
Flacher Affekt bedeutet, dass Gesicht, Stimme und Gesten kaum noch verraten, was innen vorgeht. Das Gefühl selbst kann weiter da sein; der Ausdruck bleibt aus, und die Ursache entscheidet, welcher Weg Sinn hat.
Viele Menschen beschreiben das als innerlich flach, leer oder wie hinter Glas. Manchmal steckt eine schwere Depression dahinter, manchmal ein Negativsymptom einer Psychose, eine steife Gesichtsmuskulatur bei Parkinson, eine Nebenwirkung serotonerger Antidepressiva oder die Folge einer Hirnverletzung. Die Cleveland Clinic (Stand 18. August 2026) betont, dass fehlende Mimik nicht automatisch fehlende Emotion ist. Wer das Gesicht der anderen nicht mehr lesen kann oder selbst starr wirkt, braucht eine Einordnung, keine Moralpredigt über Faulheit.
Was flacher Affekt wirklich bedeutet
Flacher Affekt ist ein beobachtbarer Verlust des emotionalen Ausdrucks, kein Beweis dafür, dass innen nichts mehr stattfindet. Mimik, Blickkontakt, Sprachmelodie und die kleinen Kopf- und Handbewegungen, die sonst jedem Satz Farbe geben, bleiben aus oder werden winzig.
Die Cleveland Clinic nennt das Affektverflachung und zählt sie zu den häufigsten Negativsymptomen der Schizophrenie. Negativ heißt hier nicht „schlecht“, sondern dass etwas fehlt, das die meisten Menschen unwillkürlich mitbringen. Wer spricht, zeigt sonst Freude, Ärger oder Interesse im Gesicht. Bei flachem Affekt bleibt dieses Signal weg, oft zusammen mit einer Stimme ohne Hebung und Senkung.
Ältere Texte verwendeten flachen und abgestumpften Affekt oft durcheinander. In der aktuellen Konzeptarbeit zu Negativsymptomen, zusammengefasst von Galderisi und Marder in World Psychiatry (2018), ist der abgestumpfte Affekt der Leitbegriff. Flach bezeichnet das Extrem derselben Skala, also fast keine sichtbare Reaktion mehr. Bewertet wird, was in einem Gespräch sichtbar und hörbar ist, nicht das innere Erleben. Genau deshalb wirkt das Bild nach außen kalt, während Betroffene später oft berichten, sie hätten sehr wohl etwas gespürt, nur den Weg nach außen nicht gefunden.

Flach, abgestumpft oder innerlich taub
Drei Bilder werden im Alltag in einen Topf geworfen, obwohl sie verschiedene Fragen an die Praxis stellen. Flacher Affekt ist das fast stumme Gesicht. Abgestumpfter Affekt lässt noch eine schwache Reaktion zu, nur leiser und enger als erwartet. Innere Taubheit, oft emotionales Abstumpfen genannt, sitzt im Erleben. Freude und Trauer kommen gedämpft an, unabhängig davon, wie viel Mimik noch da ist.
Diese Trennung ist keine Wortklauberei. Eine Person mit Parkinson kann innerlich belustigt sein und trotzdem maskenhaft wirken, weil die Gesichtsmuskeln langsam und steif sind. Eine andere Person nimmt unter einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Filme, Musik und Streit als stumpfer wahr, obwohl das Gesicht noch mitgeht. Eine dritte Person nach einem Trauma meidet Nähe und wirkt betäubt, ohne dass eine Psychose vorliegt.
Für Angehörige fühlt sich jedes dieser Bilder ähnlich an. Gespräche werden zäh, Lachen bleibt aus, Blickkontakt bricht ab. Für die Behandlung zählt der Mechanismus. Motorische Steifheit braucht andere Schritte als eine Residualdepression, und eine medikamentös gedämpfte Gefühlswelt andere als ein primäres Negativsymptom. Wer nur „flach“ sagt, landet leicht bei der falschen Therapie.
Welche Erkrankungen das Gesicht stumm machen können
Kein einzelnes Labor erklärt ein starres Gesicht. Die Klinik sortiert nach Begleitzeichen, Verlauf und Medikamentenliste, nicht nach einem Schnappschuss.
Bei Schizophrenie gehört die verminderte emotionale Ausdrucksfähigkeit zu den diagnostischen Dimensionen. Die Mayo Clinic (16. Oktober 2024) beschreibt fehlenden Blickkontakt, monotone Stimme, wenig gezeigte Emotion und den Verlust von Freude an Alltäglichem. Das Merck Manual (Aktualisierung Februar 2026) zeichnet dasselbe Bild mit unbewegtem Gesicht, fehlenden Betonungsgesten und Ereignissen, die sonst Lachen oder Weinen auslösen, aber ohne sichtbare Antwort bleiben. Eine schwere Depression kann denselben Eindruck erzeugen, dann oft zusammen mit verlangsamtem Sprechen, leerem oder hoffnungslosem Grundton und dem Rückzug von Hobbys. Nach einem Trauma können Vermeidung, Albträume und eine betäubte Gefühlswelt dazukommen, ohne dass das die gleiche Störung ist wie ein primäres Negativsymptom.
Neurologisch täuscht die Hypomimie bei Parkinson. Steifheit und Langsamkeit der Gesichtsmuskeln erzeugen ein Maskengesicht, das Umgebung als Traurigkeit oder Desinteresse liest. Nach Schädel-Hirn-Trauma oder einem Schlaganfall, besonders wenn Tonfall und Gestik betroffen sind, kann die Stimme die innere Lage schlecht tragen. Bei Autismus erklären viele Teams heute eher eine begleitende Alexithymie, also die Schwierigkeit, Gefühle zu benennen, als „den Autismus selbst“.
| Bild | Was man sieht | Häufiger Rahmen | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Flacher Affekt | Fast keine Mimik, Stimme ohne Melodie | Schizophrenie, schwere Depression | Psychiatrische Abklärung, nicht abwarten |
| Abgestumpfter Affekt | Reaktionen da, aber schwach und eng | Depression, Traumafolgen | Therapie der Grunderkrankung |
| Innere Taubheit | Freude und Trauer fühlen sich stumpf an | SSRI oder SNRI, Restdepression | Dosis und Mittel mit der Praxis prüfen |
| Maskengesicht | Starre Muskeln, seltener Lidschlag | Parkinson-Krankheit | Neurologie, Sprachtherapie, Bewegungsmedikamente |
| Tonfall ohne Farbe | Stimme trägt keine Emotion | Hirnverletzung, Schlaganfall | Neurologie und logopädische Therapie |
Schizophrenie und der Ausdruck als Negativsymptom
Bei Schizophrenie ist der flache oder abgestumpfte Affekt ein Negativsymptom, nicht eine Charakterentscheidung. Positivsymptome fügen etwas hinzu, etwa Stimmen oder Wahn. Negativsymptome ziehen etwas ab, nämlich Antrieb, Sprache, soziales Interesse und sichtbare Emotion.
Die Europäische Psychiatrische Vereinigung hat 2021 zwei Leitlinien vorgelegt, eine zur Erfassung und eine zur Behandlung. Fünf Bereiche gelten als Kern, nämlich Affektverflachung, Spracharmut (Alogie), verminderte Freude (Anhedonie), sozialer Rückzug (Assozialität) und fehlender Antrieb (Avolition). Diese fünf lassen sich grob in Ausdruck (Gesicht, Stimme, Wortmenge) und Motivation (Freude, Ziele, Nähe) teilen. Primär bedeutet, dass das Symptom zur Erkrankung selbst gehört und auch dann bleibt, wenn Wahn, Depression und Medikamentennebenwirkungen sauber behandelt sind. Sekundär bedeutet, dass Parkinsonoid durch ein Neuroleptikum, eine unbehandelte Depression, positiver Wahn, der Isolation erzwingt, oder schlicht Unterstimulation dasselbe Gesicht erzeugen können.
Der NHS (Stand 13. April 2023) weist darauf hin, dass Negativsymptome oft Monate oder Jahre vor der ersten akuten Episode auftauchen. Angehörige deuten das gern als Pubertät, Faulheit oder Unhöflichkeit. Die Cleveland Clinic bestätigt, dass viele erst Hilfe suchen, wenn Halluzinationen oder Wahn dazukommen, obwohl der Rückzug und die leere Mimik schon länger da waren. Schizophrenie lässt sich laut Merck Manual auch ohne Negativsymptome diagnostizieren; fehlen sie, heißt das nicht, die Diagnose sei „leichter“. Fehlen sie und das Gesicht ist trotzdem starr, muss die Praxis andere Ursachen suchen, statt automatisch eine Psychose zu unterstellen.
Depression und das Gefühl, innen sei nichts mehr
Eine Depression kann das Gesicht leeren, weil Antrieb, Freude und motorisches Tempo sinken. Die Mayo Clinic beschreibt für die schwere Depression unter anderem Leere, Hoffnungslosigkeit, verlangsamtes Sprechen und Bewegen sowie den Verlust von Interesse an Dingen, die früher getragen haben. Das wirkt nach außen oft wie flacher Affekt, sitzt aber im Stimmungssystem und kann sich mit der Depression wieder beleben.
Nach einem Trauma sieht das Bild verwandt aus und ist trotzdem ein anderer Auftrag. Vermeidung, Schreckhaftigkeit, Albträume und negative Veränderungen von Gedanken und Stimmung gehören zum Kern einer posttraumatischen Belastungsstörung. Manche wirken betäubt oder sozial abgeschaltet. Das ist kein Beweis für eine Schizophrenie. Gleichzeitig kann eine Psychose eine Depression oder eine Traumafolge überlagern. Dann braucht es beide Stränge, nicht ein Entweder-oder.
Wer nur noch funktioniert, nichts mehr spürt und gleichzeitig Suizidgedanken hat, wartet nicht auf „mehr Motivation“. Die Mayo Clinic stuft Gedanken, sich zu verletzen, als Notfall ein. In Deutschland erreichen Sie den Notruf unter 112. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar. Das Merck Manual (Stand 2025/2026) nennt für Schizophrenie eine Suizidsterblichkeit von etwa 4 bis 10 Prozent und Suizidversuche bei rund 35 Prozent der Betroffenen. Junge Männer mit zusätzlichem Substanzkonsum und Menschen direkt nach einer stationären Entlassung tragen ein höheres Risiko. Eine leere Mimik allein erklärt diese Zahlen nicht, sie darf sie aber nicht verdecken.
Parkinson, Schlaganfall und Verletzungen des Gehirns
Bei Parkinson lügt das Gesicht oft. Die Parkinson’s Foundation erklärt Hypomimie als dieselbe Steifheit und Langsamkeit, die Schritte verkürzen und die mimischen Muskeln treffen. Lächeln, Augenbrauen heben und ein lebendiger Blick kosten Kraft und Zeit. Zusammen mit einer leiseren Stimme liest die Umgebung Trauer oder Ärger, obwohl die Stimmung ganz anders sein kann.
Bewegungsmedikamente, die die Rigidität mindern, können das Maskengesicht mitentspannen. Eine logopädische Mitbehandlung trainiert Gesicht, Stimme und Schlucken. Gleichzeitig ist Depression bei Parkinson häufig und behandelbar; wer das maskenhafte Gesicht für die ganze Wahrheit hält, übersieht eine behandelbare Niedergeschlagenheit. Angehörige helfen oft schon, wenn sie den motorischen Mechanismus kennen und nicht jedes stumme Gesicht als Vorwurf lesen.
Nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma können Tonfall, Betonung und das Lesen nonverbaler Signale reißen. Die Person fühlt Wut oder Freude und die Stimme bleibt flach. Das ist eine Kommunikationsstörung, keine Entscheidung für Kälte. Rehabilitation, Sprachtherapie und die Behandlung einer begleitenden Depression können Teile des Ausdrucks zurückholen. Ein plötzlicher Beginn nach Sturz, Unfall oder mit Lähmung, Sprachverlust oder Bewusstseinsänderung gehört in die Notaufnahme, nicht in eine wochenlange Selbstbeobachtung.

Autismus und die Schwierigkeit, Gefühle zu benennen
Ein reduziertes oder ungewöhnliches Mienenspiel kommt bei Autismus vor, ist aber kein flacher Affekt im Sinne eines schizophrenen Negativsymptoms. Viele autistische Menschen zeigen Emotion anders, später oder mit weniger konventioneller Mimik, während innen durchaus viel passiert.
Die Alexithymie-Forschung hat das Bild seit den 2010er-Jahren verschoben. Kinnaird, Stewart und Tchanturia werteten 2019 in European Psychiatry Studien aus und fanden bei bis zu der Hälfte der autistischen Teilnehmenden eine begleitende Alexithymie. Arbeiten, die Autismus und Alexithymie getrennt halten, legen nahe, dass die Schwierigkeit, Gesichtsausdrücke zu erkennen oder selbst zu produzieren, oft stärker an der Alexithymie hängt als an der Autismusdiagnose. Das ist keine Entschuldigung für fehlende Unterstützung, sondern ein Hinweis, woran Therapie ansetzen kann. Körpergefühle benennen und interozeptive Signale üben hilft mehr als der Versuch, „Normalmimik“ zu erzwingen.
Wer als Kind oder Jugendliche schon immer eine knappe Mimik hatte, ohne Rückzug, ohne Wahn und ohne plötzlichen Knick, trägt eher ein Entwicklungsprofil als eine neue Krankheit. Ein plötzlicher Verlust von Ausdruck im Erwachsenenalter, dazu Antriebsverlust oder Stimmen, spricht gegen „das war schon immer so“ und für eine aktuelle Abklärung.
Medikamente, die Gefühle dämpfen können
Serotonerge Antidepressiva können Freude und Trauer gleichzeitig leiser machen. Masdrakis, Markianos und Baldwin fassten 2023 in Acta Neuropsychiatrica 50 Originalarbeiten zusammen. Antidepressiva, vor allem SSRI, können ein Apathiesyndrom oder emotionales Abstumpfen auslösen. Reize, die früher heftig getroffen hätten, kommen dann stumpf an. Die berichtete Häufigkeit liegt insgesamt zwischen 5,8 und 50 Prozent, in Stichproben nur mit SSRI zwischen 20 und 92 Prozent. Das Bild kann unabhängig von Diagnose, Alter und sogar unabhängig davon entstehen, ob die Depression schon besser ist. Es wirkt dosisabhängig und oft reversibel. Erster klinischer Schritt ist eine Dosisprüfung, nicht das eigenmächtige Absetzen.
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von Langley und Kollegen (Neuropsychopharmacology, 23. Januar 2023) gab 66 gesunden Erwachsenen mindestens 21 Tage lang 20 Milligramm Escitalopram oder Placebo. Die Escitalopram-Gruppe lernte schlechter aus Verstärkung, weil Belohnung und Rückmeldung das Verhalten weniger zogen. Die Autoren deuten das als mögliches Modell für das „Abstumpfen“, das viele Patientinnen und Patienten unter SSRI beschreiben. Die Dosis gilt für diese Studie, nicht als Hausrezept.
Neuroleptika können einen flachen Eindruck erzeugen oder verstärken, wenn sie Parkinsonoid, Sedierung oder Antriebsarmut nach sich ziehen. Die EPA-Leitlinie zur Behandlung (17. März 2021) rät deshalb zuerst, sekundäre Negativsymptome abzuräumen. Dosis und Wirkstoff sollen so gewählt werden, dass positive Symptome ruhig werden, ohne das Gesicht pharmakologisch einzufrieren. Ein Wechsel von einem Mittel der ersten Generation auf eines der zweiten Generation kann erwogen werden. Antidepressiva als Zusatz sind eine Option, kein Automatismus. Kein Mittel soll ohne die verordnende Stelle gestoppt werden; ein abruptes Ende kann Psychose, Angst oder Entzugswellen auslösen.
Wann das starre Gesicht in die Sprechstunde gehört
Ein einzelnes müdes Wochenende ohne Lächeln ist noch kein Syndrom. Neu, anhaltend oder mit Funktionsverlust gehört das Bild auf den Tisch.
Suchen Sie zeitnah eine hausärztliche oder psychiatrische Sprechstunde, wenn Mimik und Stimme über Wochen leer bleiben und Alltag, Arbeit oder Beziehungen kippen. Dasselbe gilt, wenn Angehörige einen Knick beschreiben, den Sie selbst kaum spüren. Die Mayo Clinic hält fest, dass Menschen mit Schizophrenie die eigene Erkrankung oft nicht als behandlungsbedürftig erkennen; dann müssen Familie oder Freunde den ersten Kontakt anschieben. Der NHS ergänzt, dass Negativsymptome leicht als Unhöflichkeit gelesen werden. Ein ruhiges, konkretes Gespräch („Dein Gesicht wirkt seit Monaten starr, du sprichst kaum noch“) hilft mehr als Vorwürfe.
Sofort den Notruf 112 wählen oder eine Notaufnahme aufsuchen, wenn Stimmen zu Gewalt gegen sich oder andere auffordern, ein Plan zur Selbsttötung da ist, die Selbstversorgung zusammenbricht oder nach einem Kopftrauma Lähmung, wiederholtes Erbrechen, Krampfanfall oder zunehmende Verwirrtheit auftreten. Die Mayo Clinic stuft Selbst- und Fremdgefährdung sowie fehlende Unterkunft, Nahrung oder Kleidung als Gründe für den Notdienst ein. In Deutschland bleibt 112 der schnelle Weg, die Telefonseelsorge der Gesprächsweg ohne Sirene.
Was in der Behandlung tatsächlich helfen kann
Die Ursache steuert die Therapie; ein Hausmittel gegen „mehr Mimik“ gibt es nicht. Bei Schizophrenie bleiben Antipsychotika die Basis gegen Wahn und Halluzinationen. Für die Negativsymptome selbst fehlt laut Cleveland Clinic (2026) ein spezifisch zugelassenes Arzneimittel. Manche Neuroleptika dämpfen Positivsymptome, ohne den Ausdruck zu verbessern, einzelne können ihn sogar schwächer wirken lassen.
Die EPA-Empfehlung von 2021 bleibt deshalb nüchtern und praktisch. Zuerst sekundäre Ursachen behandeln. Dann das Antipsychotikum so schlank und verträglich wie möglich halten. Einen Wechsel auf ein Mittel der zweiten Generation erwägen, wenn ein älteres Präparat mit starken motorischen Nebenwirkungen läuft. Ein Antidepressivum zusätzlich kann helfen, ist aber kein Allheilmittel. Training sozialer Fertigkeiten wird empfohlen. Kognitive Remediation kommt infrage, wenn Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Planung mitbetroffen sind. Bewegungsangebote haben in Studien Hoffnung gemacht, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
NICE (CG178) rät, Menschen mit anhaltenden positiven und negativen Symptomen eine kognitive Verhaltenstherapie anzubieten, typischerweise über mindestens 16 Einzelsitzungen. Kunsttherapien können insbesondere bei Negativsymptomen erwogen werden, als Ergänzung, nicht als Ersatz für Medikamente. Die Cleveland Clinic nennt außerdem Familientherapie und neuere Programme, die Motivation, Fertigkeiten und kognitive Elemente verbinden. Keines dieser Angebote verspricht ein geheiles Gesicht. Viele Menschen gewinnen Anteile von Ausdruck, Alltag und Kontakt zurück, wenn Depression, Dosis und Psychose sauber sortiert sind.
Bei Parkinson stehen Bewegungsmedikamente, Logopädie und die offene Erklärung des Maskengesichts im Vordergrund. Bei SSRI-Taubheit prüft die Praxis Dosis, Wirkstoffklasse und, falls nötig, einen Wechsel; einige Berichte nennen unter anderem Bupropion oder Agomelatin als Ausweichoptionen, die Datenlage bleibt dünn. Nach Trauma helfen traumafokussierte Psychotherapien und, wenn nötig, Medikamente gegen Angst, Schlafbruch und betäubte Stimmung. Hausaufgaben für den nächsten Tag bleiben klein. Bringen Sie die Medikamentenliste mit, bitten Sie eine Vertrauensperson zum Gespräch und beschreiben Sie den Verlauf der Mimik in Wochen statt in Stunden.
Häufige Fragen
Ist flacher Affekt dasselbe wie keine Gefühle mehr zu haben?
Nein. Flacher Affekt beschreibt den fehlenden Ausdruck in Gesicht, Stimme und Gestik, nicht automatisch ein leeres Innenleben. Viele Betroffene spüren weiter Freude, Angst oder Trauer, finden aber keinen sichtbaren Weg nach außen. Genau deshalb wirkt das Gegenüber oft kälter, als die Person ist.
Kann eine Depression mein Gesicht so leer machen?
Ja. Schwere Depression kann Mimik, Sprechtempo und Interesse so drosseln, dass Außenstehende einen flachen Affekt sehen. Mit der Stimmung kehrt der Ausdruck oft teilweise zurück. Bleibt das Gesicht starr, obwohl Antrieb und Hoffnung schon besser sind, soll die Praxis Medikamente und andere Diagnosen prüfen.
Machen Antidepressiva mich emotional taub?
Sie können das. SSRI und verwandte Mittel dämpfen bei einem relevanten Teil der Behandelten Freude und Trauer zugleich. Das Bild ist häufig dosisabhängig und oft rückläufig, wenn die Dosis mit der verordnenden Stelle angepasst wird. Selbst absetzen ist riskant, weil Entzug und Rückfall die Lage verschlechtern können.
Wann muss ich mit einem starren Gesicht zum Arzt?
Wenn der leere Ausdruck neu ist, Wochen anhält oder Arbeit, Hygiene und Beziehungen kippen, gehört das in die Sprechstunde. Stimmen mit Gewaltauftrag, Suizidpläne, zusammenbrechende Selbstversorgung oder neurologische Zeichen nach einem Schlag auf den Kopf sind ein Notfall. Familie darf den ersten Anruf machen, wenn die betroffene Person die Änderung nicht sieht.
Wird flacher Affekt wieder besser?
Das hängt von der Ursache ab. Sekundäre Formen, etwa durch Depression, zu hohe Neuroleptikadosis oder SSRI-Abstumpfen, können sich bessern, wenn der Auslöser weicht. Primäre Negativsymptome einer Schizophrenie sind zäher; Therapie zielt auf Funktion, Kontakt und erreichbare Anteile von Ausdruck, nicht auf ein garantiertes altes Gesicht.
Wie spreche ich Angehörige auf das starre Gesicht an?
Beschreiben Sie Beobachtungen, keine Absicht. Ein Satz wie „Dein Gesicht wirkt seit Wochen starr, und du antwortest fast nur noch mit einem Wort“ öffnet mehr als „Du bist kalt geworden“. Bieten Sie an, den Arzttermin mit vorzubereiten. Droht Gefahr, bleiben Sie bei der Person und holen professionelle Hilfe, statt zu diskutieren.

Fazit
Ein flaches Gesicht ist ein Signal, keine Diagnose. Zuerst trennt die Klinik, ob der Ausdruck fehlt, das Gefühl innen stumpf ist oder die Muskeln motorisch nicht mitkommen. Schizophrenie, schwere Depression, Trauma, Parkinson, Hirnverletzung, Autismus mit Alexithymie und serotonerge Medikamente können dasselbe Foto erzeugen und brauchen verschiedene Wege.
Für morgen reicht ein konkreter Schritt. Schreiben Sie auf, seit wann Mimik und Stimme leer wirken, welche Mittel in welcher Dosis laufen und ob Stimmen, Suizidgedanken, steife Muskeln oder ein frisches Kopftrauma dazugehören. Gehen Sie damit in die Sprechstunde oder, bei Gefahr, direkt in die Notaufnahme. Angehörige dürfen den Termin anschieben, wenn Einsicht fehlt.
Heilung im Sinne eines fest versprochenen, vollständig zurückgekehrten Ausdrucks gibt es nicht. Was es gibt, ist eine sortierbare Ursache und eine Therapie, die sich daran hält statt an Vorwürfen.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Schizophrenia – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 16. Oktober 2024.
- Keshavan MS: Schizophrenia – Mental Health – Merck Manual Consumer Version. Merck Manual Consumer Version, Stand: Februar 2026.
- NICE: Recommendations | Psychosis and schizophrenia in adults: prevention and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2014.
- Cleveland Clinic: The 5 Negative Symptoms of Schizophrenia. Cleveland Clinic, 18. August 2026.
- Parkinson’s Foundation: Facial Masking (hypomimia) in Parkinson’s disease. Parkinson’s Foundation, Stand: 2026.
- NHS: Symptoms – Schizophrenia. National Health Service, 13. April 2023.
- Langley C, Armand S et al.: Chronic escitalopram in healthy volunteers has specific effects on reinforcement sensitivity: a double-blind, placebo-controlled semi-randomised study. Neuropsychopharmacology, 23. Januar 2023.
- Galderisi S, Mucci A et al.: EPA guidance on assessment of negative symptoms in schizophrenia. European Psychiatry, 18. Februar 2021.
- Galderisi S, Kaiser S et al.: EPA guidance on treatment of negative symptoms in schizophrenia. European Psychiatry, 17. März 2021.
- Masdrakis VG, Markianos M, Baldwin DS: Apathy associated with antidepressant drugs: a systematic review. Acta Neuropsychiatrica, 16. Januar 2023.
- Marder SR, Galderisi S: The current conceptualization of negative symptoms in schizophrenia. World Psychiatry, 26. Januar 2018.
- Kinnaird E, Stewart C, Tchanturia K: Investigating alexithymia in autism: A systematic review and meta-analysis. European Psychiatry, Januar 2019.
