
Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine Rechenzahl aus Gewicht und Körpergröße, kein Maß für Körperfett und kein Diagnosewerkzeug. Er kann muskulöse Menschen als adipös einstufen und Personen mit schmaler Waage, aber viel Bauchfett als unauffällig belassen.
Die US-Seuchenbehörde CDC führt den BMI weiter als schnellen, günstigen Erstcheck, verlangt aber ausdrücklich weitere Faktoren: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Untersuchungsbefund und Alltag. Die britische Leitlinie NICE (NG246, Fassung 2025) sagt dasselbe klarer als ältere Texte. Den BMI liest man mit Vorsicht, weil er zentrale Fettansammlung nicht direkt erfasst. Seit der Aktualisierung 2022 gehört bei Erwachsenen unter BMI 35 der Quotient aus Taille und Körpergröße dazu. Wer die Taille unter der halben Körpergröße hält, liegt nach NICE im günstigeren Bereich.
Was der BMI misst und was die Zahl verschweigt
Der BMI teilt das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Er sagt nur, wie schwer jemand relativ zur Höhe ist, nicht wie viel Fett, Muskel oder Knochen die Waage ausmacht.
Die CDC (Stand 16. Dezember 2025) nennt die Formel BMI = Gewicht (kg) / Größe (m)². Für Erwachsene ab 20 Jahren gelten in den USA dieselben Klassen unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Unter 18,5 gilt als Untergewicht, 18,5 bis unter 25 als gesundes Gewicht, 25 bis unter 30 als Übergewicht, ab 30 als Adipositas. Klasse 1 reicht von 30 bis unter 35, Klasse 2 von 35 bis unter 40, Klasse 3 (schwere Adipositas) beginnt bei 40. Die Weltgesundheitsorganisation nutzt dieselben Schwellen 25 und 30 als Surrogat für zu viel Fett und betont, dass zusätzliche Maße wie der Taillenumfang die Einordnung stützen können.
Genau dort liegt die Lücke. Der BMI hängt laut CDC mäßig bis stark mit Verfahren zusammen, die Fettmenge und -lage wirklich erfassen, etwa der Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie (DEXA). Er unterscheidet aber nicht Fett von Muskel und Knochen und zeigt nicht, wo das Fett sitzt. Viszerales Fett um die Organe belastet Stoffwechsel und Gefäße anders als Fett an Hüfte oder Oberschenkel. Eine Zahl, die beides in dasselbe Raster zwingt, muss Einzelne falsch einsortieren, selbst wenn sie in großen Bevölkerungen Trends zuverlässig abbildet.
Historisch wurde das Raster erst spät zur Kliniknorm. Ein Essay in Preventing Chronic Disease (August 2025) erinnert daran, dass Versicherungstabellen der 1950er Jahre, ein NIH-Konsens der 1980er und die WHO-Klassifikation der 1990er den BMI zum weltweiten Standard machten. Als Statistiker Adolphe Quetelet im 19. Jahrhundert Gewicht zur Größe in Beziehung setzte, ging es um Bevölkerungsbeschreibungen, nicht um die Diagnose einer einzelnen Person. Diese Herkunft erklärt, warum die Formel in Studien weiterlebt und am Untersuchungstisch oft zu grob bleibt.

Warum Muskeln, Alter und Geschlecht die Klasse verzerren
Viel Muskel hebt den BMI, ohne dass überschüssiges Fett vorliegen muss. Umgekehrt kann jemand mit wenig Muskel und viel Bauchfett in der „gesunden“ Klasse landen.
Die CDC beantwortet die Athletenfrage direkt. Wer viel Muskelmasse hat, kann allein nach der Zahl in der Klasse Übergewicht oder Adipositas stehen. Die Behörde fordert dann Krankengeschichte, Bewegungsverhalten, Tastbefund und Labor, nicht die Klasse als Urteil. Mayo Clinic (2. Dezember 2025) ergänzt eine praktische Grenze. Oberhalb von BMI 35 ist zusätzliches Gewicht deutlich häufiger Fett als Muskel; die Athleten-Ausnahme wird dort seltener. Cleveland Clinic (Stand 19. Mai 2026) rät, die Standardtabelle bei Leistungssport, Schwangerschaft, Muskelschwund und ab etwa 65 Jahren nicht isoliert zu nutzen.
Geschlecht und Alter verschieben die Fettmenge bei gleichem BMI. Dieselbe Formel gilt für Frauen und Männer, obwohl erwachsene Frauen oft einen höheren Fettanteil haben. Mit den Jahren schwindet Muskel, der Grundumsatz sinkt, und Fett lagert sich häufiger am Rumpf. NICE verlangt ab 65 Jahren klinisches Urteil. Begleiterkrankungen, Alltagstauglichkeit und ein möglicher Schutz durch einen etwas höheren BMI sollen mitgedacht werden. MedlinePlus (23. Juli 2024) nennt denselben Punkt für Knochen. Ein leicht erhöhter BMI im höheren Alter kann vor Osteoporose schützen; Abnehmen oder Zunehmen bleibt Sache des Gesprächs mit der Praxis, nicht einer App.
Kinder und Jugendliche brauchen ein anderes Raster. Die CDC wertet dort Perzentilen nach Alter und Geschlecht, nicht die Erwachsenenschwellen. NICE nutzt britische Perzentilen und erwägt ab fünf Jahren zusätzlich Taille geteilt durch Körpergröße. Wer eine Familienwaage für ein Schulkind wie für einen Erwachsenen liest, verdreht die Aussage.
Warum Bauchfett mehr zählt als die Waage
Fett am Rumpf, besonders viszerales Fett um Leber, Bauchspeicheldrüse und Herz, hängt enger mit Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheit zusammen als die BMI-Klasse allein. Zwei Menschen mit BMI 27 können völlig verschiedene Risiken haben, wenn einer 80 cm Taille hat und der andere 110.
Mayo Clinic verknüpft Folgekrankheiten häufiger mit einem Taillenumfang über 102 cm bei Männern und über 89 cm bei Frauen (40 bzw. 35 Zoll). Die Zahl ist eine Orientierung, kein Naturgesetz. Das National Center for Health Statistics schrieb im Datenbrief vom September 2024 offen, dass Körperfett bei gleichem BMI nach Geschlecht, Alter und Herkunft schwankt und der BMI die Verteilung nicht abbildet. Trotzdem bleibt er ein einfacher Erstcheck, weil direkte Fettmessung teuer und selten flächendeckend ist.
Die Europäische Adipositasgesellschaft EASO formulierte im Juli 2024 in Nature Medicine schärfer. Bauchfett verschlechtert die Gesundheit auch bei Menschen, deren BMI unter der klassischen Adipositasgrenze 30 liegt und die noch keine offene Krankheit zeigen. Deshalb reicht die Zahl 30 als einziges Kriterium nicht. Wer zwischen 25 und 30 liegt, ein Taille-zu-Größe-Verhältnis über 0,5 hat und bereits medizinische, funktionelle oder psychische Beeinträchtigungen trägt, soll nach diesem Rahmen wie eine Person mit Adipositas betrachtet werden. Ältere Texte, die nur „ab 30 behandeln“ rieten, unterschätzen genau diese Gruppe.
WHO-Daten von 2022 beziffern das globale Ausmaß. 2,5 Milliarden Erwachsene galten als übergewichtig, 890 Millionen lebten mit Adipositas; das waren 43 Prozent bzw. 16 Prozent der Erwachsenen. Die Behörde definiert Adipositas als chronische, rückfällige Krankheit und den BMI als Surrogat. Ohne Blick auf die Taille bleibt ein Teil des Risikos unsichtbar, das diese Zahlen andeuten.
Taille-zu-Größe: was Leitlinien seit 2022 verlangen
NICE verlangt bei Erwachsenen mit BMI unter 35 das Taille-zu-Größe-Verhältnis zusätzlich zum BMI. Ein Wert ab 0,5 gilt als erhöhte zentrale Adipositas, ab 0,6 als hohe; die Zielmarke bleibt unter 0,5, also Taille kleiner als die halbe Körpergröße.
Gemessen wird nach der Anleitung in NG246 auf halber Strecke zwischen unterstem Rippenbogen und oberem Beckenkamm, knapp oberhalb des Nabels, nach natürlichem Ausatmen. Taille und Größe müssen in derselben Einheit stehen, Zentimeter oder Zoll. 96,5 cm Taille bei 170 cm Größe ergeben 0,57. Dieselbe Rechnung in Zoll führt zum selben Verhältnis. NICE stuft 0,40 bis 0,49 als gesunde zentrale Fettverteilung ohne erhöhtes Risiko, 0,50 bis 0,59 als erhöht und 0,60 oder mehr als weiter erhöht. Die Stufen gelten für beide Geschlechter, alle Ethnien und auch für Menschen mit viel Muskel, solange der BMI unter 35 bleibt.
Warum die Grenze bei 35? Die Leitliniengruppe schrieb in der Begründung, oberhalb dieser Marke sei das Verhältnis fast immer hoch und bringe für die Risikoabschätzung wenig Zusatz. Unter 35 trennt es Athleten mit breitem Brustkorb von sitzenden Menschen mit Apfelform, die derselbe BMI in eine Klasse packt. Die EASO wählte bewusst das Verhältnis statt des nackten Taillenumfangs, weil es kardiometabolisches Risiko in Studien oft besser abbildet und Körpergröße mitberücksichtigt.
NICE ermutigt Erwachsene unter BMI 35, das Verhältnis selbst zu messen und bei erhöhtem Wert eine kardiometabolische Abklärung zu suchen. Blutdruck, Nüchternzucker oder HbA1c und ein Lipidprofil sagen mehr über das nächste Jahrzehnt als die Wiederholung der Waage. Die Leitlinie warnt zugleich vor diagnostischer Überlagerung. Hüftschmerz oder Asthma zuerst behandeln, nicht jedes Symptom dem Gewicht zuschreiben, und vor dem Maßband um Erlaubnis bitten.
Ethnische Schwellen: wann 23 schon Übergewicht heißt
Menschen mit südasiatischem, chinesischem, weiterem asiatischem, nahöstlichem, schwarzafrikanischem oder afrokaribischem Hintergrund entwickeln zentrale Fettansammlung und kardiometabolische Krankheit oft schon bei niedrigerem BMI. NICE setzt für diese Gruppen Übergewicht bei 23,0 bis 27,4 und Adipositas ab 27,5 an.
Die Klassen 2 und 3 verschiebt die Leitlinie dort üblicherweise um 2,5 kg/m² nach unten. Mayo Clinic nennt für Asiatinnen und Asiaten ein erhöhtes Risiko bereits ab BMI 23, unabhängig von der britischen Herkunftsliste. Das NCHS-Brief zitiert Kohorten aus England, in denen ethniespezifische Schwellen das Diabetesrisiko besser trafen als die weltweite 30er-Marke. Wer mit familiären Wurzeln in Südasien einen BMI von 26 hat und sich „noch im grünen Bereich“ wähnt, liest das WHO-Raster, nicht das Risiko.
Die WHO selbst belässt die globalen Schwellen 25 und 30, weil sie Vergleiche zwischen Ländern tragen. Für die Sprechstunde gilt das nicht als Freibrief. NICE verpflichtet Praxen seit 2025 ausdrücklich, diese Gruppen und ihre Familien auf das frühere Risiko hinzuweisen, ohne zu stigmatisieren. Cleveland Clinic listet Herkunft neben familiärer Last, Geschlecht und Aktivität als Gründe, warum dieselbe Zahl verschieden gelesen werden muss.
Normaler BMI und trotzdem metabolisch belastet
Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 schließt zentrale Adipositas und Stoffwechselkrankheit nicht aus. NICE sagt das zur Klasse „gesundes Gewicht“ offen: dort kann trotzdem ein erhöhtes Taille-zu-Größe-Verhältnis liegen.
Mayo Clinic beschreibt das Bild als Normalgewicht-Adipositas. Hoher Fettanteil trotz „normaler“ Zahl, besonders am Bauch, kann dieselben ernsten Risiken tragen wie klassische Adipositas. Bluthochdruck, Insulinresistenz, ungünstige Blutfette und Fettleber hängen an der Fettfunktion, nicht am Etikett auf dem Ausweis. Die Lancet-Kommission zu klinischer Adipositas (2025), zusammengefasst im CDC-Essay vom August 2025, trennt deshalb präklinische und klinische Adipositas. Überschüssiges Fett allein, nachgewiesen per DEXA oder mindestens zwei Körpermaßen, ist noch nicht dasselbe wie Fett, das Organe stört oder Alltagsbewegungen erheblich begrenzt.
Der EASO-Rahmen zieht die Konsequenz. Diagnose braucht eine anthropometrische und eine klinische Seite. Wer Komplikationen hat, wartet nicht auf den Sprung über BMI 30, bevor Blutdruck, Zucker und Gelenke behandelt werden. NICE formuliert denselben Satz seit Jahren. Begleiterkrankungen sofort angehen, nicht bis zum Gewichtsverlust warten. Das ältere Schlagwort „metabolisch gesunde Adipositas“ taugt als Momentaufnahme, nicht als Entwarnung. Fettverteilung, Fitness und Labor können in wenigen Jahren kippen, ohne dass die BMI-Klasse sich ändert.

Warum höhere BMI-Werte manchmal günstiger aussehen
In manchen Kohorten sterben Menschen mit leicht erhöhtem BMI seltener als sehr Schlanke. Das heißt nicht, dass Adipositas schützt, sondern dass die Zahl Fett und Muskel vermengt und Krankheit oft zuerst das Gewicht senkt.
Der Beitrag in Preventing Chronic Disease (2025) nennt die U-Kurve. Sehr niedriger und sehr hoher BMI gehen häufiger mit ungünstigen Verläufen einher. Ältere, chronisch Kranke oder Menschen mit Herzschwäche verlieren Muskel und Appetit; der BMI fällt, das Risiko steigt. Wer Muskel behält, bleibt schwerer und überlebt in solchen Gruppen oft länger. NICE übersetzt das für Menschen ab 65 in Vorsicht vor aggressiver Gewichtsabnahme ohne Blick auf Kraft, Stürze und Begleiterkrankungen. MedlinePlus warnt ältere Erwachsene davor, allein wegen der Tabelle zu hungern.
Für jüngere, sonst stabile Erwachsene gilt die U-Kurve nicht als Freibrief für BMI 32. Mayo Clinic knüpft Adipositas an Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe, Arthrose, steatotische Leberkrankheit und mehrere Krebsarten. Die NCHS-Zahlen für die USA (August 2021 bis August 2023) zeigen 40,3 Prozent Adipositas und 9,4 Prozent schwere Adipositas nach BMI. Schwere Adipositas stieg in zehn Jahren von 7,7 auf 9,7 Prozent. Das sind Bevölkerungsmaße, keine individuellen Prognosen, aber sie erklären, warum Behörden den BMI trotz aller Schwächen nicht abgeschafft haben.
Welche Maße sich neben dem BMI eignen
Kein Ersatzmaß ist perfekt. Die Kombination aus BMI, Taille-zu-Größe und wenigen Laborwerten trifft das Risiko besser als jede Einzelzahl.
| Maß | Was es zeigt | Orientierung | Typische Schwäche |
|---|---|---|---|
| Body-Mass-Index | Gewicht zur Körpergröße | WHO und CDC: Übergewicht ab 25, Adipositas ab 30 | trennt Fett nicht von Muskel |
| Taillenumfang | Bauchumfang in Zentimetern | Mayo: über 102 cm Männer, über 89 cm Frauen | hängt stark von der Körpergröße ab |
| Taille-zu-Größe | zentrale Fettansammlung | NICE: ab 0,5 erhöhtes Risiko, Ziel unter 0,5 | bei BMI ab 35 oft ohne Zusatzgewinn |
| DEXA-Scan | Fettmasse und Magermasse | individuelle Auswertung in der Klinik | teuer und nicht flächendeckend |
NICE lehnt Bioimpedanzwaagen als Ersatz für den BMI bei der Einschätzung allgemeiner Adipositas ab, bei Erwachsenen wie bei Kindern. Haushaltswaagen mit Stromimpulsen können Trends zeigen, ersetzen aber weder Maßband noch Labor. Die Lancet-Kommission 2025 verlangt zur Bestätigung überschüssigen Fetts entweder eine direkte Messung oder mindestens zwei Körpermaße (BMI plus Taille, Taille-zu-Hüfte oder Taille-zu-Größe). Cleveland Clinic erinnert daran, dass familiäre Last und Alltag das Bild färben, das keine Formel allein malt.
Praktisch reicht oft ein Stoffband und eine Wandmarkierung für die Größe.
- Messen Sie die Taille nach dem Ausatmen zwischen Rippenbogen und Beckenkamm, nicht über der Gürtellinie der Hose.
- Teilen Sie den Wert durch die Körpergröße in derselben Einheit und notieren Sie das Verhältnis, nicht nur das Gewicht.
- Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette lesen, wenn das Verhältnis bei 0,5 oder darüber liegt oder der BMI ethniespezifisch schon Übergewicht anzeigt.
- Wiederholen Sie Größe und Gewicht in derselben Praxiswaage, bevor Sie eine Klasse zur Lebensentscheidung machen.
DEXA oder eine medizinische Impedanzmessung bleiben Spezialfällen vorbehalten. Sarkopenie im Alter, Leistungssport mit unklarer Klasse, vor bariatrischen Eingriffen oder wenn die Zahl und der klinische Eindruck nicht zusammenpassen. Die CDC nennt DEXA präzise und zugleich teuer und wenig verfügbar. Für den Hausbesuch bleibt das Maßband das Werkzeug, das NICE 2022 in die Regelversorgung geholt hat.
Wann zum Arzt, welche Blutwerte sinnvoll sind
Ein einzelnes BMI-Ergebnis ist kein Notfall. Ein Taille-zu-Größe-Verhältnis ab 0,5, ein BMI ab 30 (oder ab 27,5 in den von NICE genannten Herkunftsgruppen) oder bekannte Begleiterkrankungen sind Gründe für einen Termin, nicht für Panik.
NICE rät Erwachsenen mit erhöhtem Verhältnis, eine kardiometabolische Abklärung zu suchen. Sinnvoll sind Blutdruck, ein Zuckerwert (Nüchternplasma oder HbA1c) und ein Lipidprofil, dazu Fragen zu Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Gelenkschmerz und Medikamenten, die Gewicht heben können. Mayo Clinic listet Steroide, manche Antidepressiva, Antiepileptika, bestimmte Diabetesmittel, Antipsychotika und einige Betablocker. Die Zahl auf der Waage erklärt nicht jede Zunahme.
Mayo Clinic nennt als häufige Begleiter der Adipositas Herzkrankheit und Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, mehrere Krebsarten, Schlafapnoe, Arthrose und Fettleber bis zur Zirrhose. Wer Durst, häufiges Wasserlassen, Sehstörungen, nächtliche Atemaussetzer oder zunehmende Brustenge bemerkt, wartet nicht auf die nächste Klasse auf dem Rechner. Brustschmerz, plötzliche schwere Luftnot oder Bewusstseinsstörung gehören in die Notaufnahme; das Gewicht ist dann Nebensache.
NICE wiederholt zwei Haltungsregeln, die ältere Ratgeber oft ausließen. Symptome nicht pauschal dem Gewicht zuschreiben. Vor dem Gespräch um Erlaubnis bitten. Die Leitlinie will Messung in geeigneten Momenten: Einschreibung in der Praxis, Kontrollen chronischer Krankheiten, Check-ups. Wer sich selbst misst und ein Verhältnis ab 0,5 findet, hat damit schon den Anlass, den die Leitlinie 2022 in den Alltag geschrieben hat.
Wofür der BMI in Praxis und Statistik noch taugt
Als Bevölkerungsmaß und grober Erstcheck bleibt der BMI nützlich, weil er schnell, billig, unblutig und weltweit vergleichbar ist. Als einziges Urteil über eine einzelne Person ist er zu grob.
Die CDC nutzt ihn für Karten zur Adipositasprävalenz, für Trends über Jahrzehnte und für Programme wie WIC bei kleinen Kindern. Ohne eine gemeinsame Zahl gäbe es keinen Vergleich zwischen Bundesstaaten oder Kalenderjahren. Für Kinder ab zwei Jahren empfiehlt die American Academy of Pediatrics im Rahmen von Bright Futures eine jährliche BMI-Bewertung anhand der CDC-Wachstumskurven, vor allem um Wachstum zu verfolgen und Dosierungen anzupassen. Erwachsene können denselben Rechner nutzen, um Zu- oder Abnahme über Monate zu sehen. Steigt das Gewicht bei gleichbleibender Größe, ist das fast immer Fett oder Flüssigkeit, nicht plötzlich gewonnener Muskel.
EASO belässt für Menschen europäischer Herkunft die Anerkennung von Adipositas ab BMI 30 auch ohne schon sichtbare Komplikation. Die Lancet-Kommission verlangt zusätzlich den Nachweis überschüssigen Fetts, weil eine Minderheit mit hohem BMI wenig Fett trägt. Beide Texte ersetzen den BMI nicht, sie betten ihn ein. Wer nur die Klasse kennt und weder Taille noch Labor, hat die Frage der Seite nicht beantwortet.
Häufige Fragen
Ist der BMI bei Sportlern falsch?
Er kann falsch liegen, weil Muskel die Zahl hebt, ohne dass überschüssiges Fett vorliegt. Die CDC und Mayo Clinic beschreiben genau dieses Bild und fordern dann Taille, Leistungsfähigkeit und Labor statt der Klasse allein. Oberhalb von BMI 35 wird die Athleten-Ausnahme nach Mayo seltener, weil zusätzliches Gewicht dort meist Fett ist.
Welcher Taillenumfang gilt als ungünstig?
Mayo Clinic knüpft häufigere Folgekrankheiten an mehr als 102 cm bei Männern und mehr als 89 cm bei Frauen. NICE bevorzugt das Verhältnis zur Körpergröße, weil große und kleine Menschen sonst ungerecht bewertet werden. Ein Verhältnis ab 0,5 gilt dort unabhängig vom Geschlecht als erhöhtes Risiko.
Ist ein BMI unter 25 automatisch gesund?
Nein. NICE weist darauf hin, dass auch die Klasse „gesundes Gewicht“ zentrale Adipositas enthalten kann. Mayo Clinic beschreibt Normalgewicht mit hohem Bauchfettanteil als Risikobild. Taille-zu-Größe, Blutdruck und Zuckerwerte entscheiden mit, nicht die Zahl allein.
Soll ich eine Bioimpedanzwaage statt des BMI nutzen?
Als Ersatz für den BMI in der ärztlichen Einschätzung allgemeiner Adipositas rät NICE davon ab. Haushaltswaagen mit Stromimpuls können grobe Trends zeigen, ersetzen aber weder Maßband noch Blutwerte. DEXA bleibt Präzisionsverfahren für ausgewählte Fragen, nicht für den Alltag.
Ab welchem Alter darf der BMI etwas höher sein?
NICE verlangt ab 65 Jahren Vorsicht und nennt einen möglichen Schutz durch einen etwas höheren BMI, zusammen mit Kraft und Begleiterkrankungen. MedlinePlus erwähnt denselben Punkt für die Knochen. Eigenmächtiges Abnehmen nur wegen der Tabelle ist in diesem Alter oft der falsche Reflex.
Reicht Taille durch Größe statt des BMI?
Nein. NICE setzt es neben den BMI, und nur bei Werten unter 35. Die EASO nutzt beide Größen plus Klinik, die Lancet-Kommission verlangt sogar zwei Maße oder eine direkte Fettmessung. Die Kombination ist die Antwort, nicht der Austausch einer Formel durch die nächste.
Fazit
Nehmen Sie den BMI als groben Erstcheck und nicht als Urteil über Fett, Fitness oder Charakter. Messen Sie die Taille nach NICE-Anleitung und halten Sie sie unter der halben Körpergröße. Liegt das Verhältnis bei 0,5 oder darüber, oder liegt der BMI in Ihrer Herkunftsgruppe schon im Übergewicht, gehören Blutdruck, Zucker und Blutfette auf den Tisch.
Seit 2022 hat sich die Leitlinienlage verschoben. NICE macht zentrale Fettansammlung messbar, die EASO zieht Menschen mit BMI 25 bis 30 und Komplikationen in die Adipositasdiagnose, die Lancet-Kommission 2025 trennt Fettnachweis von Organschaden. Das alte Schema „18,5 bis 25 gleich gesund, ab 30 gleich krank“ ist für Einzelne zu grob. Begleiterkrankungen warten nicht, bis die Klasse springt.
Für morgen reicht ein Stoffband, die letzte Größe und ein Termin, wenn Zahl und Alltag nicht zusammenpassen. Wer Krafttraining macht, nach einer Krankheit Gewicht verloren hat oder über 65 ist, sagt das in der Sprechstunde dazu. Die Formel bleibt. Gelesen wird sie anders als 2018.
Quellen
- CDC: About Body Mass Index (BMI). Centers for Disease Control and Prevention, 16. Dezember 2025.
- CDC: Adult BMI Categories. Centers for Disease Control and Prevention, 19. März 2024.
- CDC: BMI Frequently Asked Questions. Centers for Disease Control and Prevention, 28. Juni 2024.
- NICE: Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2025.
- Mayo Clinic Staff: Obesity – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 2. Dezember 2025.
- WHO: Obesity and overweight. World Health Organization, Stand: 2024.
- Busetto L, Dicker D, Frühbeck G et al.: A new framework for the diagnosis, staging and management of obesity in adults. Nature Medicine, 5. Juli 2024.
- Cleveland Clinic: Body Mass Index (BMI). Cleveland Clinic, 19. Mai 2026.
- Emmerich SD, Fryar CD, Stierman B et al.: Obesity and Severe Obesity Prevalence in Adults: United States, August 2021–August 2023. NCHS Data Brief, September 2024.
- MedlinePlus: Body mass index. MedlinePlus, 23. Juli 2024.
- Zahid S, Peng AW, Razavi AC et al.: Center Stage: Putting Obesity Staging Systems Into the Spotlight. Preventing Chronic Disease, 28. August 2025.
