs of melanoma. American Academy of Dermatology, Stand: 2024.
- American Cancer Society: Causes, Risk Factors, and Prevention of Melanoma Skin Cancer. American Cancer Society, 12. August 2026.
- National Health Service: Causes of melanoma skin cancer. National Health Service, 15. Juli 2026.
- Cancer Research UK: Melanoma skin cancer risk. Cancer Research UK, 14. Dezember 2023.
- Williams PF, Olsen CM et al.: Melanocortin 1 receptor and risk of cutaneous melanoma: a meta-analysis and estimates of population burden. International Journal of Cancer, 1. Oktober 2011.
- Mitra D, Luo X et al.: An ultraviolet-radiation-independent pathway to melanoma carcinogenesis in the red hair/fair skin background. Nature, 15. November 2012.
- Robles-Espinoza CD, Roberts ND et al.: Germline MC1R status influences somatic mutation burden in melanoma. Nature Communications, 12. Juli 2016.
- Chen S, Zhu B et al.: Palmitoylation-dependent activation of MC1R prevents melanomagenesis. Nature, 21. September 2017.
